Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

vergeilen, verb.

vergeilen, verb.,
eigentlich froh, übermütig, frech werden, machen, zusammensetzung zu geilen theil 4, 1², 2594.
1)
wie das einfache zeitwort, nimmt auch das zusammengesetzte die bedeutung an 'geschlechtlich erregt werden, aufregen'. intransitiv: seine vergeilte frau. ehe eines mannes 308; transitiv:
nicht, die du (Venus) pflegst, die hertzen zu vergeilen,
dich arge mein ich nicht,
die du uns triffst mit keuschen liebespfeilen —
dir ruff ich zu.
S. Dach 418 Österley;
ach, herr Christ, schenk ein mäszigs hertz,
damit mich gnüg mein theile;
dasz ich dein masz nit halt für scherz,
durch völl mein fleisch vergeile.
J. V. Andreä geistl. kurzw. 160.
2)
von pflanzen und bäumen, geilen und vergeilen (s. oben theil 4, 1², 2595), in die blätter schieszen, ohne blumen zu geben: als wan sich die böum übertragen oder zu vil holz überkommen. Calepinus diction. (1570) 491; heute nennt man noch pflanzen vergeilt, welchen durch entziehung des lichtes die festigkeit und grüne farbe fehlt. Weber öcon. lex. 2, 612.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1889), Bd. XII,I (1956), Sp. 404, Z. 46.

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Zitationshilfe
„vergeilen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vergeilen>, abgerufen am 26.07.2021.

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