Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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urbar, f., n., m.

urbar, f., n., m.,

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zu ahd. urberan, mhd. erbern hervorbringen, die aufbringung, das aufgebrachte, ertragbringendes grundstück, die einkünfte und deren verzeichnis, der nutzen, das ertragbringende geschäft oder gewerbe; bis auf bed. 3 veraltet. im mhd. überwiegt das f., das im nhd. selten und mundartlich ist (ein dritteil der urbar Ermisch sächs. bergr. 36; die urbür, die urba s. u.; Schmeller-Fr. 1, 254; Schröer d. ma. des ungar. berglandes 260), das m. ist mundartlich und nicht häufig (Staub-Tobler 1, 432; Stumpf Schweizerchron. 538; Voigt hb. f. d. geschäftsführung 2, 528; Veith bergwb. 517), für die heutige spr. kommt nur das n. in betracht. mhd. urbor, -bur, -ber, -bar; mnd. orbor, -ber, -bar; mnl. orbare, -baer, -bore, -buere; nl. oorbaar; afries. orber; westfries. orber, oirber, ostfries. oorbaar. mlat. urbora, -bura, -bara Haltaus 1997; vgl. urbarium. Fischer schwäb. wb. 6, 293; Egger gl. 941ᵃ; Unger-Khull 611ᵇ; Schöpf 784; Crecelius 854; Stürenburg 169ᵃ. die mhd. formen setzen sich im nhd. fort, bis schriftsprachlich nur urbar übrigbleibt (orbar bei Möser ist th. 7, 1316 vermerkt), dessen unechtes a aus o abgeschwächt ist (Paul d. gramm. 1, 231; 239). plur. alle urber acta publ. 1, 64 P. urbur ist zu urbür, urbühr erweitert; Schmeller-Fr. 1, 254; vgl.orböre Dähnert 339; urboͤrde (1573) Haltaus 1998; in der spr. des sächs. bergrechts ist die urbühr die gebühr oder der ertrag, den der landesherr von dem bergwerke hat und der bes. in dem zehnten besteht, daher der zehntner der urbührer genannt wurde Adelung; vgl. mhd. urborer, unten urbarer. der gegenschreiber des urbührers hiesz urbührschreiber Herttwig bergb. (1734) 400ᵇ. den zehenten nannte man in böhm. bergwerken die urba G. Körner böhm. bergwerk 28 f. mit dem zusatz: doch ist dieser urba namen bey unserm bergrechte und in den sächsischen landen verloschen; die urbagebühr Veith bergwb. 68. die abgeschwächten nhd. formen zeugen durchaus für betonung des präfixes, die verschiebung des tons auf die 2. silbe ging von der latinisierten form urbarium, bezeugt seit dem 17. jh., aus, so dasz man heute urbár betont. schweiz. urbári; das murbári Fischer 6, 291. im plur. wird neben urbare urbarien (s. urbarium) gebraucht.
1)
die aufbringung, das aufgebrachte, der ertrag, einkünfte, abgabe oder zins davon, anspruch oder recht darauf; Haltaus ² urbar; Frisch (1741) 2, 409, 1. urberei (1493) lehnsurk. Schlesiens 2, 525: auf einem guͦt, da die urbor sein sint Nürnberger polizeiordn. 125 Baader; rente, zinser und urbar dieses landes M. C. Schütz hist. rer. prussic. (1592) 5, d 4ᶜ; uff welches herren eigen bergwerk funden wirt unde gemessen, er nimmet davon ein dritteil der urbar Ermisch d. sächs. bergr. 36; des marktzieher orbers (schles. 1608) zeitschr. f. d. phil. 20, 357; zins Schröer darstellung der d. ma. d. ungarischen berglandes 328; der urbar ist in einigen gegenden der nutzen, ertrag und das recht, den nutzen von einer sache zu ziehen, z. b. der brau-urbar Voigt hb. f. d. geschäftsführung 2, 528; branntweinurbar Adelung, vgl. 4. urbur der alte ausdruck für bergwerksfrohne Scheuchenstuel 248, der zehnte Veith 517; urbühr, urba s. o.
2)
ertragbringendes, zinstragendes grundstück; Haltaus ³urbar; Frisch 2, 409, 3; herschaftliches gut, zur bewirtschaftung dem urbarsmanne überlassen und dessen recht darauf Egger gl. 941ᵃ; vasallenland Götze frühnhd. gl.² 221ᵃ; allodium Diefenbach gl. 24ᵇ; in 3 gliedriger formel: land, guot und urbor rechtsalterth. 1⁴, 21: wer freyes urbar erbet, der diene ouch mit den fryen weisth. 3, 739; Graf - Dietherr rechtssprichwörter (1869²) 41; das sind di guͦt und di urbar, die zu meines herrn des herzogen von Bayrn ambt gehorend Lori bergr. 3; er hat auch in dem vergangen krieg den klösteren vil urbar und güeter genomen und einzogen Arnpeck s. chron. 601; so soll er in versorgen mit urbar nach lantsrecht J. A. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 30. dasz man schon im 16. jh. das wort nicht mehr verstand, lehrt der Frankfurter druck des renners, der 6771 E. urbur durch bawer ersetzt (bl. 36ᵇ).
3)
verzeichnis der einkünfte, urbarbuch, zins-, renten-, sal-, grundbuch (vgl. grundbuch 1); ürbar- und lägerbücher Chemnitz schwed. krieg 1, 442. Haltaus 1999; Frisch 2, 409, 2; Fischer 6, 291; Adelung 3: kuniglich majestat sal auch von marggraf A. alle register, freiheit, briefe, urbar ... zu seiner kuniglichen majestat handen herausbringen (1481) lehnsurk. Schlesiens 1, 234; Carolina 112; des stifts urbar und zinsbücher B. Hertzog chron. Alsatiae (1592) 2, 170; ein uralter urbar Stumpf Schweizerchron. 538ᵃ; dann da verbrunnen vil urbar, zinszbuͦcher 128ᵃ; das urbar von Pfronten ..., das u. ist aus dem 15. jh. Bernhardt waldeigentum 1, 121; das hofkammerarchiv besasz von jeher nur zwei urbare von Ebersdorf jahrb. d. Grillparzerges. 3, 196. diminutiv: ain urbarl von M. O. Zingerle mittelalterl. inventare 6; ein klein urberli Staub-Tobler 1, 432. amtliche und private aufzeichnungen über belastung von grundstücken und gebäuden, register überhaupt, z. b. d chillen-orben verzeichnis der plätze in der kirche Staub-Tobler 1, 432. zusammensetzungen: gegen-, schlaf-, schliefurbar ebda., dazu composita unter 7. ein neues v. inurben, einverleiben, festwurzeln lassen von urbar Gotthelf bei Staub-Tobler 1, 432.
4)
nutzen, vortheil; Haltaus ¹urbar: wo er aber zwar das gelt ... zu seinem urber und gebrauch gewendet und gekert hett ... J. Göbler novellae institutiones (1564) 29ᵃ; den weitzen und was sie zu ihrem orber bedarft (schles. 1605) zeitschr. f. d. phil. 20, 357 (oder zu 5?); welcher maszen ... der herr bischoff sich ... auf der ambter bürgerrechten, urbar und allerhandt gewerbe dem maiestätbriefe so stark wiederseczet ... acta publ. 1, 147 P. das ist die überwiegende bed. im mnd., mnl., nl., ostfriesischen.
5)
gewinnbringendes geschäft oder gewerbe; negotium mnl. wb. 5, 1931, 10; urber negotiatio Steinbach 2, 907: betritt nicht giftige sündenkräutlein ... in deinem handel und urber Herberger magnalia dei (1607) 193.
6)
der urber lärm Bernd Posen 332 ist aus dem v. urberen gebildet; s. urbaren.
7)
zusammensetzungen sind zahlreich.
in der form eigentlicher composita;
zu bed. 1:
urbaracker
zinstragender a. Lexer 2, 2001,
urbarbote
diener des herschaftlichen pflegers für die ausübung der urbargerechtigkeiten Unger-Khull 611ᵇ,
urbarforst
Egger gl. 941ᵃ,
urbargerechtigkeit
Unger-Khull 611ᵇ,
urbargericht
Egger 941ᵃ,
urbargrund
ebda,
urbargut
Lori bergr. 96; haushaltungslex. (1748 ff.) 3, 625,
urbarherr
urbarherschaft
urbarlehen
Egger 941ᵃ,
urbarmann
(verkürzt urmann Frisch 2, 409ᶜ) Egger 941ᵃ; Besold thes. pract. (1697 ff.) 2, 624ᵇ,
urbarleute
(urbarii Haltaus) urk. z. gesch. v. Göttweig 2, 620 (1464); Unrest chron. Carinth. 683,
urbarpropst
urbarrichter
Egger 941ᵃ; urk. z. g. v. Göttweig 3, 2 (1468); richter der urbarleute Krünitz 200, 352,
urbarsteuer f.,
mhd. urborstiure, Haltaus 1999: acta publ. 7, 108 P.; hwb. d. staatswiss. 3², 962,
urbarstift
Egger 941ᵃ,
urbarurtheil
acta publ. 8, 251 P.,
urbarwesen
allg. d. bibl. 65, 90,
urbarzehent
Fischer 6, 291,
urbarzins
urbarzoll
Egger gl. 941ᵃ.
zu bed. 3:
urbarbrief
Egger 941ᵃ,
urbarbuch
(verkürzt urbuch Fischer 6, 291, Lexer 2, 2001), n.; mhd. urborbuoch: straff der jhenen, so falsche sigel, brieff, urberbucher oder register machen bambergische halsgerichtsordnung (1507) art. 137; darüber ein new urberbuch aufrichten lassen Hüttel chron. d. st. Trautenau 93; M. Beuther ordentl. verzeichnisz (1561) 4ᵇ; in einem herrlichen urbarbuͦch Stumpf Schweizerchron. 528ᵃ; H. ... ist der verfasser des steyrischen urbarbuchs J. v. Müller 10, 148; die sogenannten urbarbücher jahrb. d. Grillparzerges. 2, 289. —
urbarregister
urk. z. gesch. von Göttweig 2, 486 (1457); O. v. Zingerle inventare 65,
urbarrodel
J. v. Watt 1, 199.
b)
in der form uneigentlicher composita.
zu bed. 1:
urbarsamtmann
Egger gl. 941ᵃ,
urbargerechtigkeit
ebda,
urbarleute
urbarmann
Megiser annales Carinthiae (1612) 1336; allg. haushaltungslex. (1749 ff.) 3, 625; Krünitz 200, 370,
urbarobrigkeit
urbarverwalter
Egger gl. 941ᵃ.
zu bed. 3:
urbarsbinder m.,
Lori bergr. 393 (1614).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2374, Z. 48.

urbar, adj.

urbar, adj.,
aus dem vorhergehenden subst. gewonnen. das adj. ist am frühesten im mnl. orbare, nl. oorbaar entwickelt, wobei von verbindungen wie het is mij oorbaar ausgegangen sein kann; mnl. wb. 5, 1931; nl. wb. 11, 60. die bed. des nl. und ostfries. adj. ist 'nützlich' (s. u. 2). auch aus mnd. orbarheit ist auf ein mnd. adj. orbar in gleicher bed. zu schlieszen (mnl. wb. a. a. o.). unsre frühesten belege s. unter 1. wie wenig bekannt aber u. als adj. gewesen, lehrt die sonderbare ansetzung Gottscheds beyträge z. crit. historie (1732 ff.) 2, 244: 'urbar, das soviel als perantiquus heiszet' (uralt war vorangegangen); Steinbach 2, 907 hat das nachgeschrieben. Frisch (1741) 2, 409 kennt das adj. noch nicht. die bed. 'ertragbringend' des seltenen, aber immerhin vorhandenen adjectivs ist dann im 18. jh. auf den ersten bodenertrag eingeengt (s. bed. 3), was nordd., nicht oberd. mundarten übernommen haben. noch im 17. jh. erscheint die alte form urbor (s. 1).
1)
urbar, subst., 1 entsprechend 'zinspflichtig': dörfer, güeter und einöden, so auf unser casten urbor seint hofkammerordn. 1640 bei Schmeller-Fr. 1, 254; auch substantivierung weist auf das adj.: die urborn; dieselben urborn die sollen geben unserm herren zwo marg silber weisth. 1, 413; swaz der von H. urbors hat gechauft von dem E. 6, 115; vgl. mhd. urboric, -borlich. veraltet.
2)
urbar, subst., 4 entsprechend 'nutzenbringend, brauchbar'. schon Adelung und Heynatz bezeichnen diese bed. als veraltet. vgl. mnd. orbarlik: nie aber wird sich der landmann mühe geben, neue versuche mit seinem acker anzustellen, ob er ihn auf diese oder jene neue weise brauchbarer und urbarer machen könnte das kränzel (1773) 60; gehört die unwahrscheinlichkeit ... zum urbaren der geschichte ... M. Mendelssohn 4, 2, 312; das eingetrocknete dintefasz wurde, da kein wasser zur hand, gleich durch wein u. gemacht K. Förster biograph. u. literar. skizzen 327.
3)
ertragbringend mit beziehung auf den ersten bodenertrag. die beziehung auf den bodenertrag überhaupt liegt schon im mnd. orbaren, nd. orbaren, nhd. urbaren (s. d. 3; mnl. wb. 5, 1932, I 1; nl. wb. 11, 1451, 1) vor; 'colere agrum, exercere tellurem, ut fructus reddat' Kilian. 'urbar heiszet ... ein gebauet feld oder land, das seinen nutzen träget' G. H. Zincke öconom. lex. (1744) 3055. allg. haushaltungslex. (1749 ff.) 3, 625; Jacobsson 4, 495ᵃ; 'durch den begriff des ersten tragens ist urbar von tragbar und fruchtbar verschieden' Maasz-Eberhard 6, 31; urbares land, das ausgehungert ist, macht man durch tüchtiges düngen wieder tragbar und fruchtbar Weigand syn. 3, 911; 'tragbar heiszt das land, sofern es überhaupt fähig ist, ertrag zu liefern, fruchtbar, sofern es wirklich ertrag und zwar reichen ertrag gibt; fruchtbar wird aber auch von pflanzen, thieren und menschen gesagt, während tragbar nur vom boden und gewächsen, urbar nur vom boden gesagt wird' Eberhard-Lyon (1904) 863. gs. wüst, unurbar, unbebaut, uncultiviert.
a)
seltener attributiv:
des landes bestes loos,
schön, urbar, rebenreich
Bürger 171 B.;
wenige lachter unter der urbaren erdrinde hebt seine (Rübezahls) alleinherrschaft an Musäus volksmährchen 1, 5 H.; felder, land, forstplätze, boden u. ä. Klinger 5, 15; Niebuhr röm. gesch. 2, 391; Mommsen röm. gesch. 2, 78; Jean Paul 7/10, 288 H. übertragen: ich habe in dieser für mich so dürren moralischen gegend ... zwei angenehme quellen und ein stück urbares erdreich angetroffen S. Laroche frl. v. Sternheim 1, 179; erfreulich ist, ein urbares herz im busen zu tragen Varnhagen v. Ense an Karoline v. Humboldt 92; und doch war es diese arbeit (der älteren jurisprudenz) ..., der die spätere wissenschaft den urbaren, geebneten boden verdankte Jhering geist d. r. rechts 2, 1, 6.
b)
prädicativ: das land fanden wir in den mehrsten gegenden nicht u. J. G. Forster 2, 325; übertragen: durch ausgestreuten samen können aber auch verödete fluren wider u. werden Jac. Grimm th. 1, xiii. bes. in der verb. u. machen; beurbaren, u. machen oder u. zu machen anfangen Kinderling (1795) 367; syn. bearbeiten, bebauen, bewirtschaften, cultivieren Eberhard-Lyon (1904) 49; 'u. machen bezeichnet die erste bearbeitung einer noch völlig wilden strecke landes, das bisher dem ackerbau noch nicht gedient hat' ebda.; von waldflächen Hartig forstl. conversationslex. 857. eigentlich: ein stück haide u. machen Möser 1, 292; Nicolai Nothanker 3, 103; er
macht urbar, was versäumt gelegen
Ramler fabellese (1783) 1, 249;
er schritt ... in ein schönes land, wo er nach und nach dreimal 300 abtheilungen des landes u. machte Herder 24, 509 S.; abends ... gingen wir in die gärten auf dem Palatin, wodurch die räume zwischen den ruinen der kaiserpaläste u. und anmuthig gemacht worden Göthe 32, 89 W.; wie denn dieses gebirge ... guten ackerboden besitzt, wovon täglich mehr u. gemacht wird II 10, 110 W.; der alte wollte nicht für fremde soviel acker haide u. machen Storm 2, 73; ein solcher (praktischer mensch) ... wird ... erwerben, ankaufen, bauen, u. machen, anlegen, gründen Schopenhauer 5, 91 Gr. übertragen: ihr leidenschaftliches gemüth ist nicht auf gleiche weise u. gemacht Herder 22, 69 S.; wird es der vernunft je möglich seyn, ein neues feld u. zu machen, ohne dasz ein neues ungeziefer des aberglaubens sich dabei einstellte? Lichtenberg verm. schr. 7, 282; den kalten boden des widerspruchs u. machen Schiller 4, 54 G.; Jean Paul 3, 218 H.; die sprache der Römer konnte nur durch unsägliche mühe und gewalt für die poesie u. gemacht werden A. W. Schlegel Athenäum 2, 282; ich bin der erste, der den Parnasz u. gemacht hat Tieck (1828 ff.) 5, 331;
dasz mit dem pflug der gedanken wir machten urbar
dieses feld der kunst
Rückert 11, 326.
das urbarmachen der lava Göthe 37, 205 W.; III 3, 17 W.; das u. von urwäldern Hoops waldbäume 99. die urbarmachung der länder literaturbr. 17 (1764) 61, moore allg. d. bibl. anh. 37/82, 920; neue urbarmachungen hwb. d. staatswiss. 1³, 28; übertragen: u. der vaterländischen schätze des alterthums Gräter an Klopstock br. 376 L.; u. der welt Herder 16, 391 S.; Rückert 7, 487, des neuen literarischen bodens jb. d. Grillparzerges. 8, 226. urbarmachungsedict Wimmer gesch. d. d. bodens 159, -kosten Bernhardt waldeigentum 2, 248, -pläne Niebuhr kl. schr. 1, 64. urbarkeit, f. H. Braun orthogr. gramm. wb. (1793) 274ᵇ; Avé-Lallemant gaunerthum 2, 31. urbarung, f., urbarmachung Bernhardt waldeigentum 1, 5; hwb. d. staatswiss. 4², 824.
4)
dem subst. urbar 6 entspricht ein adj. u. 'lärmend', das Brachvogel romanzeitg 17, 2, 140 gebraucht. vgl. urbaren, v.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2376, Z. 45.

urbär, m.

urbär, m.
(ur- C 4 c): dasz die freiheit eine allgemeine geistige angelegenheit ..., wurde von den urbären des Deutschthums u. s. w. übersehen Ruge s. w. 4, 467. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2378, Z. 21.

úrbaren, úrbern, órbern, v.

úrbaren, úrbern, órbern, v.
zum subst. urbar. mhd. urborn, urbern; mnd. orbaren; mnl. orbaren, orboren, orbueren, orberen, nl. orberen. zu den formen s.urbar. alemannische und schwäb. mundarten scheinen es nicht zu kennen, aber auszer dem bayer. (Schmeller 1, 255) ost- und südostd.; Knothe Markersdorf 121; obers. wb. 2, 307ᵇ; Weinhold schles. 102ᵃ; Bernd Posen 332. in heutiger schriftspr. ist u. nur in bed. 4 gebraucht, bed. 7 erscheint bei schriftstellern, die der mundart nahestehen.
1)
nutzen ziehen, ausnutzen (urbar, subst., 1) wie mhd. urborn, mnd. orbaren: das si ir gut ... uff solche were und bezalunge, die in landen unde stetin ganghaftig were, furen unde orbern mochtin (1447) cod. dipl. Lus. super. 452; wohl nach alter quelle: damals war das kloster eine propstei des stifts auf dem Sande und urbarte ... 156 wuͤste huben J. J. Dittrich bemerkungen auf einer reise (1816) 52; als gewinnbringend ausnutzen: dasz niemand im lande fleischwerk, backwerk, schuhmachen, gewandtschneiden, schneiderwerk und andere handthierung treiben noch urbern soll, die es nicht zu recht haben J. A. v. Friedenberg abhandlung von denen in Schlesien üblichen rechten (1741) 2, 172.
2)
zinspflichtig machen (urbar, subst. 1) in beurbaren: das zu unserm casztenambt beurbarte zapfenrecht monum. boica 17, 92.
3)
land durch bearbeitung ertragbringend machen; mnl. orbaren, nl. orberen; colere agrum, exercere tellurem, ut fructus reddat Kilian (s. urbar, adj. 3); in beurbaren: die getreideländer ... unbeurbart liegen W. Scherffer ged. zuschr. 4; übertragen:
sie hat ein flekklein noch vor ihn, das sonst doch braache ligt,
vor andern er vielleicht es zu beurbern kriegt
W. Scherffer ged. 658; Drechsler 266;
brach und unbeurbart Gödeke elf bücher d. dicht. 1, 205ᵃ.
4)
urbarmachen (urbar, adj., 3):
sie heiratheten und urbarten wüste räume,
zeugten fleiszig kinder und pflanzten bäume
Kortum Jobsiade 3, 20;
die einziehenden völkergruppen (hatten) sich womöglich schon geurbartes land angeeignet hwb. d. staatswiss. 4², 827.
5)
schaffen, thun, negotiari Steinbach 2, 907; vgl.urbar, subst., 5. mhd. gebrauchen, üben; nl. orberen (wb. 11, 1452, 5) thun, verrichten, betreiben. die entwicklung kann vom mhd. urborn oder von bed. 3 ausgehen: vermaledeit ist ein iglich regiment einer iglichen stat, das uf dem predigstul und nicht auf dem rathause ... regirt und georbert wird Eschenloer gesch. d. st. Breslau 2, 49; zum andern mal sie beschlossen, die sache mit den Preuszen geistlich und weltlich zu urbaren, und so denne die Preuszen nit wolten, mit im zue kriegen mit gewalt S. Grunau preusz. chron. 2, 157; befahl derowegen abermals meinem bruder G. die ganze sachen; was er macht und urbart, das sollte mir auch gefallen Schweinichen denkwürdigk. 233 Ö.
6)
'urbern, besser urbeln, verschwenden' verzeichnet Kövi aus der Zips. die entwicklung dieser bed. liegt im nl. orberen 4 aufessen, auftrinken zu tage.
7)
geräuschvoll arbeiten, mit geräthen groszes geräusch machen, lärmen, rumoren u. dgl. aus bed. 3/4 hervorgegangen. obers. wb. 2, 307ᵇ; Weinhold schles. 102ᵃ; Knothe Markersdorf 121; Bernd Posen 332: auch musz ich noch von etwas reden, was in mir rum urbert Holtei Lammfell 3, 158; die züge urbern wie siedige dunnerwater Rother schles. sprichw. 164ᵇ; ebenso von der arbeit 327ᵇ; jetzund, scheint mir, in unserer gegenwärtigen zeit musz gar eine grosze kette geplatzt sein, weils gar so grausam urbert, und will doch nicht recht vom flecke Holtei erz. schr. 17, 180. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1933), Bd. XI,III (1936), Sp. 2378, Z. 25.

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„urbar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/urbar>, abgerufen am 25.10.2020.

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