vogel m.
Fundstelle: Lfg. 3 (1926), Bd. XII,II (1951), Sp. 390, Z. 22

Unterbegriffe in diesem Artikel

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vogelheu · vogelhirn · vogelhirse · vogelhochzeit · vogelhocke · vogelhund · vogelhütte · vogeljagd · vogelkäfig · vogelkamm · vogelkammer · vogelkäse · vogelkasper · vogelkasten · vogelkehle · vogelkeim · vogelkenner · vogelkien · vogelkienicht · vogelkirren · vogelkirschbaum · kirschenbaum · vogelkirsche · vogelklatsch · vogelklaue · vogelkleber · vogelklee · vogelkleid · vogelklippe · vogelkloben · vogelkluppe · vogelknippe · vogelknöterich · vogelkoje · vogelkönig · vogelkopf · vogelkorb · vogelkötze · vogelkralle · vogelkrätze · vogelkraut · vogelkrieg · vogelkropf · vogelkunde · vogelkundig · vogelküssen · vogellaus · vogellausfliege · vogellaut · vogellehre · vogellehrer · vogelleicht · vogelleim · vogelleuchte · vogellieb · vogelliebe · vogelliebhaber · vogellied · vogelmännchen · vogelmarkt · vogelmärten · vogelmäszig · vogelmast · vogelmäster · vogelmeier · vogelmiere · vogelmeisterin · vogelmerker · vogelmilbe · vogelsmilch · vogelmist · vogelmonat · vogelmörder · 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avis, gemeingermanisch, ohne entsprechung auszerhalb des germanischen: got. fugls, altnord. fugl (fogl), dän. norweg. fugl, schwed. fogel, ags. fugol, engl. fowl, nld. vogel, alts. fugal, ahd. fogal; Graff 3, 435; mhd. wb. 3, 357ᵃ; Lexer mhd. hdwb. 3, 423ᵇ; fogel, fugel, flogel, volucris Diefenbach gloss. 628ᵇ; vogel, ornis, avis Dasypodius 448ᵈ; Maaler 471ᵇ; Stieler 529; Frisch 2, 404ᶜ; Steinbach 2, 899; Adelung, Campe. mnd. vogel, vagel Schiller-Lübben 5, 295ᵃ; mnld. vogel Verwijs - Verdam 9, 769. zur form u. zum gebrauch in den mundarten vgl. Schmeller bayer. wb. 1, 834; Schöpf tirol. 790; Lexer kärnt. 100; Zingerle lusern. 30ᵇ; Fischer schwäb. 2, 1598; schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart els. 1, 99ᵃ; Follmann lothr. 169ᵃ; Tonnar - Evers Eupen 221ᵇ; wb. d. luxemb. mundart 472ᵃ; Vilmar idiot. von Kurhessen 431; Crecelius oberhess. 883; Ruckert unterfränk. 192; Hertel thür. 251; Müller-Fraureuth 2, 623ᵃ; Danneil altmärk. 241ᵃ; ten Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 529ᵃ; Bauer-Collitz waldeck. 35ᵇ. der plural hat im nhd. umlaut angenommen: vögel die zuͦ dem weissagen gehören Dasypodius;
so findt man auch vil edler vögel
die haben lange krumme negel
Scheit Grob. 631 ndr.
umlautlose formen halten sich bis ins 18. jh.: die vogel fliegend im lufft, zu hauff u. a. Maaler 471ᵇ; über die fisch des meeres, vogel des lufts, und vich Zwingli deutsche schr. 1, 56; in voglen verzert haben Wickram rollw. 144, 1 Kurz; thuns doch die unvernünfftigen creaturen, die vogel gegen ihren jungen Prätorius saturn. (1663) 340;
der sperling, der ist unter vogeln, was unter menschen ist der bauer
Logau 3, 5, 74 lit. ver.
Steinbach 2, 899 verzeichnet vogel neben vögel: an den thieren, vogeln, wolcken Bodmer abh. v. d. wunderbaren (1740) 187; mit zwey schönen groszen vogeln Schnabel Felsenburg 15 DLD (druckfehler?); in der Schweiz ist umlautloser plural erhalten schweiz. idiot. 1, 690.
1)
in scharfer beobachtung und liebevoller theilnahme hat das volk auch bei uns eine fast unübersehbare menge von festen wendungen, redensarten geschaffen und darin einen schatz von lebensweisheit niedergelegt. Wanders freilich ungeordnete u. sich vielfach wiederholende sammlung zählt 628 nummern (sprichw. lex. 4, 1645); vgl. die sammlungen bei Fischer schwäb. wb. 2, 1598 und im schweiz. idiot. 1, 690. fricinnire, der cleynre voglen geluyt Diefenbach gloss. 248ᵃ; garritus, das küttern der vögel 257ᶜ; ingluvies, der vogelkropff, darinn sich die speisz samlet Alberus 96ᵃ; wilde, zahme, raub-, sumpf-, wasser-, wald-, land-, strand-, strich-, sing-, zugvögel; vögel halten, aushecken, fangen, rupfen, pflücken, braten u. s. w. der vogel nistet, brütet, wird flügge, mausert sich, singt, pfeift, zwitschert u. ä.; verbunden mit anderen thieren oder ihnen gegenübergestellt, besonders gern in allitterierender formel fisch, vogel, beide einer niederen art der jagd zugehörig (da er den visch und vogel fieng Krüger Clawerts werckl. hist. 64 ndr.): gewild, vögel und visch soll jederman gemein sin für sin not zuͦ fahen Eberlin v. Günzburg schr. 1, 125 ndr.; hymel und erde, teuffel und menschen, visch und vogel Agricola sprichw. a 6ᵃ; als fisch und vögel, gewürm und thier aller gattungen Lavater physiognom. fragmente (1775) 1, 4;
ez sî vogel oder tier
Wolfram Parz. 592, 9;
vögel, thier, würme, sampt den vischen
H. Sachs 1, 436, 21 lit. ver.
man sagt: nicht fisch noch vogel, d. i. nichts festes, bestimmtes, gewöhnlicher ist: nicht fisch, noch fleisch th. 3, sp. 1680: zustände, die nicht fisch und nicht vogel seien Fontane I 4, 62; dän. hverken fugl eller fisk, engl. beide formeln verbunden und drollig erweitert: neither fish, flesh, fowl, nor a good red herring Nyrop-Vogt leben d. wörter 185. die luft ist das reich der vögel (altn. foglheimr, ginn unga vé), statt luft wird auch der himmel gesetzt: vogel des luftes, tier des waldes, visch des wassers Seuse d. schr. 28, 5 Bihlm.; die füchse haben gruben, und die vögel unter dem himel haben nester Matth. 8, 20 (die vogel des himels erste d. bibel 1, 30 lit. ver., volatilia caeli); also das die vogel unter dem himel unter seinem schatten wonen können Marc. 4, 32 (die vogel des himels erste d. bibel 1, 134 lit. ver.); dann wir sind je mee und wärder by got, dann die vogel des luffts Zwingli freiheit d. speisen 9 ndr.; die unvernünftigen vögel des himmels Schiller räuber 1, 2; wo er dem winde und dem wetter und allen vögeln des himmels exponirt ist Tieck schr. (1828) 1, 73; Stifter w. 2, 57 (1901). wenn der himmel einfällt, sind alle vögel tot oder gefangen: wann der himmel fällt, so werden alle vögel gefangen sein Fischart praktik 4 ndr.;
ein vogel wünschet ihm in freyer lufft zu seyn,
und sperret man ihn gleich in gold und silber ein
Königsb. dichterkreis 89 ndr.
gott ernährt die vögel: sehet die vogel unter dem himel an, sie seen nicht, sie erndten nicht, sie samlen nicht in die schewnen, und ewer himlischer vater neeret sie doch Matth. 6, 26;
der in der luft die vögel nährt
und lilien auch darneben
S. Brunner erz. u. schr. 1, 64.
die leichte beweglichkeit, die unruhe, das fliegen, flattern erfreuen das auge, das zwitschern und singen das ohr. für die lyrik des mittelalters typisch in der frühlingslandschaft ist der gesang der vogellîn, mannigfaltiger ist die neuere dichtung in ihren versuchen, die belebung der natur durch das treiben der vögel zum ausdruck zu bringen:
hör, wie lüstig die vögel singen!
schaw, wie die külen brünlein springen
H. Sachs 1, 29, 5 lit. ver.;
der vögel schaar sich frölich schwingt
und lieblich in den lüfften singt
Opitz teutsche poemata 51 ndr.;
da der vogel kling-gedichte
menschen, vieh und feld erfrewt
Venusgärtlein 26 ndr.;
wenn der morgen daher thaut, wenn glücklichern vögeln und menschen
du, o abendstern, winkst
Klopstock oden 1, 77 (1889);
so wie ein vogel, der auf einem ast
im schönsten wald sich, freiheit athmend, wiegt
Göthe IV 1, 13 W.;
aber aus der dumpfen grauen ferne
kündet leise wandelnd sich der sturm an,
drückt die vögel nieder auf's gewässer
I 2, 73 W.;
nein, es scheuchte nur der schrecken
aus dem busch den vogel auf
Schiller 11, 208 G.;
und alle die vögel, die singen
im walde so wundervoll
von tausend herrlichen dingen,
die ich noch finden soll
Geibel ges. w. ⁴ 1, 32;
so hort man die vögel allenthalben uff den zweigen mit lieblichem gesang zuͦsammenstimmen Wickram 2, 140 lit. ver.; es ward zu der selbigen zeit umb den monat aprilen, in welchem die vögel sich herfür thuend Amadis 87 (lit. ver. 40); man sehe den vogel, wie er singend gesticulirt und durch beides seine empfindung ausdrückt Herder 22, 64 S.; es ist gar zu schön den ganzen tag im walde zu sein und die vögel zu hören Göthe 24, 4 W.; beim feierlich einförmigen geräusch des wasserfalls, dazwischen dann und wann ein vogel schlug Forster schr. (1843) 241; eine unerquickliche, trostlose gegend, kaum von dem gezwitscher eines vogels belebt Holtei erz. schr. 2, 88; dasz die vögel überrascht aufflogen und erschreckt über den seespiegel streiften Keller ges. w. 2, 80. sie verstummen am abend und schlafen:
unter leisem blattgeflüster
schlummern alle vögel ein
Matthisson schr. (1825) 1, 9;
vögel, die bei'm untergang der sonne sich in schweigen verlieren Göthe 45, 121 W. liebesleben: wenn der vogel von liebesglück befangen ist, wird er blind und taub Holtei erz. schr. 1, 16;
sieh die vögel auf der flur
küssen sich ohne betrüben
maler Müller w. (1811) 1, 202.
nester bauen, nisten: wie beneidenswerth sind die vögel, besonders wenn sie so artig und vertraulich ihre nester bauen Göthe 23, 179 W.;
ez ist den vogeln ein grôzer brest,
alliu jâr ein niuwez nest
Freidank 145, 21;
wo des lenzes
tonvoller vogel nicht nistet
Denis lieder Sineds (1772) 202;
kein vorspringendes gebälk,
wo dieser vogel nicht sein hangend bette
zur wiege für die jungen angebaut
Schiller 13, 31 G.
im bilde: und Shylock, seinerseits, wuszte, dasz der vogel flück war; und dann haben sie es alle in der art, das nest zu verlassen Shakespeare kaufm. v. Venedig 3, 2. characterisierung bestimmter vogelarten: er vergleicht sich den eynsamen vogeln und denen, die am tage nicht erfur komen Luther 18, 510 W.; sie gab der dritten rübe die gestalt einer elster. 'schwanke hin, beredsamer vogel', sprach sie, 'von baum zu baum' Musäus volksmärchen 1, 15 Hempel; (sperlinge) die reinen Preuszen in der weltgeschichte der vögel Fontane I 5, 62;
sie sagen, immer wann die jahrszeit naht,
wo man des heilands ankunft feyert, singe
die ganze nacht durch dieser frühe vogel (der hahn, bird of dawning, vgl. ûhtfugal as. genes. 285)
Shakespeare Hamlet 1, 1;
schleicht sie, gleich dem einsiedlerischen vogel,
heraus ins graulich düstre geisterreich
der nacht
Schiller jungfrau, prolog 2.
die eule ist der vogel der Athene; scherzhaft: doch einer nachteule, ob sie gleich der Pallasvogel ist, steht es nicht an verse zu machen Schubart briefe 1, 58 Strausz. die vögel singen zur ehre gottes:
hier erhebt der vögel chor deiner allmacht lob durch singen
Cronegk schr. (1766) 2, 174;
thier in wäldern und in meeren,
vögel in der luft, im hain,
preist ihn all
Schubart ged. (1787) 1, 13.
anders gewendet:
im donner redet er (gott), und in der vögel chören
Giseke poet. w. (1767) 1, 5.
vogel als spielzeug, hausthier, liebling:
da er der wiese gras um deine tritte neidet,
den vogel den du liebst, als nebenbuhler haszt
Göthe 9, 5 W.;
wenn er sich doch an irgend ein lebendes wesen kettete, wäre es auch nur ein hund oder ein vogel Kotzebue dram. w. (1827) 2, 12. vögel leichenfressend:
denn wo ein asz,
ist der vögel kein zal noch masz
Waldis Esopus 1, 301 Kurz.
gehenkte sind ihnen verfallen: den vögeln zu fressen geben, id est gehenckt seyn Kramer (1702) 2, 1205ᵇ;
nun hangt ir (am kreuz) ...
in den lufften und seyt der vogel speisz
altd. pass.-spiele aus Tirol 159 Wackernell;
man sagt daher: was den vögeln gehört, wird nicht den fischen zuteil, wer gehenkt werden soll, der ertrinkt nicht; den vögeln erlauben, einen friedlos machen (vgl. vogelfrei); es wird damit das letzte bezeichnet, die verweigerung des begräbnisses:
den will ich der freiheit berauben
dem vogel in der lufft erlauben
ihn ausz dem fried in unfried setzen
Fischart flöhatz 1990 ndr.
schweiz.: d'n vöglen in d'r luft erloubt sīn, jedem muthwillen, jeder bosheit ausgesetzt sein schweiz. idiot. 1, 690. doch sagt man auch den vöglen sīn von einem im gebirge abgestürzten, dessen leiche nicht geborgen werden kann ebenda. zu den vögeln treten andere leichenfresser: ich wil dein fleisch geben den vogeln unter dem himel, und den thieren auff dem felde 1. Sam. 17, 44; der kaiser hat execution gegen mich verordnet, die mein fleisch den vögeln unter dem himmel und den thieren auf dem felde zu fressen vorschneiden soll Göthe 8, 87 W. antik:
und ihre cörper geben preysz,
als er sie macht zu einer speysz,
den vöglen, und den hunden grob (ἑλώρια τεῦχε κύνεσσιν οἰωνοῖσί τε δαῖτα A 4)
Spreng Ilias (1610) 1ᵃ.
vögel abbalgen, ausstopfen: ich bin ein stummer, ein ausgestopfter vogel gegen euch verliebte, wettschlagende nachtigallen Gleim briefw. 1, 220 Körte.
2)
einigen vogelnamen wird vogel vorangestellt, sehr oft bei strausz, ebenso vogel phönix, roch, greif, von heimischen ist der vogel bülow zu nennen: allenfalls vom vogel rock Göthe 17, 103 W.;
einst fragt ihn seiner enkel schaar,
was doch der vogel phönix wäre
Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 63
nicht lange, so kam der vogel greif geflogen Grimm deutsche sagen (1891) 2, 182.
3)
unter vögeln werden oft in älterer sprache die wilden verstanden im gegensatz zu den hausthieren, den gänsen, enten, tauben und hühnern:
gense, hüener, vogel, swîn
minnes. 2, 154ᵃ Hagen;
man pracht wilprat, vogel und ant,
die man beraittet het zu essen
pfarrer v. Kalenberg 39, 786 ndr.;
feyste gensz und vögel schaden nit
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) b 3ᵃ;
ich bin doch weder gansz noch fogel Till Eulensp. 20 ndr.; post Martinum bonum vinum, gänsz und vögel sind gut binen Fischart Garg. 71 ndr. bei den jägern wiederum nur die kleinen unter den wilden vögeln Fischer schwäb. wb. 2, 1602. auch heute braucht man vogel nicht, um im allgemeinen die nutzbaren hausvögel zu bezeichnen, sondern spricht vom geflügel. jetzt denkt man beim martinsvogel an die gans, doch ist in früherer zeit ein wilder vogel damit gemeint, s. th. 6, sp. 1688. nach Schmeller bayer. wb. 1, 834 nennt man das männchen bei enten, auch bei gänsen vogel. in allgemeinem sinne:
den besten vogel den ich waisz
das ist ein gans
Forster teutsche liedlein 85 ndr.
vogel im engeren sinne von jagdvögeln: so doch ain stifft herren ain iar iiij hundert gulden ze verzerendt hat, mit pferden, voglen, huͦren Eberlin v. Günzburg schr. 1, 179 ndr.; welchen es gefiele. mochten mit ihren vögeln am wasser auff und ab beiszen reiten Kirchhof wendunm. 2, 40 lit. ver.
4)
in älterer zeit ist der begriff vogel noch nicht so scharf bestimmt wie jetzt, die fledermaus steht bei Konrad v. Megenberg unter den vögeln: der vogel under allen vogeln gepirt allain seineu kint als ain geperndez gêndez tier 226: (fledermaus,) die sich bald zu den thieren, bald zu den vögeln zehlte d. vern. tadlerinnen 1. 13. fliege:
diu fliege ist, wirt der sumer heiz,
der küenste vogel den ich weiz
Freidank 145, 25.
biene (schweiz. idiot. 1, 692, s. unten 17 h): die biene ist ein kleins vögelin Sirach 11, 3; ist also dieser vogel (die heuschrecke) den Egyptern nicht unbekant Luther 16, 152 W. der schmetterling: ich will mich eine zeit lang als ein häszlicher wurm einspinnen, um wieder als ein glänzender vogel an das licht kommen zu können Lessing 16, 538 M.;
rings schwärmten bunte, bunte schmetterlinge;
da dacht' ich wohl in meinem kindersinn:
beglückt, wer solchen goldgen vogel finge
Gaudy w. (1844) 1, 189.
vgl. sommervogel th. 10, 1, sp. 1563. grotesk:
jeder weisz was so ein maikäfer
für ein vogel sei
W. Busch Max u. Moritz.
'vogel heiszt in Hessen alles was fliegt, nicht nur die vögel: fledermäuse, käfer, schmetterlinge, hymenopteren, ja sogar fliegen, mücken u. dgl. werden mit dem allgemeinen namen vogel, im diminutiv veulchen, veilchen bezeichnet' Vilmar idiot. v. Kurhessen 431.
5)
vögel locken, fangen, auch in mannigfachen redensarten u. oft bildlich: pipilare, vogeln locken, ut auceps Diefenbach gloss. 436ᵇ; vogel fahen, aucupari Maaler 471ᵇ; die vögel ausz dem näst nemmen, vögel ausznemmen Frisius dict. 866ᵇ; vogel mit der leimstange fangen Stieler 529; vögel locken: gleich wie ein hungeriger vogel leicht zu locken ist Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 24; am nächsten sonntage ward der vogelherd wirklich gestellt, und die gelockten vögel zogen lustig ein (das ganze ist bildlich gesagt) Langbein schr. 31, 118;
wen du die vögel wilt betriegen,
das sy dir zuͦ dem garn ynfliegen,
so muͦstu es mit stro verdecken
Murner narrenbeschw. 54, 32 ndr.,
denn sonst werden sie scheu und fliegen davon: (im bilde) do aber die vögel hetten gespürt das netz, da waren sie schüch worden und hinwek geflogen dtsche. städtechron. 3, 141. man klopft auf den busch (th. 2, sp. 558), um den vogel herauszulocken: klopfst du auf den busch, so fliegen die vögel heraus Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 300; der eine klopft auf den busch, der andere kriegt den vogel, der eine hat die arbeit, der andere den gewinn. die vögel fallen in den schlag (fangvorrichtung):
(ablaszhandel)
und wurfend die puren in unserem gricht
so vil gelts in's becki, es war überricht,
es klinglet stets den ganzen tag,
und vielend guͦt vögel in den schlag
N. Manuel 75, 1175 Bächtold.
vögel werden auf die leimrute gelockt: vögel, die in (den kautz) zu stechen begeren, und darüber in die leimruten fallen Fischart Eulenspiegel 19 Hauffen; lauffe nicht mit solcher leimstange, da man irgendwo mehr lose vögel locken mögte Prätorius glückstopf (1669) 494; da bleiben, wie vögel an der leimstange, die finger am griffe kleben Göthe 9, 185 W.;
lehrt ihr des armen vogels,
der an der ruthe klebt, geflattre mich
doch kennen
Lessing Nathan
vögel fangen in vielen wendungen und redensarten: nit vögel fahn chönne, dumm sein schweiz. idiot. 1, 690;
wenn man vogel fangen wil streut man auff die beste kost
Logau sinnged. 2, 10, 39 lit. ver.;
wenn man vögel fangen will, musz man süsze pfeifen Spanutius (1720) 628; wer vögel fangen will, musz singen können Kirchhofer schweiz. sprüchw. 299; wer vögel fangen will, darf nicht mit prügeln, bengeln drein schlagen, werfen u. ä. Stieler 529; Fischer 2, 1601; Martin-Lienhart els. 1, 99ᵃ; wb. d. luxemb. ma. 472ᵃ; das nicht gebräuchlich, mit prügeln unter die vögel zuwerffen, oder vor getroffenem accord viel von poengeldern zusagen, und dadurch die leute abzuschrecken Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 662;
denn wo der tüffel vogel facht,
das wyb er zuͦ eim kutzen macht
Murner mühle von Schwindelsheim 14, 305;
ja freylich ist's nit unser schuld,
ob wir gleich fahen ietzt nit vögel
(d. h. nichts erbeuten)
H. Sachs 21, 4, 12 lit. ver.;
ich bin ein weyl spaziren gangen,
ob ich ein vogel möcht erhaschen,
der mir ein weng füllet mein daschen
14, 304, 6 lit. ver.;
wenn nicht alle umstände lügen, so hab' ich den vogel, dem wir so sehnlich nachstreben Göthe 38, 116 W.; ich fange auf einen zug zwey vögel, und stehe dir für die einwilligung Klinger w. (1809) 3, 194. gefangene vögel: zu spat schreyet der vogel, nachdem er gefangen ist Kramer 2, 1205ᵇ (1702). die vögel sind noch nicht alle gefangen, die sache ist noch nicht zu ende Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 300;
hier find' ich gefangen
auch vögel noch hangen
Göthe 1, 40 W.
vögel im nest fangen, sie ausheben: dieweil sie wol bedaucht, das in seins herren haus guͦt mausen und vogel ausznemen (stehlen) wer Wickram 2, 241 lit. ver.; und wer Truppach deszelben mals mit 20 fuesknechten zugewinnen gewest, und hett vogl und neszt bei einander betretten mogen verh. über Th. v. Absberg 47 lit. ver.; wir wollen das nest voll flücker jungen ausheben und den vogel dazu (eine spielhölle) maler Müller w. (1811) 2, 78. — in gleichem sinne heben: er hebt einen vogel und läszt zehen fliegen Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 300. einnehmen: weil ich voraussezzen konte, dasz ein andrer doch den vogel einnehmen würde, wenn ich ihn fliegen liesze Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 294; mit welchen vögeln man fliegt, mit denen wird man gefangen Kirchhofer schweiz. sprichwörter 300. — der vogel in der hand bezeichnet den gesicherten gewinn; den vogel entwischen, entfliegen, aus der hand lassen, der vogel ist entwischt u. ä.: besser ein vogel in der hand als zehn über land, auf dem dach, baum, zaun Fischer schwäb. wb. 2, 1601; auch: es ist besser ein vogel im korb oder kefich, dann tausent im lufft sprichwörter (1548) 101ᵇ; solches erfuͦhre auch Zorobabel, das im der vogel entgangen war Schumann nachtb. 348 lit. ver.; ich hab' ihn losgelassen, den vogel (Weislingen) und er verachtet die gütige hand, die ihm in der noth futter reichte Göthe 8, 84 W.; wir dürfen diesen vogel nicht wieder aus den händen lassen, auch nicht auf die gefahr hin, dasz er uns kratzt und beiszt Fontane I, 2, 164;
ist mir der vogel auch entflogn,
von dem ich hab gar lang gesogn
durch kuppel, spilen, list und renck
vil gutes geltes, kleyder und schenk
H. Sachs fastn. sp. 1, 77, 239 ndr.;
aber es war zu lang verzogen,
der vogel war schon weg geflogen
Eyering prov. copia 3, 63;
des glückes vogel kan aus unsern händen fliehen
J. G. Neukirch anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 173.
der vogel ist verscheucht, läszt sich nun nicht mehr fangen, die gelegenheit ist versäumt. der vogel entwischt, aber nicht ungeschädigt, im bilde: darumb seind sie auch so nachredick, so spitzick, so nerrisch, so apostutzlerisch, das keyn vogel ihnen entfligen mag, er musz ein feder lassen Eberlin v. Günzburg schr. 3, 36 ndr.
6)
auf beobachtung der vögel, besonders der zugvögel gründen sich regeln über die zu erwartende witterung, s. Fischer schwäb. wb. 2, 1598; aber auch darüber hinaus traut das volk den vögeln voraussicht zu, sie sind schicksalskünder, auch ihr flug, ob rechts oder links ist bedeutsam s. Grimm myth. ⁴ 2, 944 ff.; 3, 324 ff.; Wuttke volksaberglaube der gegenwart ³ § 274—281; im sprachgebrauch zeigen sich natürlich auch antike einflüsse. am sichersten erfährt der die zukunft, der die sprache der vögel versteht, wendungen wie die spatzen pfeifen es von den dächern zeigen, dasz die vögel sich mit den angelegenheiten der menschen beschäftigen; jetzt pfeift der vogel anders, jetzt steht anderes bevor, ist eine andere lage. unglückvogel, parra Dasypodius 448ᵈ; wüste vogel, die kein glück bringend Maaler 471ᵇ; es hat im ein guͦter vogel gesungen sprichw. (1548) 139ᵃ; fremde vögel bedeuten fremdes volk u. anderes schweiz. idiot. 1, 692; do beschach ain grosses zaichen von den vogeln (vor der pabstwahl sammeln sich überm kaufhaus die krähen, dohlen, sie verschwinden nach dem ruf habemus papam, an ihre stelle treten singvögel) Ulrich v. Richental concil v. Constanz 123 lit. ver.; ich habe schohn einen andern vogel süngen hören, von dehm ich so vihl verstanden habe, dasz der fräund nicht al-zu-guht gewäsen ist Zesen adriat. Ros. 77 ndr.;
si wâren algemeine vrô,
und ir muot der stuont alsô,
daz ez in solde wol ergân.
in viel vil dicke wol ir spân,
ir vogel in vil wol sanc
livl. reimchronik 7240 Pf.
redender vogel des märchens:
das tanzende wasser und den singenden baum
zu hohlen, und den vogel welcher redet
Schiller Turandot 2, 1.
7)
der vogel ist ein bild der freiheit, der sorglosigkeit, daher: lasz die vögel sorgen, mache dir keine unnötigen sorgen Adelung; 's guet vögeli lan sorge, sorglos dahin leben schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart els. 1, 99ᵃ; hat darnach die vögel lasen sorgen, wo es bezalt werde zimm. chron. ² 4, 251, 29;
nun lassend vogel sorgen
schweiz. volksl. 21 Tobler;
frei wie der vogel in der luft u. ä.: animus vacuus cura atque labore volitat, ist frey wie ein vogel in der lufft Faber thesaurus 961ᵃ; frey seyn wie ein vogel in der luft Kramer 2, 1204ᶜ (1702); ich hatte eigentlich da droben (auf dem kutschbock) ein prächtiges leben wie der vogel in der luft und brauchte doch dabei nicht selbst zu fliegen Eichendorff w. (1864) 3, 41;
frisch wie rosz im eisenklang sich brüstet
wie der vogel in den lüften frey
Schiller 1, 179 G.
bild besonderen wohlbehagens: mir ist so wohl wie dem vogel im hanfsamen, im hirse schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart els. 1, 99ᵃ; er lebe wie der vogel im hanfsamen Hebel 2, 264 Behaghel (DNL). — der vogel ist leicht, behend, rasch: denn herausfliegen sollte der karren, so leicht wie ein vogel, aus dem schmutz O. Ludwig schr. (1891) 2, 24;
niemals öfne das herz der liebe. findet es Amor
vest verschlossen; er fliegt leicht wie ein vogel davon
Herder w. 26, 12 S.;
bin ich ein pfeil, ein vogel, ein gedanke,
dasz er mich durch das ganze schlachtfeld sprengt
H. v. Kleist Prinz v. Homburg 2, 1.
vogel über dach, geschwind, flüchtig, ohne überlegung, ohne gewähr schweiz. idiot. 1, 691. sprichw.: zur rach bisz ein schneck, zur wolthat ein vogel Franck sprüchw. (1541) 1, 55ᵃ;
der sey in rahtschlägen langsam wie die schneck
und dann nach reiffen rath
geschwind als wie ein vogel mit der that
Voigtländer oden u. lieder (1642) 96.
bleierner vogel, bild der langsamkeit, schwerfälligkeit Sartorius ma. von Würzburg 185. — kleine vögel essen zierlich und anscheinend bescheiden, daher: für speisen hast du keine auslagen verursacht — du aszest ja kaum, wie ein vogel Stifter w. (1901 ff.) 3, 282. vgl. schweiz. idiot. 1, 691.
8)
der gesang des vogels ist natürlich und kunstlos, er ist bezeichnend für seine freiheit und genügsamkeit: der vogel singt, wie er nistet, beides lehrt ihn die natur Herder 5, 26 S.:
ich singe, wie der vogel singt,
der in den zweigen wohnet;
das lied, das aus der kehle dringt,
ist lohn, der reichlich lohnet
Göthe 1, 163 W.
preziös:
ich habe keine stolze veste,
von der man länder übersieht,
ich wohn' ein vogel nur im neste,
mein ganzer reichthum ist mein lied
Herwegh gedichte eines lebendigen (1841) 17;
verhebter (gefangner) vogel singt übel sprichwörter (1548) 59ᵃ. — jeder vogel singt so, wie es ihm die natur gegeben hat, jeder hat seine weise, daher erkennt man ihn am gesang: ein jeder vogel singet wie ihm der schnabel gewachsen ist d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 195; jedweder vogel singt nach seinem schnabel Tieck schr. (1828) 3, 213; bey dem gesang kennet man den fogel, denn er singet, wie yhm seyn schnabel gewachsen ist Luther 10, 1, 188 W.; sprichwörter (1548) 38ᵃ; Stieler 529; Ferdinand ii. v. Tirol spec. vitae humanae 6 ndr.; auch ich war verdrieszlich und sagte: jeder vogel singe nach seiner weise Göthe 43, 58 W.; Bauernfeld ges. schr. 4, 12; bösz vögel singen bösz gesang sprichw. (1548) 156ᵇ; mancherlei vögel, mancherlei gesang. — vögel die frü anfahen zusingen, haben bald versungen 167ᵇ; (oder: friszt nachts die katze Fischer schwäb. wb. 2, 1600;) die vögel so vil und wol singen, seind selten feyszt 104ᵇ.
9)
vögel erkennt man an den federn, an den farben, am schwanz: man siehet an den federn wol, was es für ein vogel ist Stieler 529; Moscherosch ges. (1650) 2, 76; am schwanz Kirchhofer schweiz. sprüchw. 299; an farben kent man vögel und narren Fischart bienenk. (1588) 26ᵃ;
also sieht man gar fein, an unsern federn schöne,
was wir für vögel sein (stutzer)
Opel-Cohn 30 jähriger krieg 415;
wie man den vogel an den federn, den löwen an den klauen erkennt Göthe IV 20, 159 W.; Eichendorff w. (1864) 3, 89. — am flug:
so kent man doch den vogel an dem flug
Weckherlin ged. 2, 220 lit. ver.
vögel sind gesellig: wo vögel seyn, fliegen vögel zu Spanutius (1720) 628;
das sprichwort will hierher nicht taugen:
kein vogel frist des andern augen
Henrici gedichte 4, 503;
die vogel gesellen sich zu ires gleichen Sirach 27, 10. gleich und gleich finden sich zusammen: vögel von einn federn fliehen gern zusamen sprichw. (1548) 41ᵃ. — so hoch der vogel fliegt, er musz doch einmal zur erde nieder: es fliegt kein vogel nie so hoch, er sucht seine speise auf erden Spanutius 627. — der vogel und sein nest: es entspricht ihm, er hat es gern, beschmutzt es nicht: ein groszer vogel wil ein grosz nest haben Eyering prov. copia 2, 82; kleiner vogel, klein nest Stieler 529; wie der vogel, so baut er sein nest, einem jeden vogel gefällt sein nest u. ä.; der vogel wont gern umb sein nest Eyering 1, 472;
am nest wird man leichtlichen innen
was für ein vogel wont darinnen
1, 89.
ein schlechter vogel, der sein eignes nest beschmutzt, z. b. von einem, der über seine heimat, seine landsleute vor fremden schlecht spricht Fischer schwäb. wb. 2, 1601; es ist ein böser vogel der in sein eygen nest hofiert sprichwörter (1548) 57ᵃ; ein garstiger vogel der in sein eigen nest scheist Kramer (1702) 2, 1205ᵇ; und myr schult gibst, ich sey eyn unreyn fogel yn meynem nehst Luther 7, 679 W.; (wir also) als unflätige vögel, unser eigen nest besudeln Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 38; er hat sein nest beschmutzt, und das hätt' ich nie gedacht, ich hielt ihn für einen bessern vogel Hebbel Agnes Bernauer 3, 6;
der vogel kan nit sein der best,
der scheiszet in sein eigen nest.
wer im selbst ein schalk wil sein,
wie schonet er der eren mein?
Murner schelmenzunft 30, 7;
es ist ein rechter vogel in das nest, es ist vieh als stall, beide taugen nichts sprichwörter (1548) 43ᵃ. — vogel und ei: wie der vogel, so das ey; böser vogel, böses ei Adelung; wie der vogel ist, so legt er eyer Faber thesaurus (1587) 210ᵃ.
10)
der vogel ist ausgeflogen (oder plural), man trifft jemanden nicht, wo man ihn erwartet; besonders auch bei gewinnsüchtiger oder feindlicher absicht, der gesuchte ist entwischt, die beute ist entgangen: Hügel Wiener dialekt 183ᵃ; do ist in heusern nichs mehr von hausrat gewesen, die bösten vögel sein auszgeflogen gewesen zimm. chron. ² 1, 257, 15; als er aber bey Rinteln anlangte, war der vogel ... schon aus dem neste, doch kaum eine stunde zuvor, entwischet Chemnitz schwed. krieg 2, 50;
also ward im sein raub entzogen,
und warn die vögel ausz geflogen
Scheit Grob. 4309 ndr.;
Fischart Eulenspiegel 5495 Hauffen. — vögel im bauer: man musz erst den vogel im bauer haben, ehe man ihn will pfeifen lehren Chr. Felix Weise lustspiele 1, 312; wann der vogel ausz dem gebauer ist, so hats mit der wache gut wege Chr. Weise d. grünenden jugend überfl. gedanken 222 ndr. — vögel braten: man tut ihm vögel auf dem buckel braten, von einem der sich alles gefallen läszt schweiz. idiot. 1, 690; die gebratenen vögel (öfter tauben) fliegen dir nicht ins maul, du muszt etwas dazu thun, wenn du etwas erreichen willst.von jemandem, der träge oder gar nicht grüszt, sagt man: er hat vögel unterm hut. — auf den mann ein vogel, jeder bekommt ein gleiches stück.
11)
vogel und katze (vögel, die früh singen, friszt am abend die katze oben unter 8): ein vogel für die katz', ein todkranker wb. der luxemb. mundart 472ᵃ. — wann ein mal ein katz ein vogel friszt, so muͦsz sie alweg hören: katz vom vogel Franck sprichw. (1541) 1, 88ᵇ; katz ist hier scheuchend, s.kätz th. 5, sp. 278; als ausruf (kutz):
botz kutz vom vogel, was ist disz? (eins von zwei hühnern ist vom spiesz verschwunden)
Fischart Eulenspiegel 1322 Hauffen.
die katze hat den vogel, die sache ist zu ende, oder auch: das geheimnis ist verraten.
12)
frisz vogel oder stirb Kramer (1702) 2, 1205ᵃ; vogel frisz oder stirb, aut moriendum aut vincendum Steinbach 2, 899; Fischer 2, 1600; schweiz. idiot. 1, 690; Martin-Lienhart 1, 99ᵃ; zunächst bei einer wahl zwischen zwei gleich schweren dingen, dann auch bei einem groszen wagnis. der ursprung der redensart, die seit dem 16. jh. bezeugt ist, ist dunkel.
es wird heissen auff dieser kirb:
sech zu vogel, frisz oder stirb
Fischart Eulenspiegel 764 Hauffen;
es hiesz compelle intrare, vogel isz oder stürb zimm. chron. ² 1, 284; dasz es also hies, vogel frisz oder stirb, namen eine desperate resolution Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 157; vogel frisz oder stirb. wer nicht mitmachen wollte, war des lebens nicht sicher Hebel w. 2, 240 Behaghel.
13)
sehr oft wird vogel auf einen menschen bezogen, gewöhnlich mit attribut oder in zusammensetzung; die meinung neigt sich dabei gern nach der ungünstigen seite, doch kann auch fröhlichkeit, geistige beweglichkeit be zeichnet werden: scurra, spott- vel speyvogel Diefenbach gloss. 522ᵃ; hurenvogel Apinus gloss. (1728) 275; ein arger vogel, homo nequissimus Steinbach 2, 899. er giebt einen spottvogel ab, cavillator est: glücksvogel, unglücksvogel 900 (ebenso pechvogel). hier hat sich die bedeutung verschoben, denn eigentlich sollten glück oder unglückbringendes gemeint sein, unglücksvogel wird von Steinbach auch als turbator, mali alicujus autor erklärt. gewöhnlich werden aber vom geschick begünstigte oder verfolgte bezeichnet. leichtfertiger vogel nebulo, ein galgenvogel, homo patibulo dignus Frisch 2, 405ᵃ (umschrieben: du vogel von der galgensart Reuter ehrliche frau 51 ndr.); ein durchtriebener vogel Adelung; glatter vogel, sittlich verdorbener, unseliger vogel, schwächlicher, elender, armseliger Martin-Lienhart 1, 99ᵇ; vgl. Fischer wb. 2, 1602. beispiele für feste und losere verbindungen mit adj., arg:
jungfern von fünfzehen jahren die bedörfen guter wacht,
ihnen wird von argen vögeln wol am meisten nachgetracht
Grob dicht. versuchg. (1678) 99.
böse: nun sprichstu, ich weiss leider wol, das ich ein böser vogel bin Geiler bilgersch. (1512) c 3ᵃ; zuͦ Venedig sind etlich böss vögel unnd landtfarer Forer Gesners thierbuch (1563) 37. —durchtrieben: nun werden sie ja wohl den bischof bald dort haben, er ist wie mich dünckt, ein durchtriebener vogel Lichtenberg briefe (1901) 1, 366; der durchtriebene vogel, der Till Immermann w. 1, 33 Hempel.ehrlich: du ehrlicher vogel Bucholtz Herkuliskus (1665) 6. —ehrvergessen: was, sagte sie, du ehrvergessener vogel, wilstu wieder aus dem hause lauffen Chr. Weise erznarren 11 ndr.fein: ein feiner vogel und spaszmacher Fontane i, 6, 353. —frech:
zwar wäre es billig, diesen frechen vögeln (den brüdern Schlegel)
auch tüchtig was am bunten zeug zu flicken
Göthe 5, 1, 171 W.
gerupft, abgerupft: und dann hatte ich wieder bedenken ... einen schlechten, gerupften vogel (mädchen) einzuführen 43, 78. gewöhnlich ein seines geldes beraubter, z. b. durch spieler ausgebeuteter.gut, mitleidig oder ironisch: in dem kam ein guter vogel, ein gartknecht hinein Wickram 3, 106 LV.ketzerisch: anderer solcher ketzerischer vögel Fischart bienenk. (1588) 34ᵇ. —leicht:
du must ein leichter vogel sein,
dasz du begerst für uns herein
für unsern königlichen thron
Ayrer dramen 125, 27 lit. ver.
leichtfertig: hörstu narr, was bistu aber für ein leichtfertiger vogel von dem jetzigen zustand der kipper u. wipper (1621) a 2ᵇ; Rist d. friedewünschende Teutschland (1648) 19; je du leichtfertiger trotziger vogel Gryphius lustspiele 268 LV; aber sollten die leichtfertigen vögel auch wohl über mich lachen J. E. Schlegel w. 5, 158;
so bistu ein wüster gesel
und ein leichtfertiger vogel
Fröreisen Aristophanes wolken übers. 212, 209 lit. ver.
leichtsinnig: gleicher weisz, wie der jenige nicht from ist, der von einem leichtsinnigen vogel gelobet wird Moscherosch gesichte (1650) 2, 453. —locker: und der unterricht (im trinken) schlägt bei dem lockern vogel an Tieck schr. (1828) 17, 37. —lose: loser vogel, ich werde es bald sehen Chr. F. Weisze lustspiele 1, 155; die andern sind junge edelleute, militärische edelknaben meines gnädigsten herrn, und lose vögel Göthe 17, 17 W.; ein loser vogel müsse den gesellen daher geschickt haben O. Ludwig schr. (1891) 2, 366; verdeutlicht:
den losesten vogel
scheucht' er heute, der ihm gärtchen und nichte bestiehlt
Göthe 1, 255 W.;
vom geflügelten Amor: Amorn den losesten aller vögel 17, 105 W.luftig: 'kennen denn ew. hochwürden den bräutigam?' fragte ich ganz verwirrt. — 'nein', erwiderte der alte herr, 'aber er soll ein luftiger vogel sein'. — 'o ja', sagte ich hastig, 'ein vogel, der aus jedem käfig ausreiszt, sobald er nur kann, und lustig singt, wenn er wieder in der freiheit ist' Eichendorff w. (1864) 3, 91. — lustig: er ware der lustigste vogel, den ich jemal gekennet Lindenborn diogenes (1742) 2, 15; hätt' ichs je gedacht, dasz der finstre Verrina in seinen alten tagen noch ein so lustiger vogel würde Schiller Fiesko 1, 7; nun ist der übergang vom waldgefieder auf die lustigen vögel in livree an und für sich gar nicht übel Holtei 40 jahre 1, 27;
lustige vögel, die gerne schwatzen
Schiller Wallensteins lager 1.
nasz, vgl.nasser bruder u. ä. th. 7, sp. 422; ein unnützer nasser vogen Wickram rollw. 53, 7 Kurz.nichtswürdig: du nichtswürdiger vogel Chr. Weise d. grün. jugend überfl. gedanken 179 ndr.öde: mit disen worten der öd vogel sein gesang beschlosz Wickram 1, 92 lit. ver.;rar (s.selten, seltsam): bist mir a rarer vogel, du Anzengruber w. (1892) 1, 47. rar, hier seltsam und miszfällig, rara avis in dem sinne von seltenes wesen steht bei Persius sat. 1, 46. —redlich: da kommt der redliche vogel Gryphius lustspiele 499 lit. ver.;schlau: ich denke, sie sind mir ein schlauer vogel Chr. F. Weisze lustsp. 1, 54. —schlimm: aber der schlimme vogel hielte der guten tröpffin dannoch sein wort nicht Grimmelshausen Simpl. 3, 397 lit. ver.;schön (ironisch): du bist ein schöner vogel, ein schöner kerl Kramer 2, 638ᵃ (1702). —selten (s.rar, lat. rara avis), in seiner art vereinzelt: organist, welches in Curland ein seltener vogel ist Hippel lebensläufe (1778) 1, 85. —seltsam, jetzt ist ein seltsamer vogel ein mensch von wunderlichen eigenschaften, sonderbarem aussehen, in älterer sprache dagegen ist es meist ein 'seltener', nur vereinzelt vorkommender, und zwar gewöhnlich (vgl.rar, selten) als prädikat, etwas seltenes: ein senfftige guͦtige fraw sey ein seltzamer vogel auff erttrich Albrecht v. Eyb deutsche schr. 1, 8; N. v. Wyle translationen 130: wo sind sie die gerne das creutz leiden? es ist ein seltzamer vogel ein christ Luther 20, 579 W.; es sagt der poet Ovidius, das die liebe oder ainigkait zwischen gebrüedern ain seltzamer vogel seie zimm. chron. ² 2, 285; es sey ein seltzamer vogel der reich und gelehrt sey, denn das alte sprüchwort leugt nicht: reichthum dominirt, armuth studirt der wohlgeplagte priester (1695) 45. andere wendungen: von ... dem seltzamen vogel, amicus, freund genant sprichwörter (1548) 170ᵃ. seltsamer vogel um, wie: seltene sache um: so ein seltzamer vogel ist es umm einn danckbarn 61ᵃ; und solt wissen, das von anbegynn der wellt gar eyn seltzam vogel ist umb eyn kluͦgen fursten Luther 11, 267 W. dagegen in dem sinne, den seltsamer vogel jetzt haben würde: nachdem nun Auberle Hessel zu Sigmaringen gestorben, hat graf Christof ain andern narren überkommen, hiesz der Nuspaum, war ain seltzamer vogel zimm. chron. ² 2, 311. —unnütz: der unnütz vogel Wickram 3, 120, 23 lit. ver.; einige zeilen vorher: ein üppiger, verwänter vogel 15; alle müszige schlingel, unnütze vögel, vaterverderber und galgenaasz Fischart bienenkorb (1588) 254ᵇ. —undankbar: verschriebe ihm das gröste theil meines vermögens, im heurathscontract, aber mit meinem baren gelde habe ich mir den undanckbaresten vogel von der welt erkauffet ollapatrida 130 ndr.verschmitzt: er ist wol so ein alter verschmitzter vogel Ayrer hist. proc. juris (1600) 100. — wild: da war ein pfarrherr, ein wilder vogel Frey gartenges. 76 lit. ver.wüst:
wüster vogel! pake dich
Schiller 1, 214 G.
14)
vogel allein von personen; auch hier zeigt sich die neigung, von gutmütiger charakterisierung aus zur schelte und zum schimpfwort überzugehen. häufig sind wendungen: man weisz, merkt schon, was das für vögel sind, wobei in der gedachten antwort allerdings ein attribut zu vogel gesetzt wird: o gebenedeyet sey der bock zu Leyptzick, der uns antzeygt, was er (Luther) fur ein fogell ist Luther 7, 625 W.; der schuͦster sahe bald, was er für einen vogel (dummen menschen) hette Schumann nachtbüchlein 212 lit. ver.; Sandrub hist. u. poet. kurzweil 122 ndr.;
von welcher art mag dieser vogel seyn?
(of what kind should this cock come of)
Shakespeare wie es euch gefällt 2, 7.
wie Rübe-zahl auch solcher vogel sol seyn in Schlesien auff dem Riesen-berge Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 43; man kann den Mathy's und andern vögeln dieser art nicht recht trauen briefe von und an Herwegh 222. — vogel allein: dieser vogel und ertzbösewicht Grimmelshausen 4, 776 literar. verein; wer weisz was die vögel einmahl wieder haben angestifftet Reuter d. ehrliche frau 42 ndr.; der autor davon (dieses buches) musz ein vogel seyn (ein schelm, schalk) ollapatrida 4 ndr.;
was meynst, das aus dem vogel werd? (dem jungen, der nicht zur schule gehalten wird)
Wickram 6, 252 lit. ver.
in der anrede: du vogel du, ha vogel der du bist Kramer (1702) 2, 1205ᵇ; antwortest du nicht, vogel! soll ich dir die rede mit diesem stocke aus dem leibe langen Chr. Weise d. grün. jugend überfl. gedanken 179 ndr.; dort in der runden stube — gelt vogel Schiller 2, 142 G.;
auf Levulum, einen feder-hans (prahler, s. th. 3, sp. 1406).
du vogel, Levulus, wie dasz du dich bewegest,
du vogel, wann man spricht? da federn du doch trägest
Logau 1, 10, 78.
ertztvogel, homo nequissimus Steinbach 2, 900.
15)
wie seltner vogel, rarer vogel eine sache bezeichnen kann, so ist es in einer reihe anderer wendungen der fall, die z. th. schon erwähnt sind (z. b. der vogel ist mir entschlüpft von entgangenem gewinn): hetich ist ein böser vogel, habich ist ein guter Franck sprüchwörter (1541) 2, 193ᵃ.
16)
man schosz mit der armbrust, später auch mit der büchse nach einem auf hoher stange angebrachten vogel; sieger war, wer den letzten rest des vogels herunter holte, den vogel abschosz. den vogel abschieszen heiszt dann das richtige treffen, das beste leisten, eine glückliche entscheidung finden, in einem wettstreit siegen u. ä.: ein geschnitzter vogel, wornach sie schissen; den vogel abschissen Steinbach 2, 899; vom fogel abschieszen Luther 34, 1, 154, 4 W.; sicut nobiscum dicitur: viel schissen nach dem vogel, sed unus eum deiicit 154, 18; da die bürger mit armbrüsten nach dem vogel schieszen solten Schütz hist. rerum pruss. (1592) o 4ᶜ; do sie nun einmal zum Berlin zum vogel schossen, und Clawert etwas langsam ankommen, das der vogel fast zum abschus stundt Krüger Clawerts werckl. historien 25 ndr.; früh nach dem vogel geschossen Göthe III 1, 43 W.;
wie viel er vögel abgeschossen
Lessing 1, 7 M.;
endlich haben wir
den vogel abgeschossen (endlich ist es gelungen)
Z. Werner d. söhne des thales (1804) 2, 187.
redensart: bei mir ist der vogel runter, ich bin nicht aufgelegt, habe keine lust Müller-Fraureuth 2, 623ᵃ.
17)
besondere bedeutungen.
a)
keimfleck im ei: der vogel, das weisz im dutter darausz die jungen güggele geboren werdend Maaler 471ᵇ; umbilicus der vogel im ey Orsäus nomenclator meth. (1623) 63; das vögelein, der kleine, weisze, linsenförmige körper auf dem häutchen des eidotters (narbe, auge, köpfchen, hahnentritt) Campe; Schmeller 1, 834; Fischer 2, 1602; schweiz. idiot. 1, 692; die selb weysse hat ain flecklin, nennet man den fugel Geiller schiff der penit. 112; gleich einem hennen ey, so auszwendig ein schalen unnd häutlein hat, darmit der dotter und der vogel verschlossen bleibe Ruoff hebammenbuch (1580) 95.
b)
eiterbläschen auf der haut, eiterndes geschwür (gewissermaszen 'angeflogen') Schmeller bayer. wb. 1, 834; Schöpf tirol. 190, Höfler krankh.-namenbuch 767ᵃ.
c)
eine art länglicher brote Schöpf 790; Fischer 2, 1603; vögeli, semmel in vogelgestalt mit augen aus reckholderbeeren schweiz. idiot. 1, 692; Follmann lothring. 169ᵇ.
d)
ein stück aus dem kessel genommenen gebrühten käsestoffes (käsvogel) schweiz. idiot 1, 692.
e)
gericht aus kalbfleischstücken, kälbervögel, kälberne vögel schweiz. idiot. 1, 692; Fischer 2, 1603; Schmeller 1, 834.
f)
gelbe vögel, goldstücke, nicht nach aufgeprägten adlern, sondern weil sie zu- und fortfliegen schweiz. idiot. 1, 692; Martin-Lienhart 1, 99ᵇ; reiche leute haben trotz ihrer gelben vögel doch manchmal auch allerlei lasten und krankheiten auszustehen Hebel 2, 174.
g)
dagegen nach den adlern auf den knöpfen am kragen der gefreiten, sergeanten und feldwebel sagt man: er hat den kleinen (gefreiter), groszen vogel bekommen, ist gefreiter, sergeant geworden Horn soldatenspr. 71. auch von einem orden, bes. dem roten adlerorden in Preuszen: roter vogel, piepmatz vierter (klasse).
h)
wenn vogel kollectiv zur bezeichnung eines bienenschwarms gebraucht wird, wirkt die frühere allgemeinere anwendung des wortes nach (s. oben 4) Fischer 2, 1602 (schöner, starker, junger vogel) schweiz. idiot. 1, 692.
i)
scherzhaft nennt man das ungeziefer, läuse vögel Martin-Lienhart 1, 99ᵇ ; schweiz. idiot. 1, 692; Frischbier preusz. wb. 2, 446ᵇ.
k)
vogel obscön, penes:
ich wæn, er ir ze liebe
hât in die selben kliebe
sînen rôten vogel geschoben
minnes. 3, 229ᵃ Hagen.
l)
traggestell der maurer schweiz. idiot. 2, 693 (auch von anderen ähnlichen traggestellen oder -brettern) Fischer 2, 1603; Martin-Lienhart 1, 99ᵇ; Follmann lothr. 169ᵇ; wb. d. luxemb. ma. 472ᵃ.
m)
vorrichtung am webstuhl, das schiffchen aufzufangen und zurückzuschnellen schweiz. idiot. 1, 693.
n)
kleiner sitz hinten am sog. wurstschlitten für einen knaben oder diener schweiz. idiot. 1, 693.
o)
vogel, das oberste, dünne ende der baumstämme Schmeller bayer. wb. 1, 835.
p)
vögel, späne rings um ein scheit, gefiederähnlich hervorstehend schweiz. idiot. 1, 692.
q)
zusammengeballte federn in bettkissen ebenda.
r)
man sagt: er hat einen vogel, eine fixe idee, eine verrücktheit, es ist nicht richtig mit ihm; du hast wohl einen vogel, bist wohl verrückt Fischer 2, 1602; Follmann lothr. 169ᵇ; Müller-Fraureuth 2, 623ᵃ; Frischbier preusz. 2, 446ᵇ; schlieszlich glaubt es der weber, und nun hat er den vogel Hauptmann die weber act 4. die zu grunde liegende vorstellung tritt deutlich hervor in den redensarten: dir pickt es wohl? den pickt der vogel.
s)
in alter zeit trugen die geschütze oft vogelnamen, daher inschriften:
de ule bin ik genant,
wen ander vagel slapen,
so kome ik bi de hand.
ein vogel bunt bin ik, de heister,
den vienden to schaden en gut meister
Ziegler geschützinschriften 24.
t)
in der Schweiz kuhname schweiz. idiot. 1, 692; Vogel, Vöglein, jüdischer weiblicher vorname Fischer 2, 1603.
u)
figur im kaffeesatz, bedeutet gute freunde Avé-Lallemand deutsches gaunerthum 2, 263, anm. 2.
18)
vogel (oder vögel) als erstes glied in zusammensetzungen; usuelle und charakteristische verbindungen in auswahl (auf das nur vereinzelt auftretende s in der kompositionsfuge ist bei der alphabet. ordnung keine rücksicht genommen). —
vogelaas n.
vogelfutter Fischer schwäb. 2, 1603. —
vogelaffe m.
affenart Brehm tierleben (1890 ff.) 1, 9. —
vogelamber m.
weiszer amber, gern von vögeln gefressen Nemnich.
vogelansicht f.
im sinne des gebräuchlicheren vogelperspective, -schau (vgl. -blick):
die dinge aus der vogelansicht von oben zu betrachten
fürst Pückler briefw. u. tageb. 4, 80;
anders bei Herder: ist er nicht ein geschöpf, das hand hat, das einst tasten und wenigstens sich selbst betasten konnte; ein vogelauge, ganz schnabel, ganz blick, ganz fittig und klaue, wird nie von diesem dinge (statue) als vogelansicht haben 8, 12 Suphan.
vogelart f.
dasz (es) für die menschenarten wie die vögelarten gewisse zeiten giebt im jahr, wo sie den drang zum singen haben B. v. Arnim d. Günderode (1840) 2, 174. gewöhnlich vogelart: mit den greyffen, welches ein wilde vogelart ist Gabr. Rollenhagen indian. reysen (1603) 49; die sämmtlichen differentias specificas aller vogelarten G. Forster s. schr. (1843) 6, 101. —
vogelartig adj.
häufig sieht man diese vogelartigen köpfe bei Südslaven Vischer altes u. neues (1881) 1, 32. —
vogelasch m.
sorbus aucuparia Holl wb. d. pflanzenn. (1833) 77ᵇ; siehe vogelesche. —
vogeläser, vogeleser, vogelesser m.
jagdtasche eines voglers Diefenbach gloss. 104ᵇ; mhd. wb. 1, 448ᵃ; Lexer 1, 710. —
vogelatz f.
speise, fütterung der vögel, schnabelweide.
vogelätzer m.
oder pfläger Dasypodius 448ᵈ. —
vogelatzung f.
mangiaglia da uccelli Kramer teutsch.-it. dict. (1702) 2, 1205ᶜ. —
vogelauge n.
im eigentlichen sinne z. b. bei Herder oben unter vogelansicht; pflanzenname: primula farinosa Marzell tiere in deutschen pflanzennam. 49. vogelaugenholz ist ein ahornholz mit bestimmter maserung.
vogelbahn f.
name der milchstrasze Frischbier preusz. wb. 2, 446ᵇ. —
vogelbalg m.
haut der vögel mit den federn: die vogelbälge werden in diesen tagen hier sein Göthe IV 31, 88 W.
vogelbann m.
mit allerhandt gejagden, wiltpannen, vogelpannen lehns- u. besitzurk. Schlesiens (1881 ff.) 1, 288. —
vogelbau m.
ähnlichkeit mit dem vogelbau (in anatomischem sinne) Sömmerring vom baue des menschl. körpers 5, 908; wie vogelbauer: lange zeit het ein knab ein vöglein ... in eim vogelbaw oder häuszlein gefangen gehalten Kirchhof wendunmuth 4, 275 lit. ver.
vogelbauer n. und m
(s.bauer th. 1, sp. 1175), cavea, fogelbur Diefenbach gloss. 108ᵃ; domicilium 190ᵃ; Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 295ᵃ; ein vogelbauer (als m.) Stieler 105; vogelbauer, m., cavea qua aves cantrices in primis includuntur Frisch 2, 405ᵃ; Adelung verzeichnet nur neutrales geschlecht; -bauer erscheint ihm niedrig, 'in höherer schreibart ein käfig'. über die verbreitung des wortes, das für den norden u. nordosten characteristisch ist, s. Kretschmer wortgeographie 553. (die nachtigall) ist viel frölicher im wald denn wenn sie im vogelbawr gefangen ist Luther 32, 462 W.; und ire heuser sind voller tücke, wie ein vogelbawr voller lockvogel ist Jer. 5, 27; ist die welt denn etwas anders, als ein vogelbauer, wo man sich herumdreht und, wenn es recht lustig hergeht, spross auf spross abspringet? Hippel lebensläufe (1778 ff.) 3, 2, 645; über das vogelbauer hing sie ein tuch Auerbach schr. (1892) 15, 32; beispiele für das m.: darumb machen sie ein kästlein mit zweyen fachen wie einen vogelbawr Aitinger jagd- u. weidb. (1681) 299; könnt ihr einen vogelbauer verfertigen? Grabbe 1, 441 Bl.;
der vogelbauer,
aus dem der süsze schall sich wand
Wieland I 7, 79 ak
übertragen, hausflur mit gitterwerk nach der strasze: einen solchen vogelbauer, mit dem viele häuser versehen waren, nannte man ein geräms Göthe 26, 12 W.; kleines häuschen: mein stilles, grünes vogelbauerchen H. v. Chézy in J. M. Wagners archiv 91. —
vogelbaum m.
verkürzt aus vogelbeerbaum Lexer 3, 425; da wuͦchs dem breutigam ein vogelbaͤmlin in seiner hannd der heiligen leben winterteil (1471) 130ᵇ. —
vogelbeerbaum m.
sorbus aucuparia, eberesche; die rothen beeren werden als lockspeise zum vogelfang benutzt: sorbus aucupatoria, vogelbeerbaum Corvinus fons lat. (1646) 810; vom ebschen- quitschen- oder vogelbeer-baume Döbel jägerpractica (1754) 3, 14; Pritzel-Jessen 284; Unger-Khull steir. 245ᵃ; Castelli österr. 131; bei Schmeller bayer. 1, 835 für crataegus oxyacantha, weiszdorn; die früchte vogelbeeren bei Pritzel-Jessen 117; vogelbeerbaum, mit den schönsten früchten Göthe III 2, 173 W.; um ihn her standen mehrere vogelbeerbäume, die mit ihren feuerfarbenen früchten lustig gegen den dunklen wald abstachen Brentano ges. schr. (1852) 4, 32; ein ganz kleines stückchen rasen mit zwei vogelbeerbäumchen G. Keller ges. w. 1, 32. —
vogelbeerbüschel n.
fruchtdolde der eberesche: einen kranz von ebereschen oder vogelbeerbüscheln G. Keller 1, 147. —
vogelbeere f.
die rothe frucht der eberesche oder einer abart, die als lockspeise beim vogelfang verwendet wird, danach gelegentlich auch als name des baumes selbst: arls- sive vogelsbeere, sorbus torminalis Stieler 119; vogelbeere Steinbach 1, 85; a) sorbus aucuparia, b) crataegus torminalis Nemnich; vogelbeere, die, ist unsere pihl- oder ebereschbeere Hupel idiot. von Lief- und Ehstland (1795) 252; Pritzel-Jessen verzeichnet vogelbeere, crataegus oxyacantha (117) und ligustrum vulgare (215); frucht d. eberesche bei Fischer schwäb. 2, 1604; Unger-Khull steir. 245ᵃ; Müller-Fraureuth obers. 2, 623ᵇ; Bauer-Collitz waldeck. 35ᵇ; mancher hat ein so rothes gesicht, dasz ihme auch die starn ... nachfliegen, der meynung, als wachseten vogel-beer auf ihme Abr. a St. Clara etwas f. alle 2, 661; die ebsch- oder rothe vogel-beeren fressen sie (baummarder) auch gern Döbel jäger-pract. (1754) 1, 42;
die lüste dieser welt sind bunte vogel-beeren,
durch welche sie uns offt in ihre netze zieht
Neukirch anfangsgr. z. teutschen poesie (1724) 173;
o hügel ...
von deinem haupt ein baum emporgerichtet,
an dem die vogelbeere glüht
Grillparzer w. 1, 143 Cotta;
der baum: wo birken ..., vogelbeeren (sorbus aucuparia L.) und weiden ... die einzigen wildwachsenden bäume sind Hoops waldbäume 39; andere beeren:
und ihre äuglein beide
sind wie die sternlein klar;
sie blinzeln hin und her,
sind schwarz, wie vogelbeer
Schubart s. ged. (1825) 3, 44.
hierzu: vogelbeerholz, -rinde, -rot, -saft, -säure, -schnaps (in Steiermark vogelbeerener Unger-Khull steir. 245ᵃ), -strauch. —
vogelbein n.
noch mer so machet sie usz aim vogelbain ... hirtenpfyffen Stainhöwel de claris mulieribus 40 lit. ver. hierzu: die vogelbeinigen sirenen Voss antisymb. 2, 342. —
vogelbeize f.
jagd auf vögel (reiher, wildenten u. ä.) mit jagdvögeln: aucipium, vogelbeisse z. f. d. alt. 5, 416, 108 (= mhd. beiʒe); auf die vogelbaize reiten Stieler 83; vogelbeitze, aucupium Steinbach 1, 113; als selten bei Adelung; das jagrecht, vogelbeitz und fischfang dieser ort P. Uffenbach atlas minor (1609) 298; wie in den mittleren zeiten alle edeldamen mit sperbern auf der hand gemalt wurden, ob sie gleich nicht auf die vogelbeize ritten Jean Paul 39, 132 Hempel; frei vom abschieszen eines hölzernen vogels: als er könig wurde in der vogelbeize 11—14, 251. —
vogelbeizen n.
von dem vogelbaissen (= mhd. beiʒen) und hirschengejäd Wolfg. Hartmann augsb. chron. (1593) 274; mancher suchet seine lust ... im jagen und vogelbeitzen Harsdörfer t. secret. (1656 ff.) 1, 113; als ein Sachse war er der jagd und dem vogelbeizen in seiner jugend ergeben gewesen Haller Alfred (1773) 82. —
vogelbeizer m.
vogelbaizer, auceps Stieler 83; vogelbeitzer Steinbach 1, 113. —
vogelberg m.
berg, klippe, auf denen im norden die seevögel nisten: auf den Färoer ... stehen ... alle vogelberge ... nur nach westen Naumann naturgesch. d. vögel 10, 334. —
vogelbeschauer m.
augur: so ein Nubier, so ein vögelbeschauer, so ein sterngucker, so ein mathematicus Immermann 16, 20 Hempel.
vogelbirne f.
birnensorte Maur. Hoffmann catal. plant. (1662) j 4ᵇ. —
vogelblatt n.
mit dem der vogelfänger locktöne hervorbringt: vogelplat vel plat der vogler, sublinguium Diefenbach gloss. 560ᶜ. —
vogelblick m.
wie -ansicht, -perspective, -schau:
ich überschau als schwan
mit vogelblick
des lebens wirre bahn
D. Fr. Strauss ges. w. 12, 216.
vogelblume f.
vögerlblume, sonnenblume (helianthus annuus) Marzell die tiere in d. pflanzennamen 93; die samen dienen als vogelfutter.
vogelblütig adj.
vogel blütige pflanzen, die von vögeln bestäubt werden.
vogelbolz, vogelbolzen m.
geschosz der armbrust zur vogeljagd oder zum schieszen nach der vogelstange Lexer mittelhd. 3, 425; eyn fogelboltz, catapulta Diefenbach gloss. 106ᵃ; so scheust er aus dem wasser mit eim vogelpolz in die höh d. st. chron. 10, 166; er spannet das armbrust, leget ein vogelpoltz auff und schlegt an auff den pfaffen Sachs 17, 196 lit. ver.; (er) nimmt diese dinge für vögelbolzen (bird-bolls), die ihr als kanonenkugeln anseht Shakespeare, was ihr wollt 1, 5. übertragen: vogel-poltzen, ist eine so genannte knotenpeitsche, welche die schede-, wäsch- und gruben-jungen empfinden, wenn sie unfug treiben Minerophilus bergwercks lex. (1730) 697; mit einem vogelpoltz ... schmeist man den menschen das ihm striemen aufflauffen Mathesius Syrach (1586) 2, 19ᵇ. —
vogelbrot n.
pflanzenname: sedum acre Pritzel-Jessen 370; sauerklee, oxalis acetosella Unger-Khull steir. 245ᵃ. —
vogelbrut f.
im sommer ruinieren die marder viele junge vogelbruth Döbel jäger-practica (1754) 1, 41. —
vogelbube m.
handlanger der maurer Fischer schwäb. 2, 1604; siehe vogel 17 l. —
vogelbuch n.
buch mit einer beschreibung der vögel: vogelbuch des K. Gesner (1557). —
vogelbüchse f.
zur vogeljagd Kramer teutsch-it. dict. (1702) 2, 1205ᶜ. —
vogelbühel m.
vogelherd Unger-Khull steir. 245ᵃ. —
vogelbügel m.
gebogene gerte zum vogelfang, dohne: transenna, vogelbögel vel donnen Diefenbach gloss. 592ᶜ. —
vogelchor m.
oft vögel-:
fern verhallen schon die donner,
und die vögelchöre singen
Uhland ged. (1898) 1, 191.
vogeldarm m.
als name einer schnecke bei Nemnich (serpula glomerata). —
vogeldeuter m.
augur Stieler 309; Campe; ein autor kann den andern so wenig, als vormals bey den alten Römern ein vogeldeuter den andern, ohne lachen ansehen Rabener s. w. 2, 70;
Kalchas, Thestors sohn, der vogeldeuter bewährtster
Bürger 186 Bohtz (οἰωνοπόλων ὄχ' ἄριστος A 69).
vogeldichter m.
wie das vorhergehende: ich bin nit ain wyssag, noch vogeltichter (ariolus) Stainhöwel Äsop 63 lit. ver.
vogeldirne f.
hure (s. vögeln):
steglouffen, vogeldirnen und würkerin
d. teufels netz 12 234.
vogeldistel f.
crepis biennis Pritzel-Jessen 118. —
vogeldohne f.
sprenkel, schlinge zum vogelfang Zinck allg. ökon. lex. (1744) 3423; s.dohne th. 2, sp. 1220. —
vogeldunst m.
feinster schrot zur jagd auf kleine vögel Jacobsson techn. wb. 4, 548; Kramer teutsch.-it. dict. (1702) 2, 1206ᵃ; ein feines körnchen vogeldunst Holtei erz. schr. 14, 35. —
vogelei n.
sie legen eyer gleich den vogeleyern Heyden Plinius (1565) 325. —
vogeleidechse f.
pterodactylus (aus dem oberen jura und der kreide). —
vogelerbse f.
Adelung, wie -wicke. —
vogelesche f.
wie vogelbeerbaum Pritzel-Jessen 284. —
vogelesser m.
s.
vogeläser
vogeletzer m.
s.-ätzer.
vogelfäcke f.
den vögelfäcken gleych seyn Frisius dict. (1656) 650ᵃ, s.fäcken th. 3, sp. 1229. —
vogelfahen n.
wie der kautz zum vogelfahen gebraucht werde Aitinger jagd- und weidb. (1681) 224. —
vogelfahung f.
vogilphaunge, aucipium Diefenbach gloss. 59ᵇ; vogelfahung Dasypodius 448ᵈ. —
vogelfalk m.
der sperber, falco nisus Campe; vögelfalke Naumann naturgesch. der vögel 1, 258. —
vogelfang m
(vgl. ahd. fogalfengida Graff 3, 415): vogelfanck, aucipium Diefenbach gloss. 59ᵇ; vogelfang Stieler 395; vom vogelfange leben Steinbach 1, 380; den vogelfang verstehen, auf den vogelfang ausgehen; auch der ort, wo, die vorrichtung, womit man vögel fängt, 'in welchem falle es auch wohl den plural leidet' Adelung; dem vogelfang abwarten quelle bei Fischer schwäb. 2, 1604; sie musten ihm geben jährlich die helffte alles fischfanges, vogelfanges, und viezuchten Schütz hist. rer. pruss. (1592) 1, b 1ᵇ; im winter, wenn der vogelfang vorbey Döbel jäger-pract. (1754) 2, 181; darf ich bitten diese spällinge des vogelfangs mit erinnerung meiner froh zu verzehren Göthe IV 22, 189 W.; für den landwirth ist von allen arten von vogelfängen nur der lerchenstrich und der dohnen- oder schneidstieg zu einigem nutzen und vergnügen Leopold handwb. der ökonomie (1805) 520ᵃ;
ich kenne deiner wiesen blühen,
die jäger-lust, die fischereyen,
den vogel-fang
C. Stieler geh. Venus 22 ndr.;
doch am hohen balken drinnen, der des daches giebel trägt,
wie im vogelfang die drosseln, zappelt ihr der reihe nach
Göthe 15, 195 W.
übertragen: des frauenzimmers vogelfang Logau sinnged. 2, 5, 94. —
vogelfange f.
die vogelfange ist ein weidenkörbchen mit hüpfsprangel, köder und fallbrettchen Rosegger Alpensommer (1908) 191. —
vogelfangen n.
warum in der h. schrift das jagen und vogelfangen niemals belobt zu finden Harsdörfer gesprechsp. 3, 108; wäre das nicht, das vogelfangen, ich wär schon längst hin maler Müller w. (1811) 3, 63;
da kann mit vögelfangen und fischereien
sich der pfarrer nach gefallen zerstreuen
Kortum Jobsiade (1799) 2, 143.
vogelfänger m.
in älterer sprache und oberd. auch fanger: uccellatore, vogelfänger Hulsius dict. (1605) 2, 309ᵃ; vogelfänger, auceps Stieler 394; vogelfanger, vogler, auceps Dentzler clavis linguae lat. (1718) 2, 335ᵃ; vogelfänger Frisch 2, 405ᵃ; Adelung (der vogelsteller für üblicher erklärt): von einem praeceptor und vogelfanger L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 118 ndr.; diejenigen so rechtfertigen seynd wie vögel, das gericht ist die herd, die garn sind die richter, die vogelfänger die juristen Lehman floril. polit. (1662) 2, 931; der vogelfanger pfeifft und locket auf das lieblichste Abraham a St. Clara etwas f. alle 2, 706; (die drossel) eröffnet für den vogelfänger jetzt im september den strich Holtei erz. schr. 27, 116;
wil auch werden ein vogelfenger
Rollenhagen froschm. (1595) Z 7ᵃ;
der vogelfänger bin ich ja
Schikaneder zauberflöte;
der vogelfänger fing bei seinem vogelfang
ein vögelein
Rückert werke (1867 ff.) 3, 239.
vogelfeder f.
fande er da vil vogelfedern und rebhünlein-beinlein Mathesius Sarepta (1571) 26ᵃ; wenn ein krancker hüner- oder ander vogel-federn unter sich hat, so kan er nicht sterben Prätorius philosophia colus (1662) 169; (der mensch) ziert sich, um des anschauns werth zu sein, mit vogelfedern und schillernden muscheln Herbart werke (1850 ff.) 11, 81. —
vogelfell n.
ungewöhnlich für vogelbalg: inwendig sind sie mit vogelfellen .. gefuttert Olearius pers. reisebeschr. (1696) 86. —
vogelfiraus m.
der kirschvogel, oriolus galbula Nemnich; über den zweiten bestandtheil (gewöhnlich pirol) s. Suolahti vogeln. 172. —
vogelfist m.
lycoperdon bovista, ein pilz Marzell die tiere in deutsch. pflanzennamen 153; säe pfofist oder vogelfist, der dürr seie, darein Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 326; s. fist th. 3, sp. 1691; Fischer schwäb. 2, 1618. —
vogelfittich m.
gleich wie von zweyen zusammen gebundenen vogelfettichen Sebiz feldbau (1579) 610;
lockst du mich wie vogelfittich?
E. M. Arndt w. 3, 175 Rösch-Meisner.
vogelfleisch n.
eyn roh rephun ... oder sonst vogel fleysch Sebiz feldbau (1579) 420. vögel-fleisch Kra mer teutsch-ital. dict. (1700) 1. 382ᵃ; dieses vogels fleisch zur speise gebrauchet Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 103. —
vogelfliege f.
tropischer kleiner vogel: von der vogelfliege bis zum wüthenden strausz Nicolai lit. br. (1759 ff.) 2, 326. —
vogelflinte f.
flinte kleinen kalibers zur vogeljagd: vogel-flinte, -büchse, -rohr Kramer teutsch-it. dict. 2, 1205ᶜ (1702); vögel-flinte 1, 393ᶜ (1700); ein freudiges piket frohnbauern schoss mir aus 17 vogelflinten und einem paar taschenpuffern sowohl ehrensalven als einige ladstöcke entgegen Jean Paul w. 1, 38 H.
vogelfloh m.
ceratopsyllus gallinae, auf vögeln lebend.
vogelflucht f.
wie das folgende: wie man ausz der vögelflucht sol lernen warsagen Heyden Plinius (1565) 79; zeitschr. f. d. wortf. 13, 174 (Joh. Ellinger 1629). —
vogelflug m.
Lexer mhd. 3, 428; avicia, vogil-flug Diefenbach gloss. 61ᵃ; aus dem vogelfluge weiszagen Adelung; in älterer sprache auch vögelflug; in unbefangener anwendung: dasz man ihn (den flug des kiebitzes) von jedem andern vogelfluge unterscheiden kann Naumann naturgesch. d. vögel 7, 283;
duft und klang und vogelflug,
balsam, wo die blicke weiten
Herwegh ged. e. lebendigen (1843) 8;
leichtigkeit:
schwärme leicht wie vögelflug
um die grüne linde
Mereau gedichte (1800 ff.) 1, 133.
schnelle:
da kamen sie gerant, gleich einem vogelsflug
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 23. ges. 9. str.;
im vogelfluge, in eile, wie sonst im fluge: so viel im vogelflug von unserer tour Göthe IV 4, 88 W. mit beziehung auf das sehen von oben (vogelperspective): wie ein land in dessen gegenden man von einem hohen berge oder im vogelflug sieht IV 4, 68 W. meist mit beziehung auf die schicksalweisende bedeutung des vogelfluges:
er virbôt allen anegang,
vogilvlug, stimme odir sang
Rudolf v. Ems weltchron. 15 517;
die blinden suchen heil im abgeschlachtem vieh,
bey sternen, vogelflug und fremder phantasie
Gryphius trauerspiele 738 lit. ver.;
nicht wird er (gott) senden günst'gen vogelflug
Uhland ged. 1, 298 Schmidt-Hartmann;
dasz das angurium, der vogel-flug und weissagung die sach solte entscheiden Widmann Fausts leben 463 lit. ver.; wenn man von günstigen göttern durch vögelflug und eingeweide gestalt treuen rath und warnung zu erhalten glaubte Göthe 41, 1, 363 W.
vogelflügel m.
wir tragen jetzt vogelflügel auf den hüten Auerbach schr. (1892 ff.) 1, 99; die füsse gestalt wie löwenfüsse samt vogelsflügeln Dannhawer catech. milch (1657 ff.) 4, 283. —
vogelfragen n.
(Moses verbot) das vögelfragen und todtenfragen bei lebensstrafe Herder 20, 85 S.
vogelfrasz m.
das fressen der vögel, art und weise des fressens; das, was sie fressen Campe; schädigung der saat durch vogelfrasz: dasz er (dinkel) von dem vogelfrasz auf dem felde wenig oder nichts leidet Schwerz prakt. ackerbau (1882) 317. auch das fressen der vögel ist schicksalkündend: dasz ich prophezeien kan, ... ohne vögelflug und vögelfrasz zu beobachten Meissner Alcibiades (1781) 1, 160. —
vogelfratschler m.
vogelhändler, Unger-Khull steir. wortschatz 245ᵃ; s. fratschlerin, fratschlerweib th. 4, 1, sp. 68. —
vogelfrei adj
1)
exlex, dem angriffe jedermanns freigegeben, ohne gesetzlichen schutz, geächtet. der ausdruck gehört nicht der alten rechtssprache an. aqua et igni interdictus, vogelfrey Frischlin (1586) 246ᵇ; extorris, verbannet, vogelfrey Orsäus nomencl. method. (1623) 114; vogelfrey, cujus libet violentiae, sicuti aves, expositus Schottel teutsche haubtspr. (1663) 80; vogelfrey machen, igni et aqua interdicere Stieler 559; vogelfrey, proscriptus Frisch 2, 405ᵃ; jemanden für vogelfrey erklären Adelung. die erklärung: 'wie ein vogel in der luft, den jeder schieszen darf' (Grimm gramm. 2, 560) ist schwerlich richtig, denn die jagd auf vögel gehört zum wildbann; vielmehr ist auszugehen von wendungen wie den vögeln erlaubt sein (s. vogel 1): dem körper des geächteten wird das grab versagt, mit der sich mehr und mehr vordrängenden vorstellung, dasz der geächtete der tötung ausgesetzt ist u. nicht behaust werden darf: vogelfrey, der dem vogel im luft erlaubt, expositus ad necem Dentzler clavis ling. lat. (1716) 2, 335ᵃ; in neuerer sprache wird das wort meist in freierer anwendung gebraucht, schutzlosigkeit, verfolgung auszerhalb der rechtssphäre bezeichnend: (er) entsetzet in alle seines stambs, länder, gütter, das er jederman vogelfrey geacht werden sollt S. Franck chron. Germ. (1538) 174ᵃ; wurden also vor allen andern regimentern ... offentlich, als meineydige schelme ausgeblasen, vogelfrey ... gemachet Chemnitz schwed. krieg 2, 907 (1653); vgl. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 127; ihn selbst in den bann thun, und als einen verfluchten vogelfrey erklären Lohenstein Arminius 2, 77ᵃ; endete am galgen oder in der haide, wo die vogelfreien ihr haus haben Alexis Roland v. Berlin 2, 41 (1840); widrigenfalls setzen wir dich nunmehr aus kaiserlicher machtvollkommenheit aus dem frieden in den unfrieden, weisen dich hinaus auf die vier straszen der welt und erklären dich für vogelfrei Hebbel w. 3, 232 Werner; nach einer notiz des Gött. tagebl. vom 14. Dez. 1918 aus Gevelsberg bei Hagen droht der dortige arbeiter- u. soldatenrat einen redakteur für vogelfrei zu erklären, wenn er seine politische haltung nicht ändere;
stoszt zu! der kerl ist vogelfrei!
Göthe 14, 111 W.;
in freier anwendung: ein hanswurst ist unter den hiesigen gelehrten vogelfrey Hafner ges. schr. (1812) 1, 17; ich werde nach wie vor, von den lit. coterieen als vogelfrei behandelt und von den theatern ignorirt Hebbel briefe 5, 108 Werner. von thieren, in der rechtssprache: (von jeder frei weidenden ziege soll) dreiszig kreizer pfantgelt unnachleszlich eingefordert oder dieselben fir voglfrei gehalten werden tirol. weisth. 2, 204, 30 (1641); thiere, die an sich schutzlos sind:
bist vogelfrey, in aller welt (der wolf)
H. Sachs 9, 190, 7 lit. ver.;
er ist (der fuchs) ein vogelfreier spitzbube Brehm tierl. (1890 ff.) 2, 173; scherzhaft: ich erkläre hiemit alle fliegen in der stadt für vogelfrei Aurbacher volksb. 2, 203 (1839). auf unpersönliches bezogen: ich werfe sie (die geschenke) gleich auf die gasse und erkläre sie für vogelfrey Chr. Felix Weisze lustspiele 2, 333; (der kosmologische gottesbeweis) in folge des ihm von Kant gemachten processes, aller rechte verlustig und vogelfrei erklärt Schopenhauer w. 1, 615 Gr.; so wäre denn mein buch in Deutschland vogelfrei erklärt Börne ges. schr. 11, 183 (1829 ff.).
2)
der von Lexer mhd. handwb. 3, 428 angeführte beleg bezeugt nicht die bedeutung geächtet: was leut herkomen, wannen sie kumen, sie sollen mit den freien dienen, ieder man nach seinen staten, ausgenomen die aus Ulten, die seind voglfrei tirol. weisth. 3, 171, 10 (1490); der sinn musz hier sein: von herrschaftsdiensten frei. zur bezeichnung der völligen freiheit, ungebundenheit, freizügigkeit: vogelfrey, gäntzlich von beschwerden befreyet Rädlein (1711) 1005ᵃ; vogelfrei, eigentlich völlig ungebunden, so dasz man hingehen kann, wo man will Krünitz ökonom. encycl. 227, 99; vgl. vogel 7; im anfange hengen sie alle am euangelio und meinen, sie wollen dardurch zu groszen bepsten, bischoffen, fursten und herrn werden und niemandts nichts geben, wollen vogelfrej sein Luther 33, 647 W.; dasz er aber dagegen von allen gerichten gantz vogelfrei sein wil, und tyrannischer weisz also herrschen, dasz sein eigner wille sein gesetz sein sol Calvin institutio christ. rel. (1572) 2, 79; ein vogelfreies weben und schweben Kepler opera omnia 1, 590; die welt ist unbendig, und wil gar vogelfrey seyn Petri der Teutschen weisheit (1604) 2 r viᵃ; (ich) verliesz Berlin, nachdem ich mich solchergestalt (durch verkauf der möbel u. unterbringung der bücher) vogelfrey gemacht Z. Werner an Göthe, schr. d. Götheges. 14, 10; die ganze anstalt ist zu schlecht eingerichtet, als dasz ein mann wie er mit ehre etwas damit zu thun haben könnte. wir sind also wieder vogelfrei Dorothea Schlegel briefw. 1, 225 Raich; diese noch vor kurzem mitten im britischen coloniestaate ganz vogelfreie völkerinsel Ritter erdk. (1822 ff.) 6, 1174; die literatur stellte neben den gebundenen brod- und fachgelehrten den vogelfreien schriftsteller Riehl d. deutsche arbeit 43;
nun bin ich vogel-frei, der süszen angst entkommen
Zesen verm. Helikon (1656) 1, 102.
du vogelfreier, sei mein luftig spiel!
Uhland ged. (1898) 1, 346.
hierzu
vogelfreiheit f
vogelfresser m.
ornithophagus Stieler 899; die samenkörner des spitzen wegerichs wb. d. els. mundarten 1, 185ᵃ. —
vogelfreund m.
J. Hoffmann, taschenbuch für vogelfreunde. Stuttgart 1900; Henrici ged. (1727 ff.) 1, 289. —
vogelfrisch adj.
das glükk ist schnell und vogelfrisch
Schottel friedenssieg 37 ndr.
vogelfritze m.
händler, züchter von vögeln Albrecht Leipziger mundart 232ᵃ; auch vogelnarr, siehe
vogelmärten
und
vogelstoffel
fritze th. 4, 1, sp. 220. —
vogelfuhre f.
jus capiendi aves Frisch 2, 405ᵃ (aus Straszburg). fuhre hat hier die bedeutung von unterhalt (s.fuhre 14 th. 4, 1, sp. 429), das ganze den sinn von vogelweide. —
vogelfusz m.
das laub ist inn trei spitzen zertheylet, oder wie eyn vogelfusz ... formiret Sebiz feldbau (1579) 513; vogelfüsze erster roher schreibart (hieroglyphen) Herder 6, 389 S.; name einer pflanze, deren fruchtständer wie vogelkrallen aussehen (ornithopus) Marzell die tiere in deutschen pflanzennamen 69; bei einer anderen bezieht sich der name auf die blüthen (panicum crus galli) 68. name einer meerschnecke (strombus pes pelicani) Nemnich.
vogelfüszerin f.
die weiber aber so klein, das man sie strutopedes oder vogelfüszerin nennet Gabr. Rollenhagen ind. reysen (1603) 56. —
vogelfutter n.
vergisz nicht den sperlingen vogelfutter auf mein fenster zu streuen Chamisso w. (1836) 6, 83; frucht des wegerichs, des mohns wb. d. els. mundarten 1, 158ᵇ. —
vogelgabel f.
vorrichtung zum vogelfang (vogelkloben): hamus, fogel gabil Diefenbach gloss. 273ᵃ. —
vogelgarbe f.
der wegerich, plantago major Pritzel-Jessen 292. —
vogelgarn n.
vogelgarne oder gestrickte jagdzeuge, zum fange der vögel, sind: kleb-, steck-, deck-, sack- oder schlaggarne Behlen lex. d. forst- u. jagdkunde 6, 155; Lexer mhd. wb. 3, 426; amis, vogelgarn Diefenbach gloss. 30ᶜ; aucipium, fogelgarn 59ᵇ; vogelgarn, rete, -gärnte, reticulum Maaler 471ᵇ; Stieler 611; Steinbach 1, 558; Frisch 2, 405ᵃ; Adelung; Jacobsson techn. wb. 8, 103ᵃ; dieser strickte entweder fisch- oder vögel-garn Grimmelshausen 3, 432 lit. ver.; bey verfertigung mehrerer vogelgarne Döbel jäger-pract. (1754) 3, 170; mit angelzeug und vogelgarnen G. Keller 1, 190;
du spreitest sunst das vogel garn
offelich den vogeln dar
Murner schelmenz. 53, 34 ndr.
vogelgarten m.
aviarium Stieler 612. —
vogelgeäse n
(mhd. geæʒe): zaichen der vogelgäs oder fledrauchen Aventinus bayer. chr. 1, 593, 20 Lexer; vgl.vogelfrasz; einiger orten giebt es auch vogelgeäse Heppe aufr. lehrprinz (1751) 40. —
vogelgebauer n.
cavea, aviarium Steinbach 1, 72; s.-bauer.
vogelgefang, vogelgefäng n.
wie vogelfang: nören sich mit vögelgfäng und kleiden sich mit thierheuten Franck chr. zeytb. (1531) 10ᵇ. —
vogelgefäsz n.
vogelgefesz (das) daran man die vögel auff den henden tregt Maaler 471ᵇ. —
vogelgeflücht n.
vogelflug: wartend was im das vogelgeflügt anzeigen wöl flugschr. a. d. e. j. d. ref. 4, 76 Clemen.
vogelgefräsz n.
vogelfutter, farrago aviaria Stieler 899. —
vogelgehege n.
Campe erg. wb. unter menagerie. —
vogelgehäuse n.
kaum trate ich herein, als ich zu beiden seiten ein vogel-gehäusz erblickete Lindenborn Diogenes (1742) 2, 630. —
vogelgehirn n.
die sache ist sogar für ein vogelgehirn zu dumm Rosegger schriften III 8, 273; vögel gelten als dumm.
vogelgeier m.
falco apiocrus Naumann naturgesch. d. vögel 1, 367. —
vogelgelege n.
die eier der wilden vögel.
vogelgericht n.
in der jägersprache ort, vorrichtung des vogelfanges: das ist ein new vogel gericht (hoc novomst aucupium) Boltz Terenz (1539) 36ᵇ; vogelgerichte Heppe aufr. lehrprinz (1751) 225. auch richtung.
vogelgesang m. (in älterer sprache auch n.)
mhd. wb. 2, 2, 304ᵃ; Lexer 3, 426; vogelgesang, garritus Diefenrach gloss. 257ᶜ; das vogelgsang, cantus avium Maaler 471ᵇ; vogelgesang, avium concentus Steinbach 2, 777; Adelung. 1) da hört man vil vogelgsangs Franck chr. Germ. (1538) 307ᵃ; beschattung der bäume, angeneme befeuchtung, und anmutiger vögel gesang Widmann Fausts leben 189 lit. ver.; als ich mich nun mit anhörung desz lieblichsten vogelgesangs ergetzte Grimmelshausen Simpl. 394 ndr.;
wîp unt vogelgesanc
unt die liehten tage lanc
warnung 2077;
ich will mich legen und hie lauschen
und dem vogelgsang hören zu
Ayrer 2, 1032 lit. ver.;
saiten und vögel gesang wird nimmer
den schlaf zurück ihm locken
Mastalier ged. (1774) 141;
was wollt ihr gaukelnde farben süsz,
was sprichst du lockender vogelgesang
Tieck schr. (1828 ff.) 10, 363.
redensarten: besser im vogelgesang, als im eisengeklang Düringsfeld sprichw. 1, 103ᵇ; herrengunst und vogelgesang dauert nicht lang 378ᵃ; vgl. Fischer schwäb. 2, 1605. seltener im plur.: die jungen auch allerley anderer vögel-gesänge ... an sich nehmen Aitinger jagd- u. weidb. (1681) 143; in einen herrlichen hain voll von den lieblichsten vögel gesängen O. Ludwig ges. schr. (1891 ff.) 2, 433. spöttisch vom liturg. gesang: nicht sy got angenemers dann ire vogelgsang das sie nennen siben tag zeit Eberlin v. Günzburg 1, 36 ndr. 2) vogelgesang vorbedeutend: augurium, warsagung durch vogelgesang Diefenbach gloss. 60ᶜ; aurictor, weyssag durch den vogelgesanck oder zwytzern 61ᶜ; und besunder ausz dem vogelgesang und irem fliegen namen sie urkund zuͦkünfftiger ding Münster cosmogr. 855. 3) ein register in alten orgeln: Gottsched wb. der schön. wiss. (1760) 1624 (auch vogelgeschrei); sie würden in der kirche das kind wiegen, den vogelgesang und den stern mit den cimbeln gehen lassen Weise erzn. 189 ndr. (s. Corvinus unter vogelgeschrei); übertragen: drüben in der abendgegend brauste im himmel statt des vogelgesangs das himmlische pedal, der donner Jean Paul w. 1, 330 H. 4) baumwipfel (?): hauwet er den vogelgesangk abe Grimm weisth. 5, 615. 5) ortsbezeichnung ebenda 5, 681 anm. 1; Crecelius oberhess. 883; Fischer schwäb. 2, 1605; auch als familienname häufig.
vogelgescheuche n.
wie vogelscheuche: terrificium, fügel gescheuch Diefenbach nov. gloss. 362ᵇ; ein vogel geschuhe Keisersberg sermones (1525) 96ᵃ; vgl. Scherz 2, 1876. —
vogelgeschlecht n
Campe; gesammtheit der vögel: ein gemein versammlung alles vogelgeschlechts Kirchhof wendunmuth 1, 78 lit. ver.; wie die fledermäuse, weder dem vögelgeschlecht noch dem tiergeschlecht, weder der erde noch dem himmel angehören Hegel werke (1832) 1, 16. einzelne art: disz vogelgschlächt luͦgt auch, allein ausz allen anderen vöglen, stäts an himmel (vom hahn) Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 77ᵇ; wir wenden uns jetzt zu einem friedlicheren vogelgeschlecht, dem der hühner Wimmer gesch. d. d. bodens (1905) 344. —
vogelgeschrei n.
in neuerer sprache eingeschränkt auf das lärmen, verworrene getön der vögel; in älterer besonders von den vorbedeutenden vogellauten; Lexer 3, 426; garrire, vogelgschray Diefenbach gloss. 257ᶜ; rictus, vogelgeschrey 498ᵃ; vogelgeschrey, cantus avium Steinbach 2, 505; Adelung, Campe; die lüfte dröhnten, aber nicht von hässlichem vogelgeschrei, sondern von trompeten Alexis Roland (1840) 2, 177;
ich träumte von grünen wiesen,
von lustigem vogelgeschrei
W. Müller ged. 121 Hatfield;
im bilde:
ringsum schrie, wie vögelgeschrei, das geschrei der tragöden
Göthe 5, 1, 262 W.
vorbedeutend, schicksalkündend: augur, weissag durch vogel geschrey Diefenbach nov. gloss. 42ᵃ; vogelgeschrey, augurium Stieler 1932; Frisch 2, 405ᵃ; ir solt nicht auf vogel geschrey achten 3. Mos. 19, 26; von beobachtung des vogelgeschreyes Harsdörfer t. secret. (1656 ff.) 2, 537; augurien und haruspizien aus vogelgeschrei und vogelflug und eingeweiden Jean Paul 45/47, 434 H. nebenregister in alten orgeln (vogelsang, -gesang) s. Jacobsson techn. wb. 4, 549ᵃ; merula ... in organo pneumatico ita dicitur, das vogelgeschrey, dasz man macht, wenn man das kindlein wieget Corvinus fons lat. (1646) 532;
die kirch voll poppenkrämerei,
monstranz, orgeln, vogelgeschrai
Fischart 1, 419, 72 Hauffen.
ähnliche vorrichtung in anderer umgebung: da sie (die wasserkünste) ... das ohr mit orgel- oder cymbel-werck auch seltzamen vogel-geschrey ... belustigen Hohberg georg. cur. (1682) 2, 457. —
vogelgeschwind adj.
dann die stund einem yeden nach seinem leben gantz vogelgeschwind laufft und gar nit still steth Wickram 4, 126, 31 lit. ver.
vogelgesicht n.
man darf ... sagen, dasz menschen mit einem vogelschnabel oder vogelgesichte meistens auf sich selbst angewiesene selbstsüchtige geschöpfe sind E. M. Arndt schr. f. u. a. s. l. D. 3, 543. —
vogelgespräch n.
hie hat das vogelgesprech ein end
Germ. 6, 106.
vogelgestalt f.
mhd. wb. 2, 2, 563ᵇ; Lexer 3, 426; ein in vogelgestalt erscheinendes gespenst Ratzel völkerk. (1885 ff.) 2, 93; eine der absonderlichsten aller vogelgestalten Brehm tierleben (1890 ff.) 4, 567. —
vogelgesperr n.
vogelherd Keisersberg bei Schmidt hist. wb. d. els. mundarten 408ᵃ. —
vogelgestell n.
vogelgestel, aucipium Diefenbach gloss. 59ᵇ; so viel als vogelherd allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 618; vogelgestell, decipula Dasypodius 448ᵈ; '6 fusz breite kurze gestelle, wodurch der anfang oder das ende einiger schläge bestimmt wird (Förster)' Jacobsson techn. wb. 8, 103ᵇ. —
vogelgewand n.
federkleid der vögel: dasz man das gefieder (d. waldschnepfe) unter die hübschen vogelgewänder zählen darf Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 8, 365. —
vogelgras n.
wegetritt (polygonum aviculare) Nemnich; Marzell die tiere in deutschen pflanzennamen 93, auch stellaria media 91. —
vogelgreif m.
zusammengerückt: grifo, vogelgrijp Diefenbach glossar. 270ᵃ; vogelgreifenschmalz Gabr. Rollenhagen ind. reisen (1603) 224. —
vogelgretze f.
kleiner handkorb Amaranthes frauenz.-lex. 687; s. unter -krätze.
vogelgucker m.
wie vogelschauer: vogelgucker, augures Steph. Vigilius de rebus memorandis (1541) 85ᵃ. —
vogelhag m.
thiergärten, ... und vogelhäg Heyden Plinius (1565) vorrede 5ᵃ. —
vogelhabicht m.
s. vogelgeier Suolahti vogeln. 364. —
vogelhäcklein n.
gemeinschaftlicher name aller kleinen raubvögel Fischer schwäb. 2, 1605. —
vogelhandel m.
handel mit vögeln Campe; dieser flecken besasz ... groszen ruf als der sitz des tirolischen vogelhandels Steub drei sommer in Tirol (1895) 355. —
vogelhändler m.
aviarius Frisch 2, 405ᵃ; einen mann mit einem tragkorbe auf dem rücken ..., einen thüringischen vogelhändler Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 9, 25; in entsprechendem sinne vogelhandlung, f.
vogelhanfsame m.
wegerich, plantago major Fischer schwäb. 2, 1605. —
vogelhärre f.
decipulum, ein vogelschlag oder hären, ein fallen Frisius dict. (1556) 368ᵃ; vogelhärre, schlinge v. pferdehaar Fischer schwäb. 2, 1605; s.härre schweiz. idiot. 2, 1517; th. 4, 2, 494. —
vogelhaube f.
capitium, ut falconum, falkenhauben Stieler 792; scherzhaft vom kopftuch eines mädchens Anzengruber w. 1, 4 (1892). —
vogelhaus n.
fogalhûs, cavea Graff 4, 1054; mhd. wb. 1, 740ᵃ; Lexer 3, 426ᵇ; aviarium, vogelhus Diefenbach gloss. 61ᵃ; cavea, eyn fogelhaus 108ᵃ; vogelhawsz nov. gloss. 81ᵃ; domicilium, vogelhus gloss. 190ᵃ; nov. gloss. 140ᵇ; lanea, vogelhausze gloss. 317ᵃ; clavia, ein vogelhaus nov. gloss. 96ᵃ; cletula 96ᵇ; ornithon, ... aviarium ein vogelhaus Faber thesaurus (1587) 572ᵇ; vogel- sive geflügelhaus Stieler 800; Steinbach 1, 717; vogelhaus, aviarium, sonderlich die gröszern behältnisse der vögel, an viel orten heiszt vogelhaus, so viel als jedes kefich Frisch 2, 405ᵃ; Adelung will für die bedeutung vogelbauer (s. oben) lieber vogelhäuschen gebraucht wissen, vogelhaus ist das gröszere behältnis (-hecke, -hütte). vogelhaus für den kleinen stubenkäfig ist besonders oberd. gebräuchlich (dim. -häusel, -häuserl, -häusle ...) Kretschmer wortgeogr. 553; Fischer schwäb. 2, 1605; schweiz. idiot. 2, 1706 (aber auch thüring. Hertel 251, nd. Bauer-Collitz 35ᵇ); als bezeichnung eines groszen käfigs, z. b. in thiergärten, ist dagegen vogelhaus allgemein verbreitet; nld. vogelhuys Verwijs-Verdam 9, 775. do saczt man vier priester in ain vogelhaus (eisernen käfig, in dem sie verhungerten) d. städt. chron. 4, 111; got wil dasz wir frei ... singen, hat drrumb das vogelhausz des gsetzs zerbrochen S. Franck sprichw. (1541) 2, 124ᵃ; das sacramenthäuszlein lästert er des teuffels vogelhausz Nas das antipap. eins u. hundert (1567 ff.) 4, 223ᵇ; darumb liebs paperle, begib dich in das vogelhausz hinein Guarinonius grewel (1610) 590; nischen .. gaben aus tritonenmäulern reichliches wasser in marmorne becken; dazwischen waren vogelhäuser angebracht Göthe 26, 83 W.; ein schwarzblättchen, das in einem vogelhaus am fenster hing M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 3, 418;
er reit wol für das wechselhaus,
nam in ir silberins vogelhaus.
er reit wol auf den Geiersperg
und machet in ir vogelhaus lär
Uhland volksl. nr. 135, 8.
was ist der ehstand selbst? es ist ein vogel-hausz,
die drauszen wollen nein, die drinne wollen rausz
Chr. Weise überfl. gedanken 170 ndr.
oft im dim.
vogelhäuschen, vogelhäusel, vogelhäuserl, vogelhäuslein n.n.n.
tugurium, vogelhuslin Diefenbach gloss. 601ᵃ; (so) mag man nur ein käutzichen ins vogelhäuslein setzen Hohberg georg. cur. (1682) 2, 716. —
vogelhaut f.
häufiger -balg.
vogelhecke f.
vogelhäcke, ornithotrophium Steinbach 1, 666; 1) die zeit, wenn die vögel sich paaren, 2) gröszeres bauer zur vogelzucht Adelung; wo (in Schwaben) zu damaliger zeit die gärtner zum besten der reisenden händler grosze vogelhecken unterhielten Steub drei sommer in Tirol 1, 355;
in eines junkers vogelhecke
kam ein gefangner hänfling an
Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 10, 185;
scherzhaft: er hat eine vogelhecke darunter (unterm hute), die möchten hervorfliegen Göthe 27, 370 W.
vogelhein, vogelheine m.
d. i. vogel Heinrich, pelecanus onocrotalus Suolahti vogeln. 391; onocrotalus, vogelhain Diefenbach gloss. 396ᶜ; disen vogel nennend etlich ein schneegansz, meergansz, zuͦ Mechel im Niderland ein vogelheine Heusslin Gesners vogelbuch (1557) 183ᵇ. —
vogelhengst m.
schimpfwort Fischer schwäb. 2, 1605 (s. vogeln, vögeln). —
vogelherd m.
vorrichtung zum vogelfang mit schlaggarnen und lockvögeln u. ä.; Lexer 3, 426; area, vogelherd Diefenbach gloss. 46ᶜ; vogelherd, areola pro aucupio Stieler 387; vogel-heerd, area aucupatoria Frisch 2, 405ᵃ; vogelherd Adelung; Schmeller bayer. 1, 835; Fischer schwäb. 2, 1605; sech ainer zuͦ, wie si den vogelherd beschlahent, wie ain vogler der mit ainem kauzen voglet sat. und pasq. 3, 218, 22 Schade; das bevogeln der vogelherd, ist wol zum theyl lustig und kurtzweilig Sebiz feldbau (1579) 559; wer vögel will fangen, der musz mit pfeiffen, und nicht mit einer trummel auff den vogelherd gehen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 364; ein junger jäger sasz im innersten gebirge nachdenkend bei einem vogelherde Tieck schr. (1828) 4, 214;
wann leibes wollust hie auff erd
ist gewisz des teuffel vogel-hert
H. Sachs 1, 422, 18 lit. ver.;
herr Heinrich sitzt am vogelherd,
recht froh und wohlgemut
J. N. Vogl.
vogelherden verb.
das erste mal gevogelherdet Eichendorf tageb. 78 Kosch-Sauer.
vogelherzlein n.
anacardium orientale Holl wb. d. pflanzennamen (1883) 71ᵃ. —
vogelheu n
(s. -wicke), aracris Steinbach 1, 748; Frisch 2, 405ᵃ; vicia cracca Nemnich; vicium cracca, vicia hirsutum Pritzel-Jessen 636; 637; Marzell die tiere in d. pflanzennamen 157; 152; 154 (vicia cracca u. verwandte); Fischer schwäb. 2, 1605; wb. d. els. mundarten 1, 396ᵃ; schweiz. idiot. 2, 1817; Vilmar idiot. von Kurhessen 431; auch für aus verschiedenen samen gemischtes vogelfutter.
vogelhirn n.
wie -gehirn.
vogelhirse m.
wald-, steinhirse (vogelfutter): vogelhierse, milium, quo aves vescuntur Steinbach 1, 757; -hirse, lithospermum officinale Nemnich.
vogelhochzeit f.
der habich kam auch here
und bracht vil newer märe,
wie dasz dort auch vor jenem holz
ein vogelhochzeit wäre
Uhland volksl. nr. 10, B 2.
vogelhocke f.
hierher vielleicht vogelzock, vicia cracca, siehe Marzell 157; hocke, garbe (th. 4, 2, sp. 1648). —
vogelhund m.
jagdhund, der bei der vogelbeize benutzt wird, mhd. wb. 1, 728ᵇ; Lexer 3, 426; Fischer schwäb. 2, 1606; schweiz. idiot. 2, 1430. mnld. vogelhont Verwijs-Verdam 9, 775; molossus, fugel-, vogelhunt Diefenbach gloss. 366ᵃ; plumax, eyn vogel hunt 442ᶜ; canis leporinus, vogelhunt nov. gloss. 71ᵇ; vogelhund, canis aviarius, campestris Steinbach 1, 793; (der falkner soll den falken) raitzen und gehertz und begirig machen in gegenwürtikait der vogelhunt Mynsinger 20 lit. ver.; der habicht .. mehret seine künheit ausz verlassung auff den menschen und den vogelhund Heyden Plinius (1565) 414;
dergleich auch mit im lauffen gund
ein schwartz zotender vogelhund
H. Sachs 17, 365, 9 lit. ver.
übertragen, kundschafter, polizeispion: gegen im oder seinen vogelhunden hat bei vermeidung höchster straf niemands werhafte handt machen ... dörfen zimmer. chron.² 4, 78, 16; beim kuppeln: durch seine kupler und vogelhundt 2, 535, 25; schimpfwort (ältere sprache, Basel) z. f. d. wortf. 8, 164; als familienname erhalten Fischer a. a. o.
vogelhütte f.
hütte, besonders in die erde gegrabene, in der sich der vogelfänger verkriecht: transenna, vogelhutte Diefenbach glossar. 592ᶜ; tugurium, vogelhut vel -huslin 601ᵃ; Jacobsson techn. wb. 8, 103ᵇ; Adelung (kaum, wie er meint, auch in der bedeutung von vogelhaus); Schöpf tirol. 790; richtet ihr auch das bred also zu, darauff man in der vogelhütten sitzt Krüger Clawerts werckl. hist. 45 ndr.; warum er gern in schäfer-, jagd- und vogelhütten kroch Jean Paul w. 7/10, 395 H.
vogeljagd f.
hilf den bürgerfrevel strafen,
der uns stört die vogeljagd
Uhland ged. (1898) 1, 296.
vogelkäfig m.
nicht im landschaftlichen gebrauch wie -bauer, -haus, zu den formen des zweiten bestandtheils s. th. 5, sp. 25; cavea, eyn fogel keffet, -keffich, -kebige Diefenbach gloss. 108ᵃ; vogelkefe (das), ornithon, aviarium, cavea Maaler 471ᶜ; cavea, ein vogelkäfich, vogelbauer Orsäus nomencl. method. (1623) 203; vogelkefe Dentzler clavis ling. lat. (1716) 2, 335ᵃ; vogel-käfig Frisch 2, 405ᵃ; Campe; so sollen ir die vogelkäfig .. decken, beziehen und umhencken lassen Sebiz feldbau (1579) 108; ein schwein gehört nicht in ein vogelkäfig Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 353; die rothkröpflein werden auch auf diese weise gefangen, wann man eines in ein vogelkefichen ... thut Hohberg georg. cur. (1682) 2, 687; die tische gleichen vollkommen vogelkäfigten Gleim briefw. 2, 18 Körte; übertragen, von einer burg: ich schenk es dir zum leibgeding, nimm den lustigen vogelkäfig unbesehens an Hebbel werke 3, 173 Werner. H. Heine bildet vogelkäfigstübchen (kinderschule) 2, 83 E.
vogelkamm m.
crista, voglchamp, fogelkam, -kambe, crista Diefenbach gloss. 158ᵇ; vogels kamp nov. gloss. 120ᵇ; vogelkamb, der, crista Maaler 471ᶜ; Campe.
vogelkammer f.
ornithotrophium Stieler 922; Steinbach 1, 825; veraltet.
vogelkäse m.
oxalis acetosella, sauerklee Unger-Khull steir. 245ᵃ. —
vogelkasper m.
vogel-casper, scolopax gallinago Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 8, 310; eine schnepfe.
vogelkasten m.
vogel-hausz, vogel-kasten, uccelliera Kramer teutsch-ital. dict. 2, 1205ᶜ (1702); in der fränk. Schweiz im brauch Kretschmer wortgeographie 553. —
vogelkehle f.
aus den kleinen vogelkehlen
scholl dein lob mit süszem schall
Schubart ged. (1825) 2, 91.
vogelkeim m.
im ei: während das fischherz dem des vogelkeims gleicht Oken allg. naturg. (1839 ff.) 4, 370. —
vogelkenner m.
ornithologe Campe.
vogelkien m.
kien der aus den wipfeln gewonnen wird (s. vogel 17 o) Krünitz öcon. encycl. 227, 139; Jacobsson techn. wb. 8, 104ᵃ; kien von abgestorbenen bäumen Adelung; ingleichen pflicken sie (die hirsche) den vogelkiehn und mispel von windbrüchen ab Fleming vollk. t. jäger (1719) 94. —
vogelkienicht adj.
vogelkühnigt Heppe wohlred. jäger (1763) 314ᵃ; vogelkihnichtes holtz Döbel jägerpract. 3, 58. —
vogelkirren n
(s. kirren, stridere th. 5, sp. 841): welcher stimme sich in ein vogelkirren und geschrei endet Porta physiognomy (1601) 285. —
vogelkirschbaum, kirschenbaum m.
cerasus julia Stieler 114; unter diesem namen versteht man ... den wilden wald-kirschbaum ... (und) den trauben-kirschbaum oder die ahlkirsche Krünitz öcon. encyclop. 227, 139; vogelkirschbaum, vogelbeere, sorbus aucuparia Jacobsson technol. wb. 8, 104ᵃ; s. das folgende wort; weichsseln und vogelkirssenbäum Sebiz feldbau (1579) 347; mein vogelkirschbaum ... war mit einem ganzen weiszen meere von blüthen bedeckt Stifter w. (1901 ff.) 2, 298. —
vogelkirsche f.
name verschiedener kirschenarten und der sie tragenden bäume, daneben für andere gewächse: cerasa Aproniana, weichselbere, vogelkirschen Bas. Faber thesaurus (1654) 158ᵇ; vogelkirsche, cerasum minus Steinbach 1, 856; vogelkirschen, die kleinen rothen und schwarzen waldkirschen Frisch 2, 405ᵃ; prunus avium mit rother, prunus padus mit schwarzer frucht: lonicera xylosteum, hecken-, zaunkirsche Adelung; prunus avium Pritzel-Jessen 312; prunus padus 318; lonicera xylosteum, rote vogelkirsche 220; auch für rhamnus frangula, faulbaum 330; viburnum lantana, opulus, weisze vogelkirsche Marzell 94; die wilden schwartzen kirschen, die wir vogelskirschen ... nennen Wirsung artzneybuch (1588) reg. unter kirschen; die vogelkirsche .. ist die durch verwilderung wieder erschienene stammform unserer ... süszen kirschensorten Rossmässler der wald (1863) 513; daneben stand ein grauer stamm, dessen zwei einzige grüne äste noch alljährlich schwarze vogelkirschen trugen Stifter w. (1901 ff.) 2, 131. auch für die rothen beeren der eberesche und den baum selbst: vogel-beer, vogelkirschen, coccole da uccelli, sorbo selvatico Kramer 2, 1205ᶜ (1702); Jacobsson techn. wb. 8, 104ᵃ; Hönig Köln. 197ᵇ; ehrenpforten, tanngewinde mit vogelkirschen untermischt an allen häusern Varnhagen v. Ense tageb. 3, 202; bei Maaler 471ᶜ vogelkriese, f., appronianum, vgl.kirsche 1 d th. 5, sp. 844. —
vogelklatsch m.
vogelklatsch oder paustrohr Comenius jan. iv ling. (1644) 306. —
vogelklaue f.
im eigentlichen sinne: vogelklauen, artigli, unghie di uccelli Kramer 2, 1205ᶜ (1702); einem ergremten fögelin das under krummen fogelsklawen lyt der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 51ᵇ; bis deine haare wachsen wie adlers-federn, und deine nägel wie vogelsklauen werden Schiller räuber 1, 2 schauspiel; angelhaken ... aus vogelklauen Peschel völkerkunde (1874) 350. pflanzenname, s. -fusz: vogel-klauen, ein kraut, ornithopodium Frisch 2, 405ᵃ; ornithopus perpusillus Nemnich.
vogelkleber f.
vogelchläbara, galium aparine Pritzel-Jessen 159; s.kleber, f., th. 5, sp. 1050. —
vogelklee m.
anthyllis vulneraria Marzell 150. —
vogelkleid n.
federgewand der vögel, mythisch: gewand, das in einen vogel verwandelt.
vogelklippe f.
fangvorrichtung für vögel Campe; s. klippe 2 th. 5, sp. 1203. —
vogelkloben m.
vorrichtung zum fang oder fesseln der vögel, s.kloben th. 5, sp. 1215; mhd. wb. 1, 846ᵇ; Lexer 3, 427; Jellinek mhd. wb. 878; amis, vogelklob Diefenbach 30ᶜ; cippa 121ᵃ; pedica 420ᵃ; peridica, fogelclobe, -klabe, -clawe 426ᶜ; vogelklob, ames Dasypodius 448ᵈ; vogelkloben, calamus aucupatorius Steinbach 1, 874; Campe; (die) ihre hand als einen guten vogelkloben gebrauchen, der sich nur auf und zumacht zum fange Jean Paul werke 48, 334 H.
vogelkluppe f.
falle für vögel Campe; s.kluppe 1 c th. 5, sp. 1304; auch
vogelknippe f
Kramer hochniederd. dict. (1719) 1, 479ᵇ. —
vogelknöterich m.
polygonum aviculare Nemnich; der samen dient den vögeln zum futter.
vogelkoje f.
hergerichteter platz zum fang von zugvögeln (auf den Nordseeinseln z. b. für wildenten u. ä.); mnld. vogelkouwe Verwijs-Verdam 9, 776. —
vogelkönig m.
der beste schütze, der den vogel abgeschossen hat (siehe vogelschieszen): ein schützen- oder vogelkönig Jean Paul w. 42/43, 106 H.
vogelkopf m.
auf etlichen (pasteten) guckten nur die hasen-füsze oder vogelköpffe heraus Grimmelshausen 3, 404 lit. ver.; vom menschlichen kopf: eine lange, sehr lange gestalt mit einem kleinen vogelkopfe Laube ges. schr. (1875 ff.) 1, 127; als pflanzenname (passerina) Nemnich.
vogelkorb m.
mit vilen schlüpfflinen und löcheren, daren zuͦ nisten kommlich Maaler 471ᶜ; vogelkorb, aviarium Diefenbach gloss. 61ᵃ; cavea 108ᵃ; vugelskorv Hönig Köln. 197ᵇ; -körv Tonnar-Evers mundart von Eupen 221ᵇ; Kretschmer wortgeogr. 557 (aus Münster und Aachen); sehen aus wie vogelkörbe (die thürmchen des alten Berliner doms) Heine w. 7, 562 E.
vogelkötze f.
aviarium Diefenbach gloss. 61ᵃ; siehe kötze, korb th. 5, sp. 1903. —
vogelkralle f.
vogelkrallen, artigli, unghie di uccelli Kramer 2, 1205ᶜ (1702); Campe; die mit fleisz so lang als die vogelkrallen erhaltenen nägel dieser vornehmen herren Fr. Schlegel w. (1846) 13, 80. —
vogelkrätze f.
aviarium Diefenbach gloss. 61ᵃ; s. oben -gretze und krätze, korb, tragreff th. 5, sp. 2073; Solothurn .. berühmt wegen fabrikation von schwefelholz und vogelkräzen Gotthelf ges. schr. (1855 ff.) 8, 112. —
vogelkraut n.
name verschiedener pflanzen, meist solcher, deren samen von den vögeln gefressen werden Graff 4, 595; mhd. wb. 1, 891ᵃ; Lexer 3, 427; alsine, vogelkraut Diefenbach gloss. 26ᵃ; anagallis 32ᶜ; columbina 134ᵃ; elatine 197ᵇ; impia 289ᵃ; lingua avis 331ᵇ; musica 373ᵇ; consolida 640ᵃ; vogelkraut, asyla Maaler 471ᶜ; vogelkraut, alsine et anagallis Stieler 1032; Frisch 2, 405ᵃ; senecio vulgaris, cerastium, anagallis arvensis, ornithogalum luteum, alsine media, arenaria serpyllifolia Nemnich; anagallis arvensis Pritzel-Jessen 26; capsella bursa pastoris 78; senecio vulgaris 374; specularia speculum 384; stellaria media 390; corydalis cava Marzell 7; fumaria officinalis 89; plantago major 93; polygonum aviculare 93; vicia cracca 157; vgl. noch Fischer schwäb. 2, 1606; schweiz. idiot. 3, 889; wb. d. elsäss. mundarten 1, 533ᵃ; Unger-Khull steir. 245ᵇ; wb. d. luxemb. mundart 472ᵇ; hünerdarm das kraut, welches sonst genannt wird hünersalb, hünerbisz, vogelkraut Wirsung artzneybuch (1588) reg. unter hünerdarm; nim creutzkraut, das man auch vogelkraut oder goldkraut nennt: brenn wasser darausz Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 123. vogelkrautwasser, n., Fischer schwäb. 2, 1606. —
vogelkrieg m.
vogelkrieg im lufft, pendula bella Maaler 471ᶜ; die Thracier hätten ... diesen vogelkrieg höher als keine andere jagd gehalten Lohenstein Arminius (1689) 1, 88ᵇ. —
vogelkropf m.
ein fogels krop, vesica Diefenbach glossar. 615ᵇ; eyn voghel krop nov. gloss. 380ᵃ;
den dicken vogelkropf
bedeckt ein bunter schmuck von farbigtem gefieder
Gottsched krit. dichtkunst (1751) 11.
vogelkunde f.
kenntnis, besonders wissenschaftliche, von den vögeln Campe; ebenda
vogelkundig adj
vogelküssen n.
ein spiel, wohl bedenklicher art: desz vogelküssens, desz Venustempels Fischart Garg. 264 ndr.
vogellaus f.
auf vögeln lebend Krünitz öcon. encycl. 227, 149. —
vogellausfliege f.
hippobosca avicularis Nemnich.
vogellaut m.
denn vergebens horcht das ohr nach vogellaut
Schubart ged. (1825) 3, 36.
vogellehre f.
ornithologie Campe erg. wb.,
vogellehrer m.
bildet Jean Paul w. 45/47, 272 H.
vogelleicht adj.
leicht, beweglich wie ein vogel; auch 'leichten sinns' Campe; dann schlüpfte sie vogelleicht durch die lücke des zauns v. François d. letzte Reckenburgerin (1871) 1, 110; stimmung: vogelleicht war es ihm zu mute Bartsch zwölf aus d. Steiermark (1916) 261; flüchtigkeit:
diese jugend, so uns treibet,
hat nicht ewig den bestand,
zeigt sich wind- und vogelleicht,
ist geflügelt, kömpt und weicht
Königsb. dichterkreis 131 ndr.;
nicht ins gewicht fallend:
den nutzen, den du davon reichest,
ist in der that recht vogel-leicht
Henrici ged. 4, 504.
vogelleim m.
die klebrige masse, mit der die fangruthen für kleine vögel bestrichen werden; dann auch name der mistel, weil aus deren beeren solche masse bereitet wird: mhd. wb. 1, 998ᵇ; Lexer 3, 427; fiscus, fogel lîm Diefenbach gloss. 236ᶜ; viscus, vogelleim 623ᵃ; im vogelleym kläben oder behangen, mit vogelleym bestrichen Maaler 471ᶜ; der kleb, viscus, alias vogelleim Stieler 977; vogelleim, viscum 1055; Steinbach 1, 1030; Frisch 2, 405ᵃ; Jacobsson technol. wb. 4, 548; Adelung; Campe; krammets-vögel ... mit dem vogelleime zu fangen Döbel jäger-pract. (1754) 2, 218; wer den vogel im kefig hat, bedarf keinen vogelleim Hippel lebensl. (1778 ff.) 2, 317; braucht mich nicht wie einen spaz vom vogelleim loszureiszen, sacht geh' ich ab Tieck schr. (1828) 3, 156;
(der bauer) stellt mit list dem habich nach
mit vogelleim an einer stangen
Waldis Esopus 1, 217 Kurz;
zäh wie vogelleim:
wir können keinen schritt fortan,
in diesem feuchten mordgrund, weiter rücken!
er ist so zäh, wie vogelleim, geworden
H. v. Kleist Hermannsschl. 5, 1.
besondere, formelhafte wendung: das ist nun ein verlorne red, bringt eben als vil frucht, als vogelleim im pfeffer N. Manuel 221, 13 Bächtold. oft in übertragenem gebrauch: die hend mit vogelleim ubersalben S. Franck sprichw. (1541) 2, 20ᵇ (auf geschenke ausgehen u. ä.);
wann sie ein arbeit sollen thon,
so thuͦnd sie im kopff kratzen ston
und hetten vogelleim in den henden
Montanus schwankb. 344 lit. ver.;
eur senfte wort sein ain rechter vogelleim A. v. Eyb d. schr. 2, 6; ihre (der weiber) reden seyn pech von vogel-leim Butschky Pathmos (1677) 161; in was vor einem zähen vogelleim hat sich ihr geist die flügel verklebt B. v. Arnim d. buch gehört d. könig (1843) 2, 371; der demagog braucht sie (die übel) als den vogelleim seiner ideen Gutzkow ges. w. (1872 ff.) 12, 187;
so du zu viel begehrst, so komst du von dem deim,
die lok ist hier der geitz, das spiel der vogelleim
Harsdörfer frauenz. gesprechsp. 3, 457;
schönheit ist ein vogel-leim; ieder hanget gerne dran
Logau sinnged. 450, 28 lit. ver.
bezeichnung der mistel mit weiszen beeren, viscum album Nemnich.
vogelleuchte f.
pflanzenname, cichorium intybus Pritzel-Jessen 99; siehe leuchte 5 oben th. 6, sp. 828. —
vogellieb adj.
neuere bildung: er ist vogellieb, hat vögel gern;
vogelliebe, vogelliebhaber f.m
vogellied n.
kein vogellied, kein echo und kein fest
ergötzt mich mehr, da Doris mich verlässt
Schwabe belust. (1741 ff.) 7, 479.
symbol des leichtsinns: (nach der krankheit) itur in antiquam silvam, wo man das vogel-lied singet, und das vorige laster-nest aufsuchet Abr. a St. Clara etw. f. alle 2, 189. —
vogelmännchen n.
männlicher vogel.
vogelmarkt m.
platz, wo vögel verkauft werden Campe: du narr, wenn du wilst das netze auszwerffen, dasz die vögel zusehn, so wirstu langsam auf den vogelmarckt kommen Chr. Weise erzn. 207 ndr.
vogelmärten m.
aviaticus .. ein vogelmerten, der mit vögeln umbgehet, sie abricht Corvinus fons lat. (1646) 95; vgl. -fritze, -stoffel.
vogelmäszig adj.
vögelmässige .. leichtfärtige, geschwinde oder leicht bewegliche und unbestendige leute Porta physiognomy (1601) 177; phantastisches, possenhaftes, vogelmäsziges Göthe gespräche 2 (1889), 262. —
vogelmast f.
geringe bucheckern- und eichelmast, die dem wild überlassen bleibt Behlen forst- u. jagdkunde 6, 158. —
vogelmäster m.
ein würstmacher, pastetenmacher, ein vogelmester Frisius dict. (1556) 545ᵃ; bei Maaler 471ᶜ als vogelmeister, fartor.
vogelmeier als m
bei Campe; name verschiedener pflanzen: alsine media (s. vogelkraut), stellaria holostea, veronica agrestis Nemnich; stellaria media Pritzel-Jessen 390; Frischbier 2, 65ᵃ; auch vogelmeierich Holl wb. dtsch. pflanzenn. (1833) 364ᵃ; neben der diphthongierten form auch
vogelmiere
Marzell 91; Müller-Fraureuth 2, 238ᵃ; s. oben meier und miere th. 6, sp. 1904 und 2175. —
vogelmeisterin f.
von der nachtigall:
mit dem staar die lerche ringt,
unsre vogel-meisterin
nimmet doch den palmen hin
Venusgärtlein 126 ndr.
vogelmerker
augur Diefenbach gloss. 60ᶜ. —
vogelmilbe f.
acarus passerinus Nemnich; auf vögeln lebend.
vogelsmilch f.
pflanzenname, schon griech. ὀρνιθόγαλον, s. Marzell 146; vogelsmilch Sebiz feldbau (1579) 56; Corvinus fons lat. (1646) 450; ornithogalum, alias kleine erdnüsse Stieler 1266; vogelmilch Frisch 2, 405ᵃ; es giebt von diesem zwiebelgewächs inländische und ausländische arten (Nemnich); vgl. noch schweiz. idiot. 4, 101; Frischbier 2, 446ᵇ; die steten gefährten des schneeglöckchens fehlten nicht, ... die zarte vogelmilch mit ihren gelben sternblümchen Rossmässler der mensch im spiegel der natur (1853) 100. —
vogelmist m.
stercus avium Steinbach 2, 65; sprichw.: vogelmist lässt den bart wie er ist, hilft nicht zum bart Wander sprichw. lex. 4, 1672. —
vogelmonat m.
ja wenn sich einer mit lauter lerchen abspeisen wolte, wo bliebe er, wenn der vogel-monat aus wäre Chr. Weise die drey klügsten leute (1675) 28; vogelmonat heiszt auf Sylt der October Weinhold monatsnamen 38; s. -zeit. —
vogelmörder m.
in besonderem sinne von dem, der nester ausnimmt wb. d. luxemb. mundart 472. —
vogelmuschel f.
klassenbezeichnung: aviculidae, vogelmuscheln; vogelmuschel, so viel wie schwalbenmuschel Krünitz öc. encycl. 227, 173. —
vogelmusik f.
vögel- sive waldmusik, cantilena avium Stieler 1313. —
vogelnäpfchen n.
esz- und trinknäpfchen im oder am vogelbauer Campe.
vogelnarr m.
pazzo ciòe stolto amatore di uccelli Kramer 2, 1205ᶜ (1702); vogelsnarr Hertel thür. 251; Follmann lothr. 169ᵇ. —
vogelnest n.
Jellinek mhd. wb. 878; aviarium, voghelneste Diefenbach nov. gloss. 42ᵇ; vogelnest, nidus Dasypodius 448ᵈ; vogelnäst Maaler 471ᶜ; vogelnester, avicularum nidi Stieler 1341; vogelnest Steinbach 2, 118; Frisch 2, 405ᵃ; Adelung; Fischer schwäb. 2, 1606; schweiz. idiot. 4, 838; wb. d. els. mundarten 1, 790ᵇ; und meine hand hat funden die völcker, wie ein vogelnest Jes. 10, 14; gedacht ich auch einmal in den waldt zu gehn, und vogelnester zu suchen Krüger Clawerts werckl. hist. 66 ndr.; im sommer nam sie vogelnester ausz Grimmelshausen Simpl. 317 ndr.; die welschen können euch schreien, dasz die brut aus den vogelnestern fällt Alexis Roland (1840) 1, 364;
vil narren fyelen ettwan hoch
die stygen vogelnäster noch
Brant narrensch. 36, 14 Z.;
es giebt vogelnester, die unsichtbar machen Grimm dtsche sagen 1, 72 (1891); diesen glauben benutzt Grimmelshausen zu seinem roman das wunderbarliche vogelnest (3, 325 lit. ver.). redensart: sie habens mit einander wie die buben die vogelnester, von gemeinsamem Kramer 2, 1206ᵃ (1702), vgl. Fischer schwäb. 2, 1606; dagegen: sie streiten sich drum wb. d. elsäss. mundarten 1, 790ᵇ. von menschlichen wohnstätten, entweder ihrer lage oder ihrer kleinheit nach (vgl.nest th. 7, sp. 624); zunächst im vergleich:
und am abhang klebt ein dörfchen,
wie ein keckes vogelnest
Heine 2, 383 E.
übertragen: geschichte der welt! dahin denn jetzt die kleinsten und gröszten reiche und vogelnester streben Herder w. 5, 567 S.; es war ebenfalls ein vogelnest im grün, dieses dorf Raabe Abu Telfan (1870) 15; wirre oder quälende gedanken werden jungen vögeln im nest verglichen: ihr kopff ist gleichsamb voller vogelnester Albertinus hirnschleifer (1664) 60; andere vorstellung: ich bin nämlich noch immer krank ... und habe einen kopf, wie ein vogel-nest, das bereits von der letzten brut verlassen ist und das der nächste windstosz herunter fegt Hebbel briefe 7, 327 Werner. eszbare vogelnester kommen aus Ostindien und China u. gelten als besonderer leckerbissen Marperger vollst. küchen- und keller-dict. (1716) 1257ᵇ; die sinesische vogel-nester mangeln uns, den herren einen appetit zu erregen Francisci lufft-kreis (1680) 114; vögel-nester, ostindische zu bereiten ... mit butter und muscaten-blüten ... mit krebsschwäntzen, fricassiret Amaranthes frauenz. lex. (1715) 2083 ff.;
was doch die groszen alles essen!
gar vogelnester; eins zehn thaler werth
Lessing 1, 10 M.
kleiner aufbau oder hängender anbau: das vogelnest auf dem tor an dem rathaus d. städt. chron. 5, 163, 7. nestartige haartracht der frauen Fischer schwäb. 2, 1606; schweiz. idiot. 4, 838. eine bürde reisig, die jemand im walde sammelt, wird spöttisch vogelnest genannt ebdaname verschiedener pflanzen: wilde möhre, wilde paste. nak, daucus carota Pritzel-Jessen 131; alpenaugenwurz, athamanta cretensis 51; neottia nidus avis 245; circaea lutetiana Marzell 202; asplenium nidus, ophrys nidus Nemnich; bracosa, vogel-, vogelsnest Diefenbach 80ᵇ; daucus 166ᵇ; nov. gloss. 126ᵇ; diese wilde pastenach wirdt genannt vogelsnest Wirsung artzney buch (1588) reg. u. pastenach. —
vogelnetz n.
aucipium, fogelnecze Diefenbach gloss. 59ᵇ; aucipula, fogelnetz, -nece, -nette 59ᵇ; glutinabulum, vogelnetz 266ᵇ; tendiculum, vogelnecz 577ᵇ; vögelnetzlein, reticulum aviarium Stieler 1350; subtiles vogelnetz, ragna, aiuolo filetto Kramer 2, 132ᵃ (1702); vogelnetze, rete aucupatorium Steinbach 2, 119; vgl. Fischer schwäb. 2, 1607; och die vogelnecz, fischgarn und desz gelychen erdacht zestriken Stainhöwel de claris mulieribus 74 lit. ver.;
schwartze augen, schöne wangen
sind den vogel-netzen gleich
Henrici ged. (1727 ff.) 2, 268.
vogelorgel f.
spielzeug, das zwitschern der vögel nachahmende lockpfeife: wobei er diesmal sogar die vogelorgel und ein hölzernes pfeifchen in anwendung brachte M. Greif nachgel. schr. 201; vgl. Fischer schwäb. 2, 1607. scherzhaft für tornister H. Bächtold aus leben u. sprache der schweiz. soldaten 60. —
vogelpaar n
(und vögelpaar), männchen und weibchen: ein vögelpaar von auszerordentlicher schönheit Ritter erdk. (1822 ff.) 3, 661; andere vogelpaare hatten ihre häuser bereits fertig Rosegger schr. III 8, 277. —
vogelperspective f.
im gegensatz dazu froschperspective, siehe -ansicht, -blick, -schau und zeitschr. f. d. wortf. 2, 313: man hat eine vogelperspektive, welche lehret, wie sachen ..., von oben ... angesehen werden können br. d. n. lit. betr. 14, 351; im gewöhnlichen gebrauch kommt es nicht immer darauf an, dasz der beschauer sich genau senkrecht über dem gegenstande befindet: diese letzteren (frauen) nahmen sich in ihren schwarzen überkleidern aus dieser vogelperspective gar mumienhaft aus (vom oberen rande des amphitheaters in Verona) Göthe 30, 65 W.; oft in freier und übertragener anwendung (vgl.hoher standpunct u. ä.): das leben malt sich dem alter nur von oben oder (um mit dem maler zu reden) in der vogelperspective Jean Paul w. 44, 75 H.; wenn er literatur- und kunsthistorische zustände aus der vogel-perspective beleuchtet und characterisiert Hebbel w. 12, 59 Werner; ungünstig: der deutsche reflectirt über alles, sieht alles aus der vogelperspective, und ist darum nie in der mitte der sache Börne schr. (1829 ff.) 1, xvi; hierzu
vogelperspectivisch adj.
unserer damals noch vogelperspectivischen weltanschauung Gutzkow ges. w. 3, 246 (1872 ff.). —
vogelpfeffer m.
spanischer pfeffer, capsicum baccatum Nemnich.
vogelpfeife f.
beim fange zum locken oder beim abrichten von singvögeln verwendet: vogelpfeiffe, zimbello, cantarella, richiamo Kramer 2, 1206ᵃ (1702); fistula aucupis Frisch 2, 405ᵃ;
und bringen
ein ständchen ihr mit geigen, hinterm steg
gespielt, und rumpeltopf und vogelpfeife
Immermann w. 16, 382.
vogelpfeifer m.
einer der vogelstimmen nachahmt Rosegger schr. (1895 ff.) 1, 107. —
vogelpfeiferei f.
verächtlich: weil sie (am conservatorium zu Paris) eigentlich gar kein kriterium kennen und ihr ganzes treiben auf vogelpfeiferey richten Zelter an Göthe briefw. (1833) 1, 438. —
vogelpfeil m.
zum schieszen auf vögel: vogelpfeile mit stumpfem holzeinsatze statt der spitze Ratzel völkerk. (1885 ff.) 2, 249;
vil schneller dann ein vogelpfeil
Spreng Äneis (1610) 89ᵃ.
vogelpfennich m.
wegerich (vogelkraut), plantago major Marzell 93; s.fench th. 3, sp. 1518. —
vogelpflaume f.
prunus padus, s.vogelkirsche. —
vogelpfleger m.
aviarius Dasypodius 448ᵈ. —
vogelpfote f.
pflanzenname, ornithopus perpusillus Holl wb. d. pflanzennamen 390ᵃ; s.-fusz. —
vogelpreis adj.
vogelfrei (aus älterer sprache) Fischer schwäb. 2, 1607; vgl. preis th. 7, sp. 2090 ff.
vogelpriester m.
darzu sind besondere augures oder vogel-priester bestellet gewesen B. S. v. Stosch polit. staatsgarten 209 (1676); ebenso wird augur von Campe übersetzt, s. erg. wb. 135ᵇ. —
vogelprophet m
augur: vogelsprophet B. Albrecht magia (1628) 67, ebenda
vogelpropheterei f.
vogelprophezeiung Gottsched beitr. z. crit. hist. (1732 ff.) 2, 80. —
vogelräumen n.
nester ausnehmen med. maulaffe 927. —
vogelrecht n.
ein jägerausdruck, womit er den vogel bezeichnet, den er bei der falkenjagd dem falken als belohnung ... zum genusse überlässt Krünitz öc. encycl. (1773 ff.) 227, 176. —
vogelreich n.
die gesammtheit der vögel als ordnung gedacht:
du weist, dasz an des adlers stat
der paradyszvogel ytzt hat
das vogelreich frey angenommen
W. Spangenberg dicht. (1887) 28;
das tönende und schimmernde vogelreich Jean Paul w. 59/60, 220 H.; geruhen sie noch einen namen zu wählen, einen namen aus dem vogelreich Raupach dram. w. kom. gattung (1829 ff.) 3, 72. —
vogelreich adj.
an vögeln reich: mhd. wb. 2, 690ᵃ; der junge, ... grünende ... vogelreiche ... lentz Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 592; dem vögelreichen lermvollen walde Hippel lebensläufe (1778 ff.) 3, 2, 647. —
vogelreis n.
zum vogelfang:
einem, der einst auf der jagd
stellte vogelreiser
Rückert w. (1867 ff.) 2, 100.
vogelrichtung f.
wie -gericht: wann man im herbst eine zierliche und nutzbare vogel-richtung haben will Hohberg georg. cur. (1682) 2, 698. —
vogelriemen m.
wurm, in den eingeweiden der vögel lebend, ligula intestinalis Nemnich.
vogelroggen m.
sedum acre Marzell 156. —
vogelrohr n.
wie -flinte, -büchse Kramer 2, 1205ᶜ (1702); Steinbach 2, 296; auch blasrohr Fischer schwäb. 2, 1607;
so wünsch ich mir ein vogelrohr,
darausz ich schiesen kan so gwisz,
und das ich alles treffen müsz,
warnach ich nur gedenck und ziel
Ayrer 4, 2833 lit. ver.;
ausz ihren .. schlüsselbüchssen und vogelroren Fischart Garg. 370 ndr.; mehr als 20 bis 30 vogelröhre Gottsched d. schaub. 4, 162. pflanzenname, cicuta virosa Fischer a. a. o.
vogelruhe f.
tageszeit, in der die vögel schweigen, mittagszeit:
es ist ietzt in der vögel-rhu ...
die sonn scheinet ietzt uberheisz
H. Sachs 17, 281, 24 lit. ver.
vogelruthe f.
wie leimruthe, zum vogelfang: amis, vogelroute Diefenbach nov. gloss. 21ᵃ;
sie alle stellten vogelruthen dir
(have all lim'd bushes):
und flieg du wie du kannst, sie fangen dich
Shakespeare könig Heinrich VI. II 2, 4.
vogelsack m.
cassidilis Diefenbach nov. gloss. 78ᵃ; tasche des vogelfängers d. städtechron. 25, 26 anm. 1. —
vogelsädel m.
sedile avium Maaler 471ᶜ; s.sädel th. 8, sp. 1628. —
vogelsalat m.
valerianella olitoria Marzell 91; rapünzelsalat, vögerlsalat Unger-Khull steir. 245ᵇ; Castelli mundart in Österreich 131. —
vogelsame m.
vogelfutter Fischer schwäb. 2, 1607; pflanzenname Marzell 91; 93; wegerich (plantago) wb. d. els. mundarten 2, 356ᵇ; Hönig Köln. 197ᵇ; wb. d. luxemb. mundart 472ᵇ; beim fang: mit dem so spreitet der weidman vogelsamen uff die erd buch d. beispiele 82 lit. ver.
vogelsang m.
mhd. wb. 2, 2, 305ᵃ; Lexer 3, 427ᵃ; selten im älteren nhd., fehlt noch bei Adelung, während es Campe aus Wieland belegt; das kleine flagiolet ist ein ganz kleines flötchen, womit man den vogelsang nachahmt Schubart ästh. der tonkunst 323; der selige war ein groszer liebhaber vom vögelsang Hippel lebensläufe (1778 ff.) 2, 414;
scône ist der vugilsanc
Annol. 54;
die zweiglein schwanck
zum vogelsang
sich auff, sich nider neigen
Spee trutz-nacht. (1649) 37;
süszer klingt der vogelsang,
wann die gute, reine,
die mein jünglingsherz bezwang,
wandelt durch die haine
Hölty ged. 146 Halm;
(ich) gäbe den ganzen vogelsang
für einer möwe schrei
Strachwitz ged. (1850) 172.
in alten orgeln ein nebenzug zur nachahmung von vogellauten (vgl.-gesang, -geschrei) Jacobsson technol. wb. 4, 549ᵃ; in örtliche vorstellung überleitend:
er vienc si bî der wîzen hant,
er vuort si in daz vogelsang
carm. bur. 145, 2;
begrabt mich unter breiter eich
im grünen vogelsang
Uhland ged. (1898) 1, 279.
häufig als flur- und ortsname, dann auch familienname, vgl. Jacobs in beitr. z. deutschen philol. J. Zacher dargebracht (1880) 205; nd. korr. bl. 3, 61. —
vogelschall m.
nur vogelschall
tönt überall
Hölty ged. 156 Halm.
dann sitzen wir am wasserfall,
und hören süszen vögelschall
Miller ged. (1783) 60.
vogelschar f.
vogelschaar, grex avium Maaler 471ᶜ; vogelschar Campe; daneben oft vögelschar: (d. adler) der vogelschaaren oberhaupt Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 52;
Paphos hat sie hergesendet,
ihre brünstige vogelschaar
Göthe 15, 170 W.;
(ein jüngling) streut der vogelschaar ...
die hälfte seines frühbrods dar
Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 10, 24;
ich wil nicht gedenken der eyer, ausz welchen die befederte vögelschaar ... herfürkreucht Harsdörfer frauenz. gesprechsp. (1641 ff.) 3, 79; palmenpflanzungen von vögelschaaren belebt Ritter erdk. (1822 ff.) 1, 995;
laszt ewrer bunten vögel-schaar
die welt mit tausent liedern grüszen
Königsb. dichterkr. 85 ndr.
wie vögelschaar an wäldergipfeln streift
Göthe 3, 20 W.;
das lied der muntern vögelschaar
dringt in die weite hell und klar
Hebbel w. 1, 302 Werner.
vogelschau f
1) s. -ansicht, -blick, -perspective. diese verdeutschung von vogelperspective, im 19. jh. aufkommend, hat sich eingebürgert, doch nur in freierer anwendung, während -perspective mehr den technischen sinn vertritt: München als landesherrliche haupstadt im mittelgrunde, Freising als geistliche metropole im vordergrunde beherrschen ... die landschaft aus der vogelschau des domberges Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 4, 275. 2) übersetzung von auspicium, daneben vögelschau; Campe hat im wb. -schau, im erg. wb. empfiehlt er -schaue (unter augurium); auspicium und augurium, anfangs auf vogelschau und vogelwahl bezogen, galten allmälich von jeder art weissagung J. Grimm kl. schr. 1, 123; diese heiligen künste sind ... vögel- und eingeweideschau D. Fr. Strausz ges. w. (1876 ff.) 1, 200. —
vogelschauen n.
auspicari, vogelschawen Diefenbach gloss. 63ᵃ. —
vogelschauer m.
augur Steinbach 2, 391; Campe; ein wort der obersten priester und vogelschauwern Frisius dict. (1556) 460ᵃ (effari); als da sind die vogelschauer, die auff der raben flug und geschrey, sonderlich zu kriegszeiten, gehen Dannhawer catechismusmilch (1657) 1, 186; vögelschauer K. O. Müller Dorier (1824) 1, 253;
Kalchas der Thestoride, der weiseste vogelschauer
Voss Ilias 1, 69;
erschreckt von diesem seltsamen gesichte
befrug der vater einen vogelschauer
und schwarzen magier um die bedeutung
Schiller 14, 107 G.
vogelschauerei f.
aberglauben der vogelschauerei E. Francisci weh d. ewigk. (1686) 701. —
vogelschauung f.
der Römer vogelschawung Harsdörfer frauenz. gesprechsp. (1641 ff.) 1, b 6ᵇ; eine menge alter ... vogelschauungen Mommsen röm. gesch. 1, 842. —
vogelscherbe f.
wie -napf Fischer schwäb. 2, 1607. —
vogelscheu m. und f.
letzteres auch in der form -scheue, gewöhnlich eine in gärten und feldern aufgestellte nachahmung einer menschlichen figur, mit lumpen oder alten kleidern behängt, die vögel abzuschrecken; übertragen auf einen abstoszend aussehenden menschen oder einen mit abschreckenden eigenschaften, auch das leben vortäuschende kann betont werden; jetzt verdrängt durch -scheuche. das geschlecht ist in älterer sprache nicht immer deutlich zu erkennen. Campe citiert vogelscheu, m. aus Schlegels Shakesp.-übersetzung, verwirft es aber. im eigentlichen sinne, wobei nicht immer eine menschliche figur, sondern auch eine andere vorrichtung gemeint ist, durch die man vögel abschreckt (aufgehängte lappen u. ä.): cucius, vogelschewe, -scheuwen, -scheuwen in dem getreid Diefenbach gloss. 160ᶜ; priapus, vogelschewhe 459ᵃ; (ungestalten, die man) auff die pfäl fur vogelschewen stellet Fischart Garg. 18 ndr.; hetten sie nit alle ihre kutten und kappen für ein vogelschew an einen zaun hencken müssen? bienenkorb (1588) a 4ᵃ; in vergleichung, freier anwendung und übertragung: er (der hofmann) ist ein faules holtz im finsterniss, und eine vogelscheu dem der sie kennet Harsdörfer frauenz. gesprechsp. (1641 ff.) 6, 229; (ein mensch) der kein blut mehr weder im herzen noch in den adern hat, und eine blosze vogelscheu ist Bode Montaignes ged. u. mein. (1798 ff.) 3, 148; als so ein schelmenfabricant aus ... anzeigen und umständen sich endlich einen strohlumpenen vogelscheu zusammenkünstelt Göthe 8, 251 W.; du speisemagazin! du ausgestopfter vogelscheu! Kotzebue dram. w. (1828) 13, 18; weil Hans so entsetzlich aussah, ärger als eine vogelscheu Grimm kinder- u. hausm. (1812 ff.) 2, 97;
an höfen dient die treue
noch kaum zur vogel-scheue,
weil sie nur einfalt heiszt
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721 ff.) 4, 195;
diesz sagten sie, ist der Franzosen schrecken,
die vogelscheu (scare crow), wovor den kindern graut (Talbot)
Shakespeare, könig Heinrich VI. I 1, 4;
(der) wie ein vogelscheu (crow-keeper) die frauen schreckt
Romeo 1, 4;
du conterfei
von dürrem schafsgerippe! vogelscheu!
Baggesen poet. w. (1836) 3, 232.
vogelscheu adj.
v. pferden: ein scheues, vogelscheues pferd, cavall' ombroso ò che si adombra Kramer 2, 200ᵇ (1702). —
vogelscheuel m. n.
wie das folgende wort: zum spectakel, und gleichsam zum vogel-scheuel Francisci weh d. ewigk. (1686) 403. —
vogelscheuche f.
'nennt man irgend einen gegenstand, den man auf feldern ... anbringt, um die vögel zu verscheuchen' Krünitz öcon. encycl. 227, 176; oft die nachahmung einer menschlichen figur: crepula, vogelscheuch Diefenbach nov. gloss. 119ᵃ; Adelung; Campe. letzterer belegt vogelscheuch, m. aus gleichzeitiger quelle: vergisz doch nicht, morgen eine vogelscheuche in die erbsen zu stellen Gotthelf ges. schr. (1855) 2, 289;
dein (der Grete) haar ist dir geflochten gleich,
es geb ein gute vogelscheuch
Ayrer dramen 4, 2708 lit. ver.;
doch lockt die kirsche noch so sehr,
die vogelscheuche schreckt noch mehr
Heine 2, 204 E.;
vorrichtungen, die durch lärm schrecken: meine fenster klirrten und krachten tag und nacht wie vogelscheuchen Droste-Hülshoff briefe (1893) 284 Th. Schücking. menschenähnliche figuren sollen von den vögeln für menschen gehalten werden: (man meint,) wir (die spatzen) seien noch so dumm an vogelscheuchen zu glauben Auerbach schr. (1892 ff.) 5, 191. vielfach in vergleichen und in übertragung; auf menschen bezogen kann es abstoszendes äuszere, aber auch schreckendes wesen, ferner das leben vortäuschende bezeichnen; übertragung auf unpersönliches ist seltener: indesz die lasterhaften wie vogelscheuchen da stehn, um die leser schaarenweise, wie sperlinge, von der bahn des bösen zurückzuschrecken Tieck schr. (1828) 7, 218; wenig fehlt, dasz wir wie vogelscheuchen auf den brettern erscheinen Holtei erz. schr. 19,164;
lachen seh ich dort und grinsen
einen misgeschaffnen zwerg,
putzig, wie die vogelscheuchen,
die man dreht aus hanf und werg
Hebbel w. 7, 218 Werner.
übertragen, z. b. häszliches, altes, zerlumptes frauenzimmer Hügel Wiener dialekt 183; schrecklich find' ich es solche verdiente ... personen als vogelscheuche der schlimmsten art aufgestellt zu sehen Göthe IV 41, 15 W.; weibel, henker, scharfrichter und übrigen vogelscheuchen der obrigkeit Zschokke schr. (1824 ff.) 27, 241; er (Danton) ist die vogelscheuche der revolution Büchner nachgel. schr. (1850) 115; wie er die vogelscheuche von prinzen dabei angrinst O. Ludwig schr. (1891 ff.) 3, 700. im weltkriege kam unter den soldaten die bezeichnung vogelscheuche für maschinengewehr auf Imme soldatenspr. 27. —
vogelscheucher m.
ungewöhnlich: ich werde glänzen ... als ein vogelscheucher im garten Fr. L. Schröder dram. werke (1831) 4, 141. —
vogelschieszen n.
Mainzerhof 30 Michelsen; selten in allgemeiner anwendung, jagd auf vögel: vogelschieszen, die weidmannsgerechte erlegung der vögel mit dem feuergewehre Behlen forst- u. jagdk. (1840 ff.) 6, 159; mit voglschieszen sich nöhren, propagare vitam aucupio sagittarum Schönsleder l l 8ᵈ; biszweilen gieng ich ins holtz spatzieren, und hatte meine lust mit vogelschieszen J. A. v. Mandelslo morgenländ. reisebeschr. 121 Olearius (1696); eine gesellschaft von subalternoffizieren war nach einem berge hin aufs vogelschieszen ausgegangen Forster schr. (1843) 2, 90. gewöhnlich für schützenfest, bei dem nach dem hölzernen vogel geschossen wird: zwey vogelschieszen halten Adelung; wann denn i. f. g. erfuhren, dasz i. kurf. g. ein vogelschieszen zu Dresden hatten angestellt Schweinichen denkw. (1878) 40; gestern auf dem vogelschiesen zu Apolde hab ich mich in die Cristel von Artern verliebt Göthe IV 3, 87 W.; zu solchem vogelschieszen läszt eine löbliche schützengesellschaft ... einladen Brentano schr. 5, 331. —
vogelschlag m.
laut d. vogels (vgl. die nachtigall schlägt im busch u. ä.):
vernimm im wald den letzten vogelschlag
Geibel w. (1888) 8, 104.
vogelfalls (s.schlag IV 5 th. 9, sp. 331): captencula Diefenbach gloss. 98ᶜ; decipula 168ᵃ; fastema 227ᵃ; vgl. Verwijs-Verdam 9, 778; der vogelschlag, transenna, decipulum Maaler 471ᶜ; ein vogelschlag oder hären, ein fallen Frisius dict. (1556) 368ᵃ; vogelschlag, vogelkloben Kramer 2, 1206ᵃ (1702); kasten mit zuschlagendem deckel Adelung; Campe; im vergleich: dasz die enge Gotthardsstrasze von des vogts gierigen knechten wie ein vogelschlag benutzt wurde, in welchem sie reisende fingen und rupften Gotthelf schr. (1855) 16, 227. —
vogelschlecht adj.
horizontal, wie der vogel fliegt: vogelschlechte-richtung, kernschusz, tirer de niveau Fäsch kriegs.-lex. (1735) 264ᵇ; eine kanone vogelschlecht richten Adelung.
vogelschlinge f.
sprenkel: vogelschlinge, lacciuolo da uccelli Kramer 2, 585ᵇ (1702); Gottsched deutsche sprachk. (1748) 71; dieser legte auf der haide vogelschlingen Stifter w. (1901 ff.) 1, 180. —
vogelschmalz m.
in vögel schmaltz ... backen Grimmelshausen Simpl. 564 ndr.; vogelschmaltz Paracelsus chir. (1618) 666. —
vogelschnabel m.
ora cornea Maaler 471ᶜ; übertragen:
hüte dich vor dem vogelschnabel
in dem menschenangesicht
E. M. Arndt 5, 347 R.-M.
vogelschneisze f.
durch einen wald gehauene wege für den vogelfang mittelst schlingen Behlen lex. der forst- u. jagdk. 6, 193; Fischer schwäb. 2, 1607; besonders aber die vorrichtung zum fang s. schneisze th. 9, sp. 1285; vogelschneusz Jean Paul werke 20/23, 159 H.
vogelschnell adj.
schnell wie der vogel Campe; (d. generaloberst) sol auch seyn scharpffer begreiffenlicher, und bald verstendiger vernunfft, vogelschnell Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 58ᵃ; seine vogelschnellen mit güldenen mähnen zierlich bedeckten pferde Breitinger krit. dichtkunst (1740) 1, 434; federleicht, vogelschnell entschwebt die seele dem tode J. Grimm kleine schriften 4, 425;
so entwüscht es (das thier) im bhendt davon
und schos dann vogelschnell hinfür
Wickram 7, 342, 1369 lit. ver.;
ganz vogel-schnell war sie zu fusz
H. Sachs 2, 180, 22 lit. ver.;
bemüht, in vogelschnellem lauf
jetzt diesen, jenen dann wetteifernd zu besiegen
Schiller 6, 392 G.
hierzu: mit vogel-schnelle flog das boot dahin Zschokke schr. (1824 ff.) 16, 127; vogelschnelligkeit Wieland bei Campe.
vogelschneusz
s. -schneisze.
vogelschopf m.
crista Stieler 1781. —
vogelschreck m.
wie vogelscheuche. wir brauchen in unserm garten einen vogelschreck Kotzebue dram. w. 39, 198;
vogelschrecke, vogelschrecker f.m.
Hupel idiot. v. Lief- u. Ehstland 252; und wenn er wie ein vogelschrecker ausschaute Meisl theatr. quodlibet 1, 142. —
vogelschrei m.
mirst swære der süeze vogelschrê
MSH 2, 264ᵃ;
was nutzet mir dan schöne zeit? ...
wasz edler mey,
wasz vogelschrey?
Spee trutz-nacht. (1649) 39;
dann und wann schlug von drauszen aus der luft ein verwehter vogelschrei herein Storm werke (1899) 4, 218; der auff vogelschrey achte volksb. von dr. Faust 8 ndr.
vogelschreien n.
garrire, vogelschryen Diefenbach nov. gl. 189ᵇ. —
vogelschrift f.
hieroglyphenschrift: in der granitnen vogelschrift der obelisken B. Goltz ein jugendleben (1852) 3, 42. —
vogelschrot m.
vgl. -dunst Kramer 2, 1206ᵃ (1702); Frisch 2, 1405ᵃ. —
vogelschutz m
(neuere sprache), masznahmen zur erhaltung der vögel.
vogelschütz, vogelschütze m.
im engeren sinne einer, der nach dem vogel auf der stange schieszt:
du sollst mir dann in luft'ger höh'
auf einer stange sitzen,
und ich rufe zum lustigen schieszen herbei
die rheinischen vogelschützen
Heine 2, 437 E.
vogelschwanz m.
flabellum pennarum, vogelschwantz Alberus (1540) j j 3ᵃ. —
vogelschwarm m.
die Römer haben das für glücklich angenommen
wenn sich der vogel-schwarm zur rechten seite schlug
Henrici ged. (1727 ff.) 1, 294;
doch in der haide nebelweiten
wie vogelschwärme sieht man's gleiten
Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 124.
vogelschwinge f.
feder- sive vogelschwinge Stieler 1984. —
vogelseher m.
augur Steinbach 2, 563; vogelseher warsager wetterpanner geistbeschwerer Aventinus bayer. chron. 1, 637, 24. —
vogelseide f.
pflanzennamen: cuscuta epilinum u. europaea Pritzel-Jessen 123. —
vogelsicht f.
verdeutschung von vue d'oiseau zeitschrift f. d. wf. 2, 313. —
vogelsingen n
Lexer 3, 427;
die ganze luft erschallt von hellem vogelsingen
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 2, 216;
das vögelsingen Storm w. (1899) 5, 275. —
vogelspeck m.
pflanzenname: silene inflata Pritzel - Jessen 377; Marzell 25. —
vogelspeierling m.
eberesche, pirus aucuparia Pritzel-Jessen 284; s. spierling th. 10, 1, sp. 2436. —
vogelspeise f.
speise aus vogelfleisch bestehend Lexer 3, 427; speise der vögel, auch lockspeise: escina, vogelspeysze Diefenbach gloss. 210ᵇ; vogelspeise, esca avium Stieler 2079; Steinbach 2, 621;
secht vogelspeysz, und bluͦmenzier,
di nit sölch ärbet thon als ihr
Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 111ᵃ;
bezeichnung einer speise aus gehackten, harten eiern Unger-Khull steir. 245ᵇ. —
vogelspiel n
1) zusammenfassend von den falken, die zur jagd benutzt werden oder für diese jagd selbst (vgl. federspiel) Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 295ᵇ; vögel überhaupt:
daz sich ein iglich vogelspil
nach seiner art zu samen zewt
väterbuch 40340.
2) vogelschieszen:
das lange kugelspiel;
der rohr- und bogenschützen hohes vogelspiel
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 2, 237.
3) spiel, bei dem ein bleierner, an einer kette hängender vogel mit spitzem schnabel gegen eine scheibe geworfen wird Jacobsson techn. wb. 4, 549ᵃ; name eines verbotenen, dem lotto ähnlichen spiels Unger-Khull steir. 245ᵇ; vögleinspiel ist ein kinderspiel Fischer schwäb. 2, 1604. —
vogelspiesz m.
verulum, vogelspiesz Frischlin (1586) 169ᵇ; 'kleine von holtz oder eisen gemachte spieszlein, woran die lerchen im währenden braten gestecket werden' Amaranthes frauenz. lex. 1152. —
vogelspindel f.
ein theil der vorrichtung zum vogelfang allg. haushalt. lex. (1749 ff.) 1, e 3ᵃ. —
vogelspinne f.
aranea avicularia Nemnich; grosze tropische spinne, die junge vögel überfällt; vogelspinne, die bereit ist, den kolibri jede minute zu rupfen und zu fressen Jean Paul w. 15/17, 76 H.
vogelsporn m.
vogel - sporen, speroni, sproni di uccelli Kramer 2, 1206ᵃ (1702);
däumlein wie vogelsporen
Droste-Hülshoff w. (1879) 1, 169;
pflanzenname (claviceps purpurea) Pritzel-Jessen 459; ein theil des menschlichen groszhirns (pes hippocampi minor). —
vogelspötter m.
oriolus galbula Nemnich; ein vogel, der andere vogelstimmen nachahmt Heppe wohlr. jäger (1763) 236ᵇ. —
vogelsprache f.
die laute der vögel als sprache gefaszt: die vogelsprache verstehen; im menschen ligen alle vogelsprach Paracelsus opera (1616) 2, 327; vögelsprache: wer die vögelsprache kennt, der wünscht in der ersten stunde schon taub zu seyn Hebbel tagebuch 4, 162 Werner; vogelsprachen heiszen spruchgedichte, die eine versammlung von vögeln vorführen, s. nd. jahrb. 14, 101; nd. korr. bl. 36, 77; übertragen auf eine nicht verstandene menschliche sprache: während unsere Engländer so in ihrer vögelsprache in den lüften zwitscherten Waiblinger die Britten in Rom 47 Zoller.
vogelsprenkel m.
wie einfaches sprenkel:
wie fiedel-bögen krumm, und wie ein vogel-sprenckel
Henrici ged. (1727 ff.) 1, 391.
vogelstadt f.
da sahen wir in den wolcken die vogelstat, Nephelococcygiam Gabr. Rollenhagen indian. reisen (1603) 92. —
vogelstand m.
aviarium, locus, secretus avibus aptus, vogelstant Diefenbach gloss. 61ᵃ. —
vogelstange f.
Jellinek mhd. wb. 878; gewöhnlich die hohe stange, auf der ein hölzerner (wohl auch gelegentlich ein lebendiger) vogel befestigt war, nach dem man schosz (vogelschieszen); da diese stange bei den städten ihren bestimmten platz hatte, dient sie in älterer sprache auch zur ortsbezeichnung: vogel-stange, pertica de qua avem ligneam dejiciunt jaculatores Frisch 2, 405ᵃ; Müller - Fraureuth obers. 2, 624ᵃ (hier z. b. örtlich: sie müssen denn das jahr einmal auf die vogelstange gehen); seind dieselbigen hernach verbrant worden bey der vogelstangen d. städtechr. 27, 136; treib mannicherley kurtzweil unter der vogelstangen Krüger Clawerts werckl. historien 25 ndr.; diese ohrfeige soll dir theuer versalzen werden, ich fordre dich zur vogelstangen hinaus (jeg fordrer dig ud til fuglestangen) Holberg dän. schaubühne (1743 ff.) 1, 292;
ach! gebt mir einen mann,
der mich zur vogelstang auf pfingsten führen kann
ollapatrida 358 ndr.;
vgl.:
ein tauber ward auf einer stange
mit einem bande festgemacht
Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 9, 28.
ein langer, hagerer mensch wird einer vogelstange verglichen oder so genannt. stange, auf der leimruthen befestigt sind: vogelstange (woran vogel mit leim gefangen werden), ames Steinbach 2, 683;
Satan leimt die vogelstangen
mit dem ehrschein, und mit gält
Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 197.
vogelstatt f.
ort des vogelfangs: aucipium, vogelstat Diefenbach gloss. 59ᵇ. —
vogelsteige f.
vogelkäfig Schöpf tirol. idiot. 790; zu lichtmesz hatte die katze den finken in der 'vogelsteigen' getötet Rosegger wildlinge (1905) 143. —
vogelstelle f.
wie vogelstatt: aucipium Diefenbach nov. gloss. 41ᵃ; sie dürfen aber fremden leuten keine vogelstelle vermiethen allg. haush. lex. (1749 ff.) 3, 619; als der ältere bub mit einer vogelstelle beschäftigt war Rosegger III 8, 35 (1895 ff.). —
vogelstellen n.
fang der vögel mit besonderen vorrichtungen Lexer 3, 428ᵇ; vogelstellen vel weydewerg, aucipium Diefenbach gloss. 59ᵇ; vogelstellen, aucupatio Steinbach 2, 659; Frisch 2, 405ᵃ; auch wohl verbal: wer gut vogelstellen kann; mit jagen, fischen, vogelstellen Harsdörfer t. secret. (1656 ff.) 1, 98; weil ich mich von jugend an aufs vogelstellen gelegt habe Rabener w. 3, 48; das vogelstellen will durchaus ein in sich selber vergnügtes, stilles ding von seele haben Jean Paul w. 1, 383 H.;
sprach ritter Klaus beim vogelstellen
zu seinen edlen weidgesellen
Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 2, 190;
sprichw.: fische fangen und vogelstellen verderben manchen guten gesellen Fleming vollk. t. jäger (1719) 2 (anhang); alchimey, bergwerck, vogelstellen, verderben manchen guten gesellen Lehmann floril. polit. (1662) 3, 20. —
vogelsteller m.
'heiszt derjenige, der kunstgerecht und auf weidmännische weise den vogelfang ausübt' Behlen forst- und jagdk. (1840 ff.) 6, 160; vogelsteller, auceps Stieler 2142; Steinbach 2, 659; Frisch 2, 405ᵃ; hat er den freyherrn, und zwey seiner vogelsteller gelehret und unterrichtet, wie sie acht haben solten auf diesen und jenen vogel Widmann Fausts leben 462 lit. ver.; der vogelsteller soll vorhin eyn viereckigen vogelherd vornen am busch anrichten Sebiz feldbau (1579) 607; gröszere unterhalt zu schaffen, als den fischern und vogelstellern zukäme Chr. Weise erzn. 50 ndr.; sie sahen dem vogelsteller zu, wie er die im netz gefangenen vögel in käfichte vertheilte Herder werke 24, 18 S.; dort ein vogelherd mit dem alten vogelsteller im tiefen grünen wald Storm w. (1899) 3, 126;
bohrt und krallet den verwegnen,
den verfluchten vogelstellern
ungesäumt die augen aus!
Göthe 17, 94 W.;
der vogelsteller im grünen haus
lauscht zum kleinen fenster hinaus:
will nichts sich setzen
in meinen netzen?
Uhland ged. (1898) 1, 426.
Heinrich I. führt den beinamen auceps, der vogelsteller, häufiger der vogler. sehr oft wird vogelsteller in vergleichen oder in übertragung gebraucht: mit diesen .. lockvogeln fehet der teufel der vogelsteller auf seinem finckenherde die leute Luther 28, 597 W.; das volk liegt auf den knieen, betet die heiligen gewirkten zeichen an, und hinten lauscht der vogelsteller der sie berücken will Göthe 8, 266 W.;
(gräfin Capulet zu ihrem mann:)
ja, ja: ihr wart ein feiner vogelsteller (mouse-hunt)
zu eurer zeit
Shakespeare Romeo u. Julia 4, 4;
nie fing zu Frankfurt mich ein vogelsteller
mit unsoliden güterlotterien
Freiligrath ges. dicht. (1870) 3, 50.
vogelsteller name eines tanzes Müller - Fraureuth obers. 2, 624ᵃ. hierzu vogelstellerei, f.
vogelstellerisch adj.
nicht zu fürchten die lauer
vogelstell'rischer pfeifen
Rückert w. 5, 297.
vogelstellung f.
aucupium Stieler 2142. —
vogelstern m.
ornithogalum Nemnich, s. vogelmilch. —
vogelstimme f.
avicularum cantus Stieler 2167; die vogelstimme nachahmen können Campe; von diesem tiehrgeleute und vogelstimme hat nach der lenge und sehr artig geschrieben Duretus Schottel haubtsprache 60; während Fabitz unermüdlich die mannichfaltigsten vögel- stimmen nachahmte Eichendorf w. (1864) 2, 409; es war auch im ganzen walde kein lüftchen zu spüren und keine vogelstimme zu hören Stifter w. (1901 ff.) 1, 248. —
vogelstoffel m
vogelnarr Follmann lothr. 169ᵇ; vgl. vogelfritze. —
vogelstöszel m.
kleiner sperber, astur nisus Unger-Khull steir. 245ᵇ. —
vogelstöszer m.
sperber, accipiter nisus, und wanderfalke, falco peregrinus Unger-Khull a. a. o.
vogelstreit m.
in der luft bedeutet krieg: zu London aber haben ihrer viel an diesem sonntage sothanen vogel-streit observieret Ziegler hist. labyrinth (1701) 84ᵃ; vgl. zeitschr. f. d. wortf. 15, 227. —
vogelstrich m.
zug, zugrichtung wandernder vögel, ihr abziehen und wiederkommen, auch die zeit oder der ort des streichens: vogelstrich, volo di uccelli Kramer 2, 1206ᵃ (1702); vogelstrich, abitus avium in hiberna, wiederstrich, reditus avium ex hibernis Frisch 2, 405ᵃ; die gewalt eines grund-herrens ... (über) thonen- und vogel-striche Fleming vollk. t. jäger (1719) 60; ich und der Fritz liefen .. auf unsern vogelstrich E. M. Arndt w. (1892 ff.) 1, 49. —
vogelstrick m.
vogelschlinge: tendicula, vogelsstrick Diefenbach gloss. 577ᵇ; pedica, vogelstrick Alberus (1540) y 3ᵇ; vögel stricke, tendiculae Stieler 2196; vogelgarn, flügelgarn, vogelstrick Sebiz feldbau (1579) 563;
sie lebt in fröligkeit, fleugt lustig hin und her,
alsz wann kein vogelstrikk, noch katz noch sperber wehr
Rachel satyr. ged. 36 ndr.
vogelstube f.
heizbarer raum für vögel: meine vögel befanden sich stets in einer ... vogelstube Brehm tierl. (1890 ff.) 5, 346; s. -zimmer. —
vogelstück n.
bild mit einer darstellung aus dem leben der vögel, vgl. thierstück th. 11, sp. 387. —
vogelsucht f.
krankheit eines jagdvogels Lexer 3, 428; auf menschen übertragen: (die bettelmönche) sehen ausz als ob sie die vogel und lepelsucht hetten Fischart bienenk. (1588) 220ᵃ; wohl mit beziehung auf den obscönen sinn von vogeln, vgl. Fischer schwäb. 2, 1607. —
vogeltasche f.
cassidilis, vogiltasche Diefenbach nov. gloss. 78ᵃ; s. vogeläser. —
vogeltenne f.
aucipium, vogeltenne Diefenbach gloss. 59ᵇ; vogelherd, vogeltenne, aia, uccellaia Kramer 2, 1205ᶜ (1702); Schöpf tirol. 790; Unger-Khull steir. 245ᵃ; die fincken-heerde und vögel- tenn ... zurichten lassen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 123. —
vogelthier n.
da erwelt im der fuchse schier
ein gesellschaft von vogel-thier
H. Sachs 5, 69, 21 K.
nach dem zusammenhange ein dvandva-compositum, vögel und tiere. anders, vogelartiges wesen:
schnell kommt das vogelthier herabgefallen
Gries Bojardo verl. Roland 1, 315.
vogeltod n.
pflanzenname (conium maculatum), schierling Pritzel - Jessen 107; schirling, der vogeltod genant Sebiz feldbau (1579) 457. —
vogelton m.
vgl. mhd. vogeldœnen, vogelgedœne Lexer 3, 426; papagei (im vogelton): ganz recht, ganz recht: paperl wirds schon machen Raimund w. 1, 283 Glessy-Sauer; Campe will flageolet mit vogelton übersetzen, erg. wörterb. 322ᵇ. —
vogelträger m.
vogelhändler: vogeltrager, avicularius Diefenbach gloss. 61ᵃ; aliger, ein voghel dregher nov. gloss. 15ᵇ; vgl. Verwijs-Verdam 9, 773; Fischer schwäb. 2, 1607; die vogeltrager, welche sie her in unser land pringen Sebiz feldbau (1579) 605; anders vullsdrejer, maurergehilfe der den kalk zuträgt luxemb. wb. 472ᵇ; s. vogel 17 l. —
vogeltraube f.
plantago, vogelkraut, -futter Marzell 93; sedum acre 156. —
vogeltraubenkirsche f.
prunus padus, vogelkirschbaum Pritzel-Jessen 318. —
vogeltritt m.
die kleinen, dünnen, auf dem boden liegenden reiser der waldbäume Knothe schles. mundart in Nordböhmen 532; das bedeutet wohl auch eigentlich
vogeltrittholz
bei Frischbier preusz. wb. 2, 447ᵃ; scherzhaft dann von einer holzart, die man nicht näher bezeichnen will; s. Fischer schwäb. 2, 1607. —
vogeltrittgras, vogelwegtritt n.m.
vogelknöterich, polygonum aviculare Frischbier preusz. wb. 2, 447ᵃ; prunus padus, vogelkirschbaum Marzell 208. —
vogeltröglein n.
napf im bauer: canaliculus, ein vogeltröglein Corvinus fons lat. (1646) 140. —
vogeltruhe f.
vögeltruhen, darinnen behalten sie ihre lockvögel Hohberg georg. cur. (1682) 2, 690. —
vogelvater m.
einer der vögel hegt und pflegt Rosegger schr. (1895 ff.) II 12, 183. —
vogelverkauf, vogelverkaufen m.n.
ein kinderspiel Askenasy Frankfurter mundart 75; Fischer schwäb. 2, 1607. —
vogelverkäufer m.
avicularius, vogel-verkouffer Diefenbach gloss. 61ᵃ; ein gärtner, oder vogelverkauffer Francisci d. alleredelste veränderung (1671) 288. —
vogelvieh n.
zusammenfassend, leicht verächtlich: allerley vogel-viehe Prätorius Katzen-veit (1665) 95ᵃ. —
vogelvolk n.
vogilfolck, avicia Diefenbach gloss. 61ᵃ. —
vogelwahl f.
bestimmen der bedeutsamen unter den beobachteten vögeln J. Grimm kl. schr. 1, 123. —
vogelwahrsager m.
augur, auspex; vogelwahrsagerey, augurium Dentzler clavis ling. lat. (1716) 335ᵃ;
vogelwahrsagung
Campe.
vogelwand f.
netz, garn auf dem vogelherd Jacobsson techn. wb. 4, 549ᵃ; Unger-Khull steir. 245ᵇ; diese vogelwände werden von feinen festem zwirne gemacht Döbel jägerpract. (1754) 2, 214; die tuchmacher spannten grüne tücher wie vogelwände gegen die sonne aus Jean Paul w. 15/18, 114 H.
vogelwarte f.
platz, einrichtung, forschungsinstitut zur beobachtung der vögel, besonders der wandervögel (Helgoland, Rossitten). —
vogelwärter m.
aviarius Steinbach 2, 937; Campe; vogelwärter in einem zoologischen garten. —
vogelwasser n.
künstliches kleines gewässer zum fang wilder enten (fries. inseln). —
vogelweg m.
avia, vogel oder holtzweg Diefenbach gl. 61ᵃ (irr-, abweg). —
vogelwegtritt m.
s. -trittgras.
vogelwehr f.
vogelscheuche auf kirschbäumen Fischer schwäb. 2, 1607. —
vogelweibchen n.
weiblicher vogel.
vogelweide f.
begegnet zu frühest in glossen: aviaria, uugaluueidun Steinmeyer-Sievers 2, 702, 18 (Verg. georg. 2, 430: sanguineisque inculta rubent aviaria bacis, hierzu Servius: aviaria secreta nemora quae aves frequentant); aviarium, vogilweida Steinmeyer-Sievers 3, 222, 66; 294, 23; 266, 8 (Heinrici summarium buch xi); da die quelle der glossen dieses buchs in erster linie Isidor ist, kommt dessen definition für aviarium in betracht, die auf dem commentar des Servius zur Vergilstelle beruht u. das wort sowohl zu avis wie zu avius in beziehung setzt (orig. 14, 8, 32): aviaria, secreta loca et a via remota aut tantum avibus adibilia. das aviaria der Vergilstelle wird jedoch in einer anderen glosse durch fogalhus falsch übersetzt (Steinmeyer-Sievers 2, 635, 38). diesem glossator war also der gewöhnliche sinn des lat. wortes bekannt. ein sicherer schlusz auf die bedeutung von vogelweide ist zwar aus diesen glossierungen nicht zu ziehen, jedenfalls ist es aber nicht erst zur erläuterung des latein. wortes gebildet, musz also zunächst von der ursprünglichen bedeutung von weida aus verstanden werden: weida bezeichnet das ausgehen auf nahrung, dann das gebiet, wo diese nahrung gesucht wird und diese selbst; in diesem sinne wird es von wilden thieren ebenso gebraucht wie von zahmen: in der naht farent ûz in iro uueida alliu uualdtier Notker ps. 103, 20 (s. weiteres unter weide th. 14, 1, sp. 546); tiorweida glossiert lustrum Steinmeyer-Sievers 3, 16, 57; 116, 33; 406, 66; 443, 13; 607, 35; gemeint ist der aufenthaltsort wilder thiere: saltas ac lustra ferarum Verg. georg 2, 471. in silvis inter deserta ferarum lustra Aen. 3, 646. vogilweida also ist aufenthaltsort, futterplatz von vögeln, zunächst natürlich von wilden vögeln; es bezeichnet also einen ort abseits des von menschen bewirthschafteten landes. die vogelweide gehört dem walde zu, wie übrigens auch in der Vergilstelle unmittelbar vorher vom freien walde die rede ist. daher kann vogelweide den wald schlechthin bezeichnen wie vogelsang (s. dieses):
daz ich sie iemer gerner sehen
wolt dan alle vogelweid,
für bluomen ûf der heid
und für aller welte zier
lieders. 2, 190, 41.
wo die vögel sich gern aufhalten, ist der fang am ergiebigsten. die bedeutung von vogelfangplatz entwickelt sich also ganz natürlich aus der ursprünglichen und danach die von vogelfang, vogeljagd, wobei im zweiten falle die in weide liegende bedeutung von jagd mitwirkt. so erscheint das wort im liter. mhd., mhd. wb. 3, 553ᵇ; Lexer 3, 428, und später: closter Heinrichaw mit gulden czinsen renten ... weyden geyegden vogelweyden wassern (14. jh.) lehnsurk. u. besitzurkunden Schlesiens 2, 649; Lampel blätter f. landesk. von Niederösterreich n. f. 26, 9; die kleine vogelweyd (jagd auf kleine vögel) Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 166;
da geht auch an die vogel-weyd (im september)
H. Sachs 4, 68, 1 lit. ver.;
übertragen: also lange czeit die frau in (den liebhaber) an der vogelweyd hielt Arigo decam. 497 lit. ver.; das veraltete wort wird in neuerer sprache gelegentlich wieder aufgenommen, so von R. Wagner im werbelied des Walther Stolzing:
im wald dort auf der vogelweid',
da lernt' ich auch das singen.
die nhd. wörterbücher zeigen, dasz das wort dem allgemeinen sprachgebrauch entschwindet: Frisius u. Maaler bringen eine erklärung, die durch das allerdings dürftige belegmaterial nicht gestützt wird: ornithoboscium, hünerstal, hünerhausz, ort da man die hüner und gefügel zeucht und neert, vogelweid oder hünerweid Frisius dict. (1556) 930ᵃ; vogelweid, die, ornithoboscium Maaler 471ᶜ; vgl. aviaria, die vogelziehung Orsäus nomenclator method. (1623) 203; es tritt hier die gewöhnliche bedeutung von lat. aviarium hervor, deren einwirkung schon in der glosse aviaria, fogalhus (s. oben) zu erkennen ist. Frisch 2, 405ᵃ bringt nach älterer quelle: vogel-waid und vogelheerd schlagen ... ist eine species des kleinen wildprets, Adelung verzeichnet das wort überhaupt nicht. eine sehr interessante entwicklung der ursprünglichen bedeutung wird durch das mnld. bezeugt: unbebaut, wüstliegendes land; man beachte besonders die redensart: veugelwee loopen, lanterfanten, ledig loopen Verwijs-Verdam 9, 779; in gleichem sinne wie vogelweide wird vogellant gebraucht (776); de hofsteden zullen bliven te voghelweede, sie sollen wüst liegen. hiermit vgl. man: vogelweyde, f., un endroit de terre, ou le blé ne peu venir, ou rien ne croist Hulsius (1616) 386ᵃ (hiernach bei Campe in diesem sinne, der aber auch die erklärung des wortes aus Frisch übernimmt). diese bedeutung entspricht durchaus der verwendung von vogel- in deutschen pflanzennamen, die dadurch als wilde von den für menschen verwendbaren und von diesen gezogenen unterschieden werden. im streite um die heimat Walthers von der Vogelweide ist das wort in verschiedenen gegenden Deutschlands als flur- u. hofname nachgewiesen worden (Burdach Walther v. d. Vogelweide 17; Wilmanns leben u. dichten W. v. d. V.² 69). die falken beize kommt hierbei nach dem, was wir über die bedeutungsgeschichte des appellativums wissen, durchaus nicht in betracht, vogelweide ist nicht ein ort, 'wo jagdvögel gehegt und abgerichtet werden', sondern ein solcher, wo vögel nisten und ihrer nahrung nachgehen, wo der vogelfang, die anlage eines vogelherdes oder einer vogeltenne sich besonders lohnt (in der nähe des Inner - Vogelweidhofes bei Klausen in Tirol ist eine vogeltenne nachweisbar Lampel bl. d. vereins f. landesk. von Niederösterreich n. f. 26, 14). auch wenn Walther durch seine herkunft von einem solchen hofe veranlaszt war, sich von der Vogelweide zu nennen, kann der name sinnvoll von ihm gewählt und so von seinen zeitgenossen verstanden sein: es läge ein schmerzlicher ausdruck des ausgestoszenseins darin, denn vogelweide ist wildnis, bezeichnet den gegensatz zum bebauten feld, zur gepflegten wiese; die verwünschung durch Leopold von Österreich (35, 17) scheint an diesen sinn anzuknüpfen.
vogelweidsbirne f.
birnenart Fischer schwäb. 2, 1607. —
vogelweidwerk n.
was das vogel-waidwerck anbetrifft (vogeljagd) allg. haush. lex. (1749 ff.) 3, 615;
als der einmal raus vor der stadt,
sein vogel weidwerck getrieben hat
Eyering prov. copia (1601 ff.) 3, 229.
vogelwein m.
pflanzenname: majanthemum bifolium Pritzel-Jessen 228. —
vogelweinbeere f.
traubenart Unger-Khull steir. 245ᵇ. —
vogelweise f.
art, verhalten eines vogels:
und der sänger überfliegt
heck' und wand nach vogelweise
Gaudy w. 22, 111.
ruflied eines vogels: durcheinanderpfeifen der verschiedensten vogelweisen Jean Paul w. 32, 37 H.
vogelweiser m.
augur, vogelweyser Diefenbach gloss. 60ᶜ. —
vogelwelt f.
gesammtheit oder bestimmter theil der vögel, neuere bildung: Europas vogelwelt. —
vogelwerk n.
au cipium Diefenbach gloss. 59ᵇ; vogelwerk ist in älterer sprache auch eine collectivbezeichnung für vögel, besonders wilde: aucupia, feder willpret, vogelwerck nomencl. lat.-germ. (Hamb. 1634) 382; hüner-, geflügel- ò vögel- werck, pollame, uccellame Kramer 2, 1361ᵇ (1702); vögelwerck, ein hauffen oder eine menge vögel Rädlein (1711) 1005ᵇ; worin viel andere zu dem vogelwerke gehörige wörter befindlich Schottel haubtspr. (1663) 495; es giebt aber sehr viel wild, viehezucht und vogelwerck Olearius beschr. etl. or. insuln 143 (in d. reisebeschr. 1696); (Venus wird mit einer taube dargestellt) weil, nach dem Aristophanes, die verliebten das vogelwerk liebeten Winckelmann 2, 517. —
vogelwicke f.
namen verschiedener pflanzen: catile, vogelwicken Diefenbach gloss. 107ᵇ; vogel wick, vogel wike nov. gloss. 80ᵇ; cauda caballina, fogilwick gloss. 108ᵃ; eborium, vogelwicken 193ᵇ; lingua avis, fogil wica 331ᵇ; orobus, vogelwicken, -wicke, -wichen 401ᵇ; erbum, voghel wicken nov. gloss. 154ᵇ; aphaca, wilde wicken oder vogels wicken Faber thesaurus (1587) 66ᵇ; vogelwicken, erva silvestria, aphaca, vicia minima pro aviculis Frisch 2, 405ᵃ; Adelung; Campe; Unger-Khull steir. 245ᵇ; Fischer schwäb. 2, 1607. 1608. besonders von einem auf getreidefeldern wachsenden wickenähnlichen unkraut Jacobsson techn. wb. 8, 104ᵇ; Leopold handwb. d. öconomie (1805) 520ᵇ; Pritzel-Jessen verzeichnet vicia cracca 436; vicia sepium 438; lotus corniculatus 221; coronilla varia 113; lathyrus pratensis 204; klee kreutter nent man .. vogelswicken Bock kreutterbuch (1539 ff.) 2, i i 2; der purpurfarben vogelwicken Hohberg georg. cur. (1682) 1, 684. —
vogelwicken n.
augurare, vogelwicken Diefenbach gloss. 60ᶜ; auspicari 63ᵃ (hier auch -wickern);
vogelwicker m.
augur 60ᶜ; aurictor 61ᶜ; auspex 62ᶜ; vogelwicker, augur Stieler 2473; augurium, vogelwyckung Diefenbach gloss. 60ᶜ; s. wicken, zaubern mhd. wb. 3, 618ᵃ; Lexer 3, 819. —
vogelwiese f.
platz wo die vogelstange (s. d.) aufgerichtet war; mit dem vogelschieszen war ein volksfest verbunden, das langlebiger sein kann als die besondere art des schieszens; bekannt ist die Dresdener vogelwiese, siehe Müller-Fraureuth obers. 2, 624ᵃ. bei Naumburg:
auf der ganzen vogelwies
sah man nichts als schwert und spiesz
Böhme volkst. lieder d. Deutschen im 18. u. 19. jh. 531.
vogelwiese, name eines bestimmten marsches in Sachsen Horn soldatenspr. 34. —
vogelwild n.
vögel, die gejagt, gefangen werden: vögel wild ist weiberwild. männer solten so männlich seyn, und diesen jagdabschnitt den weibern überlassen Hippel lebensl. (1778 ff.) 3, 2, 335. —
vogelwildpret n.
wie das vorhergehende Campe: kein thier flüchtiger und behender ist als das vogelwildpret Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) widmung 1ᵇ. —
vogelwildwerk n.
wie das vorhergehende:
seehund- und vögelwildwerk war
dein kajak immer schwer
Herder 25, 94 S.
vogelwinken n.
auspicari Diefenbach nov. gloss. 44ᵃ. —
vogelwinker m.
augur 42ᵃ (entstellt aus -wicken, -wicker?). —
vogelwurz f.
neottia nidus avis Marzell 206, s. vogelnest. —
vogelzauber m.
weissagung aus vogelflug Jellinek mhd. wb. 878;
vogelzauberei, vogelzauberer, vogelzauberin f.m.f
vogelzehnte m.
garbe, die man bei der ernte für die vögel stehen läszt J. Grimm kl. schr. 7, 224;
Aiga sprach: der vogelzehent
ist es, den wir gern ertragen
Weber Dreizehnlinden (1907) 75
vogelzeichen n.
vorzeichen, von den vögeln entnommen Campe; vögel zeichen, signa ex avibus Mommsen röm. staatsr. 1, 8. —
vogelzeit f.
zeit, in der die vögel fortziehen (vgl.-monat); er ist in der vögel zeit entwöhnt, hat ein unstätes, flüchtiges wesen Frischbier preusz. wb. 2, 447ᵃ; im september ist die rechte vogel-zeit allg. haush. lex. (1849 ff.) 3, 616. —
vogelzimmer n
(s.-stube): im aviario oder vogelzimmer Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 6. —
vogelzins m.
abgabe für erlaubnis zum vogelfang; den gebiehrenden vöglzüns ... bezahlen österr. weist. 10, 207. —
vogelzucht f.
das aufziehen von vögeln; liebhaberei für vogelzucht Holtei erz. schr. 26, 144;
es sey getraid, obs oder wein,
vögl- oder viehzucht ins gemein
Mangold marckschiff (1596) b 4;
zucht im sinne von art: dasz die valken und die habich und die sperber nit ainerlay vogelzucht und geschlechts sind Mynsinger von falken 3 lit. verein.
vogelzock
s.-hocke. —
vogelzug m.
das fortziehen u. wiederkehren der wandervögel Adelung; Campe; allg. haush. lex. (1749) 3, 620; verkündiger des wiederkehrenden vögel zuges Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 9, 645; auch von der einzelnen erscheinung und die ziehenden vögel selbst; letzteres besonders im plur.: ganze vogelzüge werden sichtbar. nach Leopold handwb. d. ökon. (1805) 520ᵇ auch name der vogelwicke. —
vogelzunft f.
genossenschaft der vögel: dasz sie allgemehlich wieder federn bekommen, und nach diesem sich unter die vögels- zunft wiederumb begeben Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 67. —
vogelzunge f
1) im eigentlichen sinne, vgl. Lexer 3, 427ᵇ:
in den regen wipfeln träuft
dichterwort von vogelzungen
Overbeck samml. verm. ged. (1794) 12.
2) same des eschenbaumes, 'welchen man auch versteinert findet, in welchem falle er versteinerte vogelzungen genannt wird' Adelung; Fischer schwäb. 2, 1608 (auch vogelzungensamen); Marzell 37; s. -zünglein. 3) pflanzenname, vgl. Schiller - Lübben mnd. wb. 5, 296ᵃ; Verwijs-Verdam 9, 778; Frischbier preusz. 2, 446ᵃ; lingua avis, fogelzung Diefenbach gloss. 331ᵇ; vogelszung 642ᵇ (kann sich auch auf 2 beziehen); polygala vulgaris Pritzel-Jessen 295; polygonum convolvulus 297. 4) bei der alten artillerie ein werkzeug zum ausladen der kugeln Jacobsson technolog. wb. 8, 104ᵇ. 5) feile von ovalem querschnitt, spitz zulaufend Jacobsson a. a. o. 4, 549ᵃ; Müller-Fraureuth obers. 2, 624ᵃ. —
vogelzungenbaum m.
die esche, fraxineus excelsior Frischbier preusz. 2, 447ᵃ; Pritzel-Jessen 155; siehe vogelzunge 2. —
vogelzungenraspel f.
wie vogelzunge 5. —
vogelzungensamen m.
vogelzungen-saamen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 288; s. vogelzunge 2. —
vogelzünglein n.
vogelszünglin, ist die frucht von eschenbaum Ryff confectbuch (1548), s. vogelzunge 2. —
vogelzwitschern n.
bezeichnung der vogellaute:
im sanften bach und in des meeres rauschen
im vogeltswitzern, in des säuglings stammlen
Herder 29, 706 S.;
das ewige vogelzwitschern und windrauschen war nicht mehr auszustehen Rosegger schr. (1895 ff.) 8, 236. augurare, vogeltzwitzern; augur, vogeltzwitzer Diefenbach 60ᶜ; liegen hier herabsetzende bezeichnungen vor? zwitzern, schwatzen?
Zitationshilfe
„vogel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vogel>, abgerufen am 24.10.2019.

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