Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

vorlesen, verb.

vorlesen verb.

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vgl.fürlesen th. 4, 1, 1, sp. 768; vorläsen, wie ein schuͦlmeister den kindern und auszlegen, praelegere Maaler 476ᵃ; vorlesen, darlesen, dasz es andere vernemmen Hulsius-Ravellus (1616) 389ᵃ. für— sive vorlesen Stieler 1167; ebenso Steinbach 1, 1045; vorlesen Adelung; Campe; mnld. vorelesen Verwijs-Verdam 9, 1015; dän. forelæse ist lehnwort.
1)
laut vor und für andere lesen; natürlich aber kann man auch selbst der einzige zuhörer sein: das einleitende gedicht zu dem wieder auflebenden Werther las ich mir neulich in stiller betrachtung vor Göthe IV 38, 278 W.
a)
ohne bezeichnung des gegenstandes und des hörers: ein fleisziges v. in gegenwart ihrer lehrmeister Gottschedin br. (1771) 3, 72; durch seine vortreffliche art vorzulesen Schubart leben u. gesinn. (1791) 1, 41; ich lese alle abende vor Göthe IV 8, 6 W.; v. und declamiren ist nicht einerley Athenäum 1, 2, 116; das viele vorlesenhören Schleiermacher (1834) I 5, 280; nachmittags gehen wir manchmal in den wald und Savigny liest vor Bettine d. Günderode (1840) 1, 29; das gedicht, was im v. wirken soll E. Th. A. Hoffmann 6, 100 Gr.; durch v. oder plauderei die stunden der einsamkeit zu verkürzen Fontane I 4, 73.
b)
mit hinzutretendem dativ: (er) las den kinden vor und leret sye d. heiligen leben in d. winterteil (1471) 161ᶜ; fast alle morgen habe ich das glück gehabt, der kayserinn vorzulesen Göthe IV 23, 43 W.; das lesen ist nicht meine sache ... ich lasse mir lieber v. Bauernfeld (1871) 4, 16; ich kann nicht zuhören, wenn mir jemand vorliest M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 3, 351.
c)
mit charakterisierenden zusätzen: er list übel vor, incertior in legendo et velut offensator est Stieler 1167; (N.,) welcher sehr gut vorlas Brentano (1852) 5, 294; laut, mit empfindung, mit guter betonung v. u. ä.
d)
mit dem accus. des objekts, das entweder das buch, blatt u. s. w. oder das gedruckte, geschriebene selbst sein kann: ein buch, einen brief, ein märchen, eine aussage, einen (vom hörer zu leistenden) eid v.; lasz er ihm was anders vor Chr. Weise erzn. 98 ndr.; lieszt mir dann auch hin und wieder etliches vor maler Müller (1811) 1, 232; nun kannst du mir wieder was v. Iffland theatr. w. (1827) 2, 34. mit bestimmten obj.: das gottes wort, daz und der leser dô vorliset Lucidarius 40 Heidlauf; disse revocation lasz ein bischoff dem concilio vor S. Franck chron. Germ. (1538) 156ᵇ; darauf hatte man ihnen ... unsere aussage vorgelesen Bucholtz Herkuliskus (1665) 319; Sickingen, der sich auch Luthers schriften ... v. liesz Herder 16, 284 S.; lase mir folgende puncte vor Stranitzky ollapatrida 111 Wiener ndr.; (archiv,) woraus sie ... manchmal ein blatt Makarien vorlese Göthe 24, 188 W.; Alithea bat den sohn, die veralteten handzüge vorzulesen Jean Paul 6, 20 H.; in dieser stellung leistet er den eid, den der reichsvicekanzler ihm vorliest Ranke (1867) 30, 13;
der summ urhab und gantzes wäszen
würt üch der schryber yetzt vorläszen
schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 109 B.;
das mahl bei Baven kommt mir theuer gnug zu stehen:
er liest mir seine verse vor
Lessing 1, 7 M.;
ich lese selbst die Nibelungen
euch im originale vor
Mörike 1, 172 Göschen.
e)
passivisch: ward im da vorgelesen die bösen artikel U. v. Richental chron. des Constanz. concils 73 Buck; am ersten meytage wurden die carmina vorgelesen Morhof unterr. von d. dt. spr. (1662) 1, 161; das gestern abend vorgelesene Göthe 24, 187 W.;
wie ihn vorgelesen die urgicht
und sie desz auch laugnen nicht
Endinger judenspiel 79 ndr.
schluszformel eines protokolls und anderer urkunden: vorgelesen, genehmigt und unterschrieben. das obj. durch einen satz ausgedrückt: als ich ihr vorlas, dasz sie ihm die stellung eines geprügelten zuschreiben G. Forster (1843) 8, 91. — gen. obj. beim inf.: es war über dem v. dieser märchen viel zeit verflossen Tieck (1828) 4, 415.
f)
wendungen mit präpos. ohne acc. des obj.: er durfte ihr wie früher wieder aus einem guten dichter v. Mörike 3, 57 Göschen.ungewöhnlich: ich konnte dem herzog bis gegen morgen in einem unterhaltendem französischen buche vorlesen Göthe 33, 92 W.aber auf den inhalt bezogen: da hat auch das fräulein von den römischen burgemeistern und von Troja vorgelesen Tieck (1828) 5, 55.
g)
einzelnes:
α)
jemandem v., lehrend zum muster, damit er ebenso nachliest: ein paedagogus ... seine anvertraute jugend in den buchstaben unterweiset, ihnen vorsagt, vorbuchstabirt, vorliszt Dannhawer catech.-milch 1, iiᵇ.
β)
vor- zeitlich, vorgelesen, früher gelesen: ob ich dir ettwas newes und anders dann dein und mein vorgelesene anatomeyen fürtrag Paracelsus opera (1616) 2, 19.
γ)
vom akademischen lehrvortrage (s. vorlesung): erstlich ward er (Hraban) in der hohen schul zu Parisz für einen lerer auffgeworffen, da hatte er etliche zeit vorgelesen Herold chron. aller ertzbischove zu Maintz (1551) 3ᵇ; vgl. vorlesethätigkeit unter 5, vorleser 6 b γ.
δ)
in älterer sprache auch von nicht durch schriftliches gestütztem vortrage:
sus begonde er ir vorlesen
sîn leit mit klagendem muote
väterbuch 28916 Reiszenberger.
2)
nach lesen, früchte ernten, vgl.vorlese: precarpere vorlesen Diefenbach gloss. 451ᶜ; vorlesen in dem weingarten Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700) 945ᵇ; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1662; schweiz. idiot. 3, 1418: item des vorlesens halb, als sich die von Mülheim clagten, inen die von Nuwenburg zuͦ herbstes ziten irrungen machten mit dem, das si zuͦ früh lesen stadtrecht von Neuenburg a. Rh. 78 (1491); vgl. unten 6 b c vorleser.
3)
einlesen, vorlesen, lire le dessin, bei den webern einstellung zu einem kunstvollerem muster Jacobsson technol. wb. 1, 521ᵃ.
4)
als übersetzung von prälegieren: vorlesen, zum voraus vermachen im testamente Spanutius (1720) 352.
5)
als erster bestandtheil in zusammensetzungen in beispielen:
vorlesebuch n.
zum vorlesen bestimmtes: sie haben neulich darnach gefragt, bis wann ich mit einem v. für gymnasialanstalten fertig werden zu können glaube Hegel (1887) 19, 1, 229. —
vorlesekunst f.
kunst des vorlesens.
vorleseplatz m.
ambo, erhöhter v. in den altchristlichen kirchen Lueger lex. d. ges. technik (1894) 1, 275. —
vorlesepostille f
allgem. dt. bibl. 57, 389. —
vorlesepult n.
zum auflegen des textes.
vorlesesaal m.
die herren fabrikarbeiter saszen mit ihren dirnen lieber in den wirtsschenken als im v. Rosegger III 10, 212. —
vorlesethätigkeit f.
wie wohl auch beim vorhergehenden wort bezeichnet das verb. hier den lehrvortrag (s. 1 g γ): Clemens war in auszerordentlicher v. Görres br. (1858) 2, 353. —
vorlesetisch m.
vgl.-pult: heute träume ich häufig am v. zu sitzen Rosegger III 6, 183.
6)
ableitungen:
a)
vorlesbar, adj., was vorgelesen werden kann, 'besonders so beschaffen, dasz es ohne anstosz vorgelesen werden kann' Campe: mein brief könne, weil er hier nicht v. war, gar nicht vorgelesen werden Hermes für eltern u. ehelustige (1789) 4, 216.
b)
vorleser, m., vgl.fürleser th. 4, 1, 1, sp. 768; praelector ein vorleser oder fürleser Calepinus dict. XI ling. (1598) 1132ᵇ; vorleser, anagnostes Stieler 1167; Adelung; Campe.
α)
in allgemeiner anwendung, mit abhängigem gen.: darum lauscht der maler an der staffelei dem v. guter gedichte W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 293. — man schrieb gleichsam laut und öffentlich, als ob zu jedem buch ein v. ... gehörte Herder 18, 87 S.; er spielt den angenehmen gesellschafter, erzähler, musiker, v. Iffland theatr. w. (1827) 3, 20; Wilibald ... hat sich diese ganze zeit über gegen uns und die v. unartig betragen Tieck (1828) 5, 281; unser führer, der in diesem augenblick das buch in der hand hatte, wurde ... zum v. erwählt Hauff (1890) 2, 73; überflüssige anmerkung ..., unterbrach Melanie den schmunzelnden v. Gutzkow ritter vom geist (1850) 1, 403; mit mühe entzifferte der v. die halbverwischten züge M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 5, 55.
β)
eingeengt, jemand, der bei bestimmten gelegenheiten vorzulesen hat, es als kunst, beruf treibt: sich einen v, halten Adelung. — v. in einer gemeine, lettore d'una communità Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700) 1, 945ᶜ; (kanzel), von wo sonst der v. die speisenden (im kloster) erbaute Göthe 49, 221 W.; das amt des vorlesers, vor dem imbisz stund in dieser woche bei Ekkehard Scheffel (1907) 1, 147. — der Michel Angelo wurde dem publicum zuerst durch den berühmten v. Carl von Holtei bekannt gemacht Hebbel br. 8, 45 W. — abbt Duval, des königs von Preuszen v. Schubart br. 2, 50 Strausz; indem er (herzog von Gotha) mich zu seinem v. ernannte Freytag (1886) 1, 178; ihr (der kaiserin) französischer v. Gérard fand eingang in die kaiserliche familie Bismarck ged. u. erinn. 2, 197 volksausg.
γ)
einer der lehrvorträge hält, ein professor (s. oben 1 g γ): sprachen, für welche hier oben keine vorzüglichen v. waren E. M. Arndt (1892) 1, 69.
δ)
in besonderer anwendung (vor zeitlich), jemand der etwas früher als ein anderer und für diesen liest:
fänd ich einen solchen
vorträger und vorleser
Rückert (1867) 2, 196.
ε)
zu lesen, carpere (s. oben 2): vorleser, primi vindemiatores Aler dict. (1727) 2, 2126; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1663.
ζ)
in zusammensetzungen:
vorleserpflicht
im hinblick auf meine vorleserpflichten
Holtei erz. schr. 38, 101.
vorlesertalent
(ein absinth, der) meinem vorlesertalent aber übel anschlug, weil er mir das gehirn verdüsterte
Hebbel br. 4, 375 W.
vorleserton
du verfällst ja schon in den vorleserton
Spielhagen (1877) 6, 236.
im folgenden nach vorleser 6 b γ:
vorleserfikzion
im schwachen scherze einer akademischen vorleserfikzion
Jean Paul 49/51, 448 H.
c)
vorleserei, f., in herabsetzendem sinne: mit gemischten empfindungen denke ich zurück an die zeit meiner vorlesereien Rosegger III 5, 194.
d)
vorleserin, f., wie das m. in allgemeiner und in verengter bedeutung: ich lobe mir, wenn das junge geschlecht im kreise sitzt und die v. gutes aus den büchern verkündet Freytag (1886) 9, 53. — man stellte sie bei der erblindeten fürstin Bagration ... als v. an Gutzkow (1872) 2, 239.
e)
vorleserlich, adj., zum vorlesen reizend: du schreibst einen so behaglichen, vorleserlichen ton Herm. Grimm an Ringseis (1905) 49. — mir war den tag über ... durchaus nicht v. Holtei erz. schr. 39, 250.
f)
vorlesung, f., vgl.fürlesung th. 4, 1, 1, sp. 768 (ohne beleg); praelectio ein vorlesung, ein fürgegebne lection Calepinus dict. XI ling. (1598) 1132ᵇ; praelectiones, lectiones, fürlesung gewisser sachen Orsäus nomencl. method. (1623) 107; vorlesung, praelectio Stieler 1167; Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700) 945ᶜ; Adelung; Campe.
α)
in allgemeiner anwendung (oben 1), handlung des vorlesens; 'gemeiniglich ohne plural' Adelung: das romanzo der Italiäner, ursprünglich schon zu geselligen vorlesungen bestimmt Athenäum 3, 79; den Griechen war eine volksthümliche freude, ... vorlesungen epischer gedichte zu hören Freytag (1886) 14, 125. — oft so mit dem genit. des objects: nach empfahung und v. solches schreibens Schweinichen denkw. 152 Ö.; nach beschehener unterschiedlicher fürlesung solcher juramenten Ayrer hist. proc. juris (1600) 340; nach vollendung und offentlicher v. diese begab sich Lucifer zuruck in seinen ewigen schwefelpful Moscherosch ged. (1650) 1, 675; di lenge (beim vorlesen deutscher gedichte) etwas merklicher hoͤren zu lassen, als är bei forlaͤsung der meisten prosa ... zu tun flägt Klopstock über spr. u. dichtk. (1779) 1, 56; man hörte gern die v. meiner gefertigten und angefangenen arbeiten Göthe 28, 98 W.; die v. einer schönen anekdote Schiller 4, 43 G.; nach v. dieses briefes Holtei erz. schr. 3, 238; ich habe dies dem könige bei v. eines ihrer jüngsten berichte gesagt Bismarck ged. u. erinn. 2, 18 volksausg.in anderen wendungen: das evangelium Markus ist ... zur öffentlichen v. in der gemeine geschrieben Herder 19, 217 S.; ihr kennt Shakespears unvergleichlichen Hamlet aus einer v., die euch ... das gröszte vergnügen machte Göthe 22, 26 W.; (kein bruder des deutschen ordens darf) briefe absenden oder lesen ohne erlaubnisz des oberen, der v. fordern darf Freytag (1886) 18, 185; die missionskaffern vollzogen die v. (von theaterplakaten) laut Hans Grimm volk ohne raum 1, 407.
β)
in der sprache der gegenwart wird v. in dem eben behandelten sinne nur noch gebraucht, wenn dieser sinn durch den abhängigen genit. oder den zusammenhang unzweideutig bestimmt ist; sonst bezeichnet v. einen lehrvortrag, wobei es auf die abhängigkeit des vortragenden von seinem manuskript, und ob er überhaupt eins hat, nicht mehr ankommt; vor allem vom lehrvortrag an den hochschulen (Campe: 'weil die meisten das, was sie vortragen, aus ihren heften ganz oder doch meist vorlesen'; in wirklichkeit, weil in alter zeit das immer zu grunde gelegte compendium oder der text abschnittweise vorgelesen und erklärt wurde, lectio; beachte: es werden heute keine vorlesungen gehalten, es wird nicht gelesen; vorlesungen halten, hören, nachschreiben, schwänzen; anatomische, philologische v.; 'öffentliche v. (collegium publicum), eine unentgeltliche, besondere v. (c. privatum), wofür bezahlt wird. ganz besondere v. (c. privatissimum), welche nur vor wenigen zuhörern, nach ihren besonderen bedürfnissen, gehalten wird, und wofür diese natürlich ungleich mehr bezahlen müssen' Campe: ob er jemals prof. Gellerts moralischen vorlesungen beygewohnt, ... läszt sich auch so nicht sagen Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 77; seine (Kants) vorlesungen waren sinnreiche unterhaltungen mit sich selbst Herder 22, 12 S.; noten zu einem gedicht sind wie anatomische vorlesungen über einen braten Athenäum 1, 2, 12; meinen zuhörern einen leitfaden zu den vorlesungen in die hände zu geben Hegel (1832) 8, 3; von armsäligen philosophieprofessoren, die ... ihrer (der philosophen) als stoff zu vorlesungen bedürfen Schopenhauer 3, 379 Gr.vom lehrvortrag in einer gelehrten schule: er sollte mit der geschichte der natur den anfang machen und diese allen vorlesungen in der ersten klasse zu grunde legen Lessing 8, 25 M.
γ)
zur bezeichnung jedes wissenschaftlichen oder irgendwie belehrenden vortrages auszerhalb des unterrichts, in neuester zeit vor vortrag zurückweichend: in einer freundschaftlichen versammlung hörte ich neulich eine v. über wahn und wahnsinn des menschen Herder 17, 226 S.; der gewöhnliche inhalt meiner vorlesungen (in einem privathause) war die exaltation der menschlichen natur Schiller 4, 240 G.; mich von allen solchen (politischen dingen), wie von ästhetischen gesprächen und vorlesungen zu befreyen Göthe IV 37, 191 W.; wie viele öffentliche vorlesungen befriedigen nicht die wissbegier W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 2, 315. — ungewöhnliche verbindung: ich gab vorlesungen über die schönen wissenschaften und künste Schubart leben u. gesinn. (1791) 2, 36; er gab im tanzsaal beim blauen hecht ... vorlesungen über deutsche litteratur G. Keller (1889) 5, 101. — dann auch von druckwerken, auch ohne dasz der inhalt wirklich vorher mündlich vorgetragen worden ist: (ich bitte) wiederholentlich, meine vorlesungen ... nicht als ein urbild des urtheils anzusehen Hippel über d. ehe (1774) 41.
δ)
in freier anwendung für mündliche ausführung aller art, mit leichter oder stärkerer, besonders ungünstiger sinnesfärbung: er hielt mir eine v. über mein betragen u. ä.: nach dreiszig jahren die erste v. wieder (ironisch) Schiller kab. u. liebe 1, 7; musz ich bei lebendigen leibe eine v. über mich halten lassen? Tieck (1828) 12, 279; moralische vorlesungen willst du mir halten? Bäuerle kom. theater (1820) 4, 25.
ε)
als erstes glied von zusammensetzungen, die leicht zu mehren sind, bezeichnet das wort gewöhnlich den akademischen oder sonstigen lehrvortrag, doch s. die belege aus Holtei, wo vorlese- (s. oben 5) deutlicher wäre:
vorlesungsabend m.
vorbereitungen auf den ersten v. Holtei erz. schr. 38, 13. —
vorlesungsanzeige f.
es sollen die vorlesungsanzeigen bei hofe eingeschickt ... werden Tholuck vorgesch. d. rationalismus 1, 1, 33. —
vorlesungsgabe f.
er hat weder den hierzu nöthigen tief eindringenden philosophischen geist ... noch v. Hoffmann v. Fallersleben (1890) 7, 170. —
vorlesungsheft n.
öffentliche vorträge über das schöne halten zu dürfen, als beilage meine vorlesungshefte anzufügen Stifter (1904) 14, 5. —
vorlesungsmarter f.
die gewöhnliche v., die immer dauert, bis es endlich losgeht Holtei erz. schr. 38, 136. —
vorlesungstext m.
um den v. ... herzustellen hat nämlich N. ... fünf nachschriften von zuhörern benützt D. Fr. Strausz (1876) 5, 13. —
vorlesungsversuch m.
experiment, das in der vorlesung vorgeführt wird.
vorlesungsverzeichnis n.
früher an den universitäten index lectionum: (M. Haupts) proömien zu den Berliner vorlesungsverzeichnissen W. Scherer kl. schr. 1, 124.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1937), Bd. XII,II (1951), Sp. 1282, Z. 71.
Zitationshilfe
„vorlesen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/vorlesen>, abgerufen am 17.02.2020.

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