Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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verwanden, v.

verwanden, v.,
zu wanden 2 (s. th. 13, 1646): das fletz ward baidenthalb verwandot ... mit teninen brittern v. Richental chronik d. Constanzer conzils 31; schwäb. v. 1655 bei Fischer 2, 1400. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1930), Bd. XII,I (1956), Sp. 2117, Z. 74.

verwinden1

¹verwinden,
st. v., ahd. firwintan Graff 1, 754; mhd. wb. 3, 681; Lexer 3, 309; nhd. Diefenbach 566ᶜ; 618ᵇ; Frisius 732ᵃ; 902ᵇ; Hulsius-Ravellus (1616) 361ᵃ; Stieler stammb. 2545; Steinbach 2, 1046; Adelung 4, 1180. mundartl. schweiz. id. 1, 905; 911; schwäb. Fischer 2, 1416; Anton Oberlausitz 14, 15; verwinge Hönig Kölner ma. 195ᵇ; Jecht Mansfelder ma. 179ᵃ.
1)
in neuerer zeit ungebräuchliche verwendungsarten.
a)
abwenden, wegwenden:
der selbo nîd inan firwant   rûmo in anderaz lant
Otfrid Hartman u. Werinb. 84;
gân wir fur einen foulen hunt,
wir verwinten die nase joch den munt:
alsô schulen wir uns alle
winten von der helle
hochzeit 534 Waag.
b)
umwinden, umwickeln: obvolvo Frisius;
ich nam ain nassen badschwam,
den ich uf mein schaittel pand,
mit dem schlayr ich in verwand
liederbuch d. Hätzlerin 307;
das köpffgen ist so schön verwunden und verhefft,
in gold und silberwerck sehr artig eingeschlefft
Rachel sat. ged. 126 ndr.
c)
in etwas einwickeln:
er hiez sie (die leichen) wirdeclîche
in guote phelle rîche
mit keiserlîchen sachen
verwinden und vermachen
Rudolf v. Ems Barlaam 400, 26 Pf.;
dann so verwand sie es (das ringlein) widerumb in ein schönes seidines tüchlin Wickram 2, 186 B.; mundartl. schweiz. id. 1, 911. bildlich: daz ist der kristengloube; dâ ist diu wârheit inne verwunden und verdecket als daz lieht in der laterne David v. Augsburg bei Pfeiffer mystiker 1, 364.
d)
die hände verwinden wie die hände winden: da sach man vil der röck zerreiszen, die händ verwinden Aymon v. Dordons süne (1535) c 5ᵃ; die augen, die hände, den mund, den gantzen leib verstellen, verträhen, verwinden, verziehen wie die ertznarren Moscherosch Philander (1650) 1, 433.
2)
noch in neuerer zeit belegt, aber wenig gebräuchlich.
a)
verschlingen, verwickeln, reflexiv: es verwand und verdrehte sich der zwirn Rosegger schr. 9, 8. häufiger das part. prät., schon ahd. ferwundene genge Graff 1, 754; dem stark verwundenen knoten Sulzer theorie d. schönen künste 3, 58; das bekannte rätselspiel einer verwundenen bandschnur Gutzkow zauberer v. Rom 2, 216.
b)
in etwas hineinwinden, verflechten, durchweg bildlich und übertragen:
swanne in sorgen sich verwindet
gar nach ir daz herze min
minnesinger 1, 203ᵇ v. d. Hagen;
sein herze sich in mich verwant
Suchenwirt 11, 179 Pr.;
wir muszten rund um sie sitzen
und in den goldenen klang der harfe die stimmen verwinden
Bodmer Noah (1752) 118.
3)
allgemein verbreitet ist nur die grundbedeutung überwinden: superare, vincere Diefenbach 566ᶜ; 618ᵇ; Hulsius-Ravellus (1616) 361ᵇ; Rädlein (1711) 954ᵃ; nach Andresen volksetymologie⁷ 375 anlehnung an verwinnen. doch treten auch hier die meisten verwendungsarten in neuerer zeit stark zurück.
a)
mit persönlichem object.
α)
im allgemeinen sinne; mhd.:
Jesu von Galilea,
du hast, du hast verwunden
mich in disen stunden
passional 161, 25 K.;
Paulus ist ein gut ratgeber, er siht wol, bistu bloz, so bistu schir vorwunden; er wil daz du tragest diz wapen, wanne du must stritin mit dinen vinden Schönbach altd. predigten 1, 6. in neuerer zeit vereinzelt:
denn wer einem gott will nahen,
musz den menschen erst verwinden
G. Keller ges. w. 10, 205;
verwind di
K. Stieler ged. 4, 8.
β)
im disput überwinden:
vur sime senate
verwant man sie in der vrist,
daz sie geloubeten ouch an Christ
väterbuch v. 38183 R.
des wil ich hy wesen bote
und wil dich Job des verwinden
und mit diser rede binden
Hiob v. 8969 K.;
wan dô di Juden alle gegen ime gesament wâren von vil landen und wolden mit ime disputieren von deme glouben, dô verwant her si alle Hermann v. Fritzlar bei Pfeiffer mystiker 1, 35.
γ)
vor gericht überführen: wer da mit valschen pfennigen begriffen wirt, di uf diz vribersch ysen geslagen sin, wirt he is verwunden, alse reht ist, man slet im abe di hant Freiberger stadtrecht 76; unde wer daz gelobet alda unde iz nicht leisten wolde deme, dem iz gelobt wurde, oder woldis im loiken, derselbe verwindet in wol der sache unde des gelubdes mit den ratluten, di daruber gewest sin 110.
b)
mit sächlichem object, mhd.:
ir muot was alse ein adamas,
den îsen niht verwinden kan
Ebernand v. Erfurt 3817;
wi gnade an dirre frouwen kan
mit geistlicher sture
verwinden die nature
unde ir mit fullen an gesigen
Elisabeth 8376 R.;
der bose ungeloube ist ouch iezu
verwunden ordentliche nu
10118 R.
eine not verwinden:
her sprach: liebe trut, mustestu nu geleben,
so hete ich virwunden al mine not
graf Rudolf Kᵇ 27;
nhd.: bis sie verwinden alle not Dedekind christl. ritter f 8ᵃ. einen zustand ertragen: kein mensch würde die einsamkeit verwinden und dulden, wenn er sich nicht die hoffnung einer künftigen gesellschaft oder einer jetzigen unsichtbaren machte Jean Paul 11/14, 466 Hempel. wendungen wie eine krankheit, ein leid, einen schmerz verwinden s. u. 4.
c)
öfter in dem sinn sich dem einflusz von etwas entziehen, etwas nicht nachgeben: J. H., ein alter rathsherr, konte das pabstthum nicht verwinden, bisz fast auf seine letzte stunde, das bekandte er mir kurtz vor seinem ende und sagte: ich bin nie recht auf euerer seite gewesen, denn ich bin im papstthum erzogen Herberger stoppelpostilla (1715) 1, 156ᵃ; unglücklicherweise waren die muster des Fontenelle und Pope in der schäferdichtung noch nicht verwunden Gervinus gesch. d. d. dichtung (1853) 4, 153. — ein gefühl verwinden, ihm nicht nachgeben: er konnte sein gelüsten offenbar noch nicht verwinden Storm w. (1899) 5, 241; es nicht merken lassen:
wo ist sie denn, dasz sie mit einem spruche
nach ihrer art nach meinem wohlbefinden
frag und sich mühe gebe, zu verwinden
die freud an ihres spröden gasts besuche
Rückert 1, 318.
im selben sinn tränen verwinden: der arme kleine kerl konnte die thränen nicht verwinden, die ich um meine mutter so gern geweint hätte Holtei erz. schr. 10, 10.
4)
am gewöhnlichsten etwas verwinden, etwas in seinen folgen überwinden, darüber hinwegkommen: resarcire, recuperare, reconcinnare Stieler stammb. 2545.
a)
sich von etwas erholen.
α)
von verletzung, krankheit, körperlichem schaden:
sin zan hat einen scharfen sliz,
iz (das lamm) beiz dem tode einen biz,
daz her iz nimmer vorwant
Brun v. Schonebeck 3124;
Henricus aber des königs bruder wardt hefftig verwundet an sinem arm, das er in einem gantzen jare kaum kunte verwinden B. Faber Saxonia (1563) 66ᵃ; ob ich ihrer (zweier pferde, die 9 tage kein futter bekommen hatten) nun wohl warten liesz, konnten sie es doch nicht verwinden, und fiel mir eines um, dadurch kam ich auch zu schaden Schweinichen denkwürdigkeiten 234 Ö.;
der krieg in Pommern hat mirs zugezogen,
da muszten wir heraus in schnee und eis,
das werd ich wohl mein lebtag nicht verwinden
Schiller 12, 172 G. (Piccolomini 4, 6);
wenn ir im den (dem fuchs den balg) von stund abzügt,
ein weil für einen brustlatz trügt,
damit die kranckheit solt verwinden
Burk. Waldis Esopus 2, 191 K.;
die folgen der ernsten krankheit, die mich vorigen herbst überfiel, habe ich noch nicht verwunden W. Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 521.
β)
von sonstigen folgen einer schädigung oder eines unglücklichen ereignisses: man straff dermaszen, dasz ich besorge, das land zu Thüringen und die graffschaft werden es langsam verwinden bei Luther 18, 376 W.;
die geistlich bischoff, mönch und pfaffen ...,
wie sie uns mit dem bann gefatzt,
mit dem ablasz als zu sich kratzt,
mit irer triegerey geschunden,
da wirs auch schwerlich han verwunden
Burk. Waldis Esopus 1, 266 K.;
davon würde solche zwietracht auffstehen, dasz wir und unsere kinder nicht solten verwinden können Schütz hist. rer. pruss. 4, Cc 4ᵃ; Pommern hat den 30-jährigen krieg bis jetzt nicht wieder verwunden Fr. L. Jahn 2, 395 E. besonders einen schaden, in neuerer zeit auch einen schlag verwinden:
her tet uns schaden durch daz jar,
daz wir ez in allen unsern tagen
nich mochten verwinden
Mone altd. schauspiele 93;
(sie) theten trefflichen schaden, den das land in viel jahren nicht hat verwinden können C. Spangenberg Mansf. chron. (1572) 102ᵇ; der schaden, der nicht zu verwindende schaden, den das christenthum davon haben würde Schleiermacher s. w. I 5, 23; es war ein schwer zu verwindender schlag; die 300 gefallenen enthielten die blüthe deutscher jugend Häuszer d. gesch. 4, 207.
γ)
von unehre, schande, schimpf:
vertrîbt ir in der lande   ir verwindetz nimmermêr
Alphart 62, 2 M.;
mädchen, die bei diesem (tanz) sitzen bleiben, heiszen krauthüterinnen oder sie bringen den hund heim, eine schwer zu verwindende schmach F. M. Böhme gesch. d. tanzes 191.
b)
innerlich über etwas hinwegkommen, mit etwas fertig werden, etwas verschmerzen.
α)
ein schmerzliches oder aufregendes ereignis, einen eindruck: ich kanns immer noch nicht verwinden, dasz ich sie zuletzt leidend gesehen habe Göthe IV 23, 166 W.; zwei jahre brauchte Lucinde, um diese kämpfe zu verwinden Gutzkow zauberer v. Rom 2, 45; sein trübsinn verwand die niederschlagenden eindrücke des jahres 1806 so schnell nicht Treitschke d. gesch. im 19. jh. 1, 326. den tod eines andern verwinden, schon mhd.:
vater, muter, wip, kint,
bruder, swester und die da sint,
den du vor soldes sin,
die enmugen den tot din
verwinden nimmer me
Herbort v. Fritzlar 10423;
ein liebenswürdiger junger mann, der den tod einer angebeteten braut nicht verwindet Göthe 41, 1, 160 W.; meine gattin starb. ich hätte es verwinden können Gutzkow ritter v. geiste 3, 382; der verlust des liebsten geschöpfes und des liebendsten, das ich auf erden hatte, kann nur schwer verwunden werden fürst Pückler briefw. u. tageb. 6, 51. im gleichen sinn einen menschen verwinden, den man verloren hat:
sie hant verlorn den man,
den ir dehein verwinden kan
Herbort v. Fritzlar 10706;
was uns das grab entrückt, das ist auch schon verwunden
B. Neukirch ged. (1744) 218.
β)
demütigendes, entehrendes, schimpfliches, vgl.a γ; dort ist von dem verlust an ansehen die rede, hier von dem inneren damitfertigwerden: ein cholerischer mann, der nicht verwinden konnte, dasz ihm ... ein trockner verweis gegeben worden Nicolai Seb. Nothanker 2, 247; nun ich meine lust gebüszt habe an dem alten bluthunde, und er den tort hoffentlich nicht verwindet Immermann 4, 27 B.; die niederbeugenden erinnerungen an meine schande waren verwunden Holtei erz. schr. 2, 110; nie verwinde ich das (die demütigungen der jugend) wieder, nie; und darum habe ich auch nicht das recht, es zu verzeihen Hebbel tageb. 2, 139 W.; nie hat er die kränkung verwunden Scherer kl. schr. 1, 113.
γ)
über gefühle und eindrücke hinwegkommen: sage mir nur, kind, wie es möglich wurde, dasz die eine einzige stunde des wiedersehens dich wieder gar so sehr in flammen setzte? ich dachte, das wäre längst verwunden und verschwunden Holtei erz. schr. 3, 30. fast ausschlieszlich von unlustgefühlen und unangenehmen eindrücken:
daz si verwunden hat ir clage
Elisabeth 10137 R.;
hier meint ich ruh zu finden
und all erlitten leid und jammer zu verwinden
A. Gryphius trauerspiele 768 P.;
doch dieses unglücks schmerz war leichter zu verwinden
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 281;
kaum ist ein leid, ein schmerz verwunden,
uns schon ein neues unheil droht
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 1, 152;
von der alten kaum verwundenen idiosynkrasie E. Th. A. Hoffmann 2, 53 Gr.; dasz der herr ... zur jagd blasen liesz, ob er seinen unmuth auf freier heide verwinde C. F. Meyer der heilige⁶ 160; als sie das abgeschlagene haupt erblickten, brachen sie in einen schrei aus ..., wie in einen naturlaut, dessen grauenhaften eindruck die, welche ihn vernahmen, niemals wieder haben verwinden können Ranke 16, 336.
δ)
sich mit ereignissen und zuständen abfinden: die kaiserin Marie Ludovika war die einzige persönlichkeit am Wiener hofe, die diesen raschen wechsel so leicht nicht verwinden konnte Häuszer d. gesch. 3, 568; und mögen manche kaiserlich gesinnte nicht leichtlich verwinden, dasz die Schlesing preuszisch verbleibet Holtei erz. schr. 13, 212;
kannst du es nicht verwinden, dasz das zepter,
von dem du träumst, in deines bruders hand
gegeben ist?
Hebbel w. I 4, 103;
er hatte es schon schwer genug verwunden, dasz jetzt auch bürgerliche in die ritterschaft eintraten Treitschke d. gesch. im 19. jh. 3, 112.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1938), Bd. XII,I (1956), Sp. 2281, Z. 47.

verwinden2, schw. v.

²verwinden, schw. v.,
zu wind, witterung (s. teil 14, 2, 249): verwinden, vom wilde, wenn es irgend eine sache riecht, durch den geruch wahrnimmt Behlen forst- u. jagdkunde 6, 145; Kehrein waidmannssprache 310.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1938), Bd. XII,I (1956), Sp. 2285, Z. 32.

verwinden3, schw. v.

³verwinden, schw. v.,
zu ³winde, schmerz, krankheit (s. teil 14, 2, 277): derlei einflüsse (milzbrand) nun bezeichnet das volk mit dem ausdrucke wind, verwindet werden Laistner nebelsagen 94; auch mit anlehnung an wind, ventus: verwindet werden, durch giftige luft angesteckt werden, wodurch z. b. zahnschmerzen, fliegende geschwülste entstehen Stalder schweiz. id. 2, 452.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1938), Bd. XII,I (1956), Sp. 2285, Z. 36.

verwundnis, f. oder n.

verwundnis, f. oder n.,
verwundung, zuweilen im älteren nhd.: so verursacht das schentlich zutrincken vil zorns, zanck, haderey, verwundtnüsz, mort und todschleg vom zutrincken (1525) A 2ᶜ; ein ... verwundnisz der därmen F. Dornkreil v. d. hoffgang (1624) 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1954), Bd. XII,I (1956), Sp. 2380, Z. 41.

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Zitationshilfe
„verwinden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verwinden>, abgerufen am 08.03.2021.

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