vorhanden adv. und adj.
Fundstelle: Lfg. 8 (1936), Bd. XII,II (1951), Sp. 1153, Z. 31
mit dem ton auf der zweiten silbe, vgl. älteres fürhanden th. 4, 1, 1, sp. 741; restare vorhanden sin Diefenbach gl. 495ᵃ (15. jh.); vorhanden sein, extare Dasypodius (1537); vorhanden, gegenwärtig, instans Maaler 475ᶜ; vorhanden, praemanibus, inpromptu, ad manum Calepinus dict. XI ling. (1598) 1134ᵃ; vorhanden, alla mano pronto Hulsius-Ravellus (1616) 389ᵃ; vorhanden seyn, extare Reyher thesaurus (1686) o 2ᵇ; vorhanden, alla mana, cioè presto, in pronto Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1218ᶜ; vorhanden, praesens, praesto, paratus Steinbach 1, 689; Adelung; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1657; schweiz. idiot. 2, 1391; Schmeller-Frommann 1, 1121; Schöpf tirol idiot. 240; Schambach 276ᵇ; ten Doornkaat - Koolman 1, 540ᵇ; Verwijs-Verdam 9, 991.
1)
in älterer sprache erscheint oft eine durch die betonung der zweiten silbe hervorgerufene form verhanden, die sich auch mundartlich erhalten hat: die gäste sind verhanden für der thür Orsaeus nomencl. method. (1623) 293; es ist nichts verhanden Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1218ᶜ; verhanden, praesens, ad manus Steinbach 1, 689; das grosze schone fest nativitatis ist verhanden Luther 32, 251 W.; seynd aber weh verhanden Wirsung arzneyb. (1588) 556ᵃ; welches scripta noch verhanden Linderer katzipori 97 Lichtenstein; so aber in druckereyen noch nicht verhanden Gueintz d. dt. rechtschreibung (1666) 14; die verzaichnus, welche zu Ynsprugg bey den hoffschrifften verhanden Frz. A. v. Brandis d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 122; würden ... genugsam schiffe verhanden seyn Lohenstein Armin. (1689) 2, 929ᵃ;
ja wenn nichz verhanden wer,
so nem ich wol ainn messner
fastnachtsp. 2, 615 Keller;
so ist nun noch die erd verhanden,
darein sie soll werden begraben
W. Spangenberg ganszkönig 2, 294 Martin;
wo wenig witz verhanden,
da ist das glück am meisten
Voigtländer oden u. lieder (1642) 58;
die morgenröthe war noch nicht
mit ihrem liecht verhanden
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 340ᵃ;
umgelautete form des dativs: nimm war ein nüw spisel ist vorhaͤnden Boltz Terenz deutsch (1539) 87ᵇ;
in dise kirch stot mir mein muͦt;
lond unsz drin gon, kein christ ist jetz vorhenden (: schenden)
Gengenbach s. 39 Gödeke.
2)
im allgemeinen ist zu bemerken, dasz innerhalb der entwicklung des nhd. der gebrauch des adverbiums eingeschränkt wird, anderseits gehört die häufigere anwendung flectierter formen (s. unten 4) erst der neueren zeit an. beim gebrauch des adverbiums wird der zusammenhang mit hand kaum mehr empfunden, was durch die alte dativform begünstigt wird, die ursprüngliche prägnantere bedeutung, die in auszer gebrauch gekommenen wendungen noch deutlich hervortritt, musz dadurch verblassen. schon Adelung bemerkt, dasz es 'nur' mit sein zusammen gebraucht wird (andere verbindungen s. unter 3).
a)
von persönlichem, lebendigem oder persönlich gedachtem ausgesagt; aus dem wortsinn von v. ergibt sich, dasz zunächst immer nur eine beziehung auf eine andere oder mehrere andere personen da sein musz, vor denen jemand sich befindet, da, gegenwärtig ist; beim schwinden der beziehung auf andere bezeichnet dann v. sein so viel wie anwesend, gegenwärtig, an einem bestimmten orte sein; diese anwendung bezeichnet Adelung als 'seltener': es waren viel gäste, viel leute auf dem markte v.; sie veraltet dann bald: adest praesens, er ist selbs da oder v. Frisius dict. (1556) 41ᵇ; umb die achtend stund ist er da v., ad horam octavam praesto est Maaler 475ᵈ; er alleine auf diesen tage ze sagen v. was Arigo decameron 233 Keller; im anzeygen, der prack wer v. Wickram 2, 303 Bolte; ir unrüwig leut, sind ir aber vor handen rollwagenb. s. 19 Kurz; da war kein baur v., der das fändlin tragen wolt Frey gartenges. 139 Bolte; mit vermeldung, er wölt mit seinem heer in kurtzem v. sein Wurstisen Pauli Aemilii ... hist. (1572) 1, 598; es thut viel in allen hendeln zu der sach, wenn der herr des gescheffts selbst verhanden Fr. Wilhelm sprichw. reg. (1577) n 1ᵇ; der mann ist erstanden, ist nit mehr hie v. Fischart bienenk. (1588) 164ᵃ; das die beide nicht anders gedachten, dan der lebendige teuffel were v. Krüger Clawerts werckl. hist. 15 ndr.; (kaiser,) der persönlich bey der jagt v. schausp. engl. comöd. 26 Creizenach; ob nicht ein arm kranck mensch v. oder in der nachbaurschaft seye Moscherosch insonmis cura parentum 113 ndr.; man schreibt so viel zettelein als personen v. Harsdörffer frauenz.-gesprechsp. (1649) 1, o 3ᵇ; da sie meldens (gänse) bald mit ihrem hellen klingenden halsz, wann iemand frembdes desz nachts v. ist viehbüchl. (1667) 101; dem gab die wirthin, so allein v. ein stück brod Grimmelshausen 3, 442 Keller; damit ih. zaar. majest. nicht eher oder langsamer sich auff den audientzstuhl setzte, bisz die gesandten v. A. Olearius pers. reisebeschr. (1696) 18ᵃ; (er) gebe vor, es sey ein marckschreyer Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 69; noch war niemand v. (anwesend) Castelli (1844) 10, 43; noch sind genugsam truppen nicht v. Grabbe 2, 460 Bl.; nun ist hier v. Christine Unwirsch Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 128;
wett teuffel, was hastu erplickt?
dasz blast und ist kein feind vorhanden
Fischart 2, 121, 2840 H.;
es ist vorhanden gottes sohn,
der neben mir am galgen fron
gehangen ist
Hayneccius Hans Pfriem 49, 1406 ndr.;
der Unvorferd ist vorhanden,
kömpt sehr fern aus frembden landen
Thym Thedel v. Wallmoden 30, 881 ndr.;
nun kommt in die cantzeley rein,
da noch mehr räth vorhanden sein
Ayrer 1, 20; 31 Keller;
die riegel gehn entzwey,
der hellenwächter merckt, dasz gott vorhanden sey
S. Dach 267 Ö.;
bekenne, dasz allgegenwärtig er, in der kleinsten creatur
ohn allen widerspruch vorhanden
Brockes ird. vergnügen in gott (1721) 4, 165;
ein mindrer sieg wär uns allhier zu schlecht,
und wäre Mavors selbst vorhanden
Gottsched ged. 1 (1751) 20;
es bleiben, mir ruhm zu erwerben,
andere noch vorhanden (παρ' ἐμοί γε καὶ ἄλλοι Il. 1, 174)
Bürger 187ᵇ Bohtz.
archaisierend:
reuter zum pferd,
sattelt und zaumt!
der feind der ist vorhanden
A. v. Arnim 21, 21 Gr.
b)
nach persönlichem subject bezeichnet v. sein im entwickelten nhd. die existenz überhaupt, doch kann dabei auch die beziehung auf einen ort oder andere personen hinzutreten, so wird v. sein auch schon in älterer sprache gebraucht: und da sin volck alles, so noch v., bisz gen Rhodis kam Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 44ᵇ; dafern die compagnie noch in keine pflicht genommen, oder einige unter derselben v., welche nicht geschwohren v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 207; wo ein öffentlicher ankläger auftreten soll, musz schon ein öffentlicher richter v. seyn Athenäum 1, 2, 18; da in dem orte kein wundarzt v. A. v. Arnim 2, 187 Gr.; allein gerade diese äuszerlichkeit verhindert oft das innere, sich rasch zu entwickeln, wenn nicht ein mann und vater v. ist, welcher sie mit gesundem spotte beschneidet und unterdrückt G. Keller (1889) 1, 208. — beide seiten der bedeutung deutlich vereinigt in wendungen wie der folgenden: er redete mit den umstehenden, als wäre ich gar nicht v.
c)
sonst aber tritt die vorstellung eines bestimmten gegenwärtig, anwesend seins zurück: v. seyn wird der bloszen möglichkeit entgegen gesetzet. so saget man : dasz der mond einwohner haben könne, glaube ich wohl; ob sie aber wirklich v. seyn, weis ich nicht Gottsched beobacht. (1758) 275; abierunt (sie) sind dahin, sind nit mer v., ist ausz umb sie Frisius dict. (1556) 4ᵇ; ir habent mich meiner kinder beraubet. Joseph ist nit mer v., Simeon ist nit mer v. Züricher bibel (1531) 1. Mos. 42, 36; ob unser mansstamm abgieng und ein frow desselben geschlechts v. wäre Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 10; es sollen leuthe v. seyn, die heist man nur kipper und wipper diskurs v. d. itzigen zustand d. kipper u. wipper (1621) a 2ᵃ; sein geschlecht und nachkommen aber seynd noch bisz auff den heutigen tag v. Prätorius bericht v. Katzenveite (1665) b 6ᵇ; selbst die erzehlungen von personen, die keine würcklichkeit haben, bemächtigen sich des gemüthes, noch mehr aber die begebenheiten der engel, als nemlich solcher wesen, welche in der natur v. sind Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 4; aber warum könnte jeder einzelne mensch auch nicht mehr als einmal auf dieser welt v. gewesen seyn? Lessing 13, 435 L.-M.; mit der reformation wars um die christenheit getan. von nun an war keine mehr v. Novalis 2, 30 Minor; wenn ich nicht mehr v. bin Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 11; ein mittelstand ist in Ungarn gar nicht v. Moltke schr. u. denkw. (1892) 1, 113;
der (herzöge) einer ist gesyn vorhanden,
so über das Ergoͤw geherrschet hat
schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 38 Bächtold;
wäre nicht dies kind vorhanden,
längst hätt ich des lebens banden
aufgelöst mit kühner hand
Novalis 4, 106 Minor.
d)
aus älterer sprache sind noch besondere sinnesfärbungen anzuführen; bei der hand, gleich zu etwas bereit sein: dieweil die fischer alsbald v., ine (den walfisch) in solchem tiefen schlaf ... fesselen und binden Fischart 3, 255 Hauffen. — so ist doch noch Chremes vor handen, den würd ich erbitten (restat Chremes, qui mihi exorandus est Andria 166) Boltz Terenz deutsch (1539) 6ᵃ; hierzu vgl. v. sein mit unpersönlichem subject im sinne von bevorstehen unter e, η.
e)
viel freier bewegt sich die entwickelte nhd. sprache in der verbindung eines unpersönlichen subjectes mit v. sein, obgleich auch hier verarmung eingetreten ist; verschiedene sinnesfärbungen sind zu beachten.
α)
gegenwärtig mit bezug auf anderes:
hier ist beym brod vorhanden
mein leib
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 446ᵇ.
β)
bereit zu etwas, zum gebrauche vorrätig u. ä. (belege, die sich auf tiere beziehen, sind hier mit angeführt); es ist kein holz mehr v., noch viel getreide v. Adelung; nd. dār was niks förhanden, wār man to grīpen kun ten Doornkaat-Koolman 1, 540ᵇ; und wer es, das kein hofrid v. were (das man ihm geben könnte) weisth. 6, 41 (1463); szo man den schifbruch leydet, ist nicht meher verhanden den eyn breth Luther 34, 1, 91 W.; jag mit den hunden, die v. Seb. Franck sprüchw. (1545) 2, 114ᵇ; ich wil gehn in die küchen schawen, was da v. sey zum besten Mangold marckschiff (1596) a 4 (die verbindung mit zum besten ist formelhaft: dann underwegen nicht vil zum besten v. Kiechel reisen 105 lit. ver.); was sonsten an artolerey und munition v., ist bey den besiegelten rollen iederer festung zu finden verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 8; ist aber kein korn v., so lauffe gleichwol der stein herumb Zinkgref apophth. (1626) 3; liesz es (das pferd) ein wenig grasen, weil kein haber v. volksb. v. geh. Siegfried 68 ndr.; es ist hier ein weinschänck, wir müssen ... sehen, ob guter wein da vorhanden sey Prätorius d. abentheuerliche glückstopf (1669) 10; hingegen, wenn sie ein qualificirt subjectum meines gleichen nur mit geringer bestallung begnadigen sollen, so ist kein geld v. Chr. Weise erzn. 24 ndr.; sie wuste wol, dasz kein schlagwasser im hause v. J. Riemer polit. maulaffe (1679) 12; so will ich nachsehen, was ... von dieser waare noch v. ist Meisl theatr. quodlibet (1820) 2, 101; der diener setzte den wein auf den breiten fenstersims des zimmers, denn ein tisch war nicht v. Hauff (1890) 1, 78; der frische lachs, der in menge v. war Steffens was ich erlebte (1841) 3, 30;
sieh zu, ob in dem keller
noch bier vorhanden ist
Rachel satyr. ged. 17 ndr.;
umsonst! die fackeln sind vorhanden,
der tempel wird der flammen raub
Drollinger ged. (1743) 37;
speis ich und trinke nun,
wie es vorhanden
Göthe 4, 336 W.;
so bleibt von nun an allen kaiserlanden
an kleinod, gold, papier genug vorhanden
Faust 6130;
und, knaben, bringt den wein, der noch vorhanden, her
Platen 1, 128 R.
freier: es ist kein platz mehr, noch genug platz v. — für jemanden v. sein, für ihn, zu seinem gebrauche bestimmt sein:
ist nicht jegliches haus für seine bewohner vorhanden?
Giseke poet. w. (1767) 42.
γ)
oder es wird einfach das da sein, die existenz bezeichnet: Aristoteles, ein hochgelehrter philosophe, des bücher von allerley philosophey v. seindt Calepinus dict. XI ling. (1598) onom. 42ᵇ; seindt wol andere bucher v., die wirdig und nutz weren Luther 2, 80 W.; vor Moyses zeit ist kain aufschreiben beschehen gotlicher würckung oder mainung, noch eltere schrift v. dann die bibel Berth. v. Chiemsee t. theologey 84 R.; weitter ist auch mein geschrift und büchlein uberal v. Hutten 2, 193 B.; was wolten wir doch von der gewallt und herrschafft ... Julii Caesaris wissen, wenn keine historien v. weren Binhardus thür. chron. (1613) vorr. 63ᵃ; (sie) suhchte mit allem fleis, aber da wahr kein brihf fohrhanden Zesen adriat. Rosemund 24 ndr.; wo mich einer lehren kan, dasz irgends wo einige sprache verhanden sey, welche mit mehrem kunstschmukke ... ausgezieret sey Schottel haubtspr. (1663) 26; wie etwan sonsten wol andere berge v. sind, so diese oder jene gestalt praesentiren Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 50; da von diesem verdienten mann ... vermuthlich auch eine eloge academique v. ist Herder 15, 51 S.; (mit bezeichnung des daseinszweckes): weil sie (die welt) v. ist, mir die mannigfaltigen äuszerungen jenes wesens symbolisch zu bezeichnen Schiller 4, 41 G.; und wärs auch phantasie, wars doch in meinen augen wirklich v. maler Müller (1811) 3, 327; die geschichte ist v. (the story is extant) und in auserlesenem italiänisch geschrieben Shakespeare Hamlet 3, 2; Perun, über den sonst so wenig nachrichten v. sind J. Grimm kl. schr. 4, 103; (von einer übersetzung) ist aber noch nichts v. Görres br. (1853) 3, 117; da auszer dem herrenhause nur die gutskathen v. waren; das war das ganze dorf W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 2, 161;
alle die kräuter,
welche der schöpfer gemacht, eh in der erden ihr samen
noch vorhanden gewesen
Zachariä poet. schr. (1763) 8, 40;
wer schranken denkend setzt, die wirklich nicht vorhanden
Rückert (1867) 8, 6.
δ)
oft wird besonders ausgedrückt, dasz etwas noch v., nicht verloren, untergegangen, vernichtet ist: so (der brief) noch hüt bei tag in dem selbigen gotzhusz unversert v. ist Gebweiler beschirmung d. lobs Marie (1523) 19ᵇ; solliches durch ihn in offentlichen druck kummen und noch v. ist Nas d. antipap. eins u. hundert (1567) 1, 6ᵃ; (Niederbüren) ist von den Appenzelleren zerstört worden, und nur noch ein hohes stuck von der mauren verhanden Stumpf Schweizerchron. (1606) 425ᵇ; dasz das paradis noch v. ist unvergangen Jac. Böhme (1620) 5, 142; lieder, deren nicht wenig von alten jahren her in Dennemarck noch verhanden sind Opitz poeterey 17 ndr.; (krone,) welche noch v. und von den Hungarn vor heilig gehalten wird S. v. Birken d. vermehrte Donaustrand (1684) 133; Otfried, der noch in den tagen Karls des groszen geboren wurde, wo die alten bardenlieder noch v. ... waren Kretschmann (1784) 1, 21; eine von Meyer darnach sorgfältig hergestellte zeichnung ist noch v. Göthe 32, 6, W.; von Mozarts originalpartitur sind nur noch der zweite und dritte act v. O. Jahn Mozart (1856) 1, 365;
man hab sie vor nit recht verstanden,
obschon ir bücher noch vorhanden
Fischart dicht. 2, 376 Kurz.
ε)
im entwickelten nhd. werden besonders gern abstracta als subject mit v. sein verbunden, dabei zeigt sich eine vorliebe für gewisse verbindungen, während manche wendungen der älteren sprache nicht mehr gewagt werden. zu beachten ist, dasz v. sein unter umständen nicht das da, gegenwärtig sein, sondern das nahe bevorstehen bezeichnet (s. unten η), doch gehört diese verwendung im allgemeinen mehr der älteren sprache an. wörter, mit denen v. sein im nhd. besonders oft verbunden wird, sind möglichkeit, nothwendigkeit, bedürfnis, veranlassung, hoffnung, aussicht, gefahr, gelegenheit, grund, ursache, mittel, beweis, beispiel, umstand, hindernis und andere allgemeine begriffe. beachte auch: es ist noch zeit genug, keine zeit mehr v. (veraltete wendungen mit zeitbegriffen s. unter η): so ist doch kein hoffnung der erlösung v. volksb. v. dr. Faust 39 ndr.; dann bey reisen grosze gefahr v. schausp. engl. comöd. 287 Cr.; der feind laufft nit an, wann er sihet, dasz mittel v., ihn abzutreiben S. v. Birken ostl. lobeerhayn (1657) 20; da in der gantzen natur keine ursache v. ist d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 2; alle wesenheiten und eigenschaften der dinge waren in ihm schon v. Herder 22, 245; als sie (liebe zum vaterlande) in einer republik beständig in gleichem grade v. ist Abbt vom tode fuͦrs vaterland (1780) 12; umstände, welche v. und nicht v. sein konnten Göthe II 2, 163 W.; dasz hof und stadt sich weisz machen, es sey eine art von genusz v. IV 23, 189; keine neigung ist mehr v. Athenäum 1, 89; ein beweis dafür ist ... durchaus nicht v. Ritter erdk. (1822) 2, 261; es war wenig arbeit v. O. Ludwig (1891) 1, 157; da zu belohnen, wo ein verdienst v. ist M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 143; (sobald) nur der glaube an eine ernstliche absicht v. sei A. v. Droste - Hülshoff (1878) 2, 357; geistige bedürfnisse waren in diesen kreisen nicht viele v. G. Keller (1889) 1, 16;
die gelegenheit vorhanden ist,
zue brauchen unsern argen list
Endinger judenspiel 39 ndr.;
auch wenn vorhanden ist gefahr,
sich keiner säum noch spar
bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg 41.
ζ)
beachtenswerte verbindungen, besonders der älteren sprache: es ist die höchste noht v. Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 1218ᶜ; allain was inen vor handen gesicht der ougen, da mit sy sich mit wincken und zaichengebung möchten getrosten N. v. Wyle translat. 61 Keller; die fraw ... sprach zu der nachbeurin: solichs ist v. (so und so ist es) Fortunatus 98 ndr.; (wenn) menschliche hilff nicht mehr v. ist Strausz beychtpüchl. (1523) a 3; so sie yhn des uberredten, do war grosze freud v. reform. flugschr. 1, 145 Clemen; wann ichs gewuszt hätte, dasz die verrätherey v. wäre geweszt G. v. Berlichingen lebensbeschr. 42 Bieling; da ist noth v. geweszt Lindener katzipori 118 lit. ver.; also war auch darneben gute bezahlung v. Kirchhof milit. discipl. (1602) 4ᵇ; ist dann ein unglück v.? schausp. engl. comöd. 85 Cr.; also siehet man, dasz auch aberglauben ex notatione nominis v. seyn Prätorius saturnalia (1663) 9; damit ihnen (nicht) ein argwohn gegeben würde, dasz etwas ungewöhnlichs v. Grimmelshausen 3, 378 Keller; hirbey war kein zwang verhanden Butschky Pathmos (1677) 299; (es) liesz sich ansehen, dasz eine grosze änderung und zerrüttung des reiches v. wäre Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 19; (archaisierend:) wenn händel vorhanden sind, daran kaiserlicher majestät und dem reich viel gelegen ist Göthe 8, 81 W.;
was guͦten gschreys ist yetz vorhanden?
H. R. Manuel d. weinspiel 404 ndr.;
kein trost ist bey in nicht vorhanden
Fischart dicht. 1, 159, 1038 Kurz;
fürwar, es ist was neus verhandn
Ayrer 1, 206 Keller;
wo diser (getreue rath) nicht vorhanden ist,
so müssen unsre schiff verderben
Spreng Äneis (1610) 125ᵇ;
hilff, ewig hoher gott! welch elend ist verhanden!
A. Gryphius trauerspiele 235 Palm;
antwort soll auch seyn bei mir vorhanden
Erlach volksl. d. Deutschen 1, 108;
dennoch übergieszt mich ein grauen,
dasz sie (die that) vorhanden ist und geschehen
Schiller 14, 91 G.
η)
veraltet ist die verbindung mit zeitbegriffen, wobei v. sein zunächst das unmittelbar bevorstehen bezeichnet; doch ist der übergang zu der vorstellung, dasz das zu erwartende nun wirklich da ist, so leicht, dasz auch dieser sinn in den wendungen liegen kann; die bedeutung des bevorstehens, die früher als die andere, veraltet, kann natürlich auch bei andern subjecten, wie schon bemerkt wurde, vorliegen; besonders charakteristische beispiele sind hier mitangeführt; (vgl. auch 4 d): futurum est es ist v. Alberus nov. dict. genus (1540) m 1ᵃ; febris accedit das feber oder kaltwee ist v., es kompt, es nahet Frisius dict. (1556) 13ᵇ; adventant discrimina die gfaar ist v. oder nahet sich eines nahens 42ᵇ; der zähend monat nahet vast, ist schier v. 1075ᵇ; celeres calendae die tag der monaten zebezalen sind vil zeschnäll v. ... welche tag der bezalung den schuldneren vil ze fruͦ und ze behend kommend 175ᵃ; der krieg ist v. oder zuͦ besorgen; die nacht ist v., nahet; es ist dir etwas guts v., manet te bonum Maaler 475ᶜ; v. seyn, obschweben, imminere, instare, impendere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 337ᵃ; da war der winter v., und liesz uns mein herr die winterkleidung machen G. v. Berlichingen lebensbeschr. 10 Bieling; dann die zeit des nachtymbisz yetz v. was Wickram 1, 44 Bolte; als nun der tag der hochzeyt v. war Montanus schwankb. 11 Bolte; ist es eyne anzeygung, das eyn regenwetter v. Sebiz feldbau (1579) 112; die grewlichen zeiten ... beginnen nit alleine allgemachsam heran zu schleichen, sondern seind auch schon albereit ... augenscheinlich v. Ringwaldt d. lauter warheit (1597) a 2ᵃ; nun ist die stunde v., dasz er sein beilager mit ihr hält schausp. engl. comöd. 150 Cr.; wann ungewitter v., dasz dann der vogel eine weile vorhero übrige speise suche Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 209; wenn die veränderung des wetters nahe v. ist Döbel neueröffnete jägerpract. (1754) 4, 92 anhang; dieser beglückte zeitpunkt ist wirklich schon v. samml. v. schauspielen (1764) 1, 65; wenn mein stündlein v. ist Hippel lebensl. (1778) 1, 22; die zeit der lilien ist v. Jung-Stilling 3, 287 Grollmann; den kecksten ist das herz in die hosen gefallen, und meynte man, der jüngste tag sey v. Heinse 9, 389 Sch.; sollte es ein zeichen sein, dasz der grafschaft nichts gutes v. wäre br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 23;
der tod ist vil z früe vorhanden
N. Manuel 7, 23 Bächtold;
so ist die zeit auch schon vorhanden,
das es gescheh, fahr hin mein sohn
Krüger aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) c 6ᵇ;
und wenn das end vorhanden ist,
so hilff, dasz wir mit frewden
hie abscheyden
Österreicher bei Fischer-Tümpel d. ev. kirchenl. 1, 133;
mein abschied ausz der bösen welt
und ausz den schweren banden
ist nun einmal vorhanden
S. Dach 106 Ö.;
ihr freunde, kommt herbey, der wahltag ist vorhanden
H. v. Hoffmannswaldau u. anderer Deutschen ged. (1697) 3, 263;
des tages hitz ist nun vorbey,
die fleiszgen classen haben frey,
der feyerabend ist vorhanden
Stoppe Parnasz (1735) 371;
es sey nunmehr die zeit vorhanden,
da Leipzig wieder hoffen kann
Gottsched ged. (1751) 1, 158;
der tage letzter ist vorhanden
Schiller 6, 362 G.;
das ist gewisz ohn alles betrügen,
wenn die schwalben auf dem wasser fliegen,
und mit den flügeln schlagen darein,
dasz regenwetter vorhanden sein
Grässe jägerbrevier 81.
θ)
besondere wendungen: wart gesagit vor war, das sich der krig schickte zu gutem frede, und were v. in groszer hoffnunge, das alle errethum in gutlichen frede gesatzt were Stolle thür. chron. 102 lit. ver.; dann es ist v., dasz Herodes das kindlein suͦchen wirt Züricher bibel (1531) Matth. 2, 13 (Luther: es ist fur handen);
was ist dann nun verhanden? was bedeut das wesen?
Hayneccius Hans Pfriem 2374 ndr.
ι)
in verengerter bedeutung 'noch übrig sein': restare vorhanden sin Diefenbach gl. 495ᵃ; disz kurtz zite des lebens, das noch minem alter v. ist N. v. Wyle transl. 84 Keller; ist auch etwas anders übel oder schaden v., das du noch nit hast anzeigt? (numquid est aliud mali damnive quod non dixeris relicuom? Eunuch. 994) Bolte Terenz deutsch (1539) 56ᵇ; noch was v. und überig der gantz krieg mit dem andern theyl der Gallogrecken Carbach Livius (1551) 373ᵇ.
3)
andere verbindungen als mit sein kommen im entwickelten nhd. nur ganz vereinzelt vor:
a)
am häufigsten ist in älterer sprache v. haben, im eigentlichen sinne zunächst ganz sinnlich, dann vielfach übertragen zur bezeichnung, dasz man etwas hat oder sich mit etwas zu schaffen macht, besonders auch, dasz man etwas beabsichtigt, ferner in dem sinne, dasz einem noch etwas bevorsteht, wie vor sich haben (vgl.hand th. 4, 2, sp. 325; schweiz. idiot. 2, 1391): er hatte ein notwendig reisz v. Frisius dict. (1556) 738ᵇ; fleyszig auff das sehen und acht haben, das einer v. hat, mentem coeptis insumere Maaler 475ᵈ; nd. dā hebbet se noch enen kleinen marsch vorhannen, noch zu machen Schambach idiot. von Göttingen-Grubenhagen 276ᵇ; se en hedden nicht quades v. dt. städtechron. 16, 337 (Braunschweig); da hat der kaiser inen zuͦ andtwurt geben, er hab ein dantz v. auff dem reichstag 23, 279 (Augsburg); vater, ich han ein sünde noch vor handen, der ich mich alle meine tage nye gepeicht han Arigo decameron 25 Keller; darumb das ich nicht neues ze sagen vor handen habe 53; seinthalben haben wir nichtz guͦtz verhanden 21; man sol alle ding lassen und verliesen, das sol man nit also versten, das der mensch nichtz zu tun oder v. sol haben theologia deutsch 53 Mandel; ein mael do se eine verrederye v. hadden Rotmann restitution 107 ndr.; diser sach wol, was er für einen kuntman v. (vor sich) hett Wickram rollwb. 143 Kurz; wie ir schweher und vatter vil weg v. het, damit er den stat der edlen und mechtigen mindern ... wölt Carbach Livius (1551) 18ᵃ;
wenn wir grosz ding vor handen han
und unser macht nicht kan ertragen,
so musz man dennoch nicht verzagen
Waldis Esopus 1, s. 107 Kurz.
das verbum ist zu ergänzen: disz zwar einfeltig und ringfügig werck, so ich v. Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 4;
ob du wöllest bey uns sein
in sachen, so mir (wir) jetz vorhanden
in disem rath in disen landen
Endinger Judenspiel s. 30 ndr.
b)
daneben finden sich andere verbindungen: was ist dann im subiecto, dieweil ein accidens v. ligt Paracelsus chirurg. schr. (1618) 263 H. — der alten scribenten findt man noch wol etliche v. Frey gartenges. 3 Bolte;
(als) er seinen hammer
vorhanden nicht fand
Chamisso (1836) 4, 203.
die in v. liegende dativische vorstellung verblaszt, so dasz es sich auch mit verben verbindet, wo es anstelle von vor die hand, die hände steht, so bei kommen und nehmen (vgl. schweiz. idiot. 2, 1391): alles was dir vorhanden kommt zu thun, das thue frisch Tieck (1828) 16, 124 (alles was dir furhanden kompt zu thun, das thu frisch pred. Sal. 9, 10). — die, so sie (die poetik) als ein leichte ding vor handen zue nemen unbedacht sich unterstehen Opitz poeterey 3 ndr. — wer vor viertzig jaren nicht witzig wirt, weyl yhm vil sachen indes seind v. gestoszen (v. geflossen sprichwörter [1548] 76ᵃ), do ist hoffnung ausz J. Agricola sprichwörter (1534) z 1ᵇ.
4)
vorhanden wird im nhd. als adj. behandelt und flectiert: vorhandenes geld, praesens pecunia Steinbach 689; 'dieses wort ist eigentlich ein nebenwort, und es scheint erst in den neueren zeiten in einigen bedeutungen als ein beywort gebraucht zu seyn' Adelung; doch nicht erst im 18. jh., wie Paul in seinem wb. sagt: denen in den druckereien forhandenen (lettern) Bellin hochd. rechtschreibung (1657) 13; wegen verhandener sommerszeit quellen von 1661 im schweiz. idiot. 2, 1391; aus unterschiedenen annoch verhandenen alten liedern Neumark neuspross. t. palmb. (1668) 119; ob ich vielleicht die viele vorhandene von dem junckern gerühmte gelbe batzen der alten finden möchte Grimmelshausen 3, 335 Keller; (er) lasz aus viel tausend verhandenen kräutern etliche aus Lohenstein Armin. (1689) 2, 409ᵇ;
was künfftig, siehst du, nicht dein jetzt vorhandne noth
A. Gryphius trauerspiele 126 P.
die anwendung des adj. entspricht der einschränkung des gebrauchs, den das adv. im nhd. erfahren hat, so kann es nicht mehr bevorstehendes bezeichnen (s. aber unten 4, d).
a)
mit persönlichem oder persönlich gedachtem, lebendigem kann es verbunden werden. beim plural oder collectiven wörtern: die vorhandenen gäste begrüszen, die vorhandenen mücken verjagen, die noch vorhandenen bataillone zusammenziehen u. ä.; alles vorhandene hausgesinde d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 30; die an solchen orten vorhandenen fischchen Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 9, 135; eine vorhandene armee ... zu erhalten Häusser dt. gesch. (1854) 1, 629; das beispiel der eben vorhandnen gäste O. Ludwig (1891) 2, 41; dasz der vorhandne reichstag ... bereit sein werde, seine jüngste abstimmung zu ändern Bismarck ged. u. erinn. 2, 214 volksausg.
b)
dagegen auszerordentlich häufig verbindet sich v. mit unpersönlichen substantiven, sowohl gegenständlichen wie abstracten; dabei kann v. einfach das da sein, die existenz bezeichnen oder auch das dasein in beziehung auf personen, ort, umgebung, gelegenheit, umstände.
α)
wenn es ein wirklich vorhandenes ding ... seyn sollte Kästner verm. schr. (1772) 2, 6; wenn er (Shakespeare) schon vorhandene stücke redigirt Göthe 41, 1, 68 W.; die verteidiger eines vorgeblichen bewusztseins an sich auszer uns vorhandener dinge Fichte (1845) 2, 231; (in prädicativstellung:) die voraussetzungen des stückes sind nicht mehr zufällige und in einem einzelnen fall vorhandene Freytag (1886) 14, 11; den herkömmlichen, an vorhandene sehenswürdigkeiten anknüpfenden kastellansvortrag Fontane I 4, 278;
du warst, und herrschtest, eh du noch nicht vorhandene wesen
zu unterthanen dir erschufst
Giseke poet. w. (1767) 87;
einmal um eines festtags willen,
sodann vorhandenen durst zu stillen
Rückert (1867) 2, 192.
β)
in schwacher form: in den wirklich vorhandenen sprachen Gottsched dt. sprachkunst (1748) 7; bey der tragödie aber hält man sich an die schon vorhandenen namen Lessing 10, 161 L.-M.; wundergaben — im gewöhnlichen sinne des wortes — sind allemal merkmale des vorhandenen geistes Lavater verm. schr. (1774) 2, 52; der preis richtet sich nach der menge des vorhandenen saamens Möser (1842) 1, 141; das schon im stillen vorhandene leben Göthe IV 41, 25 W.; wie lautet das einzige, vorhandne zeugnisz des Eginhart über diese sache Athenäum 2, 308; in dem noch vorhandenen fragment seiner lebensgeschichte Kerner bilderbuch (1849) 36; den bestand der vorhandenen welt erkennend abzubilden Lotze mikrokosmus (1856) 1, vii; an den vorhandenen pfosten, haken und baumästen G. Keller (1889) 2, 108; machte krampfhafte versuche, seine tabaksdose in eine nicht vorhandene tasche zu versenken M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 4, 25; die gegen mich bereits vorhandene verstimmung Bismarck ged. u. erinn. 1, 176 volksausg.
c)
ebenso häufig ist die verwendung des alleinstehenden flectierten adj.: existent, das vorhandene Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 261; das wirklich vorhandene musz ihm (dem künstler) ... geläufig sein G. Forster (1843) 3, 478; das vorhandene zu genieszen sei gerade nicht seine sache Göthe 24, 216 W.; philosophie ist mehr, denn nur die beschränkte erkenntnis des vorhandenen Hölderlin 2, 136 Litzmann; im epos erscheint der stoff als ein gegebenes, vorhandenes, in der lyrischen poesie als ein werdendes Solger vorles. über ästhetik (1829) 275; lernt euch begnügen, ihr leute, mit dem vorhandenen Immermann 1, 37 B.; der wiederhersteller (des altars) hat ... dem vorhandenen die genügendste ehrfurcht erwiesen Stifter (1901) 14, 295; alle, die mit feurigem kern im herzen die schranken des vorhandenen durchbrechen Scheffel (1907) 1, 106; auszerdem ist es leichter, sich darüber zu einigen, was man nicht will, als über das, was man bewahren oder an stelle des jetzt vorhandenen will Bismarck polit. reden 1, 89 Kohl;
wahrem eifer genügt, dasz das vorhandne vollkommen
sey, der falsche will stets, das das vollkommene sey
Schiller 11, 183 G.
d)
veraltetes und vereinzeltes; zeitlich gegenwärtig oder bevorstehend (vgl. oben 2 e η): als Paulina ihres ehemanns, desz weisen und gelehrten manns Senecae, vorhandenen todt sehr beweynete, sagte der Seneca Lehman floril. polit. (1662) 3, 346; traten ihre vorhandene reise nunmehr als politische maulaffen an J. Riemer d. polit. maulaffe (1679) 92; wenn kinder mit spieszen und fähnlein reiten, mag es entweder eine schon vergangene oder noch vorhandene (bevorstehende) sache bedeuten J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 187; das gericht meldete dem wundarzt die gegen ihn vorhandene anklage Klinger (1809) 3, 201; wie viele sind ihrer, die auf den nachklang und widerhall (der neujahrsglocken) horchen unter dem scharfen schlag der vorhandenen stunde? Raabe Horacker (1876) 46;
so sucht sie das gebet zu dem vorhandnem tage
Gellert (1839) 1, 63.
5)
das v. sein wird im schriftbild oft zusammengezogen: das grundprinzip des inhaltes dieser reihe, keineswegs ihres formellen vorhandenseins, war das absolute sein Fichte (1845) 2, 142; von dem vorhandensein eines Thospitis-sees wie zu Ptolemäus zeiten ... erhielten wir ... bestätigung Ritter erdk. (1822) 10, 101; um der kinder willen, deren vorhandensein oder nichtvorhandensein die jedesmalige sachlage wesentlich verändert D. Fr. Strauss (1876) 6, 170; das überflüssigste ... ist das unvollkommene nach dem vorhandensein des vollkommenen R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 56; da das vorhandensein dieser versuche in der künstlerschaft nicht unbekannt geblieben ist G. Keller (1889) 3, 159; unser analoges bedürfnisz einer canalverbindung wird durch das vorhandensein der dänischen halbinsel und die vertheilung unsrer flotte auf zwei getrennten meeren wesentlich gesteigert Bismarck ged. u. erinn. 2, 48 volksausg.
Zitationshilfe
„vorhanden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vorhanden>, abgerufen am 12.11.2019.

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