n.
Fundstelle: Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1604, Z. 61
substantivierter inf.; vgl.unterhalt undunterhaltung. nach A I a: durch u. eines fangnetzes wird der sprung ungefährlich. nach A II 2 b: sind dise beide gestifft in aim underhalten, gilt und regierung gewessen städtechron. 23, 16. nach A II e ζ: das u. eines gebäudes, einer strasze; nach i: das u. eines zersetzungsprocesses; nach μ: das u. freundschaftlicher beziehungen Fontane I 6, 139. nach A II f: das u. einer zahlreichen familie, dienerschaft, eines heeres, einer frau u. dgl. nach: A II 2 h β: sein unermüdetes arbeiten ... sein geselliges u. ..., alles war der ergusz seines gottgeweiheten gemüths Jung-Stilling (1835) 1, 655; das u. schien er ... nicht zu verstehen Körner 4, 10 Hempel.
unterhalten verb.
Fundstelle: Lfg. 10,11 (1926,1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1597, Z. 58
spätmhd. underhalten Diefenbach gl. 569ᶜ; gemma (1508) B 3ᵃ; underhalden handelsrechn. d. d. ordens 113, 31 Sattler; mnl. nl. onderhouden; dän. underholde, schwed. underhaͦlla aus d. deutschen. vgl.unterhalt, ↗unterhaltnis, unterhaltung; unterhaltbar, -haltlich, -haltsam.
A.
mit ¹unter III A 1 (sub).
I.
in trennbarer verbindung.
1)
eigentlich.
a)
transitiv: also so der könig auff sein pferd wolt steigen, so muͦst V. understehen und sein ruck dem barbaro underhalten S. Franck chron. Germ. (1538) 33ᵇ; halt dem aderlässer das becken unter Garg. 147 ndr.; agnum subrumare (saugen lassen) das lamb unterhalten nomenclator Hamburg (1634) 171; untergehaltene gefäsze J. Prätorius saturnalia (1663) 45; Göthe 39, 247 W.; im dichterischen bilde: die ufer und die beete hielten ihre blühenden kleinen dem himmel unter Jean Paul s. w. 23 (1827), 40 R. sprichwörtlich Borchardt-Wustmann 72⁵): der eine melckt ein bock, der andere hält ein sieb under Lehmann florileg. 2, 853; Kant 3, 79 ak. ausg.; nl. wb. 10, 1352.
b)
intransitiv: also dasz dieser hat können unterhalten und obenliegen, das ist des manns ehelich werck verrichten Albertus Magnus v. d. geheimnissen d. weiber (1678) 167; das object ist zu ergänzen: (er) liesz einem jeden, der unterhielt, eine braune, zähe flüssigkeit in sein gefäsz rinnen Stifter 5, 1, 21.
2)
uneigentlich.
a)
halbsinnlich: darumb wie schwerlich sye (d. christen) schon etwan fallen, ... noch halt gott sein handt under M. Bucer bericht J 1ʰ; der bijoutier setzte überall seinen witzigen ausleerungen nach und hielt die beiden ohren unter Jean Paul 7/10, 138 H.
b)
nach ¹unter III A 1 a γ 'zur verfügung behalten'; mnl. wb. 5, 360: item J. H. tenetur 200 m., dyͤ sal her underhalden, dyͤ wile das her unser ding vorsteͤt czu Danczk handelsr. d. d. ordens 113, 31 Sattler; vgl.unterhaben. veraltet.
c)
nieder-, in botmäszigkeit halten (unter III A 1 a δ):
(löwen) mit wuͤten, toben und gewalten
all thier so trutzlich underhalten
B. Waldis Esopus 2, 266 K.;
dieser ... bruͦder wird ... wenig ... gedacht, daruͤmb dasz sie der eltiste ... sehr untergehalten und zu keiner regierung kommen lassen M. C. Schütz hist. rer. Prussic. (1592) 1, C 3ᵃ; die beständige furcht des todes, worinn der grausame alle redliche ... unterhält E. v. Kleist 1, 174. veraltet.
d)
intransitiv (wie oben 1 b Albertus Magnus), 'zurückstehen'; vgl. mnl. hem onderhouden wb. 5, 361:
wann der arm musz stet unterhalten
H. Sachs 9, 205, 7 K.
veraltet.
e)
tenorare underhalden Sachses glossar (Herrigs archiv 47) 445ᵃ; Diefenbach gl. 577ᶜ. vgl. ¹unter III A 1 a ε undersingen. veraltet.
II.
in untrennbarer verbindung.
1)
sinnlich 'von unten stützen'; doch schwebt die vorstellung des steifens vor und beeinfluszt die construction: Aaron aber und Hur unterhielten im (Moses, der die rute gottes hält) seine hende 2 Mos. 17, 12. veraltet.
2)
übertragen.
a)
aufrechterhalten, unterstützen, fördern, sustinere:
die hoffnung unterhält auch den, dem beyde füsze
an ketten sind gelegt
Opitz opera (1690) 3, 315
von der tugend:
sie ist's, die mich so kräftiglich unterhält,
wenn gleich die welt mit schrecklichem krachen fällt
Neumark lustwald (1657) 159;
zu dessen gedeyhlicher fortsetzung ... die ewige weyszheit gottes selbst ew. churf. durchl. gemüth ... mit aller nöthigen krafft und hülffe mächtiglich secundiren und unterhalten ... wolle! G. Arnold ketzerhistorie (1699) widmung 2ᵇ. veraltet.
b)
wie I 2 c:
darumb die oberkeit für zeiten
hat solche bürd denselben leuten
auffgelegt, sie zu underhalten
und uber sich sie lassen walten
B. Waldis Esopus 1, 181 K.;
'unter sich haben': wie vill zechen ain steiger unterhalten oder verwesen mag (1515) Lori bergrecht 177. veraltet.
c)
wie halten 6 b (unterhalt A II 2) 'unterschlupf gewähren, den aufenthalt gestalten': die (Überlinger) habend si (die herren von Schussenried zum schutz gegen die bauern) underhalten Baumann quellen z. gesch. d. bauernkriegs 1, 501 lit. ver.; die fluchend ... hinder den pabst ... das hat der keiser ungern an pabst, dasz er sine widerwärtige underhielt Tschudi chron. (1734) 1, 118. sich unterhalten 'sich versteckt aufhalten': sich sein f. g. dise zeit bei seinen vettern, den fürsten von Bayren, underhielt städtechron. 23, 362, 20; wo sich der schwartz Cristoff underhalt, das soll er sagen Thomas v. Absberg 362 lit. ver. veraltet.
d)
beim leben erhalten, salvare, retten: gott unterhelt uns, er beschützt und regieret uns Luther 34, 2, 87 W.; dann wann ich ym nit den leib zu erhalten vertrauw, vil weniger kan ich ym die seel ewigklich zu underhalten vertrawen 12, 633 W.; eben als das anschauwen der gegosznen schlangen, die lewt bey irem leben underhielt Melanchthon-Spalatinus anweisung in d. h. schrift (1523) 83;
du unterhältst mir auch das leben
Simon Dach bei Fischer - Tümpel 3, 80;
gott ... durch den die welt
sich unterhält
mit nahrung, geist und leben
ebda 3, 87;
mein steuermann, mein haupt, der, dessen vatersorge
mich unterhielt, ist hin
Hoffmannswaldau-Neukirch 7, 173.
veraltet. etwas umgebogen: so macht es in einem schönen leibe die darinnen verborgene seele, wenn sie jede nerve unterhält, belebt (vgl. i), und doch nicht sichtbar ist, als in ihren wirckungen Breitinger crit. poet. schr. 1, 55.
e)
in geltung, in einem zustande, im fortbestande erhalten (vgl.erhalten 5), fortbestehen lassen, fortsetzen, rege erhalten, pflegen u. ä. (lat. sustinere); besonders mit dem eindringen des französischen im 18. jahrh. haben durch entretenir und soutenir gebildete ausdrücke eingewirkt, wobei sich dann alteinheimisches mit dem neuen und fremden mischen muszte.
α)
in geltung oder ordnung erhalten, einen vertrag erfüllen: die festag andächtiglich u. Fischart bienenkorb (1588) 199ᵃ; alte andacht und herkommene weis unverbrüchlich u. 159ᵇ; umb derentwegen er diesen bund gern hilfft u. discours (1589) E 3ᵃ. einen vertrag erfüllen P. v. d. Aelst Heymonskinder (1604) 10. mnl. wb. 5, 361, 2 b. nl. wb. 10, 1357. veraltet; näher liegt unserm sprachgefühl: das urbar underhalten, in ordnung halten, weiterführen österr. weisth. 10, 61, 8; eine acte u.
β)
wie erhalten 6: dann desz pferdts maul soll allweg geschmack underhalten werden J. Fayser hippokomike (1623) 166. veraltet.
γ)
wie erhalten 5: und wer besser, sie als nachbawern mit gütigkeyt zu überwinden dann mit strengigkeyt in forcht underhalten Carbach Livius 29ᵇ; im gehorsam u. Zinkgref-Weidner 3 (1653), 88; gleichwie ein kluger feldherr seine soldaten in steter musterung unterhält J. B. Schupp schr. 850; die gäste in verwunderung, die leute in süszer einbildung u. Chr. Weise erznarren 28 ndr.; Leibniz d. schr. 1, 224; die musen unterhielt er in beständiger bewegung Rabener 2, 46; ähnlich nach franz. s'entretenir (nl. wb. 10, 1356): undt werde sie leszen, umb mich in der teutschen sprach zu u. undt selbige nicht zu vergessen El. Charlotte v. Orleans 12 Menzel. veraltet.
δ)
aufrecht erhalten, sustinere, soutenir:
die freundschafft musz uns unterhalten,
der mensch ist ein gesellisch thier
S. Dach 750 Österley;
lasset indessen uns mit hoffnung u. Schoch studentenleben (1657) C 7ᵃ; conservari:
er weisz, dasz nur mit rosen
kein stand sich unterhält
S. Dach 162 Ö.;
sich u. im schwange bleiben, fortdauern: daher komme, ... dasz die zänkereien in der welt sich unterhalten und immerwährend bleiben Leibniz d. schr. 2, 318. veraltet.
ε)
wie franz. soustenir la voix, une cadence: den ton u. anhalten Quantz anweisung, die flöte zu spielen (1789) 57; anstatt weniger unterhaltenen noten Ph. E. Bach art das clavier zu spielen (1759) 1, 1. veraltet, heute dafür halten, aushalten.
ζ)
einen bau, eine bauliche anlage in bau und besserung, in gutem stand erhalten; schon mnl. (wb. 5, 361, 2 a); entretenir: sollen ... si ... die berurten weg und pruken, auch ander gemains markts notdurft des statlicher underhalten (1523) österr. weisth. 10, 8, 11; ein hausz im bau u. Kramer (1700) 1, 611ᵇ; dagegen stellt die gewerkschaft den eisenzeug und unterhält die grubenzimmerung (1742) mittheil. des hist. vereins f. Steiermark 37, 191; wer ... ein gebäude ... zu u. hat bgb. 838, 1; die crocodile hätten nie bis zu ihnen gelangen können, wenn ihre canäle schlecht unterhalten gewesen wären J. H. Jacobi 6, 340; den zustand des schlecht unterhaltnen pflasters Göthe IV 27, 132 W.; der wohl unterhaltenen strohdächer Steffens was ich erlebte 1, 370; Karmarsch-Heeren 10³, 332; die mauern ... die nicht mehr u. werden konnten, stürzten Herm. Schmidt alte u. neue gesch. a. Bayern (1861) 208. unüblich ist ein von Matthisson 5, 236 gebildeter superlativ zum part. praet.: auf einer der trefflichsten und unterhaltensten kunststraszen; auch unterhaltenheit, f. ebda 5, 245.
η)
fortsetzen, soutenir: ein solches gespräch mit den abwesenden freunden und feinden pfleget in briefwechslung unterhalten zu werden Harsdörfer secret. 1, 602. O. unterhielte diese unterredung aus gewissen ursachen A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 1053; ich bin so wenig dazu gemacht, einen scherz zu u. Kotzebue 2, 61; Krünitz 199, 414.
θ)
festhalten: die süszen träume ... halten nicht würkliches genug, diesen angenehmen zustand meines gemüthes lange zu u. Wieland Agathon 1, 294; mit H. habe ich gestern einen sehr vergnügten tag zugebracht, wobei ich bis gegen mittag die hoffnung unterhielt, sie (Schiller) hier zu sehen Göthe IV 11, 270 W.; ... schatten, der ... durch die einander berührenden oberen zweige noch länger u. wird J. St. Pütter selbstbiographie (1798) 552; das orchester unterhält eine fortgehende bewegung O. Jahn Mozart 1, 375.
ι)
eine thätigkeit, eigenschaft, einen natürlichen procesz im gange erhalten: in hohen verrichtungen u. werden Kramer (1700) 1, 611ᶜ; die aufmerksamkeit der leser, die lust zum reisen u. Breitinger crit. dichtkunst 1, 86; J. J. Chr. Bode Montaigne 5, 414; nichts aber unterhält den fleisz und die arbeitsamkeit der menschen besser, als wenn ein jeder einen solchen aufwand macht, wie es sein vermögen mit sich bringet v. Loen kl. schr. (1794) 1, 18; auch wirkt die geschichte nicht auf uns durch ein moralisches und unterhaltenes interesse, das wahre ist öfters unvollständig in seinen wirkungen Göthe 40, 227 W.; dasz nun im recht dadurch, dasz es überall eine männliche selbständigkeit voraussetzt, diese eigenschaft im volk u. werden ... musz, bedarf wohl kaum der bemerkung Jhering geist d. röm. rechts 2, 1, 317; ursachen ... durch welche die eigentümlichen zersetzungsprocesse ... hervorgerufen und u. werden J. Liebig chem. briefe 150; das feuer auf dem herde u.
κ)
von affecten und leidenschaften. gth. unterdrücken: o Fortuna, ... durch stete abwechselung deiner gnade unterhältestu die lobwirdige begierde zu kriegen Schottel friedenssieg 18 ndr.; so hat man nicht ursache, ihn (den affect) zu tilgen, sondern vielmehr zu u. Chr. Wolff gedanken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 371; also fuhr sie fort, eine leidenschaft zu u., davon sie die folge keines weges in überlegung zog J. J. Chr. Bode Thomas Jones 2, 143. vgl. nutrire.
λ)
von vorstellungen, meinungen u. dgl.: das günstige vorurtheil u. Wieland Agathon 1, 332; den glauben an den tollwurm u. J. Möser 5, 39; Schleiermacher I 5, 51; wenn der spieler das bewusztseyn seiner gegenwärtigen lage sorgsam und ängstlich unterhält Schiller 2, 346 G.; was er später gesagt hatte, darüber unterhielt er nur unklare vorstellungen Fontane I 6, 36.
μ)
von freundlichen und feindlichen beziehungen: dasz ihr mit dem deutschen orden ... ewigen frieden und freundschaft unterhaltet M. C. Schütz historia rer. Pruss. (1592) 1, G 2ᵃ; freundschafft und verträglichkeit u. Hohberg georgica curiosa 1, 8; einen briefwechsel u. Lessing 4, 249 M.; einen getreulichen verkehr u. G. Keller 6, 218; eine bekanntschaft u. zeitschr. f. d. wortf. 3, 236; die vertraulichkeit u. Kramer (1700) 1, 611ᵇ; ein verständnis mit jem. u. Schiller 7, 267 G.; die freundschaftlichen beziehungen, welche die deutschen regierungen mit allen auswärtigen mächten unterhalten Bismarck polit. reden 4, 52; intimste beziehungen zu einer frau u. Fontane (1890) 7, 95; die uneinigkeit in einer familie u. Schwan; streit und parteiungen u. O. Jahn Mozart 4, 145.
ν)
pflegen: in meinem familienkreise ... wo die englische ... literatur ... lebhaft unterhalten wird Göthe IV 41, 6 W.; namentlich hatte erzbischof S. dieselbe (kirchenmusik) mit sorgfalt unterhalten O. Jahn Mozart 1, 427.
ξ)
in sonstigen verbindungen: jemand mit langen und leeren hoffnungen u. (hinhalten; entretenir q. de vaines espérances) Kramer (1700) 1, 611ᵇ; Schwan; unüblich; an dem beispiele dieses mädchens mögen die frauen lernen, dasz ein redliches gemüth ... die herzenswunden nicht unterhält (vgl. hierzu wie zu den folg. beiden stellen ι), die es nicht heilen will Göthe 24, 88 W.; dort glimmt noch durch die fernen gebüsche eine lampe, die vielleicht die späten nachtwachen eines weisen unterhält C. C. L. Hirschfeld landleben (1776) 47; das feuer u. zeitschr. f. d. wortf. 3, 236; dennoch haben sie gefochten und ein mörderisches feuer ... unterhalten A. Ruge briefwechsel u. tageb. 2, 18 Nerrlich.
f)
alere, sustentare, unterhalt A II 4, erhalten 2 entsprechend. nehren, ernehren, speisen, underhalten, erziehen, auffbringen Sattler phraseologey (1631) 283. sustentiren, u., ernehren Spanutius (1720) 428. beköstigen Staub-Tobler 2, 1228.
α)
wie vil tausend armer noͤtiger menschen wurden hie mit (mit verschwendetem gute) erfrewt und unterhalten? J. Strausz christenlich unterricht (1523) A 4ᵇ; bedarf aber ein nachper der andern lenger, so greif er darnach in sein aigen guet und underhalt si mit zerung (1541) österr. weisth. 11, 263;
Philoxenus, der alt poet ...
war bey könig Dionysio,
welcher in unterhielt also
zu hoff mit kleidung, speis, getrenck
Hans Sachs 21, 246, 2 G.;
lasz mich auch deiner gaben zu förderung deines namens ... gebrauchen und die meinigen zur zimlichen notdurfft mit unterhalten Mathesius Sarepta (1571) 40ᵃ; hoffart ist geschwinde gelernet, sie kost aber viel zu unterhalten P. Winckler 2000 gute gedanken (1685) D 9ᵃ; eine(n) königlich, standesmäszig u. Lohenstein Arm. 1, 237ᵇ; Hippel über die ehe (1774) 81; kärglich, üppig u. s. w. u.
β)
sich unterhalten: auff das vil, die itzo aus armuͦt stelen und rauben, so dan sich durch besoldung moͤgen unterhalten Hutten 1, 396 B.; so sollen auf den marschen die officierer sich selbst u. v. Fleming soldat (1726) 257; mich nach meinem standt gemesz zu u. El. Charlotte v. Orleans 61 Menzel; sich kärglich u. D. Hartnack Terenz (1711) 24; sich mit betteln u. Adelung; Vulpius hat ... früh aus neigung und noth geschrieben und drucken lassen ... es ward ihm sauer genug, auf eine solche weise sich und einige geschwister zu u. Göthe IV 9, 21 W.; ganz allgemein: dem wesen, aus dem alles, was leben genannt werden soll, sich u. musz 22, 309 W. (vgl. 2 d). sich unterhalten lassen 'sagt man schimpflich von einem jungen manne, der sich von e. frauenzimmer unterhalten läszt, ein schürzenstipendium genieszt' Krünitz 199, 414.
γ)
regalieren: auff eine zeit fragte ein mutter ihre tochter ... wie ihr mann des nachts sie zu u. pflegete Maynhincklers sack (1612) F 3ᵇ; fuchsschwantz und lügen ist oft die speise, damit ... grosze herrn u. werden Schottel haubtspr. 739; der graf N. und W. wurden ... herrlich bewillkommt und unterhalten Lohenstein Arm. 2, 390ᵃ. veraltet.
δ)
(auf seine kosten) halten, haben: und ist fein also gemacht und erdacht, dasz ein herr solche gefäll allein vorher auffhebt und samlet und also viele seiner diener ... unterhaltet und unter sie theilet Kirchhof wendunmuth 2, 290 Ö.; darum so wöllen wir euch underhalten mit acht pferden als einen ritter V. Schumann nachtbüchl. 100 B.; trabanten, comödianten, eine armee u. G. Voigtländer oden (1642) 106; J. J. Schwabe belustigungen 1, 91; Adelung; so gewährte es ihm ... vergnügen, dem grafen W. in der gestalt des bescheidenen meister Hadlaub einen rivalen zu u. G. Keller 6, 102. capellen, legationen u. Scheibe crit. musicus 156; Bismarck polit. reden 4, 357. von nichtpersönlichem: wodurch ... das löbliche fischeramt u. wird fischbüchlein 180; der Holländer factorey wird u. von 17 personen Andersen (Olearius) oriental. reisebeschr. 18; sie unterhalten ein caffee- und wirthshaus? sammlung v. schauspielen (1764) 1, 54.
ε)
sich unterhalten lassen, von soldaten u. dgl. gesagt, bedeutete in ä. zeit sich anwerben lassen: sich u., werben lassen Rädlein (1711) 992ᵃ; stipendia mereri Dentzler (1716) 2, 330ᵇ; se faire enrôler Frisch (1730) 632; J. R. Fäsch (1735) 263ᵇ. 'entretenues' sind leute, die bey einer armee extraordinair u. werden ebda; sig laaten inschryven Kramer-Moerbeek (1768) 370ᶜ: ich hätte mich gern unterhalten lassen, es wolte mich aber kein werber vor einen soldaten annehmen Simplic. 311 Kögel; von welchen (gefangenen) drey starcke bauersknechte sich selbst gutwillig underhalten (in die räuberbande aufnehmen) lieszen Moscherosch gesichte 2 (1666), 589; Prätorius phil. colus 198; müste man nicht so viel geld auf dich wenden, ich liesze mich noch heute den tag zu schiffe u. Chr. Weise Regnerus 12 v. Unwerth; Gottsched beobachtungen (1758) 203 verleugnet den alten ausdruck: man saget auch, einer, der soldat geworden, lasse sich bey dem oder jenem regimente u., d. i. verpflegen; veraltet. sonst wird soldaten u. in der hauptsache nach δ verstanden: jederzeit werden under einem fehnlein etlich kriegsleuth underhalten, die welche man gefreitte nennet Reutter v. Speir kriegsordnung 6; wegen des unterhaltenen kriegsvolcks acta publ. 2, 343 Palm; das ist die ursache, warumb der könig ... soldaten u. musz A. Olearius königr. Persien 21. mnl. wb. 5, 361.
ζ)
eine frau, ein mädchen u., aushalten, soutenir, entretenir (zeitschr. f. d. wortf. 1, 50; 3, 236; mnl. wb. 5, 361; nl. wb. 10, 1354): sie haben hoͤren sagen, das ein solche frawe der pfaff underhelt S. Brant von den losen füchsen (1546) O 1ᵃ; priester, welche ... ein unreins gemüth und beynebens anheimbs ihre fetteln underhalten Ägidius Albertinus hirnschleifer (1664) 87; amerikan. Robinson (1724) 57; sammlung v. schauspielen (1764) 3, 4; ein frauenzimmer, das der graf S. unterhalten hatte G. Forster 5, 10. sich u. lassen: er hörte, dasz M. ein verführerisches mädchen sei, die seinen freund wahrscheinlich ums geld bringe und sich noch nebenher von dem unwürdigsten liebhaber u. lasse Göthe 21, 92 W.
η)
von thieren: dasz es (das elend) zu reyten ... gebraucht werde, auch an fürstenhöfen zum lust underhalten Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 40; P. Fleming d. ged. 1, 193 L.; viel hund fangen nicht alle wol den hasen, drumb soll man einen guten hund u. Lehmann florileg. 1, 438; Overbeck gloss. melitt. (1765) 115; heute halten (s. d. 9).
θ)
wie alere flammam, flumina u. vom feuer und von flüssen: gleich wie das feur ... wan man im nicht gleich materi zustoszet, die es aufpringen und unterhalten, auch bald widerumb verleschet Fischart ehzuchtb. 130, 11 H.; kleine späne anstecken das feuer, grosze scheiter unterhalten es P. Winckler 2000 gute gedanken (1685) E 1ᵃ; viele reihen brennender lampen und schimmernder leuchter, mit naphta und asphalt unterhalten Bodmer crit. poet. schr. 1, 45; eine feurige sündflut ..., welche sich von einem ewigbrennenden schwefel ... unterhält 1, 6; übertragen: ich habe mein liebesfeuer nur mit grünem holze unterhalten Raupach dram. werke kom. gattung 1, 290; Nietzsche 2, 372. flüsse, die von den gebirgen unterhalten werden Kant 9, 16 H.
g)
nach ¹unter III A b δ 'heimlich vorhaben': als sie (d. zauberin) schon einen unkeuschen anschlag auf den rosenwangichten Hylas in ihrem herzen unterhielt J. Fr. W. Zachariä (1763) 2, 192. veraltet. vgl. eene misdaad onderhouden mnl. wb. 5, 362 a.
h)
jemanden beschäftigt halten, (angenehm) beschäftigen. zum nebenbegriff des angenehmen führt schon sustentare (pectora erquicken); vgl. amüsiren, ↗belustigen, ↗ergetzen, u. Kinderling (1795) 111.
α)
ohne beschränkung auf gespräch und rede, die aber auch nicht ausgeschlossen sind: wir im leben unterhalten die toden, im gespräch die lebendigen Harsdörfer gesprechsp. 1, D 8ᵇ; ich werde e. maj. mit lauter gelehrten personen ... in dieser geschicht unterhalten A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 651; ein theater mit neuigkeiten u. Lessing 10, 210 M.; kinder u. Castelli (1844) 10, 16; den verstand denkender ... leser zu u. Deutscher Merkur (1773) 1, 9; in diesen ... tagen unterhält mich auch das theater Göthe IV 8, 223 W.; sich eine so liebenswürdige, immer unterhaltene, immer unterhaltende schwiegertochter zu erziehen 24, 132 W.;
an büchern fehlts, den geist zu unterhalten
Schiller 12, 402 G.;
den lauten markt mag Momus unterhalten
11, 336 G.;
hier fand ich im gasthofe einen mann, der eine kleine gesellschaft von spieszbürgern mit einer zauberlaterne unterhielt Langbein 21, 73; die moderne erziehung, welche ... den unmündigen verstand mit bloszen tönen ohne begriffe unterhält Justi Winckelmann 2, 2, 237. ohne nähere bestimmungen:
der wechsel unterhält, doch nutzt er kaum
Göthe 10, 181 W. (Tasso 1883);
das ist wohl nur chimäre, aber mich unterhalts
Nestroy 2, 9.
im engeren sinne von litteraturgattung: es mischt sich darin alles, was nur u. kann, novellen, anekdoten Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 21. sich u.: ... waren ihre gedancken ... sich mit der vollkommenen schönheit ihres einzig geliebten S. zu underhalten ... nicht müssig theatrum amoris (1626) 16; mit einem bilde Gottschedin briefe 1, 13 R.; mit dieser übung unterhalte man sich so lange, bis ... Quantz anweisung, die flöte zu spielen (1789) 45; bisher konnt ich mich mit meinen schmerzen im stillen u. Göthe 22, 85 W.; mit inf.: H. B. unterhielt sich damit, vogelstimmen nachzuahmen Fontane I 1, 285; sprichwörtlich: sich mit rauch u. 'an eitlem lobe u. schmeicheleien gefallen haben' Noel chomel 8, 94; sich mit sich u. Herder 15, 254; Göthe 47, 8 W. seltener sich u. an (vgl.ergötzen): es ist nur gut, dasz ich ... nicht weit vom bergrath (Voigt) wohne, an dessen mineralienkabinet ich mich unterhalte Göthe IV 11, 255 W.; über diese kann man lächeln und sich an ihnen u. Tieck (1828) 4, 287. ohne solche bestimmungen: gewöhnlich mag das kind sich lieber u. als sich unterrichten Göthe 45, 124 W.; G. Keller 6, 9.
β)
mit besonderem bezug auf das gespräch. ausdrücke für das gespräch gehen vielfach von der das ansprechen begleitenden körperlichen bewegung aus; so mhd. einen mit worten underbrechen von 'aufhalten', franz. converser von conversari, convertere, franz. entretenir, mlat. intertenere (Du Cange [1885] 4, 397), ital. intratenere (Hulsius [1618] 265ᵃ), trattenere vom festhalten durch dazwischengreifen. das deutsche u. ist von der vorstellung des von unten haltens, stützens, förderns, ergötzens (vgl. sustentare pectora) ausgegangen. bis ins 18. jahrh. wird u. wesentlich als detinere, reficere verstanden und nur mit der präpos. mit verbunden (einen mit gespräch underhalten colloquiis aliquem reficere Stieler 746; mit gesprächen u., die zeit verkürtzen, aufhalten sermonibus detinere Frisch [1741] 1, 407ᵃ; ähnlich Campe; einen mit gespräche u. met jemand spreeken Kramer-Moerbeek [1768] 2, 370ᶜ), und erst nach dem durchdringen der classischen franz. litteratur scheint entretenir, entretien die alte auffassung zurückzudrängen und das sprachgefühl so abzustumpfen, dasz Adelung die figur für etwas dunkel erklären muszte. eine deutliche etymologische vorstellung wird nun nicht mehr festgehalten; Immermanns erklärung (ich unterscheide nämlich ... ein gespräch von einer unterhaltung. in dem ersten spricht man; bei der zweiten hält man nur worte unter, um nicht ins schweigen zu verfallen 10, 77 Hempel) ist, sprachgeschichtlich betrachtet, silbenstechende willkür. höchstens das verhältnisz der gegenseitigkeit (s.B 4, unterhaltung B 2) wird noch anerkannt. von den mundarten verhalten sich die oberdeutschen ablehnender gegen unser wort als die nd. El. Charlotte v. Orleans (3, 29; 39; 134; 203; 239 u. a.; aus d. j. 1707 H.) sagt entreteniren; entreteniren ... amice colloqui, einen mit discoursen u. Apinus (1728) 202; Campe verd. wb. (1813) 290ᵃ: er besuchte und unterhielte mich auch gar offt mit seiner freundlichen conversation Grimmelshausen 4, 683 Keller; hingegen unterhielte mich mein hofmeister ... mit viel einem andern discours Simplic. 157 Kögel; mich mit ihrer gewonlichen freundlichkeit zu u. 3, 47 Keller (Springinsfeld); diser ... freund ... unterhielt ihn mit einem ... lustigen ... gespräche Zesen Rosemund 33 ndr.; hierzwischen unterhielte Nero den T mit gesprächen A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 27; man will mit vergnügen die zuschauer mit ärgerlichen redensarten u. J. A. Scheibe crit. musicus (1745) 68; er ... unterhielt mich mit übertriebenen schilderungen seiner erlebnisse Bismarck gedanken u. erinn. 1, 219 volksausg. es bedeutet einen bruch mit dieser entwicklung, wenn nach franz. entretenir de qch. u. von (über) gesagt wird: lasz dich ... den herzog von des marquis verdiensten u. Göthe IV 8, 227 W.; fahre auch fort, mich vom theater zu u. IV 27, 51 W.; Fr. v. Gentz 1, 120 Schlesier; Hoffmann v. Fallersleben leben 6, 186; er ... unterhielt nun die beiden damen von den eben überstandenen abenteuern Fontane (1890) 7, 15. ohne solche zusätze: wahrheit, glaub, trew ...
und noch vil andre fräwlein ...
die empfangen alda die gäst,
underhalten, tractieren, lehren
und erquicken sie auf das best
Weckherlin 1, 223 F.;
er unterhält die nymf im saal nach aller lust
Gryphius lustsp. 405 (der schwärmende schäfer 4, 55; 1658 nach Th. Corneilles berger extravagant);
doch es ist ja wohl zeit, sie ein wenig ernsthafter zu u. literaturbriefe 18 (1764) 111;
ein blick von dir, ein wort mehr unterhält,
als alle weisheit dieser welt
Göthe Faust 3079;
Tieck (1828) 3, 126; die reizende art und weise, wie sie den alten herrn unterhielt und stützte Polenz Grabenhäger 1, 22. 'gewöhnlich ist damit der begriff des angenehmen und auch nützlichen und belehrenden verbunden, wodurch sich die unterhaltung von bloszer kurzweil und bloszem zeitvertreib unterscheidet' Campe.
B.
mit ¹unter III A 2 b (inter, dis).
1)
nach ¹unter III A 2 b β: er het sich selb erstochen, wo nit seine freund in underhalten Xylander Plutarch (1580) 102. veraltet. vgl. mnl. wb. 5, 362, 3. nl. wb. 10, 1361 B.
2)
vorenthalten (¹unter III A 2 b β): adir das men ... imande sine guttere mit gewalt underhalden welde (1440) acten der ständetage Preuszens 2, 173; fürsten schatzung möcht wol underhalten werden Eberlin v. Günzburg 1, 8 ndr.; österr. weisth. 11, 720ᵇ; ihren beederseits erlittenen schaden und unterhaltenen nutz franz. Simplic. (1683) 2, 50. vgl.enthalten B 6. nl. wb. 10, 1361 B.
3)
nach ¹unter III A 2 b δ: eine tür, die ... die verbindung mit diesem alten querbau unterhielt Fontane I, 1, 297. vgl.A II 2 e μ.
4)
sich u. reciprok nach ¹unter III A 2 b ε: deshalb würden sie ... sich desto frühzeitiger einfinden, um ... mit angenehmer unterredung ... sich zu u. mediz. maulaffe (1719) 22;
wenn man ein biszgen liebt, wird man gesellschaftlich,
wird andern angenehm und unterhält auch sich
Göthe 37, 51, 35 W.;
übrigens habe ich noch viele menschen gesehen und mich einigemale ganz wohl u. IV 15, 89 W.; man unterhält sich in allen zungen und sprachen H. P. Sturz (1779) 1, 85; ihre seelen unterhielten sich lebhaft im stillschweigen Heinse 5, 104 Sch.; oft neckten und unterhielten sie sich mit wortspielen G. Forster 2, 50; M. unterhielt sich ... auf das lebhafteste mit Neckers tochter Dahlmann gesch. d. franz. revolution 313; auf der reise hat man den cardinal und die königin sich mit einander u. sehen Ranke 9, 288. zu A II h α: nun, wie habt ihr euch gestern auf dem ball unterhalten? Bauernfeld 4, 57; wovon (worüber) habt ihr euch unterhalten? —
Zitationshilfe
„unterhalten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unterhalten>, abgerufen am 15.10.2019.

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