verschonen verb
Fundstelle: Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 1139, Z. 35
parcere, einer person oder sache ein zugedachtes übel nicht zufügen. Adelung; parcere .. virschonen Dief. gloss. 412ᶜ; vor schonen nov. gl. 280ᵇ; sonst mhd. noch nicht bezeugt, s. Lexer handwb. 3, 217; mnl. selten versconen, daraus holl. verschoonen, vgl. Franck 1074; auch schwed. förskona. über etymologie u. s. w., s. schonen. zuweilen wird auch verschönen geschrieben, z. b.:
mich nur quäle, nit verfehle
meiner hände, füsz und seit:
o mich cröne (mit dornen), nit verschöne,
wil mit Jesu tragen leydt.
Spee trutznachtigall 293.
1)
die gewöhnliche bedeutung von verschonen unterscheidet sich wenig von der des simplex schonen, nur drückt sie mehr das gänzliche unterlassen der kränkung oder verletzung aus: verschonen, parcere, ab ultione abstinere, dare veniam Maaler 429ᵈ; patientiam accomodare, praetermittere Stieler 1909.
a)
das object steht in der älteren sprache gern im genitiv, und so auch jetzt noch in poetischer redeweise: wer mein verschont, dessen verschone ich wieder, qui mei parcit, huic reparco et ego Stieler 1909; des kindes im mutterleibe wird nicht verschont, i. e. es musz alles über die klinge springen. 1910; habe ich wol meines lebens verschonet? hanccine ego vitam parsi perdere? ebenda; mit persönlichem objekt: den zorn zähmen (hemmen), die schuld verzeihen und vergeben, auch der feinde verschonen, ist eines stillen (friedfertigen) gemüthes. Comenius sprachenth. 893; bei Luther ist dies die gewöhnlichste fügung: darumb das der herr sein verschonet. 1 Mose 19, 16; und hast deines einigen sons nicht verschonet. 22, 12; und lies erwürgen jre junge manschafft mit dem schwert im hause jres heiligthums, und verschonete weder der jünglinge noch jungfrawen, weder des alten noch der grosveter. 2 chron. 36, 17; darumb .. wil ich dich auch zuschlahen, und mein auge sol dein nicht schonen, und wil nicht gnedig sein. Hes. 5, 11; denn das weis ich, das nach meinem abschied werden unter euch komen grewliche wolffe, die der herde nicht verschonen werden. ap. gesch. 20, 29; sondern fürchte dich, hat gott der natürlichen zweige nicht verschonet, das er vieleicht dein auch nicht verschone. Römer 11, 21; das sie jrer kinder nicht verschoneten. werke 2, 47ᵃ; lasset das unnötige unnötig bleiben, und verschonet der schwachen. 118ᵃ; das sie (die Sodomiter) auch der engel, die zu Lot kamen, nicht verschoneten. 409ᵃ; das er seines eingebornen sons nicht verschonet, sondern denselben für meine und aller welt sünde gegeben hat. 7, 25ᵇ (vgl. Röm. 8, 31); gleichwol der jung ufs höchst umb gottes willen darfür gebeten, er welle doch sein verschonnen, dann so er sagen, so müess er am dritten tag hernach sterben. Zimm. chron.² 4, 138, 22 Barack; so bäte ich, er wolle meiner verschonen und mich in kein bös geschrey bringen. Simpl. 3, 29, 15 Kurz; sie stöszt die grausamste scheltwort und verleumbdungen gegen die aller - unschuldigste leut ausz .. und meiner selbst verschohnet sie öffters am allerwenigsten. 4, 66, 21;
ah lieber gott, unser verschon,
nach unserm verdienst uns nicht lohn!
Wackernagel kirchenlied 3, 209ᵃ;
wie er (d. könig) so streng war und gerecht,
das er verschont keiner person.
H. Sachs 1, 30ᵇ;
weyl du deins suns bisz in den tod
hast nit verschont von meinen wegen.
43ᶜ;
so thut man billich sein verschonen
und das streng urteil revocirn.
2, 3, 7ᵃ;
biszher hab wir dein noch verschont.
27ᵇ;
allein verschon mir desz propheten
Jeremie, des herren knecht
und auch desz armen volckes schlecht.
3, 1, 141ᵈ;
sein nicht verschonet werden soͤl.
175ᵇ;
neben dem accusativ:
denn wer hat schon gehört, dasz Saladin
je eines tempelherrn verschont? dasz je
ein tempelherr von ihm verschont zu werden
verlangt? gehofft?
Lessing 2, 200 (Nathan 1, 2);
mit näherer angabe:
ach verschont unser an dem lebn!
Ayrer 656, 33 Keller;
dafür des lebens verschonen:
Sathan, Hiob sey in deiner handt,
doch das seins lebens werd verschont.
H. Sachs 2, 1, 5ᶜ.
ähnlich: da er seinen zorn lies fortgehen, und jrer seelen fur dem tode nicht verschonet. ps. 78, 50; dadurch, das sie des leibes nicht verschonen, und dem fleisch nicht seine ehre thun zu seiner notdurfft. Col. 2, 23; einer stadt verschonen: denn so gott nicht hat wöllen verschonen Jerusalem, der aller feinesten stad, so auff erden gewest ist. Luther 5, 131ᵃ (oder dativ?);
dein schatten (der kürbis des Jonas) reuet dich und ich soll nicht verschonen
der schönen groszen stadt?
Opitz 3, 65;
denn so gott der engel, die gesündiget haben, nicht verschonet hat .. und hat nicht verschonet der vorigen welt. 2 Petr. 2, 4. 5; von andern dingen, im bilde: und dannoch unterliesz er nicht, da und dort zu rupffen, so lang pflaumfedern vorhanden, und als es auf die stupfflen (stoppeln) losz ging, verschonete er deren auch nicht. Simpl. 2, 162, 26 Kurz.
b)
seltener und nur in der älteren sprache mit dem dativ: den gebeüwen verschonen und jnen nichts schädlichs oder böses zuͦfügen, aedificijs parcere Maaler 429ᵈ; den überwundnen feynden verschonen, sy freündtlich halten, hostibus superatis temperare. ebenda; seinem laͤben verschonen; seinen selbs verschonen; man hat den gottsheüseren verschonet, man hat die kirchen nit angeruͤrt, templis deûm temperatum est. ebenda; denn das volck verschonete den besten schafen und rindern. 1 Sam. 15, 15; sihe, mein herr hat diesem Syrer Naeman verschonet, das er nichts von jm hat genomen. 2 kön. 5, 20; darumb wil ich auch wider sie mit grim handeln, und mein auge sol jnen nicht verschonen und wil nicht gnedig sein. Hes. 8, 18; du solt keinem reich verschonen. Judith 2, 6; denn gott selbs verschonet dem gantzen menschlichen geschlecht, umb eines menschen willen. Luther 5, 183ᵃ. 341ᵃ (s. u. 3); neben dem genitiv: gleich als solt jnen gott weichen, und jr verschonen, der doch den engeln nicht verschonet hat .. das gott den hohen geistern und edlen creaturn, die viel klüger und weiser sind denn wir, nicht verschonet hat. 2, 407ᵇ;
o last sie gehn! thut jhr verschonen!
Ayrer 1705, 8 Keller;
vgl. auch Kehrein gramm. d. d. spr. d. 15.—17. jahrh. 3, § 202; vereinzelt noch in neuerer sprache mundartlich:
keim menschen will ich das leben vergonnen;
dem kind im leib will ich nicht verschonen.
Hartmann-Abele volksschausp. s. 386.
c)
jetzt in gewöhnlicher redeweise nur noch mit dem accusativ: er wird dich nicht verschonen, non tibi ignoscet; einige bürger verschonen, quibusdam civibus immunitatem dare. Steinbach 2, 491; bei Luther ganz vereinzelt: (so) befolhen wir, das, welche Haman .. anzeigen wird, .. on alle barmhertzigkeit umbbracht, und niemand verschonet werde. stücke in Esther 1, 4; es ist der Deutschen unverstand daran verschonet, das jnen solch gros liecht nicht die augen verblendte. Luther 2, 50ᵇ; und heüchlen nindert mer, dann wann sie fast frei reden, und niemandt verschonendt, wöllen gesehen sein. Franck moriae encomion 54ᵃ; verschonen sie mich! Lessing 1, 517 (Minna v. Barnhelm 1, 6); ich bitte, verschone mich. Schiller kabale u. liebe 2, 1;
wente de godesridder scholen nummer mit wapen up de cristen tên,
dat arme cristenvolk alle tît vorschonen.
des dodes danz 533 Bäthcke;
viel andre hast du abgelohnt,
uns hast du ja noch oft verschont.
P. Gerhardt nr. 3, 20 Gödeke;
mein königlicher herr! ich hab' dein ohr
verschont, so lang noch rath und hülfe war.
Schiller jungfr. v. Orl. 1, 2.
daher auch passivisch, besonders verschont sein, bleiben: verschont bleiben, eximi re aliqua, excipi; sie sind im krieg verschont geblieben, belli calamitas eos reliquos fecit Frisch 2, 219ᶜ;
so fielen Helice
und Buris sämptlich ein nechst der Corinther-see,
doch ward Achaja sonst im übrigen verschonet.
Opitz 1, 39.
d)
einen mit etwas verschonen, einem ein übel, einen schmerz nicht zufügen, auch ihm eine unbequemlichkeit, mühe, eine leistung u. s. w. erlassen: mit der strafe verschonen, poenam remittere, mulctae gratiam facere; verschon mich mit solchen worten, comperce me sic alloqui Stieler 1909; einen mit der arbeit verschonen, alicui labore parcere; einen mit vielem trincken verschonen, dare alicui immunitatem nimiae potationis Steinbach 2, 491; mit zins und steur verschonen, dare immunitatem Frisch 2, 219ᵇ; und in kloster und mauren mit deinem basiliskenanblick auf ewig verschont. Schiller räuber 3, 1 schausp.;
schaut alle welt, so viel es nur seyn kan,
mit zancke zu verschonen.
Opitz 3, 102;
nur künftig — bitt ich, gute königin,
verschonen sie mein reich mit der satire u. s. w.
Schiller dom Karlos 2, 6;
eitle klagen,
mit denen man das mitleidsvolle herz
der königin verschonen soll.
M. Stuart 2, 4;
ich habe dirs verhehlt, gebieterin,
dein mutterherz mit sorge zu verschonen.
braut v. Messina 2, 6.
wie sehr die bedeutung des abzuwendenden übels oft verblaszt, sodasz nur der begriff des nichtthuns, bez. nichtsagens, nichtgebens zurückbleibt, zeigen z. b. folgende stellen: zum beweise .. sind mir verschiedene beyspiele erzählt worden, womit ich dich verschonen will, da dir diese leute unbekannt sind. Wieland 33, 128; auch das neue testament war vor meinen untersuchungen nicht sicher; ich verschonte es nicht mit meiner sonderungslust. Göthe 26, 104;
mit solchem räthselkram verschone mich!
41, 260 (Faust II, 5);
vergl. auch:
ach! hätte Seneca so plump nicht zugenommen,
das warme bad wär' ihm so übel nicht bekommen,
hätt' ihn das glücke doch mit gelde nur verschont.
Rachel bei Steinbach 2, 490.
in der älteren sprache steht für mit auch der genitiv: das wir sie des leibliches eides verschonen. Coburger urk. von 1572; so solle auch iederzeit gegen inen nach gestalt der verwirkung die gebürent straff fürgenomen und (sie) deren kaineswegs verschont werden. tirol. weisth. 2, 84, 41; passivisch mit etwas verschont bleiben: abstinentur, es ist jhnen verbotten, sie bleiben wol verschont damit. Corvin. fons lat. 1, 668ᵇ; er wird damit verschont bleiben, eximetur ipsi haec molestia Steinbach 2, 491;
ein ieder bleibt von euch mit hinderlist verschonet,
und schlimmen schinderey.
Opitz 1, 134;
dafür von etwas:
bey welchen freyes wahr, der freundschafft seele, wohnt,
der bleibt von jhrer (der fürsten) gunst gar sicher und verschont.
Logau 2, 122, 15 (bei Lessing 5, 235 dafür vor ihrer gunst).
e)
verschonen ohne object: wenn ich nicht mehr verschon', hau ich ihnen eine ohrfeige! Frischbier 2, 441ᵃ; wir, wir haben gesündigt, und sind ungehorsam gewest, darumb hastu billich nicht verschonet. klagel. Jerem. 3, 42; aber ich verschonet umb meines heiligen namens willen. Hesek. 36, 21; und wenn ich gleich sündige, so verschonet er, und sihet durch die finger, so lang bis ich tod bin. Luther 4, 56ᵃ;
wenn will der krieg sich enden,
wenn er verschonen will, und sich zur gnade wenden.
Fleming 110;
sprichwörtlich:
verschonen, wo man töten kann,
zeigt mer als seelenadel an.
Eiselein 619;
so besonders, wenn der infinitiv substantivisch gebraucht wird: aber du gewaltiger herrscher, richtest mit lindigkeit, und regierest uns mit viel verschonen. weish. Sal. 12, 18; nur der schein des guten in uns selbst musz ohne verschonen weggewischt .. werden. Kant 10, 153;
und (ich) könnte nichts, als um verschonen
den himmel flehen; retten nicht.
Göckingk 3, 177.
2)
während diese verwendung in der heutigen schriftsprache die einzige ist, finden sich in der älteren sprache und mundartlich zuweilen andere bedeutungsnuancen, die sich mehr oder weniger davon entfernen.
a)
auf etwas rücksicht nehmen, es respectieren, scheuen u. s. w.: wiewol kein tag on unehre mit solchem wesen wird zubracht, sol doch der fest und heiligen namen mehr verschonet werden. Luther 1, 207ᵇ; so habt ihr etliche knechte der frau v. Freyberg am fronleichnamstag von dem hochw. sacrament aus der pfarrkirchen ohne alles verschonen desselbigen hochw. sacraments gewaltlich nehmen lassen. quelle bei Schm. 2, 427;
gnediger herr wir bitten, du
wölst verschönen den sabaht tag
zu ehr gott, der alle ding vermag.
H. Sachs 3, 1, 170ᵃ.
b)
zuweilen steht verschonen ganz im sinne von schonen, d. h. ein übel nicht ganz abwenden, sondern nur mildern, überhaupt gelinde, schonend behandeln: desgleichen wil S. Petrus in seiner 1. epistel, das man dem weibsbilde, als dem schwechsten werckzeug verschonen sol. Luther 5, 341ᵃ; die amptleut aber, so er ein mal geordnet, sprach er, liesz er für und für unverendert bleiben, darumb, dieweil der underthanen darmit verschonet würde. denn aller verwaltung hieng disz von natur an, dasz sie dem geitz geneigt (sei) ... da einer vermutet, dasz seine dienste bald ein ende haben, würde er darumb ... desto mehr eylen, seinen diebstal weidlich zu schärpffen ... indem sie aber dessen ungewisz, würden sie auch etwas fahrlässiger, so scharpff darauff zu greiffen, und den unterthanen etwas lufft gelassen, sich zu erholen. Kirchhof wendunm. 4, 125 Österley (6, 139); so auch: parco oculis ich verschone der augen. Dasyp. (lat.-d. theil); auff sein gesundtheit saͤhen und jren verschonen, valetudini parcere Maaler 429ᵈ.
c)
etwas zu rate halten, sparsam damit umgehen: der seins guͦts verschont, der sein guͦt nit liederlich auszgibt oder verthuͦt, temperans rei Maaler 429ᵈ; item, das man .. ohne vorwissen des geordneten holzruegers kaine larch nit schlage, derselb ainem ieden die notdurft seines hauswesens vergohnen wirdt, damit man der lärch verschon. tirol. weisth. 1, 131, 29.
d)
vor etwas verschonen, behüten, beschirmen, ein anderswoher kommendes übel fern halten: und verschonet seiner seelen fur dem verderben, und seines lebens, das nicht ins schwert falle. Hiob 33, 18; so du aber freiest, sündigestu nicht, und so eine jungfraw freiet, sündiget sie nicht. doch werden solche leibliche trübsal haben. ich verschonet aber ewr gerne. 1 Cor. 7, 28. ohne nähere bestimmung:
vrau di, edele stad Brunswiik,
durbares hillechdomes riik
veler hilleghen patronen,
de got di sulven heft gesant:
he wil dorch se mit siner hant
bewaren unde vorschonen.
städtechr. 16, 525, 39.
e)
eine sache verschonen, vermeiden, ihr entgehen, ausweichen:
mancher verschont ein kleinen regen
und thut eim gröszern baldt begegnen.
B. Waldis 4, 41, 25.
f)
einen verschonen, im stich lassen?:
'ir lieben diener, merkt eben auf:
ein iedlicher heb zwen finger auf
welcher heut bei mir wil sterben!'
ein diener von im urlab nam,
verschont seins frommen herren.
Uhland votksl.² 331 (167, 21).
g)
einem etwas zu gute halten, als gut auslegen: er wölle in allegationibus disem meinem compendio verschonen. s. Schm. 2, 427;
ein wenig wollst verschonen
was ich freundlich vermahn.
Hoffmann v. Fallersleben gesellschaftsl. s. 17, 3.
3)
über verschonen für verschönen s. dieses. dahin gehört wol auch das nd. verschonen, reinigen, putzen, besonders reine leibwäsche anziehen. brem. wb. 4, 671. Stürenburg 315ᵇ. ten Doornkaat Koolman 1, 461ᵇ. ebenso holl. verschoonen.
verschönen verb
Fundstelle: Lfg. 6 (1895), Bd. XII,I (1956), Sp. 1142, Z. 80
schön machen, wofür jetzt gewöhnlicher verschönern, mhd. verschœnen, holländ. verschoonen, dän. forskjønne, schwed. försköna.
1)
verschönen etiam est venustatem afferre, et efferre, atque frequenter dicitur verschönern. Stieler 1755; wenn nicht in unserm innern sich etwas entwickelte, das auf eine ganz andere weise die natur verherrlicht, indem es uns selbst in ihr zu verschönen eine schöpferische kraft erweis't. Göthe 22, 198;
de forsten algeliche
up eine tit to samen quamen,
dat se koren unde nemen
ein to der römischen kronen
der se mit doget kunde verschonen.
quelle bei Frisch 2, 219ᵇ;
und jungfräulicher ernst deckt das verschönte gesicht.
Klopstock 1, 24;
wie verschönt warst von dem monde,
du, o schöne natur!
200;
die luft ist heiter, mein vater,
und verschönt in dem weiten gefilde den sprossenden frühling.
5, 98 (Mess. 11, 1477);
unwiderstehlich schön stand sie in rosenschatten
an ihre grazien gelehnt,
und, lilien gleich, die sich mit veilchen gatten,
durch sanftern reiz verschönt.
Wieland 10, 99;
und was ihm sonst von ihren tausend reitzen,
entschleiert und verschönt, sein seelenspiegel weist.
22, 276 (Ob. 6, 52);
liebe denkt in süszen tönen,
denn gedanken stehn zu fern,
nur in tönen mag sie gern
alles, was sie will, verschönen.
Tieck 1, 23 Klee;
mit frohem klang der zeiten drang verschönen.
Platen 59ᵇ.
sich verschönen, schön werden: hier durchhüpfte sein aug' die um ihn prangende natur; sie schien den groszen belohnenden blick zu empfinden und sich unter dem wohlgefallen ihres fürsten zu verschönen. Schiller räuber 4, 12 trauersp.;
als die fluren sich verschönten.
Matthisson bei Campe;
verschönen neben verschönern: mit der verschönten gegend wächst die neigung in freier luft des lebens zu genieszen; kleine, wo nicht verschönernde doch nicht störende .. wohnungen werden eingerichtet und erbaut. Göthe 58, 192.
2)
mhd. bedeutet verschœnen auch 'an schönheit übetreffen':
wan ich bin ûf geschoʒʒen als ein luftic cêderboum.
den cipres ich vürschœnet (var. verschœnet) hân.
Frauenlob 13, 4.
3)
nach Stieler 1755 auch soviel wie abschönen, ausschönen, entschönen, pulchritudinem corrumpere, delere, extinguere.
4)
verschönen, larvare, larvas induere, vermummen Scherz-Oberlin 1770. vgl. verschönbarten, schönbart.
Zitationshilfe
„verschonen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verschonen>, abgerufen am 16.12.2019.

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