Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wörteln

wörteln,
worteln, vb. nach singulärer ahd. bezeugung scheint das wort erst im 15. jh. wieder aufzutauchen, ist im älteren nhd. der obd. gebiete, auch noch im 18. und frühen 19. jh. verbreitet, zieht sich dann aber zurück und lebt heute ausschlieszlich in der mundart (s. u.), aus der es gelegentlich in literarischen gebrauch wieder eindringt. seiner bildung nach ist wörteln, worteln nicht eindeutig: einmal könnte es auf ahd. wortalôn in uuortalonti verbosus (Pa) ahd. gl. 1, 160, 17 St.-S., (K) ebda 204, 9 zum adj. wortal in uuortaler verbosus (Rb) 1, 584, 29, mit der iterativen bedeutung 'worte machen, schwatzen' und ein daneben denkbares und dann erst zufällig seit dem 15. jh. bezeugtes *wortilon zurückgehen. zum andern aber konnte es jederzeit zu wort oder worten (s. d.) neugebildet werden. aus der gelegentlich im 15. jh., vereinzelt auch später begegnenden umlautlosen form worteln (s. u.) kann auf unmittelbaren zusammenhang mit ahd. wortalôn um so weniger geschlossen werden, als sie gerade für die bedeutung 'zanken' bezeugt ist, während anderseits für die bedeutung 'schwatzen' im frühnhd. von anfang an die umgelautete form wörteln gilt. jedenfalls läszt das wort bei seinem eintritt in die quellen des 15. jh. eine sonderung nach verschiedenen ursprungsformen nicht mehr zu; vgl. Wilmanns dt. gr. 2, 97; v. Bahder wortwahl 123 anm. älter neben wörteln meist in der form wörtlen, ohne umlaut: wortlen (1415/16) bei Stolz d. Deutschtum in Südtirol 2 (1928) 97; (15. jh.) Diefenbach n. gl. 18; Petri weisheit (1605) Pp 4ᵇ. als wertlen (1487) Diefenbach n. gl. 18, wörtelen Fischart binenkorb (1588) 117ᵃ; Zesen rosenmând (1651) 173; Kramer t.-it. 2 (1702) 1397ᵇ. ungewöhnlich ist wörtlin Murner dt. schr. 7, 117 Pfeiffer-Belli. mundartlich ist wörteln über nahezu das ganze obd. gebiet verbreitet, dazu im omd. grenzbereich des Erzgebirges, vgl. z. b. wörteln (neben gleichbedeutendem worten) Stalder schweiz. id. 2, 457; Unger-Khull steir. 638ᵇ; wört·ln Lexer kärnt. 260; wörtla Tobler Appenzell 451ᵃ; wörtleⁿ, wortleⁿ Fischer schwäb. 6, 962; wert·ln, wart·ln Schmeller-Fr. bair. 2, 1013; warteln id. austr. 126; sich wärteln, wertəln Müller-Fraureuth obersächs. 2, 680ᵃ; Göpfert sächs. Erzgeb. 40.
1)
dem ahd. ansatz entgegen im älteren nhd. vorwiegend und in der lebenden mundart fast ausschlieszlich in der bedeutung 'mit worten streiten, zanken, in wortwechsel geraten, stichelreden führen', vgl.: altercare wortlen, stryten (15. jh.), wertlen (voc. rer.) Diefenbach n. gl. 18; zancken, hadern, woͤrtlen, kyben, ein hader, zanck, oder gefätz anfahen Frisius (1556) 78ᵃ; vgl. 265ᵃ; 639ᵇ; 1350ᵇ; der Ulreich Pissenzeuder und er (Nickel) wortlaten mit ainander von ains armbrusts wegen und von ains köchers (urk. 1415-1416 Kaltern) bei O. Stolz d. Deutscht. i. Südtirol 2 (1928) 97; er sei ... zuo P. gangen, mit ime gewörtelt und darauf mit eim bihel geschlagen (1492) bei Fischer schwäb. 6, 962; huͦbend die mörder an, mit dem jungen grafen zu wörteln vnd machtend zuͦletzst ain zerwürfnus, in der graf Fridrich erstochen ward Joach. v. Watt dt. hist. schr. 1, 279 Götzinger; die Portugalesen haben mit den Englischen gewoͤrtlet, als aber der keiser die sachen grundtlich erwegen, hat der keyser das vrtheil allerdings den Englischen zu gutem gegeben D. Federman Niderl. beschr. (1588) 107; die apostlen woͤrtlen miteinander, wer vnder ihnen soll major haissen Abr. a S. Clara Judas 2 (1689) 91. so noch in wbb. des 18. jh. (oft neben der bedeutung 2): wörtelen ... contendere, contrastare di parole ingiuriose Kramer t.-it. 2 (1702) 1397ᵇ; wörtlen velitari, verbis digladiari Dentzler clavis (1716) 357ᵃ; miteinander wörteln velitari Serz teutsche id. (1797) 178ᵃ. modern aus der mundart: jetzt mischte sich Thekla ein: 'laszt doch das wörteln' P. Dörfler d. lampe d. tör. jungfr. (1930) 383. vereinzelt transitiven gebrauchs, in der bedeutung 'mit worten zusetzen, beschimpfen': würd aber ie doctor Luther ... vnsz geweltlich woͤrtlin, mag euwer gnad erkennen das billicheit erfordre im nach gelegenheit zuͦ entgegnen Murner dt. schr. 7, 117 Pfeiffer-Belli.
2)
'worte machen', insbesondere 'disputieren', auch 'schwatzen' oder 'sprechen' mit dem negativen akzent des krittelnden, nörgelnden, mäkelnden (ahd. wortalôn s. ob.), so dasz gelegentlich die bedeutungsgrenze gegen 1 flieszend wird: dann dasz sie (die ketzer) hierausz woͤrtelen wollen, vnnd sagen ... disz mag doch nichts helffen Fischart binenkorb (1588) 117ᵃ. im rahmen einer unmöglichen etymologischen deutung: dan wie das wort daher also heisst, weil man die buchstaben zusam-wörren, wörtelen und durcheinander, fremde zu fremden, paaren musz, eh ich ein wort machen kan Zesen rosenmând (1651) 173. im älternhd. meist 'disputieren': mit solhen leuten (d. h. abtrünnigen christen) nit zewoertlen, sonder zemeiden ... vntüchtig frag, nachdem zaennckische wort vnnutz vnd eytel ... seinn Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 112 R.; aber sie (Eva) hat sich selbs verfüert, da sie mit dem teuffel zu wörtlen oder disputieren angefangen Lorichius v. weltl. eitelk. (1586) 390; anfangs zum wörteln, folgendts zum wortwechsel gekommen (1675) bei Fischer schwäb. 6, 962. daneben, und namentlich vom 18. jh. bis in die gegenwart, verschieden nuanciert, vgl. in den wörterbüchern: wörtelen parolare, parlottare, it. chiaccherare Kramer t.-it. 2 (1702) 1397ᵇ; wörtlen argutari Aler dict. (1727) 2, 2214ᵇ; wörteln critiquer, disputer Frisch n. dict. (1730) 678; disputer, critiquer, parler en l'air Schrader dt.-frz. wb. (1781) 2, 1652. Heynatz (antibarb. 2 [1797] 652) und anscheinend auch Campe (wb. [1807] 5, 776ᵇ) halten das wort fälschlich für eine neubildung ihrer zeit. literarisch: nicht vil wörtlens und wercklens machen (1642) bei Fischer schwäb. 6, 962; alsdann hub er wieder, mit besagtem kauffmann an, vom korn zu woͤrteln Chr. Arnold wahrh. beschr. (1672) 562; da ich also in mir selbst wörtelte Lindenborn Diogenes (1742) 1, 134;
sprachs; und es nickten ihm ja! die drei, zu müde dem woͤrteln
Baggesen poet. w. (1836) 1, 22;
alles unvermittelte durch wörtelnde erklärungen vermitteln und so die kinder verflachen zu wollen Harnisch mein lebensmorgen (1865) 19 Schmieder; böse menschen kläuben und wörteln ob den rechten der väter des vaterlands Pestalozzi s. schr. (1819) 6, 387; und da ging es denn noch einige zeit mit dem wörteln und deuteln zwischen Österreich und Preuszen hin und her K. F. Leppa herzenssachen (1923) 112; mundartlich so nur vereinzelt, vgl. Hunziker Aargau 302. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1951), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1557, Z. 3.

wörtlen, vb.

wörtlen, vb.,
s.wörteln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1951), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1599, Z. 63.

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wölflein
Zitationshilfe
„wörtlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%B6rtlen>, abgerufen am 11.08.2020.

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