Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wühlen, vb.

wühlen, vb.,
eindringend umwälzen; ahd. uuuol(l)en, mhd. wüelen, mnd. wōlen, mnl., nl. woelen; damit ursprünglich identisch wuhlen 'mit tauen zusammenschnüren' (s. d.). fraglich ist die zugehörigkeit von and. uuoliad 'demoliuntur', glosse zu exterminant Mth. 6, 16 ahd. gl. 1, 710, 54; vgl. faruuolit 'expulit' im abrogans ebda 1, 134, 19 und ags. bewoeledu wæs eorđe 'infecta est terra' Junius-psalter 105, 38. — vorahd. *wōljan aus idg. *uāl- oder *uōl- von der dehnstufe der wurzel ual-, uel- 'drehen, winden, wälzen' in got. wulan ζέειν, dt. walen, wallen, wellen, wälzen usw.; auszerhalb des germ. könnte mit wühlen identisch sein aksl. valiti 'wälzen', lit. võlioti 'hin- und herwälzen', aind. vālayati 'macht rollen, wendet um', s. Walde-Pokorny 1, 298 ff., bes. 302; Vasmer russ. etym. wb. 1, 165 f.umlautlose formen wuəlen, wuolen verzeichnen Martin-Lienhart elsäss. 2, 818; Schmeller-Fr. bair. 2, 893; Lexer kärntn. 260; Hintner Defereggen 237.
A.
von den elementen.
1)
von wind und sturm. transitiv und unmittelbar an die ursprüngliche bedeutung 'wälzen, rollen' anknüpfend bei Notker: toh ouh ter dîezendo uuint uuûlle den mere unde uelle den uualt 1, 87, 20 Piper; er uuolta ioh uuizen uuaz tia uuinda recche tî den mere vuûolent (sollicitent) ebda 1, 14, 24; der wind wolt ... den mantel nemmen, ... er wähete vnd wülte, je enger vnd strenger der wanderer den mantel ... an sich hilte Fischart w. 3, 134 Hauffen; eyn starcker wind, der den schnee über eynander wület Sebiz feldbau (1579) 575;
es kömmt ein drehwind hergezogen,
der wirbelnd in den funken wühlt
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 5;
die winde wühlten in tausend wohlgerüchen und jagten und verlieszen sie wieder, und die blumen schüttelten zutraulich ihr haupt gegeneinander Tieck schr. (1828) 8, 84;
uns beide will noch schön das leben schmücken
mit seinen reichen, heitern, vollen kränzen,
der morgenwind wühlt um den offnen busen
Eichendorff s. w. (1864) 1, 361;
auf leerer kanzel knackt ein tritt,
wie nachtwind an den fenstern wühlt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 134;
wühlt durch die locken mir
ihr winde
Mörike w. 1, 284 Maync;
der erste frühwind rauschte wühlend durch die wipfel Kluge Kortüm (1938) 707.
2)
von der bewegten wasserflut: wuollentes mere Notker 1, 22, 6 P.; vnd hie zerbrichstu (das meer) dein zerbleenden vnden (var. wüelend fluͤsz, vulg. tumentes fluctus tuos) erste dt. bibel 7, 227 Kurr.;
der damm zerschmilzt, das feld erbraust,
die fluthen wühlen, die fläche saust
Göthe I 2, 37 W.;
da (seine) hütte ... durch die wühlende fluth weit von dem festen lande getrennt war S. Gessner schr. (1777) 1, 143; wenn er am meere sasz, in das wühlen des wassers starrte Ric. Huch kampf um Rom (1925) 338. mit objektsergänzung 'bohren':
(der strom) reisst stauden, stöck und bäum und fölsen überhauffen,
wühlt löcher in den grund, die unergründlich seyn
Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 131;
(das schlosz) läszt sich nach und nach von den wellen unterminieren, die schon viele fusz tief in die mauern gewühlt haben (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 21 Schulte-K.; man sieht, wie es (das wasser) wühlen und bohren muszte, um sich hier durch den kern der felsen bahn zu machen (1824) Uhland briefw. 2, 224 H.
3)
vom feuer:
funkenblicke seh ich sprühen
durch der linden doppelnacht,
immer stärker wühlt ein glühen
von der zugluft angefacht
Göthe I 15, 1, 303 W.;
es waren säulen, wie aus krystallfelsen gehauen, in deren innerstem eine feuerglut wallt und wühlt Jung-Stilling s. schr. (1835) 2, 152. schon früh bildlich: dem wülenden, wütenden fewer der unkeuschait (entziehen) J. Strausz ain sermon, in der ... gelert ist die pfaffenee (1523) B 1ᵇ;
dieser schönen flammen wühlen,
ihr so bunt- als reger schein
dringt sich in mein herz hinein
Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 64.
4)
von der bewegten menge; hinter diesem gebrauch steht die vorstellung der bewegten elemente; s. auch das verbalsubstantiv gewühl teil 4, 1, 4, sp. 6755 und unten wühlig sp. 1749:
man jauchzt, man will dich sehn.
um die moschee wühlt das freudigste gedränge
slg. v. schausp. (1764) 2, 18;
und lässt ihn ...
im wühlenden gelerm des wilden lagers schlafen
Lessing 1, 241 L.-M.;
dort (beim marktfest) wühlte ein unglaubliches getümmel durch einander Göthe I 25, 3 W.; haufen volks zogen nach der langen brücke, andere entgegen, es wogte und wühlte Alexis Roland (1840) 2, 333. dann auch: neue scharen lösten sich aus dem böhmischen heere und drängten sich in den wühlenden kampf Sperl söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 180.
B.
von tieren.
1)
mit dem rüssel aufwühlen: wulin verrere, ... vertere terram sicut faciunt porci Konrad v. Heinrichau vocab. 399ᵃ Gusinde; grub dy ein saw wulet (1421) Diefenbach nov. gl. 385ᵇ s. v. volutare; wolen also de swin fodere rostro ebda 178ᵃ; das schwein wielet vnd gräbt mit seiner schnautzen oder seinem rüssel Duez nomencl. (1652) 192; wühlen ... ist das eigentliche thun der säue mit ihrem rüssel in wiesen und feldern Gueintz dt. rechtschreibung (1666) 162; da hie vor die heiligen engel phlagen ze wonenne, da wülent nu du swin Seuse dt. schr. 222 Bihlm.; (die meerschweinchen) wüelent in die erd sam diu rehten swein. si habent den rüezel pei der keln Konrad v. Megenberg buch d. natur 256 Pfeiffer; ain wülunts swein, wenn man das berueft gegen dem des es ist, alspald man den berueft, so sol man es ringeln (15. jh.) österr. weist. 1, 324; ein suw hat auch lust in der kotlachen zu wülen, und ein kuͦ in dem stal zu ston Keisersberg brösamlin (1517) 2, 36ᵇ; man saget, das der fisch torpedo ... im wynter vff dem boden des mörs wülen ... soll Eppendorff Plinius (1548) 111; (der barben) art ist, dasz sie ... wühlen wie die schwein (ca. 1660) fischbüchlein 152; als die visch im wasser herumb waltzen vnd wülen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1032; ein saw, wenn sie ein dreck findt, so friszt sie jhn, oder wühlet drin Lehmann floril. polit. (1662) 2, 811; ein maulwurff im garten kan nichts denn wühlen vnd verderben vnnd meynets nicht bösz ebda 1, 114; die maulwürffe sind den gärten gefährlich, weilen sie, wo der beste grund ist, am liebsten wühlen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 476; so die sauen in die erde wühlen, heist es brechen Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 1, 25;
ermüdet lauscht ich an umbuschter stelle,
und sah den eber in dem grunde wühlend
Brentano ges. schr. (1852) 6, 154;
spuren, die das wildschwein in den schnee gewühlt hatte Fontane ges. w. (1905) I 2, 7;
wurzeltief wühlt sich ein
ziesel und züngelwurm:
dir ist der stamm geweiht
von blitz und sturm
Weinheber späte krone (1936) 92.
2)
gern im vergleich: es ist jhe eine schendliche verachtung gottes, das wir ... lassen sie (die kinder) nichts lernen denn narung suchen, gleich wie eine saw mit der nasen jmer jm kot wülen (1530) Luther 30, 2, 562 W.; das wirt euch vbel schmecken, dasz ich ewer philosophey in dreck wirff, vnd jhr müssen darein, vnd die sew müssen zu euch in dreck wülen Paracelsus opera (1616) 1, 147; dise, an welchen keine gute underweisungen helfen, alle gute predigten verloren, seind keine menschen, sondern den wilden säwen gleich, wülen allenthalben und graben, den gemeinen friden zu verstören Lorichius instruction u. bericht (1608) 304; (der unwissende) kreucht und wühlet durch den garten dieses lebens wie ein maulwurff Butschky Pathmos (1677) 3. vgl. den bildlichen gebrauch unter D 1 a.
3)
von anderem getier: sand, feget oder aesche ..., damit sie (die hühner) sich darinnen wülen vnd putzen mögen Sebiz feldbau (1579) 101;
die glucke begleitet die küchlein ins gras,
sie wühlen im sande und suchen den fras
Schwabe belust. (1741) 8, 423;
in den versiegten teichen wühlen mit forschendem schnabel/hungrige störche vergebens Lenz ged. 35 Weinhold; am andern morgen ... kamen zwei ochsen und wühlten mit ihren hörnern in einem ... sandberg br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 80;
ein busch maiglöckchen, daran bienen hängen,
die wühlend tief in süsze kelche drängen
G. Etzel John Keats ged. (o. j.) 5;
zu beiden seiten ... standen blühende obstbäume voll summender, wühlender bienen Storm s. w. (1899) 1, 25; seit einer halben stunde sind auch die pflüger heimgekehrt und eifrig wühlen die pferde in den vollen krippen Allmers marschenb. (1900) 228; wenn eintönig die letzte grille verklingt und nur noch das emsige wühlen des groszen ameisenhaufens in der nähe rieselt Carossa Dr. Bürger (1930) 13; in einem obstgarten waren viele junge bäume mit stroh umflochten, darin wühlten spatzen und grünlinge nach körnern ders., winterl. Rom (1947) 8.
C.
von menschlicher tätigkeit. 'in einem nicht festen stoff, in einer menge von einzelgegenständen, die aufgehäuft sind oder sich in einem behälter befinden, suchend (mit der hand, einem werkzeug usw.) herumfahren'.
1)
ahd. in der komposition: uuelih uuib habet zehen dragmas, oba siu uorliusit eina dragma, eno ia in brennit leohtfaz inti aruuolit thaz hus (evertit domum) inti suochit ageleizo unzin sie fintit? Tatian 96, 5; du wilt zu predig gon, ein allmuͤsen geben ... vnd ligst also im seckel zu wuͤlen vnd züchst am seckel Keisersberg brösamlin (1517) 1, 60ᵇ; wühle nicht nach dem besten stücklein in der schüssel umbher wie eine saue im rübenacker Mathesius Jesus Syrach (1586) 2, 43ᵃ;
... in dem berg da ist ein buhl,
daselbst mit einem hacken wull,
wirstu finden ein schatz
Eyering proverb. copia (1601) 1, 173;
wer in rothem thone wühlet
und bey seinem mammon sitzt
Triller poet. betracht. (1750) 1, 560;
man sah sie mit der hand in einem korbe wühlen Ramler einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 399; seht, wie er in den rauchenden schutthaufen wühlt, um die reste seines sohnes zu finden, die er vergeblich sucht Lenz sicilian. vesper 34 Weinhold;
es wühlt bei nacht des gräbers gier
Kind ged. (1817) 1, 99;
grabstätten, deren ... steinsäulen ... von wühlenden schatzgräbern umgeworfen sind Ritter erdkde (1822) 2, 897; (es) irrten die meisten umher und wühlten in der erde nach eszbaren wurzeln Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 181; (sie) begannen mit stangen, die bis auf den grund (des teiches) reichten, zu wühlen und zu suchen Holtei erz. schr. (1861) 14, 143; da sah er das blasse kindlein auf der erde sitzen und emsig mit den fingern in den dielenritzen graben und wühlen br. Grimm kinder- u. hausmärchen 1, 22; in meinem schreibschrank hab ich ... gewühlt Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 369; (ein alter professor) muszte allein seinen überrock suchen. er wühlte unter den kleidern, griff einen rock und einen hut G. Freytag ges. w. 6 (1887) 333; sie wühlte behaglich in ihrer kiepe Fontane ges. w. (1905) I 1, 76; (sie) krallte sich ein in die sandige krume und wühlte darin Cl. Viebig die vor d. toren (1949) 108.
2)
übliche verbindungen:
schmiegst dich an die zarten wangen,
wühlst in ihren seidnen haaren
Platen w. 1, 34 Hempel;
den kopf auf beide fäuste gestützt und in den haaren wühlend W. Raabe s. w. I 1, 113; und vorn übergebeugt preszte der junge Goethe die stirn in die flache hand, deren finger in seinen locken wühlten Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 287. — in papieren, akten, büchern wühlen: die finger waren geschäftig in verschiedenen schreiben und suppliken zu wühlen Rabener s. schr. (1777) 3, 133; in den acten wühlen fouiller dans les actes Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1074ᵃ; ich habe ... in pergamenten gewühlt J. v. Müller s. w. (1810) 5, 221; in meines schwagers muffigen manuskripten wühlen (1835) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 170 Schulte-K.; dann trat er an (den) schreibtisch, wühlte unter den papieren und büchern E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 51 Gr.; die in alterthümern und bibliotheken wühlenden einsiedler Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 138. — im golde, gelde wühlen; auch in dem weiteren sinne 'reich sein', s. Fischer schwäb. 6, 969:
da liesz er in der eil ein schreibpult offenstehn,
wo ihn sein petz im gold oft hatte wühlen sehn
Ramler fabellese (1783) 2, 325;
ihr genügte daran, mit beiden händen im golde zu wühlen, jede ihrer kostbaren launen befriedigen zu können Holtei erz. schr. (1861) 11, 235; man erzählt von sterbenden, die sich ihren kasten voll ringe und geschmeide auf das todesbett bringen lieszen, um ... mit erstarrenden fingern darin zu wühlen J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 202. bildlich:
ist weisheit nur gewinn:
so lasz in ihrem schatz mich wühlen
Goekingk ged. (1780) 3, 10;
oft setz ich mich auf deine berge hin,
und wühle mit dem aug in deinen schätzen,
und lasse sich mein herz an dem bewusztseyn letzen,
dasz ich genugsam bin
ebda 3, 130;
diese pracht ist nicht zu beschreiben, man musz in ihr mit allen sinnen wühlen Immermann w. 7, 240 Hempel. in tönen wühlen:
wenn er ...
mit der schnellen hand in dissonanzen wühlt
Zachariä poet. schr. (1763) 2, 87;
da aber ein wahrer orgelspieler in den chromatischen tönen so gerne wühlt Schubart ästhetik der tonkunst (1806) 278.
3)
nach zweck und ergebnis näher bestimmt: wir haben sie alldort für todt gefunden in einem grüblein, so sie in den erdboden hinein gewühlet, als ob sie hineinschlüpfen wollen (ein kind) G. Keller ges. w. (1889) 1, 55; er hörte das picken tief in der erde ... unter der erde wühlen feinde in die stadt Jahn w. (1884) 1, 20; du kannst einen maulwurfsgang unterm stacheldraht wühlen, ohne dasz sie's (die feinde) merken A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 213. bildlich:
morgen wieder neu sich zu entbinden,
wühlt sie (die natur) heute sich ihr eignes grab
Schiller 6, 26 G.
4)
reflexives sich wühlen.
a)
'sich (mühsam) fortbewegen': mit ... bauernpferden habe ich mich durch den sand gewühlt A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 319; wenn sich der Seppel heute nach Schwarzenberg wühlen kann (durch den schnee), so ist dieser brief freitags früh in deinen händen (1866) Stifter briefw. 6 (1931) 53;
ist's nicht eitel und vergebens,
...
durch den wüstensand des lebens
sich zu wühlen eine bahn?
Lenau s. w. 12 Barthel.
b)
sich in etwas wühlen 'sich verhüllend oder verbergend in etwas einwühlen':
darob er sich in seine blumen wühlte,
ein grab hätt er sich wühlen mögen gern
Rückert ges. poet. schr. (1867) 3, 181;
(er) klomm zum aufboden empor und wühlte sich ins heu Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 473; (sie) warf sich vor dem (kranken-)bett hin und wühlte ihren kopf in die decke Werfel geschw. v. Neapel (1931) 381. im nicht eigentlichen sinne wie 'sich versenken':
das hat der gute mann gefühlt
und sich in die magie gewühlt
Göthe I 16, 286 W.
5)
in Ostfriesland und Oldenburg ist wühlen das hochbringen der unteren fruchtbaren erdschicht nach oben, um die ackerkrume zu verbessern, s. Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 672ᵇ; Allmers marschenb. (1900) 65; Böning Oldenburg (1941) 134; brem.-niedersächs. wb. 5 (1771) 285; Stürenburg ostfries. 334.
D.
den konkret-sinnlichen überwiegt an häufigkeit bei weitem der übertragene gebrauch, dessen vielgestaltigkeit in der unschärfe des sinnlichen bedeutungsgehaltes begründet liegt.
1)
von menschlicher tätigkeit und lebensführung, sie in abwertendem sinne charakterisierend.
a)
unmittelbar an die im sprachbewusztsein voranstehende anwendung des wortes auf getier schlieszen an wendungen wie im schmutz, unrat, kot wühlen: auch habe nicht wie Juvenalis in der verborgenen lasterpfütze gewület Erasmus v. Rotterdam lob d. narrheit, vorrede; wer sich in ander leut vnflath waltzet vnd wühlet, der macht sich selbst damit bey andern auch stinckend Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Ppp 7ᵇ;
ich bins, der in dem koth der laster sich gewühlt
mehr viehisch als ein vieh, der nimmermehr gefühlt
... dein innerlich anschreyen
Gryphius trauersp. 322 lit. ver.;
ja, wo die geile brunst nur sucht sich selbst zu kühlen,
und wie ein wildes vieh, in unflat nur zu wühlen,
da ist die liebe nicht
Rachel satyr. ged. 95 ndr.;
niedrige seelen, die nur am staube kleben, und lieber mit den fröschen und maulwürfen im sumpfe und kothe wühlen, suchet er (d. verfasser) zu ermuntern anmuth. gelehrsamk. (1751) 5, 380 Gottsched; ich gehöre zu denen, die es unter ihrer würde finden, im schmutze zu wühlen Holtei erz. schr. (1861) 35, 153; mit dem eklen, im häszlichen wühlenden behagen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 128.
sie trachten nicht jr nest zumachen
inn die höh, nach himlischen sachen,
sonder sie wülen sich hie vnden
im jrdischen
Fischart w. 3, 101 Hauffen.
b)
vereinzelt (alemannisch) steht wühlen, wohl anschlieszend an das voraufgehende, im sinne von 'prassen, schwelgen'; vgl. wülen in einem ding intemperatius uti aliqua re; luxu perdere rem Dentzler clavis ling. lat. (1716) 357ᵃ und U. Bräker unter wühlerisch:
an üch die jungen sähen söllen,
wie es ergodt, so man sich keert
an främbdes gellt vnd wülen leert
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 157 Bächto d;
es würt ouch syn tyrany zum theyl mit der schwechung Lucretiae anzeygt vnd zum theyl mit dem wülen vnd prassen ebda 1, 107; vielleicht hierhin: also du essest oder trinckest, du bulest und wulest, du zörnest oder lachest, so dencke an das podagram so wirstu nimmer zu viel thun Moscherosch gesichte (1650) 2, 489.
2)
wühlen vom menschlichen schaffen und wirken.
a)
mit dem beisinn der rastlosigkeit und des übermaszes:
auch wird keiner von disem werck,
daran er einmal setzt sein stärck,
ablassen, er hab dan zuvor
getriben ein selsam rumor,
vnd lang gewüt vnd lang gewült,
alles mit neid vnd streit erfüllt
Fischart Garg. 455 ndr.;
geringachtung alles dessen, darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, laufft und schnaufft, machet und wachet, kriegt und betrügt, wült und stilt, wandelt und handelt ebda 20;
wenn ich ihr (der menschen) wühlen überlege
und aller krieg fast gegen alle
Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 260;
der wühlende mensch wendet sich nicht um und sieht nicht, dasz ihm alles ähnlich ist Jean Paul w. 7/12, 129 Hempel; geitz, nichts als der leidige geitz, er meint, wir werden verhungern, wenn er nicht täglich wie ein maulwurf auf dem felde wühlt Lenz ges. schr. 1, 31 Tieck; ein überaus zartes, gefühlvolles weib ... voll wühlender allgeschäftigkeit in der sorge für die ihren B. Weber Tirol u. d. reform. (1841) 344; unsere männer wissen nur vom wühlen und schaffen Dörfler tör. jungfrau (1930) 7. in den mundarten ist wühlen 'angestrengt und ausdauernd arbeiten' weit verbreitet, s. Danneil altmärk. 249; Woeste westf. 317; Fischer schwäb. 6, 969; Martin-Lienhart elsäss. 2, 818 (verwühlt); Schmeller-Fr. bayer. 2, 893. auch ohne jeden nebensinn als tätigsein, wirken: der magnet zieht die feilspäne aus staub und spreu an sich, und so ists doch am ende mit dem edlen auch, er wühlt unter der menge mit liebendem würcken, und zieht nur wenige zu sich, die seiner natur sind Göthe IV 30, 6 W.
b)
heimlich gegen jem. tätig sein, um sein ansehen, seinen ruf, seine stellung zu unterwühlen, vor allem vom unterirdischen kampf politischer und weltanschaulicher gruppen gegeneinander; früh zeigen sich ansätze zu dieser bedeutung: so werden yr fynden, das allerley (mönchs-) orden vmb euch gewület haben, so lang bisz sie euch beschören vnd berufften am gut Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 8 ndr.;
ob die kleine welt die grosse
dieser zeit darnieder stosse
oder ob die grosse welt
jetzt die kleine nieder fällt,
wüst ich gerne. weil man fühlt,
wie die klein in grosser wühlt,
dürffte gross in kurtzen tagen
fallen und die klein erschlagen
Logau sinnged. 131 lit. ver.
um die mitte des 19. jhs. ist wühlen als bezeichnung für den kampf gegen den politischen gegner fest: ich hätte gescheut sein sollen, herumreisen, im preuszischen in irgendeinem wahldistrikt tüchtig 'wühlen' und mich wählen lassen Gutzkow an F. Wahl (1849), s. F. Wahl d. junge Deutschland 199; die demokraten wühlten mit unerhörter dreistigkeit Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 75; ich mache mir hoffnung, in die konstituierende versammlung ... gewählt zu werden, wo ich dann wieder gehörig wühlen will br. von u. an Herwegh (1896) 261; dies verfahren einer staatsgewalt wider einen unterthan, der ... mit den gefährlichsten waffen wider sie wühlt, ist von einer beispiellosen milde Schücking eisenbahnf. durch Westfalen (1855) 44; anfang juli schrieb ich ... der Nürnberger parteitag mache uns heisz, ... ich hätte gewühlt, soviel nur in eines menschen kräften stehe, die gegenpartei mache ebenfalls alle anstrengungen Bebel aus m. leben (1946) 1, 169; seinem alten feinde ... hat die republik nichts getan, er sitzt und wühlt in München A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 469. auch auszerhalb des politischen: wie habe ich ... gearbeitet, intriguirt und gewühlt! W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 192; und wenn sie wühlen und intriguiren mit ihrem ganzen lieblichen anhang; sie werden mich von der stelle nicht fortbringen Gerhart Hauptmann biberpelz (1893) 60.
3)
in anwendung auf geistige tätigkeit ergibt sich die bedeutung 'nach einer erkenntnis suchend in etw. eindringen, es durchforschen'.
a)
ganz üblich im 16. jh. vom forschen in der schrift, bildlich und in negativem sinne: wie die vernunfft des menschen in gottes wort zu grüblen und zu wühlen pflegt wie eine saw in einem rubenacker Luther br. 10, 491 W.; weil dir als einer saw erlaubt, in der heiligen schrifft zu wülen Andree abfertigung d. vortrabs (1562) 26ᵇ; wo den vngelerten leien in der bibel nach jrem gefallen vnd furwitz zu wülen vnd zu sudlen solt zugelassen werden C. Spangenberg wider die böse sieben (1562) h 4ᵇ; woher ketzerei unnd irrthumb jhren anfang bringe und auffgehe? ausz der heiligen schrifft, in der sie stören und wühlen, wie die wilden säuwe in einem weinberge Bütner dialectica teutsch (1588) 83ᵃ.
b)
auch sonst steht wühlen in diesem sinne, mitunter noch ganz konkret-anschaulich: gleich darauf wühlet er fort in der Assenat und sonderlich in deren annotationibus Grimmelshausen 2, 445 Keller; was hilft doch alles aufsuchen, krüppeln und wühlen in alten stücken Herder 15, 22 S.; (ein mann), der viele mit hülfsmitteln besser ausgerüstete archäologen ... in diptychen und sandsteinen wühlen sah Göthe I 46, 96 W.; die menschen, die in dem theologischen krame ihrer glaubensartikel wühlten und solchen plunder zur seligkeit für nöthig hielten Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 314. gedanklich einen (geschichtlichen) zusammenhang durchforschen, durchdenken: noch viel unnützer wäre es, in der vergangenheit zu wühlen Fr. v. Gentz schr. 2, 16 Schlesier;
und alsbald wühlt sein gedanke
rückwärts durch der jahrtausende wust, bis tief wo er selber,
noch ein ungeborener träumte die wege der schöpfung
Mörike w. 1, 68 Maync.
gelegentlich auch mit bohrendem blicke zu durchdringen, zu durchforschen suchen:
er sieht so unverwandt auf mich. —
das ist der kennerblick, er wühlt in deinen zügen,
ob sie zur heiligen ihm wohl auch ganz genügen
Castelli s. w. (1845) 12, 123;
reflexiv 'sich einwühlen, ganz versenken in': (er) verlor dabei den faden seiner betrachtungen. als er ihn wiedergefunden, wühlte er sich gleichsam in den alten gegenstand G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 30.
c)
in sich, im eigenen innern wühlen:
mit gedanken er do wulde
in im selber
passional 61, 80 K.;
arme, getäuschte jugend, die bei der ersten frische aufrichtiger erwartungen verdammt wird, leer und nichtig in ihrem innern zu wühlen Herder 20, 171 S.; das ungebundene wogen und wühlen in empfindungen und gedanken D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 244; dichter gewohnt in den tiefen ihres eigenen busens zu wühlen, ... fallen meist diesem dämon anheim jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 3, 83; sie machen sich ... viel zu viel gedanken. sie wühlen in sich herum ..., man könnte sagen, wie eine wühlmaus A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 379.
d)
als forschen, grübeln ohne nähere bestimmung; vgl. rimari erforschen, ... mit flysz ernieschen vel wulen (1516) Diefenbach gl. 498ᵇ; (der teufel) gibt einem seltzame fragen ein, das man grübele und wüle (1524) Luther 16, 113 W.; substantivisch: grosse wahrheitsbarren gehen nur durch das gemeinschaftliche wühlen des ganzen denkergewerks hervor Jean Paul w. 7/10, 281 Hempel. 'grübelnd, forschend': bei ihm (erscheint) garnichts von der wühlenden, tieferen natur der Lenz und ähnlicher Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 188; der faustische lebensgram, die wühlende skepsis ebda 5, 632. vereinzelt wühlen nach, sinnen auf: lange hatte die rührung nicht gedauert. sie wühlte schon damals nach einer genugthuung Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 70.
4)
von seelischer unruhe und erregung.
a)
mit frühnhd. zeit einsetzend, noch ganz bildlich und auf die wechselbeziehung zwischen körper und seele anspielend:
ich weisz mit nicht wie mir geschicht
das blut thut in mir wuͦlen
alsz ob ich jung gericht zum sprung
künt den weiblein hofieren
Forster fr. teutsche liedlein 24 ndr.;
wann uns die ungestüme glut
auch in den kleinsten adern wühlet
Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 296;
die gluth wühlet in seinen adern, wie in den adern der Sappho selbst Nicolai literaturbr. (1759) 9, 69.
b)
anwendbar auf beunruhigende und erregende gedanken und empfindungen mannigfacher art: zufällig und träumend verlor er sich unter orangeblüthen; plötzlich war ihm, als mache ein süsses wühlen im innersten herzen dieses beklemmend weit und leer und wieder voll Jean Paul w. 15/18, 26 Hempel;
o schweige, liebesbrünstge nachtigall!
es reiszt mich fort, in allen meinen sinnen
fühl ich ein treiben, innerliches wühlen
Tieck schr. (1828) 2, 71;
eben jetzt da der trieb der selbstzerstörung wieder in ihm wühlt, tritt ihm eine freundin näher, welche krank wie er, sich nach dem grabe sehnt Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 112;
du, liebe, hilf den süszen zauber lösen,
womit natur in meinem innern wühlet
Mörike w. 1, 139 Göschen;
ein unentwirrbares gemisch von bitteren gefühlen wühlte in ihrer brust Storm s. w. (1899) 3, 59; während in mir die neuen begehrungen wühlten und stimmen des lichts und stimmen des abgrunds durcheinanderschrieen Carossa jahr d. schönen täuschungen (1941) 185. unpersönliches es wühlt betont die unbestimmtheit des seelischen vorgangs: so wühlte es doch auf eine so seltsame art in meinem innern, als wenn auch in mir selber etwas besonderes vorgehen sollte Wackenroder herzenserg. (1797) 187; das hatte schon in ihm gewühlt und gebohrt, als er noch auf seiner mutter obstbäumen sasz, als er Trautel und Blässel abzeichnete Holtei erz. schr. (1861) 5, 42; sie spricht wenig, hinter ihrer stirn wühlt es, die welt zu ordnen Gmelin sommer mit Cordelia (1933) 144. das part. präs. gewinnt adjektivischen charakter: wie ihm dann seine wühlende, unruhige art ... alzu wol bekandt ware M. Krämer leben u. tapffere thaten (1681) 463; Lucinde fand sich in alles. sie hatte etwas wühlendes, unruhiges und beherrschte jede situation Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 1, 41; zur ruhe gehen konnte ich nicht ... unmöglich für eine phantasie so voll wühlender ungeduld ebda 2, 227; das alles sagte sie hastig, wie gedrängt von einer in ihr wühlenden unruhe Spielhagen s. w. (1877) 1, 99. überleitend zum folgenden: ich hatte ... keine lust, in den ... wintertagen, mit einem wühlenden trübsinn ... allein zu sein Laukhard leben u. schicks. (1791) 4, 2, 322; das ist der wühlendste schmerz L. v. François Reckenburgerin (1871) 2, 123.
5)
vor allem steht wühlen von schmerzhaften empfindungen, um sie nach dauer und intensität zu kennzeichnen.
a)
vom seelischen schmerz, anknüpfend an die voranstehende gruppe:
wuszt nit wie sie angreiffen solt
die sach, das sie abkäm der sorgn,
so in jr wülten auff verborgn
Spreng Äneis (1610) 61ᵃ;
o! lasz doch immer hier und dort
mich ewig liebe fühlen.
und möcht der schmerz auch also fort
durch nerv und adern wühlen
Göthe I 4, 95 W.;
wer fühlet,
wie wühlet
der schmerz mir im gebein?
ebda 14, 182;
drum lasz, o freund, uns jeden gram verjagen,
der in der seele wühlt
Miller ged. (1783) 92;
zwey empfindungen wühlten in seinem busen Klinger w. 8 (1809) 275;
der liebe pfeile dringen
vom himmel und der schmerzen glühes wühlen
im herzen zu erkühlen,
löst du in stillen thränen dein geschmeide
Brentano ges. schr. (1852) 2, 329;
ein stiller gram wühlte unsichtbar in dem herzen deiner mutter Tieck schr. (1828) 8, 25.
b)
vom körperlichen schmerz: wület und grymet im sere in dem leib, und pei einer weil, so geet in grosse hitz an und eine weil, so ist er kalt versehung eines menschen 93ᵃ; were aber das gelencke geswollen und di nervi weren wulende, so mach ... Petrus de Crescentiis vom ackerb. (Speyer o. j.) 149ᵇ; er deckte (aus furcht vor der blendung) mit seinen händen seine augen, als fühlte er das glühende eisen darin wühlen Klinger w. 4 (1815) 33;
kein schmerz mehr durch die nerven wühlt,
kein glied er mehr als eignes fühlt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 53;
die folgen des giftes kündigten sich auf der stelle an: druck und hitze im magen ..., wühlen in den gedärmen H. Laube ges. schr. (1875) 15, 459; (der schmerz bestand) in einer wühlenden qual in und über beiden augen Th. Mann Faustus (1948) 543.
6)
in übersteigerter ausdrucksweise begegnen bildliche wendungen wie (mit dem schwerte, dem dolche) in jemandes brust, wunde wühlen u. ä., d. h. ihm das äuszerste an schmerz zufügen: (mit dem schwert ihrer giftigen zunge) hawen sie (die gottlosen) nach dem gerechten, ob sie yhn fellen mochten unnd schlachten (das ist) nit allein todten, sondern nach yhrm mutwillen yn ym wülen unnd schudlenn Luther 8, 220 W.; wollen sie auch in der wunde noch wühlen, die ihre unglükliche bekanntschaft meinem einzigen kinde schlug? Schiller 3, 482 G.;
ihr wühlet grausam
hier in der tiefsten wunde meines herzens
Arnim s. w. (1853) 20, 198;
Aszbiąrn Prude, der heldenmüthige Däne, in den händen seines feindes, der mit langsamer wuth in seinen eingeweiden wühlet — wehklaget er, seufzet er? Herder 3, 25 S.;
wenn bei der seinen zärtlichem gewimmer
sein herz nun bricht, und seine thräne stürzt,
wohl mag ein dolch euch dann im busen wühlen
Collin Regulus (1802) 15;
du wühlst den dolch in meiner brust Gutzkow ritter v. geiste (1850) 6, 393; das furchtbare wort: ich liebe sie nicht! ... wühlte in seiner brust, wie ein zweischneidiges schwert ebda 3, 351. in den eigenen wunden wühlen: giebt es doch eine freude des schmerzes, die in ihren eigenen wunden wühlt Holtei erz. schr. (1861) 24, 57; lasz uns uns lieber zerstreuen durch andere gegenstände, als immer in unsern eigenen wunden wühlen Pückler briefw. u. tageb. (1873) 6, 329; wir pudel sind nicht solche überstrenge moralisten, dasz wir in unserm eignen fleische wühlen und ... gute bissen verschmähen sollten E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 324 Gr.; sie ... sollten ... mit aller kraft sich dagegen stemmen, ... sonst wühlen sie in eigenen eingeweiden ebda 4, 43. nur vereinzelt vom körperlichen schmerz:
in jeder ader wühlet
ein dolch — sein ganzer körper fliegt
am kreuz empor
Ramler lyr. ged. (1772) 355.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1738, Z. 26.

wuhlen, vb.

wuhlen, vb.,
umwickeln, umwinden, zusammenschnüren; mnd. wolen; mnl. woelen, s. Verwijs-Verdam 9, 2744 mit belegen; nl. woelen; zur etymologie vgl.wühlen; ligare binden, wuelen, knuppen v. d. Schueren teuthonista 49ᵇ V.; mundartl. nur im nordwestl. nd. und im nl.: wöhlen bewinden, zusammendrengen, z. e. ein fuder holz oder sonsten etwas Strodtmann Osnabrück (1756) 290; wölen umwinden, mit bindgarn oder auch eisenbändern umschlingen, z. b. ein schräg durchgebrochenes holzstück Stürenburg ostfries. 334; Doornkaat Koolman ostfries. 3, 569; für das angrenzende nl. vgl. ter Laan Groninger wb. 1215; Dijkstra friesch woordenb. 3, 470. das wort lebt vor allem in der seemannssprache: wuhlen ein tau mehrere gänge dicht neben einander wie schraubengänge um etwas legen, um solches dadurch stärker und fester zu machen Röding wb. d. marine (1793) 2, 933; Campe 5 (1811) 782; wuhlen ein tau durch ein darum gewundenes verstärken Schaffer dt.-frz. wb. (1836) 2, 2, 682; wulen eine (an sich rohe) umwicklung eines gegenstandes an bord, um ihn vor dem schamfielen (durchscheuern) zu schützen Eichler vom bug z. heck (1938) 494; s. hierzu Kluge seemannsspr. (1911) 843; literar. begegnet wuhlen nur vereinzelt: nemen de maste van den olden schepen, de see senken wolden vor dat Reveshol, unde woleden de harde tosamende H. Korner (15. jh.) bei Schiller-Lübben 5, 762 (vgl.: instrumentum quoddam ex multis malis navium illarum, quas ad dictum antrum Reveshol mari inmergere proponebant, compactum construxerunt, quod vulgariter vloͤt nominabant H. Korner chron. novella 490 Schwalm). s. u. wuhling sp. 1749.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1737, Z. 69.

wuhlen, vb.

wuhlen, vb.,
umwickeln, umwinden, zusammenschnüren; mnd. wolen; mnl. woelen, s. Verwijs-Verdam 9, 2744 mit belegen; nl. woelen; zur etymologie vgl.wühlen; ligare binden, wuelen, knuppen v. d. Schueren teuthonista 49ᵇ V.; mundartl. nur im nordwestl. nd. und im nl.: wöhlen bewinden, zusammendrengen, z. e. ein fuder holz oder sonsten etwas Strodtmann Osnabrück (1756) 290; wölen umwinden, mit bindgarn oder auch eisenbändern umschlingen, z. b. ein schräg durchgebrochenes holzstück Stürenburg ostfries. 334; Doornkaat Koolman ostfries. 3, 569; für das angrenzende nl. vgl. ter Laan Groninger wb. 1215; Dijkstra friesch woordenb. 3, 470. das wort lebt vor allem in der seemannssprache: wuhlen ein tau mehrere gänge dicht neben einander wie schraubengänge um etwas legen, um solches dadurch stärker und fester zu machen Röding wb. d. marine (1793) 2, 933; Campe 5 (1811) 782; wuhlen ein tau durch ein darum gewundenes verstärken Schaffer dt.-frz. wb. (1836) 2, 2, 682; wulen eine (an sich rohe) umwicklung eines gegenstandes an bord, um ihn vor dem schamfielen (durchscheuern) zu schützen Eichler vom bug z. heck (1938) 494; s. hierzu Kluge seemannsspr. (1911) 843; literar. begegnet wuhlen nur vereinzelt: nemen de maste van den olden schepen, de see senken wolden vor dat Reveshol, unde woleden de harde tosamende H. Korner (15. jh.) bei Schiller-Lübben 5, 762 (vgl.: instrumentum quoddam ex multis malis navium illarum, quas ad dictum antrum Reveshol mari inmergere proponebant, compactum construxerunt, quod vulgariter vloͤt nominabant H. Korner chron. novella 490 Schwalm). s. u. wuhling sp. 1749.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1737, Z. 69.

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Zitationshilfe
„wühlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BChlen>, abgerufen am 08.08.2020.

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