vorder adj.
Fundstelle: Lfg. 6,7 (1934,1935), Bd. XII,II (1951), Sp. 948, Z. 56

Unterbegriffe in diesem Artikel

vorderachse · vorderahn · vorderanker · vorderansicht · vorderarm · vorderärmel · vorderaugen · vorderbäckchen · vorderbacke · vorderbahn · vorderbau · vorderbauch · vorderbaum · vorderbausch · vorderbein · vorderberg · vorderbier · vorderbiet · vorderblatt · vorderblech · vorderbock · vorderbogen · vorderbord · vorderbracke · vorderbrante · vorderbreite · vorderbrett · vorderbrust · vorderbucht · vorderbug · vorderbügel · vorderbühne · vorderbündchen · vorderburg · vordercastell · vorderdach · vorderdarm · vorderdaumen · vorderdeck · vorderdiegle · vorderdielung · vorderdocke · vorderdruck · vordereck · vorderecke · vordereisen · vorderende · vordereuter · vorderfach · vorderfaden · vorderfähnlein · vorderfeder · vorderfenster · vorderfessel · vorderfeuer · vorderfinger · vorderfläche · vorderflagge · vorderfleck · vorderfleisch · vorderflosse · vorderflug · vorderflüge · vorderflügel · vorderfreszspitzen · vorderfront · vorderfühler · vorderfusz · vordergarten · vordergaul · vordergaumen · vordergebäu · vordergebäude · vordergebirge · vordergebisz · vordergeburge · vordergefecht · vordergehäse · vordergeist · vordergeld · vordergemach · vordergerät · vordergereite · vordergericht · vordergerichtel · vordergesäsz · vordergeschirr · vordergeschlepp · vordergesicht · vordergespann · vordergestell · vordergetümmel · vordergewicht · vordergewühl · vordergiebel · vordergipfel · vorderglas · vorderglatze · vorderglied · vordergliedermaszen · vordergraben · vordergrans · vordergrund · vordergrundsgeschichte · vordergrundsinteresse · vordergrundsschicksal · vordergrundssprache · vordergruppe · vordergut · vorderhaar · vorderhalb · vorderhals · vorderhamme · vorderhand · vorderhändig · vorderhaupt · vorderhauptbein · vorderhauptwirbel · vorderhaus · vorderhäutlein · vorderheer · vorderherd · vorderhin · vorderhirn · vorderhof · vorderhuf · vorderhut · vorderkajüte · vorderkammer · vorderkampf · vorderkante · vorderkastell · vorderkegel · vorderkette · vorderkeule · vorderkiemer · vorderkimme · vorderklaue · vorderknecht · vorderknie · vorderkopf · vorderkörper · vorderköthig · vorderkralle · vorderkranz · vorderkrempe · vorderküste · vorderladegeschütz · vorderlader · vorderladung · vorderlaken · vorderland · vorderlappen · vorderlast · vorderlastig · vorderlauf · vorderleben · vorderleder · vorderleib · vorderleute · vorderlicht · vorderlippe · vorderlocke · vorderlöffel · vorderluft · vorderluke · vordermal · vordermann · vordermarsch · vordermarssegel · vordermast · vordermauer · vordermittel · vordermotto · vordermund · vordernächtig · vordernaht · vordername · vorderpack · vorderpatte · vorderpausche · vorderpferd · vorderpflicht · vorderpforte · vorderpförtlein · vorderpfote · vorderpfötchen · vorderplan · vorderplatte · vorderplatz · vorderpranke · vorderrad · vorderrand · vorderrang · vorderrast · vorderraum · vorderrecht · vorderreihe · vorderreiter · vorderrest · vorderrichter · vorderried · vorderriegel · vorderriemen · vorderrist · vorderritt · vorderröhre · vorderrosz · vorderrücken · vorderrumpf · vordersaal · vordersattelholz · vordersattelpferd · vordersatz · vordersätzer · vorderschaft · vorderschanze · vorderscheitel · vorderschenkel · vorderschieber · vorderschiene · vorderschiff · vorderschild · vorderschinken · vorderschirm · vorderschlägel · vorderschnabel · vorderschneppe · vorderschnitt · vorderschopf · vorderschosz · vorderschrot · vorderschuh · vorderschur · vorderschurz · vorderschwengel · vorderschwinge · vordersegel · vorderseite · vordersiele · vordersitz · vordersommer · vorderspan · vorderspann · vorderspanne · vorderspant · vorderspann · vorderspitze · vordersporn · vorderstab · vorderstadt · vorderstall · vorderstand · vorderständer · vorderständig · vorderstapfen · vorderstaude · vorderstell · vorderstelle · vordersteven · vorderstich · vorderstirn · vorderstrahl · vorderstrang · vorderstrich · vorderstrick · vorderstube · vorderstück · vorderstudel · vordertatze · vorderteich · vordertheil · vorderthor · vorderthür · vordertrab · vordertreffen · vordertreppe · vordertrosz · vordertrupp · vordertruppe · vordertuch · vorderverdeck · vorderviertel · vordervorhaus · vorderwache · vorderwacht · vorderwage · vorderwagen · vorderwald · vorderwalze · vorderwand · vorderwarte · vorderwärtig · vorderwärts · vorderwelt · vorderwerk · vorderwichtig · vorderwind · vorderwinkel · vorderwohnung · vorderwort · vorderwunde · vorderwurm · vorderwürze · vorderwurzel · vorderzacken · vorderzahn · vorderzange · vorderzehe · vorderzelle · vorderzelt · vorderzeug · vorderziemer · vorderzimmer · vorderzipfel · vorderzug · vorderzunge · vorderzwiesel
ahd. fordoro Graff 3, 630; as. forthero, forđro, furthiro (Hel. 483 Cott.; Wadstein kl. as. sprachdenkm. 57, 14); mhd. vorder mhd. wb. 3, 380ᵃ; Lexer 3, 463; vorder, anterior, anterius Maaler 475ᵃ; forder, förder Stieler 584; vorder Kramer 2 (1702), 1217ᵇ; Steinbach 2, 906; Frisch 2, 407ᵇ; Adelung; Campe; zum landschaftlichen gebrauche vgl. Schmeller-Fr. 1, 847; Lexer kärnt. wb. 100; Schöpf tirol. idiot. 791; Fischer schwäb. wb. 2, 1646; schweiz. idiot. 1, 996; Schiller-Lübben 5, 334ᵃ; 6, 302ᵇ; brem. wb. 1, 438; Schambach 273ᵇ.
1)
das sprachgefühl kann das wort insofern als einen comparativ empfinden, als der vordere von zwei vorn stehenden der weiter vorn stehende sein kann. anderseits aber bezeichnet vorder einfach den gegensatz von vorn gegen hinten, die vordern zimmer liegen nicht vor andern nach vorn gerichteten, sondern stehen im gegensatz zu denen, die nach hinten hinausgehen. diese bedeutung tritt besonders in den zusammensetzungen mit vorder- hervor, vgl. z. b. vorderansicht. nur die steigerung zum superlativ ist in der sprache vorhanden, wenn auch im ahd. ein comparativ fordororo gebildet wird (Graff 3, 632), im übrigen s. untervorder, adv. am ende und unten unter 8. — neben der schreibung mit v, die durch vor, vorn gestützt wird, hält sich die mit f, die in den ableitungen fordern, fördern vorliegt, lange: des fordern tages Arigo decamerone 65 lit. ver.; wie fro wärend unsre fordren gsyn Zwingli d. schr. (1828ff.) 1, 173; die fordern buͤg sollen jhnen (kühen) zottecht und kurtz sein Herr feldbau (1551) 193ᵃ; ein cameel auf den fordern füszen niedersitzend Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 35. — u in der stammsilbe: furdthron im Cott., neben fordrun im Mon. Heliand 483; vurder brem. wb. 1, 438; das wir die menre mit keinem furderme geschosse beswere sollen quelle des 15. jh. bei Diefenbach-Wülcker 590. — die stammsilbe unterliegt dem umlaut (vgl. fürder th. 4, 1, 1, sp. 714), die formen mit ö sind in der schriftsprache bis ins 18. jh. gebraucht worden und haben sich landschaftlich erhalten: die vördere brust Stieler 584; Steinbach 2, 906 glaubt, dasz man zu vorder einen neuen compar. vörderer gebildet habe: die vörder zale d. städtechron. 8, 268 (Straszburg); auf etlichen fördern seynen reychstagen v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 84ᵇ; am vördern theile A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 237; den vördern theil des gesichts Lavater v. d. physiognomik (1772) 63;
die fördern nacht nach meim geduncken
hett ich des biers zu vil getruncken
H. Sachs 17, 337 K.-G.;
stämmt dann die vördern (läufe) an und läszt die hintern nieder
J. A. Schlegel verm. ged. (1787ff.) 2, 209.
zu dieser umgelauteten form vgl. Schmeller-Fr. 1, 847; Fischer 2, 1646; Martin-Lienhart 1, 140ᵇ; Mi meckl. 104ᵃ. — das auslautende r von vorder bewirkt ausfall des r in der stammsilbe, s. Fischer a. a. o.; Lexer kärnt. wb. 100; Schöpf tirol. idiot. 791; schweiz. idiot. 1, 996; der fotere, fötere Müller-Fraureuth 2, 627ᵇ; mnd. vodder Schiller-Lübben 5, 334ᵃ; vudder brem. w. 1, 438; de vödere Schambach 273ᵇ; anderseits wird auch durch dissimilierung das auslautende r in l verwandelt: vordel Schiller-Lübben 5, 331ᵃ. — nû kêre wir wider an die voderen rede altd. pred. 1, 81 Schönbach; des vodern tags, pridie Diefenbach gl. 459ᵃ; in die hintern und fodern stuben Tucher haushaltb. 92 lit. ver.das wort zeigt schwache und starke formen, letztere begegnen verhältnismäszig selten: vorderer (oder comparativ wie im ahd.) Dasypodius 449ᶜ; vorderer, in der botanischen terminologie, soviel als anterior, anticus Krünitz 231, 358; (rechte,) so wür und unsere vordere haben und herbracht haben bei v. Brandis landeshauptleute v. Tirol (1850) 45; ich nehme lieber ein vorderes als ein hinteres zimmer;
als oft solchen betrug er trieb,
man ihm ain forders glied abhieb (vom finger)
H. Sachs 17, 423 K.-G.
es ist zu beachten, dasz das wort wie hinter, äuszer niemals in der sprache der gegenwart prädicativ ohne artikel erscheint, in den mundarten ist der gebrauch freier, wofür unten beispiele gegeben werden.
2)
im eigentlichen, räumlichen sinne, weiter vorn oder vorn befindlich, im letzteren falle also im gegensatz zu hinter; anteriore, der vordere Hulsius (1618) 2, 30ᵇ; oft von theilen eines organischen körpers, wobei v. wie auch sonst im räumlichen gebrauch mit dem ganzen verbunden werden kann, wenn der vordere theil gemeint ist, häufiger ist dann die zusammensetzung (der vordere arm, vorderarm); precisores vordern zene Diefenbach nov. gl. 130ᵇ; das forder teil am finger, extremum digiti gl. 220ᵇ; vordere füsze eines schulpferds Kramer 2 (1702), 1217ᶜ; scherzhaft werden die hände vordere beine genannt schweiz. idiot. 1, 996; vordere lippen, vorderer schincken, der vordere theil des haupts Kramer a. a. o.; das vordere viertel, die hälfte des vordertheils von geflügel Hügel Wiener dialect 183ᵃ. — von dem vorderen teyl des hirns Gersdorf wundartzney (1517) 2, 2ᵃ; (das pferd) sties in mit den fördern zweien füszen 2. Macc. 3, 25; mit aufgehebten der vordern pfaaten einen Amadis 15 lit. ver.; lasz sie morgens und nachts den vordern leib darob dämpfen oder bähen Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 15; da band der vater dem esel die vordern beine zusammen Hebel 2, 86 Behaghel; ihre vorderen haare O. Ludwig schr. (1891ff.) 1, 311;
sehet, wie artig der frosch nicht hüpft! doch find ich die hintern
füsze um vieles zu lang, so wie die vordern zu kurz
Göthe 5, 248 W.;
eigenthümlich: dabey wird vor allen dingen anzumerken seyn, dasz es erstlich weit schwerer ist, den vördern theil des gesichts als das profil zu beschreiben (hier also das gesicht von vorn gesehen im gegensatz zu dem von der seite gesehenen) Lavater v. d. physiognomik (1772) 63; bayer. hervörder, nach dieser seite vorn Schmeller-Fr. 1, 847; vordere augen, hervortretende schweiz. idiot. 1, 996; prägnant: der vordere, penis Fischer 2, 1646. — von der stellung lebendiger wesen bei mehreren, innerhalb einer menge: das vordere glied einer truppe, wenn sie in zwei gliedern steht; doch wird v. auch freier gebraucht, vorn, an der spitze stehend; der vordere macht den anfang Campe; fiel dem forderen in das har Eulenspiegel 12 ndr.; so sollen und werden alle hauptleut, wo der feind nahe oder zugegen, in das erst und vorder glied gestellt Fronsperger kriegsb. (1573ff.) 1, 52ᵃ; gelang es der einen partei, die vorderen gegner bis auf die stufen zurückzudrängen Steffens was ich erlebte (1840ff.) 2, 44; (ich habe) mit einem male den vordern renner (eines gespannes) in einer sogenanten welle versinken sehen A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 2, 319 Cotta;
wer sprenget auf dem stolzen rosz
bis in die vordern reihen
Schenkendorf ged. (1815) 27.
in besonderer anwendung:
sie (die stadt) wart den vordir gesten
(den belagerern, die vor der stadt lagen)
Daniel 122.
dann in allgemeiner anwendung von unbelebtem: vorderer gibel des hauses Kramer 2 (1702), 1217ᶜ; der vordere theil, wall, die vordere thür Steinbach 2, 906; auch ward das türnlin auf das vorder rauthausz gemacht d. städtechron. 4, 317 (Augsburg); das forder teil (des schiffes) bleib feste stehen ap. gesch. 27, 41; der (balken) war am voderen ort angezundet Stumpf Schweizerchron. (1606) 259ᵃ; fasz, deme der vördere boden benommen war Grimmelshausen 1, 432 Keller; die vordere wackelfalte des verkürzten rocks Göthe 22, 4 W.; die ganze vordere bühne bleibt ... frey Schiller 12, 156 G.; (jedermann) eilte begierig aufs vordere verdeck Forster schr. (1843) 1, 212; die zwei vorderen zierlich geschnitzten säulen G. Keller (1889ff.) 4, 134; wollen wir uns nicht nach dem vorderen zimmer begeben? v. Polenz Grabenhäger 1, 170;
zuo dem vordern bürgetor
Hartmann v. Aue Iwein 1259;
und sie fand in dem vorderen saal (ἐνὶ προδόμω) weinbecher
für die gäste gestellt und tische
Voss Od. 15, 465 Bernays;
von rosses hufen
wirds im vorderen schloszhof laut
Müllner d. schuld 1, 2;
Rike! morgenden tags räum ich dir die vorderen fenster
sämtlich
Mörike schr. (1905) 1, 237.
weiter vorn im buche: an demo forderen salmen Notker ps. 40, 2 (der unmittelbar vorhergehende psalm ist hier gemeint); doch kann sich damit auch eine zeitliche vorstellung (6) verbinden, vgl. früher: der mensch wil betrogen sein, als du yn dem vordern capitel wol gehört hast Luther 26, 649 W.; wie wir in den vordern büchern erklärt haben Xylander Polybius (1574) 122; einige proben aus den vorderen blättern Göthe 42, 1, 9 W. in geographischem sinne: den badischen antheil an der vordern grafschaft Sponheim M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 257; vordere und hintere grafschaft Katzenellenbogen; während seines aufenthalts in den vorderen (österreichischen) erblanden Eichhorn d. staats- u. rechtsgesch. (1822) 3, 11; in dem vorderen Asien Ranke s. w.² 14, 3.
3)
einzelnes, das vordere, älter das vorder: reciprocus widerkerig in das vorder Diefenbach gl. 487ᵃ; das vordere zu hinterst, und es ist fast noch immer derselbe eindruck Herder 5, 207 S.;
das vorder man hin hinter kert,
das hinder teil herfur dan fert
fastn.-sp. 1, 383 K.
prädicativ: s geld ist nüt voder, es ist nicht da, nicht vorhanden; voder sin, von eben aufsprieszenden pflanzen; s blera ist voder, das weinen ist nahe schweiz. idiot. 1, 996. vörder sein, dringend sein Schmeller-Fr. 1, 848. — von der räumlichen vorstellung ausgehend im sinne von hinzutretend, etwa wie weiter: in vorderen schaden komen quelle bei Schiller-Lübben 5, 335ᵃ; vgl. 6, 302ᵃ.
4)
aus der räumlichen vorstellung entwickelt sich die des ranges oder vorzuges, vgl. unten 8 c. zunächst findet dabei eine vergleichung mit dem zurückstehenden statt, das wort wird also als comparativ empfunden; dann aber tritt die beziehung auf ein anderes zurück und v. wird wie ein positiv gebraucht. der schriftsprache sind diese anwendungen verloren gegangen.dem stande, range nach höher, dann gebietend, vorgesetzt:
wen er irwelt hete
under in allen zeren
ime selben zeineme forderen
deutsche ged. d. 11. u. 12. jhs. 80, 2 Diemer;
vordere räte, höhere Scherz-Oberlin 2, 1888 (Straszburg); vgl. weiteres im schweiz. idiot. 1, 996; unsre vordern, unsre vorgesetzten 997; das vorder, vorrang im tanze Birlinger schwäb.-augsb. wb. 164ᵇ; das vörder kriegen, haben, den übrigen vorgezogen werden Schmeller-Fr. 1, 848; er ist allemal der fördere im spiel Stieler 584. — in freierer anwendung, der comparative sinn kann ganz schwinden: sente Sebastianus was ein vorder ritter altd. pred. 1, 279 Schönbach; bey Anthiochia was ein vorder meister der kunste der ertzney d. erste d. bibel 2, 278 K.;
ze wâgen ein als vordern lîp
Hartmann v. Aue Iwein 4317.
prädicativ: der künig erlangt groszen undanck von seinen edelleuten, das er yn also vorder hat Fortunatus 144 ndr. jemandem voder sī, jem. lieb sein schweiz. idiot. 1, 997.
5)
auf der vorstellung des vorranges und vorzuges beruht es dann, wenn v. für die rechte seite bezogen wird (vgl. mhd. diu bezzer hant minnes. 3, 225ᵃ Hagen). diese anwendung findet sich, wie es scheint, nur im nd.: vorder, rechter, dexter Diefenbach nov. gl. 133ᵃ; to der vorderen handt, also me geyt to dem vallersleveschen dore d. städtechron. 16, 496 (Braunschweig); s. Schiller-Lübben 5, 334ᵃ; das wort ist nicht auf die verbindung mit hand beschränkt: in sinem vorderen arme, dynes vorderen votes, ute dynem vorderen oge; Petrus houw eme af syn vordere ore 334ᵇ;
der luchtern schal sin unbekant,
wat dar gift de vorder hant
Claus bur 831.
6)
in zeitlicher anwendung, in die vergangenheit zurückweisend, nicht mehr in der schriftsprache gebräuchlich; auf zeitbegriffe bezogen: pridie vorden tags Diefenbach nov. gl. 303ᵃ; die vordere oder vergangne zeyt Maaler 475ᵃ; die vördere woch, vergangene woche Schöpf 791; in der Schweiz aber ist die vordere woche die vorletzte, der vordere tag vorgestern schweiz. idiot. 1, 997; nudius tertius vordern tag Diefenbach gl. 384ᵇ; das f. substantiviert: in der veadre, in der früheren zeit Lexer kärnt. wb. 100; in den vorderen jaren und anderes Schiller-Lübben 5, 334ᵇ;
des vorderen tages, ê daz
er durch uns marter dolde
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3144;
ietz bsin ich mich, wie daz din knecht
der fordren wuchen zuͦ mir kam
Mone schausp. d. mittelalters 2, 395;
ich bin es, dű muͦter, dű dich in der vordren naht hat getrenket Seuse d. schr. 49 B.; Chremes kam zuͦ mir des vorderen tags (venit Chremes postridie ad me Andria 144) Terenz (1499) 13ᵃ; daz in Galmy, der ritter, den vordern tag (am tage vorher) so seuberlich von seinem sattel gehebt hat Wickram 1, 36 B.; (der) ihn auch das vorder jar vom galgen erlöset het Nas d. antipap. eins u. hundert (1567ff.) 2, a 1ᵇ; nach solchem ging es wieder in ein grosz gesäufte, jedoch nicht so sehr, als den vordern morgen v. Schweinichen denkw. 377 Ö.; von denen der letztere vordern tags erst angekommen war A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 138. — auf andere begriffe bezogen, früher der zeit nach:
der vorder (hier der erste der zeit nach) sant Stephan
märterb. 26667;
allen Adames kindern,
dinen vordern und den hindern
Heinrich v. Hesler apokal. 21098;
und hat daby in seiner main,
alspald als es zu handen käm,
ain anders, das es wäger zäm;
so müst schabab das vorder
liederb. d. Cl. Hätzlerin 241 (nr. 58);
so blyb ich by dem vordren bscheid
H. R. Manuel d. weinspiel 3472 ndr.;
la passata lettione die vordere lection Hulsius (1618) 2, 283ᵃ; dien forderen liuten, priscis gentibus Notker ps. 67, 10; des vördern keysers bruͦder d. städtechron. 8, 415 (Straszb.); den vordern Cathonem Niclas v. Wyle transl. 14 K.; ein heftiger starcker wint grausamer dann der vorder gewesen waz Arigo decam. 75 K.; auf etlichen fordern seynen reychsztagen J. v. Schwarzenberg büchl. v. zutrinken 17 ndr.; so zeucht das wasser die virtutes ausz dem horn und gibt die vordere kräft Paracelsus chirurg. schr. (1618) 303 A.
7)
besonders häufig ist der plural die vordern im sinne von vorfahren, erhalten ist in der schriftsprache, doch auch nur in gehobener rede, altvordern; mit die vordern können die vorfahren mit einschlusz der eltern gemeint sein, oder das wort wird unbestimmter wie die ahnen nur auf die weiter zurückliegenden generationen bezogen; anderseits kann die vordern auch auf die eltern beschränkt werden. ferner kann das wort auch in allgemeinerem sinne die menschen der früheren geschlechter bezeichnen: dhasz dhu faris zi dhinem fordhrom Isidor 37, 11 Hench; dô unse vorderen here zu lande quâmen Sachsensp. 3, 42, 3 E.; solich dienst, die ire vordern unsern vorferen ... beweiset habin lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 53; die guͦten gewohnheit der vorderen Tauler pred. 41 V.; des fordern iren stant und regiment in der stat Pavia gefürt hetten Arigo decam. 171 K.; deine fordren, deren du dich berümest Keisersberg postill (1522) 1, 17; seins lieben vatters seligen seel ... und aller seiner vorderen seligen seelen manuale curatorum (1516) 77ᵃ; gedenck, was unser vordren vor der nachlassung geessen haben Zwingli v. freih. d. speisen 20 ndr.; (wie es) bey unsern löblichen teutschen vordern gewöhnlich gewesen Kirchhof milit. discipl. (1602) vorr.; (wieder aufgenommen:) die vordern der Sachsen waren weiland über meer gekommen br. Grimm d. sagen (1891) 2, 45; zum reden über das geschehen an den vorderen und der sippschaft Hans Grimm volk ohne raum 1, 36;
an thinan fridu uuaron faran   thar er mina furthron dedun
Heliand 483 C.;
thie fordoron bi barne   warun chuninga alle
Otfrid 1, 5, 8;
als ouch ir vordern in daz lant
nâch gotes gebot ê wâren gesant
Rudolf v. Ems weltchron. 10658;
mine vordren warend grafen und fryen
N. Manuel 58, 695 B.;
zu gottes ehr und deiner pflicht und nach der vordern art
A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 1, 75.
deutlich eingeschränkt auf die eltern: da bi sint lüte die erslahent ir eigene vorderen, so sie alt werdent, unde siedent sie unde machent groz wirtschaft, so sie ezzent unde trinkent ir vater und ir muoter Lucidarius 11 H.; wie wol dir ain groszer, starker lyb von dynen vordern gegeben ist Steinhöwel Äsop 287 lit. ver.; ich hab oft von den alten vernummen, das sy in ihrer kindhayt von ihren foderen gehört J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 31ᵇ. — beachtenswerth ist, dasz in alter sprache die eltern auch einzeln durch v. bezeichnet werden können, s. mhd. wb. 3, 380ᵇ; Lexer 3, 483. — es kann auch der vorgänger im amte gemeint sein: der keiser widerruft die gebot, die sin vorder hete geton wider die kristenheit d. städtechron. 8, 27 (Straszb.);
nû sach man meister Manegolde
daz urloige, als er solde,
mit craft anhertin und vornunst,
des sîne vorderin begunst
hattin mit strîtinder hant
Nicolaus v. Jeroschin 17364 Str.
vgl. hierzu schweiz. idiot. 1, 997.
8)
im superlativ bleibt das r vor st erhalten, doch finden sich im mnd. formen ohne r (vordest), s. vorder, adv. am ende; ahd. fordarôst, fordrôst Graff 3, 633; mhd. vorderst mhd. wb. 3, 380ᵇ; Lexer 3, 465; Jelinek 884; der vorderst, erst, prior Maaler 475ᵃ; fordester, fördester Stieler 584; der vorderste, primus Steinbach 2, 906; Adelung; Campe; vgl. ferner Schiller-Lübben 5, 337ᵃ; Danneil 241ᵇ; Schambach 273ᵇ; ten Doornkaat-Koolman 1, 539ᵃ; wb. d. luxemb. mundart 471ᵇ; Schmeller-Fr. 1, 848; Schöpf 791; Fischer 2, 1646; schweiz. idiot. 1, 996; Martin-Lienhart 1, 140ᵇ. — natürlich finden sich im superl. dieselben formalen erscheinungen in der stammsilbe wie bei vorder; besonders umlaut (herrschend in zuförderst): der förderste ten Doornkaat-Koolman a. a. o.; primores manus das förderst theyl an der hand Erasmus Alberus nov. dict. genus (1540) 45ᵃ; der vörderste im spiel, in der schul Kramer 2 (1702), 1217ᶜ; auf den fördersten zähnen Böhme roszartzney (1618) 1; das erste glied der vördersten kriegshaufen Lohenstein Arminius 1 (1689) 40ᵃ; bis an das vörderste haar der stirn Dusch krit. u. sat. schr. (1758) 173; der vörderste gekrümmt stehende Lavater physiogn. frgm. (1775ff.) 1, 119;
ein ieglichs wolt das förderst sein
Er. Alberus fabeln 125 (27, 15) ndr.
ausfall des r in der stammsilbe mit und ohne umlaut: primordialis foderist Diefenbach gl. 459ᶜ; dentes primores die fodersten zähne nomencl. lat. germ. (1634) 195; vgl. Fischer, schweiz. idiot., Schöpf, Schambach a. a. o.; das er am fedristen geschafft hat quelle bei Jelinek 884. — formen mit u oder ü in der stammsilbe s. unter fürder th. 4, 1, 1, sp. 714. — zusammenziehungen: primus vorste Diefenbach gl. 459ᶜ; mit den vursten beynen v. Harff pilgerfahrt 116 Gr.; vörst Danneil 241ᵇ; de vörste Schambach 273ᵇ; de vîschte wb. d. luxemb. mundart 471ᵇ; vöschte Rovenhagen Aachener mda. 158. — mit t in anlehnung an fort: zforterst, zförters Seiler Basler mda. 120ᵇ; Martin-Lienhart 1, 140ᵇ, vgl. unter fürder a. a. o.
a)
ganz vorn befindlich, nach vorn stehend (s. oben unter 2): das vorderste zu hinterst kehren Adelung; petaso vorderst hamme Diefenbach gl. 431ᶜ; plectrum dat voersten van der tzungen, vorderst vel zipfel an der zungen 442ᵃ; pars antica das förderst, postica hinderteyl Alberus nov. dict. genus (1540) B b 4ᵃ; die vordersten groszen zän im mund, so man entdeckt im lachen Calepinus xi ling. (1598) 607ᵃ; über dem flusse Ganges läszt ihm das frauenzimmer entweder die zähne vergolden oder die vier fördersten gar ausbrechen Lohenstein Armin. 1 (1689), 151ᵇ; die vordersten gelencke zweyer finger lincker hand Schnabel insel Felsenbg. 45 U.; finger, die am weitesten nach vorn reichen: warum tragen die priester ... an denen zwey fördersten fingern lange nägel wie vogelklauen? Lohenstein Armin. 1, 660ᵃ; musz der jäger auf die zween vördersten finger seiner rechten hand etwas von dem frasz nehmen v. Heppe aufricht. lehrprinz (1761) 460. — federn: stechet ihme der fordersten oder mitlern federn eine ausz dem flügel Aitinger jagd- u. weidb. (1681) 27. — wie vordere füsze, vorderfüsze: weisz am vördersten lincken fusz (pferd) Duez nomencl. (1652) 172; (ein bock) richtete sich mit den beiden vordersten füszen in die höhe Schottel friedenssieg 5 ndr.; uf den vordersten füeszen sin, sogleich bereit sein schweiz. idiot. 1, 996. — hat mer die kuchel (kugel) de vorderschte backe ufgerisse Niebergall dram. w. (1894) 224. die verbindung mit dem ganzen, wenn der vordere theil gemeint ist, findet hier ebenso statt wie bei vorder, s. oben unter 2.
b)
bei hinter einander befindlichen oder geordneten personen, gegenständen, geringeren oder gröszeren mengen: falanges de vordersten in eynem stride Diefenbach nov. gl. 165ᵇ; er stund im vordersten glid, was am ersten angriff Maaler 475ᵃ; der förderste kriegt das beste Stieler 584; die truppen der vordersten linie u. ä.; wo ein vile ist, da muͦsz ie einer der vordrest syn Zwingli d. schr. (1828ff.) 1, 230; (er) erschlug bey vier tausent man und den fördersten elephanten 2. Macc. 13, 15; ein person aber, so ein ziemlichen weg, von den vördersten (reitern) hindennach kam Kirchhof wendunmuth 1, 85 Ö.; die pferde sind eins hinter das andere gespannt, und auf dem vordersten reitet der knecht Nicolai reise (1783ff.) 2, 411; wer so mit den vordersten fällt in der schlacht E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845ff.) 1, 256; eine frau setzt sich in die vorderste reihe von stühlen Castelli w. (1844) 10, 60; (die) reiszaus nahmen und keiner mehr der vorderste sein wollte G. Keller w. (1889ff.) 5, 184;
das ich hie sitz der vordrist dran,
das macht, das ich beschwören kan
Murner narrenbeschw. 3, 10 ndr.;
strahlend in eherner rüstung durchschritt er die vordersten kämpfer (διὰ προμάχων Il. 5, 681)
Bürger w. 229ᵇ Bohtz;
der zweite drängt den vordersten nach oben,
weil ihn der dritte selbst zum steigen zwingt
Gries Ariosts ras. Roland 2, 41.
geographisch: die entfernung ... von dem vordersten grenzort des staates Ritter erdk. (1822ff.) 1, 596. — im sinne von entferntest: (wenn er predigte,) so vornam ene de vurdeste also wol als de negheste quelle bei Schiller-Lübben 5, 337ᵃ. — der vorderste wird dann auch in freierer und übertragener anwendung gebraucht, ebenso in der vordersten reihe stehen und ähnliche wendungen:
wie? gelüstet nicht
dem Deutschen stets, der vorderste zu sein?
Herder 18, 209 S.
oft wird der vorderste dem hintersten entgegengesetzt: (im amphitheater) suchen die hintersten auf alle mögliche weise sich über die vordersten zu erheben Göthe III 10, 174 W.;
er mac ouch michel gerner wesen
der vorderst mit den mînen
danne der hinderst mit den dînen
kl. mhd. erz. 3, 164, 279 Rosenhagen;
dasz die hintersten so, wie die vordersten söhne Achaias
(ἅμα θ' οἱ πρῶτοί τε καὶ ὕστατοι υἷες Ἀχαιῶν Il. 2, 281)
seine rede vernehmen
Bürger w. 198ᵃ Bohtz;
de vornsten behindern, dat de achtersten nicht in de kerke komen, wenn der magen schon gefüllt ist und man nicht mehr essen kann Tunnicius sprichw. nr. 496 H.
c)
auf rang und vorzug angewendet, vgl. oben unter 4. auf amtsgewalt, rang, stand bezogen, reichliche belege im schweiz. idiot. 1, 996; so schon ahd., s. Graff 3, 633; proceres die obersten und die vordersten des landes Diefenbach gl. 461ᵇ; von den höllischen ständen an ire förderste räthe und diener, die fleyszigen zuͦtrincker J. v. Schwarzenberg büchl. v. zutrinken 12 ndr.; der auch eyner, und der vorderst ausz den zehen was Carbach Livius (1551) 46ᵃ; (wie Zürich) noch auf disen tag für das vorderist ort geachtet ist Stumpf Schweizerchron. (1606) 723ᵇ; vördersten vorstehers am waysenhause Lavater verm. schr. (1774ff.) 2, 458. — dann in allgemeinem sinne, was alles andere übertrifft, das beste, was vorzuziehen ist, von personen und sachen, auch, was vor allem in betracht kommt: das forderosta guot, summum bonum Graff 3, 633 (Notker); praecipuus vorderst Diefenbach gl. 452ᵇ; überall an den vordersten und fürnemsten gaszen d. städtechron. 5, 146 (Augsburg); unter den fördersten götten der Römer Steinhöwel de claris mulieribus 41 D.; aber wen wolt ich yetz mir für den fordersten wünschen zu engegen (sed quem ego mihi potissumum optem ... dari Andria 962) Terenz (1499) 35ᵃ; daruͤmb ist das erst und förderest gesatz ihnen der fraindtschaft J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 71ᵇ;
di sîne vordersten man,
di wolten ez gerne widerwendet hân
kaiserchron. 1373 Sch.;
ein der vorderste man,
des ich ie künde gewan
Ulrich v. Zatzikhoven Lanz. 1337;
auch in neuerer sprache gelegentlich in übertragenem sinne, wobei aber die räumliche bedeutung stark empfunden wird: diesen interessanten mann, der eine der vordersten figuren im Dresdener kunstleben war Justi Winckelmann (1866ff.) 1, 284;
die ersten sie der zweiten, aber lüstern
nach höherm ruhm, der vordersten bereich
Grillparzer w. 1, 197 Cotta.
in logischem sinne: also musz vor dem denken etwas nichtdenkendes als das erste angenommen werden, etwas, das ... als das vorderste gedacht werden musz Fr. H. Jacobi w. (1812ff.) 4, 1, 67.
d)
in älterer sprache wird der superlativ adverbial ge braucht, meist im sinne von vor allem, in erster linie, besonders u. ä.: verbleib ich euch und den euhrigen mit allen gnaden vorderist beygethan v. Brandis gesch. d. landeshauptleute v. Tirol (1850) liii; also vorderst, wo so wolen kleine als grosze wasserströme sind fischbüchlein 177; vorderist aber ist die öftere klage wegen der untreue Stranitzky ollapatrida 19 W. ndr.;
welch buch förderst zu gottes ehr
beschrieben ist mit reiner lehr
Saubert wagen Simeonis (1627), rückseite des titelblattes;
wisz aber forderst nur, dasz sie (weltliche weisheit) gar nichts versteht
Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch s. reimgetichte (1647) 27.
in besonderer anwendung: malk denke by sik sulvest, so denke he vordest (am weitesten) Tunnicius sprichw. nr. 323. — zeitlich: gleichwie der mensch anfenglich undt forderst das leben bekhombt von gott Abr. a s. Clara pred. 16 lit. ver.verblaszt mit so verbunden: so he vorderst mochte u. ä. Schiller-Lübben 5, 337ᵃ.
e)
adverbialbildungen mit präpositionen; in der neueren sprache hat sich nur zuförderst erhalten, und zwar nur in der bedeutung vor allen dingen, zunächst, es wird als altmodisch empfunden. beweglicher ist die ältere sprache, der superlativ kann mit dem bestimmten artikel versehen und flectiert werden, auch andere präpositionen stehen beim superlativ; bei der verbindung mit zu, ze kann die eigentliche räumliche bedeutung hervortreten, vgl. schweiz. idiot. 1, 996; zu vordarost, in capite Graff 3, 633; zu vorderst seyn, primas tenere, primum tenere locum Dentzler clavis ling. lat. (1716) 336ᵇ; zu vorderst im maul ebda; umb daz, daz sein name nit dorynn zuͦ vörderst geschriben sey d. erste d. bibel 2, 38 K.; diesen artikel hab ich ze forderest in die ordnung gestellt Zwingli d. schr. (1828ff.) 1, 175; dasz die helfanten zu vorderst giengen Xylander Polybius (1574) 57;
daz si dâ ze vorderiste scolen stên
deutsche ged. d. 11. u. 12. jhs. 369, 4 Diemer;
dô reit von Tronege Hagene   zaller vorderôst
Nibelungenlied 1526 B.;
er ist al ze vorderst anme reien
Neidhart v. Reuenthal 40, 40 H.;
schnitt beeden lämmeren das haar
zu vorderst von dem kopf herab
Spreng Ilias (1610) 35ᵃ.
dann mit leichter übertragung zuerst der zeit oder dem range, der bedeutung nach, vor allem, in erster linie, vorzüglich, besonders u. ä.; zeitlich, am anfang einer reihenfolge: spreche ze vorderest: oremus preceptis salutaribus moniti Tauler pred. 253 V.; zuͦ dem vordersten und des ersten so verordnen ich meine arme sel ... dem bapst N. Manuel 233 B.; hat er zum vordersten die veste Vesprin belägert Stumpf Schweizerchron. (1606) 33ᵃ; vgl. schweiz. idiot. 1, 997. — zu forderst, precipue Diefenbach gl. 452ᵇ; presertim 457ᵃ; zuvörderst, principalmente, massime, sopra tutto Kramer 2 (1702), 1217ᶜ; zu vorderst, potissimum Steinbach 2, 906; zum vördersten, fürdersten Schmeller-Fr. 1, 848; zuͦ vorderst, so es in dem selbigen gesetze vor gesaget ist d. erste d. bibel 2, 9 K.; den zuͦ vorderst an dem ort werde mir uf das geschwindest nach getrachtet Hutten op. 1, 407 B.; ausz folgenden ursachen, nemlich und zuͦm fordersten, dasz Knebel chron. v. Kaisheim 456 lit. ver.; es musz im ersten spruch zu förderst beweist werden, dasz Nigrinus von zäuberern, hexen (1592) 117;
unt ze vorderst dem künege   sîn wir her gesant,
daz ir geruochet rîten   in daz Etzelen lant
Nibelungenlied 1447 B.;
gîtikeit ist aller der werlde verboten,
ze vorderst aber gotes boten
Hugo v. Trimberg renner 1044 E.
verbindung mit andern präpositionen: die wolgemainten, die man am vordersten und für ander hierzuͦ erwellet Niclas v. Wyle translat. 119 K.; so treybts der babst mit allen bischoffen des geitzs am fordersten Luther w. 9, 579 W.; wiewol bemelte Römer wenig namhafter kriegen geführt, darinn sie nicht der Gallier hilf und zuͦzug bey dem vorderisten gehabt Stumpf Schweizerchron. (1606) 171ᵇ.
f)
vorderst dem hinterst gegenüber gestellt: das hinderst zum forderst kern Mayr sprüchw. (1567) c 4ᵃ; dann ich brachte alles das hinderst zum vördersten vor Grimmelshausen 3, 11 Keller.verkehrte lage: Jahn Clam geht ein, hat einen harnisch zu hinderst föderst angelegt Ayrer dramen 3, 1997; wie kommts, dasz ihr die haub hinderst der vörderst sizt Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 13; vgl.: die west hinnerscht-der-verderscht Niebergall dram. w. (1894) 158.
9)
vorder- erscheint als erstes glied in zahlreichen, leicht zu vermehrenden zusammensetzungen, oft entsprechenden, mit hinter gebildeten entgegengesetzt, was im folgenden im allgemeinen nicht weiter angemerkt wird. z. th. beziehen sich die ausdrücke auf theile desselben gegenstandes, s. im übrigen die bemerkungen unter 10. —
vorderachse f.
die achse der vorderräder eines wagens Jacobsson technol. wb. 4, 551ᵃ; vörderachse allg. öconom. wb. (1744) 846; die v. und die wagenfeder waren gebrochen Zschokke schr. (1824ff.) 22, 122. —
vorderahn m.
gelegenheitsbildung, so viel wie ahn, vorfahr (s. oben 7):
bisweilen geschiehts, dasz kinder den eltern der eltern
ähnlicher werden, ja oft den vorderahnen noch gleichen
v. Knebel Lucrez (1821) 195.
vorderanker m.
wenn ein schiff vor anker liegend nicht schwaien, sich nicht herumdrehen soll, wird es durch v. und hinteranker festgelegt.
vorderansicht f.
fehlt bei Adelung und Campe, ansicht von vorn, im gegensatze zur seitenansicht, doch auch zur ansicht von hinten: ein tempel, der in der vorder- und hinteransicht, aber nicht auf den seiten, säulen hat Rode Vitruv (1800), anhang 5; dasz wir eine rechte v. der amphitheatralisch aufsteigenden stadt gewinnen W. H. Riehl naturgesch. d. volkes (1851ff.) 4, 141; eine nur für die v. berechnete marmorgruppe. —
vorderarm m.
der vordere theil des armes (hinterarm ist weniger gebräuchlich th. 4, 2, sp. 1498, häufiger jetzt oberarm und unterarm).
a)
ulna vorderarm Diefenbach gl. 625ᵇ; nov. gloss. 384ᵃ; vorderarm, der theil des armes von dem ellbogen bis zur hand Krünitz 231, 357; indem der linke v. der Helena sich dem rechten hinterarm der Venus anzufügen scheint Göthe 48, 222 W.; (leichnam,) von dem ihr mir einen v. aus dem ellenbogengelenk lösen könntet Hebel 2, 332 B.; ein kostbar heiligtum ..., den rechten v. des heiligen Theopontus Scheffel w. (1907) 1, 232. dimin.: die hemdärmlinge hat sie zurückgeschlagen, so dasz die vorderärmchen nackt sind Rosegger alpensommer (1908) 169. — die länge des vorderarms, vom ellenbogen bis zur spitze des mittelfingers dient als masz (elle). — das wort wird dann auch auf thiere angewendet: v. ist an den vordergliedern der thiere jenes glied, welches zwischen dem oberarmknochen und der handwurzel liegt Behlen forst- u. jagdkunde 6, 169; am flügel der vögel versteht man unter v. diejenigen zwei knochen, welche zwischen dem hinterarme und der handwurzel eines flügels liegen (antibrachium) Campe; auf dem v. (der gemse) ein schwarzer flecken Oken allg. naturgesch. 7, 1391; kommt sie (die springmaus) an die kante, so stemmt sie sich mit ihren ... vorderarmen auf Brehm thierl. (1890ff.) 2, 483. — hierzu zahlreiche zusammensetzungen, bes. in technischer sprache: vorderarmbein, n., so viel als die speiche oder ellenbogenröhre Krünitz 231, 357. vorderarmbeuger, m. (muskel) Sömmerring vom bau d. menschl. körpers 3, 2, 143. vorderarmbruch, m., bruch des vorderarms Krünitz 231, 357. vorderarmdrüse, f. Sömmerring a. a. o. 3, 2, 343. vorderarmhülse, f., künstlicher vorderarm v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 273. vorderarmknochen, m.: vorderarmmuskeln ... heften sich an die vorderarmknochen Oken allg. naturgesch. 4, 39. vorderarmslänge, f.: vorderarmslänge, cubitus, eine ungefähre länge von 18 zoll, als ein botanisches masz Behlen forst- u. jagdk. 6, 169; vorderarmslang, cubitalis Krünitz 231, 357. vorderarmmuskel, m., s. -knochen. vorderarmstrecker, m., muskel Sömmerring a. a. o. 3, 1, 234.
b)
übertragen: vörderarme eines wagens sind die zwei stück holtz, so mit den vördern enden an die deichsel befestigt werden, mit den hintern enden aber durch achs und schale gehen Fäsch kriegslex. (1735) 264ᵇ. — ungewöhnlich von den verzweigungen eines flusses vor seiner mündung: (wir) sahen, wie der erste zuflusz seines (des Rheines) vorderarmes ... entsprang Görres br. (1858ff.) 1, 207. —
vorderärmel m.
vordere bekleidung des armes: andere dagegen, wie der Spiegelschwab, putzten es (was aus der nase kommt) an den v. Aurbacher volksbüchlein (1835) 207. —
vorderaugen
plur., an spinnen Brehm thierl. (1890ff.) 9, 727. —
vorderbäckchen n.
bei dem schriftsetzer ein theil des kegels Beil technol. wb. (1853) 1, 632. —
vorderbacke f.
die wangen, meint Campe, können im gegensatze zu den hinterbacken so bezeichnet werden! vorderer theil der wange: waschschwammgesicht mit seinen schlappen vorderbacken Jean Paul 24/26, 194 H.; an einem vogel: vorderbacken lichtgrau Brehm thierl. (1890ff.) 4, 324; in techn. sprache theile im hochofen Prechtl technol. encycl. (1830ff.) 5, 129. —
vorderbahn f.
theil an der vorderseite eines frauenkleides in gestalt eines breiten streifens, s.bahn 13, th. 1, sp. 1078. —
vorderbau m.
facciata, fronte ... d'una casa Kramer 2 (1702), 1217ᶜ. gewöhnlich aber einem rückwärtsliegenden bau gegenübergestellt.
vorderbauch m.
vorderer theil des bauches; an thieren: v. und brust sind gelblicher Brehm thierl. (1890ff.) 3, 501; erste abtheilung eines sackartigen netzes Frischbier 2, 448ᵃ. —
vorderbaum m.
ein theil des webstuhls Prechtl technol. encycl. (1830ff.) 20, 249, des sattels Krünitz 231, 357. —
vorderbausch m.
vorderpauschen, die zwei senkrechten hölzer auf dem kopf des deutschen sattelbaums Jacobsson 4, 551ᵇ; Hübner zeitungslex. (1824ff.) 4, 836ᵇ; ein (englischer) sattel, der ... keine vorderbauschen hat Voigt hwb. f. d. geschäftsführung (1807) 1, 253; vgl.bausch (plur. bäusche) 2, th. 1, sp. 1198. —
vorderbein n.
vorn, an der vorderen seite stehender knochen; das vorderbeyn der brust, von siben stucken oder beinlin zuͦsammen gesetzt Ryff anatomi (1541) c 3ᵃ. — bei vierfüszigen thieren im plur. den hinterbeinen entgegengesetzt: (pferde) verkehren die augen, halten die forderbeine übereinander Böhme roszartzney (1618) 101; ich sprengte über die gantze schwadrone weg und schmiesz mit dem förderbeine (des pferdes) den rittmeister, mit den hinterbeinen den cornet vor die köpfe Chr. Weise erzn. 100 ndr.; Solon und Plato (ziegen) umarmten einander mit den vorderbeinen Immermann 2, 86 B.; (der bär) streckte während seiner ansprache bald das eine, bald das andere v. weit vor sich aus Eichendorff (1864) 3, 455; das vordere beinpaar bei insecten: hierauf wunden sie (fliegen) die geschlanken vorderbeine niedlich in einander Schwabe belustigungen (1741ff.) 2, 232. — übertragen: die krücken, die da stehen, waren seine vorderbeine Lichtenberg erkl. d. hogarthischen kupfer (1794ff.) 3, 31. — man spricht auch wohl von den vorderbeinen eines stuhls oder eines gerätes, das auf vier stützen steht.
vorderberg m.
wie vorberg, jetzt ungebräuchlich: man fährt nordostwärts an den gebirgen hin und hat die vorderberge ... immer linkerhand Göthe 30, 76 W.; der gebirgskette schon so nahe, dasz man die bäume auf den vorderbergen deutlich erkennt Ritter erdk. 4, 363. —
vorderbier n.
vorder hier in zeitl. sinne: (es wird) ein stärkeres vorder- und ein schwächeres nachbier bereitet Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876ff.) 1, 485. —
vorderbiet f.
prora vorderbiet Diefenbach gl. 466ᶜ; s. biete, f., th. 2, sp. 4. —
vorderblatt n.
schulterblatt vierfüsziger thiere (auch vorderbug), armus Campe; vgl.-bug. das förder blat oder förder teil oder förder vierteil am rehe, hirsch, wilden schwein Bas. Faber thesaurus (1587) 82ᵃ; die vorderblätter oder buche waren ... an dem brustkern angewachsen v. Fleming vollk. teutscher jäger (1719) 128. — das vordere breite stück an einem gewebten strumpf Jacobsson technol. wb. 4, 551ᵃ. — der theil eines schuhes, der den fuszrücken bedeckt Krünitz 231, 357. — 'bei frauenkleidern das stück zeug, welches den vordern theil desselben unter dem leibchen bildet' ebda, in ähnlichem sinne bei einem mannsrock: dasz der frack aus dem überrock entstanden ist, indem nach und nach die vorderblätter immer weiter und weiter weggeschnitten wurden Immermann 5, 22 B.ein theils des pferdegeschirrs, das brustblatt.ungewöhnlich für titelblatt: dieses brillante buch aber hatte auf dem vorderblatte folgenden titel Heine 3, 340 E.
vorderblech n.
in allgemeinem sinne von einem blech an der vorderen seite eines gegenstandes; in technischer sprache die dünnste sorte weiszblech Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876ff.) 10, 139. —
vorderbock m.
kutschersitz an der vorderen seite des wagens: der wagen, der nun ganz wie er sein soll, ohne v. zur reise eingerichtet ist fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873ff.) 6, 235. —
vorderbogen m.
in verschiedenen bedeutungen von bogen mit räumlicher bedeutung von vorder; an einem hundeschlitten; hierzu: (man) steckt den stock in den schnee zwischen das vorderbogenholz und hemmt dadurch ein Brehm thierl. (1890ff.) 2, 170. — vorderer bogen einer wölbung, hierzu: hinder- und vorderbogengestelle, jugamentum anticum et posticum Stieler 2146. — der vorderste bogen der kartenblätter, auf dem die bilder abgedruckt werden Jacobsson technol. wb. 4, 551ᵃ. —
vorderbord n.
vordersteven: prora voderport, vorderbrat Diefenbach nov. gl. 306ᵇ; in der folge malte man ... die schiffsmarque (parasemon, insigne) am v. Böttiger kl. schr. (1837ff.) 2, 93 anm.
vorderbracke f.
querholz im deichselgeschirr: bei vierspännigen fuhrwerken ist noch eine vorderbrake nöthig, die vermittelst eines ovalen ringes an den zughaken der deichsel gehangen wird Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804ff.) suppl. 85; (durch taue wird) bei den stangenpferden die verbindung mit den ortscheiten der ... hinterbracke, bei vorderpferden mit der ... v. hergestellt v. Alten hdb. f. heer u. flotte 4, 170; vgl.bracke, f., th. 2, sp. 290. —
vorderbrante f.
vordertatze des bären: (der bär) nimmt nicht selten mutig den menschen an, stöszt ihn mit den vorderbranten Brehm thierl. (1890ff.) 2, 217; s.brante th. 2, sp. 304. —
vorderbreite f.
breite der vorderseite: die v. beträgt sechs meter. —
vorderbrett n.
(er) überliesz ihr im wäglein sogar den guten sitz, während er vom v. aus das pferd leitete Rosegger II 1, 271; antemna vorderbret Diefenbach gl. 37ᵇ; nov. gl. 25ᵇ. —
vorderbrust f.
der vordere theil der brust:
blutig war ihm die vorderbrust
(sá var blóđugr    um brjóst framan), Baldrs dr. 3
Herder 25, 470 S.;
(fleisch,) das zwischen zwey ribben an der vörderbrust sich befindet allg. haushalt.-lex. (1749ff.) 2, 717ᵃ. — (der leib der insecten) besteht aus drei ringen, dem vorderbrustringe ..., dem mittelbrustringe ..., dem hinterbrustringe Brehm thierl. (1890ff.) 9, 11. —
vorderbucht f.
bezeichnet bey thieren sowohl die vorderkeule als das schultergelenk Hupel idiot. von Lief- u. Ehstland 253; s. das folgende wort.
vorderbug m.
vgl. hinterbug th. 4, 2, sp. 1499; aber auch bug allein (th. 2, sp. 494) wird im sinne von vorderbug (armus) gebraucht, vgl.vorderblatt, ↗vorbug: der vorderbug, armus, prior pars in feris Stieler 139; vörderbug Steinbach 1, 146; die forderbüg sollen ihnen (kühen) zottecht und kurtz sein Herr feldbau (1551) 185ᵇ; neben des pferdes forderbüchen v. Fleming vollk. soldat (1726) 25; des freiherrn silbergrauer, vom zusammenstoszen am vorderbuge verletzt Fouqué zauberring (1812) 1, 188;
drückst dem eber deine spitze
grad ins herz am vorderbug
Müllner d. 29. febr. 3.
der vorderste theil des schiffes, nicht seemännisch:
dies schwarze segel am vorderbug
verhüllt das ganze schifflein klug
D. v. Liliencron w. (1896ff.) 9, 47.
vorderbügel m.
z. b. an einer tragbahre: einer der träger ..., der den linken v. gefaszt hatte Fontane I 2, 304; an einer krone: v. mit perlenbesatz v. Alten hdb. f. heer u. flotte (1909ff.) 1, 134. —
vorderbühne f.
vorderer theil der bühne (proscenium) Campe; (da) eine schaubühne in die vörder- und hinterbühne eingetheilet wird Scheibe d. crit. musicus (1745) 226; balkon, von welchem treppen zur v. herabführten Freytag (1887) 14, 160. —
vorderbündchen n.
der oberste beschlag an den messer- oder gabelschalen Jacobsson technol. wb. 4, 551ᵃ. —
vorderburg f.
wie vorburg: daselbst sie in der vorderburgk abstunden hertzog Aymon (1535) g 6ᵇ. —
vordercastell n.
s.-kastell. —
vorderdach n.
Campe.
vorderdarm m.
(der darm der insecten) gliedert sich in vorder-, mittel- und hinterdarm Brehm thierl. (1890ff.) 9, 15. —
vorderdaumen m.
der v. ohne nagel (klammeraffe) Oken allg. naturg. (1839ff.) 7, 1744. —
vorderdeck n.
der vordere theil des schiffsdeckes: des abends pflegten ... diese frauenspersonen ... auf dem vorder-, mittel- und hinterdeck zu tanzen G. Forster schr. (1843) 2, 62;
im blenden
der sonne wallt an stang und tau
dort auf dem vorderdeck ein laken
Immermann 13, 231 B.
vorderdiegle
alae Stieler 314, s. unter diechel th. 2, sp. 1099. —
vorderdielung f.
bretterverkleidung bei einer schleuse: (dasz) die v. und bekleidung der ufer des grabens mit dem des baches abschneiden Krünitz 239, 157. —
vorderdocke f.
theil des drehstuhls der drechsler, s.docke 3 c, th. 2, sp. 1211. —
vorderdruck m.
druck der umrisse der kartenbilder Jacobsson 4, 551ᵃ. —
vordereck n.
s.eck, n. th. 3, sp. 21: acht ums v. sagt man beim kegeln, wenn alle kegel mit ausnahme des vordersten fallen.
vorderecke f.
ihr sollt das haar nicht rund am haupte nebst den vorderecken abnehmen M. Mendelssohn schr. (1843ff.) 7, 278. —
vordereisen n.
von den hufeisen der vorderfüsze eines pferdes Campe; messer, vor-, vordereisen, theil des pfluges Thaer grundz. d. rat. landwirtsch. 3, 14; theil des sattels Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 818. —
vorderende n.
(der bootsmann) führte mich ... an das v. des verdecks Smidt mittheil. aus d. tageb. e. nord. seemannes (1880) 58. —
vordereuter n.
giebt es (das euter) auf den vorderen strichen mehr als auf den hinteren, so nennt man es v. Schwerz prakt. ackerbau (1882) 645. —
vorderfach n.
in verschiedener anwendung, z. b.: v. eines kastens, schranks im gegensatz zu hinteren; theil eines stuhls oder untergestells Jacobsson 4, 551ᵇ. —
vorderfaden m.
in teppichen Jacobsson a. a. o.
vorderfähnlein n.
antepilani die fürderfenlin Bas. Faber thesaurus (1587) 620ᵃ. —
vorderfeder f.
gleichgefärbt (violett und weisz) die federbüsche
und die vorderfeder röthlich
Herder 25, 228 S.
vorderfenster n.
aussicht aus dem v. —
vorderfessel f.
unterer theil des vorderfuszes am pferde, s.fessel 2 th. 3, sp. 1556. —
vorderfeuer n.
in einem schmelzofen Karmarsch-Heeren techn. wb. 4, 69. —
vorderfinger m.
der zeigefinger (der vorderste finger Henisch 1102); forderfinger, alias zeiger, index, digitus salutaris Stieler 485. (gott und göttin,) welche beide den vorderfinger auf den mund hielten Lindenborn Diogenes (1742) 2, 359; leibzeichen ist der rechten hand v. rechtsaltert. ⁴2, 523. doch wird auch der mittelfinger mit einbezogen: sodann setzt man in solches loch die zween v. der lincken hand ein allg. öcon. lex. (1744) 159; eide wurden mit auflegung beider v. der rechten hand geleistet rechtsaltert. ⁴1, 195; der daumen tritt hinzu: wie der arme pestilenziarius das ohrläppchen zwischen den drei vorderfingern scheuerte und rieb Jean Paul 1, 191 H. — v. kann natürlich auch vom vorderen glied eines einzelnen fingers gebraucht werden.
vorderfläche f.
facies antica Krünitz 231, 358; auf der vörderfläche aber des vierecks eine guldne schrift sich sehen liesze v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 104. —
vorderflagge f.
'die flagge, welche auf dem bugspriete auf dem vordertheile des schiffes aufgesteckt wird' Jacobsson 4, 551ᵇ; jetzt ist eine solche nicht mehr gebräuchlich, s.gösch bei Kluge seemannspr. 324. —
vorderfleck m.
mit ausnahme eines ... vorderfleckes (anders gefärbte stelle an einem käfer) Brehm thierl. (1890ff.) 9, 120. — vorderfleck ist bey den schustern eine halbe sohle auf die schuhe Frisch 2, 407ᵇ. —
vorderfleisch n.
soviel wie vorderviertel: vörderfleisch Martin-Lienhart 1, 140ᵇ. —
vorderflosse f.
im eigentlichen sinne: die alte (ein seehund) ... berührte es (das junge) sanft mit ihren vorderflossen Brehm thierl. (1890ff.) 2, 303; scherzhaft in derber sprache von der hand, so auch flosse (diese bedeutung fehlt noch th. 3, sp. 1818): jeben se mir ihre biedere v. d. richtige Berliner 148ᵃ. —
vorderflug m.
vorderes achselstück des plattenharnischs v. Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 764; in gleichem sinne und auch mit der bedeutung 'flügel'
vorderflüge f
Unger-Khull 246ᵇ. —
vorderflügel m.
bei insecten im gegensatz zu hinteren: nachtfalter mit grünlichbraunen vorderflügeln Oken allgem. naturgesch. 5, 1073. vorderer theil des vogelflügels: die deckfedern des vorderflügels Naumann vögel 6, 384. —
vorderfreszspitzen
plur., palpi anteriores, am maule gewisser insecten Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 228. —
vorderfront f.
(man) nennt die umfassungswand (des hauses) an der strasze die v. Lueger (1894ff.) 4, 388. —
vorderfühler m.
beim aufsuchen der beute leisten die v. gute dienste (schnecken) Brehm thierl. (1890ff.) 10, 316. —
vorderfusz m.
im plur. bei vierfüszigen thieren im gegensatz zu den beiden hinterfüszen: der v. des pferdes ... wird ... durch folgende theile formirt: die schienröhren, der ellenbogen, die keste, das knie, das wadenbein, die flechse, die köthe, der fessel, der huf Jacobsson 8, 111ᵃ; fiel er (ochse) mit den vörderfüszen auf die knie nieder Lohenstein Armin. 2, 202ᵇ; Bucephalus stiege mit seinen vorderfüszen in die höhe Lindenborn Diogenes (1742) 1, 411; (die) floszfeder des fisches, die beim erdenthier der mühende v. oder die hand ist, ward dem vogel schwinge Herder 22, 83 S.; die arme des menschen gleichen auf keine weise den vorderfüszen der thiere Göthe II 7, 183 W.; dasz die wölfin mit zerschmettertem v., ... in den wald zurücke floh Fouqué zauberring (1812) 1, 54;
er (löwe) wirft die förderfüsz als rasend in die luft
A. Gryphius trauersp. 23 P.;
die vörderfüsze (des bibers) scheinen hände
und flechten aus den binsen wände
Hagedorn poet. w. (1769) 2, 30;
dann ist ein jeder vörderfusz (beim frosch)
dick aufgelaufen und geschwollen
Triller poet. betracht. (1750ff.) 1, 152;
er haut ihm (dem pferd) ab mit einem streich
die beiden vorderfüsz zugleich
Uhland ged. 1, 255 Schm.-H.
dim.: (das zicklein) stieg mit den vorderfüszchen an unser knie empor Rosegger I 8, 99. das vordere paar bei mehr als vier beinen: (fliegen) wischten sich die augen mit den vorderfüszen Hufeland kunst d. menschl. leben zu verlängern (1797) 291; mit funkelnden augen und ausgegestreckten vorderfüszen gingen sie (spinnen) sich entgegen G. Keller (1889ff.) 3, 23. — scherzhaft auf den menschen übertragen:
gieb deine faust, den vorderfusz mir gieb
(give me thy fist, thy fore-foot to me give)
Shakespeare Heinrich V. 2, 1.
der vordere theil des fuszes: haltung: füsze gespreizt! vorderfusz auswärts Fr. L. Jahn 2, 55 E.hierzu vorderfuszwurzel, f., am thier, der handwurzel entsprechend.
vordergarten m.
(weg), der den dienstleuten ... den umweg durch die vordergärten ersparte Spielhagen w. (1877ff.) 6, 248. —
vordergaul m.
s.-rosz. —
vordergaumen m.
der vordere, harte theil des gaumens.
vordergebäu n.
wie das folgende wort Kramer 2 (1702), 1217ᵃ. —
vordergebäude n.
entweder als selbständiges gebäude oder als theil: v.; das gebäude, welches die hauptfronte eines hauses bildet Krünitz 231, 358; zur mahlzeit gingen wir vor in das v. d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 34; es war ein einfenstriges eckzimmer des vordergebäudes der abtei Laube schr. (1875 ff.) 2, 149. —
vordergebirge n.
der vordere, gewöhnlich niedrigere theil eines gebirges Adelung: wo das gebürge aufsteiget, wird es das fördergebürge genennet v. Schönberg ausführl. berginformation (1693) 2, 38; kalkstein ... aus den vordergebirgen der groszen kette schr. d. Götheges. 2, 175; jetzt ungebräuchlich.
vordergebisz n.
damit stimmt auch das gebisz überein, vorzüglich das v. Oken allg. naturgesch. 7, 886. —
vordergeburge n.
vorgelagerte befestigung: ein stark v. dt. städtechron. 13, 585 (Köln 15. jh.). —
vordergefecht n.
gefecht unter den vordersten kämpfern:
grad an stürmt er durchs vordergefecht
Voss bei Campe.
vordergehäse
(vgl. vorhäse), n., der vordere theil des hasen, s.gehäse th. 4, 1, 2, sp. 2326; hintergehäse th. 4, 2, sp. 1502. —
vordergeist m.
vorder im sinne höheren ranges, werthes (s. oben 4 und 8 c): den einzelnen schwungmenschen, den vordergeistern eines neuen geisterreichs Jean Paul 35, 17 H.
vordergeld n.
so ist man auch dem berkhgerichtsboten, nachdem er ver oder nahent zu geen hat, sein vordergelt schuldig v. Lori baier. bergrecht (1764) 229 (16. jh.); lohn des fronboten, auch von andern beträgen Unger-Khull 246ᵇ; gehört zu fordern, s. Schmeller-Fr. 1, 753 unter fordern. —
vordergemach n.
des grafen kammerbuͦb schlosz zuͦhand das v. auf Wickram 2, 397 B.; in einem unserer vordergemächer Holtei vierzig jahre (1843 ff.) 1, 278. —
vordergerät n.
theil des pferdegeschirrs: der brustrieme, brustgeret, vördergeret, brustbug Faber thesaurus 98ᵇ. —
vordergereite n.
vordergestell an einem wagen oder pflug Unger-Khull 246ᵇ; in gleichem sinne -gerichtel, n., ebda; vgl. hintergereite th. 4, 2, sp. 1503. —
vordergericht n.
eigentlich ein im rechtszuge höheres gericht, s. oben 4 und 8 c; als bezeichnung einer landschaft: die thüringischen staaten (mit ausnahme des ... vordergerichts Ostheim) hwb. d. staatswiss. (1898 ff.) 2, 823. —
vordergerichtel n.
s. -gereite. —
vordergesäsz n.
vordersitz im wagen Frischbier 2, 235ᵇ; s.gesäsz 2, th. 4, 1, 2, sp. 3808. —
vordergeschirr n.
der theil eines pferdegeschirrs, welcher an hals und brust befindlich ist Krünitz 231, 358; doch auch: 'die geschirre zu den vordern zwey pferden bey einem zug von 6 pferden' Jacobsson 4, 551ᵇ; v. und fuhrsättel verh. d. schles. fürsten u. stände 6, 286; die vordergeschirrtaue haben einen knebel oder haken, um sie an das kummet oder an das brustblatt der sielen befestigen zu können v. Hoyer allg. wb. d. artill. (1831) suppl. 213; übertragen: dein geschwätz hat kein hinter- und kein v.-geschirr Fischer schwäb. wb. 2, 1646. — theil eines webstuhls Prechtl technol. encycl. 20, 443. —
vordergeschlepp n.
vordertheil, v., der vordere (oder obere) theil des ganzen körpers, der die brust enthält Illiger mammalia et aves (1811) 33; v.- und hintergeschleppe am pferde, s. hintergeschleppe th. 4, 2, sp. 1503. —
vordergesicht n.
der vordere theil des gesichtes: das v. zeugt bey der geringsten bewegung von empfindsamer ... güte Göthe 29, 151 W.; dadurch bewegte er das fragende v. gleichfalls zum ja-nicken Jean Paul 45/47, 411 H.gegensatz zu podex, hintergesicht: die kirche lieber mit dem hinterals mit dem v.-gesicht sehen, vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1646. —
vordergespann n.
vorderes pferdepaar vor einem gefährt: auf dem v. solle ein schalmeigpfeifer sitzen Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 36. —
vordergestell n.
z. b. an einem wagen allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 185ᵃ; an einem pfluge Schwerz prakt. ackerbau (1882) 124; drehbares v. einer locomotive Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876 ff.) 3, 79; in einem schmelzofen v. Scheuchenstuel idiot. d. österr. berg- u. hüttenspr. (1856) 101. — vordergestelle des wagens Kramer 2 (1702), 959ᵃ; ich werde fahren, dasz es an mir nicht liegen soll, komm ich nicht mit bock und v. meilenweit der kutsche voraus Grabbe 4, 50 Bl.
vordergetümmel n.
kampf der vorderen reihen:
als er (Menelaos) im vordergetümmel mit mächtigem schritte dahertrat
(ἐρχόμενον προπάροιθεν ὁμίλου μακρὰ βιβάντα Il. 3, 22)
Bürger 206ᵃ Bohtz;
aber es flog Diomedes zurück in das vordergetümmel (προμάχοισιν ἐμίχθη)
Voss Il. 5, 134.
vgl.-gewühl. —
vordergewicht n.
der geschützrohre Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902 ff.) 1, 818. —
vordergewühl n.
vgl. -getümmel:
als ihn Antilochos sahe, der sohn des erhabenen Nestor,
eilt er durchs vordergewühl (βῆ δὲ διὰ προμάχων)
Voss Il. 5, 566;
jetzt stürzt, wie ein dämon, voll rachegefühl
sich Penthesilea ins vordergewühl
Leuthold ged. (1894) 258.
vordergiebel m.
vorderer gibel des hauses, vordergibel Kramer 2 (1702), 1217ᶜ; mit denen worten, die jener ... poet über seinen vördergiebel geschrieben A. Gryphius trauersp. 16 P.; der v. (der moschee) ist mit gefirnisten oder glettenblau angestrichen A. Olearius staat d. königreichs Persien (1696) 10ᵃ; (im bilde:) demnach macht er meistentheils gröszere portale oder v., als die häuser selbst sind Triller poet. betracht. (1750 ff.) 2, 597; am v. (des tempels) war die jagd des calydonischen schweins gebildet H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 2, 100; scherzhaft für stirn:
dies mährlein dient allein zu nutz und frommen
der männer, die verhirschter stirnen sind ...
ihr guten herrn, an deren vordergiebel
dies hauslauch wächst
Bürger 316ᵃ Bohtz.
vordergipfel m.
eines berges, baumes; in eigenthümlicher bedeutung von gipfel: nymb ... brombeer pletter die vordergipfel, die vordersten spitzen Braunschweig chirurgia (1539) 112ᵇ. —
vorderglas n.
'in fernröhren etc. das gegenstandglas (objectivglas)' Campe; durch das v. des sonnenmikroskops Göthe II 5, 1, 109 W.vorderes fenster in einer kutsche: den augenblick liesz ich das v. nieder, um sie (töne) deutlicher zu hören Bode Tristram Schandi (1774) 9, 83. —
vorderglatze f.
glatze vorn am kopfe.stück an einer plüschhose: plüschhosen, besetzt mit den bekannten zwei v.- und einer hinterglatze Jean Paul 32, 46 R.
vorderglied n.
verschiedenen bedeutungen von glied folgend; am körper: das v. des fingers Campe; vorderglieder, ... auch brustglieder genannt, sind bei den säugethieren die vorderläufe ... und bei den vögeln die flügel Behlen forst- u. jagdk. (1840 ff.) 6, 169; seine (des zeigefingers) zwey kleinesten vörderglieder mit dem nabel (l. nagel) haben die länge der nase Lohenstein Armin. 2, 225ᵃ; (die fledermaus) zuckt mit den vordergliedern (wenn sie musik hört) Brehm thierl. (1890 ff.) 1, 18; ich glaube, der kerl hat sich die vorderglieder (seiner finger) in seinem golde abgewühlt Spielhagen (1877 ff.) 9, 347. — die vordere reihe einer aufgestellten mannschaft: das v. schieszt knieend;
herr Jörg vom pferd und nam ain spiesz,
ins forderglied on all verdriesz
histor. volksl. 3, 404 v. Liliencron.
gedanklich: v. eines schlusses; oder eines arithmetischen satzes; auch in syntaktischem sinne von den ersten theilen eines satzes; Adelung bemerkt, kaum mit recht: 'dasjenige wort in einem urtheile, welches andeutet, wovon geredet wird, das subject.' — klare ... sätze, in welchen die verbindung oder trennung des vordergliedes und hintergliedes ... in die augen leuchtet Schwabe belust. (1741 ff.) 3, 230; alle vorderglieder, alle vorbedingungen sind verloren gegangen Laube schr. (1875 ff.) 1, 168. —
vordergliedermaszen plur.
vorderglieder in der ersten bedeutung: die an v.- und hintergliedmaszen fünfzehigen pfoten Brehm thierl. (1890 ff.) 3, 666. —
vordergraben m.
graben vor den eigentlichen befestigungswerken Jacobsson 4, 551ᵇ. —
vordergrans m.
der vordere theil des schiffs, prora, proda della nave Kramer 2 (1702), 1217ᶜ; prora vordergransen Diefenbach gl. 466ᶜ. s.grans, ↗gransen Kluge seemannsspr. 326.
vordergrund m.
eine bildung der neueren sprache, zuerst von Adelung verzeichnet, vgl.vorgrund.
a)
im wirklichen raume der theil, der sich dem beschauer zunächst befindet: ich stand so, dasz das schlöszchen und der damm ... den linken v. machten Göthe III 2, 146 W.; im hintergrunde des saales standen wol zwanzig schiffer, im vordergrunde eine unverschämte italienische wirthin Laube schr. (1875 ff.) 8, 249; (der see ist) im v. tief smaragdgrün A. v. Droste-Hülshoff br. an Louise Schücking (1893) 308; schoben dabei diese oder jene im hintertreffen stehende in den v. G. Keller (1889 ff.) 6, 19; mächtige vorstufen (des gebirges) beherrschten den v. H. v. Barth Kalkalpen (1874) 440. — oft in anwendung auf den bühnenraum: der v. der schaubühne, die vorderbühne Adelung; (zwei halbchöre,) welche zu gleicher zeit, von zwei entgegengesetzten seiten, der eine aus der tiefe, der andere aus dem v. eintreten Schiller 14, 20 G.; bei uns war es (das schauspiel im Hamlet) dicht im v., rechts vom zuschauer Grabbe 4, 202 Bl.; im v. rechts steht ein kleines kanapee M. v. Ebner-Eschenbach (1893 ff.) 4, 263.
b)
v. eines gemäldes, fr. le devant, der erste grund, der nächste theil an der grundlinie Jacobsson 4, 551ᵇ; auch bei einem perspectivisch gearbeiteten relief kann von einem v. gesprochen werden. — weil aus einem so hohen gesichtspuncte besonders die figuren des vordergrundes von oben herab sehr verkürzt und verschoben hätten erscheinen müssen Lessing 10, 259 M.; auf mehreren blättern war Mignon im vordergrunde, wie sie leibte und lebte, vorgestellt Göthe 24, 354 W.; man denke z. b. im landschaftbild an v., mittelgrund, hintergrund Vischer ästhetik (1846 ff.) 3, 1, 51; es war nichts darauf zu sehen als ein begonnener v. mit je einem verwitterten fichtenbaume zu beiden seiten des künftigen bildes G. Keller (1889 ff.) 2, 263;
im vordergrund sind zwei feine knaben
Göthe 16, 53 W.;
im bilde: bilder des glücks lächelten ihm schon winkend von ferne, und die drangsalen im vordergrunde erschreckten ihn nicht A. G. Meiszner skizzen (1778 ff.) 3, 139;
auch im bild der schönsten tage
der menschheit stehen sarkophage,
und leider oft im vordergrund
Pfeffel poet. versuche (1812 ff.) 3, 174.
c)
oft in übertragenem sinne: so verlor man sich in egyptische und indische fernen, da man das beste im vordergrunde ganz nahe hatte Göthe IV 29, 12 W.; glücklich die völker, in deren geschichte ein v. reicher sage steht Jac. Grimm kl. schr. 5, 27; wie die Hellenen in ihrem kosmos nur vordergründe der natur erkannten und als wirklich anerkannten, ... so malten sie auch nur vordergründe Spengler untergang d. abendl. (1918) 1, 206. — R. M. Meyer (zeitschr. f. d. wortf. 15, 131) hat auf den verschlechterten sinn hingewiesen, den Nietzsche dem worte giebt: was niedrig und v. an ihm ist 7, 261 (gr. ausg.); er bildet die herabsetzenden bezeichnungen vordergrundphilosophie 13, 82, vordergrundtugend 13, 45.
d)
besonders häufig ist die übertragene anwendung in gewissen verbindungen mit verben: im vordergrund stehen: eine ehrgeizige, politische dame steht im vordergrunde (eines romans) Schücking bei A. v. Droste-Hülshoff briefe (1893) 344; die wissenschaft stand im vordergrunde des geistigen lebens der völker Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886 ff.) 1, 4; (der) im vordergrunde stehende streit um die hegemonie in Deutschland Bismarck ged. u. erinn. 1, 299 volksausg. — in den v. stellen: (es musz) mehr die faktische noth der tochter in den v. gestellt werden fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 8, 6; (hatte ich) die ihm (dem kaiser) mehr zugänglichen militärischen erwägungen in den v. gestellt Bismarck a. a. o. 2, 48. — in den v. treten: die handarbeit musz in den v. aller unserer politischen beziehungen treten Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 1, 223; Clemens trat in den v., wodurch Traugott in den schatten gestellt ward Holtei erz. schr. 25, 11; in manchen früheren variationen ... tritt die technik in den v. O. Jahn Mozart 4, 12; für mich begann jetzt die frage in den v. zu treten, was an dem heutigen tage zu beginnen sei H. v. Barth Kalkalpen (1874) 552. — andere verbindungen: (völkerbild,) von dem einzelne gruppen ... mit bestimmterer haltung den v. zu betreten beginnen Ritter erdk. 1, 432; das baufach blieb für mich im vordergrunde Laube schr. (1875 ff.) 1, 34; die grosze masse der unteren stände drängt sich zunächst in den v. Nitzsch dtsche studien (1879) 22; Essex und Manchester ... traten zurück, Fairfax und Cromwell ... erschienen im v. Ranke s. w. ² 16, 207; aber mehr als je hat sie (rätsel des lebens) jetzt die wachsende verbreitung der naturerkenntnisz in den v. unserer betrachtungen gerückt Lotze mikrokosmus (1856) 1, 27.
e)
von den zusammensetzungen mit v. soll hier nur auf die der neusten sprache hingewiesen werden, in denen v. in übertragenem und oft verschlechtertem sinne angewendet wird. Nietzsche ist damit vorangegangen, s. oben unter c. O. Spengler bildet z. b.
vordergrundsgeschichte
untergang d. abendl. 2, 230,
vordergrundsinteresse
1, 375,
vordergrundsschicksal
1, 213,
vordergrundssprache
1, 387. —
vordergruppe f.
in einem bilde: wie geht die v. von den zwei hintern hervor Stifter (1901 ff.) 14, 238. vordergürtel, m., an der kanone: vordergürtel, ... halszband, collet, ist der theil des stückes zwischen dem kopf und seinem stabe Fäsch kriegslex. (1735) 265ᵃ. —
vordergut adj.
sehr gut, v. verstärkend, vgl. oben unter 4: fordergut mel quelle bei Jelinek 884. —
vorderhaar n.
Adelung: haarbinde, welche das v. umwindet Böttiger kl. schr. (1837 ff.) 3, 293. —
vorderhalb adv
und präp., auf der vorderen seite schweiz. idiot. 2, 1168; vörderhalb Schmeller-Frommann 1, 847. —
vorderhals m.
der vordere theil des halses: gula vorderhalsz Diefenbach gl. 271ᵃ; v. und flügel schwarz Oken naturgesch. 7, 75; hierzu: die vorderhals- und brust federn sind alle schmal Naumann vögel 1, 110. —
vorderhamme f., m.
vordere lende, s.hamme th. 4, 2, sp. 309; vorderhamme Stieler 748; vorderhämmele, der vordere schinken des schweines Ch. Schmidt wb. d. Straszb. mda. 48ᵇ. — entstellt: hammer oder plätzen, die keulen oder schlegel vom schwarzwilde ... (man) unterscheidet daher einen vorder- und hinterhammer Behlen forst- u. jagdk. (1840 ff.) 3, 577.
vorderhand f
a)
als theil der hand: vorderhand, vorhand oder handwurzel, lat. carpus, brachiale, rasceta genannt Noel Chomel, lex. (1750 ff.) 8, 2222; 'in der anatomie so viel als handwurzel' Krünitz 231, 359; ebenso Adelung und Campe; wir würden jetzt eher geneigt sein, die finger als die v. zu bezeichnen: die stellung der abgebrochenen linken v. Böttiger kl. schr. (1837 ff.) 2, 288.
b)
bei den vierhändern unterscheidet man vorder- und hinterhände: was sie mit der v. nicht ergreifen können, fassen sie mit der hinterhand Brehm thierl. (1890 ff.) 1, 43.
c)
beim pferd wird v. collectivisch gebraucht, man bezeichnet damit die vorderbeine und die darüber liegenden theile, vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1646; schweiz. idiot. 2, 1394; bey beschreibung eines pferdes bemerkt man 3 hauptabtheilungen, nämlich die v., den leib und die hinterhand allg. d. bibl. anh. zu 25/36, 2259.
d)
nd. vorderhand ist die rechte hand, vgl. oben unter 4: dat schal nicht weten dine luchter hant, wat dine v. deit quelle bei Schiller-Lübben 5, 334ᵇ; vorder- bezeichnet hier einen vorrang, vorzug.beim kartenspiel hat derjenige die v. oder ist in der v., der auszuspielen hat. darin liegt auch ein vortheil oder vorzug; in diesem sinne dann übertragen: dem plumpen tolpatsch wird sie hier nicht die v. geben Gutzkow ritter v. geiste 4, 268; zu wissen, dasz die dreisten die v. haben Fontane I 4, 415; jetzt ist vorhand in dieser anwendung häufiger als vorderhand. —
vorderhändig adj.
von dem im gespann rechts gehenden zugthier (so auch vonderhändig) Fischer schwäb. wb. 2, 1646; 1636; dann auch: freigebig 1646.
vorderhaupt n.
synciput Stieler 791; vorderhaupt, vorhaupt, parte anteriore della testa Kramer 1 (1700), 638ᵃ; gewählter als vorderkopf: er schämte sich, dasz er seine augen zwar im vorderhaupte, aber nicht im herzen gehabt hätte Lohenstein Armin. 2, 569ᵃ; sowohl dem Homer als ... dem Phidias erschien im vorder-, im oberhaupt des höchsten gottes grösze Herder 22, 293 S.; diese knochen ... bilden die base des gesichts und vorderhauptes Göthe II 8, 26 W.; (er pflegte den) naturschmuck seines hinterhauptes in anspruch zu nehmen, um die kahlheit seines vorderhauptes ... zu decken Vischer auch einer (1879) 1, 158. — v., oberhaupt wird ein theil einer schleuse genannt, s.oberhaupt 3, th. 7, sp. 1090. — hierzu:
vorderhauptbein n.
plur.: parietalia ossa Nemnich; vorderhauptsgebeine, ossa syncipitis Noel Chomel, lex. (1750 ff.) 5, 439. —
vorderhauptwirbel m
Vischer ästhet. (1846 ff.) 2, 209. —
vorderhaus n.
domus anterior Stieler 800; sowohl von einem selbständigen gebäude als auch vom vorderen theil eines hauses Adelung; alle meine fenster im foder- und hinterhausz A. Tucher haushaltbuch 150 lit. ver.; wegen der einquartierung des vorder- und hinterhauses Göthe III 6, 39 W.; er wohnt im vorderhause und kam einigemale hinten in den hof Gutzkow ritter vom geiste (1850 ff.) 3, 218. — kajütenbau auf dem vorderdeck: das vorder- und hinderhausz oder schlosz am schiff Fronsperger kriegsb. (1578) 1, 160ᵇ; die halbe reeling und das ganze v. war über bord gegangen Frenssen Hilligenlei (1905) 144. — hierzu: fores forderhuszthur Diefenbach gl. 242ᶜ. —
vorderhäutlein n.
vorderteil oder vorderheutlein am vysel, prepucium voc. 1482 m m 3ᵃ. —
vorderheer n.
aber sobald ihn sahe der göttliche held Alexandros
schimmern im vorderheer (ἐν προμάχοισι φανέντα)
Voss Il. 3, 31.
vorderherd m.
in technischer sprache: v., so viel als vortiegel Krünitz 231, 359. —
vorderhin adv.
jetzt fürderhin, s. dieses th. 4, 1, 1, sp. 716: die du, geliebts gott, vorterhin von mir vernemmen sollest Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 52. —
vorderhirn n.
die räume für die geruchsorgane und das gewölbe des vorderhirnes Göthe II 8, 26 W.
vorderhof m
Adelung: dann risz er ein fenster auf, um in den v. hinab zu schauen Laube schr. (1875 ff.) 15, 203. — anatomische bezeichnung bei schnecken.
vorderhuf m.
das rosz stieg mit den vorderhufen in die luft Eichendorff (1864) 4, 221; auf dem linken v. steht die stammrollennummer des tieres v. Alten hdb. 2, 514. —
vorderhut f.
im sinne von vorhut, veraltet: es was armes volk und hetten nit v. dt. städtechron. 4, 223 (Augsburg 15. jh.);
die jäger von der vorderhut (bienen)
erkühnen sich sogar ihm auf den leib zu gehen
Pfeffel poet. versuche 6, 132;
das sind die grenadiere
von Klebers vorderhut
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 61.
vorderkajüte f.
gestalten, die aus den vorderkajüten und den schiffsräumen hervorgestiegen J. G. Kohl land u. leute der brit. inseln (1844) 1, 115. —
vorderkammer f.
antithalamus, camera anterior Stieler 921; Kramer 1 (1700), 752ᵃ; den 3. april ... haben i. k. m. mir in der v. audienz gegeben v. Schweinichen denkw. 408 Ö.; ums himmelswillen schlaf in keiner v. Falk satiren (1800) 3, 31. —
vorderkampf m.
kampf der vordersten: immer im vorderkampfe stehen, auch übertragen.
vorderkante f.
in mannigfacher anwendung: v. einer stufe. —
vorderkastell n.
könnte auch von einer befestigung auf dem lande gebraucht werden, wird aber gewöhnlich auf den erhöhten, überdeckten und für geschütze eingerichteten theil des vorderdecks im älteren schiffsbau bezogen: sic Belgae vocant puppim achterkastell et proram vörderkastell Stieler 934; v., das vordere kastell, die vorpflicht auf einem schiffe Jacobsson technol. wb. 4, 551ᵇ; die seiten des vordercastells mit ... ansehnlichen stromankern ... bedeckt G. Forster schr. (1843) 5, 107. — vom weiblichen busen Brendicke Berliner wortschatz 190; vgl. hinterkastell 2, th. 4, 2, sp. 1508. —
vorderkegel m.
der am weitesten vorn stehende: er traf den v. an der seite (günstiger wurf), warf aber doch nur drei Meyr erz. aus d. Ries (1868) 3, 282. —
vorderkette f.
eines gebirges: nordwärts bis zur v. des Himalayasystems Ritter erdk. 2, 64. —
vorderkeule f.
vordere keule von einem vierfüszigen thiere, vorderviertel Campe; s. Kretschmer wortgeographie 271. —
vorderkiemer m.
plur.: schneckengruppe prosobranchia Brehm thierl. (1890 ff.) 10, 360. —
vorderkimme f.
ohrmal der schafe in gestalt einer kerbe Damköhler Nordharzer wb. 213ᵃ. —
vorderklaue f.
(die bären,) derer nach art der finger zertheilte vörderklauen unter die niedlichsten speisen gerechnet werden Lohenstein Armin. 2, 241ᵇ; welcher (esel) ... sich gar lieblicher weise mit beyden vorderklauen über die schultern seines herrn herwarf Bode Montaigne (1798 ff.) 5, 20; die vorderklauen (des löwen von Chäronea) soll fürst Pückler-Muskau abgeschlagen und mitgenommen haben Welcker alte denkm. 5, 70;
zwischen den vorderklauen des gierigblickenden hundes (ἐν προτέροισι πόδεσσι)
Voss Od. 19, 228 Bernays.
vorderknecht m.
der schiffer auf dem vorderen schifftheil wb. d. luxemb. ma. 470ᵃ. —
vorderknie n.
bei vierfüszigen thieren: lähmungen, welche ihren sitz im vorderkniee (des pferdes) haben allg. d. bibl. 97, 116; (das trampelthier) hat schwielen an den vorderknieen Brehm thierl. (1890 ff.) 3, 151; hierzu vorderkniegalle, pferdekrankheit Krünitz 231, 359; s.galle th. 4, 1, 1, sp. 1187. —
vorderkopf m.
synciput Stieler 1012: v. (der vögel) von der schnabelwurzel bis zur scheitelmitte Illiger mammalia (1811) 165; (ein mann) kahl am ganzen vorderkopfe Wieland Lucian (1788) 3, 407; der v., wie gepackt! stark! ruhig und gewaltig Göthe 37, 351 W.; das haar des schimpansen ist ... auf dem vorderkopfe meist gescheitelt Brehm thierl. (1890) 1, 77; schob er sein sammtkäppchen über den kahlen v. zurück G. Keller (1889 ff.) 3, 53. —
vorderkörper m.
schon bin ich mit dem v. im kahne Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 5, 412; da bäumte sie (raupe) noch mit dem v. zur höhe Rosegger II 15, 277. —
vorderköthig adj.
fehlerhaft am pferde: ist die letztere (allzu aufrechte stellung) ... in den fesseln vorhanden, so wird das pferd v. oder überköthig genannt Schwerz prakt. ackerbau (1882) 638. —
vorderkralle f.
(d. löwe von Chäronea) auf einem ungeheuren sandstein liegend, den er mit den vorderkrallen faszt Welcker alte denkm. 5, 71, 17. —
vorderkranz m.
vorderste abtheilung eines fischernetzes Frischbier preusz. wb. 2, 448ᵃ. —
vorderkrempe f.
z. b. eines hutes.
vorderküste f.
Homer an der v. Kleinasiens (die nach dem jonischen meer gewendete) Fr. Schlegel dt. museum 2, 450. —
vorderladegeschütz n
(vgl. vorderlader): ein v. (musz) von der deckung entfernt werden, um die mündung für das laden frei zu machen v. Alten hdb. 4, 770. —
vorderlader m.
erst mit der einführung des hinterladers aufgekommen: die anwendung des hinterladegewehres zur jagd, welches die v. ... verdrängt hat Schwappach forst- u. jagdgesch. (1886 ff.) 2, 867; neben den zusammensetzungen mit vorderlade- finden sich auch solche mit vorderlader-, z. b.: das laden der vorderladergewehre fordert viel zeit v. Alten hdb. 4, 273. —
vorderladung f.
das laden eines gewehrs oder geschützes von der mündung aus: abbeiszen der patronen ... war beim laden der handfeuerwaffen mit v. nötig v. Alten hdb. 1, 3. —
vorderlaken n.
bei den tuchmachern: nach alder gewonhet der wullenwebir im lande so sal ein v. haben 42 genge, item eyn myttellaken sal haben 40 genge acten d. ständetage Preuszens 1, 97; s. vordertuch. —
vorderland n.
als name (s. vorland): Esterhazy hat sich durch Schwaben zurückgezogen und läszt die österreichischen vorderlande (Vorderösterreich), Breisgau etc. degarniert G. Forster schr. (1843) 8, 257; vgl. auch schweiz. idiot. 3, 1301. —
vorderlappen m.
windungen des vorderlappens, des oberlappens und des hinterlappens der hemisphären (des groszhirns) Sömmerring v. menschl. körper 4, 12. —
vorderlast f.
die auf den vorderen theil geladene last Campe: so mag he das schiff halb kouffen, die vordirlast adir die hindirlast Frankf. amts- u. zunfturk. 2, 323 (14. jh.); hierzu
vorderlastig adj.
z. b. von einem schiffe, dessen vorderer theil zu schwer beladen ist.
vorderlauf m.
vorderer theil des laufes eines gewehrs oder geschützes.vorderfusz, zunächst in der sprache der jäger von wild und hund (s.lauf 11, th. 6, sp. 312), dann auch von andern vierfüszigen thieren: (hunde sollen) breyte und starcke vorderläuff ... haben Sebiz feldbau (1579) 146; es giebt hohe und niedere (dachshunde) mit und ohne krumme vorderläufe C. v. Heppe aufr. lehrprinz (1751) 16; (giraffen) ziehen die vorderläufe zurück (beim fressen) Oken allg. naturgesch. 7, 1316; (bis sie) mit einander spielten und die vorderläufe zu scherzenden schlägen brauchten (hasen) Immermann 1, 217 B.in älterer sprache auch in der form -lauft: mit hinter- oder vorderlauften v. Göchhausen notab. venatoris (1741) 40; zwischen den vorderläuften (des hirsches) Döbel jägerprakt. (1754) 1, 9; wovon (dem hasen) später die vorderläufte auf dem tische zu sehen waren Jean Paul 27/29, 201 H.; über den vorderläuften ins herz Heinse 5, 212 Sch.;
aus zweenen ästen wird der vörderläufte paar
J. A. Schlegel verm. ged. (1787 ff.) 2, 206.
vorderleben n.
dem eigentlichen vorausgehend: schulzeit ist das v. Fr. L. Jahn 1, 262 E.
vorderleder n.
im gegensatz zu hinterleder Adelung; z. b. an einem schuh Krünitz 231, 359. —
vorderleib m.
thorax der vorderleyb Orsäus nomencl. methodicus (1623) 58; die vordere seite des leibes: (sie) zeigen den (nackten) vörderleib ihren göttern und klatschen mit beyden händen ... drauf A. Olearius d. insul Formosa (1696) 46; wie oberleib: dasz am borghesischen fechter die linie des rückens mit der linie des vorderleibs wenig übereinstimme Göthe 49, 292 W.; dasz sie (die hände) zur unterstützung des vorderleibes dienen sollen d. vern. tadlerinnen (1725) 2, 74. — v. (bei säugethieren und vögeln meistens der oberleib) ist jener theil des rumpfes, der zwischen hals und bauch liegt Behlen forst- u. jagdk. (1840 ff.) 6, 169; (der drache wälzt sich) nach der höheren stelle vor, so dasz er mit dem vorderleibe bereits auf ihr angelangt ist R. Wagner schr. u. dicht. (1897) 6, 136; da das rothkehlchen mit dem vorderleibe nickte Stifter (1901 ff.) 5, 1, 320. — verhüllend für cunnus Fischer schwäb. wb. 2, 1647; schweiz. idiot. 3, 977. —
vorderleute plur.
vgl. vordermänner, die voranstehenden oder -gehenden:
da ich denn aber, wie ich eben sehe,
der letzte bin, laszt für die vorderleute
ein freundlich wort mich sprechen
Göthe 16, 297 W.;
um während des kampfes zwischen den vorderleuten hindurch vorzubrechen v. Alten hdb. 1, 429. — übertragen, die im gleichen beruf zur beförderung voranstehenden (s. vordermann b): während mein herr ... die reihefolge seiner v. in der rangliste studirte Gaudy (1844) 12, 37. —
vorderlicht n.
das phasanenhausz soll ... gegen dem forderliecht gericht ... sein Sebiz feldbau (1579) 114; ist der osten gemeint?, vgl.vorderluft, -wind. —
vorderlippe f.
antelabium Nemnich, der vordere theil der lippe.
vorderlocke f.
der wind spilete mit ihren förderlokken Zesen adriat. Rosemund 94 ndr.; über dem vollen ... haar lagen, zurückgekämmt ..., die vorderlocken Gutzkow ritter v. geiste (1850 ff.) 1, 336. —
vorderlöffel m.
sattelknopf des ungarischen sattels Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 818. —
vorderluft f.
ostwind Fischer schwäb. wb. 2, 1647; schweiz. idiot. 3, 1159. —
vorderluke f.
vorluke, die luke vor dem fockmast Kluge seemannsspr. 557ᵇ. —
vordermal adv.
fernerhin, s. fürdermal th. 4, 1, 1, sp. 718; mhd. wb. 2, 23ᵇ; Lexer 3, 595;
daz sie vordermal werdin gesaminet
Linzer Entchrist (fundgr. 2, 134, 3),
vgl. vordermehr.
vordermann m
Adelung.
a)
der in einer einerreihe vor einem stehende oder gehende; in einer aufgestellten truppe, der im nächstvorderen gliede vor einem steht; vordermänner sind vorhanden, wenn mehrere glieder voran stehen; auf v. stehen, genau hinter dem v. oder den vordermännern; in entsprechendem sinne v. nehmen; obscöne verwendungen des wortes verzeichnet Horn soldatenspr. 132; damit, wann ein jeder ... seinen v. weisz, der lincke fusz hinter dessen seinen lincken fusz zu stehen komme v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 239; heyrathe einen ehrlichen soldaten. bleibt er, so tritt sein v., sein nebenmann, sein hintermann an seine stelle Lessing 3, 443 M.; ohne bestimmten vorder-, neben- und hintermann ... durcheinander kämpfen Göthe 7, 198 W.; sie fanden sich durch eine feste brustwehr der mehrfachen vordermänner gedeckt Niebuhr röm. gesch. 1, 287; hintermann drückt vordermanns gewehr ab, ohne dasz der es merkt Hebbel tageb. 3, 316 W. von ganzen truppentheilen: drei treffen sind hier stets parallel hinter einander formirt worden, v. aufeinander habend Wilhelm i. milit. schr. (1897) 1, 24. — innerhalb einer reihe im tanz: zwei ketten, wo jeder sich fest an seinen v. anklammert F. M. Böhme gesch. d. tanzes (1886) 305; dann allgemein von jedem, der vor einem andern befindlich ist:
sieh, du traute, um dich her, wie heute
jeder jüngling seinen vordermann zur seite,
um von dir gesehn zu werden, schiebt
Gökingk ged. (1780 ff.) 3, 35;
auf einem esel reitest du. dein vordermann auf einem rosz
W. Müller ged. 315 H.
auch bei schiffen, wenn sie in kiellinie fahren Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 818.
b)
von der vorstellung einer reihe aus übertragen bei offizieren, beamten der im dienstalter nächst höhere, der beförderung nähere: dem zur erlangung ihrer hand blos der tod seines vordermannes in der kanzley ... und die einrückung in dessen posten noch fehle A. G. Meiszner skizzen (1778 ff.) 3, 6; ein ... zurückgesetzter oberst, den aber der tod seines vordermannes auf den ersten platz brachte Ranke (1867 ff.) 17, 191; (Harry Arnim:) in jedem vordermanne in der carrière sehe ich einen persönlichen feind Bismarck ged. u. erinn. 1, 189 volksausg.;
was zahlte mancher, stürb sein vordermann
Meisl theatral. quodlibet 1, 45.
v. auf wechseln Schirmer wb. d. kaufmannsspr. 206.
c)
freier: der vorn, in erster reihe, an der spitze steht; öfter im plur. im eigentlichen sinne und übertragen: (die bekenntnisschriften stellen) den teufel mit den bösen nur zusammen höchstens als v. an ihre spitze Schleiermacher (1834 ff.) I 3, 211; er (Stirner) kündet mir in scharfen worten an, dasz ich nicht mehr zu den vordermännern der zeit gehöre Rosenkranz aus meinem tageb. (1854) 116; der präsident unseres zuges ... hatte mit den vordermännern des zuges kaum den rand der querstrasze erreicht Rank erinn. 368 (bibl. dt. schriftst. aus Böhmen 5); dagegen halfen den vordermännern des fuszvolks ihre bruststücke so wenig, wie den reitern ihre harnische Ranke (1867 ff.) 2, 221; K. Schütz galt 'im busche' für den v. aller rumorgeister Kürnberger novellen (1862) 3, 185;
fürst Saritron, der vordermann im streite
Gries Bojardos verliebt. Roland 1, 252.
d)
zeitlich, vorgänger: und so sind wir anfangs unsern vordermännern nachzukommen bemüht Göthe 46, 42 W.; wie Kant hier zu Priestley, vielleicht auch zu Kaspar Wolff, und zu Maupertuis oder dessen v. (steht) Schopenhauer 2, 64 Gr.
vordermarsch m.
ungewöhnlich für vormarsch:
zum vordermarsch der Deutschen für die freiheit
E. M. Arndt 1, 167 R.-M.
vordermarssegel n.
marssegel am fockmast: in demselben augenblick fiel sein v. von der raa Smidt aus d. tageb. eines nord. seemannes (1830) 112. —
vordermast m.
auf seeschiffen der fockmast: zwey (segel) am vorder- und einer am mittelmast d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 50;
am vordermast mit hellem schein
sah ich die flagge muthig leuchten
Freiligrath dicht. (1870) 3, 95.
vordermauer f.
antemurale dy vordermeur Diefenbach gl. 37ᶜ; die reichlich 3 fusz breiten vorder- und hintermauern Mommsen röm. gesch. 2, 29; ein ungemeines gewucher gelber, nicht seltener rosen überspann die ganze v. D. v. Liliencron (1896 ff.) 9, 122. —
vordermittel adj.
vorn in der mitte: schilderchen, deren vordermittelstes das kleinste Ratzeburg ichneumonen d. forstinsekten (1844 ff.) 1, 131. —
vordermotto n.
drey und dreyszig vorder- und hintermottos aus allen zungen und sprachen Gerstenberg Hamb. n. zt. 263 (dt. lit.-denkm.). —
vordermund m.
der vordere theil des mundes: wir Schlesier sprachen behaglich und breit mit dem vordermunde Freytag (1886 ff.) 1, 85. —
vordernächtig adv.
neben vornächtig, vorgestern abend, vorletzte nacht schweiz. idiot. 4, 663; vgl.-sommer. —
vordernaht f
Adelung; als anatomischer ausdruck, satura antica, s. capitis, der rand des halsschilds hinter dem kopfe (insecten) Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 231. —
vordername m.
wie vorname: die namen ... mögen vielleicht ihre vordernamen gewesen sein Francisci luftkreis (1680) 513. —
vorderpack m.
theil des sattelgepäcks: feldgerät der reiterausrüstung wird am linken v. getragen v. Alten hdb. 3, 904. —
vorderpatte f.
vorderklaue (s.patte th. 7, sp. 1509): (Hercules) mit der leuenhaut über dem kopfe und die vorderpatten um den hals gebunden d. neueste aus d. anm. gelehrs. 9, 257. —
vorderpausche f.
s.-bausch. —
vorderpferd n.
ein vor ein anderes gespanntes pferd: v., equus anterior Stieler 1440; vörrerpärd Danneil 241ᵇ; (dasz) einige dem v. in den zügel fallen Schiller 3, 235 G.; das eine v. war gestürzt W. Alexis Isegrim (1854) 2, 24; früher wurden für die feldartillerie besonders vorderpferde eingestellt v. Alten hdb. 1, 547. im bilde: in unseren tagen sind die adeligen vorderpferde nicht mehr so weit wie vor hundert jahren vor den bürgerlichen staatswagen vorausgespannt Jean Paul 7/10, 646 H.
vorderpflicht f.
halbverdeck im vordertheil eines schiffes, s.pflicht 7, th. 7, sp. 1762. —
vorderpforte f
Campe;
vorderpförtlein n.
anticum Stieler 215. —
vorderpfote f.
an thieren: so wurden in Aegypten die krokodile an den vorderpfoten festgekettet, damit man sie anbeten konnte Jean Paul 45/47, 403 H.; (hamster) streifen sie (ähren) mit den vorderpfoten aus Oken allg. naturgesch. 7, 726; (ein neufundländer) die vorderpfoten auf seine schultern legend Fontane I 1, 12. — derb von der hand des menschen: wenn sie nur die vorderpfoten mit in den Judasseckel schieben können Lindenborn Diogenes (1742) 1, 140. — hierzu dem.
vorderpfötchen n.
bei kleineren thieren: eine hochauflodernde fackel in den v. haltend (ein floh) E. T. A. Hoffmann 12, 129 Gr.; wie zierlich kratztest du (ein hündchen) mit deinem v. auf den tisch Hebbel tageb. 4, 126 W.; er (ein hase) hat ein kohlblatt zwischen den v. Storm (1899) 1, 195. —
vorderplan m.
in der bedeutung von -grund: so gelangen wir mit den herabkommenden von oben nach unten in den rechten v. (in einem gemälde) W. Scherer kl. schr. 2, 200. —
vorderplatte f.
an einem helme: dieser schild oder die v., die gegen das obere ende des helms breiter wird G. Forster (1843) 2, 47; in einer uhr: die dem zifferblatt zunächst liegende platte heiszt die v. Lueger 7, 154. —
vorderplatz m.
(die elephanten) werden also in den vorderplatz durch niederlassen der fallpforte gefangen Andersen orient. reisebeschr. (1696) 65ᵇ Olearius.häufiger, ein sitz in der vorderen reihe, ein sitz vorn: die herren vom militär nahmen ... die vorderplätze ein Holtei erz. schr. 26, 24; übertragen: aristokrat von geburt und gesinnung wuszte er sich überall den v. zu sichern Gutzkow (1872 ff.) 3, 183. —
vorderpranke f.
an thieren; dem.: während der Hansi (ein kaninchen) die vorderprankerln demütig gebogen hielt Rosegger Alpensommer (1908) 133; vorderbranklein schr. III 1, 418. —
vorderrad n.
bei den seilern, beschrieben bei Jacobsson 4, 551ᵇ; gewöhnlich von den vorderen rädern eines vier- oder mehrrädrigen gefährts: neben den vorderrädern (eines goldenen wagens) Lohenstein Armin. 1, 381ᵇ; wie die vorderräder an einer kutsche Lichtenberg erkl. d. hogarthischen kupferstiche (1794 ff.) 5, 46; das v. bis über die axe im loch Göthe 39, 4 W.; das hinterrad ... war vom vorderrade des nach ihm kommenden wagens erfaszt worden W. Alexis ruhe ist d. erst bürgerpflicht (1852) 3, 182. — übertragen: zweifrankenstück schweiz. idiot. 6, 488. —
vorderrand m.
in den mannigfachsten anwendungen; auf dem flügel, nahe am vorderrande Naumann vögel 6, 168. —
vorderrang m.
im theater, konzertsaal, vorderer balkon; übertragen: vorderreihe:
sie (Catharina) ist unsere erste foderung,
in der artikel vorderrang begriffen
(comprised within the fore-ranks of our articles)
Shakespeare Heinrich V. 5, 2.
vorderrast f.
theil der alten flintenschlösser Jacobsson 4, 552ᵃ; s.rast 8 th. 8, sp. 151. —
vorderraum m.
z. b. auf der bühne: erst war der v. strasze Freytag (1887) 14, 161. —
vorderrecht n.
veraltet, wie vorrecht:
(indem) du dich erkühnen dörfst, ihr vorderrecht zu brechen
A. Gryphius trauersp. 392 P.
vorderreihe f.
von personen und gegenständen: wenn es zu einem nationalkrieg käme, sollten sie ihre frauen in die vorderreihen stellen W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpfl. (1852) 2, 111;
ein engel trat, in feuer gehüllt,
in unsre vorderreihn
Hölty ged. 183 Halm;
auch wohl übertragen: immer in der v. stehen, führend oder mehr als andere tätig sein. — vorderreihen der plätze, im theater, versammlungssaal, kirche; mit mattem golde bedeckte sie (die sonne) die vorderreihen der näheren gebirge grafen zu Stolberg (1820 ff.) 6, 101; ungewöhnlich: die dritte kompagnie hielt die v. (den dem feinde zugekehrten saum) von St. Cloud Fontane I 6, 22. —
vorderreiter m.
z. b. im gespann eines geschützes: dem emporschnellen der deichsel beim durchfahren von gräben müssen vorder- und mittelreiter durch ... zug begegnen v. Alten hdb. 3, 47. —
vorderrest m.
entstellt für -rast Hoyer allg. wb. d. artillerie 1, 2, 97. —
vorderrichter m.
der richter des gerichtes, das vorher über eine sache geurtheilt hat.
vorderried n.
ein theil der lade des bortenwirkerstuhles, beschrieben bei Jacobsson 4, 552ᵃ. —
vorderriegel m.
in besonderem sinne ein theil des stuhls Jacobsson 4, 552ᵃ. —
vorderriemen m.
in einem riemengeschirr.fleischstück an den vorderschenkeln des rindviehs schweiz. idiot. 6, 908. —
vorderrist m.
erhöhung am hals des pferdes (s. rist 2 th. 8, sp. 1044); bei Nemnich vorderrosz, widerrosz. —
vorderritt m.
in einem spruch gegen überbein, den man sprechen musz, wenn jemand vorbeireitet: hinterritt, v., nimm mir mein überbein mit Fischer schwäb. wb. 2, 1647. —
vorderröhre f.
theil des ladestocks Jacobsson 4, 552ᵃ; als knochen die ellenbogenröhre Krünitz 231, 357. —
vorderrosz n.
vor einem andern angespanntes; die vorderrosse in einem gespann von vieren: der fuhrmann ... treibet die vorderrosse oder riemenpferde Comenius janua (1644) 132; da ward Benz von einem schlage des vorderrosses getroffen Gotthelf (1855 ff.) 8, 236; immer das v. sein müssen, immer die hauptarbeit haben Fischer schwäb. wb. 2, 1647; s. auch -rist. —
vorderrücken m.
an thieren: thorax, dorsum, interscapullum Nemnich; v., wiederrüst, die an den hinterhals grenzende vordere gegend des rükkens zwischen den schulterblättern Illiger mammalia et aves (1811) 33; einige wenige (vögel) stehen ... mit so tief geneigtem vorderrumpfe, dasz der bürzel fast höher steht als der v. Naumann vögel 1, 53; alle arten (schnecken) besitzen auf dem v. fühler Brehm thierl. (1890 ff.) 10, 311. —
vorderrumpf m.
s. das vorhergehende wort.
vordersaal m.
trafe Tyridates im vordersaale dieser Römerin ihre bedientinen an A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 643; vördersaal mediz. maulaffe (1719) 83. —
vordersattelholz n.
ein theil des kutschbockes Jacobsson 4, 552ᵃ. —
vordersattelpferd n.
vor andere gespanntes, gerittenes pferd, z. b. im gespann der geschütze.
vordersatz m
a)
grammatisch, Adelung stellt v. und hintersatz einander gegenüber, Campe hat neben hintersatz (th. 4, 2, sp. 1515 ohne beleg) das jetzt gebräuchliche nachsatz: was im vordersatze eingeräumt wird, wird im nachsatze zurückgenommen; v. kann im engeren sinne einen vorangehenden nebensatz bezeichnen; (das) kann unmöglich gut declamiret werden, weil der vördersatz weit heftiger ist als der nachsatz Dusch krit. u. sat. schr. (1758) 83; und konnte sie für den drang ihrer empfindungen nur vordersätze ohne nachsätze finden Immermann 1, 93 B.; hier kein fragzeichen, sondern komma oder dergleichen, als nach einem v. A. v. Droste - Hülshoff briefe an L. Schücking (1893) 254.
b)
musikalisch: ein künstliches singstück (arie), welches aus zwey sätzen besteht, einem vorder- und nachsatz Schubart ästhetik d. tonkunst 357; wenn man nach einem dur-major oder v. einen nachsatz aus der quinte bringt, so ist er excitirend Göthe II 11, 295 W.
c)
im sinne der logik ein satz, aus dem eine folgerung gezogen wird; im engeren sinne bei einem regelrechten syllogismus der obersatz, doch können natürlich auch die beiden sätze, aus denen ein dritter gefolgert wird, vordersätze genannt werden: in der logik werden der ober- und untersatz eines schlusses mit einem gemeinschaftlichen nahmen die vordersätze genannt, praemissae Adelung; der teufel möchte seine vörder- und schluszsätze holen d. neueste aus d. anmuth. gelehrs. (1751 ff.) 7, 19; ich gab den v. zu und leugnete die folge Lessing 13, 25 M.; aber von allen diesen vordersätzen nimmt niemand nichts an Herder 5, 107 S.; folgerungen machen ohne v. Miller briefw. dreier ak. fr. (1778) 2, 40; wenn das euer v. ist, so erspart mir die folgerungen v. Törring Agnes Bernauerin 3, 5 dt. nat. lit.; es kommt nur blosz darauf an, ob die ersten vordersätze, die prämissen, richtig sind Jung Stilling (1835 ff.) 6, 382; (niemand fühlt sich) von resultaten angesprochen, zu denen ihm die vordersätze fehlen Immermann 18, 86 B.; man weisz nicht, von welchen vordersätzen er ausgeht O. Ludwig (1891 ff.) 5, 86. — in entsprechendem sinne auch in der mathematik.
vordersätzer m.
inhaber einer vorangehenden hypothek; ebenso vorsätzer schweiz. idiot. 7, 1553; 1551. vordersaum, m., z. b. in der landschaft: diesseits war der v. eine zauberische, mit hellbelaubten eschen bepflanzte anhöhe G. Forster (1843) 3, 394; am vordersaume der niedern berge Ritter erdk. 4, 49. —
vorderschaft m.
'der untere dicke theil des schaftes an schieszgewehren, die anlage, kolbe' Campe; jetzt würde man grade den theil am gewehrlauf v. nennen: das röhrenmagazin im v. faszt sechs patronen v. Alten hdb. 3, 880. — ein theil des webstuhls Jacobsson 4, 552ᵇ; s.schaft 4 c th. 8, sp. 2050. —
vorderschanze f.
Campe;
die vorderschanze ist vom feind erstürmt
Grabbe 2, 463 Bl.
vorderscheitel m.
beide geschlechter rauften sich ... die haare am v. aus Ratzel völkerk. (1885 ff.) 2, 565; vögel: stirn und v. dunkel karminrot Brehm thierl. (1890 ff.) 4, 295. —
vorderschenkel m.
an den vorderbeinen vierfüsziger thiere: (ein füllen soll haben) grosze vorbüg, gerade vorderschenckel Herr d. feldbau (1551) 185ᵇ; dasz er des Bovis pferd an einen vorderschenckel heftig verwundete Lohenstein Armin. 1, 426ᵇ; ein breites band auf dem v. (gemse) Oken allgem. naturgesch. 7, 1396; am menschen: v., bei menschen so viel als unterschenkel Krünitz 231, 359; in diesem sinne ist das wort jetzt wenigstens nicht gebräuchlich, bezeichnet vielmehr die vordere seite des oberschenkels.
vorderschieber m.
ein kunstvoll gearbeiteter dietrich Ostwald rinnsteinspr. 164. —
vorderschiene f.
in verschiedener verwendung, z. b. an militärischen kopfbedeckungen v. Alten hdb. 4, 915; an insecten: rothbraun sind die ... vorderschienen Ratzeburg ichneumonen d. forstinsecten (1844 ff.) 1, 42. —
vorderschiff n.
der vordere theil des schiffes: vom hohen bord des vorderschiffes schleuderte der könig seine lanze in das land der feinde Droysen Alexander d. gr. (1833) 108. — auch auf das schiff einer kirche bezogen Campe.
vorderschild m.
z. b. in anwendung auf geräte: italiänisches schlosz, ist eine auf besondere art von stählernen gliedern und gelencken verfertigte bandage, mit einem offenen vörder- und hinterschild versehen Amaranthes frauenz.-lex. 942 (keuschheitsgürtel); an militärischen kopfbedeckungen v. Alten hdb. 4, 369; aufbau auf dem schiffe, vgl. -kastell: insonderheit musz das hinder- und vorderschlosz am schiff zu aller vorderst und hinderst einen ziemlichen platz zu beyden seiten oder ecken (haben) Fronsperger kriegsb. (1578) 1, 160ᵇ. —
vorderschinken m.
der obere theil der vorderbeine von schlachtthieren. 'der bug und das schulterblatt eines schweins, welches also in Obersachsen vier schinken hat' Rüdiger zuwachs d. sprachb. (1782 ff.) 2, 126: als schosz man einem rennenden geräucherten schweine die zwei v. unter dem leibe hinweg Jean Paul 11/14, 193 H.
vorderschirm m.
desgleichen war ... 1887 die schiene und der v. (am helme) abgeschafft worden v. Alten hdb. 4, 722. —
vorderschlägel m.
das vorderviertel eines geschlachteten thieres Campe.
vorderschnabel m.
der vordere theil des schnabels; in eigenthümlicher anwendung für die eisbrecher einer brücke: v., ist die spitze, welche von einer brücke hervorgeht und das wasser durchschneidet Gottsched wb. d. schön. wiss. (1760) 1627. —
vorderschneppe f.
an der schnürbrust der frauen Amaranthes frauenz.-lex. 224; s. schneppe 2 c th. 9, sp. 1317. —
vorderschnitt m.
das beschneiden der vorderen blattränder eines buches.
vorderschopf m.
bey dieser tiefen demuth fiel ihm ein v. seines rundverschnittenen haupthaars über das antlitz herab Joh. Gottw. Müller Siegfried. v. Lindenberg (1783) 1, 257. —
vorderschosz m.
vorderer theil des rockschoszes: mit anstrengung entnahm er einer tasche im futter seines vorderschoszes zwei schreiben D. v. Liliencron (1896 ff.) 1, 238. — gausape vorderschos Diefenbach gl. 258ᵇ (schürze?), s. schweiz. idiot. 8, 1462. —
vorderschrot m., n.
bei den kammmachern: das zuerst abfallende stück am untersten offenen theile des hornes heiszt v. Prechtl technol. encycl. (1830 ff.) 8, 95. —
vorderschuh m.
das oberleder an den stiefeln Adelung.
vorderschur f.
beim kegeln der wurf, bei dem nur der vorderste kegel stehen bleibt (s.-eck, n.); bei der hinterschur bleibt der hinterste kegel stehen.
vorderschurz m.
weibliche schürze Fischer schwäb. wb. 2, 1647. —
vorderschwengel m.
an der lafette Hoyer allg. wb. d. artill. (1804 ff.) 1, 119 (das zuggeschirr wird daran befestigt). —
vorderschwinge f.
die vorderschwingen braunschwarz Naumann vögel 12, 721. —
vordersegel n.
dalum vordersegel Diefenbach gl. 165ᵇ; nov. gl. 126ᵃ; im plur. die segel des bugspriets und fockmastes Adelung.
vorderseite f.
v. einer münze Campe; wisse denn, dasz sich ein gespenst an der v. des castells sehen läszt schausp. engl. comöd. 152 Cr.; Drusus, welcher ... das frauenzimmer auf der v. des bettes allein liesze A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 84; die haare gehen aus und die v. (des kopfes) wird kahl Göthe III 1, 225 W.; die blätter sind durchaus auf der v. paginiert IV 41, 12; indem immer wechselsweise eine der zwo personen uns den rücken zukehrt, wenn die andere uns ihre v. zeiget Ayrenhoff (1814) 5, 295; gegen die v. des hauses haben wir den eingang zur gesindestube Rosegger I 4, 17; wenn der bezogene ... seinen namen oder seine firma auf die v. des wechsels schreibt wechselordn. 21. — hierzu vorderseits, adv.: (der) wellenschlag des meeres, der ... v. das blau des himmels zeigt Stifter (1901 ff.) 14, 133. —
vordersiele f.
riemenzeug für ein pferd des vordergespanns Frischbier 2, 340ᵇ. —
vordersitz m.
sitz vor einem andern, z. b. in der loge eines theaters; im wagen der sitz nach dem vordertheil hin, im gegensatz zu rücksitz; das gesicht des auf einem v. sitzenden kann mit der fahrtrichtung oder gegen sie gerichtet sein. — πρῶτον ξύλον heiszt der v. (im antiken theater); besonders der v. der richter Rode Vitruv (1796) 1, 276. — eine kutsche ohne v., un carosse coupé Schwan nouveau dict. (1783) 2, 965ᵇ; ein bis an die zähne bewaffneter soldat setzte sich auf den v. neben den conducteur Laube (1875 ff.) 8, 164; ich nahm den v. und hatte das leitseil G. Keller (1889 ff.) 2, 34. —
vordersommer m.
der vorletzte sommer schweiz. idiot. 7, 980; vgl. -nächtig. —
vorderspan m.
technischer ausdruck im salzwerk: die soogbäume ..., die zugleich an zwey daran liegenden bretern, welche sie hinter- und forderspäne nennen, ruhen Hondorff salzwerk zu Halle (1670) 75; Adelung; Campe.
vorderspann
s.-spant.
vorderspanne f.
(so schlank, dasz er konnte) in der mitte mit den beiden vorderspannen (gespreizten händen) leichtlich umbgriffen und beschlossen werden Klee berümter leute leben (1589) 1, 150. —
vorderspant n.
meist plur. -spanten, schiffsrippe im vorderschiff, bei Campe in der form
vorderspann
s. Kluge seemannsspr. 734. —
vorderspitze f.
ein überaus prächtiges schiff, welches mit der v. einen schrecklichen schlangenkopf ... abbildete Lohenstein Armin. 1, 638ᵃ; am flügel eines schmetterlings: flügel weisz, unten grüngeadert, v. schwarz Krünitz 237, 57. —
vordersporn m.
ein gerät der 'goldplätter' Adelung.
vorderstab m.
zierstab an der mündung einer kanone Adelung; bei der jagd: auf diese plätze wird nun gestellet: erstlich die vorderstäbe mit ihren zwey pfahlteylen Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 120; im vogelbauer: die groszen vögel in den bauern saszen schon an den vorderstäben Fontane I 1, 320. —
vorderstadt f.
im sinne von vorstadt:
... und blieben nur forn in der vorderstadt
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 18, 92;
im rang höher stehende stadt, stadt, die andere vertritt, s. oben unter 4 und 8 c: städte, die von ihren vorderstädten vertreten wurden Dahlmann gesch. v. Dännemark 2, 28; in der landständischen verfassung Mecklenburgs hieszen Parchim, Güstrow und Neubrandenburg vorderstädte. —
vorderstall m.
stabulum anterius Stieler 2118. —
vorderstand m.
übertragen, zum schutz vor andere gestellt:
er waffenlos, der andern vorderstand
Regis Bojardos verl. Roland (1840) 60.
vorderständer m
plur., zwei pfosten in den alten papiermühlen Campe, s.-staude. —
vorderständig adj.
anterior, anticus; eine vorderständige flechtenfrucht, welche auf der vordern oder obern fläche des lagers befindlich ist Bischoff wb. d. beschr. bot. (1839) 16. —
vorderstapfen m.
von den vorderfüszen eines stuhls oder sofas Jacobsson 4, 552ᵇ. —
vorderstaude f
(s. -ständer): das rad, die welle mit ihren hebeln, die in denen hinter- und vorderstauden gehende schwingen und stampfen (papiermühle) allg. haushalt.-lex. (1749 ff.) 2, 365ᵃ; s.staude 9 a th. 10, 2, sp. 1154. —
vorderstell n.
in älterer sprache für -gestell; am geschütz: item 12 räder zu den vorderstellen de Bry archelei (1614) 40. —
vorderstelle f.
räumlich und auch übertragen im sinne des vorzuges Campe: nach deren obigen abtheilung gebührt dem gold und silber die v. Hornick Österreich über alles (1684) 51; mittelmäszige köpfe behaupteten die v. in der volksgunst Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886 ff.) 1, 387. —
vordersteven m.
im engeren sinne bei holzschiffen der vom kiel aus sich nach oben krümmende balken am vorderende, im weiteren sinne der äuszerste vordertheil des schiffes (auch vorsteven): hieltest der schaluppe vorderstäven Herder 25, 422 anm. S.; dasz unsere kugeln den feindlichen v. faszten H. Smidt aus d. tageb. eines nord. seemannes (1830) 133; (ruderstreiche,) welche die alten ungelenken boote vom v. bis zum spiegel erbeben lieszen Bücher arbeit u. rhythmus (1899) 226;
zornig um den vordersteven
schäumen die empörten wellen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 183.
vorderstich m.
bei den schneidern eine losere art des nähens Jacobsson technol. wb. 4, 553ᵃ; (ich) verstand das fädenmachen, das nähen mit vorderstichen Rosegger I 9, 61; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1647; Martin-Lienhart 2, 572ᵇ; ein anderer v. bei riemern und sattlern Jacobsson a. a. o.
vorderstirn f.
übertragen:
doch auf des felsenhauptes vorderstirn
erscheint Semiramis mit ihrer schaar
Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 1, 187.
vorderstrahl m.
eines leuchtthurmes, im gegensatz zu den seitenstrahlen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876 ff.) 5, 587. —
vorderstrang m.
in verschiedener anwendung, z. b. an dem spannzeug eines wagens; technischer ausdruck der seiler Fischer schwäb. wb. 2, 1647. —
vorderstrich m.
dein bettschatz wird es schon einrichten, dasz es reichlich an 12 hemden manschetten und voderstriche gibt schr. d. Götheges. 4, 53 (Göthes mutter an den sohn; eine art hemdbesatz musz gemeint sein). —
vorderstrick m.
v. und hinterstrick zur befestigung des leiterbaums auf dem erntewagen Jacobsson 1, 153ᵃ. —
vorderstube f
Adelung: ich bin in meine vorderstuben gezogen, um die scene zu verändern Göthe IV 7, 83 W.dem. -stübchen auch obscön, cunnus Frischbier preusz. wb. 2, 448ᵃ. —
vorderstück n.
in verschiedenen anwendungen, z. b.: dasz ich zwey so wolgefütterte (mit geld) hinder- und v. an hatte Grimmelshausen 1, 656 Keller; jede ringelhälfte besteht (bei insecten) aus einem mittelstück ... und aus einem v. Oken allg. naturgesch. 4, 409; v. der paruke Jacobsson 4, 553ᵃ. —
vorderstudel m.
theil des schlosses Jacobsson 4, 553ᵃ, so auch des flintenschlosses, s.studel 4 th. 10, 4, sp. 258. —
vordertatze f.
an thieren; der löw thate mir hierauf mit einer vordertaze ein zimmer auf Lindenborn Diogenes (1742) 1, 151; (die dogge) sprang mit den vordertatzen auf die mauer Storm (1899) 6, 277;
(der bär) setzt die vordertatzen
an rind und ästen ein
Lessing 1, 183 M.;
im bilde: so nahe der corsische löwe liegt und vermuthlich schon ... die vordertatzen nach uns ausstreckt Grabbe 3, 171 Bl.hierzu dem.:
(man hat dem mäuschen) um die vordertätzchen
ein rotes band gewunden
G. Keller (1889 ff.) 1, 246.
vorderteich m.
im vorderen theile eines gartens:
es steht ein maulbeerbaum bald bei dem vorderteiche
Fleming ged. 531 L.
vordertheil m. n.
vorderteil, pars anterior Stieler 2269; fördertheil, anticum Steinbach 2, 805; vordertheil Frisch 2, 407ᵇ; bei Adelung als n., bei Campe als m. und n.; der gebrauch ist schwankend geblieben, während bei theil sich das m. durchgesetzt hat; vgl. auch der vortheil, das urtheil; einige beispiele aus alter und neuerer zeit: spanilla das vorderteil eins schiffs Diefenbach gl. 544ᵇ; prora das fodertheil am schiff nomencl. lat. germ. (1634) 565; das fordertheil von dem jhenen, das den göttern geopfert solt werden Carbach Livius (1551) 422ᵇ; hiesz das v. des wagens eröffnen Riemer polit. stockfisch (1681) 325; über das v. eines schiffes Lessing 10, 281 M.; das v. der schaluppe Herder 5, 198 S.; das v. der schiffe Göthe III 2, 178 W.;
alda der schuͦster sie gewan (die geisz),
das er das vordertheil solt han
Fischart flöhhatz 68, 100 ndr.;
er helt das vordertheil des schiffs dem wind entgegen
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 18, 132.
dagegen das m.: v., der, wie theil, der Braun dtsch. orthogr. wb. (1793) 291ᵇ; das der fördertheil schwerer ward als der hindertheil Krüger Clawerts werckl. hist. 10 ndr.; der v. der beschreibung Bodmer abh. v. d. wunderbaren (1740) 419; den v. seiner reisemütze Bode Tristram Schandi (1774) 4, 7; der ganze v. des körpers M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778 ff.) 1, 30; nur den v., die maske davon (eines Junokopfes) Göthe IV 8, 117 W.; den v. der bühne v. Ayrenhoff (1814) 5, 301; vom seebläuling asz man nur den v. Becker weltgesch. (1801 ff.) 2, 270; der v. der wangen blasz Naumann vögel 2, 1, 314; haus, von dem aber nur der v. sichtbar war Stifter (1901 ff.) 3, 318. — es scheint, dasz in gewissen verbindungen das eine oder das andere geschlecht vorgezogen wird: der v. eines romanes, das v. eines schweines, eines schiffes. — ein beleg für fürdertheil (fehlt th. 4, 1, 1, sp. 721) ist hier nachzutragen: fantasis in dem fürderdeil dez heupts Diefenbach gl. 225ᵃ. — die anwendung des wortes läszt sich nicht erschöpfen.
a)
an lebenden wesen, an körpern: ulna, das fördertheil des arms bisz an den ellbogen nomencl. lat. germ. (1634) 197; vorderteil des haubts, synciput Stieler 2269; Cato sagt, das förderteil des leibes ... sey besser und wirdiger dann das hinderteil Joh. Barth weiberspiegel (1565) q 7ᵇ; under welchen allmal die ersten ihr angesicht und v. mit den fürgeworfenen schilten beschirmet Xylander Polybius (1574) 15; hütet euch vor dem v. der frawen und vor dem hindertheil der maulesel Duez le vray guidon (1657) 408; wann sie (roszkäfer) viel eyer im v. unter dem bauch haben v. Hohberg georg. cur. 2 (1682), 34; brüste ... vörder- und obertheile des weiblichen leibes Amaranthes frauenz.-lex. 269;
frest ihr die kuh,
das fordertheil des kalbs darzu
E. Alberus fabeln s. 140 (32, 20) ndr.;
ob er auch hielt, das die flöh eben
mit dem fordertheil ein thon geben,
oder ja mit dem hindern theil
Isaac Fröreisen in griech. dramen 2, 175 Dähnhardt;
des hauptes vordertheil schmückt ein aus gelb und roth
gemischtes roth der glänzenden Auroren
Brockes ird. vergn. 8, 250.
veraltet, auf eine menge, truppe u. ä. bezogen: der v. der schlachtordnung Reuter v. Speir kriegsordnung (1594) 87;
ja sieh das vordertheil der flotte ...
mit kränzen ganz beschwert hieher zurücke kehren
Gottsched d. schaubühne 2, 16.
b)
unbelebtes: palmula das vorderteyl eins riemen Diefenbach gl. 407ᶜ; rostrum, caput das vordertheyl am hebel Orsäus nomencl. method. (1623) 155; v. des gebäudes Frisch 2, 407ᵇ; der drehbank, des laufgrabens Jacobsson 4, 553ᵃ; die schandlichen mäusz und ratten, schaben und maden ... hatten den anfang und das fordertheil (des büchleins) ... gar vernaget Fischart Garg. 43 ndr.; so das v. (des geworfenen schuhes) nach der thür zu stehet J. G. Schmidt rockenphil. (1706) 1, 174; Monrose gehet nach dem äuszersten vordertheile des theaters samml. v. schausp. (1764 ff.) 1, 9; im v. meiner reizenden einsiedeley Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 111; (harnisch) aus einem vorder- und hintertheile zusammengesetzt Göthe 48, 88 W.; er solle die vordertheile des rockes abschneiden, denn er habe einen frack nöthig Immermann 5, 23 B.
c)
besonders am schiff: prora vorderteil an einem schiffe Diefenbach gl. 466ᶜ; das vorderteyl des schiffes beleib beheftet und unbeweglich d. erste dt. bibel 2, 405 K. (ap.-gesch. 27, 41); das wir kaum das fordertheil des schiffs sehen kunten Gabr. Rollenhagen ind. reisen (1603) 155; ihre (der flotte) segel sind geflickt, ihre vordertheile von der zeit geschwärzt und voller spalten Grabbe 3, 449 Bl.;
schon bricht das vordertheil, die bangen schiffe zittern
Schwabe belust. (1741 ff.) 5, 49;
frisch, gesellen, frisch zur arbeit!
auf zum vordertheil des schiffes!
Göthe 3, 214 W.
vorderthor n.
antica vordertor Diefenbach nov. gl. 26ᵃ. —
vorderthür f.
antica vorderthur, -thier, -thyr; fedderdire Diefenbach gl. 38ᵃ; vorderthur oder notturlein voc. 1482 m m 3ᵇ; anticum die forderthür nomencl. lat.-germ. (1634) 448; vördertür, anticum, diathyrum Stieler 2294; vorderthür, porta d'innanzi Kramer 2, 1217ᶜ; vorderthüre Steinbach 2, 826; vorderthür Frisch 2, 407ᵇ; Adelung; Campe; als mir die v. nit not ist, zuͦkummen in ein hausz Clemen ref.-flugschr. 3, 337; so wollen wihr zufohr di fördertühre verrügeln lassen Zesen adriat. Rosemund 38 ndr.; wenn der liebhaber zur hinterthür zur frau herein schleicht, so geht der mann zur v. zur maitresse Löwen schr. (1765) 4, 326; die v. ist geschlossen, und die hinterthür führt durch küche und gesindestube Holtei erz. schr. 4, 71;
ich schlich unter der wand herfür
nach unsers schlosses vorderthür
Rollenhagen froschm. (1595) h 3ᵇ;
die hinterthür auf und die vorderthür zu,
so glauben meine leute, 's wär alles in der ruh
Mittler volksl. 633.
in schwacher flexion: es ist keine halbe stunde, als zwey vor der hinterthüren und zwey vor der förderthüren vorübergegangen A. Gryphius lustsp. 515 P.
vordertrab m.
wie vortrapp, veraltet: da es zwischen dem v. des fürsten Prosorowski und dem ottomanischen haufen ... zum kampfe kam v. Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 343;
die schar, auf die dein vordertrapp gestoszen
H. v. Kleist Hermannsschl. 5, 6.
vordertreffen n.
der vordere theil eines in schlachtordnung gestellten kriegsheeres Adelung; so wöllen ich und Reichardt das v. und das fenlin haben Aymon (1535) n 4ᵃ; um 6 uhr gieng schon das donnern der artillerie ... aus unserm v. ... gewaltig an Bräker schr. (1789 ff.) 1, 151; während Heinrich im v. siegte, floh sein nachtrab zersprengt Zschokke schr. (1824 ff.) 30, 226;
er aber schritt ins vordertreffen vor
(προμάχοισιν ἐμίχθη Il. 5, 134)
Bürger 160 Bohtz;
in der nächsten schlacht
stehst du mit diesen hier im vordertreffen
Geibel w. (1888) 7, 62.
in neuerer militärischer sprache genauer bestimmt: die treffen müssen, wenn das gefecht begonnen, stets einen solchen zwischenraum behalten, dasz ... die niederlage des vordertreffens ... den aufmarsch der übrigen nicht hindert Wilhelm i. milit. schr. (1897) 1, 30. — in übertragenem sinne: weintrinker und französischem einflusse zugeneigt waren sie (die rheinischen abgeordneten) stets im v. für jegliche freiheit Laube schr. (1875 ff.) 16, 131. —
vordertreppe f.
auf der v. begegnen sie der bedienung W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 31. — im bilde: um uns die v. zur welt, den atlantischen ozean, offen zu halten v. Tirpitz erinn. (1919) 141. —
vordertrosz m.
wie aber der Römer fordertrosz von denen, so im gehölze verborgen lagen, gesehen ward v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 282. —
vordertrupp m.
vorderste abtheilung, besonders auf dem marsche.
vordertruppe f.
vordere abtheilung: unsre vordertruppen litten stark Bräker schr. (1789 ff.) 1, 154. —
vordertuch n.
s.-laken: item dye cleine tuch sullen gescheret sin van 38, dy mitteltuch van 40, dy vordirtuch van 42 gengen und nicht breyter acten d. ständetage Preuszens 1, 96. — obscön.: was ihme der Leiptziger beywort wolle, wenn sie sich versprechen, entweder fettflesch oder v., das werden die jumfern am besten wissen Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 67. —
vorderverdeck n.
wie vorderdeck: der milizoffizier verfügte sich nach dem v. Smidt mittheil. aus d. tageb. eines nord. seemannes (1830) 94;
(ich) stieg auf des schiffes
vorderverdeck (εἰς ἴκρια νηὸς ἔβαινον πρώρης)
Voss Od. 12, 230 B.
der vordere theil eines mehrtheiligen verdecks, z. b. über einer kutsche.
vorderviertel n.
meist in der bedeutung des vorderen viertels eines getöteten thieres Adelung: v., viertel eines geschlachteten thieres, zu welchem die halbe brust und ein vorderfusz gehören Krünitz 231, 360; das v. vom schöpse, vom kalbe Schwan nouveau dict. (1783) 2, 965ᵇ; die brust und das rechte vörderviertel gebraten Lohenstein Armin. 2, 213ᵃ; (er muszte) von einem eber das v. mit einigen rippen abliefern Raumer gesch. d. Hohenstaufen 5, 370. —
vordervorhaus n.
vorhaus im sinne von flur; so heiszt der raum bey der hauptthür das v., aber der bey der seiten- oder hinterthür das hintervorhaus Hupel idiot. v. Lief- u. Ehstland (1795) 253. —
vorderwache f.
vorposten:
her, von den vorderwachen kommt bericht,
dasz Dänen nahn
Müllner könig Yngurd 3, 1.
vorderwacht f.
wie das vorhergehende (s. auch -wage):
o nein, sie sind vorausgesandt
als kühne vorderwacht
Schenkendorf ged. (1815) 164.
vorderwage f.
das querholz, an das bei einem wagen, an den mehr als zwei pferde gespannt sind, die vorderen angespannt werden Jacobsson 4, 553ᵃ; nach Adelung auch entstellt zu vorderwacht. —
vorderwagen m.
currus prior pars Stieler 2529: zum v. gehören die vorderachsen mit den vorderrädern nebst der darein geschobenen deichsel Jacobsson 4, 553ᵃ; der v. liegt sodann sehr bald blosz auf den vorderaxen Nicolai reise (1783) 1, 7;
silbern lief
die deichsel von dem vorderwagen aus
(τοῦ δ' ἐξ ἀργύρεος ῥυμὸς πέλεν Il. 5, 729)
Bürger 167ᵃ B.
die protze des geschützes: protze oder protzwagen (avanttrain) ist bekanntlich nichts anders als der v. der kanonen und haubitzen Hoyer allg. wb. d. art. (1804 ff.) 2, 2, 33. —
vorderwald m.
der wald nahe dem saum:
auf einer wies am vorderwald,
wo weiches gras wie wellen wallt
Kretschmann w. (1784 ff.) 1, 227.
vorderwalze f.
(die) kleineren, weniger belasteten vorderwalzen (an einer dampfwalze) Lueger lex. d. ges. technik 7, 556. —
vorderwand f.
den mannigfachen bedeutungen von wand folgend: v., bei gebäuden die wand, welche die hauptseite und fronte bildet Krünitz 231, 360; jetzt sank die linke seitenwand des häuschens ... und nun begann auch der gröszte theil der v. zu weichen O. Ludwig (1891 ff.) 2, 201;
lehnt er den bogen zu stehn an die schimmernden vorderwände
(πρὸς ἐνώπια παμφανόωντα)
Voss Od. 22, 121;
ein halber wagen ohne thüren und vorderwände Voigt hdwb. f. d. geschäftsf. (1807) 1, 97; ein hoher schwarzer karren auf zwei rädern mit einem halb erloschenen weiszen kreuz auf der v. Raabe Schüdderump (1870) 1, 9. — im körper: die v. des brustkastens Sömmerring vom baue d. menschl. körpers 3, 2, 102. —
vorderwarte f.
vorhut, avantgarde: zuerst kame die vorderwart mit heuptfenlin in der zale dreiszig tausent Aimon (1535) bogen b öfters.
vorderwärtig adj., adv.
vorn, von vorn:
jedoch gebiet ich euch beim bann,
das ihrs greift vorderwärtig an
Fischart flöhhatz 55, 1980 ndr.
vorderwärts adv.
vorderwerts, innanzi, verso innanzi; vorderwerts gehen, camminare innanzi Kramer 2, 1217ᶜ; das iren keiner vorderwerts streytende, sonder allein flüchtig ereylet, etlich entleybt wurden Stumpf Schweizerchron. (1606) 152ᵃ; die gelegenheit sey hinderwerts kahl, vorderwerts hab sie einen groszen schopf oder haarlocken Dannhauer catech.-milch (1657 ff.) 1, 218. —
vorderwelt f.
vorder- in zeitlichem sinne, schon bei Campe als veraltet, jetzt vorwelt: liebe und leben der v. erzaubert kein dichterischer nachtraum Fr. L. Jahn w. 2, 484 E.;
dergleichen nie an glanz die vorderwelt gesehn
v. König ged. (1775) 29;
sie sangen einen held, der für die rohen sitten
und wilde strengigkeit der vorderwelt gestritten
Gottsched beytr. z. crit. historie (1732 ff.) 5, 625.
vgl. zeitschr. f. d. wortf. 6, 95. —
vorderwerk n.
wie vordergeschirr, eine vorrichtung am webstuhl Prechtl technol. encycl. (1830 ff.) 20, 443. —
vorderwichtig adj.
mit vordergewicht: (keile,) die unter die mündung des vorderwichtigen rohres geschoben wurden v. Alten hdb. 4, 801. —
vorderwind m.
ostwind Fischer schwäb. wb. 2, 1647; vgl.-luft. —
vorderwinkel m.
auszenwinkel, angulus anterior s. exterior, der vordere winkel an der spitze des flügels (bei schmetterlingen) Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 244. —
vorderwohnung f.
welches (hinterhaus) zu bewohnen nicht so gut als die v. aptirt war d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 113; s. Kretschmer wortgeographie 491. —
vorderwort n.
in dem turnspruche erklären die vorderworte hinlänglich das letzte, wenn man nur sprachlich geschichtlich verfährt Fr. L. Jahn w. 2, 925 E.
vorderwunde f.
wunde an der vorderseite des körpers Bentzel-Sternau bei Campe.
vorderwurm m.
pferdekrankheit: der vorder- oder hertzwurm, welcher in der brust nächst vor oder über dem ort desz hertzens entspringt Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 29. —
vorderwürze f.
und nachwürze, in der brauerei Lueger lex. d. ges. technik 2, 389; vgl. -bier. —
vorderwurzel f.
am pferdefusz: die an der hinteren fläche der v. sich ausbildende verdickung v. Alten hdb. 4, 18. —
vorderzacken m.
schlackenzacken beim herd eines eisenwerkes Prechtl technol. encycl. (1830 ff.) 15, 498. —
vorderzahn m.
bei mensch und thier: precisi vorderzen Diefenbach gl. 173ᵇ (dens); precisores vorderczene 452ᵇ; precisores voderzan nov. gl. 130ᵇ (dens); einen forderzahn von einer fledermausz Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 339; er (ein ochse) bisz ihn mit seinen mörderischen voderzähnen Lessing 8, 58 M.; (der biber) kan ... starcke aspen mit seinen vorderzähnen abhauen Döbel jägerpractica (1754) 1, 36; dem major war vor kurzem ein v. ausgefallen Göthe 24, 339 W.; mangelnde vorderzähne hatten mich zum patronenbeiszen untauglich gemacht Gaudy w. (1844) 8, 169;
sonst ward dem zauberer in abergläubischen tagen
ein vorderzahn des munds, ein obrer eingeschlagen
Rückert w. (1867 ff.) 8, 180.
dem.: das schönäugige gesichtchen mit den etwas starken, familienmäszigen vorderzähnchen G. Keller w. (1889 ff.) 6, 18. —
vorderzange f.
ein theil der hobelbank Jacobsson 4, 553ᵇ. —
vorderzehe f.
zehe an den vorderfüszen vierfüsziger thiere: die fünf vorderzehen ganz getrennt (biber) Oken allg. naturgesch. (1839 ff.) 7, 736. — bei den füszen der vögel die nach vorn gerichteten im gegensatze zur hinterzehe: alle vorderzehen haben klauen Oken a. a. o. 7, 6; als m.: so ist bei den sogenannten schreitfüszen ... der äuszere vorderzeh mit dem mittleren groszentheils dicht verbunden Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 1, 44. — am menschen, vorderer theil der zehe: ich komme nicht einmal mit den vorderzehen hinein (in den schuh) Grabbe w. 4, 75 Bl.
vorderzelle f.
so gönd dempff uf und verstopfent die vorderzellen des hirns Braunschweig liber pestilentialis (1500) 12ᵃ. —
vorderzelt n.
bisz er im v. ein geräusche vernahme A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 4, 2, 386; hier: vorderer theil des zeltes.
vorderzeug n. (und m. in älterer sprache)
pettorale Kramer 2 (1702), 1447ᵇ; als m.: der vorzeug, vorderzeug oder brustrieme Duez nomencl. (1652) 176; brustriemen: ist ein lederner riemen am vörderzeug eines pferdes allg. haushalt. lex. (1749 ff.) 1, 274ᵃ; vgl. Jacobsson 4, 553ᵇ; indeme der hinter- und v. (des pferdes) überall mit türckischen und andern edelsteinen besetzt ... gewesen P. della Valle reisebeschr. (1674) 1, 54. — von der brust der frauen Frischbier preusz. wb. 2, 448ᵃ. —
vorderziemer m.
auch blattziemer: beim zerlegen des rothwildes jener theil des ziemers, woran sich das blatt befindet Kehrein weidmannsspr. (1871) 67. —
vorderzimmer n.
zimmer nach der frontseite des hauses Campe: in einem v. wurden ... grabmähler verfertigt schr. d. Götheges. 14, 88 (Arnim); ihres die ganze hausfront einnehmenden vorderzimmers Fontane I 5, 118; vgl. Kretschmer wortgeogr. 491. —
vorderzipfel m.
jedes fehlerhafte tuch wird unten am v. gezeichnet Schedel waarenlex. (1834 ff.) 1, 289. —
vorderzug m.
vorausgehender zug oder vorderer theil eines zuges: avantgarde, der v. des heeres Stieler zeitungs-lust u. nutz (1697) 398; avantgarde, der v., vortrab Kinderling reinigk. d. deutschen spr. (1795) 113; weder im vorderzuge noch im nachzuge werden dich die Türken warten lassen Raumer gesch. d. Hohenstaufen 1, 95;
Dragut, unwiderstehlicher, dir gehorche des heers
vorderzug
Pyrker Tunisias 5, 373;
kannst du nicht im vorderzuge sein, so ziehe im trosse nach Wander sprichw.-lex. 4, 1690. in diesem engeren sinne veraltet.
vorderzunge f.
vorderer theil der zunge: vorderzungenlaut; einen laut mit der v. bilden. —
vorderzwiesel m
und hinterzwiesel, erhöhungen am bocksattel Fischer schwäb. wb. 2, 1647.
10)
die mit suffixen von vorder abgeleiteten wörter folgen unten in der allgemeinen alphabetischen ordnung. die grosze masse der unter 9 gegebenen zusammensetzungen enthält als zweiten bestandtheil ein subst. es ist schon bemerkt (unter 9 zu anfang), dasz dabei zwei bedeutungen bei der zusammensetzung zu unterscheiden sind, die allerdings auch beide einem worte zugehören können. die bedeutung, dasz der zweite bestandtheil das ganze bezeichnet, findet sich besonders bei gliedmaszen und andern körpertheilen, vgl. -arm, -backe, -bein, -brust, -finger, -flügel, -fusz, -gaumen, -gesicht, -hals, -hand, -haupt, -kopf, -körper, -lippe, -mund, -schnabel, -zehe; ferner vgl.: -gebäude, -haus. — gewöhnlich bildet eine zusammensetzung mit hinter- den gegensatz, doch -ansicht z. b. wird auch der seitenansicht gegenübergestellt.beachtenswert sind -licht, -luft, -wind, wo vorder von osten kommend bedeutet.aus der räumlichen bedeutung entwickelt sich die des höheren ranges, werthes, des vorzuges (s. 4 und 8, c), die bei -geist, -gericht, -recht, -stadt, -stelle hervortritt.zeitlichen sinn (s. oben 6) hat vorder in -bier, -leben, -richter, -welt, -würze; eingeengt in -nächtig, -sommer. — eine zusammensetzung mit subst., -geld, gehört eigentlich nicht hierher, sondern zu fordern (fehlt th. 3, sp. 1890). — geringer ist die anzahl der mit adj. oder adv. zusammengesetzten wörter, vgl. -gut, -halb, -hin, -mal, -mehr, -mittel, -wärtig, -wärts, -wichtig. — über die formen vörder, voder s. oben unter 1.
vorder adv.
Fundstelle: Lfg. 6 (1934), Bd. XII,II (1951), Sp. 948, Z. 34
im nhd. untergegangen, ist bereits im th. 3, sp. 1889 unter forder, förder behandelt, hiermit ist zu verbinden fürder th. 4, 1, 1, sp. 714; für die schreibung mit v werden hier einige nachträge gegeben. in räumlichem sinne, weiter: wente se nicht vorder durch grotes snees willen komen konden d. städtechron. 7, 162 (Magdeb.); de vorder wil dan syn pert kan, de sitte af unde gae to vote Tunnicius sprichw. nr. 327 H.; umgelautet: vörder, adv., più oltre Kramer 2 (1702), 1217ᶜ. — vorder, vorders (vgl. fürders th. 4, 1, 1, sp. 720), als verstärkung vor adj. und adv.: derhalben er vorder ubel erschrack zimmer. chron. 1, 408; v. wolberedt 3, 479. — eigenthümlich ist die verbindung mit so zu einer conjunction im sinne von so weit, insofern: so vordere he uns breve geve d. städtechron. 7, 316 (Magdeburg), vgl. Schiller-Lübben 5, 335ᵃ ᵇ. — forder ist der comparativ zu alts. forđ, ags. forþ, engl. forth, dessen verhältnis zu hochd. fort nicht klar ist. der superl., regelrecht ohne das r, kommt im mnd. vereinzelt vor (Schiller-Lübben 5, 337ᵃ; 6, 302ᵇ). natürlich aber könnte auch das r durch dissimilierung ausgefallen sein wie sonst das r der stammsilbe; hierzu gehört der vordere, vorderste, fördern, fürder.
Zitationshilfe
„vorder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vorder>, abgerufen am 16.02.2019.

Weitere Informationen …