Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

völkerrecht, n.

-recht, n.,
übersetzung von jus gentium; völkerrecht, n., dritto delle genti Kramer teutsch-it. dict. (1702) 2, 279ᵃ; völckerrecht, jus gentium Steinbach 2, 289; Frisch 2, 406ᵃ; das allgemeine völkerrecht, sofern sich diese rechte und obliegenheiten aus dem bloszen naturrechte herleiten lassen; das willkührliche, sofern sie sich auf hergebrachte gewohnheiten und verträge gründen Adelung. während völkerrecht jetzt das system von rechtsgrundsätzen bezeichnet, die auf die friedlichen oder kriegerischen beziehungen der völker unter einander anwendung finden, ist die bedeutung des wortes in älterer sprache zunächst eine andere: recht, das für alle völker gilt, berührt sich also mit der von naturrecht, freilich schlieszt sie die allgemeinen grundsätze über den verkehr verschiedener völker unter einander mit ein, besonders auch bestimmungen, die bei feindlichen zusammenstöszen allgemeine geltung haben. völcker- oder natürlich recht Mathesius Sarepta (1571) 20ᵇ; (hätten es) für eine verletzung des völckerrechts gehalten, wenn man die todten feinde nicht begrübe Lohenstein Arminius 1, 63ᵃ; dasz er (der jurist) auch die grundlehren des natur- und völckerrechts wohl inne haben müsse Thomasius ernsthaffie ged. u. erinn. 2, 180; das völkerrecht ist der anfang zur universellen gesetzgebung Novalis schr. 2, 270 Minor; England war der hort der barbarei im völkerrechte Treitschke d. gesch. 5, 63;
(die) sich wider völkerrecht und königswürde
gefangen sieht
Schiller Maria Stuart 1, 1;
getrennt, wodurch eine sinnesfärbung entsteht:
wo man der völker recht mit füszen tritt
und mit verträgen spielt
4, 2.
(behandlung, welche) auch nach römischem völkerrecht nichts weniger als gerechtfertigt ward Mommsen röm. gesch. 2, 50 (hier also von grundsätzen des römischen rechts über die behandlung fremder völker). übertragung:
vor eines voglers haus, der sie (vögel) dem völkerrechte
zum trotz, in seinem garne fieng
Pfeffel poet. versuche 6, 37;
was sonst im literarischen streite gleichsam als völkerrecht gilt D. Fr. Strauss schr. 6, 263. der plur. kann nur in dem sinne gebraucht werden, dasz die rechtssysteme der völker gemeint sind: alle völckerrechte erklärten die ... ehen für nichtig Lohenstein Arminius 1, 301ᵃ; die allgemeinen natur- und völkerrechte Möser s. w. 4, 69. hierzu in entsprechendem sinne völkerrechtlich, adj. Campe; (wir betrachten) das kriegs- und friedensrecht nicht völkerrechtlich, sondern staatsrechtlich Haller restaur. d. staatsw. 2, 69; auszerdem in neuerer sprache zahlreiche zusammensetzungen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1932), Bd. XII,II (1951), Sp. 510, Z. 72.

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vorörterung
Zitationshilfe
„völkerrecht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/v%C3%B6lkerrecht>, abgerufen am 14.06.2021.

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