verquellen verb
Fundstelle: Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 981, Z. 29
quellend, aufquellend sich verändern. die alte form musz gewesen sein verquille, qual, kullen, quollen und hat sich dann in unnachweisbarer zeit zu verquelle, verquoll herausgebildet.
1)
intransitiv, wol die älteste bedeutung 'fort-, wegquellen': der brunn ist verquollen, fontis aquae sunt intercisae. Stieler 1443.
2)
durch hervortreten des innern sich verschlieszen:
wär auch ein böser mensch gleich einer lecken bütte,
die keine wohlthat hält, dem ungeachtet schütte
nur deine wohlthat ein, wie leicht verquillt ein spalt!
Lessing 1, 7.
3)
durch quellen, aufquellen in falsche lage kommen: eine thür ist verquollen, läszt sich nicht mehr bequem auf- und zumachen. Stieler 1494. Adelung 4, 1492. von andern dingen (augen) gesagt: seine augen waren noch verquollen. Reichenau aus unsern vier wänden 2, 154; die lose versuchte sie aufzuschrauben, aber sie war verquollen. Musäus 4, 12; in Peutingers zügen, so sehr sie durch die fülle des fleisches verquollen waren, sprachen sich reichsstädtische behäbigkeit, ernst und milde zugleich aus. Gutzkow Hohenschwangau 1, 67. part. und part. construction: das ganze liebliche bild der kinder war entstellt, die augen lagen verquollen. Gutzkow nov. u. skizzen 37; er lachte in seiner drolligen weise, indem er die verquollenen augen beinahe schlosz. Spielhagen plattland 1, 112 (1879); übertragen: gegen alle rangordnung stell ich lieber früher als ihn die feisten in schelmische dummheit verquollenen livreebedienten vor, deren röcke weniger aus fäden als aus borten bestehen. J. Paul 7, 202. transitiv, einem das maul verquellen, den mund verschlieszen: da kompt David mit seiner schleuder und verquelt ihm die schnauze. Mathesius Syrach 1, 50ᵇ; ihm die zunge an ketten legen und das maul verquellen lassen. 3, 30ᵇ.
4)
reflexiv: der gute componist gefällt sich in dem, was da ist, ja was nebenbei ist, so sehr, dasz sich die idee des ganzen in eine übersättigung des einzelnen verquillt, wo denn alle froh, dasz sie gelegentlich alles zu kennen glauben, um nachher wieder das alte wesen mit neuer lust fortzusetzen. Zelter Göthe u. Zelters briefw. 2, 281.
verquellen
Fundstelle: Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 981, Z. 67
substantivischer infinitiv des vorigen. Adelung 4, 1492.
Zitationshilfe
„verquellen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verquellen>, abgerufen am 21.11.2019.

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