vernunftgrund m
Fundstelle: Lfg. 5 (1893), Bd. XII,I (1956), Sp. 940, Z. 69
ursache, aus der man ein vernünftiges urtheil schlieszt: Galiläus hat von schwer dinge wurf gehandelt, ohne den widerstand der luft in rechnung zu bringen. Blondel, da er von Bommen schreibt, meinet auch, solches sei nicht nöthig; ich habe das gegentheil, aus vernunft- und erfahrungsgründen. Leibniz d. schr. 1, 390 Guhrauer; auch schon diese stelle ist ungleich stärker gegen den Lanfrancus, als gegen den Berengarius; da Lanfrancus gleich von anfang die streitigkeit mehr aus den zeugnissen der väter, als aus vernunftgründen, zu welchen alle exegetischen hülfsmittel gehören, entscheiden wollte. Lessing 8, 405; es wäre umsonst, einer empfindung oder derjenigen vorstellung, die ihr an stärke gleichkömmt, vernunftgründe entgegenzusetzen. Kant 10, 14; da bei .. den wahnsinnigen und wahnwitzigen, der verstand selbst angegriffen ist, so ist es nicht allein thöricht, mit ihnen zu vernünfteln (weil sie nicht wahnsinnig sein würden, wenn sie diese vernunftgründe fassen könnten), sondern es ist auch höchst schädlich. 10, 20; die angestammten .. maximen, welche die sinnesart eines volkes ausdrücken, sind nur so viel gewagte versuche, die varietäten im natürlichen hange ganzer völker mehr für den geographen empirisch, als für den philosophen nach vernunftgründen zu classificiren. 10, 351; diese einheit ist in seinem (Spinozas) system und der fehler ist blos darin, dasz er aus theoretischen vernunftgründen zu schlieszen glaubte, wo er doch blos durch ein practisches bedürfnisz getrieben wurde. Fichte wissenschaftsl. 14 (1802).
Zitationshilfe
„vernunftgrund“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vernunftgrund>, abgerufen am 21.08.2019.

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