Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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unzier, adj. adv.

unzier, adj. adv.,
gs. zu zier (s. d.). ahd. mhd. unziere unschön, traurig; mnd. untere; vgl. mnd. unsirich, mnl. ontierich. unzier indecore, indecenter Scherz-Oberlin 1875: also dasz er den burgermeister gar u. hielt mit worten, verspottet im siner ritterschaft Tschudi chron. 2, 239; Frisch (1741) 2, 477ᵃ übersetzt inciviliter. von Schrader d.-franz. wb. 2, 1473 als schweizerisch angeführt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2301, Z. 57.

unzier, f.

unzier, f.,
gs. zu zier, f. (s. d.). mhd. unziere unschönheit, schmach; mnl. ontiere. unzier sive unzierde dedecus, turpitudo Stieler 2647. 'ein im hd. seltenes wort, welches nur zuweilen als ein glimpflicher ausdruck gebraucht wird, härtere zu vermeiden' Adelung. a) von der äuszern sinnlichen erscheinung, form, gestalt: sie hielten es für ein unseuberkeit und unzier, so sie alweg in scheinenden weiszen kleidern weren G. Alt b. d. croniken (1493) 96ᵇ; deszgleichen auch wo gewelbbögen in die vierung ... anderst geschlossen wurden ..., würde solchs doch kein ungestalt oder u. geben dem langhausz Rivius Vitruv (1575) 228; denn gleichwie unsere erste eltern ohn einige miszbildung, unform und u. erschaffen worden, ... als haben wir ... Francisci letzte rechenschaft (1681) 890; reste (des romantischen und alterthümlichen) ..., die später oft in u. ausarteten Carol. v. Rochow leben am preusz. hofe 65; der u. (Midasohren) kühnen verrath J. H. Vosz metamorph. 2, 210. concret: diese u., der souffleurkasten Grabbe 4, 182 Bl.; diese frauensperson ist eine u. in der gesellschaft Krünitz 200, 291. vom reime: die zier oder u. der reime Valvassor ehre d. h. Crain (1689) 1, 401. b) im moralischen sinne: die rechte liebe schickt keinen nach u. Hartlieb b. Ovidii v. d. liebe (1482) 5 α;
wer sich will machen mackelfrei,
schau hie, was zier und unzier sei
Schwarzenberg v. gebüre u. billicheit (1533) 23ᵃ;
dasz die hoffart die groszest u. des menschen sey, lesen wir gnugsamlich engl. com. (1624) k k 2ᵃ; dann es eine bäurische u. wehre Fayser hippokomike (1623) 108; obwol die trunkenheit ... eine schändliche u. und schandfleck ist Sandrub kurzweil 82 ndr.;
wir, fast wie landvolk, ländlich hier
gleich weit von unzier und von zier
J. H. Vosz ged. 4, 153.
schande, schmach, schändliches: die junkfrauschaft ... was ... ein verdamliche u. Nas eins u. hundert 3, 113ᵃ; daher entweder ein gefährlicher fall oder der statt u. zu befahren gewesen Negelein vom bürgerl. standt (1607) 128; die u. des herannahenden schauspiels C. M. Grottniz Tacitus (1657) 714;
träger unzier herschaft endigt
durch Apollon und Lyäos
J. H. Vosz ged. 6, 81.
c) insbes. zur u. gereichen, dienen:
die dient ihr, statt zur zierde, zur unzier offenbar
Rückert 11, 504;
er hofft, dasz die beigesellung seines namens der Wiener hochschule ... als nicht zur u. gereichend werde erkannt werden jb. d. Grillparzerges. 2, 72. dasselbe unzierde, f.; 'für u. sagt man häufiger verunzierung' Heynatz antibarb. 2, 542. wie unzier a: anwachs der sichtbaren haare an dem leib, welche demselben ein u. verursachen P. J. Marperger haar- u. federhandel (1717) 68; so fehlet es auch nicht an mitteln, die öfen also anzurichten, dasz sie den gemächern nicht nur keine u., sondern wol ebenso viel oder doch nicht viel geringere zierde bringen als die camine L. Chr. Sturm vollständige anweisung (1718) 25; concret: die u. des kurortes, so nennen sie den pfarrhof Rosegger III 1, 302; plur.: sind diese unzierden irgendwo entfernt worden, so gibt man sich doch sicher nicht die mühe, die durch sie verursachten mauerlöcher zu schlieszen R. Waldmüller wanderstudien 2, 52. vom buche:
was mancher schrift
an zierrahts stat unzierde stift
Zesen rosentahl (1669) 83.
von krankheiten wie ausschläge u. dgl.: sein gall ... sol die kindenblateren ... und andere unzierdt vertreyben Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 3, 14. wie unzier c: man giebt vor, es gereiche ein ... dunkles frescogemählde einem haus mehr zu einer u. onomatologia curiosa (1764) 836; manche dieser zeichnungen würden einer mappe oder einem zimmer nicht zur u. gereichen Stifter 14, 108. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2301, Z. 64.

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unwürdigen urgewalt
Zitationshilfe
„unzier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/unzier>, abgerufen am 26.11.2020.

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