Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

vorüber, adv.

vorüber, adv.

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vorüberbeben · vorüberbegeben · vorüberbewegen · vorüberbiegen · vorüberblitzen · vorüberblühen · vorüberbrausen · vorüberbringen · vorüberbruddeln · vorüberbücken · vorüberdämmern · vorüberdenken · vorüberdonnern · vorüberdrängen · vorüberdrehen · vorüberdringen · vorüberdröhnen · vorüberdrücken · vorüberdürfen · vorüberfahren · vorüberflackern · vorüberflammen · vorüberflattern · vorüberfliegen · vorüberfliehen · vorüberflieszen · vorüberflirren · vorüberflitzen · vorüberflöszen · vorüberflüchten · vorüberfluten · vorüberfördern · vorüberfrachten · vorüberführen · vorübergaloppieren · vorübergaukeln · vorübergehen · vorübergeleiten · vorübergischen · vorübergleiten · vorüberglühen · vorübergreifen · vorübergrinsen · vorüberhaben · vorüberhallen · vorüberhasten · vorüberhelfen · vorüberhetzen · vorüberhinken · vorüberholen · vorüberhopsen · vorüberhören · vorüberhumpeln · vorüberhüpfen · vorüberhuschen · vorüberhutschen · vorüberjagen · vorüberjubeln · vorüberkehren · vorüberkeichen · vorüberkeifen · vorüberkeuchen · vorüberklagen · vorüberkleppern · vorüberklettern · vorüberklingeln · vorüberklingen · vorüberknixen · vorüberkollern · vorüberkommen · vorüberkönnen · vorüberkräuseln · vorüberkriechen · vorüberkriegen · vorüberlächeln · vorüberlachen · vorüberlagern · vorüberlärmen · vorüberlassen · vorüberlaufen · vorüberleben · vorüberlegen · vorüberleiern · vorüberleiten · vorüberlenken · vorüberleuchten · vorüberlocken · vorübermarschieren · vorübermüssen · vorüberpassieren · vorüberpflügen · vorüberpilgern · vorüberplätschern · vorüberpoltern · vorüberpreschen · vorüberpritschen · vorüberprunken · vorüberquellen · vorüberradeln · vorüberrascheln · vorüberrasen · vorüberrasseln · vorüberraufen · vorüberrauschen · vorüberreisen · vorüberreiszen · vorüberreiten · vorüberrennen · vorüberrieseln · vorüberrinnen · vorüberrollen · vorüberrücken · vorüberrudern · vorüberrumpeln · vorüberrutschen · vorübersäuseln · vorübersausen · vorüberschaffen · vorüberschäkern · vorüberschallen · vorüberschauen · vorüberschauern · vorüberscherzen · vorüberschicken · vorüberschieben · vorüberschieszen · vorüberschiffen · vorüberschimmern · vorüberschlagen · vorüberschleichen · vorüberschleifen · vorüberschlendern · vorüberschleppen · vorüberschlüpfen · vorüberschmettern · vorüberschnauben · vorüberschnaufen · vorüberschnurren · vorüberschreien · vorüberschreiten · vorüberschulen · vorüberschwanken · vorüberschwatzen · vorüberschwellen · vorüberschwimmen · vorüberschwinden · vorüberschwingen · vorüberschwirren · vorübersegeln · vorüberspazieren · vorübersprengen · vorüberspringen · vorübersprudeln · vorüberstapfen · vorüberstehen · vorüberstehlen · vorübersteigen · vorüberstelzen · vorübersterben · vorübersteuern · vorüberstolpern · vorüberstrahlen · vorüberstreifen · vorüberstrudeln · vorüberstürmen · vorüberstürzen · vorübersummen · vorübersurren · vorübertanzen · vorübertappen · vorübertaumeln · vorübertoben · vorübertönen · vorübertorkeln · vorübertosen · vorübertraben · vorübertragen · vorübertrappen · vorübertrappeln · vorüberträumen · vorübertreiben · vorübertreten · vorübertrinken · vorübertrippeln · vorübertrollen · vorübertropfen · vorübertrotten · vorüberwackeln · vorüberwagen · vorüberwallen · vorüberwalten · vorüberwalzen · vorüberwälzen · vorüberwandeln · vorüberwandern · vorüberwanken · vorüberweben · vorüberwechseln · vorüberwehen · vorüberweiden · vorüberweinen · vorüberweisen · vorüberwelken · vorüberwenden · vorüberwettern · vorüberwiegen · vorüberwinden · vorüberwirbeln · vorüberwischen · vorüberwogen · vorüberwollen · vorüberwünschen · vorüberwuschen · vorüberzerren · vorüberziehen · vorüberzittern · vorüberzucken · vorüberzücken · vorüberzwicken · vorüberfahrt · vorüberflug · vorüberflusz · vorübergänglich · vorübergeher · vorübergehung · vorüberhaster · vorübergroszvater · vorüberlauf · vorüberläufer · vorüberpassierung · vorüberreise · vorüberritt · vorüberschiffung · vorüberseglung · vorübertrab · vorüberwanderer · vorüberzug
und präpos., mit dem ton auf der zweiten silbe, s.fürüber teil 4, 1, 1, sp. 924; abducere in diversum a nido entwärisz, vorüber, beseytz ausz dem nest treyben oder jagen Frisius dict. (1556) 4ᵃ; adversus, gegenüber, gerad vor über 43ᵃ; e regione dargegen über, grad vor über 456ᵃ; hiernach bei Maaler 477ᵃ; e regione gestracks vor uber Calepinus dict. XI ling. (1598) 491ᵇ; fürüber et vorüber, praeter Stieler 1374; vorbey, vorüber (fürüber), di passaggio, passando d'appresso Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1217ᵇ; vorüber, adversus, e regione Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338ᵇ; vorüber, vide fürüber, mit beispielen nur für fürüber Steinbach 2, 887; vorüber Adelung; Campe; vgl. mnld. voreover Verwijs-Verdam 9, 1050. — da vorüber meistens mit verben verbunden, auch mit ihnen in der schrift zusammengerückt werden kann, ohne dasz jedoch wirkliche zusammensetzungen entstehen (Campe zählt deren 143 auf), folgen hier zunächst nur allgemeine bemerkungen, während die belege bei den verben stehen, auch wenn vorüber nicht mit dem verb. zusammengeschrieben ist. vorüber verbindet sich in unerschöpflicher fülle mit verben, die entweder selbst eine bewegung im raume oder einen verlauf in der zeit bezeichnen, ferner aber auch mit solchen, die eine derartige vorstellung irgendwie zulassen. kühnere bildungen s. unter 9. einige beispiele der verbindung mit verben müssen hier schon vorweg genommen werden.
1)
vorüber, das in älterer sprache oft noch nicht zusammengeschrieben wird, ist eigentlich vor etwas über, wobei über allein schon das vorbei, vor die stellung zu dem bezeichnet, an dem die bewegung vorüber geht; vgl. das von Adelung aus J. E. Schlegel angeführte zitat: ja wär der thränen erster ausbruch über. — vor kann von über durch das zugehörige wort getrennt sein, was Adelung miszbilligt, obgleich es mehrfach (mit fur) in Luthers bibelübersetzung vorkommt: gerad vor der stadt über Maaler 477ᵃ (hier im sinne von gegenüber); also czogen sy vor Erffort uber und legerten sich by Vargela Stolle thür. chron. 26 lit. ver.;
wenn er jetzt den furchtbarbrausenden sturmwind
sehnsuchtsvoll, hinsinkenden arms, gleich kühlenden westen,
vor sich über zu führen am traurigen bach arbeitet
Klopstock Messias 2, 378;
lasz den trüben trauergedanken, doch schnell und geflügelt,
vor dir über, o sohn
9, 231.
2)
in räumlicher bedeutung, 'vor einem andern dinge über, d. i. an dem vordern theile hin und weg; wo es in der edlern schreibart gern für das im täglichen umgange gewöhnlichere vorbey gebraucht wird' Adelung. ein versuch, die anwendungen von vorüber und von vorbei auseinanderzuhalten, wird z. b. gemacht bei Maasz-Eberhard synonymik (1818) 6, 159; aber beide können in bezug auf einen ruhenden oder bewegten gegenstand (oder person) sowohl bewegung von einer seite zur andern als von hinten nach vorn oder von vorn nach hinten bezeichnen.
a)
mit dem dativ, vorüber kann vor- oder nachstehen: und so durchschweifte er lange die schönen thäler um Lucca, den prächtigen landhäusern, cascaden und grotten wechselnd vorüber Eichendorff (1864) 3, 127;
(seelen,) die ich, dem himmel vorüber! hierher zur bevölkerung
sandte
Klopstock Messias 2, 542;
dasz ich, deinem antlitz vorüber, im thore des todes
deiner feinde hochdrohende häupter zu tausenden schlage (später: vor deinem antlitz vorbey)
5, 34;
spazier ein stündchen lang dem spiegelglas vorüber
Göthe Faust 743;
wir schweben auf blumen,
wir tanzen auf wolken
vorüber dem mond
Tieck (1828) 7, 233.
vgl. unter 9.
b)
die verbindung mit dem akk. miszbilligt Adelung: 'in allen diesen fällen empfindet schon das ohr den übellaut, der aus verfehlung der rechten, dem vor gebührenden endung entstehet'. hingegen, einen vorübergehen, d. i. ihn übergehen, würde dem sprachgebrauche nach richtiger in der vierten endung stehen können, wenn es nur gebräuchlich wäre'; ha würger! du kannst nur die glücklichen tödten, die lebenssatten gehst du vorüber Schiller räuber 5, 2; er zog nun die stadt im bogen weit vorüber Jean Paul I 6, 419 akad.-ausg.; von Campofiore kamen sie, die Engelsburg ... vorüber, nach dem Petersplatz Ranke päbste 1, 485;
denn nur ein leises wehn, die erblassenden wangen vorüber,
fühlt er noch
Pyrker (1855) 1, 14.
vgl. unter 9.
c)
gewöhnlicher aber als der unter a und b belegte gebrauch des vorüber als präp. ist es, dasz zu vorüber noch eine präposition tritt, die sich eng mit dem gegenstande oder der person verbindet, während vorüber nunmehr adverb. ist. Adelung will besonders vor einsetzen: wie bitter ist der tod dann, wenn er vor dem unglücklichen vorübergeht; vgl.(er) aber leufft auff Seehausen, vor der stadt vorüber, nach Vielbaum Entzelt altmärk. chron. (1579) 47 Bohm; andere präpositionen: dasz Flaccus, um nicht von Sulla erdrückt zu werden, an ihm vorüber nach Asien abgezogen sei Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 317; (wenige,) die, waren sie an ihm vorüber, nicht ... über ihn triumphierten O. Ludwig (1891) 2, 310;
der andre hatte seinen sitz
vorüber bei Sankt Veits kapelle
Usteri (1831) 1, 62;
seltsam gestückelt durch der latten band
siehst du vorüber an der kerkerwand
manch riesenhafte schattenbildung fliehen
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 247.
— bei einsam gelegenen ... gehöften vorüber Göthe 25, 3 W. — den gipfel hinunter, durch die trümmerrunse gerade unter meinem standpunkte vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 273.
3)
in zeitlichem sinne, 'aus der gegenwart dahin und fort, ein verflieszen, verflossensein, verschwinden aus unserm empfindungskreise bezeichnend' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 845ᵃ; praeteritum vorüber Schöpper synon. 46ᵃ neudruck: ich lebte einige tage lang in aller ruhe und hielt das ungewitter für gänzlich vorüber Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 378. — in anderem sinne, nd. dat jar vorover, das jahr hindurch quelle im jb. f. nd. sprachf. 46, 20ᵃ; vgl. vorüberbringen unter 8.
4)
zu nachdrucksvollem, alleinstehendem vorüber ist je nach dem zusammenhange eine zeitliche oder räumliche vorstellung leicht zu ergänzen:
umsonst! vorüber ist vorüber!
den kranken rettet ihr nicht mehr
Lenau 502 Barthel;
vorüber der tag und sein schall
Geibel 1, 143 Cotta;
vorüber, ihr schafe, vorüber!
dem schäfer ist gar so weh
Göthe 1, 85 W.;
neblich trüber
himmel an mir vorüber
Schiller 1, 275 G.;
was niedrig lag, scheint aufzustehn,
und, was erhaben, sich zu bücken.
vorüber nun (der schein des mondes wandert)
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 46.
(vorüber) G. Hauptmann d. weber (1892) 115, bühnenanweisung für einen hinter der szene singend vorübergehenden.
5)
substantiviert: an jedes kreuz am wege ... richtete sie im schnellsten vorüber eine bitte um beistand Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 3, 379; die blumen und blüten wandten sich weit und breit von der sonne ab und dem wanderer zu, und alle zweige seines vorübers gerieten ohne wind in bewegung Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 125; beachte die verschiedene anwendung in beiden stellen. geistig: das beständige anschauen des eiligen vorüber in mir Jean Paul 48, 302 H.
6)
veraltet ist der gebrauch im sinne von gegenüber, vgl. oben vor 1 Frisius, Calepinus, Dentzler, Maaler unter 1 und fürüber 1 b, teil 4, 1, 1, sp. 925. (der gänge) auszgehen, welches ich dem ligenden allzeit vor über zuͦ sein gesagt habe Bech bergwerckbuch d. Agricola (1621) 57.
nun sasz von ohngefähr, da alles diesz geschah,
auf einer blumenbank dem guten, blinden alten
vorüber, Oberon
Wieland (1794) 22, 292.
7)
im nd. erscheint das wort im sinne von 'vornüber' vöröwer Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 476; förafer ten Doornkaat-Koolman 1, 537ᵃ; förāwer Schmidt-Petersen nordfries. 45ᵃ; so auch in Aachen Rovenhagen 158; s. vorüberbiegen, -bücken unter 8.
8)
in der zusammenrückung mit verben ist die verbindung meistens eine sehr lose, vorüber kann dabei zu anderen satzteilen in engere beziehung treten. auch wenn vorüber unmittelbar vor dem verbum steht, wird es häufig nicht mit ihm zusammengeschrieben.
vorüberbeben
'bebend vorüber gehen' Campe:
gern weilt ich, grazie, wo du den hügel
hinabgeschwebt,
leicht, wie ein rosenblatt auf zephyrs flügel
vorüber bebt
Matthisson ged. (1821) 182;
was sich begeben,
vorüber bebt es meinem innern leben
Ad. Frey ges. dicht. (1899) 176.
vorüberbegeben
sieh Campe.
vorüberbewegen
Campe: die französische bühne ist gleichsam ein rahmen, innerhalb dessen sich vor dem auge des zuschauers eine reihe von tableaux vorüberbewegt schr. d. Götheges. 6, 142. —
vorüberbiegen
vorüber hier im sinne von vornüber (s. unter 7): die arme frau sasz neben mir auf dem canapee vorübergebogen Möser (1842) 3, 35; bei jeder lebhaften bewegung, wenn sie sich vorüberbog, machte sie den schönsten busen sichtbarer Tieck (1828) 16, 398. —
vorüberblitzen
sich blitzartig, aufblitzend vorüberbewegen: (sie) hatte durch eine lücke der nebelwolken einen glänzend geschirrten rappen vorüberblitzen sehen C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 314. — übertragen: scenen von reiner, unvermischter wonne, die in blendendem glanze schnell vor meinem geist vorüberblizen Wieland I 3, 30 akad.-ausg.; wie schon einmal ihr (der frau v. Stein) licht an uns rasch vorübergeblitzt war Bielschowsky Goethe (1898) 1, 267. — part. präs.: wovon bisher nur vorüberblitzende ahnungen seine einbildungen ... berührt hatten Wieland Agathon (1766) 2, 61; aus den augen, von stirn und mund jezuweilen der wohlbekannte zug vorüberblitzend Tieck (1828) 4, 414. —
vorüberblühen
vorüber zeitlich (oben 3): (natur,) die doch gleichmütig an unserem leben vorüber blüht Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 56. —
vorüberbrausen
'brausend, mit gebraus sich vorüber bewegen' Campe; in räumlichem sinne von personen und menschenmassen: (zufluchtstätte,) an der selbst Alexanders zug spurlos vorübergebraust war Mommsen röm. gesch. (1854) 1, 666; bis der böse schwarm der dränger vorübergebraust war Häuszer dt. gesch. (1854) 2, 40; bevor ich mein ziel erreichte brausten noch mehrere österreichische schwadronen ... an mir vorüber Hindenburg aus m. leben (1920) 23;
was bleibt dem sclaven übrig, wenn der könig
in pracht und herrlichkeit vorüberbraust,
als sich zu sagen: er musz dran, wie ich
Hebbel w. 2, 251 W.
tiere: sie sprang wieder mitten in den hafer hinein, indessen die hunde an uns vorüberbrausten G. Keller (1889) 1, 195. — wilde jagd: sich niederwerfen und schweigend, mit nach dem boden gekehrten gesichte verharren, bis es vorübergebraust sei Gräsze jägerbrevier (1861) 2, 137. — gefährte, dampfschiff: die blinkenden equipagen mit strahlenden damen brausten vorüber Laube (1875) 8, 82; (hügel,) an welchen heute das dampfschiff vorüberbraust Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 114. — gewässer: steinige waldbäche brausen vorüber Scheffel (1907) 1, 115;
an des flusses rand,
der an dem dorf vorüber brauste
Pfeffel poet. versuche (1812) 10, 187.
im bilde: es ist ein gewaltiger strom des lebens, der hier vorüberbraust M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 83. — besondere wendung: in seine ohren, vor denen die blutströme des herzens vorüberbrausten Jean Paul 7/10, 385 H.vgl. noch zur übertragenen anwendung des wortes, wobei auch zeitlicher verlauf mit einbegriffen werden kann: der sturm in Oswalds seele war vorübergebraust Spielhagen (1877) 1, 88. — die letzten fünfundzwanzig jahre, die wir haben vorüberflieszen, oder vielmehr vorüberbrausen sehen E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 82; ruhig und besonnen hat er den wilden zeitenlauf an sich vorüberbrausen lassen Görres (1854) 2, 61;
lenz und winter, wie nacht und tag,
zeitenwechsel vorüberbrausend
Rückert (1867) 1, 254.
vorüberbringen
Campe: bei den hochzeiten wird das neuvermählte paar auf der strasze umhergeführt, um sie auch an einem groszen steine vorüberzubringen, dem sie grosze ehrerbietung bezeugen Ritter erdkde (1822) 11, 304. — fürüberbringen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926: finde du nur selbst mittel und weg, wie du gemelte tag fürüber bringest Spee güld. tugendb. (1649) 230; vgl. zu dem sinn von fürüber oben 3 am ende.
vorüberbruddeln
brodelnd vorüberflieszen: den gletscherbach, der unmittelbar am hause vorüberbruddelte Andrae Roman aus längst vergangenen tagen (1899) 140; vgl.brudeln teil 2, sp. 417. —
vorüberbücken
da bückte ich mich mit halben leibe vorüber (vornüber, s. oben 7) Gerstenberg Ugolino 235 dt. nat.-lit.
vorüberdämmern
undeutlich vorüberziehen: (Agnes) liesz noch in späten träumen die gestrigen theestunden an sich vorüber dämmern Holtei erz. schr. (1861) 2, 87. —
vorüberdenken
mit den gedanken übergehen:
getroffen von des hasses kalten dolchen,
an denen gerne wir vorüberdenken
Lenau neuere ged. (1838) 202.
vorüberdonnern
ob feind oder freund in raschem gemeng
an einem vorüberdonnre
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 547.
vorüberdrängen
Campe; refl., übertragen: fröhliche gedanken, die sich in bunter menge an seiner seele vorüberdrängten Hauff (1890) 1, 190. — intrans., in eigentlichem sinne: Vincke sah an zwanzig personen herumstehen und vorüberdrängen Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 4, 92. —
vorüberdrehen
wenn sie sich an dem traurigen waldhornbläser vorüberdrehte G. Keller (1889) 4, 148. —
vorüberdringen
Campe.
vorüberdröhnen
als er (der eisenbahnzug) vorübergedröhnt war, wurden die schranken geöffnet Gutzkow ritter v. geiste (1850) 5, 373. —
vorüberdrücken refl.,
übertragen: wie denn viele sehr kirchlich gesinnte ... in der ausübung dieser gebote oft gar schwerhörig an ihnen sich vorüberdrücken Rank erinn. (1896) 69 bibl. dt. schriftsteller aus Böhmen.
vorüberdürfen
bei Campe zusammengeschrieben und als 'niedrig' bezeichnet. vorübereilen Campe, auszerordentlich häufig.
a)
mit dem dat. (s. oben 2 a): wenn wir dicke, schwere wolken ... dem monde vorübereilen ... sehen Ph. O. Runge hinterl. schr. (1840) 1, 15;
(er) eilet der tanzenden menge
scheu vorüber zum wald
Hegner ges. schr. 5 (1830) 193.
mit dem akkus. (2 b): jetzt hat der mond schon ... den Jordan vorübergeeilt allg. dt. bibl. anhang zu 53—86, 2445; ich musz die traurige scene vorübereilen Sonnenfels ges. schr. (1783) 3, 272.
b)
in eigentlichem sinne, von wirklicher bewegung: nicht um sich her sehende, vorübereilende, anmaszliche fremde Göthe 46, 64 W.; vgl. 49, 361; an Climene hastig vorübereilend Laube (1875) 2, 257; ein diener, der mit einem präsentierbrett an ihm vorübereilte Spielhagen (1877) 1, 190; der landrath ... grüszte ihn, rasch vorübereilend Holtei erz. schr. (1861) 17, 90;
(Hektor) eilte vorüber (παρήιξεν), entbrannt, auf das schnellste die Griechen
abzutreiben (Il. 5, 690)
Bürger 229ᵇ Bohtz;
ich reichte dir die hand, ich reichte dir sie flehend, du eiltest nur schneller vorüber Göthe 12, 71 W. freier: ich bin wirklich in Wilna ... nicht als ein vorübereilender, sondern als einer, der hier hütten bauen und wohnen bleiben will G. Forster (1843) 7, 291. — von tieren: deszhalb im frühjahr bey uns von diesen vorübereilenden gästen (schnepfen) wenige zu erwarten sind Göthe III 12, 189 W.; (die) vorübereilende turteltaube Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 6, 241. — unbelebtes in der natur: wie der grosze feuerreiche strom (Rhein) dort den kleinern (Nahe) hineinschlingt und stolzer vorüber eilt maler Müller (1811) 1, 186;
womit ein flusz die wiese theilet
und vor der stadt vorübereilet
J. G. Jacobi (1807) 1, 40.
im bilde: wie man so viel mühe und arbeit an ein paar bruchstücke (des grafen Rudolf) wenden könne, die in ihrem (Gervinus) werk wie ein tropfen in dem breiten strome vorüber eilen briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 64. — (heisze luftsäulen) verscheuchen das vorübereilende gewölk A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 5;
wind und ströme,
donner und hagel
rauschen ihren weg
und ergreifen,
vorüber eilend,
einen um den andern
Göthe 2, 84 W.
c)
vorüber zeitlich, s. oben 3, das verbum wird zunächst auf die zeit und ihre teile bezogen; dabei kann die vorstellung der örtlichen bewegung einwirken: mein leben, alles was ich bin, was ich werden soll, liegt auf dem flügel dieses vorübereilenden augenblicks Klinger (1809) 8, 75; der vorübereilenden guten stunde D. Fr. Strausz (1876) 1, 7;
unwiederbringlich versinkt die ungenossene stunde,
kommt, eilet vorüber, und ist schon nicht mehr
Dusch verm. w. (1754) 567;
so eilt traurig die zeit mit schwerem schritte vorüber
Zachariä poet. schr. (1763) 4, 75;
und mit der eile des sturms eilet vorüber der augenblick
Klopstock oden 1, 204 M.-P.
d)
in mannigfaltigem übertragenem gebrauch, wobei bald der örtliche, bald der zeitliche sinn mehr deutlich werden kann: wir eilen (am eitlen) vorüber Herder 23, 45 S.; wenn ihre (der beredsamkeit und des witzes) wirkungen nicht blosz im mündlichen gespräch flüchtig vorüber eilen Fr. Schlegel (1846) 1, 9;
(unwissenheit) giebt dem, wobey der blick sonst leicht
der neuheit falschen reiz vorübereilet,
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 161.
e)
besonders ist der übertragene gebrauch des part. präs. zu beachten, wobei das flüchtige dem beständigen gegenübergestellt werden kann: laszt mich euch bitten ... noch mehr als vorübereilende mienen zu suchen und zu studieren Lavater physiogn. fragm. (1775) 4, 474; (schriftsteller,) denen an lebendiger darstellung der vorübereilenden sitten ... alles gelegen ist G. Forster (1843) 6, 5; das vorübereilende des tages im zusammenhang aufzufassen Göthe 42, 1, 52 W.; (dasz) liebe eine vorübereilende grille sei Lenz 3, 160 Tieck; ausdruck schnell vorübereilender gemüthsaffekte Hegel (1832) 10, 2, 224; nur für sie (die menschheit), nicht für das vorübereilende ... geschlecht Schopenhauer 1, 16 Gr.
f)
sehr häufig ist die verbindung im vorübereilen, die sowohl im eigentlichen wie im übertragenen sinne gebraucht wird: als was sie im vorübereilen in mir gewahren konnten fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 148; ein helles licht in der hand tragend, welches im vorübereilen einen baum nach dem andern beglänzte und wieder im dunkeln liesz G. Keller (1889) 2, 113;
im vorübereilen grüszen
sich mit blicken voll von schmerz,
die sich fest und ewig schlieszen
möchten an das treue herz
Uhland ged. 1, 8 E. Schm.-H.;
noch senkt mit starker hand den mächtgen speer
nachlässig stolz er im vorübereilen
A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 205.
vorüberfahren
da teil 4, 1, 1, sp. 926 fürüberfahren nicht aus schriftstellern belegt ist, sind im folgenden solche belege mit aufgenommen; praenavigo fürschiffen, fürüber fahren Calepinus dict. XI ling. (1598) 1135ᵇ; für- et vorüber gefahren, ich fahre vorüber Steinbach 1, 404; vorüberfahren Campe.
a)
mit dem akkus., s. oben 2 b: als ich in einer schönen morgenstunde den letzten aufenthalt seines (Petrarkas) irdischen daseins vorüberfuhr Herder 17, 272 S.
b)
gewöhnlich wird das wort im entwickelten nhd., auch wenn keine nähere bestimmung dabeisteht, von der bewegung in gefährten aller art gebraucht: wenn am morgen der todtengreber mit dem karn fürüberfuhr Hertzog d. schiltwache K.; da er (der kutscher) vorm galgen vorüber fuhr Lehman floril. polit. (1662) 1, 354; ein vorüberfahrender arzt liesz ... den wagen halten E. T. A. Hoffmann 12, 69 Gr.; dasz ich ihn schon früherhin auf den kornsäcken reitend an unserm chausseehause hatte vorüberfahren sehen Gaudy (1844) 3, 147; wenn Melanie auf der rückreise vorüberfährt Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 41;
bemerkst du wol die holden grüsze,
wenn du, monarch, vorüberfährst?
bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 6;
wenn er nett angeputzt, nebst seinem schellenpferd,
vor der geliebten hausz fein offt vorüberfährt
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 562.
c)
auf dem wasser: der vatter Emiliani ... des nachts bey guͦtem winde neben der insulen Echinides füruber fuͦhr Heyden Plinius (1565) 308; (der landgraf ist) vor einer vornemen teutschen statt ... zu wasser vorüber gefahren Lehman floril. polit. (1662) 3, 366; wir fuhren bei verschiedenen kleinen buchten vorüber G. Forster (1843) 2, 7; wer bei nacht auf dem flusse vorüberfährt A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 26; (als sie) vor Boulogne vorüberfuhren und auf der höhe von Calais anlangten Ranke (1867) 14, 318;
indesz ein fischer mit dem nachen
vorüberfährt
Pfeffel poet. versuche (1812) 4, 174.
d)
subjekt kann auch das gefährt sein: ich hole einen schlitten, dort unten fährt noch einer vorüber Göthe 24, 333 W.; um dort mit den vorüberfahrenden handelsschiffen in handel einzugehen Ritter erdkde (1822) 1, 307; der vorüberfahrende reisewagen mit seinen launenhaften ... passagieren Grabbe 4, 271 Bl.; sechs schuiten, welche täglich von Harlem nach Amsterdam vorüberfuhren Immermann 2, 99 B.; Emilie rief eine vorüberfahrende droschke an Holtei erz. schr. (1861) 25, 33;
bis ein wagen,
der rasselnd noch vorüberfuhr, mich schreckte
Hölderlin 2, 10 Litzmann.
donnern und dröhnen eines vorüberfahrenden eisenbahnzuges Alverdes Reinhold (1931) 77.
e)
substantivisch, besonders häufig in der verbindung im vorbeifahren: (bei abtritten am wasser) ist auch überausz sittlich und höflich anzusehen, wann im fürüber fahren der ehrlichen leut das wasser neben den häusern auffplumpffet und den fürüber reysenden ein freudzeichen neben einem guten nasengeschmack gibt Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 655; (das kap) zeichnete sich durch 6 hervorragende spitzen beim vorüberfahren aus Ritter erdkde (1822) 4, 450; da sie ihn beim vorüberfahren im postwagen gesehen Laube (1875) 8, 85; sie sah das beständige vorüberfahren der wallfahrer in kähnen A. v. Droste-Hülshoff br. an L. Schücking (1893) 315; da und dort wohnte eine hübsche tochter oder zwei, von denen etwas zu erblicken wir im vorüberfahren uns bemühten G. Keller (1889) 2, 35; die sektionen, die sich an den einen wegrand gedrängt hatten während des vorüberfahrens (einer batterie), ziehen sich wieder mehr auseinander D. v. Liliencron w. 1, 43.
f)
von jeder heftigen bewegung, so von plötzlich und hastig vorübereilenden personen oder tieren; ein reiter: aber Galaor wischet auff die seiten neben ausz, also dasz der ander mit grausamer stercke fürüber fuhr Amadis 365 lit. ver.; (Mephistopheles als zauberpferd trägt Faust durch die lüfte) und dieweil sie (die stadt Augsburg) D. Faustus auch gesehen, ist er fürüber gefahren volksb. v. dr. Faust 63 ndr.im bilde: wolan, diese humeln las ich schnurren und für über faren Luther 19, 643 W.von wind und sturm; auch im bilde: der überwinder der welt huldigte dem dichter, weil er fühlte, dasz ohne diesen sein ungeheures dasein nur wie ein sturmwind vorüberfahren würde Göthe 21, 130 W.;
gleich wie der wind fürüber fehrt,
das glück der menschen sich verkehrt
Ringwaldt evang. (1581) a 2ᵃ;
drauszen mag ein linder west
oder sturm vorüberfahren
Lenau 39 Barthel;
doch als das grosze wetter (die freiheitskriege)
eilfertig, ohne spur,
wie windeshauch durch blätter,
dahier vorüberfuhr
Rückert (1867) 1, 142.
g)
und so in mannigfaltigem, freiem und übertragenem gebrauch; im eigentlichen sinne: da er nemlich etliche mal nach einander in seiner stuben einen seltzamen schatten an der wand vorüber fahren gesehen Widmann Fausts leben 78 Keller; frei: dem spötter selbst fährt wohl zu zeiten der schatten dieses nichts an der stirne vorüber Klinger (1809) 12, 39. — mit deutlicher betonung des zeitlichen verlaufs: schnell fährts (das leben) vorüber Herder 12, 78 S.;
der frühling, der vorüberfuhr,
und der aus zukunft winket
Rückert (1867) 2, 559.
geistige vorgänge: leidenschaften, launen, vorüberfahrende anstösze von lächerlichem ehrgeitz Wieland Agathon (1766) 2, 88; in diesem groszen streite fahren tausend reizende bilder schnell in mir vorüber Winckelmann bei Justi Winckelmann 2, 2, 425.
h)
von der intransitiven bedeutung ausgehend in aktiver vorstellung: mit der hand an etwas, jemandem mit dem besen an der nase vorüberfahren u. ä.; als ich mit dem stahl ihm beim auge vorüberfuhr Meissner Alcibiades (1781) 2, 92.
i)
wie fahren entwickelt auch vorüberfahren einen transitiven gebrauch: 'zu wagen, in einem wagen vorüberschaffen' Campe. vorüberfegen, intrans., übertragen von heftiger bewegung: der schwarzen, weiszrandigen sturmwolke nachgebildet, die vor dem monde vorüber fegt Laistner nebelsagen (1879) 195; dann ist es vorbei, vorübergefegt, das schiff arbeitet wieder ächzend Plüschow segelfahrt ins wunderland 33;
da sah er Roland im vorüberfegen
Regis Bojardos verl. Roland (1840) 195.
vorüberflackern
zumeist weibersünden sind es, die wir an uns vorüberflackern gesehen Rosegger I 6, 413. —
vorüberflammen
man wird dich einen meteor nennen — vorüberflammend und in höchster pracht zerstiebend W. v. Polenz ges. w. 9, 245. —
vorüberflattern
Campe.
a)
im eigentlichen sinne, bewegung durch flügel: nur ein paar fledermäuse flatterten vorüber Hebel 1, 74 Behaghel; dann haschen sie nach einem vorüberflatternden schmetterlinge Stifter (1904) 3, 261;
mit schwerem fittich flattert es vorüber
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 244.
b)
freier, dann auch von anderer bewegung: bei solchem schnellen vorüberflattern desz sehr tuncklen gewölcks Er. Francisci d. eröffnete lusthaus (1676) 626; als ich diese possierlichen gespenster (englische studenten) an mir vorüberflattern sah G. Forster (1843) 3, 430;
weil die lüftchen, eure buhler,
scheu an euch vorüberflattern
W. Müller ged. 73 Hatfield.
c)
in übertragener anwendung; es kann dabei das flüchtige, unbeständige bezeichnet werden, ferner das vorübereilen, insofern es ein nichtbeachten ist. natürlich ist auch neutrale anwendung gebräuchlich: der ewige alte geiste der menschheit und der vorüberflatternde zeitgeist E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 4, 37; die tage flatterten oder krochen vorüber Laube (1875) 8, 138; ein märchen, das die wirklichkeit ... vorüberflatternd erheitert O. Ludwig (1891) 6, 86;
die asche meiner hoffnungen, die kränze
geliebter todten flattern mir vorüber
Lenau 18 Barthel.
von personen: hie solte der trotzige helt antworten, so fladdert er fur uber und alfenzt die weil ein anders Luther 26, 376 W.; das bewegen der menschen stellte ihm ihr vorüberflattern, ihr fliehen in die gräber dar Jean Paul 7/10, 413 H.;
wo tausend blind vorüberflattern,
weilet voll seele sein helles auge
Heydenreich ged. 1 (1793) 118.
vorüberfliegen
fürüberfliegen (teil 4, 1, 1, sp. 926 ohne beleg), pretervolare voruberfliegen Diefenbach gloss. 458ᵇ; praetervolo fürüberfliegen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1145ᵇ; volare oltra furuber fliegen Hulsius (1618) 2, 439ᵃ; vorüber fliegen, praeter vehi Reyher thesaurus (1686) o 3ᵇ; Campe.
a)
mit dem dat. verbunden, wobei der dativ mit zur örtlichen vorstellung gehört, nicht ein dat. commodi ist (vgl. oben 2 a): mit dem aufgang der sonne ... flog ihm vorüber ein zug von zwölf geyern Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 154;
soll der in ketten denen nachgehn,
welchen er, kühner, vorüber flöge?
Klopstock oden 1, 106 M.-P.;
fliegen die tauben der saat in gleichem momento vorüber
Göthe 1, 337 W.;
aus den farbigen scheiben des fensters
flog ein leuchtender strahl der abendsonn ihm vorüber
Pyrker (1855) 1, 13.
mit dem akkus., vgl. oben 2 b:
und, wie ein vogel, der husar
das haus vorüberflog
grafen zu Stolberg (1820) 1, 43;
ich fliege pracht und hof vorüber
Schiller 3, 164 G.;
so flog er vorüber den schimmernden prunk
in die einsame halle
Hölderlin 1, 85 Litzmann.
b)
bewegung durch die luft, zunächst von vögeln, schmetterlingen u. s. w.: (schlangen) das gevögel, wie hoch und schnell es auch fürüber fleugt, an sich ziehen und verschlücken Heyden Plinius (1565) 105; vom jauchzen der versammelten Griechen waren die vorüber fliegenden vögel betäubt zur erden gefallen A. v. Haller Fabius u. Cato (1774) 157; ein anderes vorüberfliegendes (insekt) im gewandten fluge erhaschen Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 355; eine mücke, die eben an ihm vorüber flog Storm (1899) 1, 76; vielleicht fliegt zu unserer unterhaltung eine fledermaus vorüber M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 379;
indes thet es sich gantz begeben,
das etlich krench füruber flogen,
thet ein mörder zum andern sagen:
das sind gewisz Ibici krench
Eyering proverb. copia (1601) 2, 208;
der vogel flog vorüber nur,
und niemand ist, der seine spur
hett irgends wargenommen
Königsb. dichterkr. 154 ndr.;
wie oft am abend sahn wir kleine vögel
vorüberfliegen, hörten ihren sang
Rückert (1867) 10, 406.
von dem geflügelten Amor: Amor hatt ihn, da er einmal vorüberflog ... verwundet Geszner schr. (1777) 1, 170; vgl.:
und schonend fliege dir stets Cytherens vogel vorüber
Matthisson (1825) 1, 72.
c)
in mannigfaltigster anwendung zur bezeichnung einer sehr schnellen bewegung, in der luft und auf der erde, von menschen, z. b. gehenden oder reitenden, in wagen, schlitten, schiffen, im eisenbahnzuge fahrenden, natürlich auch von tieren, ferner von gefährten aller art; von allen gegenständen, die in der luft sich schnell vorüber bewegen (z. b. ball, speer, kugel) u. s. w.: vorüberfliegend (im schiffe) befreundete man sich mit der schönen reihe merkwürdig hingelagerter ... ansichten Göthe 24, 362 W.; er erblickte mich, als er (zu rosz) vorüberflog Schiller Fiesko 2, 11; er wird eine grosze freude haben, dich im vorüberfliegen zu sehen br. von u. an Herwegh (1896) 79;
zuerst flogs vorüber auf schwarzem rosz
und dann auf dem braunen pferde
E. M. Arndt w. 6, 237 R.-M.;
müszige kutscher,
vorüberfliegend
Rückert (1867) 2, 399.
tanz: ein paar nach dem andern flog an dem fenster vorüber Eichendorff (1864) 2, 68. — in gewagter wendung vom auge eines mit der bahn reisenden: rechts und links hat man die bahn mit bäumen bepflanzt, wodurch für das vorüberfliegende auge ein wahrhaft krankhafter reiz entsteht Gutzkow (1872) 11, 103. — dagegen oft von dem, was der reisende oder sich schnell bewegende erblickt, an sich vorbeiziehen läszt: schlösser und wälder flogen bey unsern nasen vorüber Babo schauspiele (1793) 3; die aussichten, die in entgegengesetzter richtung vor unserm auge vorüber flogen G. Forster (1843) 3, 353; zuweilen blitzte der mond oder das vorüberfliegende licht eines bauernhauses durch den wagen Eichendorff (1864) 2, 578;
oft schleudert ein orkan sie (die skiläufer), als in schwindel vor sich her,
am vorüberfliegenden felsengestad hinab
Klopstock oden 1, 218 M.-P.
von den gefährten ausgesagt: eine fremde gondel ... rauschte hastig heran und flog eben so schnell vorüber Gaudy (1844) 13, 121; wagen, die wie der blitz an uns vorüberflogen Rank erinn. (1896) 160 bibl. dt. schriftst. aus Böhmen; die insassen mit einbezogen: zwei, drei schlitten flogen vorüber, grüszten und sangen Fontane I 1, 7.
d)
freier dann von wahrnehmbarer bewegung, auch im bilde: vorm vorüberfliegenden wölkchen Lavater physiogn. fragm. (1775) 2, 3; in seiner jugend, wo seine lebenshimmel nur noch vorüberfliegende wolken trugen Grabbe 4, 216 Bl.; drauszen flogen schwarze wolkentrümmer ... an einem fieberblassen mond vorüber Holtei erz. schr. (1861) 6, 198. — es war nur ein vorüberfliegender schatten Caroline 2, 171 Waitz;
Helios,
wenn er am scheitel mir vorüberfleucht
H. v. Kleist 2, 83 E. Schm.;
vorüber fliegt des baches welle,
zweimal berührt sie keine hand
Tiedge (1823) 3, 144.
in kühnen bildern: alles, was ich noch auftreiben konnte, um womöglich einen runden kreis so vorüberfliegender deutscher poesien (volkslieder) aufstellen zu können Brentano in: schr. d. Götheges. 14, 79. — vom blick: sein blick flog scheu an der schlanken gestalt vorüber O. Ludwig (1891) 1, 232. — an den ohren vorüber, nicht haftend: (musik) schwebt auf den lüften und fliegt auch mit den lüften vorüber Herder 12, 248 S.; (worte,) die an den ohren ... ohne wirkung vorüberflogen Klinger (1809) 8, 319; es kribbelt von namen, welche als wesenlose schemen vor den ohren der schüler vorüberfliegen Lagarde dt. schr. (1886) 241.
e)
von zeitlichen vorstellungen: jahre des glücks und der ruhe flogen schnell ... vorüber Klinger (1809) 8, 235; eine viertelstunde, die wie eine minute vorüberflog Heinse 5, 7 Sch.; im vorüberfliegen eines tages K. A. v. Müller aufs. u. vortr. (1926) 57;
und äonen mögen nur
über mir vorüber fliegen
Schubart ged. (1825) 1, 206;
jahrhunderte sind vorüber geflogen
Schiller 11, 358 G.
f)
innere vorgänge: vorüberfliegende gedanken Herder 28, 293 S.; die vorüberfliegende empfindung Thümmel reise (1791) 10, 63; nach vorüberfliegender friedenshoffnung Göthe 35, 53 W.; herr über ihre vielleicht nur zuweilen vorüberfliegenden leidenschaften Heinse 5, 275 Sch.; bilder der phantasie, die blitzschnell an uns vorüberfliegen Schopenhauer 1, 77 Gr.
vorüberfliehen
fürüberfliehen (fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926), wüschen, praetervolare Decimator thes. (1608); vorüberfliehen Campe.
a)
mit dem dat. (s. oben 2 a):
heiter wie frühlingstag schwand ihm das leben,
floh ihm vorüber im hesperusglanz
Schiller 1, 107 G.
mit dem akkus. (s. oben 2 b):
lasz den anfang mit dem ende
sich in eins zusammenziehn!
schneller als die gegenstände
selber dich vorüberfliehn
Göthe 3, 80 W.
b)
von der eigentlichen bedeutung der flucht besiegter aus nimmt das wort die bedeutung des schnellen vorübereilens an und wird in mannigfaltigster weise im sinnlichen und übertragenen sinne gebraucht: ein träger spiegel der vorüberfliehenden gestalten Fichte (1845) 2, 196;
sie flieht jugendlich leicht, mit schlüpfendem fusze, vorüber
Klopstock oden 1, 36 M.-P.;
sah mann und rosz vorüberfliehn
Hölty ged. 15 Halm;
der wald nur grüszt, wo sie vorüberflohen,
kein wort die feierliche stille brach
Eichendorff (1864) 3, 553.
c)
gegenstände: (ich sehe) durch die stürmenden, vorüberfliehenden wolken einzelne sterne Göthe 19, 187 W.; sonnenstrahl, der im vorüberfliehen auf seine luke leuchtet Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 103;
o welt voll schande! schaudernd erblickten dich
die andern sterne, wenn du vorüberflohst
Kretschmann (1784) 2, 79;
(mond) eile nicht vorüberfliehend
mit der sichel scharf und blank
Brentano (1852) 3, 92.
d)
scheinbare bewegung: das reiche gelände flieht vorüber (den schiffenden) Göthe 25, 234 W.;
lachend fliehen an mir die reichen ufer vorüber
Schiller 11, 77 G
e)
zeitlich vorgestellt, wobei auch flüchtigkeit, vergänglichkeit betont werden kann: nur eine rasche kühne hand ergreift die vorüberfliehende gelegenheit J. J. Engel (1801) 4, 21; die tage des hierseins dieses ... fürsten flohen schnell vorüber Göthe IV 22, 193 W.; (sie) liesz in dieser verblendung den zeitpunkt vorüberfliehen Holtei erz. schr. (1861) 5, 77; in den vorüberfliehenden ereignissen des tages das dauernde ... zu erfassen Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 212;
(sieht er) ewig jung die erde blühen,
indesz vom menschen bis zum wurm
die lebenden vorüberfliehen
Gotter (1787) 1, 463;
alles ist vorüberfliehend
Tiedge (1823) 2, 83.
f)
innerer vorgang: mehr braucht es nicht, um ohnmächtige nerven zu einem schnell vorüberfliehenden entzücken zu kitzeln G. Forster (1843) 3, 496; ohne sich festhalten zu lassen, flohen tausend gestalten seiner seele mit blitzesschnelle vorüber Tieck (1828) 8, 15,; vorüberfliehend wie in einem fiebertraum O. Ludwig (1891) 1, 307;
vergönne, dasz wir frey und kühn
dir unsers zweifels grund bekennen,
und uns von herzen glücklich nennen,
da wir ihn sehn vorüber fliehn
Gottsched ged. (1751) 1, 156.
vorüberflieszen
fürüberflieszen ist teil 4, 1, 1, sp. 926 nur lexikalisch belegt; praeterfluo, praeterlabor ich flies für über Er. Alberus (1540) gg 1ᵃ; scorrere vicino füruber flieszen Hulsius (1618) 2, 360ᵇ; fürüber- oder vorüberflieszen Stieler 514; ebenso Steinbach 1, 470; vorüberflieszen Campe.
a)
in eigentlichem sinne von flüssigem: die Oder fliszt bey Breszlau vorüber Steinbach a. a. o.; meine brüder gehen verechtlich fur mir uber, wie eine bach, wie die wasserströme furuberflieszen Hiob 6, 15; der flusz macht ein angenehmes geräusch im vorüberflieszen Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 5, 324; als wenn er die vorüberflieszenden wassertropfen (eines stromes) selbst zählte F. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 4, 255; die nördlich der groszen Antillen vorübergeflossenen äquatorialen wasser v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 1, 598;
wo die Lauter hell und lauter
meinem zaun vorüberflieszt
Rückert (1867) 2, 530.
b)
übertragen, zeitlich vergehen: alles, was zeitlich ist, fleuszt augenblicklich vorüber Stieler 515; es sind nunmehr fast 19. jahr vorübergeflossen Chr. Weise d. polit. redner (1677) 986; die hohe minute ist vorübergeflossen Jean Paul 1, 346 H.; so liesz ich denn die zeit vorüberflieszen Tieck (1828) 2, 269; (ein feststehendes,) an welchem die zeit mit ihrem inhalt vorüberflösse Schopenhauer 4, 120 Gr.;
(tag,) der mir, weil ich allein war,
öd und traurig vorüber flosz
Klopstock oden 1, 56 M.-P.;
fünf und zwanzig lenze, o du lieber,
flossen mir an deiner seite süsz,
wie ein krystallbach vorüber
Schubart ged. (1825) 2, 208.
wie schnell flieszt nicht unser leben vorüber Adelung umst. lehrgebäude d. dt. spr. 2, 593; (die) das dasein als ein unaufhaltsames vorüberflieszen erkannten W. v. Scholz erz. (1924) 48;
gespielin meiner jugend, die in Augustens schoos
in weisheit und gesängen mir halb vorüberflosz
Dusch verm. w. (1754) 11.
c)
innerer vorgang: weil sie (böse gedanken) so gar leicht und fürüber flieszen Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 446; der ganze gleitende widerschein des jugendmorgens flosz an ihm glimmend vorüber Jean Paul (1826) 10, 47.
vorüberflirren
im eigentlichen sinne und übertragen: vergangene nacht im palais ist es auch mir wie ein blitz vor den augen vorübergeflirrt Laube (1875) 15, 219;
lasz nur den tollen spuk der zeit vorüberflirren
Rückert (1867) 8, 98.
mit dem akkus., s. oben 2 b:
denn wie ein blitzstrahl flirrte michs vorüber
Grillparzer Sappho 5, 6.
vorüberflitzen
von schnellster bewegung, auch übertragen: als alles vorübergeflitzt war, wartete ich noch einige augenblicke D. v. Liliencron (1896) 2, 206; das war eine scheene zeit! ... wenn so was blosz nich so voriberflitzte G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 82. —
vorüberflöszen
Campe.
vorüberflüchten
auf der flucht vorübereilen Campe; auch übertragen (vgl. vorüberfliehen): mit dem grauen einer reinen seele, die rasch am gräszlichen vorüberflüchtet Bielschowski Goethe (1898) 1, 425;
es prallt das mondlicht scheu von ihm zurück,
und scheu der wind an ihm vorüberflüchtet
Lenau 105 Barthel.
vorüberfluten
Campe; im eigentlichen sinne: der strom fluthete brausend an den hohen ufern der insel vorüber Droysen gesch. Alexanders d. Gr. (1833) 391; (der Inn) fluthet hier schon in mächtigem zuge vorüber Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 21. — übertragen: äuszerungen der vorüberflutenden menge Fontane I 1, 532;
jäh trifft mein blick die menschen all,
die vorüberfluthen in wirrem schall
Arent, Conradi, Henckell mod. dichtercharakt. (1885) 8.
vorüberfördern
die sonnen- und sternenwagen fördern tage und tage, jahre und jahrhunderte vorüber Rosegger II 5, 10. —
vorüberfrachten
welche (stämme) aus den wäldern hier vorübergefrachtet werden Dittrich bemerk. auf einer reise durch d. grafsch. Glatz (1816) 226.
vorüberführen
s.fürüberführen teil 4, 1, 1, sp. 926; vorübergeführt, ich führe vorüber, praeterduco Steinbach 1, 392; vorüberführen Campe.
a)
im eigentlichen sinne von führen, bewegung im raume, zunächst im subjekt und objekt vom lebenden wesen: dasz man ihn gefesselt vor dem hause seines vaters, seiner braut vorüberführte J. J. Engel (1801) 8, 48; ein haufe heiden führte fünfhundert christliche gefangene unter geiselschlägen vorüber J. Grimm kl. schr. 7, 185; (er) sah, wie sie von Lys am arme vorübergeführt wurde G. Keller (1889) 2, 196; (er) führte ... das St. Arnaudsche paar an buden und sommerhäusern vorüber Fontane I 4, 253. — (er) führt das weisze rosz an ihnen vorüber Brentano (1852) 6, 85.
b)
dann aber in allgemeiner anwendung:
allein der schnelle flusz, der mich vorüber führet,
macht, dasz mein fusz kein land berühret
Gottsched neueste ged. (1750) 74;
(ich) trete manchmal hier ab, wenn mich mein beruf vorüberführet Brentano Godwi (1801) 2, 386; wenn mich meine abendspaziergänge hier vorüberführten Smidt mittheil. aus d. tagebuche eines nord. seemanns (1830) 15. — wenn sie (gerüche) rasch an der schleimhaut vorübergeführt werden Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839) 5, 617; nach vorüberführen des armes Avé-Lallemand dt. gaunerthum (1858) 2, 187. — (sausewind,) der staub und mücken ... vorüberführt Görres ges. br. (1858) 3, 158;
zu diesem ziel hinauf hast du,
mein herr! und mein gott!
bey mehr als einem grabe mich,
mit mächtigem arme, vorübergeführt
Klopstock oden 2, 3 M.-P.;
auch diese donnerschwere wolke,
die über mir schwarz drohend niederhieng,
sie führte mir ein engel still vorüber
Schiller 14, 96 G.
c)
sehr häufig von weg und sinnverwandten wörtern: hinter dem garten führte ein pfad ... an einem kreuz vorüber fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 151; in einem wirthshaus bei Cannstadt, wo die strasze vorüberführt Ranke (1867) 27, 108; die strasze ... senkt sich, an alten grabmälern vorüberführend Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 162. — das (tal) gegen W. ... führt ... an mehreren chinesischen posten ... vorüber Ritter erdkde (1822) 2, 176; der haupteingang des hauses, der an der küche vorüberführte Stifter (1904) 2, 264; (korridor,) der an den zimmern ... Erichsons vorüberführte Fontane I 1, 57. — mit objekt, wobei aber weg auch die handlung bezeichnen kann: sein weg führt ihn am roten engel vorüber O. Ludwig (1891) 1, 260; mein weg zur arbeit führte mich alltäglich an diesem hause vorüber G. Keller (1889) 1, 159;
ich selbst, als mich in später dämmrung einst
der weg an diesem baum vorüberführte,
hab ein gespenstisch weib hier sitzen sehn
Schiller jungfrau v. Orleans prol. 2.
im bilde: hier führt unser weg noch an einer bedenklichen stelle unseres modernen politischen lebens vorüber Lagarde dt. schr. (1886) 159.
d)
im verlauf der zeit zur wahrnehmung bringen: die einzelnen menschlichen gestalten, die das leben, die gesellschaft, die geschäfte an uns vorüberführen Ad. Müller verm. schr. (1812) 2, 5;
wo die erschrockne natur mit abgewendetem antlitz
die wonne des frühlings vorübergeführt
Dusch verm. w. (1754) 395;
vorüber führt ein herrliches geschick
erhabne helden, hochverehrte frauen
Göthe 4, 9 W.
e)
von der darstellung durch das wort, wobei das nacheinander durch das verbum bezeichnet wird: man verzeihe diese flüchtigen, fast frevelhaft eilenden worte, womit wir einen so verdienten mann vorüberführen Göthe II 7, 184 W.; das sind die bilder, welche die geschichte uns hier vorüberführt Hegel (1832) 9, 352; der dichter führt geistig bewegte bilderzüge in meinem innern vorüber Vischer ästhetik (1846) 3, 1, 10; erscheinungen, an denen uns der vorige abschnitt vorüberführte Jhering geist d. röm. rechts 2, 2, 323;
auch die traurigen bilder der zeit, sie führ ich vorüber
Göthe 1, 294 W.;
noch einmal laszt des dichters phantasie
die düstre zeit an euch vorüberführen
Schiller 12, 8 G.
in tönen: dasz ihm (dem zuhörer) dasselbe (andante aus einer oper) ... wie in neuer beleuchtung vorübergeführt wird O. Jahn Mozart (1856) 4, 175. — vom bildenden künstler: in seinem (Mantegnas) triumphzuge Cäsars, wo er alles, was ein groszes talent vermochte, in höchster fülle vorüber führt Göthe 49, 259 W.; der künstler, der im gegebenen raume eine reihe gestalten scharfgezeichnet und farbenhell vorüberführt Scheffel (1907) 1, 99.
f)
als subjektiver vorgang: (hoffnung,) die selbst dem unglücklichsten schmeichelnde bilder der zukunft in täuschendem traume vorüberführt fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 435; wenn aber der zug seiner gedanken die erlebnisse in dem mietshause ... vor seiner seele vorüberführte W. Weigand d. löffelstelze (1819) 216.
g)
besondere anwendung: der druck der nächsten hefte wird denn auch die laufende zeit nicht unangenehm und ungenutzt vorüber führen Göthe IV 37, 196 W.; auch in der folgenden stelle hat vorüberführen diesen sinn: am heutigen morgen wurden in ihm alle die gefühle mächtig rege, welche jene vergangenheit vorüberführten, wo er mit seinem geliebten, unvergeszlichen freunde Friedrich v. Schiller die schönsten tage verlebt I 42, 2, 75. — der bruder wollte mir nichts entdecken, damit ich mich nicht kränkte, er gedachte es noch vorüberzuführen Stifter (1904) 4, 1, 124.
vorübergaloppieren
junge mädchen ... galoppirten fröhlich vorüber Ritter erdkde (1822) 2, 780. —
vorübergaukeln
Campe; sich unstät oder spielend, tändelnd vorüberbewegen; selten von personen: bursch und dirne traten paarweise zur tarantella an und gaukelten in zierlichen wendungen aneinander vorüber Gaudy (1844) 15, 16. — in allgemeiner und freier anwendung, auch von inneren vorgängen. leicht verbinđet sich mit dem wort die vorstellung des flüchtigen oder täuschenden eindrucks: wie die schatten des vergangenen lebens seiner erstaunten seele vorübergaukeln Thümmel reise 6, 75; unendliche zeiten gaukelten mit mannichfaltigen veränderungen vor meinen augen (im traume) vorüber Novalis 4, 62 Minor;
lasz der gegenwart erscheinung
ruhig dir vorübergaukeln
Platen 1, 410 R.
(in der tanzmusik von Strausz): fröhliches und behagliches, zärtliches und sentimentales, derbes und komisches, wehmüthiges und ausgelassenes gaukelt in bunter abwechslung vorüber Böhme gesch. d. tanzes (1886) 272. — in besonderer wendung: von dem finsteren ernste des nachdenkens ... ahnt man nichts mehr, wenn der genialische magister (D. Fr. Strausz) an uns vorübergaukelt Nietzsche (1895) 1, 248.
vorübergehen
vgl.fürübergehen teil 4, 1, 1, sp. 926; transire fürubergehen nomencl. lat. germ. (1634) 137; en passant im vorüber gehen Apinus gloss. nov. (1728) 396; für- et vorübergangen, ich gehe fürüber; du gehst allezeit bey mir vorüber Steinbach 1, 551; vorübergehen Campe.
a)
die vorstellung des vorbei liegt in -über (vgl.übergehen), das tritt besonders hervor, wenn die beiden bestandteile getrennt werden: ich hab vor dich ubergegangen Luther 10, 3, 418 W. (vgl. Hes. 16, 6); byn ich offt ... vor deym hause ubergangen Hutten 2, 186 B.; es kans keyn weib lassen, wenn sie vor einem spiegel übergehet, sie muͦsz yhn heszlich ansehen Agricola sprichw. (1534) A a 1ᵇ; Jehovah ging vor seinem antlitz über Herder 12, 36 S.; so oft sie vor mir überging maler Müller (1811) 1, 261; er (Tell) ging vor dem hut über br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 125.
b)
die verbindung mit dem bloszen dat. (und akk.) ist auszerordentlich häufig (s. oben 2 b und 2 c): ich gehe einem grabe vorüber Herder 15, 210 S.; wie könnt er wohl einem sarkophag und einem leichensteine aus Neros zeit vorübergehn? Thümmel reise 6, 190; wenn er ... der quelle vorübergeht Tieck (1828) 6, 217; dem leidenden wesen ... vorüberzugehen Immermann 2, 80 B.; ihren (der malerei) rohen anfängen ... haben wir hier vorüberzugehen R. Wagner schr. u. dicht. (1897) 3, 141;
auch ist Gabriel traurig und mit verhülltem gesichte
mir vorübergegangen
Klopstock Mess. 3, 407;
gehts mädchen mir vorüber,
rufts laut in mir, du bist ein mann
Schiller 1, 267 G.;
wo blutig die geschichte
böser zeiten ihr (einer fichte) vorüber ging
Tiedge (1823) 2, 64;
und wem sie vorüber gingen,
dem lachten sinnen und herz
Eichendorff (1864) 1, 380;
ich. könnt dir nimmermehr
vorübergehn
Storm (1899) 1, 154.
c)
bei der verbindung mit dem akk. tritt besonders die vorstellung des übersehens, übergehens, nicht beachtens hervor, auch in übertragener bedeutung, wo von einer wirklichen bewegung nicht mehr die rede ist: ein gemählde gehe ich vielleicht vorüber und sehe es nicht Herder 27, 194 S.;
sie gingen die Römerin langsam
und in gedanken vertieft vorüber
Klopstock Mess. 15, 719;
wie ich ihn (den spiegel) vorübergehe
Grillparzer 4, 28 Cotta.
phraseologie der tugend gehe mein cabinetchen vorüber Lavater handbibl. (1790) 2, 163; warum gingen wir die höfe der guten und gerechten fürsten ... vorüber Klinger (1809) 3, 274; warum gehe ich die frischen, grünenden bäume vorüber und bleibe stehen vor dem blitzgetroffenen? Grillparzer 15, 18 Cotta;
wollt ich allein (von allen dichtern) dich (mond) stumm vorüber gehn
Bürger 55ᵃ Bohtz;
nachtviole, dich geht man am blendenden tage vorüber
Göthe 1, 346 W.
übertragen: durft ich ... einen so erprobten freund vorübergehen? Klinger (1809) 1, 426; beinahe möchte ich mich meiner dienstfertigkeit schämen, wenn Genuas edelste zierden sie vorübergehen Schiller Fiesko 2, 17;
laszt uns ihn nicht vorübergehn (let us not leave him out)
Shakespeare Julius Caesar 2, 1;
(ein anderer) füge die hier vorübergegangenen stücke bey Herder 20, 351 S.
d)
im eigentlichen örtlichen sinne, schrittweise sich an etwas vorbeibewegen, daher zunächst von menschen, seltener von tieren; alleinstehend: (Karl V.) verschlosz die fenster, wo er schöne weibspersohnen sah vorübergehen Zinkgref-Weidner t. nation weish. 3 (1653) 86; wenn du wirst vorübergehen, so klopffe hir an A. Gryphius Horrib. 64 ndr.; die schnell vorübergegangene gestalt der amazone Göthe 23, 244 W.; das volk lacht auf, die trommel wird gerührt, sie gehen vorüber Schiller 14, 291 G.; die Walpurgis ... grüszte, indem wir vorübergingen Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 55; vorübergehende elegants schielen herauf E. T. A. Hoffmann 1, 201 Gr.; so suchte ich wegzublicken und ging stumm vorüber G. Keller (1899) 1, 155;
und Atreus sohn ging freudigen herzens vorüber
Bürger 216ᵃ B. (παρώχετο Il. 4, 272);
dasz kein vorübergehender wandrer (ὁδίτης)
heimlich zu rauben käme
Voss Od. 13, 123 B.;
hast du das mädchen gesehn
flüchtig vorübergehn?
Göthe 3, 149 W.
e)
das part. präs. substantiviert: zweige und äste ..., welche die vorübergehenden abbrechen Butschky Pathmos (1677) 305; wo kein vorübergehender spricht: 'segen gottes auf euch' Herder 12, 220 S.; den vorübergehenden zum ekel und abscheu Klinger (1809) 3, 288; dann fechten sie aus dem hinterhalt, werfen speere auf die vorübergehenden Ritter erdkde (1822) 5, 374; (harrt ängstlich,) ob von den tausend vorübergehenden einer seinen blick darauf werfe G. Keller (1889) 3, 38.
f)
mit näherer, durch eine präpos. angeknüpfter bestimmung, besonders häufig wird an gebraucht: an dem wächter vorübergehend Stainhöwel de claris mulieribus 108 Dr.; so gingen wir an tulpenbeeten vorüber Göthe 25, 46 W.; ein bauer, der am schloszhofe vorüberging Immermann 2, 57 B.; um auf der strasze an mir vorüberzugehen und stumm zu grüszen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 108;
und geht in entferneten altern
ein wandrer am steine vorüber
Denis lieder Sineds d. barden (1772) 170;
wenn du willst vorübergehn
an einem rosenstocke
Rückert (1867) 3, 51.
das ich in mir selbst von hertzen lache, wo ich dergleichen einen sehe bey mir vorüber gehen Moscherosch gesichte (1650) 2, 146; welche fast alle stunden ... bey dem hause vorüber giengen Riemer d. polit. maulaffe (1675) 27. — sie lächelt freundlich, wenn ich zögernd neben ihr vorübergehe S. Geszner (1778) 2, 9. — wie Simeon der stylite, der sich auf seine saule sezt und die narren unter sich vorübergehen läszt Schubart br. 1, 83 Strausz. — die gieng vor eines beckers hausz vorüber Ruoff hebammenb. (1580) 243; als die beiden ... dicht vor dem fürsten vorübergingen E. T. A. Hoffmann 16, 41 Gr.
g)
von gott:
ging nicht des herrschers herrlichkeit sichtbar vor uns vorüber?
laszt uns anbetend ihr von ferne nachsehn!
Klopstock oden 1, 147 M.-P.
von tieren: so mag der wurm den vorübergehenden elephanten dann auch ausmessen Klinger (1809) 3, 49; während das tier, mit vollem geweih, ruhig an ihm vorüberging fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 138.
h)
freiere anwendung auf andere art von bewegung, oder unbestimmt:
säume nicht,
und lasz uns insgesamt, die wir dein glücke lieben,
durch kein vorübergehn auf schneller post betrüben
Günther ged. (1735) 758.
unpersönlich: in immer rascherem fluge ging es an ... Magdeburg und seinem dome vorüber Fontane I 4, 237. — Göthe braucht es von reisenden, die aufenthalt nehmen, im gegensatze zu einheimischen: dasz demoiselle Sontag nun auch klang- und tonspendend bey uns vorüber gegangen IV 41, 144 W.; vorübergehenden freunden und bleibenden einheimischen 42, 73; vgl. I 24, 125.
i)
übertragen auf die strasze: aus manchen der vorübergehenden hauptstrasze allzu fernen orten Göthe 24, 330 W.; auf der strasze, die nahe an dem hause vorübergeht Stifter (1904) 5, 1, 20; von der vorübergehenden strasze her Fontane I 5, 117;
eben ging
die strasze eines heiligen grab vorüber
Herder 18, 258 S.
gewagter: (berge,) neben welchen die chinesischen poststationen vorübergehen Ritter erdkde (1822) 2, 355.
k)
das verbum wird dann prägnant in dem sinne gebraucht, dasz das vorübergehen zugleich ein nichtbeachten ist, oder dasz der vorübergehende keinen eindruck empfängt u. ä. zunächst kann die eigentliche vorstellung der örtlichen bewegung vorliegen oder deutlich vorschweben, dann aber wird das verb. in diesem sinne ganz frei gebraucht: (froschgequak) man musz hören und vorüber gehen Lehman floril. polit. (1662) 2, 724; gehn bey ihm vorüber, wie der priester und levite bey dem halbermordeten im evangelio Miller pred. fürs landvolk (1776) 2, 70; ich hatte lust verschiedenes zu kaufen ... allein ich erinnerte mich an deine reisetugenden, und so ging ich vorüber Göthe IV 33, 13 W.; sie dankten gott, dasz die fränkischen kriegsleute an ihrem sumpf vorübergingen W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 100;
vorübergehen und nicht ansprechen,
möchte manchem dasz hertz brechen
Lehman floril. polit. (1662) 3, 99;
unser vater gebot
seinem verderber
vor unsrer hütte vorüberzugehn
Klopstock oden 1, 137 M.-P.;
meine Minna geht vorüber?
meine Minna kennt mich nicht?
Schiller 1, 307 G.
in freier, bildlicher und verblaszter anwendung: (dinge,) von denen ein deutscher mentor zu seinem züglinge sagen würde: wir gehn vorüber Herder 3, 453 S.; was die orgel betrifft, so geht der genius welscher tonkunst schweigend an ihr vorüber Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 59; mit stillschweigen kann ich nicht vorübergehen das blatt vom Samaritaner Göthe 49, 1, 304 W.; alle (gelehrten) sind an einem codex vorübergegangen, der ... J. Grimm kl. schr. 2, 2; frau v. Sevigné geht nie mit der feder an seinem namen vorüber, ohne ein freundlich beiwort Laube (1875) 5, 210; er konnte an unabweislichen thatsachen der wirklichkeit ... vorübergehen Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 20;
soll man den leuten zu willen
der warheit mit stillen
vor uber gehen
Voigtländer oden u. lieder (1642) 98;
dasz ein mann
an ihrer eignen schwer erkämpften tugend
vorüberging
Schiller 5, 1, 161 G.
kühnere wendung: sein auge ging an den gröszten schönheiten, die ihn umringten, vorüber Stifter (1904) 4, 233.
l)
der infinitiv substantiviert; auszerordentlich häufig ist die verbindung im vorübergehen, die zunächst im eigentlichen örtlichen sinne (vgl. oben d ff.) gebraucht wird, aber auch mit der sinnesfärbung, dasz man sich gar nicht aufhält (deutlicher: nur im vorübergehen); dann wird im vorübergehen wie en passant übertragen gebraucht, wo an eine bewegung im raume nicht mehr gedacht wird; immer im eigentlichen sinne, wenn eine nähere örtliche bestimmung mit präpos. hinzutritt: im vorübergehn am kirchhofe Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 30; im vorübergehen an der gaststube Fontane I 5, 216. — mir der alte im vorüber gehen in ein ohr sagte Moscherosch gesichte (1650) 1, 126; dasz den heiligen gott man nimmer könne sehn als von rückwarts, und doch nur im vorübergehn Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 750; nur im vorübergehen läszt er einen matten, sterbenden blick auf den marquis fallen Schiller 5, 1, 374 G.; jahrmärkte, wo man neue waaren im vorübergehen beurtheilt Wackenroder herzenserg. (1797) 158; berichtete von den städten, wo er sich aufgehalten, so wie von jenen, die er nur im vorübergehen gesehen Holtei erz. (1861) 18, 42; rasch und gleichsam im vorübergehen aufschauend Laube (1875) 1, 331;
du drückst mir im vorübergehn die hände
Schiller 5, 1, 59 G.;
wo ich seh blumen stehn,
darf pflücken im vorübergehn
Rückert (1867) 2, 558.
freier:
nicht wie das leichte volk rosenwangichter mädchen ist,
die gedankenlos blühn, nur in vorübergehn
von der natur, und in scherz gemacht
Klopstock oden 1, 49 M.-P.
verblaszt: was ich hierbey nur im vorübergehen erinnere Schwabe belust. (1741) 2, 399; doch diese beschreibung im vorübergehen Möser (1842) 1, 155; es ist der mühe werth, im vorübergehen einen blick auf die jetzige verfassung des chinesischen handels zu werfen G. Forster (1843) 4, 87; Christi erdenwandel wird nur im vorübergehen berührt Göthe 41, 1, 175 W.; vgl. 7, 212; 28, 49; 49, 27. — part. präs. in gleichem sinne: (wir schalten einige der) äuszerungen hier vorübergehend ein Göthe 25, 269 W. — beim vorübergehen immer im eigentlichen sinne:
(der hirte) läuft zu, um beym vorübergehn
an deinem ansehn sich zu weiden
Stoppe Parnasz (1735) 3;
sie glaubet beym vorübergehen
stets ein gespenst darinn zu sehen
Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 16.
m)
bezogen auf die bewegung von leblosem:
der, wie das schiff vorübergeht,
es wohl zu fahren heiszt
Göthe 1, 95 W.;
aus der natur: der vorübergegangene sturm Heinse 3, 125 Sch.; dasz die flecken nicht von der sonne getrennt sind, nicht gleich planeten vor ihr vorübergehen F. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 3, 65; drauszen aber ging der herrlichste sommermorgen funkelnd an allen fenstern des palastes vorüber Eichendorff (1864) 3, 159;
nur ein nächtlicher westwind
ging von den wipflichten haynen bei ihm stillrauschend vorüber
Wieland 1, 152 akad.-ausg.;
allein sein blödes auge liesz, ohne sie zu sehn,
die wandelnden gestirne der nacht vorüber gehn
Dusch verm. w. (1754) 12;
und wo sie (die sonne) nur vorübergeht,
da huldigt strauch und pflanze
Blumauer ged. (1782) 64;
wenn der ost vorübergeht,
bleibt er schwebend hangen
Rückert (1867) 1, 449;
speisen, getränke gehen vorüber, sie vorübergehen lassen: nachdem eine tasse tee glücklich an ihm vorübergegangen war Fontane I 1, 120; im bilde: sonst geht alles, was sie uns auftragen, uns wie ungewürzte kost, wie ein gericht nuszschalen vorüber Herder 22, 96 S. — der kelch geht vorüber, den kelch vorübergehen lassen mit beziehung auf Matth. 26, 42, dann formelhaft: wem aber der kelch bisher vorübergegangen, der wird sich doch eben nicht denken können, was ich gelitten Gaudy (1844) 4, 146.
mein vater! wenn es möglich ist!
lasz diesen kelch vorüber gehn
Pietsch geb. schr. (1740) 340;
doch heut ist noch nicht die gelegenheit,
heut laszt ihr noch den kelch vorübergehn
H. v. Kleist 1, 330 E. Schm.
von geschossen:
dasz alles tödtliche geschosz
den weg vorübergeht
Klopstock oden 1, 78 M.-P.;
und die kugeln sind leise singend vorübergegangen
B. v. Münchhausen ball. u. ritterl. lieder 178.
scheinbare bewegung: wir packten auf, wälder, berge gingen an uns vorüber Stifter (1904) 2, 139. — in besonderer wendung: wollen sie das manuscript vor meinen augen vorübergehen lassen (es mich durchsehen lassen) Göthe IV 29, 14 W.
n)
bei der allgemeinen übertragenen anwendung treten wiederum zwei seiten der bedeutung hervor, indem entweder der ursprüngliche sinn zugrunde liegt, oder indem das nicht verharren, das vermeiden betont wird (s. oben k); allerdings lassen sich beide bedeutungen nicht immer scheiden; besonders häufig vorübergehen lassen: welchen spott er doch, als verstände ers nicht, vorübergehen liesz Buchholtz Herkuliskus (1665) 13; ach herr, gib selber das gedeyen (zur andacht), damit kein wort vorüber geht Schmolcke trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 45; so manches auch diese zeit her an mir vorübergangen und in mir vorgegangen ist Göthe IV 10, 306 W.; überhaupt musz ich ... alles polemische an mir vorübergehen lassen IV 41, 30; alle krankheiten waren an ihm vorübergegangen J. Grimm kl. schr. 1, 165; Goethe hat auch nur seinem wohlbehagen all die philosopheme angepaszt, die an ihm vorübergegangen sind Laube (1875) 8, 48;
ich warte meines glücks in still,
gehts bey mir vorüber,
dennoch ich viel lieber
die gute dürne bleiben will
Voigtländer oden u. lieder (1642) 101;
des ruhmes windige freuden begehre nicht,
wie winde gehn sie vorüber
Herder 27, 176 S.;
warum musz denn meinen augen
stets der schlaf vorübergehn?
Hoffmann v. Fallersleben (1890) 1, 218.
besondere wendung: mit einem kalten, matten lobe geht das vortrefliche ... werk (bei Klotz) vorüber Herder 3, 452 S.
o)
gelegenheit geht vorüber, die gelegenheit vorübergehen lassen: hier liesz sich die herrin keine gelegenheit vorübergehen, muth und praktische umsicht zu zeigen Gutzkow (1872) 3, 51; (gelegenheiten,) deren manche früher schon ungenützt vorübergegangen waren Stifter (1904) 3, 232.
p)
etwas geht glücklich, ohne schaden, spurlos, ohne wirkung u. ä. vorüber, natürlich auch in zeitlichem sinne, die räumliche vorstellung wird dabei angedeutet durch einen zusatz mit an: explosion, die so glücklich an ihm vorübergegangen Göthe IV 27, 300 W.; mit der hoffnung, dasz die reden des oheims ohne gefährliche wirkung an ihm vorübergegangen wären Klinger (1809) 8, 59; so ging die auffassung Luthers an Zwingli vorüber, ohne auf ihn eindruck zu machen Ranke (1867) 3, 62; (die niederlagen) waren an den Italikern ohne nachhaltigen eindruck vorübergegangen Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 177.
q)
rein innerer vorgang: alle möglichkeiten gingen vor mir vorüber Leisewitz Julius v. Tarent 7 dt. lit.-dkm.; einiges (mag) dunkel und trübe, ein anderes klar und deutlich ihm vor der seele vorübergegangen sein Göthe 25, 210 W.; an Lewins seele waren inzwischen unruhige träume vorübergegangen Fontane I 1, 22;
mein ganzes leben ging, vergangenes
und künftiges, in diesem augenblick
an meinem inneren gesicht vorüber
Schiller Wallensteins tod 2, 3.
r)
von der zeit und ihren abschnitten, auszerordentlich häufig: vorübergehen der zeit Göthe 48, 229 W. — die zeiten der priesterherrschaft gingen mit der wachsenden cultur vorüber Herder 13, 390 S.; als seine glanzzeit vorübergegangen G. Keller (1889) 4, 13;
ganze lange jahrhunderte sind vorübergegangen
Klopstock oden 2, 91 M.-P.;
dieses jahr ist mir wie ein traum vorübergegangen Göthe IV 8, 284 W.;
es giengen vorüber achthalbent jahr
Endinger judenspiel 102 ndr.;
der winter geht mir ganz thätig vorüber Göthe IV 36, 235 W.; es sind ungefähr vier wochen vorübergegangen O. Ludwig (1891) 2, 41. — mancher tag vorüber gehet, das sie sein nit mit ainem a b c ... gedencken Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 95ᵃ; Jean Pauls hundertjähriger geburtstag ist ohne sang und klang in Deutschland vorübergegangen Hebbel w. 12, 353 W. — die nacht ging allen schlaflos und sorgenvoll vorüber Göthe 23, 298 W.;
die nacht vorüber und im osten
hellstrahlend auf die sonne geht
Lenau 472 Barthel.
die poststunde ist ... schon vorübergegangen Bismarck br. an s. braut u. gattin 36. — kein augenblick geht leer vorüber Caroline 1, 92 Waitz; ein moment, der sehr rasch vorüberging Ranke (1867) 1, 118. — dabei kann doch durch einen zusatz mit an die eigentliche räumliche vorstellung angedeutet werden; man beachte die verse Flemings: unwillen, dasz ein so himmlischer augenblick an stumpfen seelen vorübergehe Immermann 3, 42 B.;
was tun doch wir, dasz wir die süszen jahre,
der jugend lenz, so lassen fusz für fusz
vorüber gehn
Fleming dt. ged. 1, 91 L.;
da weinte Christus mit gebrochnem munde:
herr, ist es möglich, so lasz diese stunde
an mir vorübergehn
A. v. Droste-Hülshoff 3 (1879) 211.
s)
allgemein vom verlauf in der zeit; der sinn kann dabei ganz neutral sein, sehr oft aber liegt der ton darauf, dasz etwas aus der gegenwart entschwindet, womit je nach dem zusammenhange verschiedene vorstellungen sich verbinden; es kann das vergängliche betont werden, es kann das entschwinden aus der gegenwart aber auch beruhigend, tröstlich sein: der sogenannte minnegesang war hofgeschmack; er ging vorüber Herder 17, 292 S.; wenn er (der paroxismus) nur nicht so schnell vorübergeht maler Müller (1811) 2, 27; ein solches fest gehe selten vorüber, ohne dasz ... Göthe 25, 57 W.;
also geht des opfers feier
ihr vorüber ohn gebet
Brentano (1852) 3, 368.
kannst du sagen: das ist! da alles vorübergeht? Göthe 19, 75 W.; den gewaltigen wechsel des lebens und sein unaufhaltsames vorübergehen G. Keller (1889) 2, 72;
wenige tage, so stirbt die rose. vorübergegangen
ist sie
Herder 26, 11 S.
das entschwinden aus der gegenwart beruhigend, tröstend: (nichts) als ein kleiner schwindel, welcher vorübergehen wird Lessing 2, 312 M.; diese kleinen narrheiten gehn bey den mägdchens bald wieder vorüber sammlung v. schauspielen (1764) 1, 43; (ich) beschäfftige mich und so gehts vorüber Göthe III 1, 226 W.; was fehlt ihnen ...? fragte sie leise. es wird vorüber gehen, erwiederte Anton Freytag (1886) 4, 98; trösten sie sich — wird auch vorübergehn Bauernfeld (1871) 1, 15;
verblendet ist das volk, ein wahn betäubt es,
doch dieser taumel wird vorübergehn
Schiller jungfrau v. Orleans 1, 5.
t)
besonders wird das part. präs. in dieser eben dargelegten prägnanten bedeutung gebraucht und dem haftenden, dauernden gegenübergestellt.
α)
auf sinnliches bezogen: ein vorübergehender platzregen Lessing 16, 430 Petersen; der mensch als ein sinnliches, vorübergehendes, unvollkommenes geschöpf Herder 5, 298 S.; durch einen vorübergehenden sonnenblick erheitert G. Forster (1843) 1, 425; ich will Rom sehen, das bestehnde, nicht das mit jedem jahrzehend vorübergehende Göthe IV 8, 109 W.; Napoleon war eine vorübergehende erscheinung, Frankreich blieb Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 220. — im bilde: nur eine vorübergehende wolke, die sich auf die stirn der beiden damen gelagert hatte Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 43.
β)
unendlich oft aber von unsinnlichem: diese vorübergehenden launen Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 262; toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende gesinnung sein: sie musz zur anerkennung führen Göthe 42, 2, 221 W.; vorübergehende unfälle abgerechnet Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 243; eine vorübergehende mode Immermann 2, 123 B.; wegen vorübergehender geldverlegenheiten Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 99; von vorübergehender bedeutung Mommsen röm. gesch. (1854) 2, 366; ob er ihm eine dauernde oder nur eine vorübergehende beziehung zur schönen frau zuschreiben sollte Fontane I 6, 17;
ach hier ist kein gewöhnlich miszverständnisz, keine
vorübergehende empfindlichkeit
Schiller Piccolomini 2, 2.
gesteigert: nicht den vorübergehendsten eindruck machte er ... auf die junge dame Raabe d. leute aus d. walde 1, 76.
γ)
ebenso prädikativ: ihre traurigkeit ist vorübergehend Thümmel reise (1791) 8, 211; (da) diese (die materielle welt) aber vorübergehend und flüchtig ist Schiller 1, 84 G.; (weil) der genusz nur vorübergehend ist Göthe 22, 192 W.
δ)
das n. des part.: soll die kunst nichts vorübergehendes zu ihrem anblicke wählen, so verliert sie ihr leben Herder 3, 4 S.; sich mit vorübergehendem (beschäftigen) Göthe 25, 200 W.; das wichtige vom unwichtigen zu unterscheiden, das dauernde vom vorübergehenden Laube (1875) 3, 136.
ε)
sehr häufig als adv., ganz verblaszt: kaum vorübergehend legt er (Homer) sie (mythologie) seinen göttern oder helden in den mund Herder 18, 431 S.; obgleich solche betrachtungen mich vorübergehend ergötzten Steffens was ich erlebte (1840) 1, 258; wirkungen, bald vorübergehend, bald bleibend hervorgerufen A. v. Humboldt Kosmos (1845) 1, 52; es wurde ihm nur immer deutlicher, was ihn vorher nur vorübergehend angeflogen Eichendorff (1864) 3, 126; (hatten) sich vorübergehend in Bethlehem aufgehalten D. Fr. Strausz (1876) 4, 19; sehr vorübergehend, nur andeutend reden (hören) O. Ludwig (1891) 5, 347; was selten und vorübergehend der fall war Bismarck ged. u. erinn. 2, 58 volksausg.; vorübergehend anwesend, geschlossen u. ä.
u)
das part. prät. wird natürlich in der allgemeinen zeitlichen anwendung gebraucht: dieses unglückliche schnell vorübergegangene abenteuer Göthe 23, 67 W.; spuren der vorübergegangenen liebe Novalis 4, 176 Minor; die derzeit unbeachtet vorübergegangene unterhaltung Storm (1899) 6, 57. — diese epoche historisch, als schon vorübergegangen zu betrachten Göthe IV 21, 395 W.das n.: abends briefe geschrieben. wiederholung des vorübergegangenen III 6, 238; das in der zeit vorübergegangene H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 3, 317. — von verstorbenen: die ähnlichkeit mancher längst vorübergegangenen mit lebendigen ... menschen Göthe 24, 116 W.; aus den aufgelösten gebeinen der vorübergegangenen geschlechter G. Keller (1889) 1, 11. — beachtenswert ist beziehung auf bestimmte personen bei Göthe: die leider schon vorübergegangene mutter 33, 199 W.; wir machen vorläufig aufmerksam auf einen schon vorübergegangenen mann dieser art 42, 1, 97; wenn der vorübergegangene (Byron) sich selbst schon ein herrliches geistiges monument gestiftet IV 41, 5.
v)
ganz vereinzelt in dem verblaszten sinne von 'geschehen, vorgehen': was mit der gräffin vorübergegangen, weisz ich nicht zu berichten Rebhu weltkucker 2, 73.
vorübergeleiten verb.
Campe: den köstlichen talisman, der mich mit heiler haut und ganzer wolle an galgen und rad vorübergeleitet Schiller 1, 200 G.; eigentümlich mit weg als objekt: darum hast du meinen weg bei seiner verfallenen behausung vorüber geleitet Holtei erz. schr. (1861) 18, 184. —
vorübergischen verb.,
schäumend vorüberflieszen: wie sie so sasz und der bach an ihr vorübergischte Anzengruber (1890) 1, 216. —
vorübergleiten verb.
Campe; im gegensatze zu schreitender bewegung, z. b. von schiffen, flöszen und den darauf fahrenden: rückte mit einem zug den flosz links oder rechts, so dasz er ohne gefahr vorüberglitt Hauff (1890) 4, 229; unzählige gondeln glitten aneinander vorüber Eichendorff (1864) 2, 313; so glitt denn auch eine ganze flotille von spreekähnen an ihnen vorüber Fontane I 5, 203. — vom auf dem wasser fahrenden: (hügelzug,) an dem er schon abends in der dämmerung ... vorüberglitt Ritter erdkde (1822) 11, 671. — vom wasser:
siehe die wellen vorübergleiten
Rückert (1867) 5, 309.
im bilde:
da sieht der blick den strom (der zeit) vorüber gleiten,
sieht, wie das küstenland verhüllter ewigkeiten
am fernen horizonte sich erhebt
Tiedge (1823) 1, 102.
mit entsprechendem sinne in allgemeiner anwendung: wie einen vorübergleitenden strahl Herder 18, 455 S.; (pfeile des todes,) welche gleichsam mit unsicherer hand abgeschossen nur als warnungszeichen vor uns vorübergleiten Schleiermacher (1834) II 4, 166; wo der fahle schimmer vorübergleitet O. Ludwig (1891) 2, 101; die (sonnen-)finsternis glitt vorüber Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 280;
unter welchen seeligkeiten
sah ich dich (den mond) vorübergleiten
Miller ged. (1783) 272;
als das bild vorüberglitt
an der mauer grauen gründen
A. v. Droste-Hülshoff 3 (1879) 204;
schatten vorübergleiten
und fassen mein gewand
Arent, Conradi, Henckell mod. dichtercharakt. (1885) 71.
scheinbare bewegung: (er) liesz wieder die dunklen stämme der tannen an sich vorübergleiten Spielhagen (1877) 1, 1; langsam glitten die uferländer vorüber und zögernder noch die bewaldeten hügelzüge Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 191. — dann in freier und übertragener anwendung, auch von inneren vorgängen: die späsze der jungen leute liesz der Patriotencaspar ruhig und ohne erwiderung an sich vorübergleiten Immermann 4, 14 B.; so ... glitt das gespräch belebt und anregend vorüber Gutzkow (1872) 3, 101; es liegt die gefahr nahe, dasz diese kurzen perioden an dem modernen ohr vorübergleiten W. H. Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 2, 81;
allein vergebens musz an Walthers sinn
das wohlbedachte wort vorübergleiten
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 255.
vom blick:
kalt wird sonst
sein fürstenblick
über dich vorübergleiten
Göthe 2, 69 W.
von der zeit, begebenheiten in der zeit, innern vorgängen: er liesz ... die begebenheiten ... lächelnd an sich vorübergleiten E. M. Arndt (1892) 1, 77; der kalte fröstling, den nichts erwärmt, an dessen seele wird auch das weib unbemerkt vorübergleiten Görres ges. br. (1858) 1, 57; dasz ihm die sekunden ... schnell und lieblich vorüberglitten Raabe Abu Telfan (1870) 2, 129;
laszt flüchtige bilder vergangener zeiten
an eurem blick vorübergleiten
Gaudy (1844) 4, 26;
nicht halten kann er das, und dieses fest nicht fassen,
vorübergleiten musz er eins ums andre lassen
Rückert (1867) 8, 90.
part. präs.: eine politische that in Paris, wie leicht, ... wie vorübergleitend entsteht sie Laube (1875) 4, 181. — auch von menschen, unmerklichen, leisen gang bezeichnend; oder auch von schattenhaft vorübergehenden gestalten: sagte jemand im raschen vorübergleiten Fouqué altsächs. bilders. (1818) 2, 607; das hingeworfene wort des vorübergleitenden Immermann 18, 88 B.; (die) vorhänge schatteten wieder vorübergleitende figuren ab Holtei erz. schr. (1861) 8, 105; der prinz, der noch eben an meiner nachbarin vorübergeglitten war L. v. François d. letzte Reckenburgerin (1871) 1, 233;
mir wars, als hätt ich die geliebten schwestern,
Margot und Louison, gleich einem traum
an mir vorüber gleiten sehen
Schiller d. jungfrau v. Orleans 4, 9;
der jüngling sieht ein lockend weib
an ihm vorübergleiten
Lenau 109 Barthel.
charakteristisch dagegen vom schlittschuhläufer:
wenn ich vorüberglitt an hellbeblütheten ulmen;
(schnee war die blume;)
Klopstock oden 2, 138 M.-P.;
Grillparzer bildet ein schwaches prät.: (gestalten der bühne) gleiteten an meinem trunkenen auge vorüber jahrb. d. Grillparzerges. 3, 128. — mit dem akk. verbunden (vgl. 2 b):
wenn der fluch der unschuld und die bitte
der jammernden natur ihr ohr vorüberglitte
Gotter (1787) 2, 13.
niedriger als vorübergleiten ist vorüberglitschen, das Campe verzeichnet.
vorüberglühen
gewagte verbindung:
bin ich denn todt, dasz unbegrüszt die horen
im tanz an mir vorüber glühn?
Seume ged. (1804) 188.
vorübergreifen
mit dem griff verfehlen; in der folgenden stelle absichtlich und übertragen, nicht berühren, von etwas nicht sprechen: dar ick vorovergripen wille, unde vorswigen is dat best dt. städtechron. 16, 311 (Braunschweig). —
vorübergrinsen
gewagte verbindung, grinsend vorübergehen Benzel-Sternau bei Campe.
vorüberhaben
nicht mehr haben, an etwas schon vorübergekommen sein, zeitlich: (eine tochter,) die noch nicht ihr trauerjahr um ihre mutter vorüber hatte Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 6, 66;
hat einer dreiszig jahr vorüber,
so ist er schon so gut wie tot
Göthe Faust 6787.
nachdrücklicher: sie hat es vorüber (hat den todeskampf überstanden), murmelte der alte Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 241. —
vorüberhallen
von bald schwindendem laut: und auf diese weise erhält sich ihr (der sprache) flüchtiges vorüberhallen nur in werken, welche das gedächtnis oder die schrift aufbewahrt W. v. Humboldt 5, 14 akad.-ausg.; jedes wort, das auch nur von ungefähr vorüberhalle, zu hören W. v. Scholz erz. (1924) 234. —
vorüberhasten
eilig vorübergehen, vorbeiziehen: (wenn man) von ihr (der gegenwart) nicht fortgerissen wird, so hastet alles in unruhe, in begehren und in leidenschaft vorüber Stifter (1904) 4, 1, 107. —
vorüberhelfen
jemanden behülflich sein, an etwas vorüberzukommen Campe.
vorüberhetzen
zu eiligem vorüberlaufen treiben Campe; frei: eine vorübergehetzte jagd von lebensscenen (in einem drama) Hebbel w. 10, 359 W.;
aber der kalte,
finstere treiber
kennt nicht erbarmen,
hetzt ihn vorüber,
den weinenden
O. Ludwig (1891) 1, 14.
vorüberhinken
Campe; von der zeit, spöttisch:
mag wohl auf euren bänken
euch träg genug beim lombrespiel
und dudeldum und federkiel
die zeit vorüber hinken
Schiller 1, 255 G.
vorüberholen
an etwas vorbeischaffen Campe.
vorüberhopsen
Campe, s.hopsen teil 4, 2, sp. 1800: weil gerade Zapfenwirths Davidl vorüber hopste Rosegger I 11, 3. —
vorüberhören
gelegenheitsbildung: (der) stumm und mit bewuszter teilnahmslosigkeit an der geläufigen rede des humanisten vorüberhörte (nichts davon aufnahm) Kolbenheyer Paracelsus (1922) 2, 51. —
vorüberhumpeln
Campe, von lahmen: eine alte frau ..., die in der nähe vorüber humpelte G. Hauptmann Emanuel Quint 257. —
vorüberhüpfen
Campe:
wenn ein knapp vorüber hüpft,
so malt sich an die wand der lange schatten
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 247.
von tieren: das scherzen der vorüberhüpfenden rudel, der brausende auerhahn Gerstenberg Ugolino 231 dt. nat.-bibl.von den wellen: die wellen hüpften so lustig an ihm vorüber Meszner ausgew. w. 7, 236 in: bibl. dt. schriftst. aus Böhmen.von der zeit: die zeit hüpft ganz leise vorüber Bonstetten br. an Matthisson (1827) 6. — mit dem dat. verbunden, s. oben 2 a:
wenn auf des Helikons höhen
Aganippen ich nicht vorüberhüpfe
allg. dt. bibl., anh. zu bd. 25-36, 3359.
vorüberhuschen
Campe, unmerklich, geräuschlos sich schnell vorüberbewegen: die vorüberhuschende weisze schlange Grabbe 4, 208 Bl.; stille huschte der kauz an meinem gesichte vorüber G. Keller (1889) 3, 129. — schatten: als husche der schatten des braunen mädchens an ihm vorüber Stifter (1904) 5, 1, 342; an ihren (der felsen) bleichglänzenden flächen huschen die schatten gespenstig vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 457;
ha, das geisterschiff! vorüber
huscht es wie ein dunstger streifen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 184.
von menschen: sah er eine weibliche gestalt einem im zweiten stock befindlichen fenster vorüberhuschen Hebbel w. 8, 29 W.; erklärte er uns stets im vorüberhuschen den grund seines wohlbehagens Laube (1875) 1, 401. — frei: (doch sieht man) manches lebendige athmen in der nacht an uns vorüberhuschen Gutzkow (1872) 7, 347. —
vorüberhutschen
Campe, s.hutschen teil 4, 2, sp. 1993.
vorüberjagen
Campe.
a)
transitiv: eine ausgebreitete bekanntschafft ... jagt mir einen tag nach dem andern vorüber Göthe IV 1, 250 W.; wenn der seltene zufall mir schneller die bilder vor den augen vorüberjagte Brentano Godwi (1801) 1, 89; leider haben stürme das schiff hier vorübergejagt Ritter erdkde (1822) 4, 778. — das orchesterspiel überhetzen: (dirigenten, die) eine fatale vorliebe für das herunter- und vorüberjagen haben R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 8, 276. — refl.:
dasz gestalten auf gestalten
leuchtend sich vorüberjagten
G. Keller (1889) 10, 204.
b)
intransitiv; von lebenden wesen: wie die (tanzenden) mädchen vorüberjagten mit dem wilden wangenfeuer Stifter (1904) 1, 84; der Berber, wenn er auf seinem schnellen rosse vorüberjagte 3, 8;
wüstentiere jagen aufgeschreckt vorüber
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 153.
von leblosem: vor vier jahren war der kaiserliche extrazug ... vorübergejagt G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 9;
ein wandersmann sah ihn (den postzug) vorüber jagen
Pfeffel poet. versuche (1812) 10, 184;
noch heute, diesen morgen, sah ich hier
ein schiff, von geistern voll, vorüberjagen
Gries Bojardos verl. Roland (1835) 4, 362;
der mond zwischen vorüberjagendem gewölk Eichendorff (1864) 3, 453. — innerer vorgang: (bilder,) die in stürmender eile an seiner seele vorüberjagten Immermann 5, 158 B.
c)
mit dem akk. dessen, an dem etwas vorüberjagt (vgl. 2 b): die gewaltige strömung, die aus dem indischen ocean die küste Natal vorüberjagt Ritter erdkde (1822) 1, 120. —
vorüberjubeln
Campe: wenn die feldmusik des feindes vorüberjubelt Jean Paul 45/47, 109 H.; während seine kühnen waidmannsklänge an uns vorüberjubeln Fouqué reiseerinn. (1823) 2, 112. —
vorüberkehren
praetereo ... ich gehe oder ker fürüber, weitter Er. Alberus (1540) x 2 a; fürüberkehren fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926. —
vorüberkeichen
s.-keuchen. —
vorüberkeifen
an den fenstern keiften arbeiterweiber vorüber Rosegger III 9, 48. —
vorüberkeuchen
Campe: (sträucher,) bei denen ich später einige nachfolgende flüchtlinge athemlos vorüberkeuchen hörte Holtei erz. schr. (1861) 5, 174;
an diesem gitter (der fürstengruft) weile nicht der Deutsche,
der siech vorüberkeucht
Schubart ged. (1825) 2, 69;
in der form -keichen (mhd. kîchen), s. teil 5, sp. 434:
als des heeres wildes toben
mitternachts vorüberkeichte
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 215.
vorüberklagen
am Eurotas, der in rettungsloser schmach an Lacedämons schutt vorüberklagt Hölderlin 2, 167 Litzmann;
am bergesfusz,
wo bang vorüberklagt des baches welle
Lenau 104 Barthel.
vorüberkleppern
was das für ein vermummtes gespenst gewesen sein mag, das mir (s. oben 2 a) die nacht vorüberklepperte Cremeri alles in schuh u. strümpfen (1783) 70; vgl.kläppern vom trabenden pferde teil 5, sp. 975. —
vorüberklettern
das furchtbare aufsteigen und vorüberklettern an abgründen voll todesschauern Ritter erdkde (1822) 3, 506. —
vorüberklingeln
übertragen: wie alle lust und herrlichkeit der welt so rasch vorüberklingelt Böhme gesch. d. tanzes (1886) 315. —
vorüberklingen
doch das lied, es hat ja schwingen,
pilgert über land und meer,
wird auch dir vorüberklingen
Fr. Bach ged. (1900) 71 bibl. dt. schriftst. aus Böhmen.
vorüberknixen
im vorübergehen das knie beugen: (dasz) die vorüberknixenden ... für solcher biederleute seelen viel andächtige paternoster beten Veit Weber holzschnitte (1793) 135. —
vorüberkollern
kollerten schon goldgelbe ahornblätter an uns vorüber Bogumil Goltz ein jugendleben (1852) 2, 322.
vorüberkommen
Campe. zunächst in neutralem örtlichen sinne; mit dem akk., vgl. oben 2 b: jetzt kamen wir die alte kayserliche burg vorüber Zachariä poet. schriften (1763) 2, 200; nun kam ich einen gefüllten backofen vorüber Möser (1842) 2, 39. — wenn ihr vorüberkommt, da, wo Hyperion schläft Hölderlin 2, 118 Litzmann; dasz er auf seinem rappen nicht schnell genug vorüberkommen konnte Hauff (1890) 4, 200. — meist mit an verbunden: er kam an einer menge inseln vorüber G. Forster (1843) 4, 15; wenn sie oben auf der höhe zusammentrafen und an einander vorüberkamen G. Keller (1889) 4, 15; an der mühle vorüberkommend Fontane I 1, 295. — mit bei: das niedrige eiland, bei dem wir auf dieser fahrt vorüber gekommen G. Forster (1842) 2, 222. — seltener ist vor: da er nun vor einer mühle vorüber kam br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 49; als wir vor einer bank vorüberkamen Spielhagen (1877) 1, 280. — älter vor mit dem akkus.: wan man vor dieses element vorüberkommen ist, entfähet einen eine angeneme musik A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 876. — im vorübergehen aufsuchen: in einer stunde musz es (ein gutachten) fertig sein, ich komme vorüber, es mir abzuholen Laube (1875) 4, 159. — von der strasze: weil die Leipziger handelsstrasze hier vorüber kam Lampe Berlin u. d. mark Brandenburg (1909) 150. — prägnant mit der vorstellung der schwierigkeit: die hilfe der musik herbeizuziehen, um an der sandbank der gelegenheitspoesie vorüberzukommen Immermann 19, 112 B.; so oft in übertragener anwendung: ich kann an einem bedenken nicht vorüberkommen u. ä.
vorüberkönnen
zunächst mit ergänzung eines verbums der bewegung: vor dem hause ist ein solches gedränge, dasz man nicht vorüberkann Campe.übertragen: ich kann an diesem zweifel nicht vorüber u. ä.; nicht vorüber können wird in älterer sprache wie nicht umhin können gebraucht; vgl. fürüber 3 a teil 4, 1, 1, sp. 925; zu der einen dort angeführten stelle vgl. noch: nun kundte d. Faustus nit fürüber ..., sie zu fragen volksb. v. dr. Faust 49 ndr.; der vater kont nicht vorüber, must, wolt er anders die tochter mit ehren unter die haube bringen, auff raht guter freunde eilen und hochzeit machen Zader bräutigams ehrenkranz (1606) 93; könten wier nit vorüber, bestendigster maszen darwieder zu bedingen verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 36 Palm; (wir) können doch gleich wohl nicht vorüber, dessen erwehnung zu thun Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 36. —
vorüberkräuseln
alles das (eindrücke) kräuselte sich im fluge vorüber, wie der lufthauch auf dem glanze eines wasserspiegels G. Keller (1889) 2, 205. —
vorüberkriechen
Campe:
als ein chamäleon vorüberkroch
Pfeffel poet. versuche (1812) 6, 194.
von langsamem, quälendem verlauf der zeit: die tage flatterten oder krochen vorüber Laube (1875) 8, 138. —
vorüberkriegen
mit anstrengung an etwas vorbeischaffen Campe.
vorüberlächeln
lächelnd an etwas vorübergehen; mit dem akk., s. oben 2 b:
aber der weise
betet für sie, und für sich, und lächelt die gräber vorüber
Klopstock Messias 6, 425.
übertragen: vorüberlächelnde sonnenblauheit R. H. Bartsch zwölf aus d. Steiermark (1916) 333. —
vorüberlachen
sieh das vorhergehende wort: (sie) sahen zu, wie die weiber und die paare vorüberlachten Laube (1875) 8, 283. —
vorüberlagern
sich: wo er (der landstrich) ... nirgends unter 5 bis 6 stunden breit sich längs dem fusze der vorketten vorüberlagert Ritter erdkde (1822) 3, 1029. —
vorüberlärmen
lärmend vorbeiziehen Campe.
vorüberlassen
vorüber lassen, ich lasse vorüber, praetermitto Steinbach 1, 984; Campe; fürüberlassen teil 4, 1, 1, sp. 926 nur lexikalisch belegt; zunächst im eigentlichen, örtlichen sinne: (knabe, der) von seiner arbeit nicht aufsah und ihn unbemerkt vorüberliesz Göthe 24, 256 W.; aber ohne kampf läszt der trupp der verschwornen seinen feind nicht vorüber Heinse 3, 366 Sch.; bestürzt stand er still, liesz den wagen vorüber br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 187; sie wollte mutter T. nicht unangesprochen vorüberlassen W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 2, 205. — freier: das wetter vorüber lassen Steinbach a. a. o.; lieszen keine erndte ... vorüber, wo nicht geweissagt wurde Hippel lebensläufe (1778) 1, 73; liesz den heftigsten anfall des schmerzens vorüber Göthe 21, 134 W.; organe des aufnehmens, die nicht ein atom unverzehrt vorüberlassen Laube (1875) 1, 216. — auf zeitvorstellungen bezogen: dann ist die zeit von der art, dasz ich sie immer erst gern eine weile vorüberlasse Göthe IV 21, 415 W.; ich kann unseres töchterchens geburtstag doch nicht vorüberlassen, ohne ... Bismarck br. an s. braut u. gattin 503. — Senden läszt keine gelegenheit vorüber Freytag (1886) 3, 73. — in älterer sprache unbeachtet lassen, übergehen: ich hab aber für nothwendig geacht, diesen theil nicht unbetrachtet fürüber zu lassen Xylander Polybius (1547) 118; doch können wir es nicht ganz unangemercket vorüber lassen, dasz es gantz ungegründet sey d. vern. tadlerinnen (1725) 1, 405; ähnlich: die trilogie der leidenschaft werden sie nicht ohne theilnahme vorüber lassen Göthe IV 42, 197 W.ungewöhnlich im sinne von zulassen, hingehen lassen: unsere historische gewohnheit läszt das ohne weiteres vorüber Laube (1875) 4, 71. —
vorüberlaufen
fürüberlaufen ist teil 4, 1, 1, sp. 926 nur lexikalisch aus Weismann belegt; supercurro fürüber lauffen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1421ᵇ; vorüber gelaufen, ich laufe vorüber Steinbach 1, 998; vorüberlaufen Campe; im eigentlichen sinne von laufen: die ander und dritte maus furüber lieffen Agricola 750 t. sprichw. (1534) j 6ᵇ; im vorüberlauffen haw mit kurtzer schneiden ein zornhaw Sutorius fechtbuch (1612) 12; hierauf muszten zwei wehrlose knaben als flüchtige an der festung vorüberlaufen Platen 3, 65 R.ungewöhnlich von fischen: wir sahen heute viel fische, porcos genant, bey unserm schiffe verüber lauffen J. A. v. Mandelslo morgenländ. reisebeschreib. (1696) 111 Olearius.vom schiffe: indessen lief das schiff vor Kous und Knidus vorüber Bürger 255ᵃ Bohtz.übertragen auf die strasze: weil sein weg da vorüber lieff Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 230. — im bilde und übertragen, auch von der zeit und verlauf in der zeit: ehe 24 stund nach dem fall vorüber lauffen Grimmelshausen 3, 338 Keller; wir laufen jetzt nur vorüber, und durch die welt her; schatten auf erden Herder 5, 478 S.; der menschen leben läuft wie der wolkenzug im sturm vorüber Gerstenberg hamb. nat.-zeitung 8 dt. lit.-dkm.; (das subjekt) als den festen punkt, an welchem die zeit mit allen vorstellungen vorüberläuft Schopenhauer 4, 124 Gr.;
doch ach, es läuft die zeit vorüber
Göthe 9, 27 W.
in besonderer anwendung: so lange, bis die flut fürüber lieffe (sich verlaufen würde) Binhardus thür. chron. (1613) 155. — verlaufen in übertragenem sinne: also befrageten ifg sie, ... wie die sachen zwischen Heillungen und mir vorübergelaufen Schweinichen denkw. 94 Ö.
vorüberleben
während des lebens übersehen, unbeachtet, unbenutzt lassen: dasz hier eine dichtungsfülle ganz ungewöhnlicher art vorübergelebt war, ... vorübergelebt in dem schlechten gefäsze eines haidebauerweibes Stifter (1904) 1, 182. —
vorüberlegen
vorüber im sinne von vornüber, s. oben 7: fest saszen die reiter, vorübergelegt Fouqué d. zauberring (1812) 1, 187. —
vorüberleiern
sehr langsam vorüberfahren Campe, vgl. leiern 4 c teil 6, sp. 687. —
vorüberleiten
Campe.
vorüberlenken
wenn sie nicht dort vorüberlenken,
so wird das schiff zerschmettert an der fluh
Schiller Wilh. Tell 4, 1.
im bilde: ewigbellende und widerbellende vernunft, biformis Scylla, ... meinen schwachen kahn lenke ich an dir vorüber Herder 22, 336 S.
vorüberleuchten
als dicht bei ihm vier glühende augen vorüberleuchteten Holtei erz. schr. (1861) 10, 92. —
vorüberlocken
Campe.
vorübermarschieren
den achten und neunden weinmonat marchirten beyde armeen ... nahe an der stadtmaure vorüber Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 250; von einem einzelnen: er marschirte stolz an der trabantenstube vorüber Laube (1875) 15, 149. —
vorübermüssen
Campe, ein verb. der bewegung ist wie bei -können, -wollen zu ergänzen: vorbey- oder vorübermüssen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 84ᶜ; nachdem ich noch vorher hart an einem gemordeten Schweizer vorüber muszte J. Kerner bilderb. (1849) 66. —
vorüberpassieren
fürüberpassieren fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926, in allgemeinem sinne mehr in älterer sprache, wenn es in neuerer sprache überhaupt gebraucht wird, dann eher entsprechend dem eingeengten sinne von passieren mit der vorstellung des erlaubtseins, doch s. das zitat aus Hebbel: erwartet also ihrer im füruberpassieren Amadis 346 lit. ver.; so wollten sie ifg die pässe neben der stadt Metz eröffnen, und sollten ifg sicher vorüber passiren Schweinichen denkw. 86 Ö.; inmittelst begab sich, das eine trouppe reuter ... vorüber passirte Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 206; er passirte nie bey keiner wacht vorüber, ohne ... Grimmelshausen Simpl. 3, 209 Kurz; dasz von der thorwache ein soldat fortritt, nachdem sie vorüber passirt, das bemerkten sie nicht Laube (1875) 15, 368. — ob nicht etwa etliche schiffe vorüber passiret weren Abelin hist. antip. (1631) 462. — die eisgänge der letzten jahre ... sind ohne schaden an uns vorüberpassirt Hebbel w. 10, 273 W.übertragen: aber solche frage mag für uber passiren, bleibe unberücksichtigt Eysenberg d. heilig brotkorb (1584) 51; die nichts ungetadelt oder ungeschumffieret vorüber passieren lassen Kirchhof milit. disciplina (1602) )( 3ᵇ; (in dem buche) gebrauchen, was ihnen dienstlich ist, das ander, so sie besser wissen, gütlich füruberpassiren lassen Ayrer hist. proc. juris (1600) )( 4ᵇ. —
vorüberpflügen
an jemandem: (als) das liebliche windeswehen eben wieder den kappenzipfel des mannes zurückwarf, pflügte auf der anderen seite der nachbar vorüber, mit dem zipfel nach vorn G. Keller (1889) 4, 83. —
vorüberpilgern
Campe; in uneigentlichem sinne, scherzhaft: (Amerika, das) bürgerlich eine pfeife anzündet und in hemdsärmel den jungen vicomte bei sich vorüberpilgern sieht Gutzkow (1872) 9, 50. —
vorüberplätschern
indes das wasser vorüberplätscherte Platen tageb. 2, 560. —
vorüberpoltern
der vater ist an mir vorübergepoltert, ohne auf meinen guten morgen zu hören Raimund 1, 238 Glossy-Sauer.
vorüberpreschen
Campe; in schnellster gangart vorüberreiten, dann auch vom fuszgänger (vgl.preschen teil 7, sp. 2102). in gleichem sinne
vorüberpritschen
vgl. pritschen 2 teil 7, sp. 2136: da pritschet ein reuter fürüber eilend Bütner epitome hist. (1596) 495ᵇ. —
vorüberprunken
der da mit sklaven- und klientenschwärmen
vorüberprunkt
Hamerling 3, 13.
vorüberquellen
doch leicht nur will die blühnde ranke scherzen
und neckt den quell, der ihr vorüber quillt
E. Schulze d. bezaub. rose (1848) 94.
vorüberradeln
auf dem rad vorüberfahren: sah gerade vor dem fenster W. vorüberradeln Federer berge u. menschen (1911) 223. —
vorüberrascheln
höre ich durch die halb schlummernde stille im nahen gesträuch etwas vorüberrascheln Wieland I 3, 65 akad.-ausg.
vorüberrasen
als wäre das wilde heer vorübergeraset W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 105;
bis der feind vorübergeraset
Immermann 11, 194 B.
vom sturm: mit dem vorüberrasenden orkan Herder 13, 383 W.; vom wasser: (flusz,) der 20 fusz unter ihr (einer seilbrücke) tobend vorüber raset Ritter erdkde (1822) 3, 767. — eisenbahnzug: die eilzüge, die wir an unserem heim vorüberrasen sehen Rosegger II 11, 138. —
vorüberrasseln
die dragoner rasselten vorüber A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 104; sahen wir im galopp kanonen ... an uns vorüberrasseln Laube (1875) 16, 146;
wo gallioten,
wie vieh an karren gespannt,
mit ketten vorüberrasseln
Schubart ged. (1825) 2, 253.
vorüberraufen
denen stiesze Forestus auff, und mochte anders nicht; denn er räuffet sich mit ihnen furüber (erkämpfte sich das vorüberkommen) Megiser annales Carinth. (1612) 286; zum umlaut vgl.raufen teil 8, sp. 258.
vorüberrauschen
Campe, fürüberrauschen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; es ist beachtenswert, dasz das verb. schon in älterer sprache in verblaszter und übertragener bedeutung gebraucht wird, z. t. in kühnerer anwendung als später.
a)
in eigentlicher bedeutung vom hörbaren vorüberflieszen des wassers: ausz dem fürüberrauschenden wasser Lehman floril. polit. (1662) 4, 63; das flüszchen Eger ... rauscht an der alten reichsfestung vorüber Laube (1875) 14, 1;
der Inopus rauschte vorüber
Göthe 4, 321 W.;
leise rauscht ein bach vorüber
Tiedge (1823) 3, 230.
freier: wenn ich nach mitternacht erwache, rauscht der alte fluszgott mahnend mir vorüber Hölderlin 2, 163 Litzmann.
b)
in allgemeinerer anwendung mit festgehaltenem gehörseindruck; vom sturm, gewitter u. ä.: bisz dieses unversehene, schwere ungewitter (übertragen) vorüber rauschete Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 12;
jetzt rauschts wie ein gewitterton vorüber
Göthe 37, 31 W.;
mit dem sturm, der dumpf vorüber rauscht
Hebbel w. 1, 404 W.
aprilschauer waren vorübergerauscht Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 408. — flügelrauschen:
wohl ist, als du auszogst, von kampflust berauscht,
kein vogel dir rechtsher vorübergerauscht
Leuthold ged. (1894) 260.
von schiffen: da rauschte plötzlich ein kahn ... vorüber Eichendorff (1864) 2, 315; eines der vielen vorüberrauschenden dampfboote Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 3, 106. freier von auf schiffen fahrenden: als wir an Pöchlarn vorüberrauschten Bauernfeld im jahrb. d. Grillparzerges. 5, 34.
c)
wenn das verb. auf personen bezogen wird, kann bei frauen der gehörseindruck vorwiegen: so rauschte sie an Anton vorüber Freytag (1886) 4, 146;
(wenn) das wildere mädchen
feuervoller vorüberrauscht
Klopstock oden 1, 80 M.-P.
doch wird es ebenso von männern und überhaupt freier gebraucht, wobei die vorstellung des geräusches auch ganz aufgegeben werden kann: die schöne sylphide, die uns so gelegen vorüber rauschet Herder 3, 94 S.; die mannichfachsten gestalten ..., die wie grüszend vorüberrauschen Tieck (1828) 18, 288; die zurückgehenden truppen rauschten in einiger entfernung vorüber Häuszer dt. gesch. (1854) 4, 510;
hier (auf dem lande) wird kein stolzer thor bey dir vorüber rauschen
Cronegk (1766) 2, 91;
als der Pelid und sie auf seiner ferse
den winden gleich an mir vorüberrauschten
H. v. Kleist 2, 64 E. Schm.
vgl. unten g.
d)
vom ton: (eine musik) rauscht noch einmal an unsern ohren vorüber O. Jahn Mozart (1856) 3, 120. — flüchtigkeit des eindrucks beim wort: drumb müssen wirs (das wort) nicht so schlecht lassen fürüber rauschen Artomedes erklerung d. catechismus (1605) 177; (die musik benutzt die texte,) um ihnen den tiefen nachdruck zu geben, den das vorüberrauschende wort nicht hat Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 269. — das vorüberrauschende gespräch Göthe 45, 248 W.
e)
verblaszt von der zeit, doch kann durch bild oder sonstwie auf die sinnliche bedeutung hingewiesen werden: dann die edle, gute zeit rauschet fürüber wie das flieszende wasser Huberinus spiegel d. haustzucht (1553) 45ᵇ; die vorübergerauschte glückliche ... jahre neue schauspiele (1771) 2, 4, 14; es waren schöne tage ..., aber sie rauschten vorüber Gotthelf ges. schr. (1855) 17, 150;
hörbar rauscht die zeit vorüber
an des mädchens einsamkeit
Lenau 6 Barthel.
das vorüberrauschende leben Hebbel tageb. 2, 336 W.
f)
so allgemein von abstrakten, meist mit betonung des schnell vorübergehenden, flüchtigen: eine vorüberrauschende empfindlichkeit Archenholz England u. Italien (1785) 2, 90; sie liebt ... nicht nach vorüberrauschenden sinnlichen eindrücken Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 103; glückliche situationen, die durch die eile, mit der sie vorüberrauschen, ihren effekt verfehlen Göthe IV 13, 58 W.; schmach ihrer vorüberrauschenden entzückungen Fr. H. Jacobi (1812) 1, 17; der ruhm schnell vorüberrauschender virtuosenleistungen O. Jahn Mozart (1856) 4, 3;
wie schnell das glück
vorüberrauscht
Grabbe 1, 338 Bl.
aber ganz neutral: verharre ein weil unter meinem obdach, bisz das unglück fürüber rauschet Huberinus d. christl. ritter (1558) h 4ᵇ. — vorübergehen, ohne zu wirken:
wohl ist des dichters seele stumm verbunden
mit mächten, die am volk vorüberrauschen
Eichendorff (1864) 1, 558.
doch ebenso auch mit der vorstellung des eindrucks, der wirkung: eindrücke rauschen an ihnen vorüber, der mensch sieht menschen, berge, thäler, städte, theater Stifter (1904) 14, 207;
immer rauschte der ruhm des helden, und immer der adel
seines geschlechts ihr noch dem seelenauge vorüber
(multa viri virtus animo multusque recursat gentis honos Verg. Aen. 4, 4)
Bürger 244ᵃ Bohtz;
im bilde: momente, wo die poesie wie eine taube mit schwirrendem flügelschlag an seinem geiste vorüberrauscht S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 331.
g)
in älterer sprache, an etwas vorübereilen, ohne es zu beachten, ohne darauf einzugehen u. ä.: (sie) rauschen für uber (an einem satze des Paulus), als brennet yhn der kopff, das yhn der schweis ausbricht Luther 26, 577 W.; wenn auch ein schwerer punkt fürkommen, hat er darum nicht bald fürübergerauschet, sondern mit seinen hofpredigern darvon sich unterredet Grundmann geschichtschule (1655) 74.
h)
ebenfalls in älterer sprache, vorüberrauschen lassen, etwas nicht beachten, sich um etwas nicht kümmern, oder es hingehen lassen: so findet man auch viel sattsame und verdrossene plapperchristen, die lassen solche fundamentalia und doctrinalia fürüber rauschen Pollio v. ewigen leben (1583) 184ᵇ; (dasz der könig) die unbilligkeiten, so ihm und seiner cron vom keyser begegnet, vorüberrauschen liesze Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 18. —
vorüberreisen
fürüberreisen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; vor- ò fürüberreisen, passare per viaggio Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 317ᶜ; vorüberreisen Campe: dieweil d. Faustus auch fürüber wolte reysen volksb. v. dr. Faust 65 Petsch; da er wuste, dasz der metzler füruber reysen würde Nigrinus v. zäuberern, hexen (1592) 214; der im sommer vorm wasser vorüber reiset Lehman floril. polit. (1662) 2, 723; den vorüberreisenden fremden Rabener (1777) 2, 75; im flüchtigen vorüberreisen Ritter erdkde (1822) 9, 554. — häufig ist das subst. part. präs.: von den vorüberreisenden Prätorius anthropod. pluton. (1666) 2, 243; Ritter a. a. o. 1, 374. — von zugvögeln: den in der nacht vorüberreisenden Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 1, 385. — von der sonne:
dasz feld und wiesen, feucht und feist,
mit bächlein vil zerspalten,
die sonn, wan sie vorüber reist
mit ihrer schön auffhalten
Spee trutznachtigall (1649) 122.
übertragen: da würden die leser künftig ... bei der erdkunde vorüberreisen Fr. L. Jahn 2, 337 E.
vorüberreiszen
(tiere,) welche die erbarmungslosen naturgewalten wie im taumel dort vorüberrissen Storm (1899) 5, 143. frei: der die hereinhängende freude abbricht, weil ihn seine fliehende gondel von ihr vorüberreiszet Jean Paul 1, 340 H.
vorüberreiten
passare davanti à cavallo füruber reiten Hulsius (1618) 2, 283ᵃ; vorüberreiten, transire, transgredi equo Stieler 1604; Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 329ᶜ; Steinbach 2, 273; Campe: bei seinem flüchtigen vorüberreiten Ritter erdkde (1822) 1, 872; im vorüberreiten Eichendorff (1864) 3, 222; Fontane I 1, 515; auf dem steckenpferde vorüberreitend Brentano (1852) 5, 250; sie grüszte ihn, der knecht ritt vorüber br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 136;
und segnet sich bey zeiten
mit kreuzen rundumher, bisz sie vorüber reiten
Dusch verm. w. (1754) 186.
an etwas: sie ritten an einem lustwalde vorüber Klinger (1809) 3, 183. — seltener mit vor verbunden: als er vor einem andern galgen vorüber ritte Zinkgref apophthegmata (1628) 1, 377; (als er) mit seinem gefolge vor Wolfenbüttel vorüberritt Ranke (1867) 4, 81. — mit dem dat. (s. oben 2 a):
seit dreien tagen reit ich ihrem fenster
vorüber
Bauernfeld (1871) 1, 174.
vorüberrennen
fürüberrennen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; vorbey- ò vorüberrennen, passare correndo ò di tutto corso Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 332ᶜ; Campe: rannte er unaufhaltsam ... übers feld an den letzten häusern vorüber Eichendorff (1864) 3, 993. mit betonung, dasz man sich nicht bei etwas aufhält: obgleich in diesem vorüberrennen (an bildern) wenig genusz ist Göthe III 1, 302 W.; dieses vorüberrennen der feinsten und geistreichsten fremden und besuchsameisen, die in drei tagen vergessen sind Jean Paul 7/10, 320 H. zu pferde: er hielt sich steiff und versetzt dem ersten im vorüberrennen ein solchen streich, dasz ... Amadis 238 K.dem blick des fahrenden gleiten die gegenstände scheinbar vorüber: grüne gefilde rannten am schnell rollenden wagen vorüber Laube (1875) 8, 137;
doch so gänzlich, still und stumm
rennt es mir vorüber (erscheinungen der natur)
Göthe 3, 55 W.
übertragen: dasz er wie spiegelquecksilber alles, was vor ihm vorüberrennt, fremde charaktere und eigne meinungen abfärbend, abschatte Jean Paul 1, 229 H.;
das glücke musz mich wohl nicht kennen,
sonst würd es ja nicht neben mir
wie auf der post vorüber rennen
Stoppe Parnasz (1735) 231.
von rinnen entlehntes st. prät., s. teil 8, sp. 808:
dasz, wenns (das glück) einmal vorüberrann,
mans noch von hinten fassen kann
Rückert (1867) 3, 51.
vorüberrieseln
Campe mit beleg: wie sanft rieselst du vorüber, kleine quelle Geszner schr. (1777) 1, 108. —
vorüberrinnen
im gegensatz zum vorhergehenden verb. vom stillen flieszen eines kleineren gewässers; für- ò vorüberrinnen, passare calando ò scorrendo Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 362ᶜ: ein mühlbach, der an solchem garten vorüberrinnt Tieck (1828) 4, 80;
(weide,) wo der bach vorüber rinnt
Hölderlin 1, 141 Litzmann.
im bilde und übertragen: jener gewaltige hof- und prachtstrom (einzug der Marie Antoinette in Straszburg) war nunmehr vorübergeronnen Göthe 27, 244 W.;
wie mit jedem schlag der wellen
zeit und glück vorüberrann
Lenau 168 Barthel.
Gabrielle ... läszt die zeit still an sich vorüberrinnen Wilhelm u. Caroline v. Humboldt br. (1913) 6, 14. — s. auch -rennen. —
vorüberrollen
Campe, trans. (ein fasz vorüberrollen), gewöhnlich aber intrans., sehr oft von gefährten aller art: gespräch aus einer vorüberrollenden kutsche Tieck (1828) 17, 205; dann rollte einmal wieder eine vierspännige extrapost rasselnd vorüber Gaudy (1844) 3, 142. — mit dem akk., s. oben 2 b: öffentliche fuhrwerke aller art rollten unablässig unsere wohnung vorüber Johanna Schopenhauer reise durch England u. Frankreich (1818) 2, 97;
sie sieht nicht, wie vorüberrollt, als von der luft getragen,
im sonnenschein der freudenzug der königlichen wagen
G. Keller (1889) 10, 47.
rad: mädchen und frauen, an denen das rad vorüber rollte Böhme gesch. d. tanzes (1886) 161. — von dem im wagen fahrenden: auch sie (frauen) rollen zum theil vorüber in prächtigen karossen (ohne sich um elend zu kümmern) Abbt verm. w. (1768) 6, 2, 36; an der Fantaisie ... vorüberrollend Immermann 20, 51 B.im freien, bildlichen und übertragenen gebrauch: (gewitter, mit bezug auf den donner,) das mit fürchterlichen blitzen und wetterschlägen schnell vorüberrollt Heinse 5, 119 Sch.sterne:
des nachts, wenn über meinem haupt
die hohen sterne gehn,
und welt auf welt vorüberrollt,
ruf ich: du groszes ding!
Schiller 1, 348 G.
gewässer: er schöpfte ... aus einem vorüberrollenden bache etwas wasser Tieck (1828) 4, 25; im bilde: die tollen wellen des academischen lebens rollen an mir wie an einem felsblock vorüber Hebbel br. 1, 71 W.weiter übertragen:
und uns rollte nun schon das neunte der jahre an dieser
stelle vorüber (περιτροπέων ἐνιαυτὸς Il. 2, 295)
Bürger 198ᵃ Bohtz;
so nah gerückt sollt es vorüberrollen,
ein glück, das dann wohl immer sich verliert
Göthe 16, 322 W.
in besonderer wendung: dasz aber das römische volk so gewandt gewesen sein sollte, um derlei dunkle andeutungen im vorüberrollen der rede zu verstehen, bleibt mir immer rätselhaft Grillparzer 16, 97 Cotta.
vorüberrücken trans.
und intrans. Campe; intrans. entsprechend dem militärischen sinne von rücken: (sie) lieszen die truppen im parademarsch vorüberrücken Kürnberger novellen (1862) 3, 165. — von einem reisenden: ich rückte nun an berg um berg, an thal um thal vorüber Stifter (1904) 4, 1, 106. — scheinbare bewegung: die vorüberrückenden berge, die vorbeistürzenden bäume, die wegrinnenden felder Jean Paul 7/10, 415 H.;
seh die bäume hinter bäumen,
wie sie schnell vorüberrücken
Göthe Faust 3877.
freier: noch immer ausgemahlte bilder (in einer übersetzung), wo sie schnell vorüber rücken sollten Herder 5, 222 S.
vorüberrudern
Campe:
sind nun deine gefährten bei diesen (den sirenen) vorüber gerudert (παρεξελάσωσιν).
Voss Od. 12, 55 B.
vorüberrumpeln
Campe, s.rumpeln teil 8, sp. 1489; von einem gebrechlichen wagen oder einem wagen auf schlechtem pflaster: ein fiaker rumpelte vorüber Spielhagen (1877) 6, 5. —
vorüberrutschen
s. teil 8, sp. 1568; von einem schlitten: (ich) schaute dem blitzschnell vorüberrutschenden zeug eine weile nach Rosegger III 2, 78. frei: und wie die nasen (sich zweimal küssender) sich zweimal vorüberrutschten A. Ruge (1847) 7, 113. —
vorübersäuseln
so seys ein zeichen mir, dasz sie
als geist vorübersäuselt
Hebbel tageb. 1, 268 W.
vorübersausen
Campe; der ursprünglichen bedeutung von sausen (s. teil 8, sp. 1930) entsprechend von einer mit zischendem geräusch verbundenen, sehr raschen bewegung, dann aber mit aufgabe dieser vorstellung von sehr rascher bewegung überhaupt: der wind ..., wenn er vorübersaust Novalis 4, 31 Minor; im bilde:
der hofwind ist vorübergesauset. neid
und rachgier sind verstummet
Herder 27, 96 S.
(himmel,) an welchem schwere wolken vorübersausten Gaudy (1844) 14, 43. — oft von raschfahrenden wagen und den drin sitzenden, von reitenden und laufenden: als die kutsche bei ihm vorübersausete Holtei erz. schr. (1861) 16, 109; mit raschen ... pferden vorübersausend 3, 88. — eisenbahnzug: ein expresstrain, der ... mit rasender geschwindigkeit vorübersauste Fontane I 6, 150. — im schiffe fahrender, zum dat. vgl. oben 2 a:
schrägen masts vorübersause jenen schauerlichen orten
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 157.
geister, gespenster: Faust fühlte den geist an sich vorüber sausen Klinger (1809) 3, 161. — übertragen von der zeit:
(gesetze,) welche kein
vorübersausendes jahrtausend ausweht
Grabbe 1, 103 Bl.
vorüberschaffen
'machen, dasz etwas vorübergebracht werde, vorüber komme' Campe: erst in der folgenden abtheilung wird jedoch die gröszte masse aufgehäuft vorübergeschafft (im triumphzuge des Mantegna) Göthe 49, 1, 261 W.
vorüberschäkern
mit lockendem scherz vorbeigehen: (leichte nymphen,) die in Hamburg an der Alster bei den laternen vorüberschäkern Laube (1875) 9, 40. —
vorüberschallen
ohne dasz der schall gehört wird, oder dasz er haften bleibt: wie ein vorübergeschalltes wort werdet ihr einst weg seyn Herder 9, 30 S.; doch wem sag ich das? es schallt an euren ohren vorüber Schiller d. räuber 3, 2; an Friedrichs brust schallte die neuigkeit ziemlich gleichgültig vorüber Eichendorff (1864) 2, 287. —
vorüberschauen
nicht hinsehen: sie schaut an ihm vorüber u. ä.
vorüberschauern
unbekümmert um den todten
wird der wind vorüberschauern
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 194.
vorüberscherzen
Campe; trans.:
ich sehe mit vergnügtem herzen
dich so beglückt, so sorgenfrey,
des lebens gram vorüberscherzen
Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 177.
vorüberschicken
Campe.
vorüberschieben trans.
u. intrans. Campe: die gestalten schoben sich wie schatten aneinander vorüber Fontane I 4, 222. — von lässigem schleifendem gange: (schiffsjunge,) der eben in seiner lässigen weise vorüberschieben wollte Storm (1899) 6, 9. — frei übertragen: das gelächter, das zuweilen aus den winkeln seines gesichts vorüberschob Laube (1875) 8, 179. —
vorüberschieszen
Campe, fürüberschieszen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; in mannigfaltiger weise schnellste bewegung bezeichnend. vom wasser: (der Ganges, der) ... nicht zu wild vorüberschieszt Ritter erdkde (1822) 3, 928; wo der Inn mit raschen wellen in engem bette an ihm vorüberschosz C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 25; das vorüberschieszen der Lomnitz Fontane I 6, 44. — schwimmende tiere: ob er (der delphin) gleich für über scheuszt Eppendorff Plinius (1543) 104;
da schosz in froher eil
die launige forelle
vorüber wie ein pfeil
Schubart ged. (1825) 2, 113.
schiffe: (gaffende barbaren,) an denen die schiffe reiszend vorüberschossen Ritter erdkde (1822) 15, 714. — von schnellem lauf, schneller fahrt: (der friedliche sämann) springt auf die seite, wenn wild der zerstörer (der feind) vorüber schieszt maler Müller (1811) 1, 363; der inspektor W. ist soeben so verwirrt an mir vorübergeschossen Nestroy (1890) 7, 20; dem laden Klingelpeters ... schieszt er vorüber (zum dat. vgl. oben 2 a) Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 3, 173. — von raschem fahren: (dasz er) so wüthig zufuhr im vorüberschieszen vor hotels, vor landhäusern, vor prozessionen ... Jean Paul (1826) 10, 167; das leidenschaftliche thier schosz vorüber Laube (1875) 2, 9. — vogelflug: schwalben ... im zickzack vorüberschieszend Fontane I 4, 239. — bewegung in der unbelebten natur: eine hohe bergluft, von einer vorüberschieszenden wolke herzuschlagend Jean Paul (1826) 10, 174;
blitzen gleich, die schnell vorüberschieszen
und plötzlich von der nacht verschlungen sind
Schiller 14, 40 G.
übertragen: seine ideen und worte mit den vorüberschieszenden ideen und worten andrer leute zu amalgamiren Jean Paul 1, 219 H.; dasz sein wirken und seine schriften nur ein vorüberschieszender glanz ... seien Tieck (1828) 18, 158.
vorüberschiffen
fürüberschiffen ist teil 4, 1, 1, sp. 926 nur aus zwei wörterbüchern belegt; lego vel praeterlego littus ich schiff fürüber Er. Alberus (1540) z 3ᵇ; fürüber schiffen, praeternavigare insulam Dentzler clavis ling. lat. (1716) 119ᵇ; vorübergeschifft, ich schiffe vorüber Steinbach 2, 412; vorüberschiffen Campe.
a)
meist intrans., auf dem schiff vorüberfahren: sie haben auch in disem fürüberschiffen etliche stett mit gwalt eingenommen Xylander Polybius (1574) 75; bei deme (schlosz) die vorüberschiffente einen gewissen zoll müssen erlegen Uffenbach atlas minor (1609) 449; (mit) groszer gefahr der fürüberschiffenden Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719) 74; (nachdem er) an manchen kleinen inseln vorübergeschifft war Ranke (1867) 35/36, 353;
süsz, sirene, auf der hüfte
wiegst du dich am felsenriff,
selig wer vorüberschiffte,
wen der zauber nicht ergriff
Brentano (1852) 2, 219.
mit dem dativ, s. oben 2 a: der kluge kaufmann schifft der küste vorüber, die zu arm zum tauschhandel ist Spielhagen (1877) 1, 50. in übertragenem sinne: auf irgend etwas auch nur mehr acht zu geben, als nur im vorüber schiffen Bettine d. Günderode (1840) 1, 304. — übertragen auf das schwimmen des schwans:
ein schwan schifft jetzt vorüber
Ramler fabellese (1783) 3, 182.
b)
transitiv, auf dem schiffe vorbeibefördern: andere güter, so etliche Franckfurter ... vorüberschiffen wolten Micrälius altes Pommerland (1640) 589.
vorüberschimmern
sanfte, vorüberschimmernde sonnentage Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 5, 61. —
vorüberschlagen
schlagen im vorüberschiffen:
ward euch (seejungfrauen) ahnend eine kunde
im korallenhage,
dasz ein warmes herz zur stunde
euch vorüberschlage?
Lenau 92 Barthel.
vorüberschleichen
fürüberschleichen ist teil 4, 1, 1, sp. 926 nur aus Weismann belegt; für- ò vorüberschleichen, passare segretamente qualche luogo Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 567ᶜ; vorüberschleichen Campe.von langsamem, leisem gange; besonders auch mit der vorstellung, dasz man nicht bemerkt oder mindestens nicht angehalten, angesprochen werden will: die bettler schleichen bey der hartherzigen stadt vorüber Caroline 1, 81 Waitz; schlich es auf einmal leise an ihnen vorüber, dasz sie beide vor schreck zusammenfuhren Brentano (1852) 5, 282; er schlich so scheu an mir vorüber Freytag (1886) 3, 105. — (von einem tier, das versucht,) neben dem jäger vorüberzuschleichen Brehm tierleben 1, 535 Pechuel-Lösche.von einem träge flieszenden gewässer: (flüszchen,) das unten vorüberschleichet K. J. Weber Deutschland (1828) 4, 343. — oft auf zeitvorstellungen oder den verlauf in der zeit bezogen, meist in ungünstigem sinne, auch mit vergleich sinnlicher bewegung: so lange schlich die zeit, wie der höllenflusz, trüb und stumm, in ödem müsziggange, vorüber Hölderlin 2, 153 Litzmann; drei tage schlichen mit ihren langen nächten am krankenlager vorüber Holtei erz. schr. (1861) 14, 217; (als) woche auf woche vorüberschlich wie eine graue schnecke Laube (1875) 1, 267;
indesz mit trägem gange
die zeit vorüberschleicht
Gotter ged. (1787) 2, 4;
wo trüb und stumm und bange
der tag vorüber schleicht
Schubart ged. (1825) 2, 84;
und heimlich hinter unsern (der weintässer) bäuchen
musz dir die zeit vorüberschleichen
Lenau 74 Barthel.
doch vgl.: es schleicht ein tag nach dem andern so anmuthig vorüber Bettine d. Günderode (1840) 1, 38. — in wunderlichem, dem sinne von schleichen widersprechendem vergleiche:
lern, leser, hier, wie dasz gleich einem augenblick
dein leben und als wie ein schusz vorüberschleiche
S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 25.
sich im lauf der zeit zutragen:
und zu diesem gar viel wunderzeichen
heuffig alle tag fürüberschleichen
Ringwaldt evang. (1581) b 4ᵇ.
in prägnanter anwendung, mit der vorstellung verbunden, dasz eine schwierigkeit zu überwinden oder zu umgehen ist: ich bin begierig darauf, wie sie an einem gewissen scheidewege vorüberschleichen werden Klinger (1809) 9, 65; daher sie (die philosophen) mit einem scheuen blick daran vorüberschleichen Schopenhauer 3, 58 Gr.
vorüberschleifen
'schleifend vorüber ziehen, wie auch auf der schleife vorüberschaffen' Campe; intrans., vom tanze: tanzende schleiften in wechselndem glanze an den fenstern vorüber Eichendorff (1864) 3, 221. — von einem schlitten: als der schlitten vorüberschliff Rosegger I 15, 37; zur flexion vgl. teil 9, sp. 590. — übertragen:
doch will kein mensch dran sich kern,
man lests fürüber schleifen
Höck schönes blumenfeld 95 ndr.
vorüberschlendern
lässig vorübergehen Campe: das allerliebste sängerkind ..., das an uns vorüberschlenderte Eichendorff (1864) 4, 283; ein vorüberschlendernder pilger Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 344. —
vorüberschleppen
Campe; refl. übertragen auf den langsamen verlauf der zeit: (stunden,) die sich noch vorüberschleppen werden Lenau br. (1906) 386 Castle.
vorüberschlüpfen
leicht, schnell sich vorüberbewegen Campe: (Ossians) gestalten ... schlüpfen wie lüfte vorüber Herder 18, 455 S.; dann sprach sie mit ihren freyern vorüberschlüpfend Heinse 5, 276 Sch.; beim vorüberschlüpfen Gutzkow d. ritter v. geiste (1850) 3, 316; ja manchmal kam es mir vor, als schlüpfte eine lange dunkle gestalt ... vorüber Eichendorff (1864) 3, 43;
dasz ich, wenn sie vor mir eilend vorüber schlüpft,
stamml und schweig
Klopstock oden 1, 95 M.-P.
unbemerkt:
(Kirke) leicht uns vorüberschlüpfend (ῥεῖα παρεξελθοῦσα). denn welches sterblichen auge
mag des unsterblichen gang, der sich verhüllet, entdecken?
Voss Od. 10, 573 B.
von einem tier: (das reh) das leiseste geschöpf, das wie der wind vorüberschlüpft Herder 8, 654 S.übertragen: diese zu schnell vorüberschlüpfenden augenblicke Gleim briefw. 1, 417 Körte; so liesz ich ... die gelegenheit nicht vorüberschlüpfen Gentz schr. 2, 293 Schlesier. — weil die malerei nicht so schnell wie ein ton vorüberschlüpft J. J. Engel 4, 337;
ach, wie jede
kleinste der freuden vorüberschlüpfet
Herder 27, 315 S.
mit dem dat. (s. oben 2 a): (schönheiten, die) desto unschätzbarer sind, je unmerklicher den meisten sie vorüberschlüpfen Gerstenberg Hamb. nat.-zt. 221 dt. lit.-denkm.
vorüberschmettern
von einem eisenbahnzuge: dessen eiserne räder über die schienen ... vorüberschmetterten G. Hauptmann Em. Quint (1910) 435. —
vorüberschnauben
Campe:
braust dem zug (der eisenbahn) dein segen zu
wenns vorüberschnaubt?
Lenau 200 Barthel.
vorüberschnaufen
wilde schweine schnauften vorüber Gotthelf (1855) 8, 121. —
vorüberschnurren
Campe; fürüberschnurren fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; bei der übertragung auf menschen, die schon alt ist, vgl.schnurren 4, teil 9, sp. 1418, tritt die vorstellung des geräusches zurück, die der raschen bewegung bleibt: die auff den gassen vor guten bekannten, auch getrewen freunden füruberschnurren, als sehen sie nicht Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 316; der mann ... sagte kurz und schnauzig: kannitverstan, und schnurrte vorüber Hebel 2, 121 Behaghel. übertragen: das wöllen die jüden nit sehen, schnurren fürüber, als ob nichts an diesen worten gelegen sei Wild postill (1554) 1, 130ᵃ. — vom geräusch vorbeifahrender wagen: die herrenwägen, die zuweilen vorüberschnurren Rosegger II 5, 198. — vom schwirren des vogelfluges: der rotspecht, der vorüberschnurrt Löns Mümmelmann (1914) 42. —
vorüberschreien
in besonderer anwendung, etwas im vorüberziehen ausrufen: wann eine bäurin milch etc. vorüber- ò vorbeyschreyet, so ruf sie an Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 669ᶜ. —
vorüberschreiten
Campe; gegenüber vorübergehen zunächst das gemessene des ganges bezeichnend, was auch bei übertragener anwendung festgehalten wird: (der geist von Hamlets vater) wenn er an der wache vorüberschreiten ... wollte Göthe 41, 2, 257 W.; ein strausz und ein casuar ... schritten bedächtig an ihm vorüber Holtei erz. schr. (1861) 10, 198;
glänzend in reihen voran, würdiger sah ich sie nie,
schreiten menschen der vorzeit stattlich und freudig vorüber
Hegner ges. schr. 5, 162.
alles erhabne und auszerordentliche zeigt sich nur einmal in der natur, feyerlich vorüberschreitend Heinse 6, 4 Sch.auch im allgemeinen gebrauch wird das wort meist als gewählter empfunden: ich wollte vorüberschreiten gebührlich Rückert (1867) 11, 437; er schritt gerade so zerstreut wie Friedrich an herrn Kurzmichel vorüber M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 14, 55;
denn vorüber schritt (came wandering by)
ein schatte wie ein engel
Shakespeare Richard III. 1, 4.
übertragen: wie jene heiligen, die blind an der welt vorüberschreiten Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 287. — im vorüberschreiten, nebenher in kürze: bemerken wir im vorüberschreiten, dasz ... Ranke (1867) 4, 20. — mit dem dativ, s. oben 2 a: genau in dem maas schreiten sie (die bilder auf Achills schilde) uns vorüber, als unsre phantasie sie fassen ... kann Herder 22, 274 S.; er schritt mir ganz still vorüber Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 341;
kein schäfer bald, der mir (dem baume) vorüberschreitet,
den nicht ein ast streift
Rückert (1867) 3, 105.
vorüberschulen
gelegenheitsbildung, ein pferd in schulung vorüberreiten:
und dasz er tag für tag, nicht ohne dank,
sein rosz an ihrem haus vorüberschule
Uhland ged. 1, 369 E. Schm.-H.
vorüberschwanken
Campe: lautlos schwankte er vorüber Seidel vorstadtgesch. (1907) 162. — mit dem akk., s. oben 2 b:
er schwankt des tages zehenmal
mein haus vorüber
Miller ged. (1783) 216.
vorüberschwatzen
mit dem akk., s. oben 2 b:
wir schwatzen oft die mitternacht
des wächters horn zum troz vorüber
Gökingk ged. (1780) 1, 131.
vorüberschweben Campe; in mannigfaltiger, besonders in freier und übertragener bedeutung. zunächst entsprechend der eigentlichen bed. von schweben; so von wesen oder personifikationen: ich (die tonkunst) ... schwebe wie ein harmonisches lüftchen bei ihnen vorüber Herder 15, 228 S.; vgl. 16, 388; die strafgöttin der antiquarischen briefe war nicht spurlos vorübergeschwebt Voss antisymb. 2 (1826) 115;
ferne
schwebt die sorge mir nur in leichten wölkchen vorüber
Göthe 1, 298 W.;
ein pfand schon warfst du (glück), im vorüberschweben,
aus deinem füllhorn lächelnd mir herab
H. v. Kleist 3, 44 E. Schm.
das wort wird dann auf den gang übertragen, wenn er leicht, gefällig gleitend, nicht in seiner mechanik deutlich ist, so von tanzenden, dann überhaupt vom anmuthigen gange der frauen: jünglinge und mädchen schweben in reihentänzen vorüber E. T. A. Hoffmann 1, 38 Gr.; bunte schatten (tanzender) schwebten an den erleuchteten fenstern des vorderhauses vorüber Freytag (1886) 4, 70. — (gestalten von frauen,) die uns an diesem abend vorüberschwebten G. Forster (1843) 3, 8; ohne eine antwort abzuwarten, war sie vorübergeschwebt W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 47;
knüpft ein flüchtiges vorüberschweben
der empfindung ewig festes band?
Schiller 4, 20 G.;
hat sies dir denn angethan
im vorüberschweben
Hebbel w. 6, 285 W.
auf dem eise:
magisch sich vorüberschweben,
fliehn sich und sich wiederfinden
Platen 1, 33 R.
scherzhaft: wenn er, die verschiedenen theater besuchend, an der verächtlichen boutique vorüberschwebte, die man kasse nennt Holtei erz. schr. (1861) 25, 15. — freier, im gegensatze zu ernster bemühung:
alle menschen seh ich leben,
viele leicht vorüber schweben,
wenig mühsam vorwärts streben
Novalis 1, 173 Minor.
vorübergleitende bilder auf der fahrt: von der andern seite schwebten wiesen, felder und hecken leise wechselnd vorüber Eichendorff (1864) 3, 377;
ich sasz auf hohem maste, schaut über meer und land,
es schwebten berg und thürme vorüber mit dem strand
W. Müller ged. 195 Hatfield.
übertragen in mannigfaltiger anwendung; von der zeit: ein vorüberschwebender moment Fr. Schlegel (1846) 6, 69;
wie hab ich manche liebe zeit
vorüber lassen schweben
Chr. Weise d. grünend. jugend überfl. ged. 38 ndr.
am ohr vorüberschweben; besonders in dem sinne des nicht aufgenommen werdens: meine warnung schwebt an deinem ohre vorüber Gotter (1787) 3, 435. — vor dem auge des geistes, vor der phantasie, im traume u. ä.: der vorüberschwebende gedanke, ihr die hand zu bieten Göthe 24, 285 W.; wie ein schatten schwebte die gestalt Corneliens an seiner seele vorüber Immermann 6, 42 B.; was nur ... als entfernte möglichkeit an ihm vorüberschwebte M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 3, 190;
da regte phantasie mir manches bild,
die schätze der erinnrung sichtend, auf,
und wohlgefällig schwebten sie vorüber
Göthe 10, 346 W.;
vorüber schwebten, wie silbern gewölk,
am liebenden auge dir
die geschlechter alle
Hölderlin 1, 93 Litzmann.
in besonderer wendung: in der erzählung walten und schweben an uns ... nur dritte personen vorüber J. Grimm kl. schr. 3, 292. — verbindung mit dem akk., vgl. oben 2 b:
langsamer schwebt er des tempels
zinne vorüber
Klopstock Messias 9, 2 (vgl. 20, 317; oden 1, 189 M.-P.);
(was) unbestimmt, in sich verflieszend,
meine stirn vorüberschwebt
Grillparzer 4, 50 Cotta.
vorüberschweifen: wenn einzelne versprengte räuber hier vorüberschweiften Eichendorff (1864) 3, 346; manchmal blitzte eine brandfackel vorüberschweifend durch die fenster 3, 329. frei: wie denn manches zufällige, was vielen ... vorüberschweift, einen tief rührt Bettine Goethes briefw. m. einem kinde (1835) 3, 147; (wo) dieser (Niebuhr) das geistige auge an unsrer geschichte ... nur vorüberschweifen läszt J. Grimm kl. schr. 3, 191. —
vorüberschwellen
(flusz,) des gelbe wellen
wüst und wild vorüberschwellen
Gregorovius ged. (1892) 13.
vorüberschwimmen
transnatare Reyher thesaurus (1686) o 3ᵇ; Campe. im eigentlichen sinne, durch eigene kraft: ein groszer wallfisch, desgleichen ein hayfisch schwammen bei dem schiffe vorüber G. Forster (1843) 1, 65. — vom flieszenden wasser mitgenommen werden: vorüberschwimmender leichnam Ritter erdkde (1822) 4, 566. — vom winde getrieben: (wasser,) auf dem inseln goldgelben laubes im hauch des frischen windes vorüberschwammen W. Weigand d. gärten gottes (1930) 380. — übertragen: alle kraftäuszerung ist instantant — vorüberschwimmend Novalis 2, 195 Minor.
vorüberschwinden
wobei das adv. den sinn des verbums verstärkt: bedauern vergangner zeit, vorübergeschwundner zustände und empfindungen Göthe 24, 306 W.; (in) jeder vorüberschwindenden laune Tieck (1828) 19, 451; (arm- und handbewegungen) nur schnell vorüberschwindend, schattenhaft Grabbe 4, 218 Bl.;
alles mahnet sie des glückes,
das uns hier vorüberschwand
Miller ged. (1783) 191.
vorüberschwingen
Campe; refl.:
und der reigen schwingt
leicht sich vorüber
Uhland ged. 2, 272 E. Schm.-H.
vorüberschwirren
Campe; in eigentlichem sinne lautmalend vom fluge, vögeln, insekten, pfeilen: jede fliege, die an ihm vorüberschwirrt Hebbel br. 7, 219 W.;
vöglein schnell vorüberschwirrend
Brentano (1852) 1, 467.
es war mir, als ob schon damals ein unsichtbarer racheengel vorüberschwirrte erinn. aus Paris (1851) 73; freier dann von schneller bewegung: wie die figuren durch die fenster eines ballsaals auf einen moment nur sich zeigen wollten und schnell vorüberschwirrten Brentano (1852) 5, 365; diese tausende, die in wägen, auf rossen und noch stolzeren füszen da an ihm vorüberschwirrten Gutzkow (1872) 4, 121. — übertragen: er hatte den moment vorüberschwirren lassen Spielhagen (1877) 6, 481. — (zeichnungen,) auf welchen so viel schönheit und talent vorüberschwirrte G. Keller (1889) 2, 153. —
vorübersegeln
am ufer oder küste her-, hin-, ò fürübersegeln (fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926) Kramer t.-ital. aict. 2 (1702) 734ᵇ; vorübersegeln Campe; zunächst von segelschiffen: japanische junken segelten vorüber Ritter erdkde (1822) 4, 612; (wir sahen) die ganze türkische flotte ... am Serail vorübersegeln Zschokke (1824) 40, 327. — wunderlich daher: das rauschen des vorübersegelnden dampfers (auf dem Rhein) Gutzkow (1872) 11, 61. — von den auf den schiffen fahrenden: wir segelten ziemlich weit von der küste vorüber G. Forster (1843) 2, 188; so nehm ich dafür im vorübersegeln von eurem strande, was mir gefällt Fouqué d. zauberring (1812) 1, 123. — mit dem akk., s. oben 2 b:
wie schiffende fühlen,
wenn sie das vorgebirge der hofnung vorübergesegelt
Zachariä poet. schr. (1763) 7, 19.
wolken im vergleich mit schiffen: (wenn ich) grosze wolken wie majestätische schiffe vorübersegeln sah Brentano (1852) 5, 269. — besondere anwendung: (fremdartig gebildete fische) tauchten mit dem kopf unter und segelten vorüber Gaudy (1844) 14, 57. vorübersein, fürüber seyn, abire, elabi, effluere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 119ᵇ; vgl. teil 4, 1, 1, sp. 926; vorübersein ('niedrig, aber deswegen noch nicht verwerflich') Campe.das vorausgestellte vorüber wird in der schrift fast niemals mit der verbalform verbunden: sobald die reuter vor ihm vorüberwaren Bucholtz Herkuliskus (1665) 173. — das verb. kann in nebensätzen fehlen: wie disz vorüber, muste ich wieder auffwarten Grimmelshausen Simpl. 86 ndr.; nachdem der gottesdienst vorüber W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 5. — bei der räumlichen anwendung wird sehr oft vorgestellt, dasz die bewegung fortgesetzt wird: indessen war der ganze zug vor uns vorüber Göthe 25, 109 W.; hier ein wagen, aber er ist schon voll, und schon ist er vorüber O. Ludwig (1891) 2, 15; die sonne war schon an seinem fenster vorüber Fontane I 4, 358;
als nun der zug vorüber war,
zerraufte sie ihr rabenhaar
Bürger 13ᵇ Bohtz;
ich warte hier, sprach er, bis du vorüber bist
Pfeffel poet. vers. (1812) 6, 177.
mit dem akk., vgl. oben 2 b: kaum da ich sie (die hüter) vorüber war, fand ich, den meine seele liebt Göthe 37, 304 W. (da ich ein wenig fur uber kam hohesl. 3, 4). — bei der beziehung auf zeitvorstellungen kann entweder die eben verstrichene gemeint sein oder aber auch weiter zurückliegende hingewiesen werden: wenn das kleine stündgen würde vorüber seyn Chr. Weise d. polit. redner (1677) 284; die hälffte von der nacht war noch nicht vorüber Riemer d. polit. maulaffe (1679) 45; mittag war vorüber Göthe 24, 61 W.; sieben jahre waren vorüber Storm (1899) 1, 8;
die vorigen tage
sind vorüber, du hast das gestern nicht mehr
Herder 26, 62 S.;
ein peinlich langer monat ist vorüber
Schiller Maria Stuart 1, 2;
vorüber ist der irdische tag
und du bist wieder mein
Novalis 1, 12 Minor.
bei unbestimmterem gebrauch kann besonders auf veränderte verhältnisse hingewiesen werden: die zeit ist vorüber, wo man abenteuerlich in die weite welt rannte Göthe 25, 188 W.; lange war die zeit vorüber, wo ein allwaltender wille unsre allgemeinen angelegenheiten leitete Ranke (1867) 1, v. — mit beziehung auf die uhr: es war kaum fünf uhr morgens vorüber Stifter (1904) 1, 128; 2 uhr nachmittags war vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 318. — in unerschöpflicher mannigfaltigkeit vom verlauf in der zeit: der maulbeerbaum schlägt nicht aus, die kält sey dan vorüber Lehman floril. polit. (1662) 2, 778; wenn nur der erste empfang vorüber wäre Lessing 2, 165 M.; nachdem die äuszere ceremonie vorüber war Klinger (1809) 3, 221; als der kaffee vorüber war Storm (1899) 1, 83; kaum war die hochzeit vorüber G. Keller (1889) 2, 72;
ihr geistlich fall vorüber ist,
der leiblich kommt in kurzer frist
Opel-Cohn d. dreiszigj. krieg 317;
wenn doch vorüber wäre
die wasserfahrt!
Schubart ged. (1825) 2, 121.
es ist vorüber, in prägnantem sinne, es ist abgetan oder auch es ist überstanden u. ä.: hernach ist es auch vorüber, und ich denke nicht mehr dran J. E. Schlegel (1761) 2, 304; beruhigt euch! es ist vorüber Klinger (1809) 1, 37; und dann war es vorüber und vergessen Stifter (1904) 3, 8; damit (mit der glänzenden stellung) war es nach der aufhebung des regimentes vorüber Ranke (1867) 1, 123;
es ist vorüber, ist bestanden
A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 34.
Jean Paul braucht vorübersein im sinne von gestorben sein: mich in meinem schönen Maienthal zu lassen, wenn ich vorüber bin (1826) 8, 176; vgl. 10, 29. vorübersenken, vorüber im sinne von vornüber, s. oben 7: mit der mündung (der muskete) etwas vorüber gesenckt H. v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 244. —
vorüberspazieren
fürüberspatzieren, passare, far passeggio con passi gravi Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 853ᶜ: (stein,) der mit seiner bequemligkeit vorüber spazierende sich niederzusetzen einlude P. Fleming dt. ged. 1, 77 L.; so kriegte ich eine von den hünern, die eben bey mir vorüber spatzierten Grimmelshausen Simpl. 3, 378 Keller.mit dem dat., s. oben 2 a:
spazier ein stündchen lang dem spiegelglas vorüber
Göthe Faust 2887.
vorübersprengen
in scharfer gangart vorüberreiten; vorüber- ò fürübersprengen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 888ᶜ; vorübersprengen Campe: Leontin sei bei dem zuge, ohne ihn zu bemerken, an ihm vorübergesprengt Eichendorff (1864) 2, 335; im augenblicke des vorübersprengens Laube (1875) 8, 27. — mit dem dativ, vgl. oben 2 a:
sprengt in raschen galopp bald diesen, bald jenen vorüber
(jamque hos cursu, jam praeterit illos Verg. Aen. 4, 157)
Bürger 246ᵇ Bohtz.
vorüberspringen
vorbey- ò fürbey, it. fürüberspringen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 894ᵃ; vorüberspringen Campe: ein schöner hirsch sprang an mir vorüber G. Keller (1889) 3, 130; ungewöhnlich von vögeln:
die vöglein wil (ich) auch laden dar,
wan die fürüber springen
Spee güld. tugendb. (1649) 311.
vorübersprudeln
(bach) an steinblöcken vorüber sprudelnd W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) 1, 3. —
vorüberstapfen
von schwerfälligem gange: wenn der bauer mit seinen langen beinen an dir vorüberstapft Frenssen Jörn Uhl (1902) 348; Campe hat daneben noch vorüberstapeln. —
vorüberstehen
in seltener anwendung, doch wohl in dem sinne von gegenüberstehen:
dieses sei
beweis für meinen glauben gegen jenen,
der mir vorübersteht
Herder 28, 245 S.
deutlich in folgender stelle: ich zweifle nicht, dasz das vorüberstehende profil (auf die abbildung hinweisend) jedem gesunden auge nicht sogleich einen mann von der äuszersten sanftmuth ... darstellen werde Lavater physiogn. fragm. (1773) 1, 214. —
vorüberstehlen
sich, 'sich heimlich und unbemerkt vorüberbewegen' Campe:
wenn alles mit dir lebt und fühlet,
sich sympathienvoll dein fusz
am tausendfusz vorüber stiehlet
Thümmel reise 2, 145.
vorübersteigen
träum ich nur und steigen in meiner erhitzten phantasie diese bilder vorüber maler Müller (1811) 2, 90; von Campe als 'niedrig, aber deswegen noch nicht verwerflich' bezeichnet.
vorüberstelzen
von steifem gange:
so stelzte stolz und stumm der krongardist
an mir vorüber
D. v. Liliencron (1896) 9, 201.
vorübersterben
kühne bildung für hinwegsterben:
das alles vorübersterbe,
ist alt und allbekannt
Lenau 248 Barthel.
vorübersteuern
Campe: nachdem wir bei einigen ... kriegsschiffen vorübergesteuert waren Smidt mittheil. aus d. tageb. eines nord. seemannes (1830) 81. — mit dem akk., s. oben 2 b: sie steuerten ihn (den hafen) nun muthvoll vorüber Ritter erdkde (1822) 5, 644. — auf das land übertragen: der muszte mit aller macht und vorsicht an der thüre vorübersteuern Rank erinn. (1896) 189 bibl. d. schriftst. aus Böhmen.
vorüberstolpern
ungeschickt, halb fallend sich vorüberbewegen; freier: als läszt man (in der darstellung der wolfsschlucht) ungeheure drachen, charakteristisch vollgestopft von sie tragenden bengeln, oder prächtige malereien vorüberstolpern Grabbe 4, 208 Bl.
vorüberstrahlen
und doch leuchtets oft in diesem raum,
als ob götterglanz vorüberstrahle
Tiedge (1823) 1, 21.
übertragen: wenn er anfing zu arbeiten, so strahlten ideen seiner seele vorüber Jung-Stilling (1835) 1, 484. vorüberstreichen, für- ò vorüberstreichen, trapassare strisciando ò sguizzando Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1005ᵇ; vorüberstreichen Campe; fürüberstreichen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; in mannigfaltigster anwendung. intrans. in der eigentlichen bed. von streichen: das messer streicht bei seiner bewegung an wetzsteinen vorüber Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 102; (bretter,) an denen die vorüberstreichende lufft sich stoszen ... musz Schönberg ausführl. berginformation (1693) 2, 109. — vom gleitenden flug der vögel: (ortolan,) der hier oftmals vorüberstreicht Zachariä poet. schr. (1763) 1, 345;
ein schwälblein strich vorüber
Brentano (1852) 2, 102.
vom schiff und den darauf fahrenden: wir seynd bey dem capo von St. Vincenz fürübergestrichen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1005ᶜ;
(ein schiff,) das gleich darauf vorüberstrich
Triller poet. betracht. (1750) 2, 76.
von den landschaftsbildern, die an den fahrenden vorübergleiten: die hier sehr schönen Donauufer ... strichen an uns vorüber Nicolai reise (1783) 2, 434. — flieszen des wassers: (Oder,) so vor der stadt vorüberstreichet Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 59. — vom winde: dasz fön und nordwind neben einander vorüberstrichen Laistner nebelsagen (1879) 301. — sehr oft aber auch vom gange des menschen, wobei die vorstellung des gleitens, des unmerklichen oder des fast berührens meist aufgegeben ist, dagegen ist immer ein nahes vorübergehen gemeint: bey eines hause etc. heimlich oder geschwind fürüberstreichen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1005ᵇ; sonsten er den gesellen wol wirde unberufen vorüberstreichen lassen Moscherosch ges. (1650) 1, 81; beim flüchtigen vorüberstreichen an einem ... spiegel Gutzkow d. ritter v. geiste (1850) 4, 61; er strich, so oft er durfte, bei ihren fenstern vorüber Freytag (1886) 5, 92; hinwegzusehen und still an ihr vorüberzustreichen Winnig frührot (1926) 322;
siehst du die dirne schlank und leicht,
die flüchtig dort vorüberstreicht?
Schiller 11, 216 G.;
und wies behend an ihr vorüberstreicht,
da hat am arme sie gewandt und leicht
das lautaufschreiende geschöpf gehalten
A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 243.
in freiem gebrauch, auch auf abstrakta bezogen; im bilde: der neid ist ein starcker wind, der nur die hohe bäum umbwirft, bey stauden und hecken streicht er vorüber Lehman floril. polit. (1662) 2, 564;
was ist leben?
ein schatten, der vorüberstreicht
Schiller 13, 149 G.
von der zeit und dem in der zeit verlaufenden: (da) etwas zeit vorübergestrichen sei verh. d. schles. fürsten u. stände 6, 183 Palm; (ich fürchte,) dasz unsere lebenstage früher vorüberstreichen briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 383; nachdem so viel zeit vorübergestrichen ist Gutzkow (1872) 8, 65;
lasz mit gedult die zeit vorüber streichen
Grob dicht. versuchgabe (1678) 119.
ungeduld über das niebesessene, miszlungene und vorübergestrichene Göthe 27, 26 W. — vorüberstreichen lassen, ohne zu beachten, zu benutzen u. ä.: den ihnen gesetzten terminum vorüberstreichen lassen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 198; dasz er einen tag ungezeuget hingehen und fürüber streichen lassen Lehman floril. polit. (1662) 3, 313; läszt mich dann oft kostbare augenblicke ... ungenutzt vorüberstreichen Meinecke leben d. generalf. v. Boyen 1, 129. — freier: lasz er meinen väterlichen rath nicht vorüber streichen Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 73; der fürst liesz an seinem dezembergesicht die warmen lobreden ohne aufzuschauen vorüberstreichen Jean Paul (1826) 22, 98; Hohenheim liesz das gerede seines begleiters vorüberstreichen Kolbenheyer Paracelsus (1922) 2, 294. — mit dem dativ, vgl. oben 2 a:
endlich streicht er mir vorüber
Brentano (1852) 2, 453.
mit dem akk., s. oben 2 b: die grosze waldichte Amazonnenniederung vorüberstreichend Fallmerayer fragm. aus d. Orient (1845) 1, 37.
vorüberstreifen
Campe; in ähnlicher verwendung wie das vorhergehende wort; bei der beziehung auf den vorübergang kann die eigentliche bedeutung von streifen durchschimmern: bisher hab ichs gleich geacht't, ob du am zaun vorüberstreifst, oder ob sich ein hund dran reibt Anzengruber (1890) 1, 201. — gewöhnlich, aber unbestimmter wie vorüberstreichen, doch ist hier das nahe vorübergehen noch mehr betont: als sie nun bei ihm ganz nahe vorüberstreifte E. T. A. Hoffmann 6, 181 Gr.; freier: wenn leises huschen dienender mägde an seiner thür vorüberstreife Scheffel (1907) 1, 180. — im flüchtigen vorüberstreifen Tieck (1828) 6, 109; im vorüberstreifen Fouqué d. zauberring (1812) 2, 79; W. v. Scholz erz. (1924) 364. — gestalten in der erzählung: eine person, die im beginne unsrer erzählung flüchtig vorüberstreifte Immermann 6, 105 B.; (die helden) streifen an blutschänderei nur kaum so vorüber Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 14. vgl.: er ist am gefängnis vorübergestreift, beinahe ins gefängnis gekommen.winde und wolken: kühl streifte er (der wind) an uns vorüber G. Forster (1843) 3, 403. vorüberstreifende wolken, blau dazwischen G. Büchner nachgel. schr. (1850) 208. — sterne, sternschnuppen: einige fallsterne, wie sie in schöner, klarer nacht vorüberstreifen Göthe IV 37, 165 W.; berührung: da die leuchtende schleppe des sterns (eines kometen) an die erde vorüberstreifen sollte Watzlik d. alp (1923) 336. — in übertragenem gebrauch, wobei das flüchtige betont werden kann: als vorüberstreifender genusz Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 156.
des blickes vorüberstreifen,
des seligen moments ergreifen
Gaudy (1844) 4, 40;
wohin ein blick der liebe
vorüberstreifend traf
Rückert (1867) 7, 284.
trotz der vier jahrhunderte, welche daran (an einem bilde) vorüberstreiften Matthisson erinn. (1815) 4, 63; einige gute wünsche streiften an den rollenden rädern (des königs) vorüber Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 375; die griechische krone streifte nahe an dem haupte seines ältesten sohnes vorüber Gutzkow (1872) 9, 15. — wieder mit der vorstellung der berührung und reibung: durch die an einander vorüberstreifenden interessen ... wird man nur zu leicht verletzt ebda 12, 379. — mit dem akk., s. oben 2 b:
streift gleich der eherne tod
öfters die heldenbrust schadlos vorüber
Mastalier ged. (1774) 65.
vorüberströmen, vorbey- ò fürüberströmen Kramer t.-it. dict. 2 (1702) 1015ᵃ; vorüberströmen Campe; im eigentlichen sinne: während seine augen dem unaufhaltsamen vorüberströmen des wassers folgten Storm (1899) 1, 317. — auf die luft bezogen: unter dem aussteigen strömte vor meinem gesicht eine ätherische morgenluft vorüber Jean Paul 1, 17 H.
vorüberstrudeln
Campe: der Teverone strudelt im bogen vorüber Gaudy (1844) 9, 143. —
vorüberstürmen
von gehenden und reitenden Campe: damit gab er tief aufseufzend einen wink und stürmte wild vorüber Gaudy (1844) 14, 60; während zu seiner linken und rechten die reitermassen ... vorüberstürmten Laube (1875) 14, 56. — auf einem bilde: in dem raume rechts, den die vorüberstürmenden soeben offen lassen Göthe 49, 1, 362 W.übertragen: (ich lasse) krieg und schicksal an meinem Spessart vorüberstürmen Heinse 10, 331 Sch.; ereignisz auf ereignisz ... stürmte an uns vorüber A. Ruge briefw. u. tageb. (1888) 2, 249. —
vorüberstürzen
Campe; von heftigster bewegung: endlich stürzte der student ... unter meinem baume vorüber, dasz ihm die rockschösze weit im winde nachflogen Eichendorff (1864) 3, 61; ich las sie (eine nachricht) in den mienen der vorüberstürzenden L. v. François d. letzte Reckenburgerin (1871) 2, 119. — lebloses:
und nah und näher stürzt vorüber
das alles überschwemmende gewässer
Göthe 16, 366 W.
scheinbare bewegung: ziehende berge, denen hügel nachflattern, stürzen vorüber vor dir Jean Paul 7/10, 357 H.übertragen: im gewühle vorüberstürzender ereignisse Zschokke (1824) 1, 151. —
vorübersummen
Campe, der auch vorübersumsen verzeichnet; von insekten: kleine hummeln summten vorüber Rosegger II 10, 78. — eine kugel summte vorüber. —
vorübersurren
wie das vorhergehende lautmalend: ein schwarm von fliegen surrte an ihr vorüber Anzengruber (1890) 1, 154. — sie (die radfahrer) surrten an ihm vorüber Ulitz narrenkarosse 15. —
vorübertanzen
Campe; zunächst in eigentlichem sinne, dann freier von ähnlicher bewegung: (er) schnitt den vorübertanzenden frauenzimmern lächerliche gesichter Eichendorff (1864) 2, 361; eben tanzte Apollonius vorüber O. Ludwig (1891) 1, 182. — von einer phantasievorstellung in gesuchter wendung:
ein leichenzug ohne trommel und klang unaufhaltsam
und langsam in meiner seele vorübertanzt
Stefan George Baudelaire 101.
von bildern, die an dem fahrenden vorübergleiten: die bäume und hecken an der wegseite, die an dem fenster (des wagens) vorübertanzten Spielhagen (1877) 1, 189. — übertragen: die vorübertanzenden mythen der homerischen welt Nietzsche (1895) 1, 75;
vor meinen augen tanzen sie vorüber,
die frohen tage mit den heitern stunden
Ad. Pichler neue marksteine (1890) 96.
vorübertappen
ungeschickt tretend vorübergehen, vgl.tappen teil 11, 1, 1, sp. 140: und liesz den Gorgias vorübertappen Becker weltgesch. (1801) 3, 106. —
vorübertaumeln
Campe; frei, in besonderer wendung: alles andre ist mückenwerk, das an einer ehernen säule vorübertaumelt Lenau briefw. 375 Castle.
vorübertoben
Campe: trotz den stürmen, die an ihm (einem bauwerk) vorübertobten Johanna Schopenhauer reise durch d. südliche Frankreich (1824) 1, 2; Tobias sah sie (die bahnzüge) jedesmal mit offenem munde vorübertoben G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 43;
sieh, meine muse sitzt am fischerherde
und läszt den grausen sturm vorübertoben
W. Müller ged. 273 Hatfield.
vorübertönen
tönend sich vorüber bewegen: ein reiher tönt durch die finstere nacht vorüber Göthe 41, 1, 287 W.; einsame schritte tönten hallend auf dem steinpflaster vorüber H. Seidel vorstadtgesch. 111. —
vorübertorkeln
Campe, s. ²torkeln teil 11, 1, 1, sp. 892: (frau,) die an dem felsen vorübertorkelt Rosegger I 4, 224. —
vorübertosen
(wenn die feinde) vorübertosen, senden wir ihnen alle bolzen ... in die linke seite Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 459;
so tost furchtbar vorüber die zeit
über sterblichem haupt
Hölderlin 1, 207 Litzmann.
vorübertraben
fürübertraben fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; im eigentlichen sinne von reitern: als ein reiter in groszer eile vorübertrabte Tieck (1828) 7, 243; beide reiter trabten ... lachend an mir vorüber Holtei erz. schr. (1861) 38, 46. zugleich auch auf fuszgänger bezogen: bis dasz der Goldstein langst dem wirtshaus mit seinem volk voruber trabte Mechtel Limb. chron. 205 Knetsch; dann stand ich still, liesz an mir noch fuszvolk und reiter vorübertraben Rosegger I 2, 311. — diese anwendung auf schnelleres laufen, dann überhaupt auf das vorübergehen, ist bei traben auch jetzt noch gebräuchlich, s. teil 11, 1, 1, sp. 962, und besonders in älterer sprache üblich, wobei vorübertraben freieren und übertragenen gebrauch entwickelt; vorübertraben ist 'nicht halt machen' in mannigfacher sinnesfärbung:
hast nit mehr gelt, für uber trab
B. Waldis Esopus 1, 232 Kurz;
der todt nimpt weder gifft noch gab,
das er fürm reichen uber trab
Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 1, 3ᵃ;
Cupido mit dem pfeil und glut
der musz fein vor ihm ubertraben
Rist musa teuton. (1634) h 4ᵃ.
vorübertraben lassen, nicht beachten:
wiltu etwas newes haben,
lasz disz büchlein nit vorüber draben
Hutten 4, 265 B.
von tieren: es sey glückhafftig, wann ein hirsch auff der rechten, ein fuchs auf der lincken seiten furübertrabe Nigrinus v. zäuberern, hexen (1592) 139; da trabten blökende heerden vorüber schr. d. Goetheges. 7, 183 (journal v. Tiefurt). — von zeitabschnitten: so heiszet er den winter fur uber draben, ... heiszet die sonne widder auffsteigen Agricola sprichw. (1534) a 6ᵇ. —
vorübertragen
Campe; fürübertragen fehlt teil 4, 1, 1: praeterferor ... füruber tragen werden Calepinus dict. XI ling. (1598) 1144ᵇ; im eigentlichen sinne von tragen: da man das hochwürdige sacrament fürüber trug Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) 40; im palankin vorübergetragen Ritter erdkde (1822) 3, 242; wenn ein glas dampfenden punsches vorübergetragen wurde Fontane I 1, 375;
du wurdest ja so ernst, da sie die leiche
vorübertrugen
Klopstock oden 2, 18 M.-P.
freie und übertragene anwendung: als uns der steig ... an einer einöde oder einem isolirten hause vorübertrug Jean Paul 1, 336 H. besondere wendungen: die gestrige nacht trug wieder ihren leuchtenden regen, sein brennendes herz und Emanuels schatten vorüber 7/10, 99 H.;
und ich hör der engel lieder wieder,
die das leben mir vorübertrugen
Brentano (1852) 1, 448.
vorübertrappen, vorübertrappeln
stampfend vorübergehen Campe (daneben -trappeln), vgl. teil 11, 1, 1, sp. 1264 u. 1258:
beladene maultiere trappen vorüber
G. Hauptmann griech. frühling (1908) 157.
vorüberträumen trans.
mit objekt:
schnell werden sich vier tag in nächte tauchen,
vier nächte schnell die zeit vorüberträumen
(four nights will quickly dream away the time sommernachtstr. 1, 1)
Eschenburg Shakespeare (1775) 1, 127.
vorübertreiben
praeteragere Stieler 2322; Campe; vorbey- ò fürübertreiben Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1129ᶜ; im eigentlichen sinne von treiben: wenn er seine gefleckten kühe und die hüpfenden kälber hier vorübertreibt Geszner schr. (1777) 1, 85; bauern ackerten, hirten trieben ihre heerden vorüber Eichendorff (1864) 2, 11. — das objekt ist zu ergänzen:
da treib ich vorüber,
dann blick ich hinüber
zur laube der hirtin hinein
Tiedge (1823) 5, 216;
und als er (der schäfer) nun mit stillem weh
in jeder früh vorübertrieb
Uhland ged. 1, 143 E. Schm.-H.
wind, sturm: am folgenden morgen trieb er (der sturm) uns beim cap Stephens vorüber G. Forster (1843) 2, 342;
treibt der wind von ihrer pforte
wolken staubs behend vorüber
Göthe 6, 26 W.
das flieszende wasser als subjekt: um zu sehen, was die wasserstrasze eben vorübertreibt S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 27. — akkus. statt einer verbindung durch präpos.: unterdessen (während) einige pferde und ander vieh des feindes lager vorübertreiben v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 273; (wenn) die Rhone ihre grünlichen gewässer in heftiger wellenjagd die stadt vorübertreibt Ranke (1867) 7, 128, vgl. oben 2 b. — ungewöhnlich ist sich vorübertreiben:
jeder treibt
sich an dem andern rasch und fremd vorüber
Schiller Wilh. Tell 4, 3.
in intrans. gebrauch zunächst von dem, was vom wasser (ohne menschliche tätigkeit) vorübergetragen wird: am folgenden morgen trieb ein groszer haufen seegras bei dem schiffe vorüber G. Forster (1843) 1, 110; im bilde:
das wirf entschlossen in der irdschen dinge flusz.
dich tröst es, dasz im flusz es wird vorübertreiben
Rückert (1867) 8, 623.
freiere anwendung: (sehnsucht,) in welcher stunden, tage und wochen wie auch die menschen ohne zu haften an ihr vorübertrieben W. v. Scholz erz. (1924) 160. —
vorübertreten
aus dem Urosee ... tritt links der Urobach am groszen kosakendorfe Uro vorüber zum Barqusin Ritter erdkde (1822) 3, 61. —
vorübertrinken
gelegenheitsbildung: ich bin ein so ehrlicher ... gesell als dieser, warum trinkt er mich vorüber, warum übergeht er mich beim zutrinken? br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 59; zum akk. vgl. oben 2 b. —
vorübertrippeln
Campe, mit kleinen, zierlichen schritten vorübergehen: wie die kleinen scheu und jüngferlich vorübertrippeln Grillparzer 10, 238 Cotta; als ein nettes, feines mädchen an mir vorübertrippelte Gaudy (1844) 2, 98. — freier, schwächliches wesen bezeichnend:
wo rüstig heldenleben längst auf beschwörung lauscht,
da trippelt man vorüber und schauert, wenn es rauscht
Uhland ged. 1, 279 E. Schm.-H.
vorübertrollen
sich: ein fettes schweinchen, das sich lebensfroh vorübertrollt Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 107. —
vorübertropfen
übertragen: die zeit ist ein stetes vorübertropfen von augenblicken Jean Paul 48, 142 H.
vorübertrotten
Campe; eigentlich von reitern, doch auch von gehenden: als sie nun traurig beim letzten und gröszten haus vorübertrotten Blunck sprung über d. schwelle (1931) 207. —
vorüberwackeln
Campe: zwei dicke frauen wackeln vorüber Castelli (1844) 10, 188. —
vorüberwagen
sich, 'es wagen, vorüberzugehen' Campe.
vorüberwallen
Campe, der es der 'höheren schreibart' zuweist; eigentlich von pilgern:
wöchnerinnen steh ich bei,
pilgern, die vorüber wallen
Castelli (1844) 13, 274;
die pilger mit ihren wirren und buschigen häuptern
bei ihrem vorüberwallen werden beschaut
von mystischen weilern und frommen dörfern
Stefan George übersetz. 1, 108.
dann in allgemeiner anwendung als wort der gehobenen sprache: im lichtstrome walleten erhabene gestalten vor ihm vorüber Jean Paul 3, 52 H.; (er) sah gleichgültigen blickes den zug der kirchgänger vorüberwallen M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 5, 44;
dasz von männern, die vorüberwallen,
nicht die worte in die gruft erschallen
Hölderlin 1, 56 Litzmann;
lasz Platons geist vorüberwallen
mit seinem tiefen zaubergrusz
Lenau 490 Barthel;
wie du rings dir im vorüberwallen
pflücktest blätter nach gefallen
Rückert (1867) 2, 449;
indes die orgel nun verhallt,
die sängerin vorüberwallt
Mörike 1, 55 Göschen.
mit dem dat., vgl. oben 2 a:
jeder dämmernde hain ist ihm ein heiliger
tempel, wo ihm sein gott näher vorüberwallt
Hölty ged. 113 Halm;
dahin wallte sie in leide
mir vorüber jeden tag
Mörike 1, 170 Göschen.
freier: wie ein silbern wölkchen, wallt der schüchterne mond am hellen tage vorüber Hölderlin 2, 104 Litzmann; wie die wolkenschleier an dem monde vorüberwallten Spielhagen (1877) 1, 7;
mitleidig siehst du (mond) meine pein,
wallst trauriger vorüber
Miller ged. (1783) 28;
bis die erd aus der azurnen ferne
wie ein nebelstreif vorüberwallt
J. D. Falk satiren (1800) 2, 55.
übertragen: lasz es (das wort) ungehemmt wie das wetter vorüberwallen Valvasor d. ehre d. herzogth. Crain (1689) 1, 43; dem das leben zwischen arbeit und ruhe ... in einer ungestörten einförmigkeit vorüberwallet Hirschfeld landleben (1776) 188;
da schreiten die stunden so leise
wohl in der nacht,
verhüllen auf finsterer reise
mit ernstem bedacht
in dunkeln falten
die regen gestalten,
an denen sie sinnend vorüber wallten
Brentano (1852) 5, 272.
vorüberwalten
gelegenheitsbildung, beim vorübergehen wirken: wenn er dasjenige, was wir vorgetragen haben und zunächst mittheilen, in gemüth und gedanke vorüber walten läszt Göthe 32, 190 W.
vorüberwalzen
als die vorüberwalzte, und dem hübschen kinde fast auf den fusz trat Alexis d. Roland v. Berlin (1840) 1, 386. —
vorüberwälzen
(wogen,) die ihn dürren felsenmauern vorüberwälzten Tieck (1828) 8, 72, zum dat. vgl. 2 a; refl.: der zeitstrom wälze sich indesz mit tagen, minuten, sekunden vorüber Schubart br. 2, 158 Strausz; dicker pulverdampf wälzte sich zuweilen zusammengeballt vorüber Laube (1875) 8, 30. — übertragen: wenn alle diese widersprüche ... sich meinem blicke in gedrängter folge vorüberwälzten Immermann 19, 34 B.;
also wälzten sich mir die eilenden jahre vorüber
Göthe 50, 279 W.
vorüberwandeln
als wort der 'höheren schreibart' bei Campe; das verb. wird jedoch auch, besonders im eigentlichen sinne, ganz farblos gebraucht; im eigentlichen sinne: bei seinem dritten vorüberwandeln (an einem fenster) Tieck (1828) 17, 176; im vorüberwandeln Eichendorff (1864) 3, 310; dasz er (ein vogel) oft den vorüberwandelnden so nahe um den kopf fliegt Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 6, 153; gelobt sei Jesus Christus! riefen sie, bei mir vorüberwandelnd E. T. A. Hoffmann 2, 42 Gr.; er liesz sie ungesehen vorüberwandeln G. Keller (1889) 6, 383;
silberrein, unversiegt, dem vorüberwandelnden fremdling
sprudelt aus wallendem kies unten am berge der quell
Voss s. ged. (1802) 6, 306;
der könig wandelt vorüber
an seiner väter gruft
Hebbel w. 7, 152 W.
mit dem akk., s. oben 2 b: aber der gröszte theil wandelt mit einem unbegreiflich stumpfen sinn ... die groszen schönheiten vorüber Johanna Schopenhauer Fernows leben (1810) 276. — von tieren:
ein hochgeweihetes hirschheer
wandelt langsam vorüber
Hölderlin 1, 45 Litzmann.
unbelebtes in wirklicher bewegung:
wann wandelt unter mir
kerkerrauch vorüber?
Schubart ged. (1825) 1, 116;
es wandelt der mond
mit den stillen sternen vorüber
E. M. Arndt 3, 19 Rösch-Meisner;
im windhauch, der die stillen gräser
vorüberwandelnd neigt
Mörike 3, 122 Göschen.
scheinbare bewegung: die sommergefilde wandelten vor ihm vorüber Jean Paul 7/10 H.in freier übertragung: zu solchem ... zweck läszt das epos gestalten vorüberwandeln Herder 24, 237 S.; (das genie) ist eine gegenwärtige oder schnell vorüberwandelnde gottheit Lavater in: schr. d. Goetheges. 16, 130; wenn man die grosze weltwirksamkeit ... des freien und tapfern volkes seinem geist vorüberwandeln läszt E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 469;
jedweder tag, den ich vorüber wandlen seh,
bezeichnet mein geschick mit einem neuen weh
samml. v. schauspielen (1764) 2, 39;
hundert monde sind vorübergewandelt
Klopstock Messias 16, 213.
vorüberwandelnd, prägnant, flüchtig, bald vergehend: (augen, die durch) einen vorüberwandelnden zug von leide nicht weniger anziehend wurden Storm (1899) 2, 147. —
vorüberwandern
Campe; zunächst von solchen, die sich auf einer fuszreise (wanderung) befinden, dann aber als gehobener ausdruck einfach von vorübergehenden: du wanderst vor einen bach vorüber Schupp schr. (1663) 232; nicht wie einheimische, sondern wie vorüberwandernde Göthe 25, 69 W.; in der ferne sah ich ... meinen vater vorüberwandern mit seinem schweren felleisen auf dem rücken G. Keller (1889) 3, 122;
besuchende freundin, so bitt ich,
wandre vorüber
Herder 26, 183 S.;
so erblickt ich auch dich, vorüberwandernd, Mykenä
E. M. Arndt 6, 61 Rösch-Meisner.
ungewöhnlich: in unwillen und bestürzung sah das volk sie (die österreichischen truppen) vorüberwandern Zschokke (1824) 9, 140. — mit dem dativ, vgl. oben 2 a: jetzt wandert mir ein freundlicher pilger vorüber Hölderlin 2, 60 Litzmann.übertragen: die schaumkronen der wogen, die ununterbrochen vorüberwanderten Vesper d. harte geschlecht 240. —
vorüberwanken
Campe; müde, schwankend vorüber gehen: während die reihen (des heeres) in gespenstischer stille an den sterbenden kameraden vorüberwankten Droysen gesch. Alexanders d. Gr. (1838) 474; da erblickte er (Karl d. Gr.) seine tochter unter ihrer schweren last vorüberwanken br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 74. — übertragen: vorüberwankende (flüchtige) erscheinung Hegel (1832) 16, 205. —
vorüberweben
leise vorüberziehen:
da webt der letzte schein
verwaist, verweht vorüber,
nun musz es dunkel sein
O. Ludwig (1891) 1, 91.
refl., übertragen: krankheit, kummer, elend und not, alles ... webte sich an mir vorüber D. v. Liliencron zehn novellen 151. —
vorüberwechseln
aus der jägersprache übertragen: wohl aber hast du dich in den regimentern umzuschauen, die da vorüberwechseln Laube (1875) 14, 125. —
vorüberwehen
Campe; zunächst vom winde, dann freier, trans. und intrans.: (im bilde:) dasz der himmel das ungewitter aus Teutschland bald möchte lassen vorüberwehen Bucholtz Herkuliskus (1665) 794; eben wehte ein lüftchen vorüber Herder 21, 339 S.; (wiesen,) aus denen der wind das geläute weidender herden vorüberwehte Eichendorff (1864) 2, 4; wenn der nachtwind ... an mir vorüberwehte Storm (1899) 1, 279.
von ihr vergessen
wie ein vorüber gewehter windhauch
Lenz ged. 127 Weinhold.
in freier anwendung: es kam ihnen ... oft mit erschrecken vor, als wehe der klingende flug abgeschiedener seelen vorüber Jean Paul (1826) 21, 187; ein goldner falter weht vorüber Stifter (1904) 1, 102;
wenn sonnen sich um axen drehn
und an der erd vorüberwehn
Schiller 1, 29 G.
vorüberweiden
betrachte die heerde, die an dir vorüberweidet Nietzsche (1895) 1, 283;
wo fromm das reh an dir vorüberweidet
Mörike 1, 136 Göschen.
vorüberweinen
hört davor (vor der hütte) die linde schauern
und den bach vorüberweinen
Lenau 98 Barthel.
vorüberweisen
'bei etwas vorüber zu gehen weisen' Campe.
vorüberwelken
ohne dich wäre mein leben in trägen weiblichen freuden
ruhmlos vorübergewelkt
Wieland I 3, 124 ak.-ausg.
vorüberwenden
in der folgenden stelle intrans.:
dasz ich sie so verkannt und sah nicht
immer auch noch im vorüberwenden
der liebe thräne
Herder 29, 507 S.
vorüberwettern
sehn getrost im sichern winkel,
wie der trosz vorüberwettert
Hepp Gerald (1892) 117.
vorüberwiegen
ein frischer ostwind wiege dich an der pommerschen küste vorüber Kotzebue dram. w. (1827) 6, 3. —
vorüberwinden
sich: windet sich dieser flusz ... an dem sitze des hohen priesters vorüber Ritter erdkde (1822) 2, 529. —
vorüberwirbeln
mit festhalten der vorstellung des sich drehens auf tanzende bezogen: wo die paare ... immer schneller vorüberwirbelten C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1902) 349. — ohne diese vorstellung: (individuen,) die da zu tausenden an mir (in Afrika) vorüberwirbelten Johst so gehen sie hin (1930) 135. — von leblosem: finstere schneestaubwolken wirbelten an den fenstern vorüber Rosegger I 1, 25. — Campe verzeichnet nur trans. gebrauch.
vorüberwischen
fürüberwischen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; hastig vorbeieilen: auf diese rede wischt er vor mir vorüber Bäuerle kom. theater (1820) 5, 30. — auf die zeit bezogen: ideo (du) lest den tag fur uber wischen Luther 20, 472 W.;
bis das die stund fürüber wischt
Fischart dicht. 1, 147 Kurz.
vorüberwogen
Campe (als wort der 'höheren schreibart'); zunächst vom wasser: der flusz wogte breit glänzend und zufrieden vorüber G. Keller (1889) 1, 373. — dann übertragen, mit der vorstellung einer in dauernder, wirrer bewegung befindlichen masse: immer bunter und bunter und bunter wogt die masse der spaziergänger bei mir vorüber E. T. A. Hoffmann 1, 11 Gr.; das treiben, das (auf der strasze) vorüberwogte Fontane I 4, 426. — in besonderer anwendung, den flug der taube charakterisierend: eine vorbeikreuzende schwalbe und eine vorüberwogende taube Jean Paul 15/18, 97 H.
vorüberwollen
Campe:
er (ein hund) will vorüber, nein, er stellt sich, knurrt
A. v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 114.
vorüberwünschen trans.,
wünschen, dasz etwas vorübergeht, zeitlich: ich kenne keinen monat, den man so rasch vorüberwünscht, wie den mai W. Jensen in dt. dichtung 11, 1ᵇ. —
vorüberwuschen
(d. h. wüschen), wie -wischen: aber was wider das fleisch ist, das lassen wir voruberwuschen (von 1525) akten u. br. zur kirchenpolitik Georgs v. Sachsen 2, 499. —
vorüberzerren
Campe: als ihn V. an einer gruppe vorüberzerrte Laube (1875) 15, 156.
vorüberziehen
fürüberziehen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; vor- ò fürüberziehen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 1460ᶜ; vorüberziehen Campe.
a)
trans. 'ziehend vorüberschaffen' Campe; gewöhnlich nur im eigentlichen sinne, Campe belegt übertragenen gebrauch durch eine stelle aus Jean Paul; refl.: sie zogen sich daher auf den leeren gängen des gartens an den spazierengehenden vorüber Eichendorff (1864) 2, 71.
b)
reich ist dagegen der intrans. gebrauch entwickelt.
α)
im eigentlichen räumlichen sinne besonders von einer durch gemeinsamen zweck oder ziel geschlossenen menge, so von truppen oder deren führer: dasz die Hussiten für Leipzig fürüber gezogen Binhardus thür. chron. (1613) 303; (es trägt sich zu,) dasz ein heer nahe bey einer besatzung des feindes vorüberziehen musz v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 166; der zapfenstreich zog vorüber Brentano Godwi (1801) 1, 197; wenn das kriegsvolk so an ihr vorüberzog Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 10; schweigend und schlagfertig zog das republikanische heer an dem russischen vorüber Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 130;
(er) liesz
sein edles heldenheer vorüber ziehn
E. v. Kleist bei Lessing 8, 36 M.;
und weiter im lande zu ernten,
zieht, vom frevel erhitzt, mit der beute der Perse vorüber
Hölderlin 1, 221 Litzmann.
geisterzüge: in den dunklen wolkenlagern schienen heerzüge verschwundener geschlechter vorüberzuziehen G. Keller (1889) 1, 400;
das wütend heer also genant
nach fasenacht sich do lasz sehen,
für uber zieh mit groszem heer,
sam obs ein könig und keyser wer
Eyering proverb. copia (1601) 1, 784.
β)
dann im allgemeinen gebrauch auf plurale oder kollektiva oder andere zusammenfassende ausdrücke bezogen: da sie aber fur Mysian uberzogen ap.-gesch. 16, 8; da sind andere leut für uber gezogen Agricola sprichw. (1534) 3ᵃ; alle vorüberziehenden ritter sollen zu diesem stechen ersucht werden Bucholtz Herkuliskus (1665) 92; (aus dem) palaste lauschte er den vorüberziehenden schnittern R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 249; stellte sich zur seite, um die glänzenden leute vorüberziehen zu lassen G. Keller (1889) 5, 193. — die ihre kleine tyrannei ungeahndet an den vorüberziehenden ausüben G. Forster (1843) 3, 355. — solange das chor der mädchen vorüberzog Bürger 257ᵇ Bohtz; eine vorüberziehende karavane Klinger (1809) 7, 218. freier: alles elend der menschheit zog in schrecklichen gestalten vorüber Sturz schr. (1779) 1, 136; in solchen und ähnlichen typen zog ... das polnische volksleben an ihm vorüber Meinecke leben d. generalf. v. Boyen (1896) 1, 56.
γ)
von einem einzelnen: keiner, so allhie fürüber gezogen Amadis 120 lit. ver.; (pilger,) der jenseit des flusses vorübergezogen war Fouqué d. zauberring (1812) 1, 4; (trompeten) begrüszten den truchsesz, der eben an dem musikchor vorüberzog Hauff (1890) 1, 49; um mit einem vorüberziehenden reiter einige worte zu sprechen Waiblinger d. Britten in Rom 88 Zoller;
(Eulenspiegel) stund ins selbig loch darnoch,
als der hertzog für über zoch
Fischart 2, 131 Hauffen;
gleich wie ein wandersman thut im fürüber ziehn
Opitz poeterei 34 ndr.;
zieh nicht so schnell vorüber
an dieser stillen haide
Lenau 48 Barthel.
im schiff fahrender:
der schiffer, der vorüberzieht
Schenkendorf ged. (1815) 188.
δ)
ebenso von tieren: da die helffanten hauffen weise pflegen füruber zuͦ ziehen Heyden Plinius (1565) 97; so irgents eyn wolff für uber gezogen ist Sebiz feldbau (1579) 629; gemelte herbstzeit der strichvogel ohne das bey uns vorüber ziehet Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) )( 4ᵃ; ein mit kohlensäcken vorüberziehender esel Gaudy (1844) 2, 75;
und über dem theater hin
sieht man in schwärzlichtem gewimmel
ein kranichheer vorüberziehn
Schiller 11, 246 G.;
der sybarit (ein reiher)
sah zwanzig hechte, karpfen, schleyen
vorüber ziehn
Pfeffel poet. vers. (1812) 3, 147.
ε)
in allgemeinem gebrauch mit der festgehaltenen vorstellung einer bewegung, einzelne anwendungen gern in bildern:
von dir, o Laura, fern, betracht ich weinend
den mond, der dort vorüber zieht
Miller ged. (1783) 22;
vorüberziehende wolken Bettine d. Günderode (1840) 1, 152; bittet er eine vorüberziehende wolke A. v. Humboldt kosmos (1845) 2, 117;
die wölklein ziehen über mir
wie lämmlein still vorüber
Schubart ged. (1825) 3, 48;
die wolke zieht in majestät vorüber ohne laut
Strachwitz ged. (1850) 121.
frei: sah in die nacht hinaus, die mit stürmischen wolken über den mond und die sterne vorüber zog H. v. Kleist 3, 326 E. Schm.im bilde: solche kleine wolken zogen bald vorüber, und wir lebten in der stille fort Knigge roman m. lebens (1781) 4, 51; (sie) erkannte sie (launen) als das, was sie waren, als vorüberziehende wolken W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 1, 318. — von wetter, gewitter, sturm: man sahe die gewitter vorüberziehen, und auf ihnen den herrn der gewitter Herder 12, 313 S.im bilde: bis dieses lermen still wird, bis dis wetter fürüber zeucht Faber thesaur. (1587) 759ᵇ; (könig Heinrich) theilt die vorüber ziehenden wetter aus einander maler Müller (1811) 1, 192; da ich merkte, dasz sie händel suchten, trat ich bei einem apotheker ein und liesz den sturm vorüberziehen Göthe 43, 225 W.duft, geruch: (dasz) der geruch einer bürgerlichen küche spurlos an den miszbrauchten nasen vorüberzieht Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 293. — vom wasser: an dem schönen flusse, der eine halbe stunde von Seldwyl vorüberzieht G. Keller (1889) 4, 74; im bilde:
tugendhafte — die den strom der laster
fürchterlich vorüberziehen sehn
Schubart leben u. gesinn. (1791) 2, 103.
strom und strasze: auch an der basilika sanct Paul sollte statt der schönen, breiten stromfläche ... nur eine staubige landstrasze vorüberziehen? Gregorovius wanderjahre in Italien 2 (1904) 164. — oft von schiffen: aber die segel zogen wie stumme schwäne vorüber Eichendorff (1864) 3, 230; (sie) blickte einem vorüberziehenden dampfschiffe nach Storm (1899) 1, 42; dann und wann ziehn ein paar grosze spreekähne vorüber Fontane I 5, 196. — wagen: die heimkehrenden gespanne zogen an ihm vorüber Freytag (1886) 4, 335. — scheinbare bewegung: die beiden pyramiden der Mädelegabel ... zogen langsam an meiner rechten seite vorüber H. v. Barth Kalkalpen (1874) 251.
ζ)
von allem, was das auge oder das ohr nach und nach aufnimmt: als wäre ein schattenspiel vor ihm vorübergezogen G. Büchner nachgel. schr. (1850) 202; es zieht dann ein stück der leidensgeschichte mit bewegung und rede an uns vorüber Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 55. — Dresdens herrlichkeiten, die ... wie ein zaubermärchen an ihm vorübergezogen waren Justi Winckelmann (1866) 1, 185. — prägnant: der in den pausen ruhig sein brot asz und die gespräche an sich vorüberziehen liesz Winnig frührot (1926) 257.
η)
von der zeit und dem verlauf in der zeit: er vertraute der lindernden, vorüberziehenden zeit Göthe 20, 381 W.; der mittag war unterdesz durch die kühlen waldschluften fast unvermerkt vorübergezogen Eichendorff (1864) 2, 12;
wenn sie vorüberzögen
geräuschlos meine tage
Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 280.
mein leben ist wie ein gewitter schön und schrecklich vorübergezogen Eichendorff (1864) 3, 291. — in besonderer anwendung: vor jahren wäre solch ein buch noch ohne sang und klang vorübergezogen briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 266.
θ)
innerer vorgang: die gedanken kommen und gehen, sie ziehen wie zugvögel vorüber Herder 23, 240 S.; (ich) sah nun, wahrhaft gerührt, mich vor mir selbst, in einer langen reihe von vorsätzen, gefühlen, gesinnungen und thätigkeiten, flieszend, vorüberziehen Göthe IV 34, 188 W.; liesz unter behaglichen träumen alles an sich vorüberziehen, was der tag gebracht hatte Fontane I 6, 36;
wie leichte wolken vor der sonne,
so zieht mir vor der seele leichte sorge
und bangigkeit vorüber
Göthe 10, 70 W.;
grabgedanken
zogen schwarz in mir vorüber
Müllner dram. w. (1828) 2, 12.
ι)
mit besonderer betonung des flüchtigen: (den) plötzlich aufsteigenden und schnell vorüberziehenden thorheiten G. Forster (1843) 6, 63; das seye nur krankheit und vorüberziehender wahnwitz bei ihm Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 82.
κ)
einzelnes; in älterer sprache nicht beachten vom schriftsteller: welcher die stück ... verblümet, glosiert und verkert, oder gar stillschweigend fürüberzeucht, als ob er nichts davon wisse Vergerius des babsts kindbet (1560) b 2ᵇ. — mit dem dat. verbunden in örtlichem sinne, vgl. oben 2 a: (da) Kain der Thirza, der er gemal, liebling und bruder erschlagen, vorüberzeucht Herder 6, 169 S.übertragen:
die wölln armut fliehen,
dem kummer wöln fürüber ziehen,
verlieren dadurch die freiheit holdt
B. Waldis Esopus 1, 82 Kurz.
vorüberzittern
Campe:
lausch ich des hügels leisem quell,
der, dunkel hier, dort silberhell,
wie der west die zweig erschüttert,
rasch ins thal vorüberzittert
Voss ged. (1802) 6, 217.
vorüberzucken
zunächst von schärfster, blitzartiger bewegung: ein glühender blitz zuckte vorüber Gotthelf ges. schr. (1855) 3, 48; als ob ein jäher feuerschein wie eine stichflamme an den beschlagenen fenstern vorüberzuckte W. Weigand d. rote flut (1935) 24; im bilde:
denn warum riefen die allmächtigen
aus ihren tiefen einen strahl wie diesen,
so er vorüberzuckend hinter sich
nur nacht und öde lassen sollte?
Immermann 19, 207 B.
dann freier: vor einem fernen kometen ... zuckten wir vorüber Jean Paul (1826) 56, 148; das spielende verweilen und vorüberzucken der rotbetupften fischlein zu beobachten W. Weigand d. löffelstelze (1919) 68. —
vorüberzücken
sprachwidrig intrans. gebraucht:
sie wird mit sehnsuchtsblicken
an euch wie maies wehen
so süsz vorüberzücken
Brentano (1852) 2, 241.
vorüberzwicken
von hasen, schnell vorüberjagen: wie erfahrene jäger weithin auf vorüberzwickende hasen schieszen Gotthelf ges. schr. (1855) 7, 116.
9)
zusammenfassung; mit dem dat. in örtlicher anschauung (s. oben 2 a) verbinden sich vorübereilen, -fliegen, -fliehen, -hüpfen, -huschen, -kleppern, -quellen, -rauschen, -reiten, -sausen, -schiffen, -spazieren, -sprengen, -streichen, -wallen, -wälzen, -wandern, -ziehen, mit dem akkus. in gleichem sinne (vgl. oben 2 b) vorübereilen, -fahren, -fliegen, -fliehen, -gleiten, -jagen, -kommen, -lächeln, -rollen, -schwanken, -schweben, -segeln, -sein, -streichen, -streifen, -treiben, -trinken, -wandeln. — als kühnere zusammensetzungen sind zu beachten vorüberblühen, -denken, -glühen, -grinsen, -hören, -jubeln, -keifen, -klagen, -klingeln, -klingen, -knixen, -lächeln, -lachen, -leben, -leuchten, -quellen, -raufen, -schimmern, -schlagen, -schmettern, -schreien, -schwellen, -sterben, -tönen, -träumen, -weinen, -welken, -wettern, -zittern. — zu 7 (vorüber im sinne von vornüber, vgl. vorüberlegen, -senken.
10)
vorüber als erstes glied in zusammensetzungen mit einem subst. (s. vorübergänglich);
vorüberfahrt f.
Campe: wenn denn gar selten so viel dünste und dämpfe bei währender trajection (oder vorüberfahrt) zusammenstoszen, dasz so viel kometenkerne daraus formirt werden möchten Er. Francisci d. eröffnete lusthaus (1676) 1226; vorüberfahrt an Timbuctu (auf dem Niger) Ritter erdkde (1822) 1, 1075; während der vorüberfahrt des zuges Lueger lex. d. ges. technik (1894) 7, 901;
ich habe doch genug des schönen aller art
auf dieser eiligen vorüberfahrt gewahrt
Rückert (1867) 8, 633.
vorüberflug m.,
im eigentlichen sinne: auf den vorüberflug der vögel achten Campe; nur ein finke, wie in eiligem vorüberfluge, schlug nahe an unserem wege seine vollen töne an G. H. v. Schubert selbstbiographie 2 (1855) 266;
sanft, wie vom vorüberfluge
eines engels, weht die luft
Tiedge (1823) 4, 79;
in kühner übertragung: sie hatte solche weder dem vorüberflug ihrer funkelnden augen, noch den gleich vergänglichen tönen ihres mundes zu verdanken Thümmel reise 10 (1805) 395. — am häufigsten wohl in der verbindung im vorüberfluge, womit ein augenblick des vorübereilens bezeichnet wird, entweder mit festhaltung einer räumlichen anschauung oder freier ohne diese; nahe der eigentlichen vorstellung: blitze, welche durch die finsternis fuhren und im vorüberflug eine theure gegend erleuchteten Gutzkow (1872) 6, 292;
es ist ein land voll träumerischem trug,
auf das die freiheit im vorüberflug
bezaubernd ihren schatten fallen läszt
Lenau 80 Barthel.
auffallend von einer schwimmenden meermuschel:
gliedmaszen blieben ihm frei immer noch genug,
zu haschen einen raub auch im vorüberflug
Rückert (1867) 8, 429.
von menschen: (er behauptet,) an felswänden rohe sculpturen von hohem alter, wenn auch nur im vorüberfluge, gesehen zu haben Ritter erdkde (1822) 9, 968; es hätte nicht viel gefehlt, so hätte ich sie im vorüberflug an mein herz gezogen Gutzkow d. ritter v. geiste (1850) 6, 357; nicht flüchtig und im schnellen vorüberfluge hat er (Görres) land und leute betrachtet bei Görres (1854) 5, 346;
als auf seinem kühnen zuge
er (Ferdinand) aus Böhmen brach hervor,
streift er im vorüberfluge
bis an seines Braunschweigs thor
Rückert (1867) 1, 83.
dann verblassend: nichts ist so nützlich, das im vorüberfluge nutzen gäbe Bode Montaigne (1793) 6, 369; durch eine an mehrern stellen im vorüberfluge angedeutete und durchschimmernde vergleichung Fr. Schlegel (1846) 3, 126; dienste, welche nur im vorüberfluge den leistenden vortheile abwerfen Gutzkow (1872) 9, 115. —
vorüberflusz m.,
ungewöhnlich, als vorgang: (der strom nimmt) an seinem vorüberflusz bei Ooch an breite bis 800 schritt zu Ritter erdkde (1822) 7, 40. vorübergang, m. Campe; vgl. fürübergang teil 4, 1, 1, sp. 926 (nur ein beleg aus Schupp); entsprechend dem eigentlichen sinne von 'gehen': sein beinkleidchen und sein röckchen und alles salzte die weiber im hause blosz durch den vorübergang (des trägers) zu Lothischen salzsäulen ein Jean Paul I 6, 86 akad.-ausg.; (ein gaunerzeichen) zeigt den vorübergang und die zahl der vorübergezogenen genossen an Avé-Lallemant (1858) 2, 63; gott grüsz dich, krämerin, sprach sie im vorübergang br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 115; (der) die arme ausbreitete, um ihr den vorübergang zu wehren W. Weigand d. ewige scholle (1927) 406;
hüpfen möcht ich vor freuden, gedenk ich der blicke voll anmuth,
wenn im vorübergang mich zärtlich vom fenster sie grüszt
Hegner ges. schr. 5, 250.
freier dann von bewegung aller art: bei dem vorübergange der cometen vor einem sterne A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 110; (rollbrücken,) welche ... beim vorübergange des gestelles in den schachtstosz hineingedrückt werden Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 408;
(dasz) ein gestirne dem andern
ruf im vorübergange: da liegt er gestürzt, der empörer
Klopstock Messias 5, 28.
besondere wendung: (eine frau) habe beim vorübergange der leiche die worte gesungen ... Brentano (1852) 5, 67. — die verbindung im vorübergang übergehend in die übertragene bedeutung:
und wenn ich glühend weinte,
verzweiflung mich zu singen zwang,
da lobten mich die freunde
hohnlächelnd im vorübergang
Brentano (1852) 1, 486.
übertragen zur bezeichnung geringer beachtung oder im sinne von nebenher: von welcher (der römischen verfassung) wir nicht schlechtlich, noch wie in einem fürübergang reden Xylander Polybius (1574) 49; und musz ich solches im vorübergang erinnern, damit ichs hernach nicht vergesse Widerhold beschr. d. sechs reisen (1681) 1, 269ᵇ. — von der zeit und dem verlauf in der zeit:
merkt den vorübergang der theuren stunden nicht
Dusch verm. w. (1754) 349.
wie verwundungen in der starrsucht erst nach dem vorübergang der letztern schmerzen Jean Paul 3, 62 H.; den glücklichen vorübergang der operation Brentano (1852) 8, 285; (sie) erwarteten nur vorübergang der gefahr Zschokke (1824) 30, 163. — hiervon abgeleitet vorübergänger, m., der vorübergehende, fürübergänger fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926: damit es (ein tier) die fürübergänger anlokket und nachmals ertapfet Neuhof d. gesantschaft (1666) 27ᵇ; dasz die vorübergänger genöhtiget werden, stille zu stehen Zesen beschr. d. stadt Amsterdam (1664) 235; als in der nähe der ersten stadthäuser vorübergänger ihn scharf ansahen Hans Grimm volk ohne raum (1928) 1, 176. —
vorübergänglich adv.,
im vorübergange, nebenher: unsere hofdamen ... erzählten davon, doch nur vorübergänglich Göthe IV 42, 71 W.dagegen im sinne von 'für eine zeitlang, vergänglich':
wenn diesem nicht die götter, wie sie öfter tun,
für wenige zeit nur wundernswürdige gestalt,
erhabnen anstand, liebenswerte gegenwart
vorübergänglich liehen, wird ihm jedesmal,
was er beginnt, gelingen
Faust 9185.
vorübergeher m.:
wo manche störung und beschwerde
ihm schufen die vorübergeher
Rückert (1867) 2, 173.
vorübergehung f.,
übertragen, wie sonst übergehung: mit vorübergehung der eignen sage bei Fr. Schlegel dt. museum 4, 374; mit vorübergehung der regierung das volk in den gemeinden aufzustiften Zschokke (1824) 1, 170. —
vorüberhaster m.,
eilig vorübergehender:
dein sonnenschirm trifft ab und zu das pflaster,
ein klang im lärme der vorüberhaster
D. v. Liliencron (1896) 8, 77.
vorübergroszvater m.,
urgroszvater: so wisse, dasz mein vorübergroszvater ein vornehmer bürger in Kronstadt gewesen quellen zur gesch. d. stadt Kronstadt 5, 626. —
vorüberlauf m.
(fürüberlauf fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926), ein rasches vorübergehen, auch übertragen: trascorso, passato durchgang, füruberlauff Hulsius (1618) 2, 418ᵇ; sie haben das nur im fürüberlauff (obenhin, beiläuffig) gemeldet Aler dict. (1727) 1, 814ᵃ;
nichts achtet es der baum, fest umwurzelt, tief gegründet,
wan ein reglein sich anfindet
und ein kleiner wind herweht: jenes frischet ihn nur auf,
dis ist ein vorüberlauf
Schottel vor J. v. Glasenapp evang. weinberg (1651).
vorüberläufer m.,
schnell vorbeieilender: für den unverständigen vorüberläufer ward sie (die parthische schrift) ohne das nicht in den palast gesetzt Herder 24, 469 S.
vorüberpassierung f.,
in der folgenden stelle zeitlich: welcher mensch langsam und mit fürüberpassierung (fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926) eines tags nach dem andern zu willen ist, der thuts nit von hertzen Lehman floril. polit. (1662) 4, 160. —
vorüberreise f.:
(stelle,) von der auch Eli Smith bei seiner vorüberreise als einer vulkanischen sprechen gehört Ritter erdkde (1822) 15, 890; aufforderung, einen alten kriegskameraden bei dessen vorüberreise einen augenblick zu sprechen Laube (1875) 14, 212. —
vorüberritt m.:
der einzige reisende, der ... diese orte im flüchtigen vorüberritte besucht hat Ritter erdkde (1822) 15, 893. —
vorüberschiffung f.,
fürüberschiffung, praeternavigatio Stieler 1792; im transitiven sinne von vorüberschiffen: gravamina ... wegen der vorüberschiffung und niederlage des herings Micrälius altes Pommerland (1640) 587; dagegen intrans.: bei unser vorüberschiffung von Hali Ritter erdkde (1822) 12, 192. —
vorüberseglung f.:
wo man seit 1816 kein anderes europäisches schiff wieder gesehen hatte, seine vorüberseglung ... aber noch in frischem andenken war Ritter a. a. o. 4, 544. —
vorübertrab m.,
vorüberzug:
sobald er den vorübertrab
Christi und seines volcks vernam
Stör geistl. schimpf u. ernst (1602) b 6.
vorüberwanderer m.:
auf den platz, wo ein erschlagener gefunden wurde, warf jeder vorüberwanderer einen stein Fr. L. Jahn 1, 328 E.
vorüberzug m.;
fürüberzug fehlt teil 4, 1, 1, sp. 926; im örtlichen sinne: beim vorüberzug hält der falsche Demetrius an Schiller in: schr. d. Goetheges. 9, 201; (er) vermied bei seinem vorüberzuge ... die stadt, weil die pest darin wüthete Ritter erdkde (1822) 8, 528;
jetzt ein verrätherischer strand,
wo im vorüberzug die kaufmannsschiffe weilen
Schiller 6, 348 G.
dunkle oder lichte schatten, die im vorüberzuge etwas wie eine absicht des dunklen gottes offenbarten W. Weigand d. gärten gottes (1930) 366. — von tieren: an der dorffrüde bellen des wolffs füruberzug zu erkennen Sebiz feldbau (1579) 629. — in freier anwendung: Walt heftete das von dem vorüberzuge unsers malenden und gemalten lebens gerührte seelenauge auf den wetterscheidenden berg Jean Paul 20/23, 250 H.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1939), Bd. XII,II (1951), Sp. 1803, Z. 18.

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Zitationshilfe
„vorübertaumeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vor%C3%BCbertaumeln>, abgerufen am 04.08.2020.

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