verknüpfen n
Fundstelle: Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 675, Z. 17
subst. infin.: dasz sich ihre mutter, als sie mit dem jüngsten ihrer geschwister ging, sich (sic) beim haarmachen und sonst vor allem binden und verknüpfen in acht nahm. Gutzkow zauberer v. Rom 3, 55.
verknüpfen verb
Fundstelle: Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 672, Z. 40
zusammenbinden, vereinigen. mhd. verknüpfen, mnd. verknuppen, doch in beiden sprachentwicklungen seltener als im nhd. die zusammensetzung mit ver hat das als simplex schon meist transitive zeitwort durchaus transitiv gemacht. neben verknüpfen finden sich die formen verknupfen und verknipfen (Fischart u. 17. jh., s. u.).
1)
in sinnlicher bedeutung 'mittels knüpfens vereinigen', meist mit der nebenbedeutung, dasz man das verknüpfte nur schwer lösen kann, nodo difficulter solubili connectere Frisch 1, 529; wer zu viel most einschütt, verknipff die nestel nit. Fischart groszm. 5 neudruck (damit er die hosen rasch herunter lassen kann); ein band mit gedoppelten knöpfen verknüpfen. Kramer 2, 241ᵇ;
wenn der köng ob schwerem gescheft
allein oft in dem sal entschleft,
so will ich im verknüpffen sein schwerd,
das er darmit verhindert werd.
H. Sachs 3, 2, 111ᵇ (12, 416, 33 Keller).
part. verknüpfft illigatus, indissolutus, nodosus Maaler 422ᵈ; verknüpfte händ seind nicht stark. Lehmann 128; dasz man am leichtesten diszfalls aufhalten könne: ja man könne auch einen auf einen tag, auf ein jahr, auf all sein lebtag oder zum wenigsten so lange als der nestel verknipft bleibe in der kraftlosigkeit verstrickt halten. Fischart Bodin 75 (1591); als er aber sein unglück vernommen und der verknipften nestel die gantze zeit über vergessen gehabt, eilet er so bald die nestel auffzulösen. schauplatz lust- u. lehrr. ges. 1, 213. bildlich: noch dennoch kleidet und schmückt der bapst diesen ungehorsam nicht allein .. mit dem gehorsam des römischen bischoffs, sondern auch damit, das er aus der ehe ein sacrament macht und dasselbige frey, welches er doch mit unzelichen stricken verknüpfft und gefangen helt. Luther 2, 42ᵇ; durch bande der liebe und des zutrauens sind freunde verknüpft. Herder phil. u. gesch. 7, 13 (1821);
ja keiner ist nicht überhüpff,
desz sinn der schleyer hat verknüpfft,
und möcht gern wiszen wie der hies,
der sich ein weib nicht narren liesz.
Kirchhof wendunm. 6, 103 (4, 92 Österley).
durch präpositionen angezeigt, woran etwas geknüpft ist, knüpfend verbergen: als name ich solches vor ein gewisses und unfehlbares zeichen ihrer zu mir tragenden hertzlichen liebe an, welches mich nicht wenig .. erquickte, dasz ich vermeynte, ich hätte nunmehr genugsame ergötzung durch das, was in meinem nasztüchel verknüpfft war, vor mein verloren gelt empfangen. Simpl. 4, 33, 1 Kurz. bildlich:
die waffen sind verknüpfft in eine friedens-pflicht,
die schulden aber noch, die steuer immer nicht.
Logau 1, 215, 97 (205 Eitner).
2)
in übertragener bedeutung 'vereinigen, verbinden', von menschen: eine andächtige umarmung verknüpfte den weichen sohn und den festen greis. J. Paul 20, 14; der geist, der sich in jede gedankenreihe mit dem talente, sie auszuspinnen und sinnig zu verknüpfen, finden konnte. Gutzkow ritter vom geist 1, 372. part.: ein festverknipffter freund. Butschky hd. kanzl. 317; auch in der nacht reichten sie sich aus ihren zwei nahen betten die warmen hände zu und gingen, so verknüpft, in die abendländer der träume hinein. J. Paul 10, 120;
schwestern, brüder, vätter, freund'
und was euch verknüpffet scheint,
wündschen all' ...
Rist Parnasz 768;
frauen sind dermaszen in liebe zusammen verknüpffet, als zwey kerne in einer mandel. pers. baumg. 3, 10. durch zusatz erläutert: weil die person, welche zum andern mahl ehelich verknüpffet wird, in der liebe gegen ihrem verschiedenen ehevertrauten keine solche beharrlichkeit erweiset, wie die, so im wittwenstande beharret. Butschky Patm. 590; mit freundschaft verknüpft sein. Stieler 999. mit angabe dessen, woran man anknüpft: überall .. will ich es erzehlen, .. welche bande sie an mich verknüpfen. Lessing 1, 595; so ich ausz so ainer teglichen beiwonung und freundschaft (mit der ich mit den schriftweysen gantz verknüpfft bin) etwas hab erschnapt. Frank Erasmus lob der thorheit 61ᵇ;
... meine wissenschaft hat
mit dämonischen wesen eng verknüpft mich,
welche tief im erdengrund des reichthums
warten.
Platen (1848) 4, 326;
denn ich sehe, das du bist von bitter galle und verknüpfft mit ungerechtigkeit. apostelgesch. 8, 23. hieher zu stellen:
der hat auch denselben sin,
seinem hern ein weip zu geben
und in verknüpfen zu dem elichen leben.
fastnachtsp. 512, 16;
ob ich die verknüpfen sol zum elichen leben.
515, 4.
einen in etwas verknüpfen, zum mittheilhaber, zum mitbetheiligten machen: die aber so wider den inhalt dieser bullen .. die wolthat der absolution erzeigen mit der that, die verknüpfen wir in das urtheil des bannes und vermaledeiung. Luther 2, 56. von dingen, anknüpfen, verbinden: so hatten sie (die anhänger des erzpriesters) sich unvermerkt daran gewöhnt, dasz sie .. das verächtliche mit dem schatten und das ehrenvolle mit dem esel verknüpften. Wieland 20, 54; daher begegnet es mir: dasz, wenn ich ... zuerst zu dem was ich sagen will .. vorbereite .. dann ihn (den hörer, leser) auch auf das, wovon ich ausgegangen bin, zurückgewiesen habe und ich nun das letztere mit dem ersteren verknüpfen sol .. fragen musz: wo war ich doch? Kant 1, 317; da andrerseits das talent, was man an ihnen, mein herr, kennt, mit einer ausnehmenden scharfsinnigkeit in theilen eine überaus weite aussicht ins grosze zu verknüpfen .. für mich .. eine wichtige belehrung hoffen läszt. 10, 473; ein dumpfes schauervolles gefühl von der einheit der naturgewalten, von dem geheimniszvollen bande, welches das sinnliche und übersinnliche verknüpft .. ist allerdings selbst wilden völkern eigen. Humboldt kosm. 1, 16;
mein seelichen fleugt himmelan,
der leib schläft in der erden,
bisz dasz er mit der seelen kan
wiedrum verknüpffet werden.
Rist h. lied. 5, 338.
part.: im leben (absolut) zufrieden zu sein, wäre thatlose ruhe und stillstand der triebfedern oder abstumpfung der empfindungen und der damit verknüpften thätigkeit. Kant 10, 254; nun ist aber der angeführte satz ein erfahrungssatz .. gegründet und zwar in der erfahrung, als einer erkenntnisz durch verknüpfte wahrnehmungen. 10, 521;
aber in freieren schlangen durchkreuzt die geregelten felder,
jetzt verschlungen vom wald, jetzt an den bergen hinauf
klimmend, ein schimmernder streif, die länder verknüpfende strasze.
Schiller spaziergang;
das amt ist sehr mühsam wegen der starken wirthschaft, welche damit verknüpft ist. Rabener sat. 3, 29 (1752); guter wille verdient immer lob und, wenn er mit mühvollen bestrebungen verknüpft ist, achtung. Herder lit. u. kunst 11, 92 (1821); die meisten menschen aber fürchten sich vor einem eingebildeten falle, und diese furcht lähmt ihnen gleichsam die glieder, so dasz alsdann ein solches gehen für sie mit gefahr verknüpft ist. Kant 10, 413; kinder ... lieben wirklich vergnügungen, die mit strapazen verknüpft, beschäftigungen, zu denen kräfte erforderlich sind. 10, 425;
o Weiszenburg .. die fürstinn derer lande.
die uns nun sind verknüpfft mit diesem güldnen bande,
das bleibt und bleiben wird desz sichern friedens pfand.
Opitz 2, 9.
in einklang, in übereinstimmung bringen: denn der höchste schöpffer aller dinge ... hat der natur gewisse gesetz vorgeschrieben, und aller dinge ordnung und ursache so fest verknüpffet .. dasz .. Schuppius 776; entschliesze dich also, mein freund, für mich, für dich zu handeln, für mich, für dich diese zustände zu entwirren, aufzulösen, zu verknüpfen. Göthe 17, 350; weszhalb wir gern, wäre es mit der typographischen einrichtung zu verknüpfen gewesen, an dieser stelle einen band geschlossen hätten. 22, 51; das bekannte wird neu, durch unerwartete bezüge und erregt, mit neuen gegenständen verknüpft, aufmerksamkeit, nachdenken und urtheil. 58, 106;
das irdische gemeine magst du sehn,
das nächste mit dem nächsten klug verknüpfen.
Schiller Piccol. 2, 6;
häusliches glück ist auf dieser welt das einzige, was der mühe lohnt: alle übrigen spielarten sind ebenso viel aftergeburten, die nicht verdienen, den stammnamen zu führen, ehe sie nicht mit jenem aufs genaueste verknüpft sind. Thümmel 5, 348.
3)
anknüpfen, feststellen, heute nicht mehr gebräuchlich. einen vertrag verknüpfen, als bindend aufstellen: zu festem urkundt unnd mehrer bekräfftigung hab ich disen recesz eigner hand geschrieben, underschrieben und mit meinem hiefür getrucktem eigen blut, meines sinns, kopffs, gedancken und willen, verknüpfft, versiegelt und bezeuget. volksb. von Faust 21 neudr.; die von der deutschen union haben derwegen auch zu ihrer defension und gewissensconservation das ihrige (bündnisz) geschlossen und verknüpfft. theatr. Eur. 1, 2ᵃ; die unter uns verknipfte freundschaft. Butschky hd. kanzelley 49.
4)
durch knüpfen beschränken: trachtet der herr, meine freyheit zu verknipffen, wi di buhler ins gemein durch falsch angegebne knechtschafft zu tuhn pflegen? Butschky hd. kanzelley 607.
5)
einen an etwas knüpfen, zu etwas verpflichten: Christus hat diese bitte so wollen stellen und die vergebung der sünde an unser vergebung binden, das er damit die christen verknüpffte, das sie sich unternander lieben. Luther 5, 403ᵇ; so tuh ich doch hierinnen nichts, als was meine schuldigkeit erfordert; indeme mich seine verdienste und würdigkeit hirzu verknüpffen. Butschky hochd. kanzelley 29; die so ihme mit pflichten verknüpffet. 38; das einzige stund ihm im wege, dasz er sich schwer vereydigt und verknüpft befand. Chr. Weise kl. leute 31. hierher der bei Luther häufige ausdruck das gewissen verknüpfen d. i. das gewissen in seiner freiheit zu handeln einschränken: weil aber der bapst das thun nicht frey lesst, sondern zwingt dahin mit lere und gebot, greifft er gott in sein ampt und setzet sich thürstiglich an gottes stat .. und macht sünde, da gott keine sünde haben wil und tödtet damit die seelen und verknüpffet die gewissen .. brechen alle beide (Carlstadt und der papst), wie die seelmörder christliche freiheit. Luther 3, 54; darumb ist der dritte, vierte und fünffte artikel des pfarrhers unchristlich und freventlich gestellet, die gewissen zu verknüpffen, und Christus blut mit füssen zu treten. 2, 278; heisst es sich nicht an Christus stat setzen und unter Christus namen die seelen morden, gewissen verknüpffen, sünde auffladen, gesetze machen und kurtzumb, so mit seelen faren, als were er jr gott? 3, 53. mit näherer angabe wozu man einen durch pflicht verbindet: aber einen solchen zwang, wie der Jüden war, sollen die Christen nicht haben, denn sie sollen an kein gesetz gebunden sein also das sie etwas gezwungen und gedrungen thun müssten, und an zeit, person, stet und geberde verknüpfft weren, wie die Jüden, sondern es sol ein freies und ungebundenes volck sein. 3, 434; nachdem der vermeynte stulerbe St. Petrus fast die gantze christenheit zu ihrer abgötterei mit eides pflichten verknüpffet. Schuppius 842.
6)
mitunter mit tadelnder nebenbedeutung, knüpfen, sodasz man es nicht mehr auflösen kann: ein band so verknüpfen, dasz man es nicht mehr entwirren kann; die schürze verknüpfen. übertragen, das verknüpfteste räthsel. Hippel lebensläufe 4, 47.
7.
reflex. sich verknüpfen, sich mit jemanden, etwas, eng vereinigen: er sprengte über den hügel, auf dem er morgen sich mit seinem Horion wieder verknüpfen wollte. J. Paul 7, 11. bündnis eingehen, verbünden:
mit den satyren selbst, die in den feldern hüpffen,
werd' ich auf solchen fall, mich wider dich verknüpffen.
Canitz 129.
von ehelicher verbindung, bildlich: die musen verknüpfften sich gleichsam, als mit einem immerhaltenden ehebande mit den töchtern dieses landes. Schuppius 848. waidmänn. kunstausdruck: sich begatten, vom luchs und fuchs gesagt. Weber 2, 614.
Zitationshilfe
„verknüpfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verkn%C3%BCpfen>, abgerufen am 19.09.2019.

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