Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

verderblich, adj.

verderblich adj
verderben bringend, vom verderben heimgesucht, mhd. nicht belegt, doch wohl vorhanden, vergl. verdërbelicheit Lexer 3, 93; mnd. vorderflik mit activer und passiver bedeutung (Schiller-Lübben 5, 338), aus der übergangszeit zum nhd. aus md. quellen belegt (vgl. Dief.-Wülcker 549).
1)
in activer bedeutung, von menschen: sie (Margaretha) führte den verderblichen herzog von Alba über das land herbei. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 329; von dingen: mir ist die möglichkeit schrecklich, dasz irgend ein unvorhergesehener stosz, ein fall, eine berührung ihnen schädlich und verderblich sein könnte. Göthe 17, 83; diese blitze (aus dem auge der geliebten) sind die verderblichsten und wer gegen sie einen ableiter findet, den will ich höher achten als Franklin. H. Heine 2, 218;
verderblich ist des tigers zahn.
Schiller lied von der glocke;
von abstracten dingen: ir müszt anders werden und gottes wort weichen, thut jrs nicht durch freundliche, willige weise, so müszt jrs thun durch gewaltige und verderbliche unweise. Luther 3, 114ᵇ; und was der geldverderblichen händel mehr ist. Weise drei klügsten leute 182; ein stoff, der mir gelegenheit gäbe, die nachtheile der neumodischen erziehung und den verderblichen einflusz der sofisten auf die denkart der alten und jungen in Athen nach meiner weise darzustellen. Wieland 33, 114; der du so oft die last getragen hast, mich vom kummer zur ausschweifung, und von süszer melancholie zur verderblichen leidenschaft übergehen zu sehen. Göthe 16, 10; andere von den drangsalen des krieges zu boden gedrückt, sehnen sich kleinmüthig nach einem, wenn auch verderblichen frieden. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 303;
des thest mich und dich uberladen
mit neid und verderblichen schaden.
H. Sachs 1, 482 (5, 68, 13 Keller);
adv. verderblich, perdite, capitaliter Maaler 416ᵇ; sich verderblich und schädlich gegen gemeinen nutz halten, das ist: wöllen verderben, perniciosus de re publica mereri, daneben verderblichen, perniciose, pestifere ebenda; ich muszte mir sagen, dasz eine ähnliche, verderblich sündige flamme in meinem innern fortgebrannt. Heyse novellen (samml. 10) 200;
o dasz den bösen verführer die götter verderblich verdürben.
Göthe 14, 80;
substantivisch: wenn ein feind seinen feind tödtet, so erweckt .. der anschlag .. das allgemeine (mitleid), welches mit dem anblicke des schmerzlichen und verderblichen überhaupt verbunden ist. Lessing 7, 167; unter dem dritten faszt er (Aristoteles) alles zusammen, was den handelnden personen verderbliches und schmerzliches widerfahren kann. 7, 171.
2)
verderblich in passiver bedeutung, was verdorben wird, zu grunde geht: die almosen an essender speise und vorrath, welche verderblich (sich nicht halten). Luther 2, 264; ist es nicht wahr, dasz wenn man im wachs .. ein bild eindrückt, das vorher darinnen gewesene bild zernichtet werde? aber unser verstand bildet tausend mal tausend bilder in sich, ohne dasz die ersten bilder in ihm verlescht werden, wie könte aber eine solche unverterblichkeit in dem verstande sein, wie könte er vergängliche dinge in sich unvergänglich machen und erhalten, wenn die seele selbst verterblich wäre. Lohenstein Armin. 2, 544; in moralischer bedeutung: wie gar kurtz und eitel, dazu auch sündlich und verderblich ist aller menschen leben. Luther 3, 18ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1888), Bd. XII,I (1956), Sp. 218, Z. 73.
Zitationshilfe
„verderblich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verderblich>, abgerufen am 18.02.2020.

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