verblasen verb.
Fundstelle: Lfg. 1 (1886), Bd. XII,I (1956), Sp. 130, Z. 9
ahd. farblâsan, mhd. verblâsen, nl. verblaesen. Kilian 702.
1)
intransitiv, bis zum aufhören blasen, verschnaufen; so schon ahd. exsufflare Graff 3, 237; mhd.
und reit ûʒ rouwin von disin
undir boume an eine wisin ..
wen biʒ ir ors virbliesin.
Athis u. Proph. B 145;
nhd. respirare, colligere se, reficere. Stieler 184: die pferde verblasen lassen. Adelung versuch 4, 1382; er hat noch nicht verblasen vom laufen. ebenda. bildlich: dasz sie, gleich als wenn sie mit einander einen stillstand abgeredet hätten, gegeneinander stille hielten und eine gute weile verbliesen, hernach aber ihre grausamkeiten so viel schärffer erneuerten. Lohenstein Armin. 1, 1073; der hat ein joch das ihn kaum recht verblasen läszt. Wiedemann mai 58.
2)
aus der bedeutung von blasen, durch blasen ein geräusch hervorbringen (s. theil 3, 68) entwickelt sich verblasen, aufhören geräusch zu machen; daher in der jägersprache: das birkwild verbläst, hört auf seine lockrufe auszustoszen.
3)
transitiv, fortblasen, hinwegblasen, spirando dispergere. Steinbach (1734) 1, 121: und dem gaul alle tag ein ayrschalen vol (von dem pulver) under dem fuetter geben und ein wenig genetzt, damit ers nit verblasz. Seuter rossarznei 17; wie wir unsern schaum (zu seifenblasen) verblasen hatten. Scheffel Ekkeh. (1855) 91;
wenn ein böser gute schmäht, wenn ein kind den wind verbläst,
gilt es gleich, ob unten disz, jener oben athem läst.
Logau 2, 25, 941 (245 Eitner);
werd ich nie zu deinem preise,
pflanze, meine lust! erhitzt,
unterdes der thor und weise
beim verblasnen rauche sitzt?
Uz poet. werke (1786) 1, 141;
der wind hat den nebel verblasen. bildlich: die regimenter mit dem maule, wie der wind die blätter, verblasen. Steinbach (1734) 1, 121; mit personification einer sache: der odem des weltgerichts .. hat jetzt die schminke verblasen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 483 (kabale 5, 2). hieraus verblasen, ausblasen: ein licht verblasen. Felder arm u. reich 325.
4)
kunstausdrücke: 'im hüttenbaue bezeichnet verblasen diejenige arbeit beim gold- und silberscheiden, wenn das gold durch spieszglas gegossen und wegen des ihm noch innewohnenden spieszglases auf einem scherben unter die muffel gesetzt wird, in welchen man mit dem blasebalge bläset und das spieszglas davon vertreibt.' Heinsius 4, 2, 1266; milch verblasen, den rahm herabblasen; verblaesen melk, lac cremore nudatum, cui oris flatu flos sive cremor ademptus est. Kilian 702. übertragen, in der malerei: die farbe verblasen, gleichsam fortblasen, mindern, nur geschieht dieses fortblasen technisch durch waschen, daher dieser vorgang auch verwaschen heiszt; die äuszersten farbstriche vertreiben, d. h. so verstreichen mit einem eignen dazu gehörigen pinsel, dasz man nicht sehe, wo es abschneidet, extremitates figurae diluere. Frisch 1, 104ᶜ; part. praet. verblasen in übertragener bedeutung, verschwommen, unklar, vgl.verwaschen: die physiognomie, verblasen zu einem gestaltlosen nebel. J. Paul flegelj. (1804) 1, 229; besonders von darstellungen oder eigenthümlichkeiten des charakters, unbestimmt, ohne feste umrisse: o du weiches, zartes, verblasenes, seidenes jahrhundert .. wer will deinen worten zuversicht und bestimmtheit geben? Lavater fragm. 2, 2, 23; Christian von Mainz ist mit gesunder laune gezeichnet und die scenen Heinrich des löwen am Harz sind voll von kräftigem leben ... Heinrich der sechste dagegen ist ganz verblasen und gemacht. Immermann 13, 33;
vertausch mich mit 'ner geisz,
wenn ich das wirken meiner seele richte
auf solch verblasnes, nichtiges fantom
wahnspielend, so wie du.
Shakespeare Othello 3, 3.
5)
durch blasen aufbrauchen: die ganze glasmasse ist schon verblasen zu allerlei flaschen u. s. w. Heinsius 4, 2, 1267ᵃ.
6)
falsch blasen, durch blasen verderben: verblasene waare, durch schlechtes, nicht kunstgerechtes blasen verdorbene waare.
7)
aus der bedeutung von blasen, auf einem blasinstrument geräusch machen (s. theil 2, 69), entwickelt sich verblasen, durch blasen auf einem instrumente verbrauchen: der virtuos verbläst manche stunde des tages.
8)
reflexiv: sich verblasen, in anlehnung an die bedeutung 1, sich verschnaufen; so noch z. b. im schlesischen dialekt, vergl. Frommann 5, 91.
9)
in anlehnung an nr. 6, sich im blasen versehen, falsch blasen: der glasbläser hat sich verblasen.
verblasen n
Fundstelle: Lfg. 1 (1886), Bd. XII,I (1956), Sp. 131, Z. 10
substantiver infinitiv des vorigen, zu bedeutung 1: führten sie zu fusze mit ihren schwerdtern auff einander ohne einiges verblasen, gleich als wenn sie keines athemholens bedürften, solche streiche. Lohenstein Armin. 1, 148.
Zitationshilfe
„verblasen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verblasen>, abgerufen am 18.11.2019.

Weitere Informationen …