Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

verbüszen, verb.

verbüszen verb
büszend sühnen, mhd. verbüeʒen, mnd. vorbôten. verbüszen schlieszt sich eng an die bedeutungen von büszen (s. theil 2, 574) an, woselbst als ursprüngliche bedeutung ganz machen, ausbessern nachgewiesen ist. diese sinnliche bedeutung findet sich auch noch bei verbüszen, jedoch nur in der ältern sprache:
flicket und verbüszet sein hosen selbs ein armer mann,
was get das den kaiser an?
Schm. 296 Fromm.;
und in der mundart, so verbüetza, zunähen Tobler 181. in der nhd. schriftsprache hat das wort nur abstracte bedeutung, schlieszt sich an die geistigen bedeutungen von büszen (nr. 7, 8, 9) an und ist nur transitiv.
1)
verbüszen, durch strafleistung sühnen, expiare Stieler 262, gerichtlicher ausdruck: missehandelt ymand radmanne .. der sal in das vorbuszen eime iczlichen mit driszig schillinge. Magdeb. fragen 1, 1,(19); bekennet her denne der wort so hat her uch scheppin allin .. missehandilt und sal eime iczlichen der scheppin verbuszen mit 30 schillinge. 64 (12); nhd. eine sache mit (durch) etwas verbüszen: dieser frevel wird verbüszet mit cronen oder in goldtthalern. Kirchhof milit. discipl. 240; ein vergehen durch gefängnis, mit zehn thalern verbüszen. Adelung versuch 4, 1390;
dasz man eine jede blutrunst
mit sechtzig pfund verbüszen musz.
J. Ayrer halbn. wucherer F 24ᵇ (4, 2455, 30 Keller);
so soll man ihn fahen,
soll ihn binden und hängen an seinem halse, damit er
seine schweren verbrechen mit schmählichem tode verbüsze.
Göthe 40, 62;
in der kirchlichen sprache, busze thun für sünden: verbüszest du etwa vorsätzliche sünden? Fr. Müller 2, 198; um die unterlassungssünden zu verbüszen. Hippel br. 14, 102; selten: jemand verbüszen, busze für das an einem begangene verbrechen thun: (der papst) sprang vom pferde so hart auff jhn, dasz er also baldt tod bleib für jm liegen, da macht er ein creutz ob jm und het jn baldt verbüszet. Kirchhof wendunm. 371ᵃ; allgemeiner, sühnen ohne rücksicht auf gerichtliche und kirchliche strafe:
die schmach du mir verbüszen must.
J. Ayrer getr. Ramus 382ᵇ;
mit abhängigem satze: der unglückliche sollte verbüszen, dasz sich die Juden ... Hippel lebensl. 2, 24; bildlich: ich hoffe, dasz der bescheidene ernst, unter welchem ich ihn jetzt wieder zu seiner warmen ruhestätte begleitete, den leichtsinn hinlänglich wieder verbüszt hat, mit dem ich mich unterfing ein so heiliges gebein der erkältung auszusetzen. Thümmel 4, 259.
2)
an stelle des verbrechens steht die darauf gesetzte strafe: sagen, dasz der bapst kein pein den seelen im fegfeur vergebe, die sie laut der canonum in diesem leben hetten sollen verbüszen, ist ein irrthum. Luther 1, 13ᵇ; seine strafzeit verbüszen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1886), Bd. XII,I (1956), Sp. 185, Z. 51.

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