Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

verwundbar, adj.

verwundbar adj.
verletzlich; erst seit der 2. hälfte des 18. jhs. belegt: auch götter gegen götter sind verwundbar Herder 3, 112 anm. S.;
lasz dein eisen
auf schädel fallen, die verwundbar sind
Schiller 13, 157 G.;
bey einem hoͤchst verwundbaren und so verwundeten herzen A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 2, 313; hat sich dieser grundsatz erst geordnet, so ist sie (die beamtenwelt) weder im einzelnen, noch im allgemeinen mehr verwundbar Pückler tutti-frutti (1834) 5, 80. gewöhnlich in dem sinne, dasz person oder sache nur oder am leichtesten von einer seite, an einer stelle verwundet werden können: wer offen befehden will, musz nicht so viele schlechte verwundbare seiten blos geben Göthe IV 29, 160 W.; diese nordseite (des kastells) scheint, als die ... verwundbarste seite, mit doppelt vorgezogenen mauern versehen worden zu sein Ritter erdk. (1822) teil 17, 927; noch waren es vorschnelle hoffnungen, die durch den tag von Eylau die macht des imperators tief erschüttert sahen; aber die verwundbare seite war doch aufgedeckt Häusser dt. gesch. (1854) 3, 91; das ist die stelle, wo ich verwundbar bin, das ist mein stolz Pückler briefw. (1873) 1, 385; dann hatten sie den vortheil, ... den angriff plötzlich auf die verwundbarste stelle ausführen zu können Ranke s. w. (1867) 3, 259; ein verteidigungsheer ohne festungen hat hundert verwundbare stellen, es ist ein körper ohne harnisch Clausewitz vom kriege (1912) 388; auf sagengestalten wie Achilles und Siegfried bezogen: wie Achill mit der verwundbaren ferse Schopenhauer w. 2, 200 Gr.;
hast du's vergessen, oder weiszt du nicht,
was doch in liedern schon gesungen wird,
dasz er an einem fleck verwundbar ist?
Hebbel w. 4, 126 Werner (Nibelungen);
der nur an einer stelle verwundbare held Scherer kl schr. (1893) 1, 527. übertragen: es giebt nur einen punkt, wo ich bis zur vernichtung verwundbar bin; meine Achillesferse ist das herz Holtei erz. schr. (1861) 26, 181; Italien mag des groszen (österreichischen) ländercomplexes verwundbare ferse sein Gutzkow ges. w. (1872) 11, 185. — dazu die substantivbildung: verwundbarkeit, f.: vulnerabilitas Krünitz öcon. encycl. 219 (1854) 357. übertragen, auch im sinne von 'empfindlichkeit': je stärker sich die austauschwirtschaft eines volkes entfaltet, desto mehr wächst auch seine volkswirtschaftliche verwundbarkeit Alten hdb. (1909) 4, 690; die zartheit und verwundbarkeit seiner seele Herman Grimm Michelangelo (1890) 2, 148; seiner (des edlen) ... gesteigerten verwundbarkeit entspricht die innere unberührtheit, an der das gemeine scheitert Nic. Hartmann ethik (1935) 363.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1954), Bd. XII,I (1956), Sp. 2358, Z. 66.
Zitationshilfe
„verwundbar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/verwundbar>, abgerufen am 28.02.2020.

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