vorbei adv
Fundstelle: Lfg. 6 (1934), Bd. XII,II (1951), Sp. 867, Z. 61

Unterbegriffe in diesem Artikel

vorbeibegehren · vorbeiblicken · vorbeibögeln · vorbeibrausen · vorbeibrennen · vorbeibringen · vorbeidenken · vorbeidrängen · vorbeidringen · vorbeidrücken · vorbeidunkeln · vorbeidürfen · vorbeieilen · vorbeifahren · vorbeifauchen · vorbeiflattern · vorbeifliegen · vorbeifliehen · vorbeiflieszen · vorbeiführen · vorbeigehen · vorbeigelingen · vorbeigleiten · vorbeihauen · vorbeihinken · vorbeihüpfen · vorbeiirren · vorbeijagen · vorbeikommen · vorbeikönnen · vorbeikrächzen · vorbeikreuzen · vorbeilassen · vorbeilaufen · vorbeiläuten · vorbeilegen · vorbeileiten · vorbeilenken · vorbeimarschieren · vorbeimurmeln · vorbeimüssen · vorbeineigen · vorbeipassieren · vorbeipfeifen · vorbeiquellen · vorbeirasen · vorbeirauschen · vorbeireden · vorbeireisen · vorbeireiten · vorbeirennen · vorbeirieseln · vorbeirinnen · vorbeirücken · vorbeirufen · vorbeisäbeln · vorbeisausen · vorbeischäumen · vorbeischieben · vorbeischieszen · vorbeischiffen · vorbeischlagen · vorbeischleichen · vorbeischleudern · vorbeischlüpfen · vorbeischmiegen · vorbeischnurren · vorbeischreien · vorbeischreiten · vorbeischummeln · vorbeischweben · vorbeischwimmen · vorbeischwinden · vorbeischwingen · vorbeischwören · vorbeisegeln · vorbeisehen · vorbeisein · vorbeisingen · vorbeispazieren · vorbeispielen · vorbeisprengen · vorbeispringen · vorbeispuken · vorbeistauben · vorbeistehlen · vorbeisteuern · vorbeistocken · vorbeistoszen · vorbeistrahlen · vorbeistrampfen · vorbeistreichen · vorbeistreifen · vorbeiströmen · vorbeistürmen · vorbeitanzen · vorbeitaumeln · vorbeithun · vorbeitraben · vorbeitragen · vorbeiträumen · vorbeitreiben · vorbeitrinken · vorbeiwallen · vorbeiwandeln · vorbeiwandern · vorbeiwaschen · vorbeiweisen · vorbeiwenden · vorbeiwerfen · vorbeiwinden · vorbeiwischen · vorbeiziehen · vorbeizischen · vorbeigang · vorbeigehung · vorbeilassung · vorbeilauf · vorbeimarsch · vorbeireise · vorbeisegelung · vorbeiweg · vorbeizug
(s. fürbei th. 4, 1, 1, sp. 662); in älterer schreibweise vorbey, so noch bei Adelung, während Campe vorbei schreibt. im mhd. hat vür die bedeutung unseres vorbei, auch im zeitlichen sinne, vgl. mhd. wb. 3, 375ᵃ (II), bei ist späterer verdeutlichender zusatz; im nhd. wird dann wieder vorbei mit präpositionen verbunden, um genauer den sinn zu bezeichnen; mnd. vorbî Schiller-Lübben 5, 314ᵇ; mnld. vorebi Verwijs-Verdam 9, 953; fürbey et vorbey, trans, praeter Stieler 143; vorbey, vorüber (fürüber), adv., di passaggio, passando d'appresso Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1247ᵇ; für- vel vorbey Steinbach 1, 103; Adelung; Campe.da der ton auf der zweiten silbe liegt, so verflüchtigt sich leicht der vokal der ersten, s. Fischer schwäb. wb. 2, 1643; schw. idiot. 4, 907; tempestas desaeviit, das gewitter ist verbei nomenclator lat. germ. (1634) 32; wo seindt die 256 remische bäbst? firbei Abr. a s. Clara pred. 80 Bertsche.
1)
in örtlichem sinne, in sehr verschiedener anwendung; der gegenstand oder die person, worauf die bewegung bezogen wird, kann ruhen oder auch selbst in bewegung sein; die mit vorbei bezeichnete bewegung kann an den seiten von hinten nach vorn oder in umgekehrter richtung vor sich gehen, ferner an der vorderseite nach rechts oder links, doch auch hinter der person oder dem gegenstand. immer ist wesentlich, dasz die bewegung dabei von dem gegenstand oder der person fortfährt. in allen diesen anwendungen berührt sich vorbei mit vorüber (s. dieses); Adelung meint, dasz letzteres das edlere wort sei, Campe will vorüber im örtlichen sinne auf die bewegung von der seite her beschränken.
a)
welche art der bewegung gemeint ist, braucht nicht besonders ausgedrückt zu werden oder kann aus dem zusammenhang entnommen werden: (er) wollte sich mit Altkirch nicht auffhalten, sondern avancirte geschwinde vorbey Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 126; ein jünger des herrn, der des weges v. zog Aurbacher volksbüchlein (1835) 5; hier kommt einer zu pferde und schnaubt und stampft und spritzt v. O. Ludwig schr. 1891 ff. 2, 15. — oder aber es treten nähere örtliche bestimmungen hinzu: der zug kommt hier, musz hier vorbeikommen; wann ich allhier vorbey wandele Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 22. — er hörte diese wehklage von oben herunter an seiner stube v. nach dem hausplatze eilen Göthe w. 21, 223 W.; hart an deiner nase v. Schiller schr. 1, 200 G.; vorbey an heulenden grotten maler Müller w. (1811) 1, 60; dicht an den soldaten v. briefe von u. an Herwegh (1896) 190;
die bilder ziehn in heitrer wahrheit
an dem entzückten blick vorbei
Körner w. 2, 57 H.;
wo ihre churfürstl. durchlaucht gleich bey ihnen vorbey muszten Göthe IV 1, 104 W.; bei der hütte v. Tieck schr. (1828 ff.) 4, 368;
da schnurrt ein vögelein ...
ihm bey dem ohr vorbey
Lichtwer äsop. fabeln (1748) 38;
wo die weiber herr sind, geht unser herrgott hinterm haus v. Fischer schwäb. wb. 2, 1643.
ihn stört aus frommer phantasey
ein rauschen neben ihm vorbey
Kretschmann w. (1784 ff.) 1, 64.
ich laufe hier links um den tannengrund v. Tieck schr. (1828) 4, 368. — hart unter dem garten v. Storm w. (1899) 1, 28. — er trug es vor meinen augen vorbey Steinbach 1, 103; kunte kein mensch vor Schlampampens hause vorbey gehen Chr. Reuter ehrl. frau 10 ndr.; vor der wachparade v. Brentano schr. (1852 ff.) 5, 24;
vor der lanze und dem sturme vorbey
siegend zu schweben
Klopstock oden 1, 190 M.-P.
b)
vorbei ohne verb.; aufforderung, ausruf: runde vorbey (ruf des postens), perage cursum tuum Stieler 143;
vorbey verwegner dieb! denn unter diesem dache,
in jedem winkel hier, hält armuth treue wache
Lessing w. 1, 26 M.
substantiviert: im v. wurde vor einem gasthofe gehalten d. neue Europa (1845) 13.
c)
dem accus. nachgestellt; Adelung will diese fügung nur im uneigentlichen sinne zulassen; in der sprache der gegenwart wird diese anwendung von vorbei gemieden; hier die klippen Olaus v. Herder w. 5, 169 S.;
hier die hundertfarbige pforte vorbey ...
dort den klee des thals vorbey,
und das weidende lamm
Klopstock oden 1, 218 M.-P.
weiteres s. unter 3: vorbeigehen, -eilen, -fahren, -fliegen, -flieszen, -führen, -gehen, -kommen, -laufen, -passieren, -rauschen, -reisen, -schieszen, -schiffen, -schleichen, -schreiten, -schwimmen, -segeln, -sein, -streichen, -strömen, -winden, -ziehen.
d)
ebenso mit dem dativ, auch vorangestellt: das kriegsvolck der see vorbey führen Steinbach 1, 103; dem gebauer meiner kleinen sängerin v. Thümmel w. (1811 ff.) 3, 299; der katarakte v. grafen zu Stolberg w. (1820 ff.) 6, 83;
vorbey der eiche wehte
dunkler der staub
Klopstock oden 1, 110 M.-P.;
wann reiszend ihm vorbei ein wogenstrom
ins meer hinab mit schaumgebrause rollt
Bürger w. 165ᵇ Bohtz (Il. 5, 598);
vorbei schritt er dem alten Fritz
Rückert w. (1867 ff.) 1, 179;
kein hoher wandrer zog vorbei der stätte
Geibel w. (1888) 1, 10 Cotta.
s. unter 3 vorbeirennen, -eilen, -fahren, -fliegen, -gehen, -kommen, -laufen, -reisen, -rennen, -schieszen, -segeln, -stürmen.
2)
bewegung in der zeit: die vorstellung ist zunächst die, dasz die zeit oder ein bestimmter zeitabschnitt an jemandem vorübergeht: die zeit vorbey fahren, streichen lassen Steinbach 1, 103; weiteres s. bei vorbeisein unter 3; anderseits wird es auf vorgänge, zustände u. ä. bezogen, die in der zeit verlaufen: wir wollen den regen erst vorbey lassen Adelung; auch in dieser zeitlichen anwendung berührt sich vorbei mit vorüber; letzteres soll nach Adelung der 'edlern schreibart' angehören; im jetzigen sprachgebrauch wird bei bestimmten wendungen, wie aus den unter 3 angeführten verbalverbindungen hervorgeht, das eine oder das andere vorgezogen; bei vorbei wird, wie es scheint, schärfer betont, dasz etwas in der zeit abgelaufen, zu ende ist, nicht mehr aufgenommen werden, in die wirklichkeit eintreten kann: v. ist v. Campe; denn wenn einer (ein traum) vorüber ist, so ist er v., und es bleibt nix haften davon O. Ludwig schr. (1891 ff.) 2, 98. — bei zeitangaben mit vorüber wechselnd (s. unter 3 vorbeisein), in der antwort und auch sonst: aber sieh! schon mittag vorbey! da kommen ja bereits meine gäste Lessing 13, 399 M.; wie alt ist sie jetzt? fünf und achtzig vorbey maler Müller w. (1811) 1, 280. abschlusz, ende (s. vorbeisein): es ist fehlgeschlagen! — alles vorbei E. Th. Hoffmann w. 6, 119 Gr.;
vorbei! ein dummes wort.
warum vorbei?
vorbei und reines nicht, vollkommnes einerlei
Göthe Faust 11596.
3)
vorbei verbindet sich mit verben zu trennbaren zusammensetzungen, zunächst in meist loser, in der schrift oft nicht bezeichneter verbindung mit solchen, die transitiv oder intransitiv die vorstellung einer bewegung ausdrücken oder zulassen (vorbeihelfen, sich vorbeiwagen) oder auch eine bewegung begleiten (z. b. vorbeikeuchen); bei anderen ist die vorstellung der bewegung hineingedacht (vorbeisehen). ein verbum der bewegung ist zu ergänzen bei verbindungen wie vorbeidürfen, -können, -lassen, -müssen, -sollen, -wollen. v. kann sich enger an eine ortsangabe als an das verbum anschlieszen, dabei wechselt der satzton: er ging an dem háus v. gegenüber: er ging an dem haus vorbéi. in einer anderen gruppe liegt in vorbei der sinn des verfehlens: vorbeigreifen, -hauen, -langen, -schieszen, -schlagen, -stechen, -werfen. die zeitliche vorstellung ist besonders in der verbindung mit sein reich entfaltet. solche composita können natürlich in unerschöpflicher fülle gebildet werden, Campe hat über 180 stichworte aufgestellt, eine zahl die mit leichtigkeit vermehrt werden könnte. hier folgt eine auswahl; von freieren verbindungen beachte vorbeibegehren, -brennen, -denken, -dunkeln, -läuten, -murmeln, -neigen, -quellen, -rufen, -schreien, -schwören, -stocken, -strahlen. —
vorbeibegehren
ihn durchglühet süsze flamme,
dasz er nicht vorbei begehrt
Göthe w. 1, 176 W.
vorbeiblicken
er mögte gleichgültig vor ihr vorbeyblicken Knigge umg. mit menschen (1796) 2, 86; häufiger mit an. —
vorbeibögeln
sich: in hohem bogen bögelte sich an ihnen v. die aufgeschreckte schlange Gotthelf schr. (1855 ff.) 7, 305; s. th. 2, sp. 219. —
vorbeibrausen
(flusz,) der an der höhle vorbeibrauste Rosegger schr. (1895 ff.) 6, 338. —
vorbeibrennen
brennt diese (das feuer) seinem hause noch v. Dahlmann gesch. v. Dännemark 2, 354. —
vorbeibringen
wie wir unsern lebensnachen an klippen und untiefen vorbeibringen Immermann w. 7, 237 B. wunderlich wie herbeibringen: Zincgref bringet in seinen apophteg. fol. 293 solcher schöner new gebachenener wörter ein zimliche anzahl vorbey Schill d. teutschen sprach ehrenkranz (1644) 3. —
vorbeidenken
gerne denken wir überhaupt daran v. Nietzsche w. 5, 95. —
vorbeidrängen
man musz sich ... beim vorbeidrängen körperlich berühren Tieck schr. (1828 ff.) 4, 85; als das weibliche offizierchen ... sich an ihr vorbeidrängte Göthe w. 21, 4 W.
vorbeidringen
ob keine lufft neben dem hahn vorbeydringt Lichtenberg br. (1901 ff.) 2, 99. —
vorbeidrücken
wird gern in übertragenem sinne gebraucht: sich an einer aufgabe, einer pflicht vorbeidrücken. —
vorbeidunkeln
und als die nacht vorbeigedunkelt
Lenau w. 482 Barthel.
vorbeidürfen
von Campe als ein 'niedriges, aber deshalb noch nicht verwerfliches wort' bezeichnet! hier darf niemand v., ein verbum der bewegung ist zu ergänzen.
vorbeieilen
ich eile vorbey, praefestino Steinbach 1, 324; als der dem feldmarschalck an der seite vorbey streng nach der Donau eilete Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 42; mit dem acc., s. oben 1 c:
deine söhne (Preuszens) sind dir treu;
eilen, selbst allhier in Meiszen,
unsre lindenstadt vorbey
Gottsched ged. (1751) 1, 243;
engel eilten mit weggewendeten blicken Abirams,
eilten Koras verwerfung vorbey, und Dathans
Klopstock Messias 20, 224;
mit dem dativ, s. oben 1 d:
diesen (quellen) eilten vorbei der flüchtling und der verfolger
Bürger w. 236ᵃ Bohtz (Il. 22, 157).
zeitlich: (die zeit) eilt geschwinder vorbey, als man denkt Göthe IV 30, 148 W.in freier übertragung: schönheiten, die die kunstverständigen fliehende und vorbeyeilende schönheiten nennen Ramler einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 222; solche im vorbeyeilen flüchtig angelegte versuche Göthe IV 41, 194 W.
vorbeifahren
ich fahre vorbey, praetervehor, praeternavigo Steinbach 1, 400; vgl. Verwijs-Verdam 9, 956; entsprechend den verschiedenen bedeutungen von fahren: wan eines herren oder potentaten orlogschiff vorbeyführe Chemnitz schwed. krieg 1 (1648), 340; die rieffe im vorbeifahren A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 30; es fähret eine kutsche vorbey J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 2, 136; ihr schmeichelndes lob fährt wie das rumsen gaukelnder müken vor meinen ohren vorbey Wieland w. 3, 74 ak. ausg.; gold, das der vorbeifahrende blitz nachgelassen Herder w. 7, 334 S.; (ein alter,) der mit dem schubbekarren an uns vorbeyfuhr Göthe IV 3, 7 W.; fährt mit dem licht dicht an Zwickers nase v. Nestroy w. (1890 ff.) 2, 8;
die spitze fuhr am linken schulterblatt
vorbei
Bürger w. 158 Bohtz (Il. 5, 16);
nur, ach, des menschen tage fahren
so reiszend, wie ein bach, vorbei
Schubart ged. (1825) 1, 281.
mit dem acc. (s. 1 c): dasz alle ... die mauern Weimars nicht vorbeifuhren Sternberg erinnerungsbl. (1855) 1, 165;
und manche klippe
fährt dein liebster noch vorbei
Göthe w. 1, 55 W.
mit dem dat. (s. 1 d): die gegenden, denen man vorbeifuhr Tieck schr. (1828 ff.) 14, 93. —
vorbeifauchen
wie oft fauchte der alte oberst an mir v. Liliencron w. (1896 ff.) 1, 74. —
vorbeiflattern
(gedanken, die) wie wolkenschatten an seinem bewusztsein vorbeiflattern O. Ludwig schr. (1891 ff.) 1, 168. —
vorbeifliegen
ich fliege vorbey, praetervolo Steinbach 1, 461; im eigentlichen sinn: von dem vorbeyfliegenden adler geraubet Treuer d. Dädalus (1675) 1, 810; pfeile, speere, kugeln fliegen v.; menschen, laufende tiere in schnellster bewegung: dem soeben geschäftig vorbeifliegenden schulmeister Immermann w. 3, 56 H.; küsse im vorbeyfliegen Göthe IV 1, 105 W.;
(Hektor) flog voll heiszer gier, das heer
der Griechen abzudrängen und hinein
zu würgen schnell vorbei (παρήιξεν Il. 5, 690)
Bürger w. 166ᵇ Bohtz.
wagen, schiffe: dasz das schiff wie ein blitz bey denen gleichsam verschwindenden ufern vorbeyflog Lohenstein Armin. 1 (1689) 638ᵃ; der vorbeifliegende wagen hatte ihn ausgesetzt Jean Paul w. 1, 57 H.das von der eigenen bewegung aus gesehene: rechts und links flogen dörfer, städte und weingärten v. Eichendorff w. (1864) 3, 40. — übertragen und in mannigfaltig freiem gebrauch, besonders auch ein gesteigertes vorübergehen, nicht dauern oder keine wirkung hinterlassen: keine farbe mit einem vorbeifliegenden worte weggestorben Herder w. 3, 131 S.; wortschälle (in der kritik der reinen vernunft) lies er vorbeifliegen 22, 333; ich that nur einen vorbeifliegenden blick in die Wuzische küche Jean Paul w. 1, 375 H.; diese gesinnungen waren keine vorbeyfliegende hitze J. v. Müller w. (1810 ff.) 16, 235; der bei dem unangenehmen verweilt und bei dem angenehmen vorbeifliegt Novalis schr. 2, 10 Minor;
da flogen
tausend stürmende seufzer vorbey
Kretschmann w. (1748 ff.) 2, 143;
wie fliegt die zeit vorbey
Schiller schriften 1, 307 G.
mit dem accus. (s. oben 1 c): es ist keine mucke so geschwind, welche euer mäulgen vorbeyfliegen könne Lindenborn Diogenes (1742) 2, 106;
der wie ein adler einst die schnellsten rosse vorbeiflog
Herder w. 26, 95 S.;
schlummernde necket sie (göttin Gelegenheit) stets, wachende fliegt sie vorbei
Göthe w. 1, 237 W.
mit dem dativ (s. oben 1 d): flog ich dem anmutigen Sarsko Selo vorbei Arndt w. 1, 133 R.-M.;
nun fleug schnell mir vorbey (eislauf)
Klopstock oden 1, 173 M.-P.
vorbeifliehen
in eigentlicher bedeutung: haufen von flüchtigen feinden flohen bei uns v. Campe; die vorstellung des entweichens verblaszt oder schwindet dann ganz, das wort berührt sich im gebrauch mit dem vorgehenden:
werklose hummeln
hört die bien im vorbeifliehn
Voss ged. (1802) 3, 67.
dagegen dem eigentlichen sinne näher:
ängstig und eilend flohn wandernde störche vorbei
Hölderlin ges. dicht. 1, 155 Litzmann.
frei: (haufen) ihm begegnender oder vorbeyfliehender ... ideen Lavater physiogn. fragm. (1775 ff.) 1, 232; (zuschauer,) dem die situation zu schnell vorbeiflieht O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 192;
schon war manches gebirge
voll von reben vorbeygeflohn (bootfahrt)
Klopstock oden 1, 83 M.-P.
besonders von der zeit, s.fliehen 3 th. 3, sp. 1790:
schon waren monate mit leichtem fusz
vorbeygeflohn
Wieland w. 1, 400 ak. ausg.;
auf! der mai
flieht sonst vorbei
Schubart ged. (1825) 1, 186.
vorbeiflieszen
vorbeyflieszen, praeterfluere Stieler 514; es fleust bey dem Blocksberge vorbey die Ilsa Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 81; viel leichname flossen im strome bei uns v. Campe (s. flieszen 11 th. 3, sp. 1795); mit dem acc. (vorbei 1 c): (ein flusz) fleust Osterode vorbey Schütz hist. rer. pruss. a 11ᵃ; frei: (die unterhaltung) flosz hat an der frau pfarrerin v. (streifte sie) O. Ludwig schr. (1891 ff.) 2, 344. zeitlich: so flossen die stunden des tages ... auf das angenehmste v. Göthe w. 21, 194 W.; noch flieszt das geschehen, wie ein heiliges räthsel, an uns v. Stifter w. (1901 ff.) 3, 6;
jede stunde, die sonst in deiner umarmung vorbeyflosz
Klopstock oden 1, 58 M.-P.
vorbeiführen
ich führe vorbey, praeterveho, praeterfero Steinbach 1, 391; zu dem bilde, wo die gefangenen vorbey geführt werden Göthe IV 35, 280 W.; wir musten ... ihre kirche vorbey geführet werden A. Olearius reisebeschr. (1696) 18. — euer weg führt euch nahe am Oberhofe v. Immermann w. 2, 116 B.;
heut ist das grosze jagen,
an Fotheringhay führt der weg vorbei
Schiller Maria Stuart 2, 9;
das ohngefähr
führt ihn an einem prachtgebäude
vorbei
Pfeffel poet. versuche (1812 ff.) 9, 179.
so dasz man jemand verfehlt oder nicht aufsucht: er bedauert sehr, dasz seine eilfertige reise ihn nur bey ihnen vorbeygeführt Göthe IV 24, 190 W.freiere anwendung:
meine ufer sind arm, doch höret die leisere welle,
führet der strom sie vorbei, manches unsterbliche lied
w. 5, 219 W.;
o Jesus! führ den kelch vorbei
Brentano schr. (1852 ff.) 1, 78;
ein historisches
vorzeitsfamilienmordgemälde bühnenhaft
dem publicum vorbeizuführen
Platen w. 2, 348 R.
zeitlich: ihm die übrige zeit angenehm und nützlich vorbeyzuführen Göthe IV 42, 227 W.;
ohne kummer, ohne reu,
führst du sie vor mir vorbey
meine tage
Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 3;
lieblich und kosend, wie rosigten mai,
führt uns die liebe den winter vorbei
Schubart ged. (1825) 3, 43.
vorbeigehen
s. fürbeigehen th. 4, 1, 1, sp. 662: pretergradi vorbygaen Diefenbach gloss. 458ᵃ; mnld. vorebigaen Verwijs-Verdam 9, 955; vorbeygehen, praeterire, praetergredi, transire Stieler 627; Steinbach 1, 547.
a)
dem eigentlichen, räumlichen sinne von vorbei entsprechend (s. 1 a), gehen in engerer oder weiterer bedeutung: derohalben konte ich nicht vorbeygehen, ohne ihm mit einem freundlichen grusz zuzusprechen Grimmelshausen 4, 520 Keller; (er) gab Franzen die hand, wie er vorbei ging Göthe w. 8, 25 W.; er lauert nachts, wo er meint, dasz eine v. musz gehn O. Ludwig schr. (1891 ff.) 2, 53;
du, der du gehst vorbey, vergönne mir die ruh
Hoffmannswaldau ged. (1697 ff.) 2, 133;
selbst ein unsterblicher gott verweilete, wenn er vorbeiging,
voll verwunderung dort (ἐπελθών)
Voss Od. 5, 73 Bernays;
sihest du nicht, wie sie aller vorbeygehenden augen auf sich ziehen d. discourse d. mahlern (1721 ff.) 2, 123. — mit näherer örtlicher bestimmung: hier, dort, vorn, hinten, links, rechts vorbeigehen u. ä.; (die) an ihm mit einem grusze vorbeigingen Göthe w. 21, 136 W.; der pfad war ... so schmal, dasz nicht zwei aneinander vorbeigehen konnten G. Keller w. (1889 ff.) 6, 68; diesmal gings etwas enger, am plattigen absturze v. H. v. Barth Kalkalpen (1874) 384;
geh ich vorbei am rabensteine,
so blinz ich nur das rechte auge zu
Schiller räuber 2, 3.
Sesitach gieng ... bey den euszerlichen wachen vorbey Lohenstein Armin. 2, 1043ᵇ; statuen, bei denen wir mit niedergeschlagenem blick vorbeizugehen haben M. v. Ebner-Eschenbach schr. (1893 ff.) 4, 397. — sehet aber zu, dasz ihr morgen eurem manne ursach für meinem hause vorbey zugehen geben möget Prätorius glückstopf (1669) 123;
geh ich mit ängstlich scheuen füszen
vor einer offnen gruft vorbei
Schubart ged. (1825) 1, 182.
vorbeigehen, nicht stehen bleiben, achtlos vorüber gehen: geht v. wie der priester und dankt gott wie der pharisäer Göthe w. 19, 66 W.; dagegen schweiz. bei einem vorbeigehen, im vorbeigehen vorsprechen schweiz. idiot. 4, 907.
b)
andere arten der bewegung: mit pferden, mit schiffen vorbeygehen Stieler 627; wagen, so mit speisen und waffen vorbeygehen würden Bucholtz Herkuliskus (1665) 743; (wagen) der langsam vorbey ging Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 210. — im allgemeinen sinne des reisens: frau v. Kalb, die dieszmal leider nur in der ferne an mir vorbeygegangen ist Göthe IV 10, 216 W.von der bewegung auf dem schachbrett:
nimm den springer nur.   ich will ihn nicht,
ich geh vorbey
Lessing Nathan 2, 1.
geschosse: kugel, welche dicht vor dem schiff vorbeiging Forster schr. (1843) 1, 34;
vaters pfeil
gieng mir am leben hart vorbei
Schiller Wilh. Tell 5, 2;
im prägnanten sinn, s. unter e. — bewegung von himmelskörpern: wenn er (ein planet) über oder unter der sonne vorbeygeht Schubert schr. (1823 ff.) 3, 117. — bewegung des getragen, gereicht werdens: das glas vorbey gehen lassen Adelung;
ungekostet bleibt kein teller,
und kein glas geht voll vorbey
Gotter ged. (1787) 1, 32.
c)
von dem auf dem wege bewegten auf diesen übertragen: ich weisz nicht anders, als dasz der weg von Kassel allerdings bey Wolfenbüttel vorbeygeht Lessing w. 17, 375 M.
d)
von der räumlichen vorstellung aus in mannigfacher freier und übertragener anwendung.mit dem nebensinne des nicht haltmachens, nicht achtens: der tod, der ... so viele tausende hinwegraft ist bey euch vorbeygegangen Miller predigten f. d. landvolk (1776 ff.) 1, 43; die österreichischen manifeste ... muszten an dieser thatsache so viel als möglich vorbeigehen Ranke w. 30, 239; an schwierigkeiten v., ihnen ausweichen; (gleichgültigkeit) geht an der schönheit v. ohne begeisterung Ebner-Eschenbach schr. (1893 ff.) 3, 342; das geht vor der wahrheit v., ist erlogen schweiz. idiot. 4, 907; anders, innerhalb der geistigen entwicklung:
wo wir ja was träumen,
ists kaum seiner jugend gleich.
weil er längst vorbey gegangen,
wo wir denken anzufangen
Neukirch ged. (1744) 4;
kein tag vergeht, dasz du nicht hundertmal an meiner seele vorbeigehst Schubart br. 2, 33 Str.; wie das ungeheure mit ganz leidlichem schritt bey uns vorbeygegangen Göthe IV 24, 21 W.
e)
prägnant von wurf, hieb, stosz, schusz u. ä., das ziel verfehlen: schade um jeden schlag, der, ohne zu treffen, vorbeigegangen Görres schr. (1854 ff.) 5, 186.
f)
auszerordentlich häufig ist im vorbeigehen, zunächst im eigentlichen räumlichen sinne: jemanden im vorbeigehen ansprechen, grüszen, besuchen u. s. w.; es kann dann die vorstellung sich damit verbinden, dasz dem gegenstande, eben weil an ihm vorbeigegangen wird, nur eine geringe oder gar keine aufmerksamkeit geschenkt werden konnte, besonders, wenn nur hinzutritt: ich habe es nur im vorbeigehen gesehen. — im vorbeigehen für des Tyridates zimmer wurde sie gewar A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 219; unsere bekanntschaft, lady, fängt sich sehr im vorbeygehen (flüchtig) an Lessing w. 2, 325 M.; ein nachlässiger knicks im vorbeygehen Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 181; (eiland,) dessen schönheiten wir kaum im vorbeigehen hatten kennen lernen G. Forster schr. (1843) 1, 353; da ich mir denn im vorbeigehen die sämmtlichen munteren gäste flüchtig beschaute Göthe w. 33, 215 W.; so viel ich im vorbeygehen am schlüsselloch erlauschen konnte Kotzebue dram. w. (1827) 2, 84; kam auch im vorbeigehen durch Africa Immermann w. 1, 15 B.;
welche verstohlen
im vorbeigehn nur freundlich mir streifet den arm
Göthe w. 1, 326 W.
dann aber übertragen, besonders auf thätigkeit oder darstellung in rede oder schrift, im sinne von gelegentlich, bei dieser gelegenheit, nebenbei, nicht als hauptsache, flüchtig: wir merken als im vorbeygehen an Gottsched beyträge z. crit. hist. (1732) ff. 1, 45; (anmerkungen,) die herr Klopstock mehr im vorbeygehen, als mit vorsatz zu machen scheinet Lessing w. 8, 44 M.; so wohl über das, was er im flüchtigsten vorbeigehen, als was er am ausführlichsten erzählt Herder w. 18, 423 S.; dies sey im vorbeigehn ein zwar kurzer, aber ... nützlicher commentar Bürger w. 184 Bohtz; vielleicht spreche ich einmal, im vorbeygehen, bey anderer gelegenheit davon Göthe IV 16, 87 W.; grosze kunstwerke gleichsam im vorbeygehn aufzubaun Athenäum 1, 1, 138; alles wird im vorbeigehen abgethan Hebbel br. 3, 32 W. — von etwas im vorbeigehen hören, reden hören, so dasz es nicht ganz aufgefaszt wird:
ein dorfpredikant,
der vom alten Homer im vorbeigehn etwa gehört hat
Voss ged. (1802) 3, 143.
häufig sind absolute verbindungen mit dem part. prät., oder im vorbeigehen allein wird aus dem satz herausgehoben: welchen (don Quichote) ich, im vorbeygehn gesagt, ... lieber habe ... als den gröszten helden des alterthums Bode Tristram Schandi (1774) 1, 49; doch das nur im vorbeigehn gesagt Tieck schr. (1828 ff.) 5, 33. — im vorbeygehen: sie sind doch wohl nicht gar eifersüchtig? Lessing w. 2, 22 M.; wofür mich, im vorbeigehen, niemand entschädigt Bauernfeld schr. (1871) 2, 35.
g)
in verbindung mit dem accus. (s. oben vorbei 1 c), auszerordentlich häufig noch im 18. jh., doch dann seltner werdend und jetzt gemieden; 'sehr unschicklich ist es, wenn einige diese wortfügung auch in der eigentlichen bedeutung des nebenwortes und des zu ihm gehörigen zeitwortes nachahmen' Adelung. dasz dieses verbot dem sprachgebrauch seiner zeit nicht gerecht wird, ist schon a. a. o. bemerkt, s. die gehäuften beispiele unter α.
α)
im eigentlichen räumlichen sinne; der acc. bezeichnet eine person: die Crabaten, so in den vorquartieren lagen, war der feldmarschalck vorbey gegangen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648), 300;
Bartel, man spricht doch
wohl ein freundliches wort, wenn man ehrbare jungfern vorbeigeht
Voss ged. (1802) 2, 294;
jemanden vorbeigehen, ihn wenn man an seiner wohnung vorüber kommt, auf der reise seinen wohnsitz berührt, nicht aufsuchen, so oft bei Göthe: erhalten sie mir ein freundliches andenken und gehen mich nicht vorbey, wenn sie in meine nähe gelangen w. IV 23, 66 W.unpersönliches object; auch hier wird entweder die blosze bewegung in bezug auf einen gegenstand oder aber das nicht haltmachen, nicht eintreten, nicht beachten u. ä. bezeichnet: das gebürge vorbey gehen Steinbach 1, 547; die dörffer, so wir heute vorbey giengen A. Olearius pers. reisebeschr. (1696) 179; alle baurenkinder, die sein haus vorbey gingen Miller Siegwart (1777) 1, 7; körperkrankheiten pflegen nicht den kopf vorbeyzugehen Hippel lebensläufe 3, 1, 141; als ich das Thomasthor vorbeiging Schiller Fiesko 3, 11; ich ging mehrere blenden von heiligen v. Thümmel w. (1812) 4, 150; ich ging einmal alle diese fenster vorbey Ayrenhoff w. (1814) 6, 46;
oft trocknet ich die augen mir,
und ging vorbei den lieben ort
Herder w. 25, 591 S.;
er ging viel hohe palläste
prächtiger sünder vorbey
Klopstock Messias 4, 1053;
und geht dein schwung den sitz
allvaters vorbey
Denis lieder Sineds (1772) 142;
diesen (thron) gehe vorbei
(τὸν παραμειψάμενος)
Voss Od. 6, 310 Bernays;
ich ging die traube stumm vorbei
Rückert w. (1867 ff.) 3, 90.
s. schweiz. idiot. 2, 33.
β)
dann freier und übertragen, übergehen, mit persönlichem und unpersönlichem object: das sie andere, höher begabte, leute hierin vorbey giengen und ihm ... dieses werck anvertrauen wolten Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 70; mein vater, den ich gleichwohl nicht vorbeygehen darf, war ein mann schlecht und recht Musäus physiogn. reisen (1778 ff.) 3, 11; (ich) bitte wenn ich sonst dienstlich sein kann, mich nicht vorbey zu gehn Göthe IV 30, 21 W.; manch andre wollen wohl dienen, gehn unser einen vorbey maler Müller w. (1811) 3, 157; eine menge reizender lüstlinge ging sie vorbei und wählte den meerzwiebelkopf Pericles Meiszner Alcibiades (1781) 1, 263; nicht ungern gehen sie den bischof v. und wenden sich an den pabst Ranke w. (1867) ff. 1, 170; in besonderer wendung: ich freue mich, dasz das rectorat sie diesesmal vorbeygehen wird Gottschedin br. (1771 ff.) 1, 154. — mit unpersönlichem object: das böse, das gott daneben gibt, verdecket er und gehets vorbey Petri d. Teutschen weiszh. (1604 ff.) 2, z 1ᵇ; vieles andere in der lateinischen sprache, welches kürtze halben jetzo vorbey gehe Morhof unterr. v. d. d. spr. (1682) 1, 163; nur einen umstand können wir nicht vorbeygehen Wieland Agathon (1766 ff.) 2, 209; die geschichte geht solche kleine begebenheiten vorbey Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 287; manche versuche vorbeigehend Göthe w. 49, 378 W.; ich musz hier vieles vorbeigehen Grimm rechtsaltert.⁴ 1, 595;
was er ganz unachtsam bisher vorbey gegangen,
erwecket itzo sein gemüth
Gottsched ged. (1751) 1, 33.
ein ding mit stilschweigen vorbeygehen Kramer teutschital. dict. 1 (1700), 492ᵇ; doch gehet er auch nicht mit stillschweigen vorbey den verstand und klugheit der schwalben Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 139. — im sinne von verfehlen: alle drei erklärungen gehen das wesen der schönheit gerade vorbei Herder w. 22, 39 S.
γ)
passivische wendungen, im eigentlichen und übertragenen sinne: (umstände, die) mit stillschweigen nicht können vorbey gegangen werden M. Walther erl. des propheten Daniel (1645) 2, 4; als sie sahen, dasz sie in Mahomets testament vorbey gegangen waren A. Olearius pers. baumgarten 7, 15 anm.; ob alle posten visitiert, und nicht etwan eine vorbey gegangen worden v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 421; der hauptfehler der gantzen sache ist, dasz die wahre hertzensveränderung ... vorbeygegangen wird Francke sonn-, fest- u. aposteltagspred. (1746) 1, 604; weil er, der landesfürst vorbeigegangen worden Ranke w. (1867 ff.) 4, 193;
rosen, heut vorbei gegangen,
sucht man morgen oft zu spät
Hegner schr. (1828) 3, 244;
doch gehn ihr die meisten gesellen vorbey
Voigtländer oden u. lieder (1642) 82;
h)
mit dem dativ (s. oben vorbei 1 d).
α)
im eigentlichen sinne: zu dem sprach ein geistlicher, der ihm vorbeygienge, also A. Olearius pers. baumgarten 9, 21; geht gerade zu ... und der stadt Ravenna vorbey auf Rom M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778 ff.) 1, 149; geht dem geheimen rath und dem major mit viel freundlichen scharrfüszen v. Lenz hofmeister 1, 1; daher man ihr (einer festung) vorbeigehen und ohne gefahr sie im rücken liegen lassen darf Schopenhauer w. 1, 157 Gr.; zumal ich bei so schlechtem wetter ihnen nicht vorbeigegangen war (sie aufgesucht hatte) Hoffmann v. Fallersleben leben 5, 127;
β)
freier und übertragen: dergleichen anlässen und gelegenheiten, die szene zu beleben, geht Shakespeare jederzeit v. O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 141; die scherze ihres tänzers schienen ungehört ihrem ohr vorbeizugehn Storm w. (1899) 2, 100; gingen meine blicke dem leeren, gemalten spiegel v. hinter die coulisse G. Keller w. (1889 ff.) 1, 113;
ach, in schweigender nacht, ging mir die todtenerscheinung,
unsre freunde, vorbey
Klopstock oden 1, 41 M.-P.;
dem zuruf eines aschenkruges
von dieser seltenheit geh nie mein stab vorbei
Thümmel w. (1812) 4, 365.
i)
von der zeit und dem verlauf des geschehens in der zeit: de joget geit bolde vorbey Tunnicius sprichw. nr. 770; denn kein tag ist vorbeigegangen, dasz nicht Liegnitzische ... da zulangeten Schweinichen denkw. (1878) 502; es solle nicht jahr und tag vorbeygehen, so solt ihr wunder über wunder hören Harsdörfer frauenz. gesprächsp. (1641 ff.) 2, 312; nach vorbeygeganger winterkälte Hohberg georg. cur. (1682) 2, 45; in dieser einsamkeit waren zwanzig jahre vorbey gegangen Rabener schr. (1777) 4, 111; so war ich ursache, dasz dieses fest aufs glücklichste vorbeiging Göthe w. 43, 334 W.; während sie (die scene eines dramas) ohne dies wirkungslos und störend vorbeigehen würde O. Ludwig schr. (1891 ff.) 5, 192; eine gelegenheit geht ungenützt v.;
hundert jahr, aus gottes gunst,
sind nunmehr vorbey gegangen
Königsb. dichterkreis 208 ndr.;
es geht kein tag vorbey, dasz er nicht reime saget
Neukirch ged. (1744) 174;
rosenzeit! wie schnell vorbei,
schnell vorbei
bist du doch gegangen
Mörike werke 1, 64 Göschen;
mit dem dat. (s.h): wie schnell ist uns der tag vorbeigegangen!
fünfundzwanzig (jahre) noch einmal
gingen mir vorbei
Rückert w. (1867 ff.) 3, 29.
k)
eine häufige verbindung ist vorbeigehen lassen: wir wollen erst den regen vorbeigehen lassen; eine gelegenheit vorbeigehen lassen, ohne sie zu benützen; (er) wollte diese treffliche gelegenheit, seine kunst und seinen witz zu zeigen, nicht vorbeygehen lassen Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 249; ich will den honigmonat vorbeygehen lassen, ehe ich ihm schreibe Lessing w. 17, 181 M.in ganz anderem sinne: sie furchten mich (die hofmeisterin) wie den teuffel, auch liesz ich ihnen nichts vorbeygehen (jetzt: nichts durchgehen) Elisab. Charlotte v. Orleans br. 5, 118 Holland.
l)
mit betonung des nicht dauerns, des zu ende gehens (vgl. das jetzt in diesem sinne vorgezogene vorübergehen): der schmerz geht v., es geht alles v. u. ä.; (dasz) iedermann nun das ungewitter vorbey gegangen zu seyn glaubte Lohenstein Arminius 1 (1689) 483ᵃ; befand mich nicht ganz wohl, doch ging der anfall bald vorbey Göthe III 4, 63 W.; doch es ist nun vorbey, und mir thut nichts herzlicher leid, als das alles sobald vorbey gegangen ist Caroline 1, 210 W.; wir wollen alles vorbey gegangene vergessen Hafner lustsp. (1812) 2, 195;
sterbliche sind wir und sterblich sind all unsere wünsche:
leid und freude sie gehn oder wir gehen vorbei
Herder w. 26, 23 S.;
das geht vorbei,
trift ihn einmal die reihe zu befehlen
Schiller dom Karlos 2, 13;
schweig herz! kein schrei!
denn alles geht vorbei
Brentano schr. (1852 ff.) 2, 199.
das part. präs. geht in den sinn von flüchtig über: der reichthumb ist ein vorbeygehender schatten A. Olearius pers. baumgarten s. 108ᵃ; (der) ein vorbeigehendes abenteuer nicht verschmähete Göthe w. 21, 286 W.
m)
im sinne von stattfinden, geschehen (veraltet): (welches) in der eilfärtigen druckverbässerung forbeigegangen ist Bellin hochd. rechtschreibg. (1657) b 5ᵇ; an demselben ort, wo dieser blutige brudermord vorbeygegangen Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 145; es geht hier eine schelmerey vorbey Hafner lustsp. (1812) 2, 65; vgl. schweiz. idiot. 4, 907 und vorbeilaufen. —
vorbeigelingen
mislingen, neue scherzhafte bildung d. richtige Berliner 148ᵃ; Müller-Fraureuth 2, 627ᵇ. —
vorbeigleiten
ach, ich sah es, wie ihr schlitten
windesschnell vorbeygeglitten
Miller ged. (1783) 162.
vorbeihauen
beim hauen nicht treffen; oft in der umgangssprache übertragen: er hat mit seiner antwort tüchtig vorbeigehauen; im süddeutschen auch vom fehlschusz zeitschr. f. d. wortf. 9, 62. —
vorbeihinken
so lahm und ungeziemend,
dasz hunde bellen, hink ich wo vorbei (as I halt by them)
Shakespeare, Richard III. 1, 1.
vorbeihüpfen
übertragen: goldne jahrtausende hüpften wie bräute vor unsrer seele v. Schiller kab. u. liebe 5, 7. —
vorbeiirren
(wie) Hamlet vorbeiirrt ... vor dem bilde seines vaters Herder w. 5, 224 S.; eine von weither vorbeiirrende gewehrkugel Alverdes Reinhold (1931) 47. —
vorbeijagen
um dem (im wagen) vorbeijagenden kaiser auszuweichen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 617; übertragen: vor den augen der phantasie vorbeigejagt Bürger w. 320ᵃ Bohtz.
vorbeikommen
im eigentlichen sinne, ohne nähere bestimmung, oder mit präpositionen oder adverbien: da kam meine muhme vorbey Göthe w. 13, 2, 299 W. — inzwischen kamen ein paar kapuziner bey der grotte vorbey Miller Siegwart (1777) 1, 23; sie kamen an der canzlei v. Göthe w. 24, 157 W.; bis er endlich auch vor uns v. kam Solger schr. (1826) 1, 53; indem sie dicht unter einer feindlichen brigg vorbeikamen Moltke schr. u. denkw. 1, 15;
er kömmt hier wiederum vorbey
Lessing Nathan 3, 3.
mit dem acc. (s. 1 c): diese nacht kamen wir die beyden insuln vorbey A. v. Mandelslo morgenl. reisebeschr. 25; eines tages kam er ein arabisches lager v. Sturz schr. (1779 ff.) 1, 267; darauf kommt man Hohentwiel und die anderen berge ... vorbey Göthe IV 12, 315 W.mit dem dativ (s. 1 d): wie dasz der kayser so gleich ihrem pallast vorbey kommen würde A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 4, 480; kommt Cain der laube vorbey maler Müller w. (1811) 1, 65. — übertragen: wir sind selber arm; wer weisz, ob wir am betteln vorbeikommen A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 277. — besonders negiert, an etwas nicht vorbeikommen, etwas, das unbedingt zu berücksichtigen, dem nicht auszuweichen ist u. ä. bezeichnend: (da sie) glaubens und gewissens halber nit vorbey zue kommen vermöchten verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 316; an der auferweckung des Lazarus kann er dann freilich nicht wohl vorbeikommen D. Fr. Strausz schr. 3, 135 (vgl. vorbeikönnen). — in besonderer wendung für absterben, aussterben: wan overs myn slechte vorby komen is quelle des 16. jh. bei Schiller-Lübben 5, 314ᵇ. —
vorbeikönnen
ein verbum der bewegung ist zu ergänzen; jetzt nur noch im eigentlichen sinne: es ist zu wenig raum zur seite, man kann nicht v. Campe; dagegen in älterer sprache sehr oft negiert im übertragenen sinne wie nicht umhin können, wo dieselbe sinnliche vorstellung zu grunde liegt; es folgt meistens der infinitiv oder ein untergeordneter satz: hette der churfürst ... nicht vorbey gekont, sondern sich des armen landes annehmen müssen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 170; also kunte Florindo nicht vorbey, er muste seiner seelen einen stosz thun Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 8; gleichwohl konte Libys nicht vorbey sein endurthel zu eröffnen Lohenstein Arminius (1689 ff.) 1, 16ᵃ; klägerin kan nicht vorbey, wider ihren ehemann klagend anzubringen Menantes allern. art höfl. u. gal. z. schreiben (1718) 548;
weil ich bin bei dir nicht,
so kan ich nicht vorbei, ich musz es an dich schreiben
Fleming ged. 1, 522 L.;
so kan ich nicht vorbey, es wehrt sich meine hand
Rachel satyr. ged. 142 ndr.;
in anderem sinne, etwas nicht hindern können:
(ich) kan doch nicht vorbey,
dasz so ein stern regiert
Chr. Weise d. grünenden jugend überfl. ged. 54 ndr.
vorbeikrächzen
was krächzt vorbei mit flügelschlag?
Göthe Faust 7214.
vorbeikreuzen
von schiffen; übertragen: eine vorbeikreuzende schwalbe Jean Paul w. 15/18, 97 H.
vorbeilassen
ich lasse vorbey, praetermitto, intermitto, omitto Steinbach 1, 981.
a)
im eigentlichen räumlichen sinne, ein verbum der bewegung ist zu ergänzen; vgl. Verwijs-Verdam 9, 955: da sehe ich jemanden gehn, den wollen wir erst vorbey lassen Lessing w. 2, 135 M.; Japaner, die bis zu diesem hafen einlaufen, aber nicht weiter gegen westen vorbeigelassen werden Ritter erdkunde (1822 ff.) 4, 616; du läszt mich gutwillig v. O. Ludwig schr. (1891 ff.) 2, 34;
mylord, weicht aus und laszt den sarg vorbey (let the coffin pass)
Shakespeare, Richard III. 1, 2.
im bilde: er musz, was ihm ungewöhnlich ist, mit abgewandten blicken vorbeilassen Göthe w. 37, 262 W.
b)
im zeitlichen sinne von vorbei: morgen ist Hubertus, den kein braver jäger ungejagt vorbey läszt maler Müller w. (1811) 3, 357; ohne dasz er günstige zeiten brauchte (ungenützt) vorbeizulassen Schleiermacher Platons w. (1804 ff.) 6, 149;
lasz erst vorbei das bunte freudenspiel
Göthe Faust 5049.
besonders häufig eine gelegenheit vorbeilassen: er (Homer) läszt keine gelegenheit v., ihn (den krieg) ... zu schildern Herder w. 17, 175 S.; dasz du diese gelegenheit nicht vorbey lassen must Lichtenberg br. (1901 ff.) 1, 201; die gelegenheit ist zu passend, als dasz wir sie vorbeilassen sollten J. Grimm kl. schr. 4, 67.
c)
zur seite lassen: Stralsund nämlich beschlosz ich diesmal vorbeizulassen Ruge w. 9, 10; die ursprüngliche räumliche bedeutung ist hier ganz verkehrt.frei und übertragen, etwas übergehen, bei seite lassen, nicht berücksichtigen, nicht erwähnen, unterlassen. in dieser anwendung veraltet: etwas stille vorbey lassen, silentio aliquid praetermittere; er läszt eine seite vorbey, transit paginam Steinbach 1, 981; weil ich einen politischen redner auch in diesem stück nicht ohne alle anleitung kan vorbey lassen Chr. Weise polit. redner (1677) 165; eine sache, die ich als fremder nicht ohne anmerkung vorbey lassen kann J. E. Schlegel w. 5, 42; dasz sie (in der schrift) die weit natürlichern zeichen, die bilder von sachen, vorbeilieszen und hauche malten Herder w. 5, 139 S.; eigentlich gehört diese stelle nicht hierher, allein ich habe sie nicht vorbey lassen können Dusch schr. (1758) 93; man läszt die ehrlichkeit vorbey und denkt nur auf den nutzen samml. v. schauspielen (Wien 1764 ff.) 7, 59; einen eifrigen liebhaber der wahrheit, der keine art von kenntnisz ganz und gar vorbey gelassen Kästner schr. (1755) 1, 56; wie er selbst nicht vorbeiläszt anzumerken Schiller schr. 2, 382 G.; ein wichtiger folgesatz, den wir ... nicht vorbeilassen dürfen Fichte w. (1845 ff.) 2, 139. —
vorbeilaufen
vorbey lauffen, praetercurrere Reyher thesaurus (1686) o 2ᵇ; Steinbach 1, 997; nld. vorebilopen Verwijs-Verdam 9, 956. — im eigentlichen sinne von laufen, räumlich: stehend oder vorbey laufend v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 28; Christine schwatzte im vorbeylaufen von einem unanständigen betragen Chr. F. Weisze lustsp. 1, 174; ein knabe läuft vorbey Göthe w. 47, 358 W.;
wenn sie ein stamm anrührt, indesz sie laufft vorbey
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 12.
mit näherer bestimmung: als er an seiner hütte v. laufen will O. Ludwig schr. (1891 ff.) 1, 169;
wer ligt der ligt.   vor ihm laufft männiglich vorbey
Zinkgref auserl. ged. 65 ndr.
von der bewegung des schiffes und der auf ihm fahrenden; (wir) wollten eben daran (an einer insel) v. laufen, als der wind mit einem male aufhörte G. Forster schr. (1843) 2, 187. — vom wasser: das wasser läuft vorbey, aqua praeterfluit Steinbach 1, 997; wirdt noch vielle wasser unter der brücken vorbeylauffen, wie man zu Heydelberg zu sagen pflegt El. Charl. v. Orleans br. (1719) 5, 62 H.; auf dem flusse, der bei seinem hause vorbeilief Lenz schr. 3, 134, 7. — freier, von einem wege: am weg, der am see vorbeyläuft Heinse w. 10, 27 Sch.in besonderen wendungen:
erhitzt von wildem feur lauft mancher dichter
bey der vernunft vorbey
Ayrenhoff w. (1814) 5, 78;
kühner:
(wenn die flur) mit spielenden farben
vor des wanderers blick am fernen gehölze vorbeyläuft
Zachariä poet. schr. (1763 ff.) 4, 104.
im sinne von vorkommen, stattfinden, vgl.vorbeigehen, m: (fehler,) die täglich bey dem gemeinen mann im curiren vorbey lauffen mediz. maulaffe (1719) 960. — im eigentlichen und übertragenen sinne kann vorbeilaufen mit dem acc. oder dem dat. verbunden werden, s.vorbei 1 c, d: ich kann das haus nicht ohne schauer vorbeilaufen Hippel lebensl. 4, 205; liefen wir die Adventure und das andere schiff v. Forster schr. (1843) 1, 31. — dennoch giebt es beispiele genug, wo deutsche klepper englischen rennern vorbeigelaufen sind Fr. L. Jahn w. 1, 100 E.; wenn man über dem trachten nach dem höfling und menschen dem bürger vorbeiläuft Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845 ff.) 1, 468;
dasz es (ein pferd) dem winde manchmal lief vorbei
Gries Bojardos verl. Roland (1835) 1, 15.
von der zeit: die zeit läuft vorbey, liebchen maler Müller w. (1811) 3, 17; vor dem hause zu stehen und die zeit an sich vorbeilaufen zu lassen Gotthelf schr. (1855 ff.) 18, 78. —
vorbeiläuten
die hummel, die schläfrig vorbeiläutete Stifter w. (1901 ff.) 1, 176. —
vorbeilegen
im sinne von beilegen: diesulbige sacke in frundtschop vorby leggen quelle d. 16. jh. bei Schiller-Lübben 5, 315ᵃ. —
vorbeileiten
(pferd,) wenn es, ohne sattel und reuter, vorbeigeleitet wird Francisci d. alleredelste pferd (1670) 214; weil der künstler den geist gehabt hat, ... raschen ganges das ganze an uns vorbeizuleiten Göthe w. 49, 356 W.
vorbeilenken
alwo ihr
euer gebogenes schiff vorbeilenkt, edler Odysseus
Voss Od. 12, 82 Bernays.
vorbeimarschieren
(wenn wir knaben) bei den mädchen vorbeimarschierten und unsern soldatischen schritt gegen ihr gänsegetrippel hervorzuheben suchten G. Keller w. (1889 ff.) 1, 90; mit dem acc. (s. vorbei 1 c): den achten und neunden weinmonats marchirten beyde arméen ... die stadt Basel vorbey Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 250. —
vorbeimurmeln
der vorbeimurmelnde bach Herder w. 5, 49 S.
vorbeimüssen
mit ergänzung eines verbums der bewegung: hier wollen wir stehn, denn da musz der kaiser v. Göthe w. 8, 80 W.;
er (der soldat) musz vorbey an der städte glanz
Schiller Wallensteins lager 11.
vorbeineigen
wenn ich die staatspuppen (die kinder) unsrer frau amtsschreiberin sehr gelassen vorbeineigen sehe Möser w. (1842 ff.) 2, 88. —
vorbeipassieren
oft in älterer sprache: (die) zusehen wolten, wan die kaiserliche braut v. passiren würde A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 796. mit dem acc. (s. vorbei 1 c): (weil) er das haus nothwendig vorbey passiren muste Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 230; wenn sie ... die festung v. passirten Steffens was ich erlebte (1840) 1, 65. — übertragen: dargegen die gottselige diese von andern groszgeachte wollüsten ... gantz kaltsinnig vorbey passiren Grimmelshausen 4, 668 Keller.in neuerer sprache auch wohl als beabsichtigter steifer ausdruck: der kammerjunker, der wie gewöhnlich mit einem halben kopfnicken an mir vorbeipassierte Storm w. (1899) 1, 77. —
vorbeipfeifen
kaum pfiff dem ehrenmann ein heisz und zischend bley
bey seiner glatten stirn und lockenpracht vorbey
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751 ff.) 2, 380.
pfeifend vorbeigehen: um den vorbeipfeifenden studenten ... zu sehen Jean Paul 20/23, 36 H.
vorbeiquellen
und eine thräne quillt
vorbeigequollnen freuden nach
Göthe w. 4, 189 W.
vorbeirasen
vom wasser: an der nordseite rast die Emme v. Jung-Stilling schr. (1835 ff.) 1, 565. —
vorbeirauschen
cum strepitu praeterlabi Stieler 1538; vom wasser: durch welche (gegend) die Limat unten in der tiefe vorbey rauscht Heinse w. 7, 33 Sch.; verblassend: das zwar stille, doch schnelle vorbeyrauschen der wasser Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 97; im bilde: gegen den sturz der vorbeirauschenden industriellen wogen Immermann w. 7, 257 B.in allgemeiner, mannigfaltiger anwendung; zu beachten ist, dasz jetzt die vorstellung des geräusches durchaus festgehalten wird, im eigentlichen wie im übertragenen sinne (eine dame im ballkleid rauscht vorbei, festtage rauschen vorbei), während das in älterer sprache keineswegs immer der fall ist und öfters die vorstellung des schnell vorübergehens betont wird.lebende wesen: itzt rauschte ein würmchen ... vorbey Geszner schr. (1777 ff.) 1, 109; die flüchtig vorbeirauschende wilde jagd Grabbe w. 4, 208 Bl.;
der eber rauscht vorbei
A. v. Droste-Hülshoff schr. 2, 336 Cotta;
zwar ist er nie an uns vorbeigerauscht
gefühllos
Rückert w. (1867 ff.) 3, 111.
mit dem acc. s.vorbei 1 c:
oft weint ich, wenn ich sehen müssen,
wie stolz du mich vorbeigerauscht
K. W. Müller versuch in ged. (1755) a 5ᵇ;
im vorbeirauschen, wie im vorbeigehen: (sie haben) der schlösser aber nur im vorbeirauschen meldung gethan Valvasor d. ehre des herzogthums Crain (1689) 3, 2, 3; (sage) im vorbeyrauschen dem cammerdiener Lavater in schr. d. Götheges. 16, 97. — unbelebtes: über der aufmerksamkeit auf eine menge vorbeyrauschender gegenstände Wieland Agathon (1766 ff.) 2, 270; auch diese groszprahlerei wäre wol an dem alten vorbeigerauscht Voss antisymb. (1824) 1, 383; mir war, als hörte ich die gewänder der zeit vorbeirauschen O. Ludwig schr. (1891 ff.) 2, 446;
das wetter rauscht fürbey
Fischer-Tümpel d. ev. kirchenl. 2, 351;
auf rosenfarbenem fittig
rauschet die morgenröthe vorbey
Zachariä poet. schr. (1763 ff.) 4, 8;
wenn die rauschende freude vorbeygerauschet ist
Lenz ged. 32 W.
von der zeit: um die ersten triumphtage des fürsten vorbeyrauschen zu lassen Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 2, 6;
wie plötzlich rauscht die zeit vorbey
Triller poet. betr. (1750) 3, 249.
vorbeireden
neuere, oft gebrauchte bildung: sie reden aneinander v., treffen den weg der verständigung nicht, auf dem das gespräch oder die verhandlung zu einem resultat führen könnte.
vorbeireisen
praeterire, praetergredi Stieler 1589; vor- ò fürbeyreisen, passare per viaggio Kramer teusch-ital. dict. 2 (1702), 317ᶜ; damit nur alle vorbeyreisende seine persohn mögen anschauen Abr. a s. Clara Judas 2 (1689) 263; wundert mich also nicht, dasz sie sich nicht hatt sehen lassen im vorbeyreissen El. Ch. v. Orléans br. 2, 226 Holland; er erfuhr, dasz ein alter theatralischer freund nicht weit von dem gute vorbeireise Göthe w. 24, 266 W.nicht aufsuchen: so konnte ich dieses mal unmöglich so wieder bey ihr vorbeyreisen Lessing w. 18, 146 M.mit dem acc. (s. vorbei 1 c): aber das weisz ich, das er Aalen vorbeyreiszte Strausz Schubarts leben 1, 12;
heut sind wir ihn vorbeigereist
Göthe Faust 2191.
dat. oder acc.: Albrecht ist uns gegen sein versprechen v. gereist briefw. zwischen J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 260. —
vorbeireiten
vorbey ò vorüber (fürüber) reiten, passare dinanzi à cavallo Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 329ᶜ; Steinbach 2, 273; wenn einer einen dicken hals hat, so musz er auffwarten, bis ungefehr zwey leute auff einem pferde vorbey reiten Prätorius philos. colus (1662) 218. — mit dem acc. (s. vorbei 1 c): indessen sah ich viel müszige hofcavaliere mein haus vorbeyreiten Knigge roman meines lebens (1781) 1, 148; mit dem dat. (s. vorbei 1 d):
so sind wir schon dem haus vorbeigeritten
Immermann w. 16, 232 B.
vorbeirennen
vorbeyrennen, transire, praetergredi velociter Stieler 1614; kurtz hierauf rannten aus diesem wald etliche wägen mit rossen bespannet bey dem circkel in einer fury vorbey Widmann Fausts leben 99 Keller. scheinbare bewegung: was hab ich gesehen? — ganz stille landstrasze mit bäumen besezt, die wie besessen an uns vorbeirennten Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 431. frei und übertragen: manche schriften zu überlesen oder zu überlaufen, die lang vor mir vorbeygerannt sind Göthe IV 22, 23 W.; sie wollen uns alten vorbeirennen, es immer besser machen als gut Immermann w. 7, 147 B.
vorbeirieseln
die kühle grotte, neben der ein kleiner bach vorbey rieselte Miller Siegwart (1777) 1, 19. —
vorbeirinnen
Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 362ᶜ; die statt Wienn hat den namen vom kleinen wasser, so daselbst vorbey rinnt Abraham a s. Clara Judas d. ertzschelm (1868ff.) 1, 505; übertragen:
als wär ein traum vorbeigeronnen
Lenau w. 528 Barthel.
vorbeirücken
der schon halb vorbey gerückte winter Lohenstein Arminius 2, 36ᵃ; aber die scenen rücken v., die zeiten ändern sich Herder w. 23, 214 S.
vorbeirufen
eigenthümlich, rufen und an sich vorbeiziehen lassen: wenn man aus der abgelebten zeit, die grauesten schatten und die geschlechter nach ihnen, vor unserm auge vorbeiruffet Herder w. 1, 15 S.
vorbeisäbeln
süddeutsch für vorbeischieszen z. f. d. wortf. 9, 62, vgl. vorbeihauen. —
vorbeisausen
von schneller bewegung in mannigfachster anwendung, gewöhnlich mit der vorstellung des entstehenden geräusches: (wenn man) die kugeln an sich vorbeisausen hörte Göthe w. 33, 295 W.; Ottilie, die eben mit Theodor an ihm vorbeisausete Holtei erz. schr. 10, 107; frei:
so saust des lebens wilde fehde
dir still vorbei
Arndt w. 5, 170 Rösch-Meisner.
vorbeischäumen
von einem schnell segelnden schiff: als sie daran (am feuerschiff) vorbeigeschäumt waren Gorch Fock seefahrt ist not (1914) 151. —
vorbeischieben
wer schiebt sich da mit seinem weiszen haar
so wunderlich vorbei?
Hebbel w. 4, 264 W.
anders, beim kegeln, nicht treffen.
vorbeischieszen
mit dem schusz nicht treffen: er konnte nicht leben, ohne nicht des tages einige male geknallt zu haben, schosz aber regelmäszig v. Immermann w. 1, 150 B.; mit dem acc.: eins (elenthier) schosz ich ... an, ... und eins gründlich v. Bismarck br. an s. braut u. gattin 389; mit dem dat.:
dasz er verfehlte die spur des rehs und dem hasen vorbeischosz
grafen zu Stolberg w. (1820ff.) 3, 272.
sehr oft übertragen, fehlen, irren: die eigentliche vorstellung kann dabei festgehalten werden (s. z. b. die stelle aus G. Keller): in der anwendung ihrer grundsätze schieszen sie neben dem ziel vorbey Musäus physiogn. reisen (1778ff.) 3, 81; wie du wiederum schwärmst, ganz vor meinem kummer vorbeyschieszest Klinger n. theater (1790) 2, 184; dasz die ... abhandlung ... an dem ziele vorbeigeschossen hatte Gutzkow w. (1872ff.) 5, 6; weil sie gleich im beginn des wortwechsels neben einander vorbeischossen mit ihren gespitzten pfeilen G. Keller w. (1889ff.) 6, 230; mit dem acc.:
die (politiker) hatten alle meilenweit
das ziel vorbeygeschossen
Blumauer ged. (1782) 193.
das part. prät. alleinstehend, im ausruf, zur bezeichnung des irrthums: vorbeigeschossen! grade das gegenteil ist wahr. — von schneller und heftiger bewegung: er schosz wie ein pfeil v. Campe; da es (das wilde schwein) bey ihnen vorbeyschieszen wollte J. E. Schlegel w. 5, 280; sie schossen heftig bei der kutsche v., so dicht, dasz sich die beiden fuhrwerke berührten Holtei erz. schr. 21, 171; der strom schieszt dunkel glatt und schneller v. Eichendorff w. (1864) 2, 201;
wie sie, die unaufhaltsame, vorbei
schieszt an dem fuhrwerk
H. v. Kleist w. 2, 38 E. Schm.
mit dem acc.: ein strom von rauch und dampf, der die sonne vorbeygeschossen kömmt d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751ff.) 1, 25. — von der zeit:
neun jahre sind vorbeygeschossen
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 173.
vorbeischiffen
praeternavigare, navibus praetervehi Stieler 1792; Steinbach 2, 412; besonders in der verbindung mit klippe u. ä., oft in übertragenem sinne: laszt uns dann bei den übrigen städten Siciliens, rund um das eiland herum, ... vorbeischiffen Meiszner Alcibiades (1781) 3, 88; dasz ich mit meinem sechsten buche wenigstens glücklich vor der klippe vorbeygeschifft bin Göthe IV 10, 289 W.;
jedesmal,
dasz meine hoheit an der hochzeitsklippe
vorbeischifft
Schiller Turandot 2, 1.
mit dem acc. (s. vorbei 1 c): sodann schiffte er den meerbusen selbst v. G. Forster schr. (1843) 4, 15; Rüdesheim und auch Linz vorbeischiffend (dat ...?) briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 352. —
wer schifft, im lustspiel, jede klippe
der übertreibung glücklicher vorbey?
Gotter ged. (1787) 1, 212;
in Eisenach hoffe ich Scylla und Charybdis vorbeizuschiffen Göthe IV 9, 138 W.
vorbeischlagen
schlagend verfehlen: an jemanden vorbeischlagen. — dann in jetzt veralteter anwendung, wie überschlagen: von der bewegung der ersten materie wird c. xiv. gehandelt, welches wir aber ... vorbeyschlagen Leibniz d. schr. (1838ff.) 2, 338; wem meine erinnerungen zu geringe scheinen, der kan sie nach belieben vorbeyschlagen Neukirch anweisung zu t. br. (1709) vorrede; vgl. Verwijs-Verdam 9, 956. —
vorbeischleichen
warum musz er (Apollo) sich, der nacht gleich, das ist: mit dunkel bedeckt, bei den Griechen v. schleichen Herder w. 3, 111 S.;
unterdessen schleichet auf dem gange
häuslich spät die mutter noch vorbei
Göthe w. 1, 223 W.
das sanfte geräusch des vorbey schleichenden flusses Lindenborn Diogenes (1742) 1, 84. — übertragen: wenn er die übrigen materien, so ohne prüfung, vorbeischleichen lässet Herder w. 3, 171 S.von der zeit: die ersten tage schlichen für ihn in einer art von zärtlicher melancholie vorbey Wieland Agathon (1766ff.) 2, 15. — mit der vorstellung des ausweichens: was thut der mystiker anders, als dasz er sich an problemen v. schleicht Göthe w. 7, 66 W.; man sehe, wie vorsichtig er (Creuzer) ... vorbeischleicht Voss antisymb. 1 (1824), 338. — mit dem acc. (s. vorbei 1 c):
es schleicht der echte schlaf den federpfühl vorbey
Hagedorn poet. w. (1764) 1, 23;
wie viele schleichen nicht aus ihrem opferhaine
... mich lauschenden vorbei
Thümmel w. (1811) 2, 199;
he slîkt mi vörbi as en hönerdef Wander sprichw. lex. 4, 1689. —
vorbeischleudern
mit dem acc. oder dat.: ein sturm, der das schiff Vlie und Texel vorbey schleuderte Nicolai Seb. Nothanker (1773ff.) 3, 3. —
vorbeischlüpfen
klug und zierlich schlüpft sie vorbei
Göthe w. 1, 262 W.
übertragen: in ihrem umgang die schnellen stunden vorbeyschlüpfen zu lassen Wieland w. 3, 35 ak. ausg.; dasz ich ... in meiner trägheit jede gelegenheit vorbeischlüpfen lasse Tieck schr. (1828ff.) 7, 215. —
vorbeischmiegen
an jedem hügel schmiegt sie (die welle) sich vorbei
Göthe Faust 10223.
vorbeischnurren
süddeutsch, ohne grusz schnell vorbeigehen Fischer schwäb. wb. 2, 1644 (vgl.-schummeln); nur nicht immer so hochmüthig vorbei geschnurrt, als ob du ein Preusze wärest Gotthelf schr. (1855ff.) 12, 114; doch auch in unbestimmterem sinne schweiz. id. 9, 1285; Martin-Lienhart 2, 506ᵃ; diesen (Freiligrath) werde ich freilich nicht sehen können, da das dampfboot an St. Goar vorbeischnurrt A. v. Droste-Hülshoff br. an Schücking 92;
der vagabund (komet) schwieg auch und schnurrte links vorbey
Pfeffel poet. versuche (1812ff.) 7, 71.
vorbeischreien
ungewöhnlich, im vorbeigehen ausschreien: wann eine bäurin milch etc. vorüber- ò vorbeyschreyet Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 669ᶜ. —
vorbeischreiten
mit dem acc. (vgl. vorbei 1 c):
so schritt er, grad um diese dumpfe stunde
schon zweymal kriegrisch unsre wacht vorbey (hath he gone by our watch)
Shakespeare Hamlet 1, 1.
vorbeischummeln
vorbeischleichen:
gut geschlafen, Sofie? ja schummele mit dem gepäck nur
ohne zu grüszen vorbei
Voss ged. (1802) 2, 99.
vorbeischweben
kaum geschlossen des wachenden aug, eh noch es in schlaf
schwebten ihm bilder vorbei sinkt,
Herder w. 23, 290 S.
vorbeischwimmen
mit dem acc. (vgl. vorbei 1 c):
niedergeworfen im sturm, schwamm auf dem strome der
rohrgebüsche vorbei eichbaum
Herder w. 26, 151 S.
vorbeischwinden
als längst schon die erscheinung schwand vorbei
A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 231 Cotta;
die (dem fahrenden) vorbeischwindenden statuen der heiligen auf der lehnmauer der brücke Göthe w. II 5, 2, 397 W.
vorbeischwingen
zu morgen, als es tagen wollt,
die eule kam vorbeigeschwingt
Göthe w. 3, 211 W.
vorbeischwören
in besonderer wendung: der könig habe an der verfassung vorbeigeschworen Varnhagen v. Ense tageb. (1861ff.) 7, 55. —
vorbeisegeln
vor einem vorgebürg ... vorbeysegeln Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 734ᵇ; hast du die schiffe gesehen, die vorbey segelten? Klinger theater (1786ff.) 2, 314; mit dem acc. (vorbei 1 c): eine stadt vorbey segeln Steinbach 2, 559; mit dem dat. (vorbei 1 d): (eine halbinsel,) welcher ... alle ... schiffe ... vorbeisegeln müssen Arndt w. 1, 37 R.-M.im bilde: die gefährlichste klippe eines schriftstellers ist langeweile; wer vor dieser glücklich vorbeisegelt, ... Tieck schr. (1828ff.) 14, 236. —
vorbeisehen
zunächst einfach örtlich: er sah an dem hause v. in die ferne; es kann dann auch ein absichtliches nicht sehen wollen bezeichnen: sie sieht immer an mir v. —
vorbeisein
diese verbindung ist natürlich besonders reich entfaltet:
a)
die bewegung an etwas vorüber ist abgeschlossen: der wagen mit dem gelte ist vor sive vorbey Stieler 174; ich bin vorbey, praetereo Steinbach 2, 984; die kutsche ist vorbey; besser vorüber Braun d. orthogr. wb. (1793) 291ᵇ; wenn nur erstlich die hauptrunde vorbey wäre schauspiele engl. comöd. 152 Cr.; da sehe ich jemanden gehn, den wollen wir erst vorbey lassen. — er ist vorbey Lessing w. 2, 135 M.; und die Heiterethei? ... die ist erst vorbeigewest? O. Ludwig schr. (1891ff.) 2, 50; Lehnert, als er an Opitz v. war, war auf sein haus zugegangen Fontane w. I 6, 37;
seid ihr da (bei Ophiuchus) glücklich vorbei, so naht euch dem zielenden hofrath
Schütz nur getrost
Schiller schr. 11, 108 G.;
mit dem acc. (vgl. vorbei 1 c): ich war den kirschbaum vorbey Geszner w. (1778) 2, 56.
b)
auf zeitbegriffe bezogen, zunächst einfach das vergangen sein bezeichnend ('am häufigsten im gemeinen leben, wofür in der edlern schreibart vorüber gebraucht wird' Adelung): wenn der monat vorbey ist, exacto mense Steinbach 2, 984; es ist fünf v., mitternacht v. u. ä.; übertragen: bei ihm ists elfe v., nächstens aus Fischer schwäb. wb. 2, 1644. — es sind aber noch wenig stunden v., dasz ich ihn daselbst gesehen habe A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 40; acht tage waren v., und die besserung so unmerklich Göthe w. 43, 251 W.; da war die nacht v. O. Ludwig schr. (1891ff.) 2, 417;
nur auf vier und zwanzig stunden,
das biszgen zeit ist leicht vorbey
Stoppe Parnasz (1735) 35;
aber schwöre mir jezo, es nicht der mutter zu sagen,
ehe der elfte tag vorbei ist oder der zwölfte
Voss Od. 2, 375 Bernays;
das verbum verschwiegen:
nun weisz man erst was rosenknospe sei,
jetzt da die rosenzeit vorbei
Göthe w. 4, 114 W.
c)
dann aber emphatisch mit verschiedener empfindung, rückblickend auf eine zeit, die unwiederbringlich dahin ist, nicht in gleicher oder ähnlicher weise wiederkehrt: die zeiten sind gottlob! vorbey Hippel lebensläufe (1778ff.) 1, 430; glückselige zeiten, ihr seid v. Göthe w. 8, 28 W.; die zeiten des glanzes der bewaffneten bürgerschaften waren v. Ranke w. (1867ff.) 9, 22;
die uhr mag stehn, der zeiger fallen,
es sei die zeit für mich vorbei
Göthe Faust 1706.
d)
ebenso von allem, was in der zeit vorgeht und verläuft, zunächst ohne besondere betonung: die hitze ist vorbey, calor se fregit Steinbach 2, 984; man sagt wohl auch: der erste act der aufführung ist v., die kirche (d. h. der gottesdienst) ist noch nicht v. — ob nun zwar derogestalt das erste schrecken vorbey war Lohenstein Arminius (1689ff.) 2, 10ᵃ; wenn die feyerlichkeiten ... vorbey waren schlesw. litbr. 250 lit.-denkm.; unsere modernen kriege machen viele unglücklich, indessen sie dauern, und niemand glücklich, wenn sie v. sind Göthe w. 32, 78 W.; du bist weise und siehst das zukünftige, und das vergangene ist dir nicht v. 39, 341; (das verbum verschwiegen:) nun? ... die wacht v., Lene? O. Ludwig schr. (1891ff.) 2, 70;
und wenn mein unglück ist vorbey,
so gib, dasz ich auch danckbar sey
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 319;
ich hört ein vöglein singen: 'vorbei ist gottes zorn'
Rückert w. (1867ff.) 1, 191.
e)
dann aber emphatisch und rückblickend, das ende, völligen abschlusz, das nicht mehr wiederkehrende, nicht mehr gut zu machende, etwas, auf das man nicht mehr rechnen kann, auch das überwundene bezeichnend: es ist vorbey, exactum est Steinbach 2, 984; mein spielen ist v., ich musz jetzt geld verdienen A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 275 Cotta;
der feldmarschall ist tod. die hoffnung ist vorbey
König ged. (1745) 516;
ich fragte: wie lang ist die stadt vorbei (zerstört)?
Rückert w. (1867ff.) 3, 14;
es ist v., das ist nun v., nun ist alles v., verstärkt: es ist aus und v. — sey nur ruhig; es ist vorbey Lessing w. 2, 338 M.; sobald sie merken, dasz du dein zärtliches gewäsche jeder auskramst, ist alles vorbey Knigge umgang mit menschen (1796) 2, 102; mutter, es ist vorbey; ist ewig, ewig, ewig aus maler Müller w. (1811) 1, 107; es ist v.! vergessen — ist das einzige, was ich versuchen kann Mörike w. 3, 65 Göschen;
das ist vorbey, das ist nun ganz vorbey
Arnim trösteinsamkeit 171 Pfaff;
vom tode: dis zucken noch, und dann wirds vorbey sein Schiller räuber 5, 2;
es ist vorbey, kein odemhauch
A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 6 Cotta.
anders: s isch vorbî, es ist ausgemacht, ein unabänderlicher entschlusz schweiz. idiot. 4, 907.
f)
besonders häufig ist auch die wendung vorbeisein mit: mit der sache ist es vorbey, sie ist abgethan, ingleichen, es ist keine rechnung mehr darauf zu machen Adelung; wir möchten uns auf die bücher besinnen, von denen wir glaubten, dasz es mit ihnen v. wäre, und deren gespenster wir sehen wollten Klopstock w. (1823) 12, 381; es mag wohl schon wieder v. sein mit ihrer liebe Holtei erz. schr. 1, 21;
die sieht es, da ists mit dem zauber vorbei
Rückert w. (1867ff.) 1, 189;
es ist mit ihm vorbey, er ist verschieden, oder auch er ist unglücklich, ingleichen, es ist nichts mit ihm zu machen Adelung; jetzt in der allgemeinen anwendung auf einen hoffnungslosen zustand, und darauf, dasz sich jemand nicht mehr so verhalten oder dasselbe leisten kann wie früher (es ist mit ihm v. z. b. von einem künstler, der seine frühere leistung nie mehr erreichen kann, oder von einem früher reichen, jetzt hoffnungslos verarmten, von einem rettungslos kranken u. s. w.);
mit uns ists nun vorbei,
der herr geht ins gericht
Brentano schr. (1852ff.) 1, 404.
g)
veraltet ist v. sein im sinne von tot sein:
sie, ach! sie ist vorbei, die ihr so innig liebtet,
das treue, fromme weib! sie, ach! sie ist vorbei
Fleming ged. 1, 53 L.;
wen he denne van dodes wegen vorby is quelle d. 15. jh. bei Schiller-Lübben 5, 314ᵇ; vgl. schweiz. idiot. 4, 907. —
vorbeisingen
da wird sich jeder Franzose winden oder v. singen müssen Herder w. 5, 216 S.
vorbeispazieren
vorbeyspatzieren ..., far passeggio con passi gravi Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 853ᶜ; mit scherzhaftem klang: ich muszte nachher eine derbe prise tobak in die nase reiben, als ich am galgen vorbeyspazierte Schiller räuber 2, 3. —
vorbeispielen
(ich) berechne, wann die welle, die jetzt an mir vorbeispielt, bei dir sein möchte Görres br. (1858ff.) 1, 5. —
vorbeisprengen
an dem wanderer sprengt das ungeheure gewimmel (der pferde) v. Göthe w. 25, 2 W.
vorbeispringen
der könig kommt zur hohen eich,
da springt ein hirsch vorbei
Uhland ged. 1, 233 Schm.-H.
vorbeispuken
(man) ruft hum! spukt ein fremder v. Schiller Fiesko 2, 4. —
vorbeistauben
bald darauf staubten (jetzt eher: stäubten) einige schaaren ... im handgemenge v. Fouqué zauberring (1812) 2, 28. —
vorbeistehlen
gleich verdächtigen brüdern ... stehlen sich die üppigen phantomen an meiner seele v. Schiller Fiesko 2, 19. —
vorbeisteuern
aber du steure vorbei und verkleibe die ohren der freunde (παρεξαλάαν)
Voss Od. 12, 47 Bernays.
vorbeistocken
kühne verbindung:
wenn du am breiten flusse wohnst,
seicht stockt er manchmal auch vorbei
Göthe w. 3, 177 W.
vorbeistoszen
er stiesz an mir vorbey, dasz mir meine rippen noch weh thun Klinger theater 3, 278. —
vorbeistrahlen
yberal schallt von den sternen heryber,
wo er (der seraph) vorbeistralt, dem seraph zu ehren ein loblied der engel
Wieland w. 2, 151 ak. ausg.
vorbeistrampfen
horch! was strampft im galopp vorbei?
Schiller schr. 1, 233 G.
vorbeistreichen
a)
räumlich, von verschiedenartiger bewegung, besonders auch das gleitende, unvermerkte, das leise, heimliche bezeichnend: mit dem pferd, mit dem schiffe vorbeystreichen Stieler 2200; er streicht vorbey, eh man es wahrnimmt Steinbach 2, 746. — wenn sie (die mädels) sichs versahen und zu nah dran (an dem hunde) vorbeystrichen Schiller räuber 1, 2; wenn er unter den fenstern seiner eingebildeten geliebten vorbeistrich Eichendorf w. (1864) 3, 429;
wenn sie wie Israel mit blut (Christi) die thür beschreiben, ...
so streicht der feind vorbey
Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 182;
sie strichen mir so dicht am haar vorbei,
dasz jedes mantel meine schläfe rührt
A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 113 Cotta;
hier sah ich ... viele wölfe an uns vorbeistreichen Arndt w. 1, 164 R.-M.; kommt ein kerbtier vorbeigestrichen Brehm tierleben (1890ff.) 4, 236;
so leise strich kein reh vorbey
Schwabe belustigungen (1741ff.) 2, 476.
vom schiff und den darauf fahrenden: der steuermann machte eine geringe wendung und wir strichen vorbey Lichtenberg br. (1901ff.) 1, 147; die ufer und die küsten, bei welchen sie (die flotte) vorbeistrich Meiszner Alcibiades (1781) 3, 82. — kanonenkugel: dasz sie das schiff nicht trifft, sondern nur bei demselben v. streicht G. Forster schr. (1843) 1, 34. — vom wasser: und flieszet auf einer seite an derselben (der stadt Hameln) die Weser unten hin, auf der andern streicht die Hamel vorbey Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 107. — gedachte bewegung: dem ... an der südseite ... vorbeistreichenden gebirgszuge Ritter erdk. (1822ff.) 2, 646. — und so in mannigfacher, auch freier und übertragender anwendung: die ... vor unsern geschlossenen augen vorbeistreichenden gestalten Herder w. 22, 119 S.; besser, einen schönen gegenstand sich durchaus zuzueignen, als an hunderten vorbeizustreichen Novalis schr. 2, 7 Minor;
das liebesfeuer streicht
bey mir umsonst vorbey
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 80 ndr.;
im zimmer strichs an einem kalt vorbei
als wie mit fittgen einer fledermaus
Fouqué held d. nordens (1810) 2, 6.
das part. präs. prägnant wie vorübergehend: solche vorbeistreichende und nicht wiederkommende fügung Leibniz d. schr. (1838ff.) 1, 380.
b)
mit dem acc. (s. vorbei 1 c): er ist das haus vorbeygestrichen, praetergressus est aedes Stieler 2200; (ich) strich dann in vollem galopp ein gehölze vorbey Bräker schr. (1789ff.) 1, 156. frei: wer die hölle seiner selbsterniedrigung vorbey streichet, der wird sicherlich das paradies der ruhe erben A. Olearius pers. baumgarten 3, 7; aus dem ganzen schwebenden traum der bilder, die seine sinne vorbeistrichen Herder 5, 35 S.dann übertragen im sinne von übergehen: das beste in der rede vorbeystreichen, rem unam pulcherrimam oratione transilire Stieler 2201.
c)
von der zeit und dem was in der zeit verläuft: die zeit ist vorbeygestrichen Stieler 2200; in solchen gedancken striechen drey tage vorbey Zend. a Zendoriis t. winternächte (1682) 556; (psalm), in dem er sein leben wie ein geschwätz vorbeistreichen sieht Herder w. 12, 121 S.; der nachmittag strich angenehm v. G. Forster schr. (1843) 2, 454; es jammert mich nur, dasz die schöne zeit so ganz ungenützt vorbeystreichen soll Göthe w. IV 20, 330 W.;
jetzt streichet, dünckt mich, eben
vorbey ein halbes jahr,
da ich mit meinem leben
zu Widderawen war
Dach ged. 922 Ö.
vorbeistreichen lassen: also lieszen sie ... die gelegenheit ... vorbey streichen Lohenstein Arminius (1689ff.) 2, 985ᵇ; läszt er (der general) das gute tempo vorbeystreichen und zaudert einen augenblick damit v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 190; ich musz diesen augenblick nicht ungebraucht vorbeystreichen lassen Lessing w. 2, 327 M.; ich will den frühling meines lebens nicht so ungenossen und winterartig vorbeystreichen lassen Heinse w. 9, 264 Sch.
vorbeistreifen
nur im räumlichen sinne und übertragen von diesem ausgehend: nur ganz weit glaubte er sie wieder an einem weiszen hause v. streifen zu sehen Göthe w. 21, 112 W.; der fürst sagte im vorbeistreifen mit freundlichem humor zu mir E. Th. A. Hoffmann w. 2, 126 Gr.; da streifte die lawine an ihm v. Hebel w. 2, 197 Behaghel;
was streift vorbei im dämmerlicht?
wars nicht mein holdes kind?
Uhland ged. 1, 24 Schm.-H.;
der rabe krächzt
und streift mir hart vorbei
Hebbel w. 7, 170 W.
im bilde: ich will verdammt seyn, sagte er endlich, oder du bist irgend an einem galgen hart vorbeigestreift (beinahe wegen eines verbrechens gehenkt worden) Schiller schr. 4, 75 G.übertragen: sind wir doch an der auflösung der frage schon so nahe vorbeigestreift, dasz dieselbe kaum hat verfehlt werden können Herbart w. 8, 27; so wichtige interessen ... sind ... nicht im vorbeistreifen abzuthun Görres schr. (1854ff.) 2, 436. —
vorbeiströmen
praeterfluere Stieler 2213; übertragen: an den Alpen indesz strömte ihre erste grosze wanderung v. Mommsen röm. gesch. 1 (1854), 300; mit dem acc. (s. vorbei 1 c):
du aber, gesang von dem mittler,
bleib und ströme die klüfte vorbey
Klopstock Messias 15, 471.
vorbeistürmen
es stürmt der zug an vesten,
an schlössern wild vorbey
Tieck schr. (1828ff.) 4, 196.
mit dem dativ (s. vorbei 1 d):
nun stürmen sie alle dem guten
grade vorbei, hieher, dorthin
Herder w. 26, 163 S.
vorbeitanzen
übertragen:
und so tanzen auch vorbei
die bewachsnen berge
Göthe w. 3, 55 W.
vorbeitaumeln
übertragen:
da taumeln die stunden,
mit rosen umwunden,
bacchantisch vorbey
Matthisson schr. (1825) 1, 24.
vorbeithun
mein gesicht lag auf dem weg,
keinen schritt hat er vorbeigethan (er hat mich nicht beachtet)
Göthe w. 7, 85 W;
in dieser verbindung könnte v. auch im sinne des verfehlens gebraucht werden.
vorbeitraben
Festus aber ohn einigen wank vorbey trabete Bucholtz Herkuliskus (1665) 9. —
vorbeitragen
niderknien, wann man das sacrament vorbeyträgt Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1113ᵃ.
verschlossene kästchen,
reich mit ähren umkränzt, trugen hier mädchen vorbei
Göthe w. 1, 247 W.
frei:
(es) trüge mich dahier nur so der march vorbey
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727ff.) 1, 493;
wenn euch der weg wieder vorbeiträgt Musäus volksmärchen 2, 71 H.
vorbeiträumen
verhüllet in dampf, vergraben in federn
träumt er (der langschläfer) den morgen vorbey
Zachariä schr. 4, 23.
vorbeitreiben trans
u. intrans.: den hirten, der gerade seine heerde dem platze (s. vorbei 1 d) vorbeitrieb Immermann w. 4, 59 B.; schiffe vom winde getrieben: bey was für grausamen strudeln, für ungeheuren gebürgen ... sie wären vorbey getrieben worden Lohenstein Arminius 2 (1690), 1237ᵇ. — grosze wallfische, ... und viele pinguins trieben ... neben uns v. Forster schr. (1843) 2, 105; von lässigem, unachtsamem gehen: achtlos trieb er an der hütte des Lotteriesepherl v. Anzengruber w. (1890) 3, 281. —
vorbeitrinken
beim zutrinken übergehen Schambach 275ᵇ. —
vorbeiwallen
vom wasser: längst dem unter der wienerschen brucken vorbeiwallenden Donauarm Francisci schau- u. ehrenplatz (1684) 44; in gehobener sprache:
tief an des berges fusz, der gählings unter mir abstürzt,
wallet des grünlichten stroms flieszender spiegel vorbey
Schiller schr. 11, 77 G.
schiffe: Spreestrom, auf dem aufgespannte segel vorbeywallten Nicolai Seb. Nothanker (1773ff.) 2, 24. — von menschen, langsames, feierliches schreiten:
an den heiligtümern der freiheit
wallten wir dann vorbei in frommer, seliger stille
Hölderlin dicht. 1, 129 Litzmann.
übertragen: Shakespeares theater ist ein schöner raritätenkasten, in dem die geschichte der welt vor unsern augen ... vorbeywallt Göthe w. 37, 133 W.
vorbeiwandeln
Aquila und Cerius Severus lieszen sie frei sicher vorbeiwandeln A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 820; eine sanfte, eingehüllte, vorbeiwandelnde pilgrimsgestalt Göthe w. 47, 230 W.;
und wenn sie wandelt am hügel vorbei
W. Müller ged. 20 Hatfield.
übertragen: gleich den schatten in einem hohlspiegel wandeln die schrecken ihres jahrhunderts vor unsern augen v. Schiller schr. 3, 515 G.
vorbeiwandern
vielleicht ... läszt er heere von nebelsternen bei sich vorbeiwandern Herder w. 15, 167 S.
vorbeiwaschen
die daselbst vorbeywaschende Pegnitz Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 80. —
vorbeiweisen
o hätte damals ein wohlthätger geist
vor meiner thüre dich vorbeigewiesen
Göthe w. 10, 304 W.
vorbeiwenden
doch was stille winke! was doch sich artig vorbeiwenden! Herder w. 3, 388 S.
vorbeiwerfen
mit der vorstellung des fehlens:
er warf den pfeil nach ihm: jedoch er warf vorbey
Neukirch d. begebenheiten des prinzen v. Ithaka 2, 322.
vorbeiwinden refl
mit dem acc. (s. vorbei 1 c):
mit welcher schlauen vorsicht er die netze
vorbey sich windet
Lessing Nathan 3, 4.
vorbeiwischen
von schneller bewegung: ich wüsche vorbey, praetervolo Steinbach 2, 1056; ich sprang auf, und da wischte der stosz v. Jung-Stilling schr. (1835ff.) 4, 194; ergänzte (sie) ... noch im vorbeiwischen O. Ludwig schr. (1891ff.) 2, 178. übertragen: dasz ich sie nicht vorbeywischen liesz (gründe) Lichtenberg br. 1, 45 L.-Sch.
vorbeiziehen trans
und intrans.: bilder ..., die auf den schieszplätzen den schützen oft vorbeigezogen werden Tieck schr. (1828ff.) 7, 42. — intrans., entweder wird einfach die örtlich bestimmte bewegung (öfters mehrerer als einzelner) bezeichnet, oder es kann auch ausgedrückt werden, dasz nicht halt gemacht wird: als diese bey dem feldherrn vorbey zohen Lohenstein Arminius 1 (1689), 32ᵃ; stolz werden die seelen der helden bey mir vorbeyziehen Lessing w. 2, 358 M.; (ich) hielt am dorf hinter der scheuer, in willens, sie sollten bey mir vorbeiziehen Göthe w. 8, 91 W.; im vorbeiziehen vor dem kaiser Schiller schr. 13, 382 G.; wenn sie (zwei pflügende) so auf der höhe an einander vorbeizogen G. Keller w. (1889) 4, 75;
ziehst du als wandrer vorbei, segne die pfade dir gott
Göthe w. 4, 338 W.
mit dem acc. (s. vorbei 1 c): bei Homer musz Juno in einer ganz anderen absicht den Ida vorbeiziehen Herder w. 3, 309 S.;
doch dies haus ziehn sie vorbei
Brentano schr. (1852ff.) 1, 239;
eine vorbeiziehende wolke Herder w. 3, 57 S.; im bilde:
das ungewitter zieht mir nah am kopf vorbei
Göthe w. 9, 74 W.
vom wasser: den Main ..., der dicht am schlosse vorbeizog Schubart leben u. ges. 1, 242; gedachte bewegung: hier konnte man die ganze vorbeiziehende strasze ... übersehen Herm. v. Schmid gesch. aus Bayern (1861) 296; frei:
in einer öden wüstenei,
da unlust blüht, lust zieht vorbei
Zesen helikon. rosentahl (1669) 107.
vorbeizischen
die vorbeizischenden tauben Jean Paul w. 15/18, 62 H.;
des frechen feindes scharfer pfeil
zisch über dir vorbey
Geszner schr. (1777ff.) 1, 120.
4)
substantivische zusammensetzungen, verbalabstracte auf -ung nur vereinzelt aufgenommen:
vorbeigang m.
viele leute neckten ihn (den hund) im v. Pestalozzi schr. (1819ff.) 2, 104; veraltet, übertragen, wie jetzt im vorbeigehen, nebenher: und es ist, im vorbeygange zu sagen, ... windbeuteley der sprachgelehrten Lavater verm. schr. (1774ff.) 2, 145; welches ich nur im v. bemerken wollte Jung-Stilling w. 3, 332 Grollmann.
vorbeigehung f.
praeteritio Steinbach 1, 547; übertragen im sinne von übergehung, s. vorbeigehen g β: mit durchgehender gleichheit, ohne vorbeygehung eines oder des anderen v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 175; mit v. mancher nebenumstände Herder w. 19, 340 S.; mit v. des gesetzes sich sein sogenanntes recht mit der eigenen faust zu suchen Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845ff.) 2, 283; mit v. der autoritäten des schwäbischen kreises Ranke w. (1867ff.) 7, 158. —
vorbeilassung f.
prätermission, die vorbeylassung, beyseitsetzung Kinderling reinigk. d. d. spr. (1795) 317; veraltet: mit v. der subtilitäten sollen wir diesem muster folgen Herder w. 19, 299 S.; mit vorbeylassung aller ungewissen sagen Nicolai reise d. Deutschl. (1783ff.) 2, 595. —
vorbeilauf m.
(die herrschaften) in deren (der thiere) ... vorbeylauff ihre herrliche ergötzlichkeiten haben können Täntzer der Dianen hohe u. nied. jagtgeheimnüsz (1682ff.) 1, 54. —
vorbeimarsch m.
beim v. der truppen ... erhob sich ein sturm von jubelruf Varnhagen v. Ense tageb. (1861ff.) 6, 78. —
vorbeireise f.
(hat) bei diesem regiment auf der v. eingesprochen der im irrgarten d. liebe herumtaumelnde cavalier 498. —
vorbeisegelung f.
bey vorbeysegelung des von ferne sich zeigenden gebürges Lohenstein Arminius 1 (1689), 636ᵃ. —
vorbeiweg m.
(wie einer, der) im v. zusprechen will Keller w. (1889ff.) 6, 355. —
vorbeizug m.
verlangte freien v. für seine flotte Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 55.
Zitationshilfe
„vorbei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vorbei>, abgerufen am 18.10.2019.

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