Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

verräterei, f.

verräterei f
verrat, mhd. verræterîe, mnd. nicht nachgewiesen, aus der übergangszeit zum nhd. virraderij Dief. 462ᶜ, vorreterey, vorrätrey, traditio 591ᵇ: do schrey einer hinder mier, was on zwifel ein Züricher: läse man den brieff usz, so hort man mit was verrätherey sy mit uns hant wellen umbgan. Th. Platter 58 Fechter; das ich dannoch nicht gedenck was fur übel den menschen von menschen komm und auffgelegt werde, als do ist armuͦt, gefengnusz, schand, schmach, gewalt, plagen, list, verrätherei, lesterwort .. Frank Erasmus lob d. thorh. 25ᵇ; damit man dester sicherer seyn möge vor feuwer und anderm unraht, so etwan ungefehr auszgieng oder sonsten mit verrähterey zugericht werden möcht. Fronsperger kriegsb. 1, 71ᵇ; durch verrädterey auszbracht oder auszkommen, per indicium enunciata res. Maaler 427ᵃ; verrahterey, quod barbare postea dicunt barateria id est receptio muneris quae fit clandestine a judice, eine verrahterey der sachen, heimliche schnuralien und verküplung des rechts. Schottel 331; seine (des Xerxes) meisten nachfolger gingen diesem wege nach und so waren bestechungen, empörungen, verräthereien, mordthaten, unglückliche unternehmungen u. f. beinah die einzigen merkwürdigkeiten, welche die spätere geschichte Persiens darbeut. Herder phil. u. gesch. 5, 72 (1821); zum unglück traf dies schicksal einen könig, der ein besseres glück verdiente; unschuldig büszte er seiner vorfahren sünde und kam durch schändliche verrätherei um. ebenda;
wer gaben nymbt der ist nit fry,
schenck nehmen macht verretery,
als von Ayoht geschach Eglon
und Dalida verryet Sampson.
Brant narrensch. 46, 84 Zarncke;
Thulius die verreterey mercket,
die Römer doch tröstet und stercket,
sam hett er im verschaffet das
und in dapffer zusprechen was.
H. Sachs 2, 3, 114 (8, 434, 1 Keller-Götze);
wenn wirs in parthey köndten spalten
und anrichten ein meyterey
unter ir durch verreterey,
so mögt wir sie dest bass bezwingn.
2, 3, 55 (8, 208, 26 Keller);
kam durch sein verrettrey geleich
umb leyb, ehr, gut und königreich,
mit groszer marter, spott und hon
zu eim specktackl vor jederman.
ebenda (8, 434, 38 Keller-Götze);
wie der wütrich Antiochus,
mit falschen dücken und trücknusz,
durch falsch pratic und verretrey
und sehr grausamer tyranney
einnamb Jerusalem, die stadt.
3, 1, 161 (11, 97, 10 Keller-Götze);
ich hab unden und daroben
schon angefangen und drein gnäht
des Judas seckel und geräth ...
gifft, auffrhur und verrhäterei,
die sodomey und zauberei.
Fischart dicht. 2, 250, 347 Kurz;
o aus mit der verrheterey
und dieser groszen heucheley,
damit sie ander leut verführen.
1, 165, 1267 Kurz;
an der boszheit verrätherey
ist angezeigt gnugsam hiebey.
Kirchhoff 4, 52 Österley;
was für verrätherei das fräwlein hat ertragen,
die der untrewe moor Bireno jhr gestellt.
Dietr. v. d. Werder Ariost 11, 63, 7;
die hall erdonnert von geschrey,
das ästrich bebt, die alten fenster klirren,
aus jedem mund schallt: mord! verrätherey!
die sprachen scheinen sich aufs neue zu verwirren.
Wieland Oberon 1, 44;
länger nicht
wird eigennutz und miszgunst um das erbe
des besten königs hadern, länger nicht
verrätherey in diesen mauern brüten.
Gotter 2, 190;
in fürchterlicher nacht trennt die verrätherey
mit vatermörderhand dein lebensband entzwey.
Göthe 13, 25.
genitiv zur verdeutlichung: er (gott) ist so mild der selben, das er zuweylen einem boszen buffen ein kunigreich gibt und nympts einem frumen, zu weylen durch vorreterey boser untrewer menschen, zu weylen durch erben. Luther adel d. n. 73 neudruck; da wand Joram seine hand und floh und sprach zu Ahasja: es ist verrheterey Ahasja. 2 kön. 9, 23. durch adject. verstärkt: sie ergänzte, was ihr selbst bisher in diesen begebenheiten unbegreiflich gewesen war, aus dem geständnisse, welches Teresilla .. ihrer gebieterin von ihrem geheimen briefwechsel mit Don Fernand und allen den kleinen verräthereien zu machen, die sie seit geraumer zeit gespielt hatte. Wieland 12, 144. durch präposition näher bestimmt: und er wird seine macht .. wider den könig von mittag erregen .. aber er wird nicht bestehen, denn es werden verrheterey wider ihn gemacht. Dan. 11, 25; verrätherei an der menschheit.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 989, Z. 59.

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