Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

wüch

wüch,
meist entrundet wiech, adj., 'üppig, fett, dicht', vom pflanzlichen wachstum, auch 'fett, gehaltvoll', von speisen. im bair.-österr., auch schwäb., als wort der mundart und der landschaftlichen umgangssprache verbreitet. meist als *wuochi- (germ. *wōki-/ja-) zu wucher gestellt (s. d.), doch wird es von Schatz ma. v. Imst 107 und wb. d. Tiroler maa. 705 wohl wegen des inlautenden h in Tirol (wiehe, danach auch im auslaut h-verlust in wie in Welschnofen) und Kärnten (wieha Lessiak ma. v. Pernegg in Paul u. Braune beitr. 28, 156) mit wāch 'stolz' (= wäh teil 13, sp. 503), ahd. wāhi 'schön, fein, zierlich, gut' verbunden (ablaut *wēhi-: *wōhi-). dazu würden die beiden ahd. glossen-belege für uuohi passen: uuohirunmutas 'mansuetioris spiritus' ahd. gl. 2, 170, 44 (Gc 3; 9. jh.) und vuu hun (Graff 1, 728 las vuuohun) 'insolentem (curam)' ebda 2, 217, 7 (Gc 8; 9./10. jh.insolens 'ungewohnt' hier in der häufigen bedeutung von 'stolz, übermütig' gefasst); namentlich der erste beleg scheint sich so wenig mit wucher und der daraus zu erschlieszenden grundbedeutung von wüch zu vertragen, dasz Steinmeyer ahd. gl. 2, 217, anm. 1 an schreibfehler für uuehirun = uueihirun dachte (und Graff ahd. sprachschatz 1, 700 ihn fragend zu wāhi stellte). dagegen stimmt die nhd. bedeutung weniger gut: man müszte übertragung vom menschen (wieher mensch 'grosztuender mensch' Schatz wb. d. Tiroler ma. 2, 704; ironisch 'ein saftiger mensch' Schmeller-Fr. 2, 835) auf den pflanzenwuchs annehmen, wie etwa bei geil (teil 4, 1, 2, sp. 2587); angesichts der bezeugung ist allerdings die umgekehrte übertragung vom pflanzenwuchs auf den menschen, wie bei saftig Schmeller a. a. o. und üppig (teil 11, 3, sp. 2343), ungleich wahrscheinlicher. auch das lautliche kann kaum im sinne von Schatz entscheiden, da häufiger ch auch im inlaut verzeichnet wird (so auch von Schatz, ferner von Schmeller-Fr., Lexer Kärnten 260, Unger-Khull steir. 632ᵇ [wieche, f.], B. Schweizer Tautš [1942] 77 [buoΧe]) und sich andrerseits nach hoch — hohe, rauch — rauhe, floch — flohe, scuoh — scuohe auch wüech — wüehe analogisch einstellen konnte. danach wird man entweder ahd. wuohi von nhd. wüch lösen und ersteres mit wāhi, dieses mit wucher verbinden oder aber annehmen, dasz ein ahd. wuohi sekundär unter den einflusz von wucher, wuchern geraten sei.nicht hierher gehört von manchen mit wiech identifiziertes wich (hss. A und C, vgl. Wilmanns-Michels 2, 167 anm.) bei Walther v. d. Vogelweide 35, 28, da es einfach fehler für weich ist, s. v. Kraus Walther v. d. Vogelweide (1935) 125. ein literarisches zeugnis begegnet im 17. jh.: die geben aber einen überaus wiechen und starcken wein Valvasor herzogth. Crain (1689) 1, 226. sonst ist das wort nur aus jüngerer zeit in den angegebenen bedeutungen für die mundart gebucht: wüeche Lexer Kärnten 260; büge, büüche Schmeller cimbr. 113; wüch (wiəX) Fischer schwäb. 6, 964; wieche, wiəch Schmeller-Fr. bayer. 2, 835; wiech Reiser sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 744; Unger-Khull steir. 632ᵇ; Schöpf Tirol 815; auf die (flecken) man dann, so lange der boden noch gefroren ist, das 'kunter' (ziegen und schafe) hintreibt, damit die saat nicht allzu 'wiech', d. h. üppig, aufschiesze Hörmann Tiroler volksleben (1909) 4. im schweiz. findet sich mit dentalem wurzelauslaut bei gleicher bedeutung das adj. wüed: ein wüeder baum, wüedes unkraut, ein wüeder boden; die wüedi 'geile' (ferner auch wühlen 'wuchern') Stalder Schweiz 2, 457.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1689, Z. 5.

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Zitationshilfe
„wüch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCch>, abgerufen am 06.08.2020.

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