Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

urlaub, m.

urlaub, m.,

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erlaubnis, abschied, zu got. uslaubjan, ahd. irlouben, mhd. erlouben, nhd. erlauben. im präfix glaubte Jac. Grimm (gramm. 2, 791) die bed. einer 'bewegung aus dem innern' zu erfühlen; s. ur- A 1 und vgl. erlaub, verlaub (mit urlaub wechselnd bei Schweinichen unter verlaub 2), laub, laube; urlaubnis, -laubung. ahd. urloup, -loub, -laup, -lob, -lub, n., neben urlaupî, -laubî, f., Graff 2, 75 f. mhd. urloup, -lop, -lob, -lof, -lauf, -lâb, -læb, ürlob, m. n., neben urloubede, f. Lexer 2, 2009. as. orlof; afries. orlof, -lef. mnd. orlof, -loft, -leve; nd. urlôf; mnl. orlof, -loft; nl. oorlof. aus dem mnd. stammen an. orlof, isl. órlof (mit der bed. 'besuch bei einem freunde oder verwandten'), dän. orlov, schwed. orlof. vgl. engl. furlough Murray 4, 1, 613ᵃ. ein dem ahd. urlaubî, mnd. orleve entsprechendes urleube, -laube überliefert ein spätmittelalterliches glossar bei Diefenbach gl. 327ᶜ. die starke betonung des präfixes hat den wortkörper, dem der ton entzogen, verfallen lassen; der vokalwechsel des mhd. dauert im frühnhd. fort, das auch urlib (Staub-Tobler 3, 959) kennt. mundarten bilden mit versetzung von b und l urbl, urblig, orblig Fischer 6, 300; Staub-Tobler a. a. o., mit t urblet, urlet, urblat (vgl. mhd. urloubede) und urblas ebda. das n. dauert schriftsprachlich bis ins 17. jh. (letztes u. Hohberg Ottobert [1664] s 3ᵃ; S s 5ᵇ; heunt müssen wir ... von einander das u. nemmen Abele unordnung [1674] 3, 324), mundartlich in der Schweiz bis heute fort. ein f. Staub-Tobler 3, 959 und J. B. Schupp 698. im übrigen herscht, wie schon im mhd., das m. der von Adelung geleugnete plural ist zwar nicht häufig, aber vorhanden: mit gepoten und urlauben (dispensationen) B. v. Chiemsee 64 R.; die urlaube (beurlaubungen) bed. A 2 c; die hundstagsurlauben (ferien) Staub-Tobler 3, 960. entlehnt ins tschechische A. Meyer die d. lehnwörter im tschech. 110.
A.
die ursprüngliche bed. 'erlaubnis' ist, von gelegentlichen verbindungen abgesehen, heute schriftsprachlich nur in der specialisierung der bed. 2 c festgehalten, während die übrige reiche ältere entwicklung verkümmerte.
1)
licentia Diefenbach gl. 327ᵇ; venia 610ᵇ; tautologisch mit erlaubnis verbunden bei S. Franck Türkey d 2ᵇ; quaelibet venia Stieler 1080; 'so viel als verlaub' Frisch (1741) 2, 409ᵃ; 'eine jede erlaubnis, eine jetzt völlig veraltete bed.' Adelung.
a)
allgemein: sie lassen auch chainen christen noch chain juden dorein (zum h. grabe), er hab dann urlab von könig soldan Schiltberger reiseb. 78, 14 lit. ver.; gib urlob, gib urlob, geliepter herre, myner ellenden sell, ein wort zuͦ dir ze sprechen der ew. weisheit betb. (1518) 4ᵃ; der künig sprach 'desz hab frey urlob' Fortunatus 68 ndr.; in alterthümelnder dichterspr. noch bei Wieland:
bis herzog Nayms ...
zum begehrten kampf des kaisers urlaub schwöret
Oberon 416;
als jetzt die schmetternde trompete
den ungeduldigen zum rennen urlaub gab
7240.
b)
im frühnhd. sind noch einige besonderheiten der ä. spr. übriggeblieben.
α)
'die möglichkeit, nach belieben zu verfahren'; licentia, facultas, copia Kilian: nun ist es aber schwer in groszem gewalt und urlaub, on straff sich selbs im zaun halten S. Franck zeytb. 139ᵇ; er leret in auch, wie schwer es sei, in groszem gewalt und u. zu sünden nit sünden Germ. chron. (aug. 1538) 28ᵇ; freiheit gibt u. zur boszhayt sprichw. (1541) 1, 124ᵇ; dasz, die ihrs urlaubs misprauchen, urlaubs beraubt werden Luther an d. adel 22 ndr.
β)
'zustimmung': grosz glück, wenig u. (man gönnt es ihm nicht) S. Franck sprichw. (1541) 1, 117ᵃ; Lehmann florileg. (1662) 3, 131; Körte 165; vir mulier, servus ancilla non possunt esse inter se sine peccato, do hebt sich den eyn u. und vorsprechen (vgl. als gs. ontseggen mnl. wb. 5, 1986) Luther 34, 1, 447 W. 'durch gebet zu erzielendes einvernehmen mit gott':
thô nam er godes urlub
Ludwigslied 27,
von Herder 16, 198 S. wörtlich ins nhd. übersetzt (gods orlof mnl. wb. 5, 1990); eya herre, ... thuͦ mir hie, wie du wilt, des hab von mir ein freyes urluͦb (ich bin völlig einverstanden) der ew. weisheit betb. (1518) 27ᵃ; gottis u. ist gröszer denn aller menschen gepott Luther 12, 102 W.; ganz farblos Weckherlin 1, 371 F. (psalm 103, 21). sprichwörtlich: ich wil thun und lassen, was ich weis, das gottes wort ist, und nicht allererst seine feinde und lesterer, die maulesel zu Rom drumb fragen, ob sie es erleuben wolten, sondern dem sprichwort nachfaren und sagen: urlaub (vgl. a) kome hernach Luther 30, 2, 486 W.; Petri V v 6ᵃ macht entstellend daraus: u. kam hernach.
γ)
'entlassung, entlastung, erlaubnis zu gehen', bisweilen hart an B grenzend: entlassung der juden aus dem exil Kraus d. ged. 1, 34, vertreibung der j. Fischer 6, 299; legatorum missio u. Frisius 827ᵇ; sintemahl dieser Tannhäuser ... zum römischen pabst Urbanum gekommen und vor ihm auf die knie gefallen, um u. (absolution) anhaltende Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 18. ghy hebt orlof, als ghy wilt nil te jam moratur aula mnl. wb. 5, 1989; valeat, gange hin, u. saumpt in nüt Frisius 1344ᵇ; zühend nun hinweg, wenn ir wend, u. sumt üch nüt quelle (1572) bei Staub-Tobler 3, 959; u. hindert hie niemandt (es hat niemand etwas dagegen, wenn ihr fort wollt). also reden die wirt im schertze zu iren gesten: es mag ein jeder geen, wenn er wil, urlaup hindert hie niemandt sprichwörtersammlung 1532, 572 Latendorf; schöne weise klugreden (1548) 90ᵇ; Fr. Wilhelm sprichw. register (1577) g g α 42; Petri V v 6ᵃ; Wander 4, 1496.
δ)
ein u. nemen 'sich etwas schlechtes erlauben, herausnehmen' Staub-Tobler 3, 959: und nimst ein u.! pfuch der schand! quelle (1576) ebda. vgl. mit u. und mnl. wb. 5, 1991, 4. so mochte sich für u. die bed. 'mutwille, unfug' oder dgl. (vgl.b α) ergeben, die in frühnhd. quellen des ostmd. sprachgebiets erscheint: ap dy meyster (des schneiderhandwerks) bey enander wern zu eynem gemeynen byr an eyner zeche unde ab sye welden eynen urlop haben, es wer spil adder ander unfuge, das sullen sy von keynem nicht dulden quelle des 15. jhs. bei Bech Germania 27, 184; hadir ader u. werden verbunden (ebda). dasz hier überall u. für urhap verlesen sei, wie Bech meinte, ist nicht glaublich.
ε)
rechtssprachlich; fas Graff 2, 75; Diefenbach gl. 226ᵇ: vollen gewalt, fryes urlob und guͦt recht quelle (1467) bei Fischer 6, 299 (vgl. Lexer 2, 2010); zu wissen, daz man uf den vorgenannten tag daz gerichte nit heget oder ime kein orlob gibt dann umb mittag weisth. 6, 68; der pabst gab dem concilio urloub Tschudi chron. 2, 96. 'berechtigender anlasz':
wen ich eim wil unrecht thuͦn,
so brich ich urlob ab dem zuͦn
Murner narrenbeschwörung 15, 2 Sp.;
welich man oder frau ain erbrecht hat und dovon in u. vert (darauf verzichtet; vgl. B) weisth. 6, 112; daz u. und dispensacio (1344) Haltaus 2007; in urlaubs weise (kraft besonderer vergünstigung) in haben, nutzen, nieszen und gebrauchen (1497) Haltaus 2006; also sol niemand sich selbs aus dem gehorsam und eyde wenden, er werde denn durch andere entweder mit gewalt odder mit gunst und u. (dispens) eraus bracht Luther 30, 2, 138 W.; mit gepoten und urlauben B. v. Chiemsee 64 R.; vgl. Tauler pred. 151, 4 ff. V.; erlaubnis zum begräbnis Fischer 6, 299; mnd. orlof brauerlaubnis; ein weyb mag on ires manns u. ires guͦts nichts hingeben S. Münster cosmographei 380; fahrende habe mag auch ohne einschränkung ... veräuszert werden ..., eigen hingegen nur mit der nächsten erben u. Eichhorn staats- u. rechtsgesch. 2³ (1821) 549. concret 'schein über erlaubnis oder vergünstigung': ez sol auch nieman kainer slaht brief noch urloup gewinnen uber dehainerlaie sache, den wider der stat reht und freihait ist Nürnberger polizeiordn. 20 Baader; das u. oder fecundum decretum, dardurch dem klager das eigenthum der angesetzten güter zuerkennt und zugesprochen wird Hohberg georg. 1, 30. vgl. urlaubbrief, -geld, -holz, -schilling.
c)
in präpositionsverbindungen: auf u.:
auch bittet mich zur zeit zu ihrem schönen bade
auf urlaub desz Hyrkans manch asische siren
Paul Fleming ged. 174 L.
aus u.: es hat ein streng verbot, das im niemant nachfolg, entgegenlauf, dann aus besonderen urlaub und erlaubnis S. Franck Türkey (1530) d 2ᵇ. mit u.; in syn. verbb.: mit geheisz, bitte und u. rechtsalterth. 1⁴, 22; mit deinem u. und gunst S. Franck chron. Germ. (1538) 20ᵃ. 'in gottes namen': daz buͤchli mit gotes urlob wurdi geofnet sinen obren H. Seuse d. schr. 4, 34 B.; hab mit u., was du bedarfest Tauler serm. (1508) 13ᵇ; herzeliebe frauwe, ich biddin uch, mit uherm orlaube (seid so gut), daz ir mir frauwe Gerdruͦt gruͦzin wollent Steinhausen privatbr. 1, 12; so will ich ... mit üwer aller urloub sagen ... Steinhöwel Äsop 64 Ö.; Schwarzenberg v. zutrinken 4 ndr.; alterthümelnd: als er so allein sasz, kam eine edle jungfrau ..., die seine hunde sah und ihn fragte, mit wessen urlaub er in ihrem walde jage br. Grimm d. sagen (1891) 2, 156;
und so entkleid ich denn, mit deinem urlaub,
mich all der würden, ämter und gewalt
Grillparzer 6, 253.
einen satz vertretend:
mit urlaub, frau, kain schaiden tat mir nie so we!
O. v. Wolkenstein 19, 15 Schatz;
ich will meynen dunkel sagen, mit u. (cum venia) Luther 10, 1, 1, 375 W.; engl. comöd. 73 Creizenach; Frisius 1039ᵃ; doch mit u., dasz wir diese vermuthung niederschreiben allg. d. bibl. anh. 1/12, 623;
mit urlaub, gnädger herr — ich bin nur wenig;
doch, was ich bin, das bin ich ganz
Z. Werner d. söhne des thales (1804) 2, 140;
mit gunst und urlaub, gnädiger herr landsmann!
Grillparzer 6, 84 S.
insbesondere bei starken oder verfänglichen ausdrücken; mit u. zu reden, sagen, melden u. dgl.; oder mit u. allein; Staub-Tobler 3, 959; Schmeller-Fr. 1, 1406: das ist eben so wol, mit urlaub zuͦ reden, erlogen Steinhöwel ber. frauen 321 Dr.; Urbanus Regius widderlegung der münsterischen bekentnus (1535) m 2ᵃ; Frey gartengesellschaft 138 B.; Kotzebue 2, 140; mit u. zu melden Hippel über d. ehe (1774) 216; wenn du so unfletig reden wolst, so soltest vor sagen: mit u., fraw Frey gartenges. 64 B.; bei grobheiten: ich bin auch, mit u. zu melden, desz holtz, desz ir ietzt seyt Kirchhof wendunmut 1, 192 Ö.; von gesellschaftlich anstöszigem: ey, liebe A., worumb sagt ihr 'mit u., die füsze'? dasz sagen nur die bürgersleute El. Charl. v. Orleans br. 2, 480; 3, 92; 3, 95; man sagt hier (in Frankreich) nicht 'mit u. zu sprechen', um eine ventousse (e. schröpfkopf) zu ziehen, das ist ja nichts unsauberes 3, 189; beim schwitzen, zahnziehen 336; 514; und weil sie gewohnt war, des abends, mit u. zu sagen, zuweilen zu mir in den garten auf ein wenig schäckerey zu kommen Gottschedin sammlung v. schauspielen (1764 ff.) 5, 92. bei unanständigen kraftausdrücken (vgl. oben ein u. nehmen): der sitzet, mit u., im dreck Luther 32, 325 W.; es möcht eynn, mit u., die stranguria bestehen uber den groben narrenköpfen 10, 2, 242 W.; er musz, mit u. zu reden, noch wol einem jeden den hindern wisschen 28, 518 W.; mit genitiv construiert: wie aber der wirdige herr M. aufsteht, mit u. der lieben stuben, das wasser abzuschlahen Lindener katzipori 87 L.;
sie (die nase) hengt dir mitten im angsicht ...,
mit urlab vor den wirt und gesten ...,
gleich wie ein scheiszhaus an der festen
H. Sachs 14, 68, 8 G.;
Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 108 B.; an dem ort ..., so man mit u. nennet Ch. Sorel v. d. leben des Francion (1662) 218;
als wenn er, mit urlaub geredt,
in seinm podex quecksilber hätt
Brandenburg bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 5, 331;
spottend: gott hat mir einen andern, und aus eim alten ein neuen feind erweckt, nemlich den theuren und, mit u. zu reden, ehrwirdigen vater mag. Jacob Hostraten Luther 1, 61 Jena; hiebey merck ..., was das müssen für leut sein, so sich, mit u., evangelisch nennen Nas eins u. hundert 2, 160ᵃ. ohne u.: an u. des chönigs Schiltberger reiseb. 17 lit. ver.; one alles urloub und erloubung von der statt Richental Konstanzer concil 89 lit. ver.; 'ohne vollmacht und berechtigung':
das wir Jhesum, dissen man,
an urlaub hyetten ertöttet
passionssp. a. Tirol 70 Wackernell;
darumb solten sie auch keyn gesetz noch gepott uber andere legen on derselben willen und u. (zustimmung) Luther 11, 271 W.; ohne des reichs wissen, gunst, u. und willen B. Ph. v. Chemnitz Hipp. a Lapide dissertatio de ratione status in imperio Rom.-Germanico 134;
kommt uns ohn urláub nicht wieder zu gesichte
v. Haugwitz (1684) nationallit. 36, 411, 426.
d)
verbale verbindungen. u. begehren, bitten, fordern: weyter ... sind sy zum kunig gangen ..., u. in ir vatterland zeziehen begärt Züricher bibel (1531) 3 Makkab. V.; ich meine, dasz sie (d. störche) u. bitten, von uns wegzuziehen Prätorius winterquartier 34; hir fordert man kein u., umb von füsz zu sprechen El. Charl. v. Orleans br. 3, 91 H.; kriegen: wo aber Sathan under dieselbigen kompt und von gott u. und das verhengen kriegt, die frommen kinder gottes zu versuchen theatr. diabol. (1569) 4 jᵃ; nehmen: ich musz doch u. nemen, grob und deutlich zu reden Luther 10, 1, 1, 155 W.; 'sich entschuldigen' Lindener katzipori 121 L.; geben: die künigin yederman ein klein schleflein ze tun u. gabe Arigo decam. 164 K.; Luther 10, 1, 1, 646 W.; 15, 34 W.; 6, 213 W.; warum beschuldigest du nicht Paulum ebenso, weil er nicht wie die andern sich vom evangelio nehren wolte, dazu ihm doch Christus u. gegeben hatte? A. H. Francke fest- u. aposteltagspredigten (1746) 1, 636; finden:
und ward ir (der spinne) da kein statt vergunt,
da sie urlaub zu bawen fundt
B. Waldis Esopus 1, 209 K.;
haben: mein u. habt ze reiten Arigo decam. 593, 36 K.; alszo ... mag yderman sicher lygen und betriegen, alleyn das er des bapsts gewalt und u. datzu hat Luther 8, 543 W.; 12, 238 W.; erst müssen wir zu gott flehen und seinen u. haben, dann können wir sanft streiten br. Grimm d. sagen (1891) 2, 79; nach alter quelle Ranke s. w. 25, 92.
2)
erlaubnis, ein dienstverhältnis oder eine bestimmte ordnung zu verlassen, beurlaubung; in n. spr. von abschied unterschieden: um aus dem u. einen abschied zu machen Fontane I 1, 84.
a)
allgemein: magst du bewerlich hoffen, dein byschoff gebe dir urlob zu solichem auszgang, so bit in darumb Eberlin v. Günzburg 1, 31 ndr.; vermeint, der meister sölt mier urloub geben Th. Platter 53 B.; da er ein jar lang seines ampts fein abwartet, hat er sein u. begeret Mathesius Sarepta (1571) 135ᵇ; den weisen ... gibt man u., und den ungeschickten grosze besoldung Grimmelshausen Simplic. 458 Kögel; wenn die generalrevüe vorbei ist ..., so erhalten sehr viele der landskinder den sogenannten u. oder erlaubnisz, nach hause zu gehn (vgl.c) Fr. Ulrich bemerkungen eines reisenden (1779) 1, 334; ich erhielt u. nach hause zurückzukehren Göthe 33, 324 W.; L. hat u. für heut abend 25, 255 W.; Dalberg war abwesend, einige spieler in u. Schiller br. 1, 145 J.; Grillparzer 7, 117 S.; dennoch sehe ich, dasz mein herr mir ehrlichen u. gibt und mich als freien entsendet G. Freytag 9, 74. 'wenn sich der schüler auf kurze zeit aus der lehrstunde entfernen will, so bittet er den lehrer um u.' Adelung; 'aber auch in dieser bed. ist es nicht überall in D. gebräuchlich' Krünitz 202, 286; heute veraltet. uneigentlich:
er hat gentzlich nichts mehr zu beiszen,
weder zu essen noch zu schleiszen,
hat koch und kelner urlaub geben
Eyering 2, 258;
Harsdörfer gesprächsp. 1, l 1ᵇ; im scherz: ich habe u. (vgl. B) von meiner schönen genommen Krünitz 202, 288;
o Hofer, mein Hofer, sei unser patron,
leg für uns a bitt ein im himmlischen thron!
komm zu uns auf urlaub und hilf uns im streit!
(vgl. c)
Brentano 2, 30.
b)
ferien, schulfreiheit; feriae u. nomenclator hamburg. (1634) 286; gerichtsferien Staub-Tobler 3, 960; vacantie nl. wb. 11, 126, 2ᵇ: wen man dan in der schuͦl als am donstag und samsztag urlob hatt, gieng ich zum frowenminster Th. Platter 38 B. frühlings-, herbst-, hundstags-, ernteurlaub; urlaubtag, urlaubszeit Staub-Tobler 3, 959 f.; Fischer 6, 299. auch für ferienaufgaben Staub-Tobler 960. nicht mehr schriftsprachlich, doch ähnlich: ich geniesze nun in meinem haus den völligsten u. Göthe IV 11, 85 W.; vgl. IV 8, 357 W.
c)
zeitweilige entbindung vom dienst in militärischen dienstverhältnissen und denen der beamten und angestellten; fast die einzige heute recht gebräuchliche bed. von u., zu unterscheiden von B 2. orlof geven commeatum dare mnl. wb. 5, 1991. älter urlauben 5: haben sie (offiziere) aber zu einer nothwendigen reise erlaubnisz bekommen, so dürfen sie doch nicht über die gesetzte zeit des urlaubs auszenbleiben v. Fleming soldat (1726) 117; stellet sich einer nach geendigtem u. bey der compagnie wieder ein, so ... 154; den burschen soll bei spieszruthenstrafe verboten sein, aus den zügen zu gehen, ohne u. (erlaubnis auszutreten) von den officiers zu nehmen. wenn ein bursche aus seinem zuge u. nimmt, musz ... befehl Friedrichs II. v. Preuszen über die ordnung auf märschen (1740), kriege Friedrichs d. gr. 1, anlage 12 (heute nicht mehr gebräuchlich); er war so wenig bei sich selbst, dasz er sich eiligst aus der garnison ohne u. entfernte Göthe 24, 325 W.; deinem vater schrieb ich kürzlich durch einen soldaten, der in u. gieng Schubart br. 2, 179 Str.; aus dem u. zurückkehren Hebel 2, 249 B., u. erhalten Bauernfeld 4, 28, nehmen Fontane I 6, 85, ertheilen, kürzen, verweigern, verlängern, der u. geht zu ende, läuft ab u. dgl.; als er wiederkam zum ersten u. Polenz Büttnerbauer 1, 4. auf u.: der garnison, von der die meisten soldaten sich auf u. zerstreut hatten Niebuhr röm. gesch. 2, 243; einen officier, der sich unter uns auf u. befand Göthe 27, 146 W.; er war auf u. Auerbach dorfgesch. 1, 219; 1821 reiste er ... auf u. nach B. Moltke 1, 16; jährlich wurden ... eine grosze anzahl soldaten auf u. entlassen Mommsen röm. gesch. 3², 314; auf u. befindliche soldaten; aus d. soldatenspr. dauernd u. statt dauernd untauglich, das u. ist das schönste laub mittheil. d. schles. ges. f. volksk. 26, 140; fleisch ist auf u. es giebt heute kein fl.; wie denn überhaupt meine fünf sinne auf u. gingen, ich war fertig Gaudy 2, 109. urlaub der seeleute, an land zu gehen, leave of absence, congé Hoyer-Kreuter 1, 796. bei dienstverhältnissen der beamten und angestellten ('nicht so üblich als beim militair' Krünitz 202, 287. nicht bei Ad., heute wieder allgemein):
mein urlaub geht zu ende. fehlt ich jetzt,
so fehlt ich sehr und könnte leicht des königs
und meiner obern gunst verscherzen
Göthe 11, 205 (Claudine 128; vgl. 160);
(ich) hoffe diesen urlaub nun durch dich
Tasso 2605;
doch ich konnte so lange nicht abwesend sein, weil ich ohne u. oder auf puff hinübergeritten war J. G. Forster an Sömmerring 9; als ich ihm nach Berlin den kurzen u. gegeben Göthe IV 20, 164 W.; verlängerten u. erbitten IV 28, 58 W.; Th. ..., der mit gnädigstem u. seines landesherrn sich ... bei uns aufhält 40, 3 W.; Schiller 14, 222 G.; sein u. war längst abgelaufen O. Jahn Mozart 1, 63; ein u. auf unbestimmte zeit Stifter 3, 365; im u., auf u. Kuszmaul jugenderinn. 304²; H. v. Bülow br. u. schr. 5, 152; 5, 222; hwb. d. staatswiss. 1, 3. uneigentlich: der hund ... muszte da (im himmel) auch u. nehmen, denn man brauchte ihn nur in hundstagen Brentano 5, 459; seine frau ... ein abgelassener satan, dem die hölle einen u. gegeben hat, um auf der oberwelt gastrollen zu spielen Bäuerle kom. theater 4, 10. vgl.urloup der helle Margarethen marter (Germania 4, 451) 396.
B.
im ausbau der grundbed. (A) zeigte sich schon mehrfach (vgl. bes. A 1 b γ) die neigung, aus der erlaubnis schlechthin die 'erlaubnis zu gehen' zu specialisieren; wie unmerklich beide bedd. in einander übergehen können, mögen noch zwei beispiele lehren:
darumb het er die zart erkorn
und ein urlaub begeren thet,
dasz er die königreich und stet
beschawen möcht in weyter welt
H. Sachs 2, 25, 23 K.;
die gelehrten brüder haben u., das gelernte zu üben Treitschke hist. u. polit. aufs. 2⁵, 43. syn. verbindungen: in wehrendem abschied- und urlaubnemmen theatr. amoris (1626) 1, 173; o fürstin Dulcinea ..., grosz unrecht thatet ihr mir, als ihr mir abschied und u. gabt Bastel von der Sohle don Kichote (1648) 27; vgl. ich beurlaube sein urlaub und schicke seine abschied wider zurucke Harsdörfer secret. 1, 305ᵃ. in n. spr. ist u. von abschied unterschieden:
ich geb ihm urlaub (er mag gehen!)
und schenke ihm den abschied obendrein
Hebbel 4, 95 (Nibelungen 2, 3, 4) W.
'Luther scheint abscheid 'weggang' und abschied 'urlaub' ... willkürlich zu sondern' Jac. Grimm th. 1, 99 (schon von Diez mit recht bezweifelt). missio Kilian; Lexer 2, 2010; mnl. wb. 5, 1989 ff.
1)
bei weggang, trennung, entfernung, schlafengehen u. dgl.
a)
in verbalen verbindungen. u. haben (vgl. Lorscher bienensegen 16, 4 M.-Sch.):
ir herren, ich will eur urlaub han (ich will fort, laszt mich ziehen)
fastnachtspiele 1, 469, 14 Keller;
passionssp. a. Tirol 417 Wackernell; far hin, du böszwicht ..., far hin, hab urlob (fort mit dir!) reform. flugschr. 1, 125 Clemen;
winter! du must urlaub han
volkslieder 96 Uhland;
schlegt er abr mein begeren ab.
so sag im, dasz er urlaub hab,
forthin mein soll gar müssig gehn
H. Sachs 20, 49, 31 G.;
wer die warheit sagt, der hat u. Lehmann florileg. (1662) 2, 880;
um meines buhlen willen,
von der ich urlaub hab (die mich hat gehen lassen)
A. v. Arnim 21, 12 Gr.
u.
geben:
ir herren, ir sollet uns urlaub geben
und solt die fasnacht frolich leben
fastnachtspiele 1, 392, 21 Keller;
364, 21; 552, 9; 565, 23 K.; (der könig ihm) in seinem abscheiden ein gnädig u. gabe Arigo decam. 125, 8 K.; pisz die künigin zeit dauchte ze ruwen ... und allen u. gab 15, 35 K.;
die küngin im ein urlaub gab,
mit solchem da schied der bot ab
Teuerdank 15, 41 G.;
Alsfelder passionssp. 21, 726 Gr.;
des gib mir urlaub balde
ausz disem finstern than
lied v. hürnen Seyfried 19 ndr.;
herr Murner ... gab der messe allgemach urlaub: ite, missa est eselkönig 377 (vgl. urlauben 3);
busze sol man nicht sparen,
gebt mir urlaub und lasset mich fahren
Reinicke fuchs (1650) 206;
nun gebt mir urlaub, fräulein zart!
Erlach volksl. der Deutschen 1, 129;
was führ ich denn fürn trauriges leben
dasz mir mein schatz hat urlaub gegeben?
Mittler volksl. 571;
frau Venus, meine schöne frau,
leb wohl, mein holdes leben!
ich will nicht länger bleiben bei dir,
du sollst mir urlaub geben
H. Heine 1, 245 E. (Uhland volksl. 297, 10).
u.
nehmen: an dem letzten die geladen u. namen Arigo decam. 109, 33 K.; alsz wir ... von einander wider u. namen (uns trennten) Rauwolff 18; die Israeliten, da sie u. nemen (ausziehen) wollten von den Egyptiern Fischart bienenkorb 52ᵃ; spöttisch Opitz poemata 245 ndr.; die bergknappen ..., bevor sie sich in die tiefe hinunterlassen, pflegen sie von weib und kindern u. zu nehmen Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 1, 278; Herder 25, 236 S.;
sie umarmte mich,
doch erst als ich den urlaub schon genommen
Schiller 12, 98 G. (Piccolomini 2, 2);
5, 83 G.; 12, 447 G.; 13, 25 G.; Gries ras. Roland 2, 78; R. mit stab und tasche nimmt u. Jac. Grimm Reinhart fuchs cxxvii; Rückert 9, 44;
ich schrei mit heller stimm:
von euch ich urlaub nimm,
ja urlaub nimm!
Mittler volksl. 888.
auffallend ist die verb.:
gesell, wisz urlaub, saumb dich nit
Forster fr. t. liedlein 17 ndr.
u.
begehren: B. Krüger anfang u. ende der welt (1580) f 4ᵇ; Gries ras. Roland 1, 225;
urlaub sofort begehrte
der ritter wohlgemuth
Uhland ged. 1, 395 Schm.
u.
vergönnen, empfangen u. dgl. (Amadis 1, 36 K.; Gries verliebter Roland 4, 220).
b)
seltener sind hier präpositionsverbindungen. mit u.:
rüst er sich, das er schied zuhandt
mit urlaub von seim ehgesellen
Scheit heimfart 519 Str.
ohne u.: sondern zog ohne u. davon volksb. v. gehörnten Siegfried 62 ndr.
c)
absolut, das scheiden, fortgehen:
sein urlaub thut mir bringen pein
Forsters frische t. liedlein 133 ndr.;
so singet man inen ein liedlein vom urlaub und heiszet sie den stab forder setzen M. Christophorus Irenäus warnung u. ursachen (1569) b 1ᵇ. concret scheidegrusz (vgl. nl. oorlof adieu, vaarwel):
dann sang er den scheidenden urlaub nach
Denis lieder Sineds (1772) 281;
zum schlusz ... wird ein urlaub oder gesegenreim gesprochen Gervinus gesch. d. d. dicht. 2, 338.
2)
das scheiden aus einem bestimmten dienst- oder rechtsverhältnis, einem verhältnis der treue, pflicht u. dgl.; zu trennen von vorübergehender dienstbefreiung oder beurlaubung (A 2 c), heute von verabschiedung nicht mehr gebraucht. exautorare urlob geben in dem krieg oder der kriegschaft berauben Diefenbach gl. 214ᵇ; exauctoro ich geb urlaub, de militibus dicitur ... caussarii milites, den man erlaubt um redlicher ursach willen Alberus (1540) 24ᵃ; u. geben, abdanken Schöpper (1550) h 5ᵃ; missio urlaub des kriegsvolks Orsäus (1623) 124: u. nehmen das bürgerrecht aufgeben (stadtrecht von Hof 1436) zs. f. rechtsgesch. 32, 155; item so ein hauszgenosz u. nehmen will weisth. 6, 96; einer frau u. geben, sich von ihr scheiden Ehr. Grosz Grisardis (zs. f. d. alt. 29) 384; entlassung von hauptleuten (1544) Staub-Tobler 3, 959; Christus ... gibt im (dem haushälter) u. (entläszt ihn) Luther 17, 1, 373 W.;
weisz nicht, wie ich mich hab vergient,
das mir mein junkherr urlaub gab
H. Sachs 9, 18, 35 K.;
21, 76, 15 G.;
der herr der ist uns gestorben,
darumb ist uns urloub worden
schweizer. schauspiele d. 16. jh. 1, 44 B.;
wer auf u. dient (in der absicht, den dienst bald wieder zu verlassen), der thut seinem herrn kein gut mehr Petri E ee 2ᵃ; nach Montanus 208: der könig, als er sahe alle seine diener um eines mannes willen u. nehmen, ein traurigerer mann er nie ward kinder- u. hausm. (1812) 1, 78.
3)
übertragungen, soweit sie nicht schon gelegentlich berücksichtigt werden konnten.
a)
da die förmlichkeit des abschiednehmens im volks- und gesellschaftsleben alter zeit eine grosze rolle spielte, sind ausdrücke entstanden, in denen die unerläszlichkeit regelrechter verabschiedung betont und die verletzung dieser anstandspflicht gerügt wird. so bes. hinter der thür u. nehmen (haben) 'sich ohne rechte verabschiedung entfernen, sich heimlich auf und davon, aus dem staube machen' u. ä.; th. 11, 1, 460; vgl. und rait also hynweg ungesegnet on alles urlob Fortunatus (1509) 100 ndr.; postico discedere hinder der thür u. nemmen Tappius adag. centuriae septem (1545) G g β; er nimpt hinter der thür u. Eyering 2, 416; Körte 430; vgl. mit der thür u. geben Fischer 6, 300; im daubenhausz u. nehmen insalutato aliquo (hospite) discedere Dentzler (1716) 339ᵃ; Aler 2, 2131ᵇ; u. von der klinke nehmen Wurm d. wb. 63ᵇ; a hot pultscha u. genumma Rother schles. sprichw. 155ᵇ; polnischen, französischen u. nehmen; vor der stubthür u. nehmen H. Sachs 17, 239, 6 G.; sich französisch empfehlen u. dgl.: landgraf nam u. hinder der thür, ritt selb dritt ausz der statt G. Widman chron. 246 Kolb; wenn du siech bist und förchtest ze sterben, so gib der welt urlob (s.b), ee das sie dir urlob geb; nim urlob hinder der thür, als die hoffertigen megt und knecht thuͦn, wenn sie merken, das man inen wil urlob geben, so nemen sie vor urlob, sy wöllent die schuld nit haben, das man sprech: man hat dir urlob geben, sie sprechent: ich wolt nit mer an dem dienst sein darumb und darumb Keisersberg brösamlin 2, 71ᶜ; da namen die bemelten zween hinder der thür u. Stumpf Schweizerchron. 757ᵃ;
sunst hat er nit lang platz im haus,
muͦsz urlaub han zuͦr thüre aus
Montanus 454, 23 B.;
sie seind all beid auf und davon,
hinder der thür das urlaub hon
J. Ayrer opus theatr. (1618) 216ᵃ;
diesen verlust ihrer schönheit erdultete sie mit groszer gedult, ob sie wol sahe, dasz ihre liebhaber u. hinter der thür nahmen und sich anderweit versahen Harsdörfer schaupl. lust. u. lehrr. gesch. 1, 230; der fünfte gradus war das u. unter thür Abele unordnung 3, 62; (Jacob ist) von dem Laban nit gar mit guten augen angesehen worden, darum er hinter der thür u. genommen Abr. a s. Clara s. w. (1831 ff.) 19, 242; sobald aber der rauhe winter anklopfet, alsdann nehmen sie (d. schwalben) u. hinter der thür und verlassen nichts als ein beschmitztes nest 19, 170; Adelung, Campe, Krünitz kennen den ausdruck noch als redensart des gemeinen lebens.
b)
wie bei abschied in verbindung mit nichtpersönlichen bestimmungen; u. geben in der bed. etwas aufgeben, auf etwas verzichten, etwas fahren oder beiseite lassen u. dgl.
α)
mit der person ist zugleich sachliches mitbezeichnet: zum letzten gibt er ein ... letztrunk, das er nicht hat mher wollen trinken auf erden et sic u. geben dem alten pascha Luther 29, 221 W.; dem faulen esel u. geben Scheit Grobianus 2375 ndr.; den musen ewiges u. geben Weckherlin 1, 295 F.; wir werden dem authori allhie mit seiner fabel u. geben Jac. Böhme (1620) 6, 77;
der, der andern denkt zu leben,
dem bleibt von ihm selbst nicht viel,
musz ihm selbsten (dem eignen willen) urlaub geben,
darf nicht wollen was er wil
Logau 625 E.;
P. Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 393ᵃ.
β)
von nichtpersönlichem allein. bes. wieder in der verb. u. geben: der naturen, den bilden urlob geben Tauler predigten 83, 8; 182, 7; 167, 17 V.; theologia deutsch 4 Mandel; S. Franck paradoxa (1558) 14ᵃ; J. Arnd theologia 17; der scham, welt, allen weltlichen freuden u. geben Keisersberg brösamlin 1, 42ᵇ; 2, 17ᶜ; geistl. spinnerin e 5ᵇ; Rist himml. lieder 4, 220; dem hofleben, den werken u. g. Luther 16, 25 W.; 34, 1, 506 W.; diese worte scheiden uns fein wie sommer und winter, und gibt einer dem andern kurtzumb u. (das eine schlieszt das andere aus, sie scheiden sich grundsätzlich) 33, 590 W.; allen sünden u. g. H. Sachs 15, 377, 41 G.; der vernunft, holdschaft, tugend Frisius 392ᵇ; 827ᵃ; 887ᵇ; dem tisch (das mahl beschlieszen) b. d. liebe (1587) 203ᵈ, der furcht Birken lorbeerhayn 94, eurem unmute Butschky kanzlei 895, der sterblichkeit Stranitzky ollapatrida 174 W. ndr. einer in der kirchen gemachten neuerung wieder u. g. A. H. Francke sonnfest- und aposteltagspredigten (1746) 1, 634. von thieren: wann die dohlen in groszer menge den wäldern u. geben (sie verlassen) Hohberg georg. 3 (1715) 95ᵃ.
u.
nehmen mit inf.-satz: und darumb nympt er urlob (verzichtet er darauf), glympflich der lügen und unwarheit bystand ze tuͦnde Terenz (1499) 69ᵃ. das schimpfen wird bald u. nen (aufhören) quelle (1620) bei Staub-Tobler 3, 959. im bilde:
jetzt do Phoebus uhrlaub nimmt
und mit ihren lichten reigen
Luna an ihr zimmer kömt
Treuer Dädalus 5, 9;
die lieb sonn, ohne u. zu nemme, setzt sich auf den reisefusz Bettine dies b. gehört dem könig 1, 23.
u.
haben; Lexer 2, 2010:
mein trauren das soll urlaub haun
Hätzlerin 72;
Danhauser, ir sölt urlaub han
Uhland volkslied. 763;
unglaub, du solt dein u. han Dedekind christl. ritter (1590) k 4ᵃ;
wann golt und silber urlaub hat,
so kömpt das kupfer an die stat
jedermanns jammerklage (1621) e 2ᵇ;
sprichwörtlich:
hab urlob (fort mit dir!), sack, ich hab ein bet!
Murner narrenbeschw. 77 ndr.;
ficus post pisces hab u., strohsack, ich hab ein bet uberkommen! S. Franck sprichw. (1541) 2, 34ᵃ; (1546) 1, 42ᵇ; Körte 447.
c)
wie abscheid, -schied (s. d.) vom sterben, schriftsprachlich durch abschied verdrängt. vgl. beurlauben 2 ende (in dem nämlichen jahre beurlaubte zu S. die verwittibte frau landgräfin ... die welt Lucae aus d. sprach- u. lit. gesch. 257). mhd. urloubes gern (sterben) Spervogel minnesangs frühl. 30, 4; Lexer 2, 2010;
owê des urloubs, sô er mir nû gibet!
Marienklage, fundgruben 2, 264;
der letzte u. Hohberg (s. u.), der grosze u. (er hat groszen u. genommen) Wander 4, 1496; nl. wb. 11, 127, 3ᵇ.
u.
nehmen: unszer son nimpt orlop von dir, das her wegk zihe (stirbt) Hedwiglegende (1504) a a 1ᵃ; also fert eins hüt, das ander morn enweg, es blybt nyman hie, all, all enweg und nemen urloub hinder der thür Keisersberg bilgerschaft (1512) c 1ᶜ; von einem sterbenden: hat schön von iderman u. genumen Paumgartner briefw. 140 lit. ver.; Rauscher ... hat armselig und engstig u. genommen ... und gen höll gefaren Nas eins u. hundert 1, 97ᵇ;
dardurch er (Alexander) einen trunk bekam,
das er von der welt urlaub nahm
Eyering 1, 696;
kömpt nun das unglück her und heiszt uns urlaub nehmen,
wir wollen gerne gehn und uns mit nichten grämen
Opitz opera (1690) 3, 294;
die (augen) mit gebrochnem schein schon letztes urlaub nammen
Hohberg Ottobert (1664) S 3ᵃ;
mein letztes urlaub
von seiner lieb ich nehm
S s 5ᵇ;
an schultheiszen es (die seuche) endtlich kam,
dasz er auch seinen urlaub nam
Sandrub kurzweil 108 ndr.;
von dieser welt u. n. Abele unordnung 1, 213; das letzte nimmersehens u. n. 3, 101.
u.
geben dem leben, der welt (Sattler phraseologey [1631] 334): als er nun 9 jar 18 tag gesessen was, gab er dem leben u. und verwechszlet es mit dem tod S. Franck chron. (1531) 282ᵇ; so ein Egipter dem leben u. gibt weltb. 11ᵇ; bischoff S. gab dem leben u. umb das 910. jar Christi Stumpf Schweizerchron. 401ᵇ; J. A. v. Brandis landeshauptleute von Tirol 16;
weil er jetzund sey noch bey leben,
er werd der welt bald urlaub geben
E. Alberus fabeln 159 ndr.
u.
haben:
hab urlaub, liebe welte!
got gesegen dich, laub und gras!
(sagt der Pienzenauer vor seiner enthauptung)
hist. volksl. nr. 246, 18 Liliencron;
hab u., du mein eigen leben b. d. liebe (1587) 185ᶜ. auszerhalb solcher verbindungen:
man dankt bisweilen dort (bei d. armee) zu ganzen schaaren ab,
hier musz es Clotho thun, ihr urlaub ist das grab
Grob versuchgabe (1678) 38;
die aufschrift seines (Petrarcas) urlaubes aus dem leben ... rührete mich von jeher Herder 17, 273 S. mundartlich: ainem die urlaublieder singen, 'so heiszen in Oberösterreich die lieder, welche, nachdem die leiche ins grab gesenkt ist, gesungen werden, in welchen der verstorbene redend eingeführt ist und urlaub oder abschied nimmt' Wander 4, 1496; vgl. nl. wb. 11, 127, 3ᵇ. ähnlich: stirbt der reich, laufen zusammen die bürger gleich, damit sie die untergehende seel mit glücklicher (zum f. s. laube, f.) urlaub (glückwünschendem abschied) begleiten J. B. Schupp (1663) 698.
C.
zusammensetzungen.
1)
in der form eigentlicher composita.
zu urlaub A 1 b ε
urlaubbrief m.;
Staub-Tobler 5, 461; Schwartzenbach (1564) 69ᵇ; isl. orlofs bréf: ain u. irer lehen Herberstein 230; denen einantwortungscommissaren musz das urlaub ... fürgezeigt werden, damit sie ... nie mehr schätzen und einantworten, als specialiter im u. begriffen ist Hohberg georg. 1, 32; urlaubbrieflein Francisci traursaal 3, 1218. vgl. urlaubbrief zu B 1, 2. —
urlaubgeld
'geld für die erlaubnis, in einer staatswaldung holz zu schlagen', -holz 'solches holz' Schmeller-Fr. 1, 1406;
urlaubschilling m.,
'denarius pro facta a domino concessione in recognitionem dandus' Haltaus 2007. alibi
urlaubschatz
ebda.
zu urlaub A 2 b:
urlaubtag
welche (kinder) sonst gemeiniglich nie freudiger und aufgeräumter sind, als wenn der schulmeister einen urlaubtag macht
nachricht an das landvolk (1769) 186.
zu urlaub A 2 c:
urlaubbewilligung
Görres br. 1, 425,
urlaubbitten
J. G. Forster 8, 70,
urlaubertheilen
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 284,
urlaubreise
Fouqué reiseerinnerungen 1, 61,
urlaubschein
G. Freytag 12, 213,
urlaubsold
'sold, der bezahlt werden muszte, wenn die söldner vor beendigung des krieges entlassen wurden' Staub-Tobler 7, 854.
zu urlaub B 1, 2:
urlaubpredigt
'abschiedspr.' Unger-Khull 612ᵃ; Rosegger II 1, 119,
urlaubvisite
Hafner ges. lustsp. 2, 13, 259;
übertragen:
urlaubbrief
den dieweil ich sahe, das yhm nit zu helfen, kost und mühe verloren ware, hab ich yhn voracht, eyn u. geschenkt und gesagt 'adeh, liebs Rom, stink furtan, was da stinkt'! Luther 7, 7 W.
zu urlaub B 3 c:
urlaubkreuz
Rosegger II 8, 176 s. urlaubnehmen u. urlaubskreuz,
urlaublied
s. urlaub B 3 c a. e.,
urlaubnehmen
u.: schau, wenn sie eine leich haben hinausgetragen vom Knatschelgut, dahier haben sie die truhen abgesetzt zum u. Rosegger II 1, 40.
2)
in der form uneigentlicher composita.
zu urlaub A 1 b ε:
urlaubsgeld
Jean Paul 48, 389 H.,
urlaubsschilling
rechtsalterth. 1⁴, 480.
zu urlaub A 2 b:
urlaubsaufgabe
K. Förster biographische u. liter. skizzen 75,
urlaubstag
(ferien oder u.) Ch. Sorel leben d. Francion (1662) 225.
urlaubsstunde
dem tagelöhner verlanget nach der u., darin er sich erquicken kan Schottel ethica (1669) 304.
zu urlaub A 2 c sind zss. zahllos; z. b.
urlaubsabwesenheit
jb. d. Grillparzerges. 2, 191,
urlaubsanwesenheit
tägl. rundschau 1902, 315, 2ᵃ,
urlaubsangelegenheit
Roon denkwürdigk. 2, 358,
urlaubsantritt
jb. d. Grillparzerges. 2, 275,
urlaubsausflug
Roon denkwürdigk. 1, 174,
urlaubsbefugnis
v. Alten hdb. f. heer u. flotte 2, 641,
urlaubsbewilligung
jb. d. Grillparzerges. 2, 271,
urlaubseingabe
W. Alberti kriegsbriefe (1815) 216,
urlaubsfall
Göthe IV 20, 303 W.,
urlaubsfrist
IV 22, 280 W.,
urlaubsgedanken
Roon denkw. 2, 544,
urlaubsgelüst n.:
ein anderer ständiger gast ... war der geiger Ferdinand Laube, der Ur-laub, wie ihn Hans v. Bülow wegen seiner ungestillten urlaubsgelüste benamste L. v. Przibram erinnerungen (1912) 1, 142,
urlaubsgesuch
Göthe IV 21, 107 W.,
urlaubskarte
Kieler n. nachr. 1900. 11. 8,
urlaubskommando
Hans Grimm volk ohne raum 1, 228,
urlaubsmarder
der hauptmann Bächtold spr. des Schweizer soldaten 59,
urlaubspasz
allg. dtsche bibl. 9, 94; Krünitz 202, 291,
urlaubsreise
O. Jahn Mozart 3, 315,
urlaubsschein
('oder abschied, congé ist die schriftliche erlaubnisz, die der capitän einem soldaten von seiner compagnie ertheilt, auf eine zeit vom regimente abwesend zu seyn') Eggers 2, 1277; noch üblich,
urlaubsstunde
Holtei 40 jahre 2, 127,
urlaubstag m.,
liberty day, jour ... de permission d'aller à terre Hoyer-Kreuter 1, 797; allgemeiner: schon liegen 14 urlaubstage hinter mir Matthisson 7, 232,
urlaubsüberschreitung
O. Jahn Mozart 2, 25; Ludendorff kriegserinn. 564,
urlaubsverbot
v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 119,
urlaubsverlängerung
Göthe III 2, 262 W.,
urlaubsverpflichtung
J. Joachim br. 1, 344,
urlaubsverweigerung
Jac. Grimm an Dahlmann briefw. 1, 299,
urlaubswoche
Gutzkow (1872 ff.) 1, 277,
urlaubswunsch
Roon denkwürdigk. 1, 99,
urlaubszeit
Nestroy 4, 79,
urlaubszettel
(in denen gegebenen passal, urlaubszeddul) v. Fleming soldat (1726) 118.
zu urlaub B 1:
urlaubsaudienze
eröffnete franz. geheime rahtsstube (1673) f 1ᵇ; die letzte und urlaubsaudientz das verwirrte königreich Ungarn (1683) 168,
urlaubsmahlzeit
(abschiedsmahl) Abele unordnung 3, 173,
urlaubsrede
Stranitzky reyszbeschreibung 3 Wiener ndr.,
urlaubswort
Francisci traursaal 3, 1257.
übertragen
urlaubsbrief
hat dahero der weltlichen eitelkeit ein u. übersendt Abele gerichtshändel 619.
zu urlaub B 3 c:
urlaubskreuz n.,
'kreuz, an dem der zur richtstätte geführte arme sünder sein letztes gebet betete' Unger-Khull 612ᵃ.
mit u. an 2. stelle: erholungs-, ernte-, hundstags-, krankheits-, nach- (Krünitz 202, 291), reise-, sommer-, weihnachts-, zwangsurlaub u. s. w.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1935), Bd. XI,III (1936), Sp. 2466, Z. 60.

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Zitationshilfe
„urlaub“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/urlaub>.

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