unterlage f.
Fundstelle: Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1648, Z. 17

Unterbegriffe in diesem Artikel

anord. undirlag; mhd. underlâge; mnd. underlage; mnl. onderlage; nl. onderlaag; dän. schwed. underlag; engl. underlay. vielleicht nach einem m. der unterlag plur. unterläge sächs. policei- u. kleiderordnung (1612) 16, veraltet; sonst unterlagen. vgl.unterlege, -legel, -leger, niederlage.
I.
eigentlich.
1)
lage 1 entsprechend, unterlegung (suppositio mnl. wb. 5, 373, engl. underlay subjunctio Murray 10, 1, 136ᵃ): die gemeinen hüner fallen meistentheils in 3 wochen ... aus und wann der tag ihrer (der eier) ersten unterlag gezeichnet wird Hohberg georgica (1682) 2, 324. veraltet.
2)
niederlage; mnd. wb. 5. 30ᵃ; nl. onderlaag (wb. 10, 1390): er müste in einen streit treten, darinne ime die underlage vor augen were und keine hofnunge des gesiges P. Eschenloer gesch. d. st. Breslau 2, 28; Bodecker chron. 102; Darius ... den sein öfftere underlag ... der gantzen welt bekant gemacht A. Agricola gutes aug (1629) 2. veraltet.
3)
was unten liegt, sitzt, sich absetzt, sich befindet: im forstwesen umgefallene oder von sturmwinden umgeworfene bäume, welche nicht abgeführt werden Krünitz 199, 447, 11; der wasserharn, ... schön ... an der substantz, inhalt und underlag (sedimentum) Guarinonius (1610) 602; hier fand sich nun theils eine steilere, theils eine sanftere unterlage, worauf sich nach und nach ... schlamm und schlick absetzte Göthe II 9, 67 W.; Stifter 2, 242; indem die unterlagen (des granits) ganz verwitterten Göthe III 7, 164 W.; dunkle unterlagen (des opals) II 1, 67 W.; ... kessel, der aus einer höhlung in der u. geheizt werden konnte Gutzkow (1872 ff.) 6, 187; des meeres unterlagen (tiefen, grund) 1, 252; der druck, den ein körper auf eine u. ausübt, beruht ... auf der ... anziehungskraft der erde Liebig handb. d. chemie (1843) 1, 9; unterbau eines hauses, fundament Lübben-Walther 431ᵇ; die u. eines tempels allg. d. bibl. anh. 25/36, 1566; Hegel 4, 99; eine tragfähige u. v. Alten handb. f. heer u. flotte 4, 477; der Vesuv hat eine gewaltige u. Hebbel briefe 3, 244.
4)
was zu grunde gelegt wird, grundlage (vgl. substrat Campe verd. wb. [1813] 573ᵇ): sie (d. hundsrose) dient am häufigsten von allen wildwachsenden rosen als u. zum oculiren von edelrosen Schlechtendal-Hallier 25, 335; weiszes papier wird schwarz gefärbt, so dasz von der weiszen u. nichts mehr hindurchscheint Göthe II 2, 258 W.
5)
'was man unter ein anderes ding zu legen pflegt' Adelung, besonders bei zweckvoller thätigkeit; vgl.überlage 2.
a)
allgemein: die u. unter dem fasse, ein stück holz unter demselben, damit es nicht auf der feuchten erde liege Adelung; u. für holzstösze Göchhausen notabilia venatoris (1741) 242; der balken hat immer eine wagerechte u. Fr. L. Jahn (1884) 1, 61; die sandsteinplatten, welche dem stein zur u. dienen Stifter 5, 1, 19; man ... nimmt die säureflasche von ihrer u. Muspratt (1893) 4, 1630; schreibunterlage Krünitz 199, 448, 18; ich schreibe auf nacktem fels, mit einer zeitung als u. Bismarck briefe a. s. braut 505; unterbett (vgl. mnl. wb. 5, 372; nl. wb. 10, 1389) u. dgl. mehr.
b)
als kunstwort der arbeitsthätigkeit, des handwerks, gewerbes, der technik ist u. in so unerschöpflicher fülle entwickelt, dasz hier nur einige bezeichnende beispiele gegeben werden können: mnd. underlage querholz für die schuszwaffe in der schieszscharte Lübben-Walther 431ᵇ; stellkeil zum hemmen von rädern Hoyer-Kreuter 1, 794; schuhabsatz Gottsched beobacht. (1758) 10 (vgl. underlay Murray 10, 1, 136ᵃ, 2 a); u. des ambosses, chabotte Karmarsch-Heeren 2³, 303; schnauze ... u. unter die feder im thürschlosz Lueger 7, 261; u. der gatter (schlosserei) Jacobsson 4, 490ᵇ; tragbank für den steg im mühlenbau Mothes baulex. (1882) 4, 395; u. der brücke Hoyer-Kreuter 1, 794; G. Freytag 7, 480ᵇ; Jacobsson 4, 490ᵇ; s. v. a. angewege Mothes 4, 395; bautheil unter stielen, säulen Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 382;
des hab ich (d. tanne) von den leuten danck,
setzen mich hoch in ire gbew
und brauchen mich on alle rew
zum pfeiler oder underlag (m.?)
B. Waldis Esopus 1, 154 Kurz;
untersätze, schenkel der gewölbebogen Hoyer kriegsbaukunst 3, 274; ruhepunkt des hebels Jacobsson 4, 490ᵃ; hypomochlium Rode Vitruvius anh. 37; F. Th. v. Schubert verm. schr. 2, 24; Gangler luxemb. wb. (1847) 318; so der vectis oder hebel ein oppositum oder widersatz hat, welches man auch eine unterlag nennen möchte theatrum machinarum (1607) 1, 77; Mögling mechanische kunstkammer (1629) 11; unterlagennagel Zschokke 14, 37; bodenbrett im wagen M. Grosser anleitung z. d. landwirtschafft (1590) O 3ᵃ; Zinck öconom. lex. (1744) 382; Jacobsson 4, 490ᵃ; Eggers 2, 1299; Bauer-Collitz 107ᵇ; Müller Fr. Reuterlex. 144ᵇ; folie bei gefaszten edelsteinen Kinderling (1795) 131; je heller und glänzender die unterlagen sind, desto schöner erscheinen die farben Göthe II 1, 233 W.; 44, 320 W.; ähnlich schr. d. Göthegesellschaft 17, 277; u. der glasurflächen Muspratt chemie (1905) 8, 1009; ruhepunkt der tangente im clavier Jacobsson 4, 490ᵃ; bei herstellung der münze ebda; Luschin v. Ebengreuth münzkunde 70; bearer, cales beim buchdruck Hoyer-Kreuter 1, 794; W. Hellwig wb. d. fachausdrücke 92ᵃ; Jacobsson 8, 57ᵃ; Täubel buchdruckerkunst (1805) anhang 38; engl. underlay Murray 10, 1, 136ᵃ, 2 d; unterbettung für eine pflasterung Karmarsch-Heeren 10³, 30; 1³, 216; s. v. a. untergesenke Mothes baulex. (1882) 4, 395; Jacobsson 4, 490ᵇ; dachschaube ebda; Mothes ebda; bergmännisch dicke eiserne platten auf dem boden des pochtroges Mothes ebda; Hake bergchronik 95; Junghans gräublein ertz (1680) F i iᵇ; Schönberg berginformation 2, 104; anhang 26; Minerophilus (1730) 680; Herttwig (1734) 400ᵃ; Jacobsson 4, 490ᵇ; 8, 57ᵃ; in der schneiderei underlay materials W. Hellwig fachausdrücke 92ᵃ; ärmelstreifen auf u. von schwarzem samt v. Alten handb. f. heer u. flotte 1, 74; veraltet: in specie aber soll diesen und folgenden ständen gäntzlich verboten sein ... unterläge unter die schleier mit golde, perlen, goldrosen oder anderm dergleichen geschmeide gestickt oder gehefft sächs. policei- u. kleiderordnung (1612) 16; innere bekleidung des schiffes mit planken Mothes 4, 395; Bobrik seewb. 702ᵇ; hypostroma bei pilzen Bischof wb. d. beschr. botanik (1839) 98; Krünitz 199, 446 ff.; Sachs-Villatte (1874) 1846ᵇ.
zusammensetzungen zahllos;
seltener in der form eigentlicher composita, z. b.
unterlagedecke
v. Alten handb. f. heer u. flotte 3, 31,
unterlagegestell
W. Fr. v. Meyern hinterlassene kl. schr. 3, 19,
oder ohne füllung der compositionsfuge, z. b.
unterlagblech
Lueger 7, 34,
unterlagbrettchen
Blaschke wb. d. elektrotechnik 131,
unterlagpapier
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 154,
unterlagplatte
Muspratt chemie (1905) 1233,
unterlagscheibe
Blaschke 131,
unterlagschiene
Muspratt 6, 708;
am häufigsten mit unorganischem s in der compositionsfuge, z. b.
unterlagsbalken
Mothes baulex. (1882) 4, 395,
unterlagsblech
4, 140,
unterlagsbohle
Helfft landbaukunst 382,
unterlagsdecke
Mothes 1, 82,
unterlagsbrett
Karmarsch-Heeren 9³, 360,
unterlagsglasur
9, 441,
unterlagsholz
Karmarsch-H. 3³, 662,
unterlagsklotz
9³, 303,
unterlagspfosten
7³, 269,
unterlagsquader
Schönermark-Stüber 83,
unterlagsschicht
Muspratt 8, 1072 u. s. w.
II.
übertragen.
1)
halbsinnlich (vgl. I 5): abscheulich ists, dasz auch schon unsere kinder lesen und sitzen und den steisz zur u. und basis ihrer bildung machen sollen Jean Paul 1, 102 H.; eine gute oder breite u. wie unterbett populär von einem dicken frauenzimmer Sachs-Villatte (vgl. nl. wb. 10, 1389 f.); mit gleichsam: er (Plato) hatte keinen widerhall gleichsam zur u., worauf er sich steifen ... konnte Kant 3, 32, 17 akad. ausg.; die unserm gespräche gleichsam zur u. gemachten worte E. M. Arndt (1845) 4, 66.
2)
unsinnlich: anord. undirlag underlaying, reservation; mhd. underlâge unterwerfung, demuth; mit anlehnung an I 5: wie oft haben nicht schon die schlüssel Petri zur u. einer moralischen erzählung dienen müssen J. Möser 5, 39; oft bei Göthe, z. b. und wie sollte es nicht, da wir ja keine geistige wirkung ohne körperliche u. gewahr werden 42, 2, 66 W.; ich pflege diese studien als eine u. meiner übrigen zustände ... zu betrachten IV 24, 75 W.; eine jede theorie ... setzt eine u. voraus 41, 1, 140 W.; 46, 129 W.; unterhaltungen m. kanzler v. Müller 62; gespräche 10, 70 B.; auf welche u. kann diese kritik sich stützen? Jhering geist des r. rechts 2, 2, 610; sprachkenntnisse, wie auch oberkellner sie besitzen, bildeten bei uns leicht die u. des eignen glaubens an den beruf zur diplomatie Bismarck gedanken u. er. 1, 22 volksausg.; ob ... ohne u. eines reichstagsbeschlusses eine anleihe zu beschaffen wäre polit. reden 4, 36; attribute: wahre, erste, ältere geschichtliche, trügerische, neue, gesicherte, breite u. s. w. u. Göthe 32, 184; unterhalt. m. kanzler v. Müller 49; Fr. Schlegel 1, 18; Immermann 18, 155; v. Roon denkwürdigkeiten 2, 264; Döllinger ak. vorträge 1, 137.
3)
terminologisch; veraltet für subject: die allgemeine u. oder subject aller elementarischen formen E. Francisci lusthaus (1676) 39; aber niemahls werde ich u. anstatt subjecti oder zeugemutter aller dinge anstatt natur brauchen Chr. Thomasius einleitung z. d. vernunftlehre (1691) 16; ein solches magazin ... die u., das subjekt, die basis der operation v. Bülow geist des neuen kriegssystems (1799) 13; veraltet für hypothesis: als hat er eine andre hypothesin, grundfeste oder u. erdacht E. Francisci lusthaus (1676) 228; für substrat: das durch die einbildungskraft hervorgebrachte substrat ... die u. der unaufhörlich sich anschlieszenden accidenzen J. G. Fichte 3, 29; musikalisch: so erfordert dessen (des d-mollklanges) secunde e als eine u. die kleine tertz c Mattheson generalbaszschule (1735) 140.
Zitationshilfe
„unterlage“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unterlage>, abgerufen am 14.11.2019.

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