Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

unwohl, meist adv. oder undecliniertes prädicativum sehr selten adj.

unwohl, meist adv. oder undecliniertes prädicativum, sehr selten adj.,
nicht wohl (s. d.). mhd. unwol; mnl. onwelle; nl. onwel; westfläm. onwel, -wellig; engl. unwell; nfries. unwel.
1)
in der allgemeinen bed. ungut, wenig gut, übel, schlecht; Lexer 2, 1991; mnl. wb. 5, 1550; specialisiert: unbehaglich, betrunken, nicht recht bei verstande: dasz ich mein eigen geschöpf ..., ohnwol versorgt, in wind schlagen ... sollen Grimmelshausen 4, 130 Keller; und that nicht u. sie zu verschweigen Klamer Schmidt bei Campe; allen bekommt dies schweigen (der fürsten in der versammlung des 1. buches) die ganze Iliade hindurch sehr u., ihren völkern aber noch übler Herder 17, 165 S.; der regen und das feuchte ... that uns recht u. Stifter 2, 226; manchen trinkern bekommt dieses schwefeln mehr oder weniger u. Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 235. unbehaglich: da die menschen mit so ... viel irrthümern umfangen sind, dasz dieserwegen ihnen immer u. seyn muszte, so träuft von gottes güte dann und wann ein milder tropfe hinein Herder 16, 180 S.; denen, die sich ... am meisten versündigt haben, wird am unwohlsten zu muthe seyn 23, 12 S.; je mehr er (Lucifer) sich nun in sich selbst konzentrierte, je unwohler muszte es ihm werden Göthe 27, 219 W.; pfaffen, denen dabei (bei der theorie von Laplace) wie bei jeder zu tage kommenden wahrheit, u. zu muthe ... wird Schopenhauer 4, 53 Gr.; es war mir zu enge dort (in der stube) und u. Gotthelf 1, 18; das lehramt war so eigentlich sein beruf, dasz er sich nie anders u. fühlte als in der zeit der ferien Savigny gesch. d. röm. rechts 5, 4; ungewöhnlich als adj. 'sich unbehaglich fühlend': Angela ..., der jedes leere fremd ist, darum sie auch in jenem umgange, der unsern jungfrauen eigen zu sein pflegt, linkisch und u. ist Stifter 1, 106. sprichwörtlich: dem camerad wird u., er ist betrunken Körte sprichw. 528. Berliner redensart: se sind wol nich janz u.? (un IV C) sie sind wohl nicht ganz bei verstande? Hans Meyer der richtige Berliner (1904) 127ᵇ.
2)
mit ausschlieszlichem bezug auf das gesundheitliche befinden ist u. erst seit ende des 18. jhs. gebräuchlich; da diese bed. bei uns der ältern mundart wie der ä. spr. überhaupt fehlt, in England aber unwell schon im 15. jh. vorhanden und seit etwa 1785 überaus häufig war (Murray 10, 1, 395ᵃ; Chesterfield soll sie neubelebt haben), ist begriffsentlehnung nicht ausgeschlossen. Fischer schwäb. wb. 6, 279. zur syn. s. ungesund sp. 886. a) ohne sich merken zu lassen, dasz ihm im geringsten u. sei Klamer Schmidt bei Campe; es ging ein gerücht, der groszherzog sey in E. u. Göthe IV 29, 180 W.; gegen abend u. III 3, 205 W.; Bohner präfix un bei Göthe 135; mir ist u. A. v. Arnim 10, 13 Gr.; da wurde ihm u. ums herz Immermann 19, 251 B.; da er sich zu u. fühlte, um die lektion abhalten zu können 5, 207 B.; das ungewohnte tabakrauchen hatte ihm u. gemacht Castelli 10, 103; L. M., der die letzte zeit viel u. gewesen war ... O. Jahn Mozart 1, 230; Holtei erz. schr. 3, 92. ich habe sie noch nicht gesehn, sie ist u. und fast krank (1799) Caroline 1, 241 W.; meine frau befand sich u. A. v. Arnim 2, 181 Gr.; Bettine frühlingskranz 187; es geht mancher tag hin, wo ich keine feder ansetze. aber dann bin ich u. A. v. Droste-Hülshoff an Louise Schücking 284; O. Jahn Mozart 4, 687; der Lore sei u. geworden Storm 2, 101; die gnädigste fühlt sich u. Fontane I 4, 414. ganz, sehr, recht, ernstlich, recht ernstlich, etwas u. s. w. u. Ritter erdkunde 8, 570; Kotzebue reise 1, 131; Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 333; G. Keller 3, 63; Gaudy 9, 114; G. Keller 5, 326; u., sonst aber wohlbehalten bin ich hier angelangt Holtei erz. schr. 38, 152. vgl. unwohlheit, -sein; unwohlbefinden, n. Rosegger III 7, 383. als adj.: zu seiner unwohlen gattin J. Fr. Böhmer an Thomas (Janssen 2, 219); einige unwohle tage (t. des unwohlseins) S. Hensel d. familie Mendelssohn 3, 238. b) menstruierend. noch nicht bei Nemnich, aber bei Höfler 811ᵇ. engl. 1844 verzeichnet; anthropophyt. 2, 25 (Berlin); 2, 13 (Wien): sie ist regelmäszig, wenig, stark u. Sachs-Villatte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2249, Z. 51.

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Zitationshilfe
„unwohl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unwohl>, abgerufen am 08.03.2021.

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