Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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vollerei, f.

vollerei, f.,
walkerei, s. voller.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1933), Bd. XII,II (1951), Sp. 641, Z. 59.

völlerei, f.

völlerei, f.,
im älteren nhd. auch ohne umlaut, wobei allerdings zu beachten ist, dasz bezeichnung des umlauts nicht immer sorgfältig ist: vollerey, ebrietas, temulentia, vinolentia Reyher thesaurus (1686) o 2; trunckenheyt odder vollerey Luther 10, 1, 1, 32 W.; vollerey macht ein kalten fewrherd Petri der Teutschen weiszheit (1604 ff.) 2, X x 4ᵃ;
hier trägt man einen hin, der schändlich ist gestorben,
indem durch vollerey er sich den todt erworben,
A. Olearius persian. reisebeschr. zu s. 358.
eigentlich das füllen, sich füllen mit speise und trank, in durchaus ungünstigem sinne, zu völlen, verb., s. auch völler. — in der älteren sprache überwiegt durchaus füllerei (daneben fullerei), s. dieses th. 4, 1, 1 sp. 514; füllerei wird im 18. jh. durch völlerei verdrängt, das vereinzelt schon im 16. jh. vorkommt; gleichzeitig verschwindet auch vollerei. — völlerey (die), temulentia, crapula, ebriositas; die völlerey ausschlafen, in steter völlerey liegen, er liebt die völlerey Steinbach 2, 903; zu beachten ist, dasz in der bedeutungsentwicklung bis zur sprache der gegenwart eine verallgemeinerung eintritt. die ältere sprache schränkt das wort nicht selten auf trunksucht, übermäszigkeit des trinkens ein, es kann auch geradezu trunkenheit bezeichnen, jetzt aber ist völlerei rohe üppigkeit, rohes übermasz im essen und trinken, besonders als gewohnheit, lebensweise. noch bei Adelung eingeschränkt: die völlerey, von voll, so fern es betrunken bedeutet, die fertigkeit zum überflüszigen gebrauche starken getränkes; in völlerey leben, sich der völlerey ergeben. dagegen: völlerey, die (nicht füllerey), übermasz im essen und trinken Braun dtsch. orthogr. grammat. wb. (1793) 290ᵃ; ebenso Campe: 'die gewohnheit sich voll zu essen und zu trinken, übermäszig zu essen und zu trinken'. — vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1627.
1)
mit mehr oder minder deutlicher einschränkung auf das übermäszige trinken und die trunksucht; am klarsten ist diese einschränkung, wenn der zustand der trunkenheit, der rausch, so bezeichnet wird: der pfalzgraf verehrete mir einen becher von 32 thlr. wegen meiner mühe ... hielt sich in seiner völlerei recht Schweinichen denkw. 436 Ö.; es solle ein schüler ... in der völlerey so fest geschlaffen haben, das er auch das getümmel der einfallenden und untergehenden stadt nicht gehöret Rätel Curäi chron. (1607) 375; der frasz und die völlerey regiert fürnemblich in Teutschland Albertinus hirnschleiffer (1664) 491; es hätte ein trunckener capitler in seiner völlerey an einen ehrbahrn mann gestoszen Thomasius ernsthafte gedancken (1720 ff.) 3, 62; dasz er sich voll gesoffen und in der völlerey solche unerhörte missethat begangen hat Holberg dän. schaubühne (1743 ff.) 2, 135; von völlerey und trunkenheit. wer sich in einer ausländischen schrift berauscht Klopstock w. 12, 74 (1823); gegen die völlerey spricht er: niemand vertraut sein geheimnisz einem betrunkenen Bode Montaigne (1793 ff.) 5, 125; geht deine unersättliche völlerei soweit, dasz du beim todtenmahle schwelgen muszt, so trink und rede Göthe 23, 92 W.; dem weine war er sehr ergeben, und umsonst schrieb ihm sein vater in jedem briefe bibelstellen, die gegen die völlerei sprachen Kerner bilderbuch (1849) 304;
der wein, den Plato selbst erhoben,
verführt ihn nicht zur völlerey
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 142.
2)
in allgemeinerer oder unbestimmterer anwendung, üppiges leben in rohem genusz, wobei natürlich je nach dem zusammenhange doch das gewicht mehr auf das übermasz des trinkens gelegt werden kann: dasz sie durch völlerey sich deiner (gottes) genade ... begeben theten Moscherosch insomnis cura parentum 61 ndr.; völlerey, säuischkeit, unzucht und groszpralerey Bucholtz Herkuliskus (1665) 87; von gährendem wein, von thierspeisen und aller völlerei gesondert Herder 16, 347 S.; deine fertigen mäkler, völlerey und brunst Schiller 1, 201 G.; predigt, so gut es bei vollem munde geschehen kann, gegen das laster der völlerei Rosegger schr. (1895 ff.) 4, 393;
hiett dich vor völlerey und sauffen,
da kommend her all sind (sünden) mit hauffen
Frischlin deutsche dicht. 149 lit. ver.;
zu vil ist niemals gutt! ich hasse völlerey
A. Silesius cherub. wandersmann 32 ndr.;
bankett und ball empfängt die adligen der gegend,
mit prunk und völlerei die groben sinne pflegend
Vosz ged. (1802) 6, 179;
selten im plur.: wo er die völlereien der götter mit cynischem pinsel darstellte Gaudy w. 19, 23.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1933), Bd. XII,II (1951), Sp. 641, Z. 60.

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Zitationshilfe
„völlerei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/v%C3%B6llerei>.

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