verkochen verb
Fundstelle: Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 677, Z. 5
kochen, verdauen, kochend verbrauchen. in älterer zeit (mhd. mnd.) nicht nachgewiesen.
1)
intrans. durch kochen sich aufbrauchen, verdampfen, einkochen: das wasser verkocht; alle kraft ist daraus verkocht. Heinsius 4, 2, 1309;
aber wo bleiben die gäste doch,
dasz die speise nicht zu sehr verkoch.
Sommer Wichgrevii Cornel. releg. 3, 4.
bildlich:
saur ist das brod,
das dir in noth
von freunden wird gebrochen,
der topff siedt zwar,
das fleisch wird gahr,
das ansehn will verkochen.
pers. rosenthal 3, 13;
alsdann (bei der krankheit) schäumet, rennet, kochet
und verkocht der lebenssaft.
Brockes 1, 377 (1728).
übertragen: der zorn verkocht bald.
2)
transitiv, durch kochen gar, weich machen:
wir haben ..
sehr vil wilbreths lassen verkochen.
Jac. Ayrer (schöne Mel.) 1, 325ᵇ.
oft mit der nebenbedeutung 'so kochen, dasz das gekochte eine andre gestalt annimmt' (wirkung des ver): die brozelsuppen, suppen aus zu brei verkochtem brod. Schm. 1, 378 Frommann.
3)
mit tadelnder nebenbedeutung 'einkochen, durch kochen mindern, aufbrauchen': woran man lang kocht, wird gemeinglich verkocht. Frank sprichw. 2, 173ᵇ; sie schwetzen wie hetzen und erweisen allzeit mit der that, dasz, ob sie schon alles jr musz verkocht haben, sie doch allzeit das beste blatt inn der hand haben. Fischart bienenkorb 193; alles wasser verkochen; den most auf die hälfte verkochen. Adelung 4, 1457. in kühnem bilde, das leben verkochen in der küche verbringen: und vollends mit euch armen weibern! wüsztet ihr oder ich denn in eurem vernähten, verkochten, verwaschenen leben oft, dasz ihr eine seele hättet, wenn ihr euch nicht damit verliebtet? J. Paul 7, 104.
4)
übertragen 'aufbrauchen': o wann mir Jupiter wider geben thät, die jahr so ich gelebet hätt. die jahr, sag ich, und das gold so ich unverständiger weisz verkocht. Schuppius 760;
wer auf sein altes hausz ohn eignes vorrecht pocht,
durch truncknen müsziggang sein vatertheil verkocht;
und wenn das dorf entläuft (wer kennt nicht unsre zeit?),
auf krippen sich bemüht, den bauern nachzureiten;
ist disz ein edelmann?
Günther 1, 374;
der schweisz der eltern wird verkocht, die sich daheim mit sorgen quälen.
1, 432.
5)
verdauen, ganz besonders häufig in älterer zeit, wie einfaches kochen (th. 5, 1556, 4), heute nicht mehr sinnlich, aber oft noch in übertragener bedeutung.
a)
sinnlich, ohne object: sicht dann das aug nicht dem fusz, der fusz stehet der hand, die hand greifft dem mund, der mund isset dem magen, der magen verkocht dem ganzen leib? Schuppius 701. mit object: der han hat einen wunderheiszen magen, das er bald alles was drein kompt, verkocht. Frank sprichw. 1, 42ᵇ (1541); der baum des lebens und der baum des wissens guͦts und böses sindt also untermacht und mit einem zitterenden schwert getailt, das wer von dem ainen isset, vonn dem andern nit essen, ja nit dar zuo kommen mög, bisz er glat durch ain ewige buͦsz den andern urlaubet, speiet, verkocht, auszdeuet und von sich purgieret. Frank Erasm. lob d. th. 81; der magen kann die speisen eher verkochen, wenn sie von den zähnen zerknirscht sind. Hohberg 1, 173ᵃ. bildlich: nun haben zwar alle buͦchschreiber das fleysch nit also verkocht und hingelegt, das sie eitel geyst seind, sunder der mertheil alles ein affect und menschlich anmut ist. Frank weltb. 3ᵇ; biszhero haben wir mit stoischem, ausztaurendem magen und spartanischer (groszmüthiger) gedult das elend mit essig und gallen verkocht und haben unsre seufftzer mit hoffnung eines besseren glücks unterschieden. 691.
b)
übertragen: dissimulare iram, devorare molestias. Stieler 1001; wer ist doch itzt under allen menschen, der disz wisz, der seinen willen, anmut und witz lerne verleugnen, auszziehen, förchten, tödten, verkochen etc. ja wol verkochen wir hayen und heben disz allein auf, wie fein goldt und das ewig leben, welches doch der ewig todt ist. Frank Erasm. lob d. th. 124; (der gerechte) wendt alle sein übung dahin, das er ... in Christo und mit Christo wider zu nicht werde, all sein wissen und kunst als ain thorhait und tödtlich gifft wider kotze, auszspei, vergesz, verkoch und auszläer, das er die taffel seines herzens glat abwüsche. 127; grosze herrn, welche grosze negotia tractiret haben, und oft sind betrogen worden, gerathen endlich dahin, das sie .. keinem menschen mehr trauen. wann sie nu ein anliegen haben, so verkochen sie es bei sich selbst und fressen gleichsam ihr eigen herz. Schuppius 42; da David auff dem todbett lag ... da lag ihm noch im kopff und hatte noch nicht verkochet, was ihm nicht allein sein feldhauptmann Joab gethan habe, .. sondern auch was ihm von Simei begegnet sei. 307; wie nur der hochmüthige Herodes nicht gar seine glückseligkeit verkochen konnte. Lohenstein Arm. 2, 1122; (er hatte seinen grad von weiohheit) wodurch ihm leichter ward .. den unwillen darüber (über nachgiebigkeit in geschäften) alsdann entweder in der stille für sich oder vertraulich mit seiner familie zu verkochen. Göthe 19, 305; (Cosmus bleibt) wenig für die sicherheit seines regiments zu sorgen übrig; obgleich auch noch zu seiner zeit manche ausgewanderte von der volkspartey in mehreren städten Italiens einen unmächtigen hasz verkochen. 35, 349.
Zitationshilfe
„verkochen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verkochen>, abgerufen am 17.10.2019.

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