Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

urenkel, m.

urenkel, m.,
sohn und nachkomme des enkels, als viertes glied in absteigender linie; s.enkel, ↗groszenkel. pronepos u. Diefenbach gl. 464ᶜ. älter scheint das auch in oberd. ma. verwurzelte urenkelein (s. d.). bis ins 18. jh. schwankt die bed.; z. b. u. l'arriere-neveu, abnepos Wiederhold 403ᵃ (vgl.enkel = neffe, nepos, Staub-Tobler 1, 268, 3 und enikel). urenikel Aventin 1, 51, 32 L.; urenikle 1, 332, 16 L.; ureinikel Mathesius Sarepta (1571) 30ᵃ; urenichel Dietz annales (1621) 4; uranichel J. A. v. Brandis landeshauptleute von Tirol 51; uhrahnichl ehrenkränzel 99. s. noch ²unterenkel, ururenkel; adnepos, adneptis des enkels uhrenkel nomenclator hamburg. (1634) 461.
1)
eigentlich, pronepos, enkelsohn, enkelkind (ur- C 4 b): der sant Ludwigs u. was S. Franck chronica (1531) j 2ᵃ; das bezuͤgt sin u. Tschudi chron. 1, 104; C. ... sampt ... neunundzwäntzig uränkeln ... den göttern ... opfer ... gethan Heyden Plinius (1565) 24; des heiligen erzvatters Noe urenkhl J. A. v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 1; Grimmelshausen Simplic. 538 Kögel; Dannhauer catechismusmilch 1, 15; das sang der mund der kinder und urenkel Herder 6, 62 S.; 18, 241 S.; der urenkel schaar umgibt ihn Göthe 6, 270 W.; Schiller 1, 155 G.; (M. Haupt) der u. des armen dorfschulmeisters beherrscht das erste katheder seines faches Scherer kl. schr. 1, 113. in der verb. enkel und u.: er war ausersehen ..., enkel und u. zu verlieren Herder 23, 42 S.; Hippel lebensläufe 1, 70; und überhaupt scheinet die vollkommenheit des werkes erst dem enkel oder wohl gar dem u. vorbehalten zu sein Möser 2, 193; Schubart ged. 2, 27ᵃ;
(er) lasz euch lang noch leben,
dasz ihr urenklen noch den segen könnet geben
Göthe 37, 3 W.;
Friedbergs unglückliche bewohner ... werden ... den namen ihren enkeln und urenkeln einprägen Stifter 1, 317.
2)
späte oder späteste nachkommen überhaupt:
denkmähler, die noch uns urenkel lehren müssen,
dasz menschen die vernunft nicht zu gebrauchen wissen
Dusch (1754) 229;
wo Scipionen, Flakkus und Tullius,
urenkel denkend, tönender sprach
Klopstock oden 1, 11 M.-P.;
gelehrtenrep. 23; der glaser, der die scheiben faszte, dachte gewisz nicht, dasz das blei einem seiner urenkel garstiges kopfweh machen könnte! Göthe 8, 111 W.; der mensch ... gährt wieder zusammen in morast, bis er zuletzt an den schuhsohlen seines urenkels unflätig anklebt Schiller 2, 141 G. (räuber 4, 2);
urenkel spielen, wo die ahnherrn stritten
Falk satiren (1800) 1, 93;
Schopenhauer 2, 523 Gr.;
mit recht soll der reale witz
urenkeln sich erneuern
Göthe 5, 90 W.;
schon längst, Mäcen, tyrrhenischer könige
urenkel, wartet deiner ein krug bei mir
Geibel 5, 227.
so auch in der verb. enkel und u.:
deszhalb ist es kein groszes wunder,
dasz solch ein wunderlich gelüste
sich auch im enkel, urenkel brüste
Göthe 4, 255 W.;
Ritter erdk. 1, 671; eine gar schöne composition, die nach jahre noch enkel und u. erfreuen wird R. Schumann 1, 273; einer liebevollen sorge ..., die nicht mehr für das eigene leben, sondern für ein kommendes jahrhundert, für die enkel und u. waltete G. Keller 5, 353.
3)
schweizerisch ist enkel für u. gebraucht; Staub-Tobler 1, 268, 3. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1935), Bd. XI,III (1936), Sp. 2403, Z. 19.

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unwürdigen urgewalt
Zitationshilfe
„urenkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/urenkel>, abgerufen am 26.11.2020.

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