verschwenderisch adj.
Fundstelle: Lfg. 7 (1905), Bd. XII,I (1956), Sp. 1210, Z. 81
eine ziemlich junge bildung zu verschwender, die älteren adject. verschwendig, verschwendisch verdrängend; verschwenderisch, zunächst in dem schlimmen sinne von verschwender gebraucht, erweitert, mildert und verfeinert seine bedeutung, besonders der gebrauch des adverb. ist zu beachten; die vorstellung des miszbräuchlichen, zu miszbilligenden kann völlig verschwinden (vgl. verschwenden 6 und 7), so dasz nur der sinn überreichlicher hingabe, austheilung übrig bleibt. das adj. bezieht sich nicht nur auf personen, nach dem engeren sinne deren art bezeichnend (verschwenderischer fürst), sondern ebenso auf unpersönliches; hier entwickelt sich die freîere anwendung des adj.: verschwenderische hofhaltung, verschwenderisches leben, verschwenderische pracht, fülle u. ä.; nepotatus, ein verschwenderisch leben. Corvinus fons lat. (1660) 430ᵇ; ein verschwenderischer mensch; verschwenderisch seyn in unnützen sachen. Stieler 1983; verschwenderisch mit dem seinigen umgehen. Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 714ᵇ; es ist besser, dasz du verschwänderisch als undanckbar heiszest; verschwänderisch leben. Steinbach 2, 554; verschwenderisch, prodigus, prodige. Frisch 2, 248ᵃ; ein verschwenderisches gastgeboth. Adelung.
1)
im eigentlichen sinne, übermäszigen, unangebrachten, dem vermögen nicht entsprechenden, dann auch milder, ungewöhnlichen verbrauch von hab und gut, äuszeren werten bezeichnend: er hatte zwar noch ein wenig gelt, aber viel zu wenig, weder seinen verschwenderischen pracht hinaus zu führen, noch sich auf eine reise zu mondiren. Grimmelshausen Simpl. 2, 158, 12 Kurz; nichts, gar nichts von dem geschmeide, dem letzten geschenke ihrer verschwenderischen groszmuth. Lessing³ 2, 403 (Emilia Galotti 2, 7).
2)
in freierer und übertragener anwendung: wenn heldenmüthige gesinnungen bewunderung erregen sollen: so musz der dichter nicht zu verschwenderisch damit umgehen. Lessing³ 9, 187; die verschwenderische gunst aller musen und grazien. Wieland 33, 228 (Aristipps briefe 1, 17); weil er mit den merkmalen seiner gunst und verehrung weder karg noch verschwenderisch war. Schiller 7, 82; wie verschwenderisch wurde im schlosse sein herz mit herzen bedeckt. J. Paul Titan 2, 224;
wie wurde mir, als ich ins innre nun
der kirchen trat, und die musik der himmel
herunterstieg, und der gestalten fülle
verschwenderisch aus wand und decke quoll.
Schiller Maria Stuart 1, 6;
und sie (die Horen) lächelten sanft, die beweglichen, nickten dem alten
freundlich, und gossen umher verschwenderisch leben und licht aus.
Göthe Achill. 1, 91 (50, 274 Weim. ausg.);
mit abhängigem genitiv:
frei, unbegränzten muths,
verschwendrisch eignen bluts.
Faust II, 3 (Strehlke wb. zu Göthes Faust vergleicht: animae magnae prodigus bei Horaz carm. 1, 12, 37).
Zitationshilfe
„verschwenderisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verschwenderisch>, abgerufen am 23.08.2019.

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