versetzen verb.
Fundstelle: Lfg. 7 (1905), Bd. XII,I (1956), Sp. 1283, Z. 13
ags. forsettan, ahd. farsezzen Graff 6, 300; mhd. versetzen mhd. wb. 2, 2, 355ᵃ. Lexer mhd. handwb. 3, 226. mnd. vorsetten Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 433ᵇ; nhd. versetzen, transponere, oppignerare. Maaler 431ᵃ; vgl. Hulsius dict. 355ᵇ (1616). Schottel 647ᵃ. Stieler 2041. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵃ (1702). Steinbach 2, 359. Frisch 2, 270ᵇ. Adelung und Campe. nld. versetten, transponere, oppignorare. Kilian 2, 724ᵇ (1777); neunld. verzetten; dän. forsætte, schwed. försätta sind dem deutschen entlehnt. wie beim verbum simplex (vgl. dieses th. 10, sp. 643) verschwindet auch bei versetzen die unumgelautete form des prät. im nhd.; Steinbach 2, 359, 360 verzeichnet versatzt noch neben versetzt;
wie offt das conterfey,
so Clandestin versatzt, doch schon gevatter worden.
Günther 979;
vgl. versât, part. prät. zu versetzen bei Gangler luxemburg. umgangssprache 469. in bezug auf die bedeutungsentwicklung des verbums ist hervorzuheben, dasz der gebrauch in der nhd. schriftsprache sich allmählich im verhältnis zur älteren sprache einengt, dafür freilich einige anwendungen erst hervortreten läszt oder reicher ausbildet, wie: jemandem einen schlag versetzen, versetzen im sinne von erwidern, antworten; auch die bedeutung 'von einem ort an einen andern setzen' erfährt erst im nhd. eine feinere und verzweigte entwicklung; eingeengt ist die bedeutung des sperrens, des einfügens, verbindens, verloren gegangen die des parierens (bei fechten), wehrens, abwehrens, ferner die des festsetzens, bestimmens; nähere ausführungen sind in den einzelnen abtheilungen gegeben.
1)
etwas durch dazwischen gesetztes versperren, z. b. einen weg, einen zugang, ein thor. diese bedeutung ist schon für das ags. bezeugt: hî đone heofonlîcan weg forsetton, they obstructed the heavenly way. beleg bei Bosworth-Toller; dâ man ir den wec niht versetzet. myst. 1, 323, 28; all straszen verlaufen und versetzen. tir. weisth. 1, 74, 8; hertzog Hermann hatte bald im anfange seines einbruchs dieses thor mit dem dritten theile der Hermundurer versetzt. Lohenstein Arminius 1, 1310ᵃ; alle zugänge sind versetzt, omnes aditus interclusi sunt. Steinbach 2, 359; eine thür mit einem schranke, eine öffnung mit fässern, den eingang mit steinen versetzen. Adelung; schon Campe empfindet, dasz diese anwendung anfängt ungewöhnlich zu werden: eine thür mit brettern, mit holz, mit einem schranke versetzen, 'sowol damit man sie nicht sehe und finde, als auch damit niemand durch dieselbe von der anderen seite gelangen könne'.
versazten algelîche
die wege von dem rîche.
Rudolf v. Ems Barlaam und Josaphat 195, 3;
ir porten versparten si do sâ
und versasten ir gewer.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 40533;
daʒ im versetzet was daʒ lant
enhalp Tuonou über al.
Ottokar reimchr. 86935.
freier: dasz manche statt ... schier halb versetzt ist (für andre gesperrt, weil angefüllt) mit lauter solchen faulen lutterbuben. Westphal faulteufel B 6ᵇ (1563). in dem prägnanten sinne versperren wird das wort im nhd. nicht mehr in allgemeinerer anwendung gebraucht; auch mit näheren bestimmungen, wenn es sich um ein wirkliches hinsetzen von hindernissen handelt, ist es selten und hat dann wohl immer einen technischen klang. in der bergwerkssprache hat sich das verbum als technischer ausdruck in besonderen anwendungen erhalten, die alle auf den sinn des versperrens zurückführen: stollen, strecken versetzen, auszer gebrauch gesetzte baue mit unhaltigem gestein ausfüllen (Scheuchenstuel idiot. d. österr. berg- und hüttenspr. 254); dann wird das verbum auf die gesteinsmasse, die zur ausfüllung dient (berg) bezogen: versetzter berg (Jacobsson techn. wb. 4, 530ᵃ; s.berg 2 th. 1, sp. 1504); laist (ausgelaugten thon) zur herstellung einer verdämmung zusammenschlagen. Veith bergwörterbuch 537; vgl. unter 2. eine besondere entwicklung der bedeutung sperren s. unter 9.
2)
das versperren kann zugleich ein verdecken sein: eine thür mit brettern versetzen, sie verbergen. Campe; in diesem sinne wird das wort im entwickelten nhd. eher verwendung finden als in der eigentlichen bedeutung des versperrens; den hintergrund mit bäumen und buschwerk versetzen (auf der bühne). das man den schön prunnen ... mit kremen nit versetzen losz. Tucher baumeisterb. 259; der gleiche übergang findet auch im bergmännischen gebrauch (oben unter 1) statt: erzhaltige strecken durch anhäufen von gestein oder anbringung von zimmerung verbergen, verdecken. Veith bergwb. 537. Jacobsson techn. wb. 4, 528ᵇ; 'das versetzen der erzführenden lagerstätten oder klüfte ist als eine strafbare handlung erklärt und im berggesetze strenge verboten'. Scheuchenstuel a. a. o. 254; aus dieser technischen bedeutung leitet Chr. Berward die redensart jemandem eins versetzen, ihn hintergehen, ab; er hat mir eines versetzet ist, er hat mich stattlich hintergangen. dieses kommt her von einer betrüglichen gewohnheit, so vor zeiten bey den lehnschafften im schwange gangen, denn wann sie den herrn haben wollen aufflössig machen, haben sie die ertze verzimmert oder verschmieret; wann nun die herrn in meinung, dass kein ertz vorhanden sey, die grube haben liegen lassen, sind diese vor sich oder durch andere zugetretten und diese ins freye gefallene gruben gemuhtet. Berward interpres phraseologiae metallurgicae (1673) 40 bei Veith a. a. o. 537. in wirklichkeit ist entstehung der redensart eine andere, s. unten 19. in weidmännischer sprache: der dachs oder fuchs verkläfft, verklufftet oder versetzt sich, wenn er sich vor den verfolgenden hunden eingräbt. Heppe wolred. jäger 309ᵃ (1763); verklüftet, verliert, versetzt sich. Behlen lex. d. forst- u. jagdkunde 6, 132.
3)
etwas sich bewegendes, eine bewegung im lauf aufhalten: einen wasserlauf versetzen, ihn stauen; damit verbindet sich leicht der sinn, dasz die richtung des wasserlaufs sich ändert. die vorstellung des stauens, des aufgehalten werdens kann dabei ganz zurücktreten, sodasz das verbum zur bedeutung von verlegen (unter 12) übergeht; so sagt man refl.: der strom versetzt sich, er nimmt, weil sein bisheriger lauf aus irgendwelchen gründen gehemmt wird, eine andere richtung an. Jacobsson techn. wb. 4, 529ᵇ (vgl. stromversetzung); die dillen, darmit man die Begnitz versetzt oder swelt. Tucher baumeisterb. 198, 22; an der scheit des pachs doselbst das wasser damit (dem schutzbrett) zu versetzen (so dasz es nach bedarf nur in dem einen bett weiter läuft). 225, 23; (da) der grosse strudel, da die vier hauptwasser im paradeisz herausz quallen, sich versetzet (verstopfet), und unter der erden sich weit von einander getheilet. Mathesius Sarepta 12ᵃ (1517); wasser im magen: bei vielen dagegen versetzt sich das wasser. Immermann Münchhausen 2, 86 (1841); in dieser allgemeinen anwendung verhinderten abganges flieszender, rinnender, sich bewegender massen wird das reflexivum oft gebraucht: der mageninhalt versetzt sich im darm (vgl.fersaz, verstopfung. Hunziker aarg. wb. 82); es musz sich in der wasserleitung irgend etwas versetzt haben u. ä.; ebenso vom wind, ziehender luft, rauch, gasen u. s. w.; der wind versetzt sich im schornstein; — die im magen versetzten winde. Adelung; übertragen auf den behälter, in dem die luft zieht: der blasebalg versetzt sich, wenn er durch etwas verstopft wird. Campe. den atem (die luft) versetzen, das ausströmen des atems hindern: 'figürlich sagt man im gemeinen leben, das versetzt mir den athem, wenn was das athemholen hindert, z. b. eine grosze hitze, schwefeldampf, ein heftiger gestank u. s. f.' Adelung; aber auch als zeichen beklemmender gemütsbewegung; ein gewaltiger zugwind ..., der über die französische gränze herkommt, und dem legaten, der nie viel gutes von daher erwartet, oft den athem versetzt. Thümmel reise 3, 53 (1794); Beaumarchais: der athem wird dir schwer? Marie: das unbändige schlagen meines herzens versetzt mir die luft. Göthe Clavigo 4 (11, 112 Weim. ausg.); eine neue gemüthsbewegung, die er für verdrusz hielt, versetzte ihm den athem. Wilhelm Meisters lehrjahre 5, 10 (22, 196);
mir ist als ob die orgel mir
den athem versetzte.
Faust I. dom (14, 193).
die stimme, die sprache versetzen: wenn ich dich ansah, dich reden hörte, dich fühlen sah, was dir die sprache versezte. Schiller 1, 55; und mir, indem ich es euch erzähle, bewegt sich das herz vor freude und das vergnügen versetzt mir die stimme. Göthe Rameaus neffe (45, 62 Weim. ausg.). die bewegung als object:
wan ime wolt der lêbart
versatzt hân die widervart.
Heinrich v. d. Türlin krone 18363;
dô im alsô diu übervart
allenthalp versetzet wart.
Ottokar reimchron. 86941;
wenn Doralice mich die hurtige wil jagen,
versetzt Uranie mit strenger liebligkeit
den nicht mehr freyen lauff.
A. Gryphius 2, 384 (1698).
auch hier führt ein leichter übergang zur bedeutung verrücken, verlegen, ablenken, so sagt man in seemännischer sprache: der kurs ist versetzt (kursversetzung), wenn der wirkliche weg des schiffes von dem berechneten, der durch irgend welche umstände verhindert worden ist, abweicht; vgl.:
das wetter und der wind
versetzt' euch euren lauf, dasz er auf so viel striche
nach norden, seinen feind, ohn acht des schiffers wiche.
Fleming ged. 1, 167 Lappenberg.
4)
die vorstellung des sperrens, des vorgesetzten widerstandes liegt zu grunde bei der verwendung des wortes im sinne von parieren, die der neueren sprache verloren gegangen ist. vgl. Schmeller bayer. wb. 2, 345; absolut gebraucht: schlahe mich doch auch ein mal mit einem solchen schwert, wil ich dir doch halten on alles versetzen. Luther 1, 388ᵃ; denn der ander nichts mehr thet, denn allein versetzen, und den schilt fürwerffen. Amadis 389 Keller;
schwerdter schaden, schwerdter nützen; nützen zum versetzen;
schwerdter nützen, schwerdter schaden; schaden zum verletzen.
Logau 2, 161, 10.
zu ergänzen ist hierbei als object die bewegung der waffe oder diese selbst (also im sinne von 3):
das sol yetz syn eyn meyster stuck
das man nit licht versetzen kan.
Brant narrenschiff 101, 11.
sunder all anlouff mît der handt
versetz.
112, 22;
die abgewehrte waffe als object:
erbrich des teufels sper,
sein ger
versetz im.
Oswald v. Wolkenstein 96, 3, 22;
nach dem dieser seinen (des gegners) wurffspiesz behutsam versetzt. Lohenstein Arminius 1, 1310ᵃ; ganz ungewöhnlich dagegen ist, dasz mit zerstörung der sonst geltenden grundanschauung die abwehrende waffe im accusativ steht: wer wider gottes wort aus der philosophi disputirt, der versetzt ein blosse hand wider ein schlachtschwerdt. Lehmann 152; ebenso eigenthümlich sich versetzen, sich sperren gegen jemanden, ihn abwehren, ihm widerstand leisten: hê versettd sük tägen mî. ten Doornkaat Koolman ostfries. wb. 1, 463ᵃ. der gegner, dessen angriff abgewehrt wird, steht im dativ (wie in der eben angeführten stelle des O. v. Wolkenstein), durch mit wird angeknüpft, was den angriff aufhält: aber Christus der herr wöret sich mit dem wort gottes, zuckt das schwert, versatzt jm wider. Geiler von Keisersberg von den sieben schwertern kap. 1; das wir an allen orten verwaret, dem teufel versetzen, und wehren könden. Luther 5, 523ᵃ; nu folgen erst die rechten waffen, damit wir dem feind versetzen, und jn zu rück schlahen müssen. 524ᵃ; und wil (wie man sagt) mit dem kopff versetzen (also mit etwas untauglichem), und versucht gott. 8, 255ᵇ; sie ergreif die ofengabel, und wann ich nicht die krücke erwischet und damit versetzt hette. s. oben kläppchen 3 th. 5, sp. 958;
wan sie waren paide hart wund,
sie hetten mit dem kopff verseczt.
H. Sachs fabeln u. schwänke 1, 453, 85 neudruck;
so wehrt er sich
denn ritterlich,
versetzet mit dem rücken.
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 167, 5.
aus der bedeutung des parierens erklärt sich der nhd. gebrauch des wortes im sinne von erwidern, antworten (s. unten 18), sowie vielleicht die wendung einem eins versetzen (19). in übertragener anwendung, abwehren, zurückweisen: wir können aber solch ertichtetes wesen nicht besser als mit der heiligen schrifft versetzen. Micrälius altes Pommerland 1, 36.
5)
verblassend im sinne von verwehren, verbieten: mir sol auch füro hin ewigclich zobel, mader, alls vechwergk, all seyden gewand ... an mich ze schneiden, machen lassen und ze tragen gantz verbotten und versetzet (sein). d. städtechron. 5, 283 anm. 2.
6)
etwas so setzen, dasz es fest sitzt, von etwas andern umschlossen, fest gehalten wird, sich an etwas fest anschlieszt; dann freier fügen, zusammensetzen, anordnen. versetzen in, mit acc. und dat.:
rubîn ward nie in goldes zein
versetzet, noch in helfenbein.
minnes. 3, 468ᵃᵃ Hagen;
am hals hetten sie ketten hangen
von bestem goldt, darin versetzt
viel edelstein.
Kirchhof wendunmut 4, 239 Österley;
gleîch wie ein gstein im ring versetzt.
Fischart 2, 186, 278 Kurz;
der grund ist helffenbein,
die seulen dichtes gold, darein mein edler stein
nach künstlers art versetzt.
Fleming ged. 139 (1666);
ein wohlversetzter stein scheint in dem golde gröszer.
224;
inclusor, versetzter edelstein als goldsmid. Diefenbach gloss. 292ᵃ; versetzen, 'bey dem gold-arbeiter, edle steine in gold und silber einfassen'. Jablonski allgem. lex. 814ᵇ (1721); Adelung bezeichnet diesen gebrauch als oberdeutsch; vom einlegen goldener oder silberner ornamente bei den schwertfegern. Jacobsson techn. wb. 4, 529ᵇ. edelgestein, versetzt und unversetzt. d. städtechron. 11, 774, 26; ein güldener stern, in welchem manch edler adamant unnd rubin versetzt war. buch der liebe 11ᶜ; (goldene rüstung) darinn viel köstlich edels gesteins versetzt war. 30ᵈ; (sessel,) darinn vil kostliches edelgesteins versetzt war. Wickram rollwagenb. 186, 8; ein ring ... darein versetzt ein auszbündige besenbalach. Fischart Garg. 183 neudr. hacken ... an deren jedem ein groszer smaragd in der grösse eins pomerantzenpffels versetzt war. 174; demante, edelgesteine in einem kleinod versetzen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵃ (1702); versetzte edelgesteine. 876ᵇ; vgl. unten versetzzeiger. (eine inschrift) mit buchstaben von demant dem roste der zeit zugegen in diesen schwartzen cristall versetzt. Opitz 2, 270 (1690). eingelegte arbeit nennt Maaler auch versetzte arbeit (430ᵇ oben). übertragen: (ein leben) das gantz in die natur alles guͦten versetzet sei. Erasmus laus stult. übers. von Franck 73ᵇ. bausteine fest an- und einfügen: versetzen, 'wenn die einzelnen stücke einer säule aufeinander gesetzt werden, nachdem sie mit dem richtbaum in die höhe gezogen worden'. Jacobsson techn. wb. 4, 528ᵇ, versetzen der steine, 'die steine mit kalk in gehöriger ordnung in die mauer einlegen, einsetzen'. 529ᵇ; im modernen gebrauch das einfügen von stein-, holz-, eisenobjecten in den bau; steinversetzung, das einfügen der vom steinmetz bearbeiteten theile, von quadern, steinernen thür- und fenstergewänden, sohlbänken, stufen, balkenplatten; die stelle, wo die stücke eingefügt werden, ist die versetzstelle, zur hebung dienen versetzgerüste. Karmarsch-Heeren techn. wb.³ 10, 118. glaserarbeit: dem glaser davon geben zu versetzen (einsetzen der scheiben). Tucher baumeisterb. 106, 13. fügen, anordnen: blumen versetzen in einen kranz, büschlein, sie zum kranz, strausz zusammenfügen, anordnen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵇ (1702); Adelung bezeichnet diesen gebrauch als oberdeutsch. einen kranz versetzen, ihn flechten:
Apollo bricht ein reisz
von seinem lorbeer ab; der ehren-kind, der preisz
versetzt dir einen krantz.
Fleming ged. 48 (1666);
die bettlein in einem garten versetzen. Kramer a. a. o. 'im hochd. ist diese bedeutung unbekannt.' Adelung. in freierer anwendung, ordnen, anordnen, fügen: siehe wie er (gott) alles so künstlich und ordentlich versetzt habe. Schuppius schriften 207; es gehet mir aber wie jener jungfer, welche sagte, sie sey schön genug, allein ihre schönheit sey nicht recht versetzt. das rothe, dasz sie an den lippen haben solt, das habe sie in den augen, das schwartze, das sie in den augen haben solt, das habe sie an den zähnen. meine betteley ist mir auch unrecht versetzt. 100. raketen, feuerwerkskörper versetzen heiszt sie mit der ladung versehen. Eggers kriegslex. 2, 1212; auch hier ist das verbum nicht auf das eigentliche object (die ladung), sondern das fertiggestellte bezogen.
7)
besonders häufig im älteren nhd. ist die wendung versetzen mit, sie hängt mit dem unter 6 besprochenen gebrauche zusammen, das ganze ist als object genommen, während doch das verbum sich eigentlich auf das durch mit angeknüpfte bezieht. mit edelstein, kostbarem schmuck versetzen (jetzt besetzen): eine kron, ein portrait mit diamanten versetzen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 876 (1702), mit edelgesteinen versetzen. Steinbach 2, 359. Frisch 2, 270ᶜ. 'im hochdeutschen ist diese bedeutung unbekannt'. Adelung (er bezeichnet sie als oberdeutsch). die (kleider) sind mit edlen steinen und feinberlachen auff das allerkostlichost gemusiert, versetzt und gezierdt gewessen. d. städtechron. 23, 299, 3; mit schmaragden und rubinen versetzt. Fischart Garg. 451 neudr.; mit einem reutrock angethan, welcher zum aller köstlichen, mit perlen, carbunckelen, diamanten und anderen edelsteinen versetzt war. Zinkgref apophth. 1, 352 (1639); mit einem güldenen stück, so mit perlen und edelgestein kostbarlichen versetzet, bekleidet. Moscherosch gesichte 1, 118 (1650); sehet welch eine treffliche kette mit diamanten versetzet. A. Gryphius Horrib. 51 neudr.; ein paar schöne mit edelgesteinen versetzte armbänd. Schuppius schriften 480; an den vergüldeten, und mit edelgestein versätzten spitzen, der spiesze und lantzen. Butschky Pathmos 90; einem sebel, der haare schur, mit lauter gold beschlagen und mit edelgesteinen versetzt. Grimmelshausen Simpl. 2, 102, 23 Kurz; ein creutz einer spannen lang mit grossen diamanten und andern edelgesteinen versetzet. Olearius pers. reisebeschr. 20ᵇ (1, 8); ein gürtel ... mit edelgesteinen versetzet. 23ᵃ (1, 11); einen säbel, welcher am heffte, scheide und gürtel mit köstlichen diamanten versetzet war. 279ᵇ (4, 44); sein silbern schild, so mit golde versetzet. pers. rosenthal 51ᵇ (3, 21 anm.); ein mit agstein versetzter bogen. Lohenstein Armin. 1369ᵃ;
am zieraht der da gantz die schöne pfort' umbfienge, ...
war nicht ein einig theil dasz nicht versetzet standt
mit edlen steinen ruͤmb, mit besten ausz dem landt.
Dietrich v. d. Werder rasender Roland 6, 71.
auf die geschmückte person bezogen:
Glandula wird für die krone aller weiber hier geschätzet;
freylich, weil sie so mit perlen und rubinen ist versetzet.
Logau 3, 49, 58.
schön gewendet:
die sterne rühmten sich ihr nacht-kleid zu versetzen.
Günther 1071.
ein mit cypressen, buxbaum versetzter garten. Kramer deutschital. dict. 2, 786ᵇ (1702);
in wunderbaren gestalten
ragt aus der dunkeln nacht das angestrahlte gestein,
mit wildem gebüsche versetzt, das aus den schwarzen spalten
herab nickt.
Wieland 22, 13 (Oberon 1, 18).
8)
im entwickelten nhd. ist der unter 6 und 7 geschilderte gebrauch von versetzen im sinne von einlegen, einfügen, anfügen, ordnend verbinden, zusammenordnen, fügen u. s. w. aufgegeben, dagegen bezeichnet es ein aneinanderfügen, das eine stoffliche verbindung, ein mischen der bestandtheile, ein stoffliches aufeinanderwirken mit sich bringt, wobei oft, aber nicht immer der eine bestandtheil, der als object zum verbum tritt, als der in der mischung vorwaltende gilt (wein mit wasser, thee mit rum versetzen, roth mit weisz versetzen): die farben versetzen oder brechen, sie mischen. Jacobsson techn. wb. 4, 529ᵇ; 1, 286ᵃ; zu den glocken wird das kupfer mit zinn versetzt. Adelung; über dem boden schwebte noch der dämmer, welcher das licht der deutschen sonne auch am hellen morgen bändigt und mit seinem (lies feinem) grau versetzt. Freytag ges. werke 6, 82; weil ich ... in seltsamer neigung zum strauch wachholder oft mit einem zweiglein desselben im gürtel vor ihnen erschien oder speise und trank mit den schwarzen beeren versetzte, gaben sie mir den übernamen Juniperus. Scheffel Juniperus 16 (1883); übertragen: sein wesen ist mit jener alten, biederen deutschheit versetzt, die ebenso oft plump und ungeschliffen, als edel und grosz ist. Tieck 15, 305. der sinn kann natürlich auch der sein, dasz durch die beimischung der wert des objectes, auf das versetzen sich bezieht, herabgesetzt, sein wesen zum schlechtern verändert wird. es findet keine stoffliche mischung statt: sein haar ist schon stark mit grau versetzt. das schwarzwildbret färbet sich nicht, sondern versetzet nur im herbste seine dunkelbraune sommerfedern mit hellgrauen winterfedern. Adelung.
9)
in älterer sprache bezeichnet versetzen, auf personen bezogen, bisweilen bedrängen, umstellen, fangen, festsetzen; zugrunde liegt die bedeutung des sperrens (1):
Rômære wellent mit nezzen
mir mînen lîp versezzen.
kaiserchron. 6945;
ich îlte mit den nezzen
aine maget versezzen,
diu swebete in den unden.
11939;
freier und mit näherer bestimmung: dasz du (Adam) als ein künftiger vater viler völker dine kind so mit untrüwen erbteil überladen, ewigen tod versetzet und verpflichtet (in die gefangenschaft des todes dahin gegeben). Schade sat. u. pasqu. 3, 2, 27. von gütern, mit beschlag belegen im rechtlichen sinne: dy koufkamyr adir das erbe werde denne vorsatzt von des tzyns herren weyne vor synen vorsessenen tzyns. Kulmer recht 3, 138.
10)
festsetzen, sicherstellen, so dasz etwas in der lage bleibt, auf personen bezogen in günstigem sinne: sunder se willen se in orer vriheit na der utwisinge des hilgen geistliken rechtes mit allem vlite vorwaren unde vorsetten. d. chron. 2, 2, 598, 37; mit unpersönlichem object: eine ewige sone unde vrede mit segelen tho vorsettende. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 444ᵃ;
min here maich it bas versetzen
dan vischer of wever de uch beschetzen.
ä. städtechron. 12, 90, 2351.
feststellen in gedanken: sô betrahte und versetze gar wol waʒ du wert sîgest. Grieshaber pred. 1, 157; festsetzen als norm des willens, beschlieszen, besonders soweit es ein verbieten ist (grundbedeutung des sperrens): (dasz sie) vor ettwieviel ziten alle juden von unserer stat getriben und in söllicher mausz verseczzt haben, das nun füro kain jud weder lebentig noch todt in unser stat kommen sülle. d. städtechron. 5, 381, 15; da kamen alle landsherrn zuͦsamen und versatzten, welcher des künigs tochter beschlieff, den solt man auf zwen wild ochsen pinden und in die Thonaw versencken. 22, 302, 21; vgl. Schmid schwäb. wb. 493; schweizerisch: i has versetzt, i thüe, ich habs beschlossen, ich thus. Tobler Appenzeller sprachschatz 188ᵇ; sich versetzen, sich vornehmen: aber da hatte es sich hoch und theuer versetzt, in einer kirche sehe es niemand mehr. Gotthelf werke 20, 12 (1857). in besonderer anwendung, veranschlagen, anrechnen: hörte, wie mein herr uns das welde versetzen. Spittendorff 346, 1; zu protokoll geben: versetzen, 'im gericht, von mund aus in die feder wechselweise seine nothdurfft vorbringen. wenn die zeit nicht leidet, dasz es in der audientz-stube geschehe, wird es in einem neben-gemach, so hiezu verordnet, und die versetz-stube heiszet, verrichtet, und von einem actuario nachgeschrieben'. Jablonski allgem. lex. 814ᵇ (1721). sein herz auf etwas versetzen, seine hoffnung, sein vertrauen auf etwas setzen:
zwar jener, dessen muht,
voll stoltz, spot, schand und wuht,
des höchsten wort und völcklein zugleich hasset,
sein stoltzes hertz, aus alber wühterey,
auff seine macht, raht, heer und reutterey
kriegszug und zeug versetzet und verlasset.
Weckherlin ged. 81 (1648).
11)
etwas von dem ihm zukommenden platz an einen andern setzen, wohin es nicht gehört; ebenso vom erstmaligen setzen, wenn etwas an den falschen ort, an einen ungeeigneten, schädlichen ort gesetzt wird: versetzen, nicht an rechten ort setzen; versetzt, o. an einen unrechten ort gesetzt. Hulsius dict. 355ᵇ (1616); einen stein, marckstein versetzen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵃ (1702); ein buch ist versetzt, 'wenn es an einen falschen ort gestellet ist.' Adelung; ein schiff versetzen, es in höchster gefahr auflaufen, stranden lassen. Eggers kriegslex. 2, 903; ein glied versetzt sich (oder wird versetzt), wenn es aus seiner rechten lage kommt. Campe; in gleichem sinn: zimmerung, mauerung (im bergwerk) versetzt sich oder versetzt. Veith bergwb. 537; frei in ähnlicher vorstellung: es ist immer schlimm, wenn die frauenzimmer nicht heirathen, oder keine kinder bekommen, denn auf zärtlichkeit sind denn doch nun einmal die armen dinger durchaus gestellt, und die versetzt sich ihnen dann leicht (verrückt sich in verkehrter richtung), dasz sie entweder langweilige, empfindsame bücher schreiben, oder mit papageien und schooszhunden quängeln. Immermann Münchhausen 1, 129 (1841); oder liegt hier die vorstellung des gesperrtseins, des gehinderten hervorkommens zu grunde? dann gehörte die stelle unter 3. auf das ganze bezogen statt des theiles: hê hed sîn ûr versettd, verstellt, so dasz sie falsch geht. refl.: de klok versettede sük um fîf minüten. ten Doornkaat Koolman ostfries. wb. 4, 463ᵃ; den slag versetten, aus dem tact kommen. Frommanns zeitschr. 2, 421, 53; im versetzten ton singen für wehklagen:
den singens im verseczten thon,
die piter armuet sie vexirt.
H. Sachs fabeln u. schwänke 1, 170, 48 neudruck;
worte versetzen im heiligen text: da er alle sonn- und festtagsepisteln in reime bringt, ohne ein wort vom grundtexte zu ändern, oder zu versetzen. Rabener sat. 3, 20 (1764); der setzer versetzt einen buchstaben, eine silbe, ein wort, setzt sie an falsche stelle (setzen hier also nicht im technischen, sondern im allgemeinen sinne genommen, vgl. unten 20, a); buchstaben, silben, worte im rätselspiel versetzen, sie an ihnen nicht zukommende stellen setzen. bei einer mehrheit gleichartiger objecte heiszt versetzen die plätze tauschen lassen; im allgemeinen ist in der neueren sprache die neigung vorhanden, die bedeutung abzuschwächen, so dasz die vorstellung eines zugewiesenen falschen oder schlechten platzes, einer ungehörigen lage zurücktritt oder ganz verschwindet. dieser neigung gegenüber sind folgende beispiele, in denen ein bestimmt ungünstiger inhalt im verbum liegt, beachtenswert: (wie der pabst auch) das priesterthum, unter dem namen christliches priesterthums, versetzt ... hat. Luther 2, 44ᵇ; hier also im sinne von verkehren; ebenso in folgender stelle:
die zunge braucht gesandten-recht, wil stets seyn unverletzt;
wiewol, was hertz jhr mite gab, sie manchmal sehr versetzt.
Logau 3, 45, 37.
vgl. auch: wie überhaupt die vernunft den verstand ... wie ein gott einen endlichen, mit licht betäubt und niederschlägt und gewaltthätig versetzt. J. Paul vorschule d. ästhetik 1, 175. versetzen wird zu 'bei seite setzen', kann dann also die bedeutung von vernachlässigen, aufgeben, einbüszen, verlieren (dabei wirkt die bedeutung 'zum pfand setzen' ein, s. unten 16) annehmen: abiuratio, geglobet (l. gelobet) ding virseczen. Diefenbach gloss. 3ᵇ (gelobte dinge, nicht halten, nicht ausführen.); (man soll) Christis minne nit fursezze. zeitschr. f. d. alt. 16, 232, 11; hatt sanctus Petrus sich in den tod geben durch den stammen des creutz. Paulus durch das schwert. Bartholomeus hatt darumb versetzt sein haut. Geiler von Keisersberg schiff der penitenz 2ᵇ (1512);
(ein krieges-hund spricht:)
kan die schlauen bauern suchen
wann sie sich ins holtz verkruchen,
wann sie nach den pferden kummen,
die mein herr hat wo genummen,
kan ich sie von dannen hetzen,
dasz sie hut und schuh versetzen.
Logau 1, 155, 65;
dieser, dieser hat verdient, dasz man jhn mit hunden hetze
zu dem grossen thore zu, bisz er gut und blut versetze.
1, 180, 61;
Flora hat zwar wol die blüt jhrer jungferschafft versetzet.
3, 49, 60;
dasz man trew und schwur versetzet.
227, 50;
viel lieber will ich gar versetzen mein verlangen.
Rachel sat. ged. 101 (der poet).
das zur seite setzen kann ein nicht achten aus milde sein, so kann versetzen heiszen 'übersehen, verzeihen': ich bit dich her, dʒ du versetzest die sünd deines knechtes. Erasmus laus stult. übers. von Franck 67ᵇ. auf personen bezogen, verschlagen (vom seemann): sunder de wint vorsette ene myt der vlote. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 443ᵇ; schwed. försättas af vinden, vom wind vertrieben, verschlagen werden; in freier und prägnanter anwendung:
wie meiner tochter ist miszlungen,
die nun ist ellendt und versetzt (in üble lage gebracht).
H. Sachs 14, 218, 23 Keller-Götze.
12)
der übergang zu der neutralen bedeutung 'von einer stelle an die andere setzen' bringt nicht überall eine scharfe scheidung gegenüber der unter 11 behandelten grundbedeutung; die neue lage kann eine verbesserte sein, aber auch eine schlechtere, der zusammenhang bestimmt das nähere; bei mehreren gleichartigen objecten kann versetzen ein vertauschen der plätze bezeichnen. buchstaben, worte versetzen; von hier aus geht das wort zum allgemeinen sinn von vertauschen über, s. unten 17; wenn wir sagen: der strom versetzt sich, denken wir vor allem daran, dasz er sich nun in einer anderen bahn befindet, nicht so daran, dasz er in der ersten bahn eine stauung gefunden hat (berührung mit der bedeutung 3); ebenso ist es bei der kurs ist versetzt. versetzen, von einem ort an das ander setzen. Maaler 431ᵃ; das haus versetzen, domum sua sede moliri. Steinbach 2, 359; die buchstaben versetzen, literas transponere. ebenda; die stühle versetzen, sie anders setzen; die wörter einer rede, die silben, die buchstaben eines wortes versetzen. Campe; bergmännisch: verwerfung, die das flötz ins liegende versetzt. Veith bergwb. 537; seemännisch: den anker versetzen, ihn lichten, um ihm eine bessere stelle zu geben. Bobrik naut. wb. 40ᵇ. ein kraut fortsetzen, versetzen. Henisch 1183, 18; einen baum, eine pflantze, blumenzwibeln versetzen. Kramer deutschital. dict. 2, 786ᵃ (1702); vgl. über das dabei zu beachtende Jablonski allgem. lex. 814ᵇ (1721). öcon. lex. 2996 (1744). Jacobsson techn. wb. 4, 528ᵇ; Adelung scheidet verpflanzen, das sich auf junge pflanzen beziehe, die man mit der wurzel ausziehe und an andern stellen einsenke, von versetzen; letzteres brauche man von groszen gewächsen, die mit beschnittenen, von erde umgebenen wurzeln einen anderen ort erhalten. die anwendung des wortes in diesem sinne gehört dem nhd. an; es erscheint im eigentlichen und übertragenen gebrauch: das er wolte das priesterthum Christi von jm nemen, und auff sich selbs legen und versetzen. Luther 2, 36ᵇ; das priesterthum Christi sey auff S. Peter versetzt. 1, 128ᵇ; (Christus) versetzet und wandelt die wort also, das er beide in einander menget und schleusst, den vater und sich. 7, 82ᵇ; er wonet ym hymel, der ubir alle ding hirschet, und er allein ist der die kunigreich vorsetzt, hyn und her wirfft. an den adel 73 neudruck; er versetzt berge. Hiob 9, 5; ein fels wird von seinem ort versetzt. 14, 18; saget zu diesem maulberbawm, reis dich aus, und versetze dich ins meer. Luc. 17, 6; und hette allen glauben, also, das ich berge versetzte. 1 Cor. 13, 2; gleich wie eine pflantze versetzt. vorrede zu Daniel; (pflanzen) zu versetzen. Fischart Garg. 290 neudr.; als er wegen des wollgelegenen lustigen ortes den königlichen sitz von Caszwin hieher versetzet. Olearius pers. reisebeschr. 5, 6 (291ᵃ); (ein genie) das, sage ich, um das höchste genie im kleinen nachzuahmen, die theile der gegenwärtigen welt versetzet, vertauscht, verringert, vermehret, um sich ein eigenes ganze daraus zu machen. Lessing³ 9, 325; durch Hessen in die ligistischen länder einzudringen und dahin den krieg zu versetzen. Schiller 8, 122;
darum woͤln wir uͦns nicht entsetzen,
soͤlt œr die ærd' yrs orts versetzen.
Melissus psalmen 178 neudruck;
der zweig so dich, o löw' ergetzt,
den Venus in dein land versetzt.
Opitz 1, 84 (1690).
redensart: so lange sie ihren witbenstuhl nit versetzen wird, so lange sie nicht wieder heiratet. beleg bei Diefenbach-Wülcker 567. freier, in einen zustand versetzen: der steile abhang versetzt die kugel in rasche bewegung u. ä.; die ganze natur aus der wildesten erschütterung in diese allgemeine ruhe zu versetzen. Wieland Lucian 5, 269; auffallend: dadurch aber die einbildungskraft des traums wieder ins spiel versetzt werden musz (veranlaszt wird zu spielen). Kant 10, 199. im älteren nhd. wird versetzen mit nachahmung des lat. transferre im sinne von übersetzen gebraucht: habe ich mich unterwunden hiesige Trojanerinnen in unsere sprache zu versetzen. Opitz 1, 205 (1690); hochdeutsch versetzet durch Martinum Opitium. 3, 226; (eine disputation) welche wol werth were, dasz sie in teutsch sprach versetzt ... würde. Schuppius schriften 73; aus dem welschen und lateinischen wol und gut ins teutsche versetzt. Hohberg adeliches landleben 1, 61ᵃ.
13)
auf personen bezogen; im eigentlichsten sinne einen wunderbaren momentanen vorgang bezeichnend: die göttin entrisz ihn den feinden und versetzte ihn an eine andre stelle des schlachtfeldes;
genug, ich wünschte mich zuletzt
so wie ich bin zu euch versetzt.
Wieland 18, 213 (Pervonte, am schlusz);
geistlich: welcher uns errettet hat von der oberkeit der finsternis, und hat uns versetzt in das reich seines lieben sohnes. Col. 1, 13; von welchen sie rühmen, dasz sie sehr gelehrte und weise leute gewesen, und zu den engeln versetzet worden seyn. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 2, 90 (1719); merck hie, Christus ist in uns, und nit auszer uns, ... das wir von Adam, in ihn versetzt, aller ding seinem bild ehnlich werden. Franck paradoxa 147ᵇ (1558); unter die zahl der heiligen versetzen. Adelung; in allgemeiner anwendung dem sich erweiternden sinne von setzen folgend diese insul, in welche mich der liebe gott gantz wunder barlicher weise versetzet. Grimmelshausen Simpl. 2, 260, 25 Kurz;
indesz war unbefangen
und unverletzt
sein maulthier mitten
durch würm und schlangen
hindurch geschritten,
und hatt' in eine offne au
ihn schon versetzt.
Wieland 18, 314 (des maulthiers zaum I).
ich konnte nicht vermuthen, dasz mich das geschick in diese ferne provinz versetzen würde. häufig in neuerer sprache von personen, denen zur ausübung einer thätigkeit, eines amtes, eines berufs ein anderer ort, ein anderer wirkungskreis zugewiesen wird. die amtleute versetzen, sie auf andere ämter setzen; die hofbedienten versetzen, ihnen andere stellen geben. Adelung; er wurde als hauptmann an (jetzt in) ein anderes regiment versetzt. Campe; en as versât giên, il a été changé de place. Gangler lex. d. luxemb. umgangssprache 469; er ist in seine frühere garnison zurück versetzt. ohne nähere angabe: ich musz darauf rechnen bald versetzt zu werden. im gebrauch der schule, nach ablauf der klassenzeit einer höheren klasse zutheilen: versetzen, in schulen in eine höhere klasse setzen. Frisch 2, 270ᶜ. Brendicke Berliner wortschatz 189ᵃ; oft prägnant: er ist wieder nicht versetzt worden und musz nun abgehen. in höhere schulen: ausz den gemeinen stadtschulen, welche man fleissig besuchen sol, werden die so in den klassen sitzen, stuffenweise in die höhern (fürsten)schulen versetzet. Comenius sprachenthür übers. von Docemius 737 (1657). in eine lage, zustand, stimmung, laune u. s. w. versetzen; eine weibliche person in andere umstände versetzen, sie schwängern. Campe; das versetzt mich in die nothwendigkeit, es dir abzuschlagen; jemanden in das gröszte elend, in einen blühenden wohlstand versetzen; in schrecken, in freude, in furcht versetzen. Adelung; er suchte sich vielleicht dadurch in solche glücksumstände zu versetzen, worinn er seiner neigung mit mehr bequemlichkeit genugthun könne. Lessing³ 4, 59; (er) versetzte seine familie in wohlstand. Klinger 3, 277; hier wirfst du einen schatz weg, der uns auf einmal in überflusz versetzen könnte. 5, 224; sich in wonne verloren dicht an dem balken- und lattengerippe in einen paradiesischen zustand versetzt fühlen. Göthe Wilhelm Meisters lehrjahre 1, 15 (21, 86 Weim. ausg.); in welchen seligen zustand versetzt uns die treue! 4, 2 (22, 18); er fühlte sich in die behaglichste empfindung versetzt. 4, 7 (22, 47); der mensch kann in keine gefährlichere lage versetzt werden. 5, 1 (22, 139); wir wollen uns bald in einen beneidenswerthen zustand versetzen. 5, 2 (22, 146); diesz versetzte mich in die heiterste stimmung. ital. reise I, 14. sept. (30, 45); (dasz mich) bei tage das gleichgültigste in einen excentrischen zustand versetzte. tag- und jahreshefte 1801 (35, 105); von gänzlicher erschöpfung, in der er sich durch ununterbrochene höchst wichtige, aber auch höchst gefährliche arbeit versetzt gesehen. 1805 (35, 224); man müsse sich in einen naturzustand zu versetzen suchen. dichtung und wahrheit 4, 18 (29, 94);
du freust dich so, dasz dich's in schweisz versetzt.
Faust II. kaiserl. Pfatz (15, 1, 67).
seltener versetzen aus: ihre anreden, ihr betragen versetzten ihn bald aus jeder ungewiszheit. Wilhelm Meisters wanderjahre 1, 11 (24, 210). veränderte gestalt: die miszgestalt ..., in welche sie durch ihre schwangerschaft versetzt war. Göthe Wilhelm Meisters lehrjahre 4, 1 (22, 4 Weim. ausg.); in kühnerer wendung, sodasz versetzen den sinn von verwandeln annimmt: die Daphne ist in ein lorberbaum, der knabe Celmus in demant, die Venus in fisch verändert und versetzet worden. Schuppius schriften 540. sehr oft handelt es sich um ein versetzen in der vorstellung, so wird besonders sich versetzen gebraucht: es wird mühe kosten sich in diese begriffe zu versetzen. Adelung; sich in gedanken wohin versetzen, sich in andre zeiten, in die lage eines andern versetzen; dabei entwickelt sich oft die vorstellung, dasz mit dem versetzen eine veränderte betraehtungsweise, eine anpassung an fremde verhältnisse, ein durch das versetzen bedingtes verstehen verbunden ist: sich aus dem gesichtspunkte des erzehlers in den wahren standort einer jeden person versetzen zu können. Lessing³ 9, 185; dasz wir oft im traume in die längst vergangne zeit versetzt werden. Kant 10, 200; meine lebhafte einbildungskraft versetzte mich an's bett dieser armen. Göthe die leiden des jungen Werther 2, 26. oct. (19, 126 Weim. ausg.); viele bedeutende büsten versetzen mich in die alten herrlichen zeiten. italien. reise 1, 8. oct. (30, 134); in eine frühere zeit ... durch Blumauers Aeneis versetzt. tag- und jahreshefte 1820 (36, 176). versetzen aus: die seelen versezen sich aus dem staubigten kerker, und treffen sich im paradiese der liebe. Schiller räuber 4, 4 schauspiel;
das seltne festliche gewand der schönen
versetzt mich aus mir selbst in fremdes land.
Göthe Torquato Tasso 1, 4 (10, 135 Weim. ausg.).
14)
sich versetzen in eigenthümlicher anwendung (zu sich setzen in beziehung gestellt), sich an eine andere stelle setzen: setzen sich nider, bald wider auff, und versetzen sich dreymal. Franck weltbuch 154ᵃ (1542).
15)
versetzen, auf der landkarte verrücken: der berg ist auf dieser karte um einen grad nach osten versetzt; von bloszem hinsetzen: leut, wie Megasten, Solin, Franck und Munster inn ihren cosmographien gegen Morenland und Affrich versetzen. Fischart Garg. 17 neudruck.
16)
in älterer und neuerer sprache reich entwickelt ist der gebrauch von versetzen im sinne von: zum pfand setzen, hingeben als unterpfand für eine schuld oder andere verpflichtung; zu grunde liegt dabei die vorstellung: etwas so setzen, dasz es festliegt, unbeweglich ist (vgl. oben unter 6); andere anwendungen im sinne eines rechtlichen festlegens sind oben unter 9 und 10 behandelt; die vorstellung ist aber bald verblaszt (vgl. z. b. unten den beleg aus Spittendorff: versetzen auf); eine andere vorstellung liegt bei mhd. vürsaz, pfand, unterpfand, pfandsetzung zu grunde (das vorgesetzte); wird versetzen auf personen bezogen, so kann nach älterem rechtsbrauch natürlich auch ein eigener oder unterthan mit seinen pflichten in versatz gegeben werden, auszerdem kann es stellung von bürgen bezeichnen; diese anwendung tritt in neuerer sprache mehr und mehr zurück. vgl. zum gebrauch der älteren sprache mhd. wb. 2, 2, 355ᵇ. Lexer mhd. handwb. 3, 226. Haltaus 1891. Scherz-Oberlin 2, 1774. Diefenbach-Wülcker 567; impignorare, versetzen, vorsetten. Diefenbach gloss. 289ᵃ; obpignorare, vor-, verseczen 388ᶜ. mit persönlichem object: der den andern versetzet ze purgen. beleg im mhd. wb. a. a. o.; ouch globin wir Godefret und Lucart alle unser burgen (bürgen), die wir versast han zu loszen. beleg bei Diefenbach-Wülcker a. a. o.; dasz keiner der unsern hauptleuten oder vogt ..., unsere bürgere versetzen noch verpflichten an ain pfande. beleg bei Haltaus a. a. o.; we eyghen is edder vor gerichte vorsettet is. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 444ᵃ; wenn jemand funden wird, der aus seinen brüdern eine seele stilet aus den kindern Israel, und versetzt oder verkeufft sie. 5 Mos. 24, 7; so soltu (die gefangene) auslassen, wo sie hin wil, und nicht umb gelt verkeuffen noch versetzen. 21, 14; vergisz nicht der wolthat deines bürgen, denn er hat sich selbs fur dich versetzt. Sir. 29, 20; der leute versetzt, sol glauben halten. B. Ringwaldt lautere wahrheit 45 (1597); schewest dich nicht, wenn desz auffborgens zu viel, dein weib und kinder zu versetzen. Meyfart himml. Jerusalem 2, 218 (1630); freier:
(ich rathe, dasz wir)
lîbir menlich strîtin,
wen daʒ wir uns vorsetzin (als bürgen in gefangenschaft geben).
Nicolaus v. Jeroschin 9063.
wenn in Berlin einen versetzen gebraucht wird im sinne von: einen kalt stellen, irgendwo sitzen lassen (der richtige Berliner 88ᵃ. Brendicke Berliner wortschatz 189ᵃ), so ist das eine neue übertragung von versetzen, ins pfandhaus tragen. auf güter, unbewegliche und bewegliche, bezogen: zuͦ pfand versetzen, oder zuͦ pfand gäben. Maaler 431ᵃ; einen acker versetzen, zum underpfandt geben. Hulsius dict. 355ᵇ (1616); seine kleider, bücher, ringe, kleinodien wegen geldmangel versetzen müssen; er hat seine kleider bey den juden versetzt. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵃ ᵇ (1702); eine perle versetzen die reisekosten zu haben. Steinbach 2, 360; seine uhr, seine kleider, ein goldstück bey jemanden versetzen, geld darauf borgen; es ist für zehn thaler versetzt. versetzte sachen einlösen. Adelung; er bemerkt, dasz es besonders von beweglichen dingen, und 'im gemeinen leben' für das edlere verpfänden gebraucht werde. — versetzen hat sich allmählich eingeschränkt auf das hingeben von gegenständen an den pfandleiher, der geld dafür leiht; daher ist es in neuerer sprache für das verpfänden liegender güter (im hypothekenverkehr) nicht mehr gebräuchlich; zugleich hat es durch das bezeichnete geschäft einen schlechten klang bekommen und wird daher nur selten in edlerem sinne wie verpfänden gebraucht, während die ältere sprache versetzen so anwendet; zum gebrauche der mundarten vgl. brem. wb. nachtr. 302. Dähnert plattd. wb. 526ᵇ. Bauer-Collitz waldeck. wb. 31ᵃ. ten Doornkaat Koolman ostfries. wb. 1, 463ᵃ. Hönig wb. d. köln. mundart 164ᵇ. Hügel Wiener dialect 181ᵇ. Tobler Appenzeller sprachschatz 188ᵇ. verkoft sie (die fahrende habe) die, die sie in geweren hevet, oder versat he sie, oder verspelet he sie. Sachsensp. 2, 60, 1; verdobelet en knecht sines herren gut, oder versat he't. 3, 6, 1; dat slot G. dat ewich vorsettet was. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 444ᵃ; ich wil daʒ guot versetzen: es kumet noch der tac daʒ ich eʒ lîhte lœse. Berthold v. Regensburg 1, 437, 37; daʒ sol er zehant versezen, ob er mac; und mac er sîn niht versezen, sô sol erʒ verkoufen mit geziugen. Schwabensp. 252, 5 Gengler; keyn man mag versetzen gut vor scholt dorumme her beclayt wirt, das in deme gerichte nicht enlyt, dorynne her beklayt ist. kulm. recht 3, 101; machet eyne vrouwe schulde ane eres mannes wissen, unde vorsetze dovor ere gewant adir varnde habe. 3, 153; erbe tzu vorkummern und tzu vorsetzen. 4, 88; versetzen noch verseren. Scherz-Oberlin 2, 1773; verkouffen, versetzen noch verwechseln. Grimm weisth. 1, 30; wer häuser, äcker oder ander grünt verkaufen, versetzen oder hinlassen wolte. tirol. weisth. 1, 149, 14; und sol daʒ gut, die weil er lebt, weder verkouft, noch versezt sein, noch verlan werden. 3, 351, 47; chain frau hat nicht gewalt ân irs mans willen weder ze versetzen, noch ze versprechen, denn umb drei kreutzer. 4, 1, 261, 29; irs guts nicht versetzen, verspilen. 425, 25; dieselben pantzer weder czu verkauffen noch verseczen. d. städtechron. 2, 20, anm. 2; darnach fuͦr er wider gen Auspurg und versatzt ain haus gen zwain purgern. 4, 47, 7; umb das vorsetzen der gutter uff ander leute. Spittendorff 333; das im nit einer den zeug hintrage oder versetz. Tucher baumeisterb. 42, 9; ze verzseczen und ze verkauffen ire gelegne güter. Steinhöwel decameron 66, 18; hebt er nw an solche seine hendel, zuvorsetzenn unnd vorkauffenn. Luther an den adel 29 neudruck; lasst uns unsere ecker, weinberge, und heuser versetzen. Nehem. 5, 3; herzog Steffan versetzet seinem hofmaister Warmund Penzenauer Ratenburg im pirg. Aventinus bayer. chron. 2, 529, 13; kam oft darzu, das er kunst und kunst laden versatzt, domit er gelt zum schlam uberkeme. Wickram rollwagenbüchlein 169, 3 Kurz; procuratoren die jr guͦt für ander leut versetzen. Fischart aller practik groszmutter 9 neudruck; den 10 sept. muszte ich wieder ein hutband versetzen, darauf ward geliehen 26 thlr. .. den 16. sept. einen gürtel mit demanten und rubinen versetzt vor 50 thlr., war 80 thlr. werth. Schweinichen 220 Österley; derwegen auch apt Herman, der sunst kostfrey war, etliche güter versetzen muͦszt. Stumpf schweiz. chron. 371ᵇ (1606); wir haben nichts zu verkauffen, nichts zu versetzen. A. Gryphius Horribilicribrifax 14 neudruck; ich will ihn weise machen, die bachwisse sey noch nicht versetzt. beleg aus dem 17. jh. bei Crecelius oberhess. wb. 877; ein stück landes nach dem andern versetzen. Sperling Nicodemus quaerens et Jesus respondens 2, 301 (1719); das saubere grüne tüchel, so mir meine schwester zu versetzen gelehnet, nebst 2. andern für 1 rthir. noch vor meinem ende wieder einzulösen. Günther 999; aber warum versetzt denn der major? er hat ja einen ring versetzt. Lessing³ 2, 214 (Minna von Barnhelm 3, 5); hier stand die figur (des Amor) als ein heiliger engel, mit dem beysatze eingetragen, dasz er bey der ersten besitzerin des hauses versetzt worden, und ihr für aufgelaufene zinsen verfallen sey. Thümmel reise 3, 66 (1794);
al soltich mîn nûwe swert
dar umbe versetzen.
zeitschr. f. d. alterth. 1, 27;
ein ieglich hantwerkære
jach, daʒ versezt wære
sîn wercgeziuge alleʒ samt.
Ottokar reimchron. 66164;
man gicht ainer hab erslunden
beckelhub und slappen dran
ob erʒ umb win versetzen kan.
lieders. 3, 327, 30;
darümb versetzen sie pürg und lant.
fastn. sp. 2, 646, 28;
on was jr duͤckisch sunst verspielt
und yeder inn seym hausz abstilt,
das er versetzet und verpfendt
mit buͤbin und andrem on end.
H. Sachs fastn. sp. 1, 49, 357 neudruck;
wie wol er aber kein gelt nit hett
wolt er ehe alles versetzenn ja versetzen.
Soltau volksl. 415;
das war für das Meklenburger land,
das ihm der kaiser versetzt als pfand.
Schiller Wallensteins lager 11;
manch jahr ist's her, seit mein letztes buch
versetzt für rothen wein ist.
Rückert ges. ged. 4, 76 (1837);
in freierer, bildlicher und übertragener anwendung: ist disz nicht blindheit, dasz ehe man sich etwas drücken und bücken wolte, man lieber gott und himmel vor eine hand voll eitelkeit versetzen und verkauffen darff. Weise erzn. 51 neudruck; besonders zur bekräftigung eines versprechens, der gesinnung der treue u. ä.:
herzeminne ist des erkant,
daʒ herze ist rehter minne ein pfant,
alsô versetzet unde verselt.
Wolfram v. Eschenbach Parz. 365, 5;
mîne triwe ich han versetzet
gein im ûf kampf ze rîten.
614, 22;
ich hân versetzet,
daʒ mich vröuden letzet,
sinne, herze unt dâ bî muot ze pfande.
minnes, 2, 133ᵇ Hagen;
des wil ich dir
versetzen mîne wârheit.
passional 407, 53 Köpke;
ich versetz euch mein leib und blut,
so wol mein ritterliche handt
mit sampt der seel zu einem pfandt,
das ich wil all mein lebenstag
eurm befelch steht kommen nach.
Ayrer 3, 1622, 28 Keller;
das pfand ist eine person:
dem fürsten ward das pfand der treu hierauf versetzt (der sohn hingegeben).
A. Gryphius 1, 442 (1698).
mit leichtem übergang, einsetzen um zu gewinnen, wagen, daran setzen:
sie holen über meer
aus einer andern welt der laster werckzeug her,
versetzen ihren halsz den wellen selbst zum pfande.
Opitz 1, 54 (1690);
freier gewendet: zwar bekomme ich durch diese unternehmung kein lorbeer blättchen mehr als ich versetzte. Leisewitz Julius von Tarent 24 neudruck.
17)
der älteren sprache gehört versetzen im sinne von vertauschen an; die zu grunde liegende anschauung ist klar; etwas wird an die stelle eines andern gesetzt (vgl. oben 12); auch die neuere sprache hat etwas ähnliches, wenn versetzen sich auf gleichartige objecte bezieht, die nur ihren platz wechseln (buchstaben versetzen). schlechte sorten gegen bessere versetzen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵃ (1702); Adelung verwirft diesen gebrauch für das 'hochdeutsche'; man versetzet den alten hahn mit einem newen. Rollenhagen indian. reisen 141. das tauschen wird zum ersetzen, vergüten: were ok der schedelute welk dod, den mochte men versetten mit enem bederven manne. beleg bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 444ᵃ; got vorszette iuwelkem synen scaden. brem. wb. nachtr. 302;
ich hân gezorner mich
mit unrechte ûfe dich.
daʒ wil ich dir versetzen wal
mit geben als ich von rehte sal.
Berthold v. Holle Crane 393.
18)
erst im nhd. entwickelt sich der gebrauch von versetzen im sinne von antworten, in die rede eines anderen eingreifen: aber wie, versetzte er könte dieses seyn? Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵇ; Kramer bemerkt, man brauche so nur den indic. imperf.; er versetzte, respondebat; ich habe darauf versetzt, respondi ad hoc. Steinbach 2, 360; versetzen 'haben einige für beantworten oder wieder antworten aufgebracht'. ja! versetzte er, 'ist meistens nur im imperf. in 3. person. singul. gebräuchlich'. Frisch 2, 270ᶜ; 'eigentlich auf die rede des anderen folgen lassen, derselben entgegen setzen'. als er ausgeredet hatte, versetzte ich ganz gelassen, er sey nicht im stande, darüber zu urtheilen. Adelung; er wendet sich gegen die ansicht, dasz versetzen eigentlich bedeute, eine empfindliche, beiszende antwort ertheilen; der sprachgebrauch wisse davon nichts und verwende versetzen völlig gleichbedeutend mit antworten. Campe dagegen theilt diese ansicht: 'eine abfertigende, völlig niederschlagende antwort von sich geben' und scheidet es der bedeutung nach von antworten und erwiedern. — dieser ansicht liegt eine richtige empfindung zu grunde, wenn auch aus dem zur verfügung stehenden belegmaterial nicht nachzuweisen ist, wie die in dem angegebenen sinne schärfer bestimmte bedeutung sich zu der neutralen abgeschwächt hat. einem versetzen heiszt in älterer sprache parieren, hieb, stosz eines andern abwehren, vgl. oben unter 4; freiere entfaltung der bedeutung des abwehrens ist schon dort nachgewiesen. von hier aus ist übertragung auf die zurückgabe des worts, die als wehr, gegenschlag gedacht ist, leicht zu verstehen (eine sinnige, aber nicht wahrscheinliche deutung giebt Grimm gr. 3, 767); der gebrauch unterliegt gewissen einschränkungen, wenn auch nicht den von den älteren lexicographen angegebenen. die bedeutung musz immer durch den zusammenhang bestimmt werden, die vorstellung einer wirklichen mündlichen rede und gegenrede schon im satze gegeben sein; das wort deckt sich also auch im entwickelten neuhochd. nicht, wie Adelung meinte, mit antworten und erwidern; auf einen brief kann man antworten und etwas erwidern, aber nicht versetzen (doch s. unten die stelle aus J. Paul); gewöhnlich also wird versetzen nur bei der schilderung eines gesprächs gebraucht, gern auszerdem die inversion angewandt, gewöhnlich mit directer rede, seltener mit indirecter; vermieden wird angabe des inhalts der rede mit dasz (ich werde kommen, versetzte er; er versetzte, er würde kommen; er versetzte, dasz er kommen würde). der umstand, dasz versetzen, antworten auszerdem nicht gern ein object bei sich hat, spricht dafür, dasz es aus einem versetzen, parieren herzuleiten und nicht direct mit den wendungen einem eins, einen schlag, stosz versetzen in beziehung zu bringen ist; neben versetzen findet sich in gleicher anwendung widersetzen (vgl. lat. opponere). Sanders unter versetzen 8 (ein citat aus Neukirch ohne näheren nachweis). da sagte Abraham: ... gebührt sich dann nicht gottes nahmen zur essenszeit zu erheben, der uns speise und nahrung giebet? er versetzte: ich werde kein ander gebet vor die hand nehmen, als ich von meinem meister, der das feuer anbetete, gelernet habe (die antwort ist abweisend). pers. baumgarten 2, 2; nun dann, versetzte darauff der gesandte (zustimmend). 2, 14; lieber Agathon, versetzte Hippias. Wieland 3, 170 (Agathon 12, 10); was hast du hier zu suchen? was hast du hier zu fragen? versezte ich trozig. Schiller 4, 74; die baronesse unterrichtete ihn von allem was vorgefallen war. aufmerksam hörte er zu und versetzte sodann (directe rede). Göthe unterhaltungen deutscher ausgew. (18, 119 Weim. ausg.); (directe rede vorher) ich verlange nicht, dasz sie jemals billig gegen mich sein sollen, versetzte jener. (18, 121); (ebenso) die sache ist übrigens leicht, versetzte Eduard. wahlverw. 1, 11 (20, 128); ist das die sämmtliche gesellschaft? sagte der graf. es sind einige glieder abwesend, versetzte der kluge Melina. Wilhelm Meisters lehrj. 3, 1 (21, 241); Philine schlich über den groszen saal herbei, lehnte sich auf den freund, und verspottete sein ernsthaftes ansehen. lache nur nicht, versetzte er. 4, 1 (22, 3); (unterbrechung durch einen zwischensatz; directe rede vorher) Mignon drückte sich immer fester an ihn. nun gut, versetzte einer aus der gesellschaft. 4, 2 (22, 19); wer hat ihnen das gesagt? — der thurm selbst, versetzte ich. dichtung und wahrheit 3, 11 (28, 82); ich bat ihn herzlich, er möge doch mir gegenüber diese häszliche hülle aufgeben und der fürst seyn. er versetzte, es gehe nicht an. Immermann Münchhausen 2, 19 (1841);
ach kennt' ich, so wie ihr, doch keine lüsternheit;
so hätt ich diesen tod nicht Julien zu danken!
wie? Julien? o schweigt! versetzt der mönch dem kranken.
Hagedorn 2, 96 (1771);
was wird wohl unser ende seyn?
fragt Isegrimm den fuchs: mein vater ward gehangen.
und meiner starb an gliederpein,
ihn hatten bauern grob empfangen,
versetzt der hühnerdieb.
2, 138;
(directe rede vorher):
von herzen gern, versetzt, indem er sie umarmt,
Pervont mit nassem blick.
Wieland 18, 210 (Pervonte 3);
(ebenso):
mein bester herr, versetzt der felsenmann.
22, 44 (Oberon 1, 71);
gehorsam ist die erste pflicht,
die ihn des schmuckes würdig zeiget.
und diese pflicht, mein sohn, versetzt
der meister, hast du frech verletzt.
Schiller 11, 274 (der kampf mit dem drachen);
saget uns, was ihr gesehn; denn das begehrt' ich zu wissen.
schwerlich, versetzte darauf der apotheker mit nachdruck,
werd' ich so bald mich freun nach dem, was ich alles erfahren.
Göthe Hermann u. Dorothea 1, 102 (50, 193 Weim. ausg.).
freier: der bote aus Milet hat gesprochen,
und nimmt aus einem schwarzen becken
noch blutig, zu der beiden schrecken,
ein wohlbekanntes haupt hervor.
der könig tritt zurück mit grauen:
doch warn' ich dich, dem glück zu trauen,
versetzt er mit besorgtem blick (er beantwortet eine nicht ausgesprochene frage des Polykrates).
Schiller 11, 231.
kühn in folgender stelle, die worte sind hier reaction auf ein ereignis:
als aus Pandora's jammerbüchse
das weh auf unsre kugel lief,
versezten ein'ge schlaue füchse:
du gabst was nur die büchs' begriff,
so gib uns lieber auch — die büchse.
1, 340.
ganz ungewöhnlich von schriftlicher antwort auf einen brief: ich will jetzt auf einige stellen deines briefes etwas versetzen. J. Paul palingen. 1 vorr. xvi.
19)
eine ältere deutung der im nhd. häufigen wendung einem eins versetzen ist oben unter 2 angeführt; das nächstliegende ist, bei dem älteren gebrauch anzuknüpfen, der das wort in beziehung zu hieb und gegenhieb zeigt, also bei versetzen im sinne von parieren; dabei ist freilich eine sinnesveränderung anzunehmen; dort ist der hieb des gegners oder die waffe des gegners das object (abgesehen von oben angeführten ausnahmen), hier wäre der hieb des sich wehrenden zum object gemacht und dann die vorstellung, dasz es sich um eine vertheidigung handele, aufgegeben: aus dem belegmaterial ist dieser übergang allerdings nicht nachzuweisen. eine andere möglichkeit ist, dasz versetzen hier soviel heiszt als etwas 'hinsetzen, sodasz es fest eingefügt sitzt', dasz also von der unter 6 ff. behandelten bedeutung auszugehen ist. einem eins versetzen, ferire et decipere aliquem. Stieler 2041; einem einen streich, einen hieb, ohrfeige versetzen; einem eins versetzen, dasz er gnug hat; einem eine schmarre (vgl. unten Schiller) versetzen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵇ (1702): er hat ihm eins versetzt auch in weiterem sinne: egli gli hà fatto grave danno nel corpo ne' beni, ò nell' honore. ebenda; einem einen streich versetzen, percutere aliquem ense vel fuste. 'figürlich heiszt es, veteratorie deludere; illudere alicui'. Frisch 2, 270ᵇ; jemandem einen schlag, einen hieb, eine ohrfeige versetzen; ihm einen streich auf den rücken versetzen; jemandem eins versetzen, einen schlag, hieb oder stich. Adelung (keine übertragene anwendung); versett em eens, schlage auf ihn zu. Dähnert plattd. wb. 526ᵇ; vgl. Danneil wb. d. altmärk.-plattd. mundart 243ᵃ. Bauer-Collitz waldeck. wb. 31ᵃ. Brendicke berlin. wortschatz 189ᵃ. Crecelius oberhess. wb. 2, 877. dasz ich einen jeden, dem ich eins damit (dem streitkolben) versatzte, gar leicht tod schlug. Grimmeshausen Simpl. 2, 102, 30 Kurz; damit ihme nicht einer mit einem langen ohr-löffel etwas einmal ausz passion wann er zu viel widrig schriebe, eines versetzen möge. 1, 8 (1685); dasz er im dritten gange dem unbekanten eisenfresser eines in den arm versetzte. Weise erzn. 20 neudr.; dasz sie (die figur) einem nahen feinde einen hieb versetzen, nicht aber einen anrückenden von sich abhalten will. Lessing³ 10, 340; einen wohl abgepaszten stoosz aus allen kräften zu versetzen. 348; dasz sie ... den arm gerüstet aufhebt und gewaltig ausholt, um einem wackern eidgenossen im vorbeigehen eins zu versetzen. Göthe 40, 381 Weim. ausg.; lust ihrem nebenmenschen tückisch etwas zu versetzen. unterhaltungen deutscher ausgew. (18, 101). ihm mit dem schwerdte eins zu versezen. Tieck 5, 68; im bilde:
ich selber, wie du siehst, ich thu'
als fühlt' ich nichts, wenn er von hinten zu
mir eins versetzt.
Wieland 5, 247 (der verklagte Amor 3, 291);
hastig zog er sein schwert, ihm eins zu versetzen.
Göthe Reinecke fuchs 1, 109 (50, 8 Weim. ausg.);
holla! da wird der ries' ihm eins versetzen.
Tieck 1, 267.
ungewöhnlich, jemandem eine wunde versetzen (s. oben Kramer); wer mir izt ein schwerd in die hand gäb, dieser otterbrut eine brennende wunde zu versezen. Schiller räuber 1, 2 schauspiel; im bilde:
die königin von Spanien versezte
mir eine wunde.
Schiller don Karlos 2, 13.
kühn:
dasz das eherne geschosz
der rasch nachreitenden Achäer nicht
noch gar den tod versetzte seiner brust.
Bürger 162ᵇ (1835);
dasz der polype mir bald den garaus versetzen und sie mich nicht lange mehr haben werden. J. Paul unsichtb. loge 3, 41. die grundvorstellung wird auch bei der uneigentlichen anwendung meist festgehalten; eine wendung wie die folgende ist daher selten:
confiteor tibi pater et mater, dasz ich der otter,
dasz ich dem kater und manchen gar manche tücke versetzte.
Göthe Reinecke fuchs 3, 296 (50, 38 Weim. ausg.).
20)
einige besondere bedeutungen des einfachen verbums modificiert durch die partikelcomposition (z. b. durch setzen aufbrauchen, im setzen irren, das setzen verfehlen).
a)
der setzer in der druckerei versetzt einen vorrat von lettern, braucht ihn auf und musz innehalten, bis das gesetzte fertig gedruckt ist. Campe. er versetzt ein wort, eine silbe, wenn er sie in sich, für sich falsch setzt; anders oben 11 (setzt sie an falsche stelle). mag vielleycht ausz unsorgsame der tolmätschen Strabonis versaumpt, oder durch die trucker versetzt seyn. Stumpf schweiz. chron. 604ᵃ (1606); refl.: ein setzer versetzt sich zuweilen. Kramer deutsch-it. dict. 2, 786ᵃ (1702). s.setzen th. 10, 1, sp. 657 unten.
b)
nach setzen, gebären bei thieren (setzen th. 10, 1, sp. 673 unten): 'wenn ein thier bey dem setzen unglücklich ist, und ein todtes kalb setzet, oder dieses auch sonsten verunglücket, so heiszt es: das thier hat versetzet'. Heppe wohlred. jäger 311ᵇ (1763); beim wild vom gebären todter jungen. Behlen lex. d. forst- u. jagdkunde 6, 138; die häsinn hat versetzt. Adelung; nach Dähnert plattd. wb. 526ᵇ auch vom vieh.
Zitationshilfe
„versetzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/versetzen>, abgerufen am 16.10.2019.

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