Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

wörterbuch, n.

wörterbuch, n.,
'lexikon, dictionarium, wortsammlung, wortverzeichnis'. zuerst nachweisbar bei Comenius (nach Kluge ⁷499ᵇ schon in der ersten auflage der sprachenthür von 1631, nachweise aus der 7. auflage (1638) s. u. 1), wonach die angaben von Jac. Grimm in teil 1, ix und die bessernden hinweise R. Hildebrands in teil 5, ii ff. zu berichtigen und zu ergänzen sind; dann wieder 1640 und in den folgenden jahren bei mitgliedern der fruchtbringenden gesellschaft, die den plan eines deutschen wörterbuches erörtern, doch vgl. schon ein jahrhundert früher: dictionarium, vocabularium ... einn buch von woͤrtern Er. Alberus (1540) H 2ᵇ und mnl. woordboeck (1584 und 1599) bei Kilian (s. ob. wortbuch), die deutsche bildung wohl dem mnl. nachgebildet, s. woordenboek 1 vorr. lxxii f.; bis zum ende des 17. jh. stehen die formen wörterbuch und wortbuch (s. d.) nebeneinander, bei Zesen z. b. im promiscue-gebrauch (wörterbuch dtsch. Helicon 2 [1641] L 6ᵇ; sprachübung [1643] 74, wortbuch verm. Helikon [1656] 12); die form wortenbuch (s. d.) bleibt ganz vereinzelt. neben anderen verdeutschungsversuchen wie namenbuch, aufschlagebuch, sprachenbuch, deutungsbuch, wortregister (s. d.), wortschatz (s. d.), wortverzeichnis (s. d.) u. a., deren keines sich in der folge durchsetzt, bleiben jedoch dictionarium und lexikon bis zum ende des 17. jh. noch in bevorzugter geltung. dann tritt dictionarium mehr und mehr zurück, während lexikon, besonders in der anwendung wörterbuch 2 (s. u.), sich bis heute behauptet. zur geschichte des wortes wie der sache vgl. Jac. Grimm in: dtsch. wörterbuch 1, ix; R. Hildebrand ebda 5, iii ff.; Ad. Scholz dtsche mundartenwbb. (1933) 2 ff. und zs. f. dt. wortforsch. 15, 16f. den verschiedenen anwendungen des wortes liegt der begriff eines geordneten, meist alphabetisch angelegten wortverzeichnisses zugrunde.
1)
auf dem gebiet der eigentlichen sprache, das ganze oder teile des wortschatzes einer sprache betreffend.
a)
im rahmen der gleichen, einundderselben sprache bleibend: welche (autoren) Frischlinus in der vorrede seines wörter-buchs erzehlet (quos in sui nomenclatoris praefatione recenset Frischlinus) Comenius janua (1638) )( 7ᵇ; vgl. ebda )( 6ᵇ; eines auffschlags wörter buches ebda, titelblatt; vnndt weil in Welschland vnd Frankreich, anietzo die deutsche sprach mit groszem fleisz ... getrieben wird, so were es gut, dasz ein wörterbuch (lexicon) wie auch phrases oder redensartbuch mit ehesten ... ans tageliecht keme (1640) Chr. Gueintz in: ertzschrein 245 Krause; vgl. ebda 257; 258; 296; 297; so lange aber einen jeden noch die furcht, seine völlige beweisthümer, woher er so oder anders schreibt, an tageslicht zu bringen, zurückhält, wird wenig einigkeit, regel, noch allgemeines richtiges wörterbuch zu hoffen seyn Gottsched d. neueste a. d. anm. gelehrs. 1 (1751) 190; dasz uns der ganze deutsche sprachschatz durch ein allgemeines wörterbuch möge vorgelegt werden Göthe I 40, 304 W. deutsches wörterbuch als titel zahlreicher lexikographischer werke: es hat schon für etzlichen jharen einer ... zu Augsburg einen anfang zu einem solchen deutschen wörterbuche gemacht (1645) fürst Ludwig v. Anhalt in: ertzschrein 297 Krause; Steinbach deutsches wörter-buch (1734) titel u. ö.; Jacob und Wilhelm Grimm deutsches wörterbuch (1854ff.) titel; dagegen habe ich mich im neuesten hefte des Grimmschen deutschen wörterbuches unter ortskenntnisz mit einem satz aus Jenatsch citirt gefunden (7. 12. 1886) C. F. Meyer an J. Rodenberg, s. br. 230 Langm.; dann habe ich in Paris etwas begonnen, was ich gerne fortsetzen würde: das lesen in dem groszen deutschen wörterbuche der gebrüder Grimm (12. 5. 1904) Rilke br. 1902 -06 (1929) 157. neben sprachkunst oder grammatik als dem anderen fundamentalwerk einer sprache: wan ... ein volks oder volständiges wörterbuch teutscher sprache verfertiget ... werden künte: eine allerseits gantze ... sprachkunst würde müszen ... vorhergehen (1645) Schottel in: ertzschrein 296 Krause; nicht in wörterbüchern und grammatiken (da sind nur ihre [der sprache] materialien und bauregeln zu finden) Herder 22, 138 S. uneigentlich: die heilige schrift sollte unser wörterbuch, unsere sprachkunst seyn, worauf alle begriffe und reden der christen sich gründeten Hamann schr. 1, 121 R.-W.; (im orgelbüchlein) ringt er (Bach) nach plastischem gedankenausdruck und kommt dazu, sich eine tonsprache zu schaffen ... darum ist das orgelbüchlein das wörterbuch der Bachschen tonsprache A. Schweitzer Bach (1948) 262. auf bestimmte teile des wortschatzes eingeschränkt: dasz ich das eine alphabeet meines wörterbuchs (reimender wörter) ... zum andern geordnet Zesen dt. Helicon 2 (1641) L 6ᵇ; ein synonymisches wörterbuch, oder ein verzeichnisz der deutschen gleichbedeutenden wörter Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 33. mit verächtlichem unterton: wer wolte sich denn so schülerhaft an die worte binden? allenthalben gukt das wörterbuch hervor briefe, d. neueste litt. betr. 13 (1762) 87 Nicolai.
b)
auf den gesammelten und nach seiner bedeutung erklärten wortschatz einer fremden sprache bezogen: Nic. di Castelli italiänisch-teutsch und teutsch-italiän. wörterbuch (1709) titel; Larramendi, in der vorrede zu seinem vaskischen wörterbuch W. v. Humboldt ges. schr. 4, 62 akad.; dasz sie die knaben bald am Homer, bald an der hobelbank, bald mit dem lateinischen wörterbuch, bald mit hacke und spaten arbeiten lieszen Riehl d. dt. arbeit (1861) 212; die sogenannte pietra fungaja, die in reisebeschreibungen sowohl als in wörterbüchern als ein tuffstein angegeben wird auf welchem eszbare schwämme wachsen Göthe IV 22, 86 W.
2)
als erklärende sammlung der zu einem bestimmten sachgebiet und wissensbereich gehörigen begriffe, stichworte und kunstwörter, von alphabetisch geordneten, einzelbeiträge enthaltenden werken enzyklopädischen charakters. z. t. in anlehnung an den sprachgebrauch der französischen enzyklopädisten: wegen dieser anmerkung (über das altertum der oper) ist ... zu erinnern, dasz man im Baylischen woͤrterbuche (P. Bayle dictionnaire historique et critique [1695ff.]) ... nachsehen kann Scheibe d. crit. musicus (1745) vorw. a 5ᵇ; dasz wir das geschäft wegen des groszen wörterbuchs ganz müssen fallen lassen Göthe IV 34, 99 W. (dazu dasz ich die originalausgabe des groszen dictionnaire encyclopédique in etlichen dreiszig bänden um einen billigen preis bekommen kann ebda 69); da hat man wörterbücher, wo man jede wissenschaft, ... aus dem grunde lernen kann Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 89; meist in ausdrücklicher kennzeichnung des sachgebietes: er verspricht ein lithographisches wörterbuch anh. z. allg. dt. bibl. 1-12 (1771) 694; in seinem philosophischen wörterbuch, ... unter dem artikel: éducation D. Fr. Strauss ges. schr. (1876) 11, 9; nautisch-technisches wörterbuch der marine (1883) titel.
3)
in übertragenem gebrauch.
a)
für den wortvorrat, der innerhalb eines bestimmten lebens- oder sachgebietes bezeichnend zur verfügung steht: vielleicht hat keine sprache der welt ein so süszes wörterbuch der liebe (wie die griechische) Herder 3, 296 S.;
einen andern namen
kann ich für ihn im wörterbuch der brust,
wo ich es auch aufschlagen mag, nicht finden
Rückert ges. poet. w. (1867) 10, 195;
dasz die liebe zur freiheit ein system geworden war und dasz es ein wörterbuch des liberalismus gab Gutzkow ges. w. (1872) 9, 35; der 'geist von Locarno' hielt seinen einzug ins europäische wörterbuch Stegemann weltwende (1934) 30. von der sachlichen anwendung 2 aus: die geschichte ist voll solcher abadonnischer namen, so dasz man ein wörterbuch des wahnes und wahnsinnes der menschen aus ihr ziehen ... würde Herder 17, 231 S.
b)
für den wortschatz, die redeweise eines bestimmten sprechers oder eines bestimmten kreises von sprechern: Eraste: sie hassen mich also? Vielgut: das wörterbuch der mädchen ist nur etwas wunderlich verfasset Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 627; geduld ... verdammtes wort! im wörterbuch der liebenden ist es nicht zu finden Nestroy ges. w. (1890) 1, 210; wir haben das wort (freiheit) auch, es steht uns zu gebote, glaubt nicht, dasz es nur in euerem wörterbuch vorkommt Th. Mann Faustus (1948) 162. geläufig ein wort steht nicht in meinem wörterbuch 'ich kenne oder brauche das wort nicht': Hamlet ist es gleich zufrieden, das wörtchen nein steht nicht in seinem wörterbuche, er sagt gut, und läszt sich schicken Börne ges. schr. (1829) 2, 195. auch auf die durch das wort bezeichnete sache ausgedehnt: wankelmuth, unentschlossene schwäche, ... das waren dinge, die nicht in des hauptmanns wörterbuche standen Holtei erz. schr. (1861) 6, 30.
c)
in scherzhafter personifizierung: von dem königlichen sekretär W. begleitet, der uns als wörterbuch und dolmetscher dient E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 176. besonders zur umschreibung äuszerlicher vielwisserei: die geschicklichkeit ..., sich mit einer menge wörter zu beladen, ... uns so zu sagen zu lebendigen wörterbüchern zu machen Gottsched d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. 4 (1754) 617; mich eckelt vor den herumwandelnden encyclopädischen wörterbüchern Knigge umg. m. menschen (1796) 3, 100.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1951), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1559, Z. 51.

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Zitationshilfe
„wörterbuch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%B6rterbuch>, abgerufen am 03.08.2020.

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