Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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unterlaufen, v.

unterlaufen v.
mhd. underloufen; mnd. underlopen; mnl. onderlopen, nl. onderloopen; dän. schwed. løbe, löpa under.
A.
mit ¹unter III A 1 (sub).
I.
in trennbarer verbindung.
1)
unter etwas laufen, cursu infra pervenire Stieler 1087; unter ein obdach laufen Sachs-Villatte; unüblich. einen schützenden ankerplatz aufsuchen: so mit der flotte unterlieffe M. Kramer seehelden (1681) 369; veraltet.
2)
transitiv wie laufen II 15 in der bergmannsspr. sand, kies u. unterkarren Campe; brouetter dessous Sachs-Villatte.
3)
unter wasser laufen; mnl. wb. 5, 378; nl. wb. 10, 1046: anno 1364 in der groszen wasserfluth ist diesz landt M., so sonsten gar selten unterlauft, gantz unter wasser gewesen C. Danckwerth Schleswich u. Holstein (1652) 76ᵇ; veraltet. im wasserbau spricht man von u., wenn das wasser den boden eines siels oder einer schleuse unten durchdringt, den sand wegspült und der boden sinkt; Jacobsson 4, 490ᵇ; Krünitz 199, 454.
4)
(den berg) hinablaufen; vgl.niederlaufen: wie einer mit eilen und ungestümigkeit den berg underlaufft S. Grunau preusz. chron. 1, 641; veraltet.
5)
räder, die einen unterlauf (s.unterlauf I 1 c) haben, heiszen unterlaufende räder Karmarsch-Heeren 1ᵃ, 865; Meyers convers. lex. 17⁵, 444ᵇ; unterlaufende kette bei kettenbahnen im förderschacht Heise-Herbst bergbaukunde 2², 389. in der botanik übersetzt unterlaufend subcurrens = succubus unterschlächtig Bischoff wb. d. beschr. bot. (1839) 200.
II.
in untrennbarer verbindung.
1)
unter etwas laufen, um es aufzufangen:
in dem so thut sich undr in allen
Hyancinthus gantz bhend herfür,
unterlaufft die scheib mit begir,
meint sie zu fohen vor in allen
Wickram 8, 53, 330 B. (metam.); veraltet.
das heutige sprachgefühl unterscheidet in einigen fällen bed. A und B hier nicht deutlich: wie das letztere unthier (d. rhinozeros) das erstere (den elefanten) unterläuft, ihm mit seinem horn den bauch aufschlitzt W. Raabe d. leute aus d. walde 1, 115; er hatte eines Hunnen rosz unter laufen, den reiter an den füszen heruntergerissen Schef fel (1907) 2, 17; so auch in der weidmannsspr. federwild, den auerhahn u., bis unter den stand des vogels gelangen, ihm schuszgemäsz ankommen Jacobsson 4, 490ᵇ; Behlen forst- u. jagdkunde (1840) 6, 113; Paul d. wb.³ 577ᵇ versteht diesen ausdruck nach bed. B; s. oben sp. 1486. vgl. unterspringen.
2)
wie unterlauf I 1 b von körperlichen vorgängen; Staub-Tobler 3, 1133; Fischer 6, 238; Hügel Wiener dialekt (1873) 176; Tonnar-Evers Eupen 11ᵃ; Bauer-Collitz 107ᵇ. die heutige auffassung schwankt zwischen A und B; Staub-Tobler 3, 1133 anm.; Paul d. wb.³ 577ᵇ; Höfler krankheitsnamenb. 354ᵇ.
a)
in formen des verb. finitum:
und schwarzgelb unterlief die schöne haut
Bürger 1, 162 Bohtz;
ein feines
feuer unterlief mir die haut urplötzlich
Heinse 3, 166 Sch.;
seine augen unterliefen roth, wie die einer bestie Wildenbruch novellen (1883) 177. ungewöhnlich: sein gesicht unterlief sich mit blut quelle bei Sanders erg. wb. 344ᵃ.
b)
bes. im part. praet. (sp. 1484, ¹unter III A 1 b η): gleich einer geschlagen beulen, mit blut underlauffen Paracelsus 1, 336 B Huser;
einer war mit eim prügel troffen,
sein haut mit blut war unterloffen
H. Sachs 17, 347, 8 G.;
ich selber habe noch selbigen tag fast überall seinen leib braun und blau mit blute unterlauffen gesehen Schnabel insel Felsenburg (1751) 1, 190; enchymosis ein mit blut unterlaufener fleck Kinderling (1795) 168; unterlauffen geblüt Marperger kaufmannmagazin (1708) 1039; haushaltungslex. (Chemnitz 1728) 988; unterlaufenes blut Nemnich lex. nosolog. (1801) 17ᶜ; Guarinonius greuel (1610) 246; J. Grimm kl. schr. 3, 127; oft von den augen: seine augen sind vom geblüt underlauffen Schweickhart zu Helfenstein Basilius (1591) 304; sein gesicht war stark geröthet, seine augen mit blut unterlaufen Spielhagen 1, 547; augen ..., welche blutig unterlaufen aus ihren höhlen traten Dahlmann gesch. d. fr. revolution 355; vgl.blutunterlaufen; ungewöhnlich: das glänzende, mit äderchen unterlaufene haupt Gutzkow ritter v. geiste (1850) 9, 57.
B.
mit ¹unter III A 2 (inter, dis).
I.
trennbar.
1)
dazwischen treten (unterlauf II 1): nachdem und das gewulck underlaufft Paracelsus 2, 112 C Huser. veraltet.
2)
mit dazwischen vorkommen, sich finden, sich einstellen, einschleichen u. dgl.: es wird auch wol grob garn mit u. Agricola bei Körte sprichwörter xxiv; da mit ist untergeloffen vil gaucklei Luther 17, 1, 352 W.; das wort mit u. lassen H. Merckel warhaft. bericht (1587) n 3ᵇ; Frisch (1730) 633; bald kömmt es so weit, dasz schimpfwörter mit u. L. Pansner schimpfwb. (1839) xv; weil immer noch kühle witterung mit unterläuft allg. haushaltungslex. (1749) 1, c 2ᶜ; wer wird diese zeilen für eine fabel erkennen, ob sie schon Phädrus als eine solche unter seinen fabeln mit unterlaufen läszt? Lessing 7, 429 M.;
da denn unter diesem haufen (bühnenstücken)
allerlei mag unterlaufen,
womit ich mich nicht befasse
Göthe 16, 278 W.;
irrthümer, fehler u. dgl. laufen unter, schleichen sich ein, kommen vor; untrennbar behandelt: strafkammererkenntnisse, in denen ... versehen mit unterlaufen sind nationalzeitung 46, 6. im part. praes.: mit einem mit underlauffenden affect Albertinus vorrede zu Boleros weltbeschreibung (1611) x 3ᵃ; ein unterlaufender falscher ton R. Schumann ges. schr. (1854) 1, 294.
II.
untrennbar (ausnahmsweise sagt Fischart Garg. 280 ndr.: die knebelspiesz underzulauffen. zur bed. s. ¹unter III A 2 b β).
1)
sinnlich.
a)
in der sprache des kampfes und der fechtkunst; vgl. die ausdrücke der jagd unter A II 1. mhd. einen slac, die stangen, einem daʒ swert underloufen Lexer 2, 1790; mnl. wb. 5, 379, 3; Staub-Tobler 3, 1133:
zuletzt Teurdank sein macht fürkert,
underlief dem ritter sein schwert
Teuerdank 264, 28 G.;
derselb, wie im getümmel hertzog G. uff den bischoff rant und in gleich erstechen wolt, underlieff und hielt er seinem herrn dem bischoff den stich J. Herold chron. aller ertzbischoven zu Maintz (1551) 73ᵇ; dasz ich meinem beleidiger die klinge unterlieff Schnabel insel Felsenburg (1731) 2, 366; jemandem den degen u., unter den gezogenen degen eines anderen laufen oder springen und ihn dadurch wehrlos machen Adelung; jemandes degen u. Sachs-Villatte; Kluge studentenspr. 132ᵃ; einem den weg u. mnd. wb. 5, 31ᵃ; mnl. wb. 5, 379, 2; vgl. verlaufen 9, weg II B 2 m: die Bairn underliefen in die weg Aventin 5, 295, 9 L.; ... underlieffe er inen den weg Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 55ᵇ; nur noch mundartlich: Staub-Tobler 3, 1133; unterlieffen yhn das wasser Luther d. bibel (1906) 1, 1 W. (richter 7, 24, später verliefen); Züricher bibel (1531) richter 7 G.; veraltet. ein geschütz u. Staub-Tobler a. a. o.; das feuer der geschütze wurde unterlaufen Liliencron hist. volksl. 2, 388. mit acc. der person (laufend einholen mnl. wb. 5, 378 f.): da ränte im ein ritter von B. ... nach, underluff in uff der Rhinbruck Tschudi chron. helv. (1734) 1, 131; dich einer mit seinem schwerdt unversehens underlauffen hat Sutorius fechtbuch (1612) 18; -ich aber unterlief ihn in währender schwenkung G. Opitz merkwürdige nachrichten (1752) 2, 33; Fouqué alts. bildersaal 1, 147; die andern unterliefen ihn schnell Eichendorf 3, 239; Raumer Hohenstaufen (1823 ff.) 5, 493; Dahn weltuntergang (1889⁵) 269; vgl.unterfahren B 2 b; Staub-Tobler a. a. o. 1 c. auch vermittelnd zwei gegner trennen: hir aber unterlieff ich beide, die schon anfingen an eine faustcollation zu gedenken Zinzendorf tagebuch in d. zs. f. brüdergesch. 4, 53. nhd. ganz veraltet ist sich u. sich gegenseitig anlaufen; Lexer 2, 1790; mnl. wb. 5, 379.
b)
dazwischen- oder mittenhindurchlaufen (im mnl. in der bed. sich bemächtigen, einnehmen, wb. 5, 379, 3): in dem haben sie die land- und pauersleut mit iren kolben und äxten underlaffen und manlich für ire herren gestritten H. Boner Herodian (1532) 59ᵃ; veraltet; ebenso: es möchte aus vermischung des wassers auch eyn gut theyl wassers mit öle unterlauffen (vermischt werden) und das öl unlieblich davon werden Sebiz feldbau (1579) 388.
2)
übertragen. a) manche ausdrücke von 1 a werden auch in übertragenem sinne gebraucht; gemeinsprachlich sind sie kaum mehr üblich; z. b. dem teufel den bengel, der hand gottes den letzten gesellenstosz u., einem den weg u. Staub-Tobler 3, 1133; ich gebe ihnen darauf lieber eine plane antwort mit der Christuslehre, mit der ich jeden Pharisäer möcht wie mit einem spiesz u. Bettine v. Arnim d. buch gehört d. könig 1, 240; einen streit u. praelium dirimere Frisius 422ᵃ, die schlacht Schönsleder (1647) J i 5ᵇ; Dentzler (1716) 1, 380ᵇ, die flucht H. Sachs 8, 197, 28 K.; sölchs fürnemmen Stumpf Heinrichs IV. historia (1556) 11ᵇ, einen anschlag (ein guͦter anschlag wirt offt underloffen) C. Wurstisen Arnoldi Ferroni hist. (1572) 2, 20, disen sturm 2, 305, der Frantzosen zorn 1, 122, einem seine hoffnung Staub-Tobler a. a. o., hindernisse u. ebda; nl. wb. 10, 1406; er wolte sich eben eines hohen schwurs vermessen, aber die Valtinessin unterlief seine zunge O. Ludwig 2, 203; aber es ward im unterlauffen C. Spangenberg jagteufel V 2ᵃ. b) einen handel u., indem man die richter zum voraus auf seine seite bringt, der gegenpartei zuvorkommt Staub-Tobler a. a. o. 1 d. c) mit dem begriff der abwechslung; part. praes.: mit sechs silbernen gegittern samt vergüldeten unterlauffenden äpfeln F. M. Pinto wunderliche reisen (1671) 156; der pfaffe klagte uns ohne scheu mit unterlauffendem (von zeit zu zeit ausbrechendem) zorn polit. maulaffe (1679) 107. part. praet. 'gemischt, untermischt' von farbe (Staub-Tobler 2 d): seine blasse, unterlaufene farbe war die farbe der reue Sonnenfels 9, 102. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1658, Z. 29.

, n.

n.
substantivierter inf.: das u. des bluts Wirsung arzneib. (1588) 74ᵃ; intercursu matronarum durch das ... underlauffen ... der weybern Frisius 719ᵇ; durch underlauffen (vermittelndes einschreiten) der oberkeit Stumpf Schweizerchron. (1606) 708ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1927), Bd. XI,III (1936), Sp. 1660, Z. 66.

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