verleumdung f
Fundstelle: Lfg. 5 (1893), Bd. XII,I (1956), Sp. 785, Z. 63
herabsetzung durch üble nachrede. obtrectatio, traductio, infamatio, stigma, nota. Dasyp. 232ᶜ. Maaler 424ᵈ; calumnia, conuicium tacitum. Stieler 1152. Frisch 1, 609ᵇ.
1)
gegenstand, worte durch welche man verleumdet (gegen, auf): es überfällt sie biszweilen ein melancholischer zustand, in welchem sie zu zeiten dermaszen anfahet zu wüten, dasz in solcher tobsucht offtmal kein mensch bei ihr sicher, sie stöszt die grausamste scheltwort und verleumbdungen gegen die allerunschuldigste leut ausz. Simpl. 4, 66, 15 Kurz; der hat grosze feuermörser, gantze und halbe carthaunen mit lügen und verleumdungen wider mich geladen und wider mich losgeschossen. Schuppius 786; demnach siehet man, dasz der höllische feind ... eine handgreifliche verleumdung hervorgebracht, wenn er vorgegeben .. Chr. Wolff vern. ged. 2, 123; oder fand er, dasz sie giftige verleumdungen enthielten, die ehre eines unschuldigen nächsten zu brandmahlen? Lessing 3, 276; nach diesem hochverrathe war weiter an keine schonung zu denken, und er brach mit seiner ganzen artillerie von voraussetzungen, verdrehungen, verleumdungen und vergiftungen wider mich auf. 8, 186; dasz es keine aus der luft gegriffene verleumdung sey, was Berengarius hier von ihm erzehlt, davon gewähret Hermannus Contractus die versicherung. 8, 376; nur das hat mich empfindlich verdrossen, dasz er unverschämt genug gewesen ist, eine nichtswürdige verläumdung nachzuplaudern. 12, 26; wenn man die letzte (die geschichte der Hebräer) unpartheiisch betrachtet .. so verdient sie gewisz mehreren glauben als die verläumdungen fremder verachtender judenfeinde. Herder z. phil. u. gesch. 5, 78 (1820); (es) ist wohl nächst gott und dem gelde im letzten lustrum unsers jahrhunderts nichts, womit so viel miszbrauch, abgötterei, verläumdung, betrug und thorheit gespielt wird, als mit den schattenbildern menschlicher köpfe. z. lit. u. k. 12, 284 (1821); viele solcher rhapsoden mengen in ihre spezialquotidienne, gleich Voltairen, satire, oder sogenannte verläumdungen; aber sie billigen nie die verläumdungen anderer spezialhistoriker. J. Paul 18, 56; im übrigen verbitte ich mir alle verleumdungen auf mitmenschen. Freytag verl. handschr. 1, 178;
streicht nur ihr altes thun mit neuen farben an ..
dasz sie verläumbdungen stets freyen zaum verhängt,
den kaiser für den brunn des schiffbruchs ausgesprengt ..
Lohenstein Agripp. 81, 223;
sag, ob man rechtes recht verläumbdung nennen kann?
90, 498.
allgemeiner, die unwahrheit überhaupt: dem es um belehrung gar nicht zu thun ist, der .. mit heiligem schild und speer der bosheit, der verläumdung gerüstet, mordet und tobet. Herder z. lit. u. k. 12, 398 (1821); am fernsten sey von uns bettelnde ruhmsucht, schulen und kabalenmacherei, und wenn uns diese nicht gelingt, verkappter groll, kriechende verläumdung. 12, 475; zagend schwebt das herz in seiner engen verdrückten hülle, glaubt jeden augenblick zertreten zu werden und kriecht nach speise und verläumdung. 11, 299; der vielseitige diener war dann darauf angewiesen, den fremden zu erzählen, der herr sei .. verreiset .. mochte das verleumdung oder wahrheit sein, so .. Tieck 20, 5.
Zitationshilfe
„verleumdung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verleumdung>, abgerufen am 20.08.2019.

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