verdächtig adj
Fundstelle: Lfg. 1 (1886), Bd. XII,I (1956), Sp. 188, Z. 46
1)
activ, verdacht hegend, mhd. nur in dieser bedeutung nachgewiesen; nhd. selten: verdachtig, suspiciosus Dief. 569 (16. jahrh.); (der satan wird) wohl die seinen zu finden wissen, die bäume und felsen in den weg werfen werden, dasz nicht noth ist, dasz auch wir hader anrichten und verdächtig auf einander werden. Luther briefe 5, 86.
2)
häufiger passiv, mit verdacht behaftet: verdächtig, suspectus Stieler 295; auch haben sie schlechte freundschafft als verdächtige personen von uns zu gewarten. Philander (1677) 38; Albas erster schritt, sobald er sich der verdächtigsten groszen versichert hatte, war die inquisition .. einzusetzen. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 318; vergebens war die bemühung der eltern, verwandten, ja des liebhabers selbst, der nur durch falschen argwohn verdächtig geworden. Göthe 23, 25;
verdächtig kommt mir diese fremde lady vor.
Platen 273;
von dingen:
erweiset wenn man liesz verdächtig gifft abkochen,
ob wegen meuchelmords — wo sei ein knecht bestochen?
Lohenstein Agripp. 1, 459;
weil mir aber solches verdächtig vorkam und allein bei ihm nit getraute ... kam der gute alte zu gutem glück daher. Philander 1, 135; Doria besucht die verdächtigen häuser. Schiller hist.-kr. ausg. 3, 71 (Fiesko 2, 15); von abstracten dingen: er machte daher bei solchen anlässen eine so alberne figur, dasz man von seinem witz eine ebenso verdächtige meinung bekommen muszte, als man schon von seiner person gefaszt hatte. Wieland 1, 77; ich hatte nicht lange über diese verdächtige beschuldigung nachgedacht, als ich mich erinnerte, etwas ähnliches im Seneca gelesen zu haben. Lessing 4, 13. substantivisch gebraucht: man eilt nach der policei, man untersucht die benachbarten häuser und da man nichts verdächtiges findet, stellt man darin .. schildwachen. Göthe 15, 126; mit genitiv: da er durch die genaueste beobachtung nichts in meinem betragen entdeckte, das mich dessen hätte verdächtig machen könne. Wieland 12, 135; damit ich dir nicht etwa einer eigennützigen rücksicht verdächtig werde. 33, 241; mit infinitiv und zu: er ist verdächtig diese that vollführt zu haben. häufig vorkommende zusammenstellungen mit zeitwörtern: aber er hat vielleicht seine Saracenen verdechtig gehalten, das sie nicht kundten mesziglich wein trincken. Luther 8, 22ᵇ; was meinstu nu, wenn ein frommes hertz, solch bosheit und falschheit an seim selsorger weis, oder in drin verdechtig helt, was sol es thun? 6, 106ᵃ; denn sie mich verdächtig hielt und muste mich doch auch brauchen. Schweinichen 3, 134;
wen du verdächtig zählest,
ist schuldig allermeist.
Spee 51, 42 Balke;
ich will ihnen auch ihre liebe zu mir nicht verdächtig machen. Gellert 3, 197; (ich) stiesz all die überklugen aussprüche, die mir seine wirklichkeit verdächtig machten, mit gewalt von mir. Thümmel 3, 31; fräulein Luise machte ihm am meisten zu schaffen, indem sie .. seinen charakter und seinen verstand verdächtig zu machen suchte. Göthe 15, 85; adverbial:
so viel weisz ich, dasz ihr äuszres
sehr verdächtig. sehr verdächtig
triefen ihre rothen augen.
H. Heine 17, 68.
Zitationshilfe
„verdächtig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verd%C3%A4chtig>, abgerufen am 18.10.2019.

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