Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

voran, adv.

voran, adv.,

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voranarbeiten · voranbedeuten · voranbedenken · voranbefehlen · voranbegeben · voranbeten · voranbewegen · voranbinden · voranblitzen · voranblühen · voranbrausen · voranbringen · vorandrängen · vorandringen · vorandrucken · voraneilen · voranfahren · voranfallen · voranfechten · voranflattern · voranfliegen · voranfliehen · voranflieszen · voranführen · vorangehen · voranheften · voranhelfen · voranherrschen · voranhetzen · voranholpern · voranhumpeln · voranhuschen · voranjagen · voranjauchzen · vorankeuchen · voranklettern · voranklingeln · voranklingen · vorankommen · vorankriechen · voranlassen · voranlaufen · voranleben · voranlegen · voranleuchten · voranliegen · voranlocken · voranmachen · voranmähen · voranmarschieren · voranmögen · voranmüssen · voranprangen · voranprellen · voranragen · voranreisen · voranreiten · voranrennen · voranrollen · voranrücken · voransagen · voransäuseln · voranscheinen · voranschicken · voranschieben · voranschiffen · voranschlagen · voranschlieszen · voranschreiben · voranschreien · voranschreiten · voranschweben · voranschwimmen · voransegeln · voransehen · voransein · voransenden · voransetzen · voransingen · voransitzen · voransollen · voranspannen · voranspazieren · voranspielen · voransprengen · voranspringen · voranstapfen · voranstarren · voranstechen · voranstecken · voranstehen · voransteigen · voranstellen · voranstemmen · voransterben · voranstoszen · voranstreben · voranstrecken · voranstreifen · voranstreiten · voranstreuen · voranstürmen · vorantanzen · vorantaumeln · voranthun · vorantönen · vorantraben · vorantragen · vorantreiben · vorantreten · voranweben · voranwehen · voranweisen · voranwerfen · voranwissen · voranwollen · voranzerren · voranziehen · voranzünden · voranbereit · voranesser · vorangänger · voranhin · voranitzo · voranläufer · voransager · vorantritt
mit dem ton auf der zweiten silbe; älter ist füran, s. dieses th. 4, 1, 1, sp. 655; voran, gehe v., i prae Stieler 46; voran, ante, antea Steinbach 1, 22; voran 'schlieszt meistens eine voran gehende bewegung ein, da mehr darauf folgen' Frisch 2, 407ᵃ; Adelung tadelt die zusammenschreibung mit verben, Campe dagegen bringt eine grosze anzahl solcher trennbarer zusammensetzungen als selbständige stichwörter. vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1641; schweiz. idiot. 1, 257; Christa Trierer ma. 2, 211ᵇ; Rovenhagen Aachener ma. 157; wb. d. Luxemb. ma. 471ᵃ; Bauer-Collitz 36ᵃ; ten Doornkaat-Koolman 1, 537ᵃ; Schmidt-Petersen 47ᵃ. — im schweiz. begegnet die form voranen:
(er) müsz mir die hend voranen schmieren
Bächtold schweiz. schausp. d. 16. jh. 2, 134.
aus voranhin, s. Fischer 2, 1641.
1)
die bedeutungsentwicklung geht von der räumlichen vorstellung aus, dasz jemand oder etwas vor einem andern sich befindet, ob in ruhe oder bewegung, hängt von dem zusammenhang ab, besonders aber von dem sinn der verben, mit denen sich voran enger oder loser verbindet. es kann einfach die bewegung nach vorwärts von einem anfangspuncte aus gemeint sein, vgl. z. b. vorankommen im übertragenen sinne (ich bin mit meiner arbeit, meinem buch nicht vorangekommen, wie nicht vorwärts gekommen), auszerordentlich beliebt aber ist in der neueren sprache bei verben der bewegung die verbindung mit der vorstellung von zurückbleibenden oder nachfolgenden. hier kann der dativ eintreten: die kenntnisz der krankheit muszte der heilung vorangehen Schiller schr. 4, 32 G.; voran kann dabei wie eine präposition behandelt werden: die frau war uns v. ins haus gegangen Storm w. (1899) 5, 167;
geist unsers Ferdinand, voran dem zug!
Körner w. 1, 123 H.;
voran ihm spürt ein kluger hund
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 42.
2)
der elliptische gebrauch im sinne von an der spitze, andern voraus führend ist sehr häufig; die vorstellung einer bewegung, im eigentlichen oder übertragenem sinne, ist zu ergänzen: durch diesz kleine fenster: den kopf v. und die übrige schlange strotzte drauszen Gerstenberg Ugolino s. 220 d. nat. lit.; ein liebesgott mit brennender fackel v. war sein führer Bürger w. 253ᵇ Bohtz; die unteren zogen, St. Cristoph v., paarweis zum saale hinaus Göthe w. 25, 75; alle guten köpfe, Wangenheim v., wandten sich gläubig dem neuen sterne zu Treitschke hist. polit. aufs. 1, 200;
ein heer versoffener husaren,
voran sn gnaden herr major
Schiller schr. 1, 276 G.;
um eines hügels dürren fusz hervor
trabt rasch ein schweiszbedeckter kriegerchor,
voran ein ritter auf bestäubtem schimmel
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 235.
nach vorn: drinnen fiel er auf die erde, das gesicht v. G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 50. — auffordernd, für uns ungewohnt im sinne von vorwärts:
die binde fiel, ich sah ein sanftes licht;
doch jener trieb: voran! voran! voran!
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 109;
immer langsam voran,
immer langsam voran,
dasz der östreichische landsturm nachkommen kann
der spruch soll aus der zeit der freiheitskriege stammen; immer langsam v., altes schweinsledernes porcus juris Gutzkow ritter vom geiste 1, 20. — substantiviert: es ist ein sehr langsames v. Hans Grimm volk ohne raum 1, 552; im nd. wird ein superl. de föranste gebildet ten Doornkaat-Koolman 1, 537ᵃ; ein adj. voranig ist bezeugt bei Unger-Khull steir. wortschatz 246ᵃ. — in besonderer wendung: weil aber diese einen guten sprung v. (jetzt voraus) hatten Lohenstein Arminius (1689 ff.) 2, 1053ᵃ.
3)
ohne die vorstellung einer bewegung, vorn, an der vorderen seite schweiz. idiot. 1, 257; auch übertragen: es lit vorā, bei der hand, ist leicht zu finden ibid.; dän ös nöt hönne (hinten) wi viren Christa Trierer ma. 2, 211ᵇ. — als der scorpion schmaychelt v. mit dem mund und hinden sticht er mit dem swantz Tauler sermones (1508) l 1ᵃ; v. war ein dunkler spiegel zu sehen Nicolai reise (1783 ff.) 1, 271; die halle von jonischen säulen v. giebt ihr (der kirche) ein gut ansehen Heinse w. 7, 93 Sch.; v. sieht man sich endlich um Schiller schr. 4, 340 G.dieser gebrauch ist veraltet.
4)
ebenso ist veraltet die anwendung in der zeit, früher, vorher, vorweg, im voraus, zuerst; es kann in dem früher als eine bevorzugung liegen, damit ist der übergang zu der folgenden bedeutung (5) eingeleitet: praecidaneus, das man zu erst oder v. schlachtet Calepinus dict. XI ling. (1598) 1125ᵃ; gott gefallen des menschen werck nicht, der mensch gefal yhm denn v. Luther w. 15, 112 W.; die nachhin lachen, lachen ebenso wol als die v. sprichwörter (1548) 45ᵃ; ihrem beduͤncken nach aber würde es dem Germanicus ein leichtes seyn, diese ölzweige seinem ungeschickten nachfolger v. weg zu nehmen Lohenstein Arminius (1689 ff.) 2, 1326ᵃ; v. also will ich sagen, dasz unsre kleine sang- und klanggesellschaft ... wieder auferstanden ist Göthe br. 27, 172 W.;
(der sohn) wüszt ouch voran, das es müszt sin
Bächtold schweiz. spiele d. 16. jh. 3, 270;
soll man dich schneyden, lieber gsell,
so must du dich dem artzt voran
ergeben für ein todten man
H. Sachs fastn. sp. 1, 136 ndr.;
die sach ich dir nit bergen kan,
ob du gleich alles weist voran
Spreng Ilias (1610) 8ᵇ;
fürsten wollen keinen diener, der da wil voran verkünden,
was auff ihr verkehrtes wesen für verterben sich wird finden
Logau sinnged. 200, 75 E.;
so wil ich ihr voran
die neue liebste sagen
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 73 ndr.;
doch schlägt die stunde des abschieds,
wünsch ich (ein grab spricht) den älteren mir stets vor dem jüngern voran
Herder w. 26, 40 S.;
bereitung braucht er nicht voran
Göthe Faust 1445.
vor allem vorweg, besonders im briefstil, in der begrüszung u. ä.: mein fruntlich willich dinst v., lieber burgermaister urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 34 lit. ver.; schönen guten abend, dem herrn schulz, allen ehrsamen alten männern v. und dann auch den feinen jungfrauen und ehrsamen junggesellen maler Müller w. (1811) 1, 294; ebenso in andern verbindungen:
ja mir allein du es dancken solt.
hey, gott vor an, und auch als dann
mein gtrewen pferden
Hayneccius Hans Pfriem 35, 887 ndr.
substantiviert, in besonderer wendung auf die zukunft bezogen: der also hauszhelt, das er auff ein v. gedencket Mathesius Sarepta (1571) 25ᵃ; vgl. füran 2, b th. 4, 1, 1, sp. 656.
5)
die bedeutung besonders, vor andern, vor allen, die ebenso aus der räumlichen wie aus der zeitlichen anwendung (s. den übergang unter 4) sich entwickelt, ist besonders in älterer sprache sehr beliebt, s. Fischer schwäb. wb. 2, 1641; item zuͦ der zeit ist in ainem rath alhie ain solche hochbrächtigkeit gewesen, v. in den burgermeistern d. städtechron. 29, 72 (Augsb.); seltene gaben und kräfte, v. ein unbeugsamer mut fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873 ff.) 3, 392;
bisz gastfrey, milt frey jederman,
doch mehr deim freund, dir selbs voran
sprichw. (1548) 178ᵃ;
ein dieb ist ein schendlicher mann;
aber ein verleumbder voran
ist viel schendlicher mit seim maul
H. Sachs 19, 21 G.;
ists nicht ein wunderding voran,
das die warheit nirgend bleiben kan?
Petri d. Teutschen weiszheit (1604 ff.) 2, K k 7ᵇ;
Achilles du geliebter mann,
Jovi dem höchsten gott voran
(διίφιλε Α 74)
Spreng Ilias (1610) 3ᵃ;
mögen wünsche für dein glück
tausendfach (im stammbuch) erscheinen;
grüsze sie mit heiterm blick
und voran die meinen
Göthe w. 2, 163 W.
6)
veraltet ist zu voran: als zuͦ v. die münch, die wöllen ieder orden die meisten heiligen haben Schade sat. u. pasqu. 2, 30; allen inwohnern Jtalie, zuͦvoran aber den Romern Xylander Polybius (1574) 90; disz klein werck ..., dasz ich dir, und zu v. unsern hocherfahrnen meister Ulrichen Zwingly sonderlich zuentbeut Paracelsus opera (1616) 2, 637 a; im zeitlichen sinne:
(die seele, die) jetzt schon zuvoran
woraus sie kommen ist, im himmel wohnen kann
Opitz (1645) 1, 65.
7)
die losen verbindungen von v. mit verben, wobei vorausgestelltes v. mit den verbalformen bisweilen zusammengeschrieben wird, lassen sich nicht erschöpfen; Adelung wendet sich gegen die zusammenschreibung: 'es ist sehr unrichtig, und wieder die analogie der sprache, wenn viele dieses voran und andere ähnliche partikeln mit dem folgenden zeitworte zusammenziehen'. Campe dagegen bringt eine unzahl zusammengeschriebener infinitive als stichwörter, wobei er vor allem variationen zu den verben der bewegung, trans. und intransitive besonders auch 'niedrige, aber deshalb noch nicht verwerfliche wörter' anhäuft, z. b.: voranhopsen, -humpeln, -hutschen, -kollern, -kugeln, -kutschen, -pilgern, -preschen, -rudern, -rumpeln, -rutschen, -schieszen, -schleichen, -schlendern, -schleppen, -schmeiszen, -schnauben, -schwanken, -schwingen, -schwirren, -stapeln, -stiefeln, -stolpern, -strudeln, -stürzen, -toben, -torkeln, -trappeln, -trippeln, -trollen, -trotten, -eln, -wackeln, -wandeln, -wandern, -watscheln, -zotteln u. ä. auf solche wörter ist nur rücksicht genommen, wenn sich beachtenswerte belege finden. die vorstellung des bewegens oder bewegtseins braucht nicht unmittelbar ausgedrückt zu sein, vgl. die verbindung mit können, machen, lassen, müssen, sollen, wollen; es kommen auch gewagtere verbindungen vor, z. b.;
so träumte und so schlief ich halb voran (im vorwärtsschreiten)
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 111.
vgl. noch unten voranbeten, -blitzen, -blühen, -fechten, -keuchen, -leben, -mähen. — im allgemeinen wird die vorstellung eines vorderen, voraus seienden und eines zurück seienden oder folgenden im neueren sprachgebrauch festgehalten, doch kann sie auch verdunkelt sein oder ganz schwinden; voran hat dann den sinn von nach vorn, vorwärts (s. voran 3), vgl. voranarbeiten, -machen, -rücken, -schreiten, -stapfen, -zerren, -ziehen; seltener ist die bedeutung vorn, s. -binden, -weben; auch die zeitliche bedeutung (s. voran 4) ist selten und gehört mehr der älteren sprache an, s. voranbedenken, -klingeln, -liegen, -sagen, -schieszen, -sehen, -sterben, -wissen.
8)
beispiele für die verbindung von voran mit verben:
voranarbeiten
sich: man arbeitet sich doch durchs leben v. A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 47. —
voranbedeuten
ritter Carl läszt euch tausendmahl grüszen und durch mich v. bedeuten, dasz er in ein paar stunden ... hier eintrifft (die botschaft soll dem kommen vorauseilen) maler Müller w. (1811) 3, 245. —
voranbedenken
praecogito, v. bedencken, zuvor betrachten Calepinus dict. XI ling. (1598) s. oben unter 4. —
voranbefehlen
alles fleiszes voranbefohlener maszen zu inquirieren verh. schles. fürsten u. stände 8, 278, s. oben unter 4. —
voranbegeben
sich, sich vor andern, vorn an die spitze derselben begeben Campe.
voranbeten
seit dieser zeit dürfen die weiber ... beim rosenkranz v. (im gebet führen) quelle bei Fischer schwäb. wb. 2, 1641. —
voranbewegen
sich Campe: der zug bewegte sich nur langsam v. Rosegger schr. (1895 ff.) II 14. 69; hierzu: (bei jeder) voranbewegung wird das schwanzende in die höhe gehoben Brehm thierleben (1890) ff. 10, 341. —
voranbinden
praeligare Maaler 474ᶜ; Campe, s. oben unter 3. —
voranblitzen
es (dieses schwert) blizte dem gekreuzigten voran
Schiller dom Karlos 2, 6.
voranblühen
der jüngste, die blume von allen, so blüht er voran
Arndt w. 6, 217 R.-M.
voranbrausen
Campe.
voranbringen
vorwärts bringen, übertragen: er hat sein geschäft tüchtig vorangebracht. —
vorandrängen
Campe; vorwärtsdrängen: v. drängt sie in seine arme maler Müller w. (1811) 1, 190; refl.:
obgleich dein leben
auf deiner lippe schon entfliehend schwebt,
dräng ich mich doch im tode dir voran
Schiller Phädra 1, 3.
vorandringen
Campe; dem fähndrich, der v. dringt, stöszt er das breite schlachtschwert in die hüften maler Müller w. (1811) 1, 373;
die arthalarey voran thet dringen
Schmeltzl zug in d. Hungerland (1556) a 3ᵃ;
der held dringt kühn voran, der schwächling bleibt zurück
Schiller schr. 11, 206 G.
vorandrucken
vor etwas anderes drucken: sie (die subscribenten) dem ersten heft dieser Thalia v. zu lassen Schiller schr. 3, 596 G.; in älterer form: also hab ich, wie im latein, auch im deutschen, v. drücken lassen, das hoc age Hayneccius Hans Pfriem 6 ndr.
voraneilen
praecelero v. oder für eilen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1124ᵃ; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 336ᵃ; Campe; im eigentlichen sinne: mit starken armen umfaszt er ihn ... und eilt rüstig v. maler Müller w. (1811) 1, 365; die erste ging Regina, ungeduldig, hastig, voraneilend Holtei erz. schr. 4, 38;
(Kleophas) eilte voran, ein mahl zu bereiten
Klopstock Messias 14, 485.
mit dem dat.: so eilten zuerst die berühmtesten krieger den übrigen v. Ratzel völkerkunde (1885) 2, 208. sehr oft so übertragen: in wahren, vielseitig-nützlichen einsichten ist der staat der kirche ..., vorangeeilet Herder w. 23, 127 S.; wie so frühe die bäume dort (am Rhein) sich belauben und das junge gras dem frühling voraneile aus der erde Hauff w. (1890) 2, 312; der ruf seiner tapferkeit war ihm längst nach Paris vorangeeilt Eichendorff w. (1864) 3, 349; ohne dativ:
langsam gehe dir, freund, die freundin entschlieszung zur seite;
eilt sie voran: so holt bald auch die reue sie ein
Herder w. 26, 72 S.;
die vorangeeilte, wissenschaftliche erdkunde Ritter erdk. (1817) 1, v; sein gedicht, so rasch es voraneilt Scherer litt. gesch. 120. —
voranfahren
voranfahren, passar avanti colla carozza Kramer teutsch-it. dict. 1 (1700) 324ᶜ; ich will v. faren Schaidenreiszer Odyssea (1537) 25ᵇ; ich fuhr allein v. Arndt w. (1892) 1, 123. —
voranfallen
Campe.
voranfechten
weil kühn voran er stets im treffen focht
(ἐπεὶ θοὸς ἔσκε μετὰ πρώτοισι μάχεσθαι E. 536)
Bürger w. 164ᵇ Bohtz.
voranflattern
das irrlicht begann voranzuflattern wie ein blitzblauer falter Rosegger schr. (1895 ff.) II 13, 393; übertragen: ich würde es mir nimmermehr vergeben, wo ich so manchem voranflatternden weibe leichtsinnig nachflatterte Sonnenfels ges. schr. (1784) 5, 58;
die wünsche, die hoffnungen flattern
unaufgehalten voran
Kretschmann w. (1784 ff.) 2, 93.
voranfliegen
praevolare Stieler 512; und der grünhänfling fliegt dem wandernden von pappel zu pappel v. Gaudy w. (1844) 2, 47. freier von schneller bewegung, auch des menschen: Agathe flog mit dem schlüsselgeläute v. Jean Paul w. 7/10, 47 H.; ein kühler wind flog über den teich v. und kräuselte die ruhige fläche Eichendorff w. (1864) 2, 99;
jedweder der drei legionen
fleucht (!) solch metallnes adlerbild voran
H. v. Kleist Hermannsschl. 3, 6.
übertragen: so eiferte man nach, ja man flog voran Herder w. 17, 53 S.; sein ihm voranfliegender ruf Arndt w. 1, 173 R.-M.;
wenn schöne des herzens voran
vor der schönheit des gesangs fleugt
Klopstock oden 1, 186 M.-P.
voranfliehen
Campe.
voranflieszen
praefluo, voranflieszen oder fürflieszen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1130ᵇ. —
voranführen
praeduco, ante duco, v. führen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1129ᵃ; während den heimgekehrten jüngling seine ältern schon voranführten Fouqué alts. bildersaal 4, 152;
Nossa gürte sich, führe voran die blutigen Wodan,
Thorr und Tyr in den hain
Klopstock oden 2, 93 M.-P.
v. hier im sinne von vorwärts, nach vorn. —
vorangehen
gehe v., der bock geht v., hircus gregi praegreditur Stieler 627; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1642; ten Doornkaat-Koolman 1, 537ᵃ; sprichw. vorangehen macht nachgehen Wander sprichw.-lex. 4, 1688; mit gutem beispiel vorangehen. — geh v. und melde mich Schiller räuber 4, 1;
der hauptmann, er lebe; er geht uns kühn voran
Methfessel (Fink musik. hausschatz 345).
im vorangehenden, auf eine frühere stelle hinweisend.
voranheften
Campe; ein blatt ist der handschrift vorangeheftet. —
voranhelfen
Campe; ich will ihm schon v.helfen, ich werde ihn schon in bewegung setzen.
voranherrschen
als poetische neubildung bei Campe:
diesen herrschte voran der gerenische reisige, Nestor
Voss Il. 2, 600 (ἡγεμόνευε).
voranhetzen
Campe.
voranholpern
der alte holperte v. Rosegger schr. (1895 ff.) 13, 191; s. holpern th. 4, 2, sp. 1760. —
voranhumpeln
ein tollverwachsener kerl in einem dem trödel abgeborgten habit humpelte v. Immermann w. 20, 134 H.
voranhuschen
(sie) schlichen ihm nach, als er voranhuschte Keller ges. w. (1889 ff.) 7, 48. —
voranjagen
Campe; transitiv: (ich) jagte ihn dieszmahl selbst v., alles drüben in Pfälzel aufzustöbern maler Müller w. (1811) 3, 9; intransitiv: jagte im galopp der dame v. Gaudy w. (1844) 13, 140. —
voranjauchzen
Campe;
dem volke nur seid zugethan,
jauchzt ihm voran zur schlacht
Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 85.
vorankeuchen
Campe, schwer atmend, atemlos voranlaufen.
voranklettern
Campe; der führer klettert dem bergsteiger v. —
voranklingeln
als die nahende stunde seines falles schon im leisen glockenspiel voranklingelte, was bald als donnerschlag des schicksals in sein ohr schmettern sollte Arndt schr. für u. an seine l. Deutschen (1845 ff.) 1, 179. —
voranklingen
(dasz) immer der name des königs, eines neuen Davids, vorangeklungen habe Herder w. 12, 293 S.
vorankommen
Campe; die pagasche kömt v. Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700), 827ᵇ; vorwärts kommen, oft im übertragenen sinne: lassen sie mich bald hören, dasz auch sie mit der deutschen geschichte vorankommen briefw. zwischen J. u. W. Grimm, Dahlmann und Gervinus 2, 377. einem v. kommen, ihn überholen: die langsam aber unermüdet fortwandernde schnecke kam jenem vermessenen hasen v. Herder 24, 274 S.; vor ihm kommen:
nie kam noch im april ein tag so süsz,
zu zeigen, wie der sommer köstlich nahe,
als dieser bote seinem herrn voran
(as this fore-spurrer comes before his lord)
Shakespeare, kaufmann von Venedig 2, 9.
vorankriechen
Campe; der eine hauptmann ist vorangangen und krochen, der andere hinden nach Kirchhof wendunmuth 2, 205 lit. ver.
voranlassen
Campe; vorankommen, vorangehen lassen: (er) schämte sich ..., dasz er den schneider vorangelassen O. Ludwig ges. schr. (1891 ff.) 2, 24. —
voranlaufen
praecurrere Stieler 1087; darum lassen sie eine henne v. lauffen J. G. Schmidt d. gestriegelte rockenphil. (1706) 2, 409; (Julin) sprang auf und lief mit dem lustigen bruder v. Göthe w. 24, 142 W.; während dieser ... hinter dem ungeduldig voranlaufenden Anton herkeuchte Holtei erz. schr. 11, 322;
wir wöllen gleich aufhalten den,
der also dückisch lauft voran
H. Sachs 21, 87 G.;
aber der fröhliche Karl, der voranlief, wandte sich rufend
Voss ged. (1802) 1, 32.
übertragen: (bei den Griechen) lief oft die einbildungskraft mit dem verstande davon, oder wenigstens lief sie ihm v. Herder w. 17, 376 S.
voranleben
Lykurgus
lebte voran (vorbildlich), Lacedämon folgte
Herder w. 27, 156 S.
voranlegen
vornan legen Campe.
voranleuchten
praeluceo, v. scheinen oder leuchten Calepinus dict. XI ling. (1598) 1133ᵇ; aber bei Campe: 'vorangehen und leuchten'; in diesem sinne, mit einem wirklichen lichte: als aber der küster mit seiner laterne voranleuchtete Hauff w. (1890) 3, 106; im bilde:
wer für andre nur weisz, der trägt wie ein blinder die fackel,
leuchtet voran, und geht selber in ewiger nacht
Herder w. 26, 381 S.
mit dem dativ: die magd, die ihrem hern voranleuchtete, machte eine wendung mit der laterne Holtei erz. schr. 10, 124. — sehr oft übertragen, führend für die nachfolgenden den weg erhellen, dann auch: vorbildlich wirken, wobei die vorstellung des getragenen lichtes ganz schwinden kann: (der verf. sagt) voranleuchtende muster für nachahmungswürdige muster allg. d. bibl., anhang zu 53-86, 94; die vernunft ... als voranleuchtend dem willen Herbart w. 9, 103 Hartenstein; (so müszt ihr) ihnen selbst mit einem guten beispiel v.leuchten Hebel w. 2, 234 Behaghel; ein edles beispiel alles vortrefflichen leuchtete er seinem volke M. v. Ebner - Eschenbach ges. schr. (1893 ff.) 1, 125;
dein unterrichtendes exempel
zeigt jedem, der sie sucht, die schwerbetretne bahn
und leuchtet ihm darauf voran
J. A. Schlegel verm. ged. (1787 ff.) 2, 89;
ich vollende, was du begannst,
denn voran leuchtetest du, herrlicher
Hölderlin 1, 78 Litzmann.
anders gewendet:
ihm leuchten sterne durch der sphären klänge
den pfad voran zum lande der gesänge
Kind ged. (1817 ff.) 4, 64.
nach vorn leuchten: zwei demanten leuchteten v., neugierig das ferne geheimnis des waldes suchend — Johannas augen waren es Stifter w. (1901 ff.) 1, 235. —
voranliegen
'vornan liegen' Campe; zeitlich (jetzt lieber vorausliegen): dasz die deutsche bildung gegen das voranliegende zeitalter einen beträchtlich höheren standpunct gewonnen hatte Becker weltgesch. 14, 449. —
voranlocken
'vor andern hin, vornan locken' Campe.
voranmachen
bei Campe als ein niedriges, aber deswegen noch nicht verwerfliches wort' bezeichnet. es ist auch jetzt in der gewöhnlichen umgangssprache gebräuchlich: voranmachen, eine handlung, eine tätigkeit lebhaft aufnehmen und vorwärts bringen: ich mache übrigens jetzt mit den volksliedern v. Uhland briefw. 3, 195; mach, mach v., dasz du fertig wirst A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 266. reflexiv, sich aufmachen, in bewegung setzen: (ich) machte mich v., jungfer Guntelchen schön kuszhändchen zu überbringen maler Müller w. (1811) 1, 291. — voran hat hier also den einfachen sinn von nach vorn, vorwärts. eine ganz andere verbindung vor an machen, pretexere Diefenbach gloss. 458ᵇ, s. vor V a. —
voranmähen
der grosze schnitter krieg mäht uns tapfer v. Eichendorff w. (1864) 3, 402. —
voranmarschieren
ist aber eine absonderliche specialcompagnie grenadiers bey dem regiment formirt, marschirt selbige iedesmahl v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 229; denen der förster als generalissimus ... voranmarschierte Freytag w. (1886 ff.) 5, 148. —
voranmögen
ein verbum der bewegung ist zu ergänzen: er möchte gern v., aber er kann nicht Campe.
voranmüssen
vgl. das vorhergehende wort: vor-müssen, voran-müssen, dover inanzi cioè precedere Kramer teutsch-ital. wb. 2 (1702), 84ᶜ. —
voranprangen
denen er (Lavater) seinen anhängern), ein biegsamer weltmann, in priesterlicher demut voranprangte Voss antisymb. (1824) 1, 347. —
voranprellen
mit heulendem jubel prellten die scythischen schützen v. Fouqué alts. bildersaal (1818 ff.) 4, 320. —
voranragen
ein kreuz
ragt trüb voran — das nennen sie ihr kreuzheer
Eichendorff w. (1864) 4, 400.
voranreisen
wir wissen nicht, wer die frau generalin ist, die ihrem gatten nachreist, oder voranreist W. Alexis Isegrimm (1854) 1, 276. —
voranreiten
derowegen machte der voranreitende herr bürgemeister mit fallen den anfang d. polit. maulaffe (1679) 282;
der veste Duglas auf dem rosz,
ritt seinem heer voran
Herder w. 25, 482 S.;
ein wundermann
kommt hinterdrein — ich ritt voran
Schiller schr. 1, 256 G.
mit dem accus.: mein jung ritts (das pferd) gester v. Fischart Garg. 63 ndr.
voranrennen
praecurrere, praecedere cursu Stieler 1614; (sie) fiel für dem mit einer brennenden fackel v. rennenden könig nieder Lohenstein Arminius 2, 61ᵃ. —
voranrollen
die lohnfuhre rollte langsam v. Holtei erz. schr. 21, 171; freier: seltsames gewölk rollte einem aufheulendem sturme v. Fouqué alts. bildersaal (1818 ff.) 2, 362. —
voranrücken
Campe; meist intrans.: unser gnädigster herr begiebt sich zu seinen heerhaufen, welche schon bis Cassel vorangerückt sind Göthe br. 24, 91 W.; übertragen: die arbeit rückt garnicht v. —
voransagen
ungewöhnlich und veraltet: praedico, ante sive prius dico, vorsagen, oder, voransagen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1128ᵃ;
könnt ihr nicht voran mir sagen,
was sich gutes zu wird tragen
Logau sinnged. 10, 13 E.
zu trennen von vór-ansagen. —
voransäuseln
(politische broschüren) pflegen immer dem sturm voranzusäuseln Laube ges. schr. (1875 ff.) 16, 41. —
voranscheinen
praeluceo, v. scheinen oder leuchten Calepinus dict. XI ling. (1598) 1133ᵇ. —
voranschicken
praemitto, v. schicken oder senden Calepinus dict. XI ling. (1598) 1134ᵃ; wenn sie (elephanten) über ein wasser ziehen wollen, so schicken sie die kleinsten v. Heyden Plinius (1565) 92; als herrn Heinrich Fischers ... hertzliebes ehweib ... diese welt, nach kurtz vorangeschickten söhnlein, gesegnete Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 90;
oft schickt man einen schöps voran,
dem klugen kopf die bahn zu biegen
Ramler fabellese (1783) 3, 148.
füranschicken: wurde Piso Licinianus fürangeschickt A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 1059; frei:
nachdem er sich umgeblickt
und einen seufzer vorangeschickt
Rückert w. (1867 ff.) 12, 42;
wo das licht
der nacht den milden silberduft sich selbst
voranschickt
O. Ludwig schr. (1891 ff.) 3, 391.
im übertragenen gebrauch sind besonders die wendungen beliebt, die ein vorangehen lassen beim sprechen, erzählen, vortragen, darstellen, schreiben bezeichnen, vor allem auch vom schriftsteller gebraucht; man musz die klugheit zu rathe ziehen, ob man erstlich eine insinuation v. schicken soll Chr. Weise polit. redner (1677) 174; ein jedesmal vorangeschicktes: 'ich sollte vermeynen' Athenäum 1, 148; da der vierte evangelist keine ankündigung der sündenvergebung vorangeschickt hatte D. Fr. Strausz ges. w. 4, 150;
ich musz pflichtmäszig voranschicken hierbei,
dasz die art der geschäfte zweierlei sei
Eichendorff w. (1864) 1, 414.
vom bildhauer: dem marmorwerke eine vorläufige ausführung in einem bildsamen ... stoffe voranzuschicken Justi Winckelmann 1, 418. — das part. prät. absolut gebraucht: dies vorangeschickt, werden wir uns nicht mehr wundern Holtei erz. schr. 24, 13. — hierzu: die vorausschick- und einlegung des volcks Chemnitz schwed. krieg 1 (1648), 220. —
voranschieben
hier steht der greis in seinen nöthen, ...
schiebt dann voran die sohle leis
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 51.
voranschiffen
praenavigare Stieler 1792; (wie sie) nach Carien vorangeschiffet sey Lohenstein Arminius 2, 1474. —
voranschlagen
dasz mein herz es verdient, euch allen voranzuschlagen Fouqué alts. bilders. (1818 ff.) 4, 297. —
voranschlieszen
concludere avanti, far' un pregiudicio Kramer teutsch-it. dict. 2 (1702), 583ᶜ. —
voranschreiben
praemittere praemittenda Stieler 1927. —
voranschreien
protono, herfürthönen, voranschreyen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1181ᵃ. —
voranschreiten
Campe: der bote schritt v., die beiden folgten Göthe w. 24, 59 W.; doch wollte er nimmermehr zurückbleiben, wo sein lieber waffenbruder voranschritt Fouqué zauberring (1812) 2, 108; so ging ich dennoch ... dem voranschreitenden nach O. Ludwig ges. schr. 2, 446;
begaben insgesammt die ewigen
sich zum Olymp zurück.   Zeus schritt voran
(Ζεὺς δ' ἦρχε A 495)
Bürger w. 148ᵃ Bohtz;
freier:
so schreiten auch den groszen
geschicken ihre geister schon voran
Schiller Wallensteins tod 5, 3;
übertragen: durch seine (Frankreichs) dem übrigen Europa voranschreitende bildung Hegel w. (1832 ff.) 9, 431. — auch ohne beziehung auf nachfolgende: general Kalkreuth liesz zum aufwerfen der schanzen v. schreiten quelle bei Campe 2, 288; so besonders übertragen: bis zu dem punct voranzuschreiten hätte ich nicht immer muth genug gehabt briefe der brüder Grimm an Benecke 176; der druck schreitet nur langsam v. — dagegen auch in der zeit vorher gehen:
zwar stand er nicht auf sich allein; die ihm vorangeschritten,
sie haben nicht umsonst gelebt
Hebbel w. 6, 301 W.
voranschweben
im eigentlichen sinne: und Amor schwebte mit raschen fittichen v. Heinse w. 5, 367 Sch.; freier:
ich bin ein Preusze; kennt ihr meine farben?
die fahne schwebt mir weisz und schwarz voran
B. Thiersch originalmanuscript in Halberstadt;
übertragen:
festliches erstes jahr (des jahrhunderts)!
mit dem flügel der sommermorgenröthe,
schwebst du dem tage voran
Klopstock oden 1, 151 M.-P.;
von einem verstorbenen: (wie) ich es in der vorangeschwebten seele wünschte Fouqué reiseerinnerungen (1823) 2, 224. —
voranschwimmen
praenato, Calepinus dict. XI ling. (1598) 1135ᵃ; nando praelabi, praenatare Stieler 1979; und wäre nicht mein mantel vorangeschwommen, — was wäre dir wohl ins netz gekommen? Rückert w. (1867 ff.) 11, 378. —
voransegeln
esser il primo a veleggiare Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 734ᶜ; eine kleine galeere, welche einzeln voransegelte Becker weltgesch. (1801 ff.) 4, 131. —
voransehen
providere Diefenbach gloss. 468ᶜ; Calepinus dict. XI ling. (1598) 1182ᵃ; die eine oder andere unverhoffte zufälle v. sehen, und sich also wider dieselbigen verwahren Opitz opera (1690) 1, 204; weil wir überall in ihr (der künstlerischen kraft) die überlegenheit des bewusztseins voransetzen und voransehen Gervinus gesch. d. d. dicht. (1853) 4, 462. —
voransein
von Campe als 'niedrig, aber deswegen nicht verwerflich' bezeichnet; im eigentlichen und uneigentlichen sinne (im latein ist er allen v.); die gesamte pflichttreue und das v. sein in ihr für die gemeinde, die nachfolgt Fr. L. Jahn w. (1884 ff.) 2, 926;
es (das regiment) war immer voran bey jedem strausz
Schiller Wallensteins lager 11.
voransenden
Calepinus dict. XI ling. (1598) 1134ᵃ; zwen junger die unser hayler v. gesandt hat zeberaiten das ostermal Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 32 R.; bis die vorangesandten plänker die wälder und hohlwege durchstreift hatten Gaudy w. (1844) 14, 130. freier: so entschlosz ich mich, die erklärung davon v. zu senden Kästner verm. schr. 1 (1755), 122. —
voransetzen
collocare in capo Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 788ᵃ; schon setzte er seine ... füsze v., während sein kopf sich mehrmals nach rückwärts wendete Rosegger schr. (1895) II 9, 469. — sehr oft in übertragener verwendung, besonders auf das schreiben und darstellen bezogen: (füran:) allein ne opera fur an gesetzt werden, ut papa, red quando sequuntur fidem, so ists recht Luther w. 34, 1, 163 W.; es schien mir nöthig, diese betrachtungen v. zu setzen J. E. Schlegel w. 5, 13; nach gewohnter weise ordnet er (Newton) die drei experimente falsch, indem er das complicirteste voransetzt Göthe w. II 2, 233 W.den vorzug geben:
Zerbin, als er mit seiner braut ihn schickte,
hatt allen freunden ihn vorangesetzt
Ariosts ras. Roland 3, 8 Gries.
voransingen
praecino Calepinus dict. XI ling. (1598) 1125ᵃ; ungewöhnlich, singend voraussagen: wie die jünglinge unter diesen fahnen ein einiges mächtiges Deutschland als weissagung vorangesungen hatten Arndt in zeitschr. f. d. wortf. 6, 228. —
voransitzen
seinen sitz vor andern haben Campe.
voransollen
dover andare ò caminare innanzi Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 835ᵇ; er sollte v., aber er wollte nicht Campe.
voranspannen
die wagen mit starken vorangespannten ochsen maler Müller w. (1811) 3, 116. —
voranspazieren
in lässiger sprache: spaziert nur v. Schiller Fiesko 4, 4. —
voranspielen
er dünket ihr vor allen werth,
voranzuspielen im schlachtenscherz
Arndt w. 3, 340 R.-M.
voransprengen
Campe; sich auf sein weiszes rosz schwingend und voransprengend Fouqué altsächs. bilders. (1818 ff.) 1, 309. —
voranspringen
springt ihr v. (voraus) und sagt dasz wir kommen Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 894ᵃ; Andres war schon vorangesprungen Tieck schr. (1828) 4, 368. —
voranstapfen
vom pferd: anfangs stapfte der graue wieder leidlich v. Rosegger schr. (1895) II 2, 383. —
voranstarren verb.,
gelegenheitsbildung: (als sie) voll furcht den weg voranstarrten Blunck sprung über d. schwelle 106. —
voranstechen
in eigenthümlicher, vereinzelter wendung: lasz mir gleich den Falk satteln ..., will bis Trier eins v. stechen (spornstreichs reiten) maler Müller w. (1811) 3, 72. —
voranstecken
zwei goldgetriebne geierflügel von dem leuchtenden helme voransteckend (er beugt den kopf unter der niedrigen thür) Fouqué zauberring (1812) 1, 200 druckfehler?, s. voranstrecken. —
voranstehen
die ältesten stehen v. Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 943ᵇ; da stand schon der huchztbitter v., hinter ihm der brautführer O. Ludwig ges. schr. (1891 ff.) 2, 519;
in göttlicher schöne
stand Alexandros voran, im vordertreffen der Troer
grafen zu Stolberg w. (1820 ff.) 11, 90 (προμάχιζεν Γ 16);
hoch weht das kreuz im siegspaniere,
und alte helden stehn voran
Novalis schr. 4, 103 M.
vortreten:
ins königs nam, so steht voran
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 265.
übertragen: der adel musz v. stehen und vorangehen mit ehre und stolz und seelenhoheit Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845 ff.) 1, 298. — ungewöhnlich vom führer, befehlshaber:
weil er der erste war und der gröszten menge voranstand
(οὕνεκ ἄριστος ἔην, πολὺ δὲ πλείστους ἄγε λαούς B 580)
Bürger w. 202ᵃ Bohtz.
besonders bezogen auf das schreiben und schriftstellerische darstellung, schriftstücke und buchinhalte: (aus) der voranstehenden unterthänigsten zuschrifft gnädigst zu ersehen Thomasius ernsthaffte gedancken (1720 ff.) 3, 25; dieses ist der theil (eines wörterbuches), wo das englische v. steht Lichtenberg br. (1901 ff.) 1, 245; die strophe, die als titelblatt und dedication voransteht Göthe br. 35, 21 W.; versuchen wir vom voranstehenden einen schusz ... zu machen Gutzkow ges. w. (1872 ff.) 9, 256. — werthend, vorzug bezeichnend: jeder fürst soll wollen, dasz sein volk allen völkern voranstehe Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 130;
reden erhöhet der menschen geschlecht hoch über die thiere;
sprichst du ohne vernunft, stehet das thier dir voran
Herder w. 26, 389 S.
voransteigen
esser' il primo à salire Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 948ᶜ; lieber Peter, steige du voran (auf einer leiter), so wil ich dir folgen Krüger Clawers werckl. hist. 61 ndr.;
er sprachs, und stieg ins wonnebett voran
(ἦ ῥα καὶ ἦρχε λέχοσδε κιών Γ 447)
Bürger w. 156ᵃ Bohtz.
von unpersönlichem: ein voransteigender dichter rauch kündigte einen nächtlichen fackelzug an Gutzkow ges. w. (1872 ff.) 6, 164. —
voranstellen
mettere alla testa Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 962ᵃ; hat er auch die reutter nit v. gestelt Xylander Polybius (1574) 456; dasz man sie voranstellte und die übrigen zwei paare einen zug hinter ihnen formierten G. Keller ges. w. 4, 153;
Josaphat aber stelt voran
die singer in heyliger zirt
H. Sachs w. 1, 238 K.;
siehe, die reisigen stellt er voran mit rossen und wagen
Bürger w. 216ᵃ Bohtz (Il. 4, 297);
reflexiv: keiner wagte es, sich voranzustellen C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 265. — bei der freien und übertragenen anwendung kann entweder die blosze folge angegeben sein, das verhältnis von vorn und zurück, oder aber es ist damit eine wertung, eine bevorzugung verbunden: denn ich habe mit vorbedacht das langweiligste (kapitel) vorangestellt Tieck schr. (1828) 14, 168; deshalb stellte ich dieser skizze die kleine historische einleitung voran Hebbel br. 8, 34 W.; vgl. aber: weil sie (die fürsten) sämmtlich das wohl ihres hauses der pflicht gegen den deutschen staat voranstellten Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 216;
zu klug,
um leere hoffnung feister wirklichkeit
voranzustellen
Raupach dram. w. ernster gattung (1835 ff.) 12, 278.
auch ohne besondere bezeichnung des zurückgestellten: bis ein theil (der prälaten) die nächsten pflichten voranstellte und zu hause blieb Raumer gesch. d. Hohenstaufen 4, 98. — hierzu: (die) voranstellung des musikers vor dem dichter (in der oper) R. Wagner schr. u. dichtungen (1897) 3, 235. —
voranstemmen
er stand den schritt vorangestemmt
W. Hertz ges. dicht. 352.
voransterben
diese seel ist schon
ihr vorangestorben
Tiedge w. (1823) 7, 139.
voranstoszen
Campe, nach vorn stoszen.
voranstreben
ihn, der voranstrebt
allen in Argos volk
Voss bei Campe.
voranstrecken
den riesig hohen helmbusch gebückt (in der niedrigen thür) voranstreckend Fouqué alts. bilders. (1818 ff.) 2, 443 (s.-stecken); reflexiv:
warf voll mordbegier der gott,
voran sich streckend (sich nach vorn streckend), über zaum
die ehrne lanze hin und joch
(πρόσθεν Ἄρης ὠρέξαθ' ὑπὲρ ζυγὸν ἡνίαθ' ἵππων E 851)
Bürger w. 168ᵃ Bohtz.
voranstreifen
streif
nur voran; ich bin dein schweif
maler Müller w. (1811) 2, 30.
voranstreiten
die schlacht begann; Kahira stritt voran,
und sank
Herder w. 18, 259 S.
voranstreuen
streuen sie nicht blumen voran?
Herder bei Campe.
voranstürmen
stürmte ihnen mit der hast des verzweifelnden v. Gaudy w. (1844) 14, 42. —
vorantanzen
ich tantze nur voran, ihr werdet folgen müssen
Königsb. dichterkr. 113 ndr.
vorantaumeln
faun und satyr taumeln ihm voran
Schiller schr. 11, 5 G.
voranthun
den feldbau setzte er zurück, die viehzucht that er v. Rosegger schr. (1895 ff.) III 8, 32. —
vorantönen
dem helden tönt sein name voran
Göthe Faust 8520.
vorantraben
ohne dasz ein paradegaul vorantrabt Jean Paul w. 7/10, 398 H.
vorantragen
traget liktoren die beile voran
Schiller schr. 11, 192 G.
vorantreiben
ihm treiben die brüder
die mädchen voran
maler Müller w. (1811) 2, 394.
vorantreten
antegredior, vorgehn, vorantretten Calepinus dict. XI ling. (1598) 95ᵇ; kamen die stammwörter ... in mächtiger anzahl vorangetreten Schottel horr. bellum gramm. (1673) 7;
und als er dies mit fleisz gethan,
tritt er als ministrant
dem priester zum altar voran
Schiller schr. 11, 253 G.
übertragen: geldeswerth tritt v. (bei münzen) Herder w. 3, 438 S.; die lebendig vorstehenden, vorantretenden gebildeten meister und kenner Göthe w. 40, 275 W.
voranweben
praetexo, v. weben, besetzen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1145ᵇ; s. voran 3. —
voranwehen
hoch weht die heilige flamme voran
Klopstock oden 2, 2 M.-P.
voranweisen
besonders zeitlich: das kunstwerk weist nicht v., sondern zurück. —
voranwerfen
Campe: der andre fusz wird nun im nu vorangeworfen Fr. L. Jahn w. (1884 ff.) 2, 31. —
voranwissen
praecognitus, der ein ding v. weiszt Calepinus dict. XI ling. (1598) 1126ᵃ; s. voran 4. —
voranwollen
das pferd will nicht v. —
voranzerren
der gefesselte wurde von den bütteln vorangezerrt Rosegger schr. (1895 ff.) 2, 360. —
voranziehen
gewöhnlich intransitiv: die reiterey zeucht v., und das fuszvolck nach Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1460ᶜ; wir aber zogen voran auf dem schiff ap.-gesch. 20, 13; auch wie sie distilieren, dasz es nach siben brüdern schmackt, ziecht der acht v. Fischart Garg. 299 ndr.; Judas zoge mit starcken tagreisen v. Grimmelshausen 4, 845 Keller; will euch bald dort einhohlen, zieht immer v. maler Müller w. (1811) 3, 10;
ich zeuch voran; kumb du hernach
H. Sachs w. 1, 107 K.;
sein (Uris) banner
zieht bei den Römerzügen uns voran
Schiller Wilh. Tell 2, 2.
transitiv, nach vorn ziehen: (er) hing sich in des onkels arm und zog ihn mit sich v. maler Müller w. (1811) 2, 56. —
voranzünden
ungewöhnlich: (er) folgte schnell den knechten, die ihm mit brennenden kerzen ins haus voranzündeten Zschokke schr. (1824 ff.) 25, 307.
9)
untrennbare verbindungen mit voran. —
voranbereit adj.:
denen selben verbleiben meine in stetem fleisz willige dienste, die zeit meines lebens, v. (bereit vor andern meiner dienstleistungen) Harsdörffer der t. secret. (1656 ff.) 1, 321. —
voranesser m.:
wie mancher koranleser, voranesser,
verdirbt sich hier die augen, dort den magen
Rückert w. (1867 ff.) 11, 539.
vorangänger m.,
so heiszen in Schwaben die burschen die an der spitze des hochzeitszuges gehen Fischer 2, 1642; ebenda in entsprechendem sinne voranemädle 1641. —
voranhin adv.,
in älterer sprache nach vorn hin, vor andern hin, im voraus Fischer 2, 1641; räumlich, hier kann hin natürlich sich enger mit dem verb. verbinden: voranhin fallen, praelabor Calepinus dict. XI ling. (1598) 1132ᵇ; v. fliegen, antevolare Maaler 474ᶜ; gang v., so wil ich dir nachgon ibid.; derwegen solt Arianus, wann er den Acheum herauszführet, v. gehn Xylander Polybius (1574) 369; voranhinkommen, provenire Maaler 474ᶜ; so man durch die so voranhinlauffen von ferren die gegenwertigkeit der feinde innen wirt Xylander Polybius 456; voranhinpfaden, persequi Frisius dict. (1556) 1370ᵃ; -rinnen, praefluo 1039ᵇ; voranhingeschickt, praemissus Maaler 474ᶜ; -setzen, anteponere ibid.;
lies den drosz voranhinzihen
H. Sachs w. 22, 396 G.
zeitlich: voranhin, vor diser zeyt; ich hab es voranhingeben ee und ich es schuldig gewäsen bin; v. und ir mir geschriben hattend; künftige ding voranhinmercken; -nemmen, antecapere; solt ich es nit v. wüssen Maaler 474ᶜ; s. voran 4. —
voranitzo adv.,
vgl. vorjetzt, für jetzt, zur zeit: und were über dieses die sachen v. in einem solchen stande, das er sich absonderlich darauf zuerklären nicht vermöchte Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 298; voranjetzo v. d. Sohle junker Harnisch (1648) 152. —
voranläufer m.:
der verlorn hauf, die voranleufer, emissarius Junius (1567) 501ᵇ. —
voransager m.:
wäck foransager auf, bestättig ihr gesicht
Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch 15;
trotz der versbetonung gehört das wort zu vorán-sagen, s. dieses unter 7. —
vorantritt m.:
unter v. der musik setzte sich der hochzeitszug wieder in bewegung Fontane w. I 2, 75.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1934), Bd. XII,II (1951), Sp. 813, Z. 60.

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Zitationshilfe
„voran“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/voran>, abgerufen am 25.10.2021.

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