Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

verkühlen, verb.

verkühlen, verb.
kühl werden, kühl machen. weitverbreitetes wort, heute noch mehrfach mundartlich ohne umlaut gebraucht, so verkuelen Schm. 1, 1238 Frommann (die suppe verkuhlen Wildermuth). im nd. ist der alte doppellaut uo mitunter verkürzt: verküllen Schambach (Göttingen) 263; mitunter mit festhalten des alten ô statt uo verköln Danneil (Altm.) 238 (kolen kühlen Schiller-Lübben 2, 517ᵇ). in den meisten mundarten ist es als reflexiv geläufig und bedeutet 'sich erkälten', eine bedeutung, die bis jetzt aus der schriftsprache nicht nachgewiesen ist.
1)
intransitiv: man räume mir nur ein: dasz Saturn .. mit einer atmosphäre umgeben gewesen .. dasz die theilchen des dunstkreises von diesem planeten ... aufgestiegen sind und dasz in der folge diese dünste, sei es darum weil der planet verkühlte oder aus andern ursachen, anfingen sich wieder zu ihm niederzusenken. Kant 5, 112. partic. weil aber die zusammenziehung der verkühlenden kugel fortdauert .... D. Strausz der alte u. der neue glaube 166;
aus verkühlter arbeitstuben
in das kinderzimmer warm
flüchtet' ich.
Rückert ged. 1, 477.
bildlich: dasz man den zorn erst etwas verkühlen lasse. Tieck ges. vov. 2, 259; doch die übermäszige liebe .. hielt man für erloschen oder doch leidlich verkühlt. Heyse buch der freundschaft 282;
der grimm ist nicht verkühlt, der schlag nur auffgeschoben.
Lohenstein Sophon. 11, z. 315;
mit viel geschmack und wohl verkühltem blut
sucht er ein kind sich aus, wie ers zu tisch und bette,
zu scherz und ernst gerade nöthig hätte.
Wieland Ober. 6, 38.
2)
übertragen, in vergessenheit gerathen: mein raht aber ist, wir nemmen so viel uns jetzundt not thut davon (von dem gefundenen geld), und verbergen das übrig an ein sichern ort, mögen wir doch allweg wider darzugehen unnd also die sach verkühlen lassen. Kirchhof wendunm. 177ᵃ; vor ungefähr fünf jahren kam NN. wittib in geschrei, als ob sie schwanger wäre, es ist aber wieder verkulet und verschwiegen blieben durch vernachläszigung geistlicher und weltlicher obrigkeit. Lisberg. kirchenb. (1634) bei Pfister idiot. v. Hessen. ergänzungsheft 1, 16.
3)
transitiv, kühl machen, abkühlen: eine speise verkühlen; das heisze blut verkühlen. ganz besonders häufig das reflexivum: eine luftgegend die sich mehr als eine andere verkühlt, bringt in der benachbarten einen wind zu wege, der in den platz der verkühlung hineinweht. Kant 9, 82; so verkühlten und verfesteten sich die kleinen planeten früher als die gröszern. D. Strausz der alte u. der neue glaube 159; noch aber wollte die luft sich nicht verkühlen. Heyse kinder der welt 2, 54;
da kann man sich gar wol verkulen
an wein und bier und an der mummen.
Julius rediviv. Frischlin. 30;
bis die glocke sich verkühlet,
laszt die strenge arbeit ruhn.
Schiller lied von der glocke;
wie lieblich ists, wenn sich der tag verkühlet.
Platen 96.
4)
übertragen: als ihm mit den jahren die lust am waffen- und minnespiel sich verkühlte und er den sieg den jüngern bewerbern überliesz. Heyse werke 7, 125; ein kunstwerk verkühlt sich, macht nicht mehr den lebendigen eindruck wie vorher, so ist wol zu fassen: der künstler hat bewunderungswürdig geistreich .. dem beschauer ein kunstwerk überliefert, welches dem auge an und für sich erfreulich den innern sinn aufruft, das nachdenken anregt, und zuletzt einen begriff ausspricht, ohne sich darin aufzulösen oder zu verkühlen. Göthe 39, 264.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 691, Z. 66.

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Zitationshilfe
„verkühlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verk%C3%BChlen>, abgerufen am 18.09.2020.

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