Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wulste, f.

wulste, f.,
s.wulst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1760, Z. 18.

wulst, m., f.

wulst, m., f.,pl.
mhd. wulst, m.; ahd. (12. jh.) wulsta, f.; bildung mit suffix -sti- (?) zum st. v. wellan runden, rollen, wälzen zur idg. wurzel u̯el — drehen, winden, wälzen, s. Walde-Pokorny 1, 302; anders Kluge etym. wb. ¹⁷871ᵇ; wulsta, f., ist nhd. noch vereinzelt bezeugt als wulste Duez nomencl. (1664) 695ᵃ; wolsde Crecelius oberhess. wb. 926; gelegentlich begegnet auch wolst, pl. wolste, so bei Alberus dict. (1540) BB 3ᵇ; Stör geistl. schimpff u. ernst (1602) 110; Schmidt-Petersen nordfries. spr. 164ᵇ; Fischer Samland 99ᵃ; als wols, f., pl. wolste Hönig Köln 203ᵇ; im übrigen herrscht nhd. wulst, m., neben nur vereinzeltem wulst, f.; das nur im dt. und zwar ursprünglich wohl nur im hd. vorhandene wort ist im 12. jh. als glosse erstmals bezeugt und vor 1500 nur selten belegt; bei Luther (1536) tischr. 3, 340 nur einmal in unklarer bedeutung bezeugt. häufige bezeugung erst seit dem ende des 16. jhs. es scheint, dasz wulst im zusammenhang mit kleidung und mode in die schriftsprache eingedrungen ist und weitere verbreitung gefunden hat. lexikalisch ist wulst seit dem 15. jh.zumeist in der bedeutung 'fimbria, formula' — bis Adelung 5 (1786) 299 u. Campe 5 (1811) 783ᵃ regelmäszig bezeugt. schriftsprachlich heute in der regel nur noch in den unter A angeführten bedeutungen gebräuchlich. daneben ist wulst mundartlich zum begriff einer menge geworden (vgl. u. C); nd. ist das wort in wbb. belegt.
A.
eine gerundete, wellige verdickung oder erhebung an irgend einem körper oder gegenstand, die fester bestandteil desselben ist.
1)
natürliche, meist gewachsene verstärkungen.
a)
erhebungen und verdickungen am menschlichen oder tierischen körper.
α)
in gewöhnlicher bedeutung:
wie sie vor trueg zwen sinwel knöpf
spitzleich gerundet als die töpf,
gedrollen auff des herzen wulst
Oswald v. Wolkenstein 5, 21 Schatz;
(das kind) hatte keinen nacken, sondern ... einen dicken schwartzen wulst Prätorius anthrop. Pluton. (1666) 3, 305; und alle schönheit erliegt und versinkt unter den falten und wülsten Heinse s. w. 4, 263 Sch.; die furche über der nasenwurzel ... wird durch die beiden wulste, in die sich die stirnhaut gerade in dieser mitte sondert, noch merklicher Welcker alte denkmäler (1849) 5, 96; dasz seine dicke stirnhaut förmliche wülste bildete M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 402; er ... bleckte die zähne wie ein böser hund, geiferte und schrie aus den zwei blutroten wülsten heraus: caramba Dörfler Peter Farde (1929) 38; bauch und schenkel bildeten einen massigen wulst Feuchtwanger Simone (1950) 297. bildlich: sie schaute nach ihm, der ebenfalls zu einer erzählung Goethes ergebensten beifall lachte, während dabei ein kleiner wulst von versonnenheit, widerstand, gram, kurz von maulerei zwischen seinen bemühten rindsaugen lag Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 464.
β)
bei krankhaften erscheinungen im sinne von geschwulst: wulst geschwulst Zaupser bair. u. oberpfälz. id. (1789) 43; (in Baiern) Klein dt. provinzialwb. 2 (1792) 238. literarisch: (das gesicht) über und über voll von runen und blauen wülsten Dörfler Peter Farde (1929) 265; dasz es (das junge fleisch in der kehlwunde) mit schnell und dicht hervorgetriebenen wülsten und ringen der atemluft den weg versperrte Alverdes d. pfeiferstube (1929) 9; es (das gesicht einer kranken) ist ein zigarrenbraunes gebilde von wülsten, das von zwei lippen beherrscht wird, die keine lippen sind, sondern riesige violette lappen Werfel Bernadette (1948) 470.
b)
das füllige kopfhaar.
α)
die auf dem kopf aufgebauschten und zusammengebundenen haare einer frau: mazzocchio, mazzocco ein grosz gebund, zopff, schopff, ein wulst Kramer ital.-t. (1676) 1069ᵃ; wulst hohe frisur Serz teut. id. (1797) 179ᵇ; sehet wie viel weiber und jungfrawen sich vermummen und verstellen mit grossen wülsten, zöpffen Gigas postilla (1595) 2, 99ᵇ; ihr haar war dunkler kastanienfarbe ... und war bis auf eine flechte in einen wulst gebunden Bode Tristram Schandi (1774) 7, 144;
und
die tochter Ismenus
Krokale ordnet geschickt das flatternde haar um den nacken
zum geknoteten wulst, obgleich es ihr selber gelöst hing
Voss Ovids verwandlungen 1 (1798) 156;
und jonisch siehst du frauenanmuth walten,
volute in der locken schneckenwindung,
den wulst in vollen haarschmucks unterbindung
Brentano ges. schr. (1852) 7, 288;
besonders auf dem kopfe war nichts von den greulichen wulsten (einer modernen haarfrisur) B. Auerbach schr. (1892) 18, 109.
β)
das sehr dichte, oft struppige und ungepflegte haupthaar: dicht stehendes und etwas langes kopfhaar. auch dicht stehendes junges getreide Damköhler Nordharz 230ᵇ, vgl. unten C; dieser fleischklumpen mit dem alten ... männergesicht? mit den wülsten von haaren und shawls um den kopf? (soll ein weibliches wesen sein) Holtei erz. schr. (1861) 11, 154;
bis dir blieb nur eine locke
von des dunklen wulstes drängen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 222;
der harte verfilzte wulst und dein weiches händchen das paszt in ewigkeit nicht Kürnberger siegelringe (1874) 45; gleich einem starken wulste umkränzte das dichte, kurze, graue haar den runden, geschorenen schädel Sperl söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 394.
c)
in der botanik: wulst ist eine erhabene narbe der borke, die durch eine ehemalige verwundung entstanden ist Jacobsson technol. wb. (1793) 8, 227ᵇ; Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; dieser baum ist sehr hoch, ... hat ... eine aschenfarbene rinde und gleichsam etliche wülste herum, an welchen man leichtlich kan hinauf steigen Neumark neuspr. teutscher palmbaum (1668) 57. bei pilzen: volva der wulst, eine äuszere, häutige oder fleischige decke, welche den strunk und hut des jungen pilzes völlig einschlieszt, später aber durch die sich vergröszernden theile aufgesprengt wird Bischoff wb. d. beschr. botanik (1839) 227; Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 166; Illiger tier- u. pflanzenreich (1800) 43; 431. hierher auch: das erste bepflanzen der weinberge geschieht anfangs mai durchgehends mit blindholz, an dem alles alte holz, selbst der auf dem linken Rheinufer so beliebte wulst, woran sich die besten fuszwurzeln bilden, abgeschnitten wird Bronner weinb. im Rheingau 38.
d)
erhebungen und unebenheiten in der natur: endlich erreichte man ... eine geräumige halle, in welcher ... die stalaktiten in säulen, wülsten ... und unzähligen zapfen sich zeigten Immermann w. 20, 44 Hempel; als ich einmal ... auf die wulst der felsen, die sich da in der nähe des holzschlages überneigen, geklettert war Stifter s. w. 2 (1908) 299; in manchen revieren ist der boden bis auf den heutigen tag noch nicht zur ruhe gekommen, klafft und öffnet sich, wirft dicke wülste auf Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 355. in der bergmannssprache: scharfe biegung eines flötzes nach oben oder unten, ein graben oder horst im kleinsten maaszstabe Veith bergwb. (1870) 581; kupferglanz ... häufig zwillingskrystalle, nicht selten derb, eingesprengt, in knollen, wülsten oder platten Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 215.
2)
von bearbeiteten gegenständen.
a)
die verstärkte umrandung eines gefäszes oder behälters, der hervortretende oder aufgebogene rand eines gegenstandes überhaupt: coronam prort vel champ vel wlsta (12. jh.; andere hss. uulsta, wlst) ahd. gl. 1, 328, 64 zu exodus 25, 11: aream de lignis setim compingite ... et deaurabis eam auro ... faciesque supra coronam auream per circuitum (Luther: krantz); labium prort. champ vel wlsta (12. jh.) ahd. gll. 1, 329, 11 zu exodus 25, 24: et inaurabis eam auro purissimo: faciesque illi labium aureum per circuitum (Luther: krantz); die nahmen der teile eines tohrbrächers. der kragen, der wulst, die augen, das zündloch, die kammer Zesen kriegsarbeit (1672) 3, 128; wulst, bourrelets (bleyarbeiter). dieses ist der weggerollte rand einer bleyplatte. man nennt ihn also, weil er einem würklichen wulst ähnlich sieht Jacobsson technol. wb. (1793) 8, 227ᵃ; bei sieben der erhabene rand, welcher da entsteht, wo der siebboden an dem reife befestigt ist Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; ein am oberen ende einer bohrstange ... um die stange gelegtes eisen Veith bergwb. (1870) 123; werden blechränder, z. b. bei dachrinnen, zu cylinderchen eingerollt, welche nur wenige millimeter durchmesser haben, so heisst diese operation herstellung eines wulstes Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 549; die leeren säcke werden mit ihrer öffnung um einen unter dem rohre befindlichen wulst befestigt Muspratt chemie 2 (1889) 78; ebda 3 (1891) 1583; wulstreifen ... besitzen an den deckenwänden hakenförmige verdickungen (wulste), die in die nach einwärts gebogenen felgenränder geklemmt werden d. gr. Brockhaus 11 (1932) 640ᵇ.
b)
teilweise sich der bedeutung B annähernd. an der kleidung, namentlich der frauentracht, ein sich abhebender dicker saum; borte, verbrämung: formula wuͦlst (mulierum) (Nürnberg 1530) Diefenbach gl. 243ᶜ; fimbria saum, wulst, blege, verbrämung Frisius dict. (1556) 562ᵇ; fimbria, extremitas vestimenti der saum oder wulst am kleide, der borthen B. Faber thes. (1587) 320ᵇ; patagium ein wulst oder gebreme oben vmb den rock B. Faber thes. (1587) 595ᵃ; fimbria saum, wulst, bläge, verbrämung Stephanus-Frisius (1590) Yy 5ᵇ; 'hosenbund': wolst an einem wammes, so die hosen hieoben helt Hulsius-Ravellus (1616) 419ᵇ; wulst saum Hulsius (1618) 1, 279ᵃ; wulst fimbria Stieler stammb. (1691) 2576; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1044. literarisch:
siehst du den blanken geck?
...
der weiszen strümpfe wulst ist schwarz von staub und erde
anmuth. gelehrs. (1752) 120 Gottsched;
was wollte der lächerliche wulst an den beinkleidern unserer väter sagen, welchen wir noch heut an unsern Schweizertrachten wahrnehmen? Bode Montaigne (1793) 5, 187; an der Ilm hängt dieses (das weibl. geschlecht) seine röcke an dicken, unten rund um das müeder gehenden wülsten (würsten) auf Schmeller-Frommann 1, 1708.
c)
als fester begriff in der architektur: wulst ... ist bey säulen-ordnungen und simsen ein ausgebauchtes glied Eggers kriegslex. (1757) 2, 1370; man lehret ferner von den 5. seulen, wie selbe mit ihren fuszgestellen, leisten, vierungen, gurden, ringen, banden, frisen, wulsten ... unterschieden werden Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 437; es (das ionische kapitäl) hat nicht nur einen geschnittenen wulst Hegel w. (1832) 10, 2, 326; die entasis der säulen, die wulste der kapitäler zeugen ... für die spätere erbauung Gaudy s. w. (1844) 5, 43; während die füsse desselben (säulchens) nur aus mehreren wülsten bestehen, erhält das kapital eine recht mannigfaltige gestalt Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 418.
d)
allg. eine ausbuchtung, eine verdickung: wülste (wollstreicher) die dicken stellen, die nach dem schrobeln auf der wolle bleiben. die wolle filzet sich an diesen stellen Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 673ᵃ; wulst ... die wölbung des schiffes über dem steuerruder Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; in dem standglase ist der zinkcylinder so angebracht, dasz er auf einem durch verengerung des standglases entstandenen wulste feststeht Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 203.
B.
dickliches, zusammengerolltes oder -gebundenes wurstförmiges gebilde. in den maa. z. t. nur in dieser bedeutung: wulst etwas dick zusammengelegtes, gerolltes oder gebundenes Richey id. Hamb. (1743) 348; brem.-nds. wb. 5 (1771) 303; Doornkaat Koolman ostfries. 3, 580ᵇ.
1)
als zubehör zu haartracht und kopfbedeckung.
a)
wulst, toupe ist ein klumpen ... haare, welche man in den händen zusammen reibt, damit er fest werde, und diejenige form bekomme, welche er haben musz, wenn man ihn oben auf den scheitel der weiber legen, und die aus dem nacken in die höhe geschlagenen haare darauf fest machen will, damit es das ansehen habe, als ob daselbst das haar ungleich stärker gewachsen sey Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 227ᵇ; ein ausgestopftes kleines kissen, über welches die kopfhaare ... geschlagen werden Hübner zeitungslex. (1824) 4, 980ᵃ; gesellen! die pomaden, ... die falschen haare, die wulste, die kissen, in gröszter, gröszter eile herbei Tieck schr. (1828) 3, 395.
b)
teil der kopfbedeckung: wurst oder wulst über die haube, war eine insgemein von taffet überzogene und mit baumwolle oder werck und flachs ausgestopffte runde wulst, so über das nest der haube gezogen, und mit dem flor-teller bedecket ward Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2147; s. auch 272; dy syden huben der frowen vorgingen reyne; dy frowen lange czippfelichte huben, dy wunden sy vmme dy houbte adder grosze dicke breyte wolste vnnd forne her an den huben kostliche sterneche Stolle thüring. chron. 190 lit. ver.; erstlich müssen sie haben mancherley schleier, ... darnach grosse wülste, schöne hauben theatrum diabol. (1569) 451ᵇ; im selben 36. jar, den 9. maij, ist zu Presslaw ein kneblein geboren, so hinden auff dem heubt hat hengen gehabt ein stück fleisch und blut, wie jetzunder zu Bresslaw die weiber, wülste und hauben haben, und hinden auff den nacken hangen haben Irenäus v. seltzamen wundergeburten (1584) K 4ᵇ; die männer haben mützen mit einem wulst auff dem kopffe Mandelslo morgenl. reisebeschr. 147 Olearius. eine gepolsterte mütze für kinder, 'fallmütze': Ludwig t.-engl. lex. (1716) 2539; Popowitsch vers. e. vereinigung d. maa. v. Teutschland (1780) 272; hüte werden denen kindern nicht gleich auffgesetzet, ausser was die so genannten wülste und ausgestopfften fall-hüte, welche sie im fallen vor schaden bewahren sollen, betreffen möchte Marperger beschr. d. hutmacherhandwerks (1719) 32.
c)
in der heraldik: wulst ... die von bändern verschiedener farbe ... gewundene, dicke unterlage auf dem helm, auf welche der helmschmuck gesetzt wird Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; wulst oder helmwulst ... ist die bei vielen wappen zwischen helm und kleinod befindliche gewundene binde Querfurth herald. terminol. (1872) 175. literarisch: es were auch noch viel zu sagen von den helmen, helmdeken, kleinoden, wülsten, kronen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 169; hujus loci est ut etiam agamus de diademate tortili, quo affigebatur, tegumentum galeae et cono ... galli vocant bourlet ... vocamus wulst Spener opera herald. (1680) 320.
2)
in der frauentracht ein dickes um die hüften gelegtes und unter den röcken getragenes polster; bourlet eine wulste als die weiber vnder die röcke tragen Duez nomencl. (1664) 90ᵇ: dieweil die cölnische frauen jres ausschweifens halben kein preit gesäsz ersitzen können, darumb müsen sie mit dem gewand jm helfen vnd es vmb den hindern mit wülsten ausfütern Fischart w. 3, 184 Hauffen; deszgleichen sollen sie sich ... insonderheit der grossen eisen und wülste unter den röcken ... gäntzlich enthalten sächs. policei- u. kleiderordn. (1612) 15; eine dicke von friess gemachte wulst ..., so die mägde auf den hindern binden, welche nicht viel röcke haben jungfer Robinsone (um 1730) 26;
nicht mit der gaukelnden mod' unförmigem wulst' um die hüften
J. H. Voss ged. (1802) 1, 194.
3)
ein gegen stosz, druck und belastung schützendes polster, eine weiche umhüllung oder unterlage; bei pferden: bourlet de collier de cheval die wulste eines pferds, kommet Duez nomencl. (1664) 90ᵇ; der kummet-stock ist die art von ausgestopftem wulst, der das ganze vordertheil des kummetes umgiebt Krünitz öcon. encycl. 55 (1791) 49. speziell im turnierwesen: in dem jar an sant Barbara tag da wolt der Pawmgartner ... stechen und berent sein pferd und rait zu der purkslahpruken herausz onangelegt, das pferd verpunden mit dem wulst oder vorpug (Nürnberg 1487) städtechron. 10, 385; 'das rennen mit dem wulst' bei Schmeller-Frommann bair. 2, 908; das rennen mit den wulst und die tartzen fest angezogen Fleming d. vollk. soldat (1726) 24; als polster, um kopflasten zu tragen: ein wulst für weiber die etwas schweres auf dem kopf zu tragen haben Ludwig t.-engl. (1716) 2539; vgl.tragwulst Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399ᵃ; wulst Frisch nouv. dict. (1730) 678; Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; dass er (Herkules) ... zur täuschung des Atlas einen weichen wulst sich unterzulegen begehrt, ist auf den bildwerken nicht angedeutet Gerhard akad. abhandl. (1866) 1, 80. ferner: ein wulst auf einem nachtstuhl Ludwig t.-engl. (1716) 2539; vgl.gemachstul-wulst Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399ᵃ; wulst Popowitsch versuch (1780) 272; wülste ..., welche sie (die boxkämpfer) vor den leidigen zufällen blauer augen, zerschellerter kinnbacken und blutiger nasen hinlänglich schützen und sichern werden Bode Thomas Jones (1786) 5, 64; auf der andern (seite lag) eine wulst von schwarzem sammet, die ihrem hochaufgestreiften arme zur unterlage diente Thümmel s. w. (1853) 6, 22. bildlich: (er) würde sie (seine worte) darum alle mit weichem wulst umgeben Börne ges. schr. (1829) 1, XXI.
4)
allg. ein dicker, rundlicher, wurstförmiger gegenstand: (er) band demnach eine paar würste oder wülst (mit geld), die er auff blossem leib trug, herunder, warff sie auff den tisch Grimmelshausen Simpl. 361 Scholte; dann nahm ich mein mäntelein ab, und rollte es zusammen in einen langen wulst Brentano ges. schr. (1852) 4, 9; der arbeiter ... nimmt einen kleinen thonkloss, rollt ihn zu einer langen dünnen wulst (weller) aus Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 747; als 'wisp' bezeichnet man eine aus heu oder werg gedrehte wulst Alten hdb. f. heer u. fl. 4 (1912) 672; regungslos hängen die braunen wülste, die fesselballons, am kobaltblauen himmel Liller kr. ztg., 4. auslese (1916) 57; wulst an der dachrinne: die kurze röhre, durch welche das wasser in die längs am hause hinabgeführte ableitungsröhre kommt Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 448ᵇ. auch von einem dicken menschen; scherzhaft-spöttisch: wie gehts, dicker Hans? wie gehts, wulst? Shakespeare 6 (1800) 140.
C.
eine zusammengeballte, gedrängte, oft unübersichtliche und wirre menge: die aus dieser wulst (der Laokoongruppe) ins freye hinausragende spitze schlangenköpfe Lessing 9, 41 L.-M.; sein ganzer wulst von heldengedichten Abbt verm. w. (1768) 3, 325; eine solche selbständigkeit, wie sie bei uns ... das publikum (als wulst von einzelnen gedacht) dem autor gegenüberstellt, kennt man in Frankreich nicht Gutzkow ges. w. (1872) 7, 381; (er) zog hierauf einen wulst noch ungedruckter gedichte aus der tasche Langbein s. schr. (1836) 12, 78; bis einer — ein einziger — aus dem wulst der gaffenden seine hilfe brachte (bei einer prügelei zwischen schülern) qu. a. d. j. 1937; auch: ich werd' ihn ihm mit einem hübschen wulst von beobachtungen und anfragen zuschicken Grabbe w. 4, 539 Bl. mundartlich: eine wulst menschen Hertel Thür. 260; wulst, f. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 681ᵃ; beim umgraben hamm'r ene wulst wörmer umgedeppert Albrecht Leipzig 238ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1754, Z. 53.

wulst, m., f.

wulst, m., f.,pl.
mhd. wulst, m.; ahd. (12. jh.) wulsta, f.; bildung mit suffix -sti- (?) zum st. v. wellan runden, rollen, wälzen zur idg. wurzel u̯el — drehen, winden, wälzen, s. Walde-Pokorny 1, 302; anders Kluge etym. wb. ¹⁷871ᵇ; wulsta, f., ist nhd. noch vereinzelt bezeugt als wulste Duez nomencl. (1664) 695ᵃ; wolsde Crecelius oberhess. wb. 926; gelegentlich begegnet auch wolst, pl. wolste, so bei Alberus dict. (1540) BB 3ᵇ; Stör geistl. schimpff u. ernst (1602) 110; Schmidt-Petersen nordfries. spr. 164ᵇ; Fischer Samland 99ᵃ; als wols, f., pl. wolste Hönig Köln 203ᵇ; im übrigen herrscht nhd. wulst, m., neben nur vereinzeltem wulst, f.; das nur im dt. und zwar ursprünglich wohl nur im hd. vorhandene wort ist im 12. jh. als glosse erstmals bezeugt und vor 1500 nur selten belegt; bei Luther (1536) tischr. 3, 340 nur einmal in unklarer bedeutung bezeugt. häufige bezeugung erst seit dem ende des 16. jhs. es scheint, dasz wulst im zusammenhang mit kleidung und mode in die schriftsprache eingedrungen ist und weitere verbreitung gefunden hat. lexikalisch ist wulst seit dem 15. jh.zumeist in der bedeutung 'fimbria, formula' — bis Adelung 5 (1786) 299 u. Campe 5 (1811) 783ᵃ regelmäszig bezeugt. schriftsprachlich heute in der regel nur noch in den unter A angeführten bedeutungen gebräuchlich. daneben ist wulst mundartlich zum begriff einer menge geworden (vgl. u. C); nd. ist das wort in wbb. belegt.
A.
eine gerundete, wellige verdickung oder erhebung an irgend einem körper oder gegenstand, die fester bestandteil desselben ist.
1)
natürliche, meist gewachsene verstärkungen.
a)
erhebungen und verdickungen am menschlichen oder tierischen körper.
α)
in gewöhnlicher bedeutung:
wie sie vor trueg zwen sinwel knöpf
spitzleich gerundet als die töpf,
gedrollen auff des herzen wulst
Oswald v. Wolkenstein 5, 21 Schatz;
(das kind) hatte keinen nacken, sondern ... einen dicken schwartzen wulst Prätorius anthrop. Pluton. (1666) 3, 305; und alle schönheit erliegt und versinkt unter den falten und wülsten Heinse s. w. 4, 263 Sch.; die furche über der nasenwurzel ... wird durch die beiden wulste, in die sich die stirnhaut gerade in dieser mitte sondert, noch merklicher Welcker alte denkmäler (1849) 5, 96; dasz seine dicke stirnhaut förmliche wülste bildete M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 402; er ... bleckte die zähne wie ein böser hund, geiferte und schrie aus den zwei blutroten wülsten heraus: caramba Dörfler Peter Farde (1929) 38; bauch und schenkel bildeten einen massigen wulst Feuchtwanger Simone (1950) 297. bildlich: sie schaute nach ihm, der ebenfalls zu einer erzählung Goethes ergebensten beifall lachte, während dabei ein kleiner wulst von versonnenheit, widerstand, gram, kurz von maulerei zwischen seinen bemühten rindsaugen lag Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 464.
β)
bei krankhaften erscheinungen im sinne von geschwulst: wulst geschwulst Zaupser bair. u. oberpfälz. id. (1789) 43; (in Baiern) Klein dt. provinzialwb. 2 (1792) 238. literarisch: (das gesicht) über und über voll von runen und blauen wülsten Dörfler Peter Farde (1929) 265; dasz es (das junge fleisch in der kehlwunde) mit schnell und dicht hervorgetriebenen wülsten und ringen der atemluft den weg versperrte Alverdes d. pfeiferstube (1929) 9; es (das gesicht einer kranken) ist ein zigarrenbraunes gebilde von wülsten, das von zwei lippen beherrscht wird, die keine lippen sind, sondern riesige violette lappen Werfel Bernadette (1948) 470.
b)
das füllige kopfhaar.
α)
die auf dem kopf aufgebauschten und zusammengebundenen haare einer frau: mazzocchio, mazzocco ein grosz gebund, zopff, schopff, ein wulst Kramer ital.-t. (1676) 1069ᵃ; wulst hohe frisur Serz teut. id. (1797) 179ᵇ; sehet wie viel weiber und jungfrawen sich vermummen und verstellen mit grossen wülsten, zöpffen Gigas postilla (1595) 2, 99ᵇ; ihr haar war dunkler kastanienfarbe ... und war bis auf eine flechte in einen wulst gebunden Bode Tristram Schandi (1774) 7, 144;
und
die tochter Ismenus
Krokale ordnet geschickt das flatternde haar um den nacken
zum geknoteten wulst, obgleich es ihr selber gelöst hing
Voss Ovids verwandlungen 1 (1798) 156;
und jonisch siehst du frauenanmuth walten,
volute in der locken schneckenwindung,
den wulst in vollen haarschmucks unterbindung
Brentano ges. schr. (1852) 7, 288;
besonders auf dem kopfe war nichts von den greulichen wulsten (einer modernen haarfrisur) B. Auerbach schr. (1892) 18, 109.
β)
das sehr dichte, oft struppige und ungepflegte haupthaar: dicht stehendes und etwas langes kopfhaar. auch dicht stehendes junges getreide Damköhler Nordharz 230ᵇ, vgl. unten C; dieser fleischklumpen mit dem alten ... männergesicht? mit den wülsten von haaren und shawls um den kopf? (soll ein weibliches wesen sein) Holtei erz. schr. (1861) 11, 154;
bis dir blieb nur eine locke
von des dunklen wulstes drängen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 222;
der harte verfilzte wulst und dein weiches händchen das paszt in ewigkeit nicht Kürnberger siegelringe (1874) 45; gleich einem starken wulste umkränzte das dichte, kurze, graue haar den runden, geschorenen schädel Sperl söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 394.
c)
in der botanik: wulst ist eine erhabene narbe der borke, die durch eine ehemalige verwundung entstanden ist Jacobsson technol. wb. (1793) 8, 227ᵇ; Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; dieser baum ist sehr hoch, ... hat ... eine aschenfarbene rinde und gleichsam etliche wülste herum, an welchen man leichtlich kan hinauf steigen Neumark neuspr. teutscher palmbaum (1668) 57. bei pilzen: volva der wulst, eine äuszere, häutige oder fleischige decke, welche den strunk und hut des jungen pilzes völlig einschlieszt, später aber durch die sich vergröszernden theile aufgesprengt wird Bischoff wb. d. beschr. botanik (1839) 227; Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 166; Illiger tier- u. pflanzenreich (1800) 43; 431. hierher auch: das erste bepflanzen der weinberge geschieht anfangs mai durchgehends mit blindholz, an dem alles alte holz, selbst der auf dem linken Rheinufer so beliebte wulst, woran sich die besten fuszwurzeln bilden, abgeschnitten wird Bronner weinb. im Rheingau 38.
d)
erhebungen und unebenheiten in der natur: endlich erreichte man ... eine geräumige halle, in welcher ... die stalaktiten in säulen, wülsten ... und unzähligen zapfen sich zeigten Immermann w. 20, 44 Hempel; als ich einmal ... auf die wulst der felsen, die sich da in der nähe des holzschlages überneigen, geklettert war Stifter s. w. 2 (1908) 299; in manchen revieren ist der boden bis auf den heutigen tag noch nicht zur ruhe gekommen, klafft und öffnet sich, wirft dicke wülste auf Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 355. in der bergmannssprache: scharfe biegung eines flötzes nach oben oder unten, ein graben oder horst im kleinsten maaszstabe Veith bergwb. (1870) 581; kupferglanz ... häufig zwillingskrystalle, nicht selten derb, eingesprengt, in knollen, wülsten oder platten Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 215.
2)
von bearbeiteten gegenständen.
a)
die verstärkte umrandung eines gefäszes oder behälters, der hervortretende oder aufgebogene rand eines gegenstandes überhaupt: coronam prort vel champ vel wlsta (12. jh.; andere hss. uulsta, wlst) ahd. gl. 1, 328, 64 zu exodus 25, 11: aream de lignis setim compingite ... et deaurabis eam auro ... faciesque supra coronam auream per circuitum (Luther: krantz); labium prort. champ vel wlsta (12. jh.) ahd. gll. 1, 329, 11 zu exodus 25, 24: et inaurabis eam auro purissimo: faciesque illi labium aureum per circuitum (Luther: krantz); die nahmen der teile eines tohrbrächers. der kragen, der wulst, die augen, das zündloch, die kammer Zesen kriegsarbeit (1672) 3, 128; wulst, bourrelets (bleyarbeiter). dieses ist der weggerollte rand einer bleyplatte. man nennt ihn also, weil er einem würklichen wulst ähnlich sieht Jacobsson technol. wb. (1793) 8, 227ᵃ; bei sieben der erhabene rand, welcher da entsteht, wo der siebboden an dem reife befestigt ist Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; ein am oberen ende einer bohrstange ... um die stange gelegtes eisen Veith bergwb. (1870) 123; werden blechränder, z. b. bei dachrinnen, zu cylinderchen eingerollt, welche nur wenige millimeter durchmesser haben, so heisst diese operation herstellung eines wulstes Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 1, 549; die leeren säcke werden mit ihrer öffnung um einen unter dem rohre befindlichen wulst befestigt Muspratt chemie 2 (1889) 78; ebda 3 (1891) 1583; wulstreifen ... besitzen an den deckenwänden hakenförmige verdickungen (wulste), die in die nach einwärts gebogenen felgenränder geklemmt werden d. gr. Brockhaus 11 (1932) 640ᵇ.
b)
teilweise sich der bedeutung B annähernd. an der kleidung, namentlich der frauentracht, ein sich abhebender dicker saum; borte, verbrämung: formula wuͦlst (mulierum) (Nürnberg 1530) Diefenbach gl. 243ᶜ; fimbria saum, wulst, blege, verbrämung Frisius dict. (1556) 562ᵇ; fimbria, extremitas vestimenti der saum oder wulst am kleide, der borthen B. Faber thes. (1587) 320ᵇ; patagium ein wulst oder gebreme oben vmb den rock B. Faber thes. (1587) 595ᵃ; fimbria saum, wulst, bläge, verbrämung Stephanus-Frisius (1590) Yy 5ᵇ; 'hosenbund': wolst an einem wammes, so die hosen hieoben helt Hulsius-Ravellus (1616) 419ᵇ; wulst saum Hulsius (1618) 1, 279ᵃ; wulst fimbria Stieler stammb. (1691) 2576; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1044. literarisch:
siehst du den blanken geck?
...
der weiszen strümpfe wulst ist schwarz von staub und erde
anmuth. gelehrs. (1752) 120 Gottsched;
was wollte der lächerliche wulst an den beinkleidern unserer väter sagen, welchen wir noch heut an unsern Schweizertrachten wahrnehmen? Bode Montaigne (1793) 5, 187; an der Ilm hängt dieses (das weibl. geschlecht) seine röcke an dicken, unten rund um das müeder gehenden wülsten (würsten) auf Schmeller-Frommann 1, 1708.
c)
als fester begriff in der architektur: wulst ... ist bey säulen-ordnungen und simsen ein ausgebauchtes glied Eggers kriegslex. (1757) 2, 1370; man lehret ferner von den 5. seulen, wie selbe mit ihren fuszgestellen, leisten, vierungen, gurden, ringen, banden, frisen, wulsten ... unterschieden werden Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 437; es (das ionische kapitäl) hat nicht nur einen geschnittenen wulst Hegel w. (1832) 10, 2, 326; die entasis der säulen, die wulste der kapitäler zeugen ... für die spätere erbauung Gaudy s. w. (1844) 5, 43; während die füsse desselben (säulchens) nur aus mehreren wülsten bestehen, erhält das kapital eine recht mannigfaltige gestalt Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 418.
d)
allg. eine ausbuchtung, eine verdickung: wülste (wollstreicher) die dicken stellen, die nach dem schrobeln auf der wolle bleiben. die wolle filzet sich an diesen stellen Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 673ᵃ; wulst ... die wölbung des schiffes über dem steuerruder Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; in dem standglase ist der zinkcylinder so angebracht, dasz er auf einem durch verengerung des standglases entstandenen wulste feststeht Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 3, 203.
B.
dickliches, zusammengerolltes oder -gebundenes wurstförmiges gebilde. in den maa. z. t. nur in dieser bedeutung: wulst etwas dick zusammengelegtes, gerolltes oder gebundenes Richey id. Hamb. (1743) 348; brem.-nds. wb. 5 (1771) 303; Doornkaat Koolman ostfries. 3, 580ᵇ.
1)
als zubehör zu haartracht und kopfbedeckung.
a)
wulst, toupe ist ein klumpen ... haare, welche man in den händen zusammen reibt, damit er fest werde, und diejenige form bekomme, welche er haben musz, wenn man ihn oben auf den scheitel der weiber legen, und die aus dem nacken in die höhe geschlagenen haare darauf fest machen will, damit es das ansehen habe, als ob daselbst das haar ungleich stärker gewachsen sey Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 227ᵇ; ein ausgestopftes kleines kissen, über welches die kopfhaare ... geschlagen werden Hübner zeitungslex. (1824) 4, 980ᵃ; gesellen! die pomaden, ... die falschen haare, die wulste, die kissen, in gröszter, gröszter eile herbei Tieck schr. (1828) 3, 395.
b)
teil der kopfbedeckung: wurst oder wulst über die haube, war eine insgemein von taffet überzogene und mit baumwolle oder werck und flachs ausgestopffte runde wulst, so über das nest der haube gezogen, und mit dem flor-teller bedecket ward Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2147; s. auch 272; dy syden huben der frowen vorgingen reyne; dy frowen lange czippfelichte huben, dy wunden sy vmme dy houbte adder grosze dicke breyte wolste vnnd forne her an den huben kostliche sterneche Stolle thüring. chron. 190 lit. ver.; erstlich müssen sie haben mancherley schleier, ... darnach grosse wülste, schöne hauben theatrum diabol. (1569) 451ᵇ; im selben 36. jar, den 9. maij, ist zu Presslaw ein kneblein geboren, so hinden auff dem heubt hat hengen gehabt ein stück fleisch und blut, wie jetzunder zu Bresslaw die weiber, wülste und hauben haben, und hinden auff den nacken hangen haben Irenäus v. seltzamen wundergeburten (1584) K 4ᵇ; die männer haben mützen mit einem wulst auff dem kopffe Mandelslo morgenl. reisebeschr. 147 Olearius. eine gepolsterte mütze für kinder, 'fallmütze': Ludwig t.-engl. lex. (1716) 2539; Popowitsch vers. e. vereinigung d. maa. v. Teutschland (1780) 272; hüte werden denen kindern nicht gleich auffgesetzet, ausser was die so genannten wülste und ausgestopfften fall-hüte, welche sie im fallen vor schaden bewahren sollen, betreffen möchte Marperger beschr. d. hutmacherhandwerks (1719) 32.
c)
in der heraldik: wulst ... die von bändern verschiedener farbe ... gewundene, dicke unterlage auf dem helm, auf welche der helmschmuck gesetzt wird Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; wulst oder helmwulst ... ist die bei vielen wappen zwischen helm und kleinod befindliche gewundene binde Querfurth herald. terminol. (1872) 175. literarisch: es were auch noch viel zu sagen von den helmen, helmdeken, kleinoden, wülsten, kronen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 169; hujus loci est ut etiam agamus de diademate tortili, quo affigebatur, tegumentum galeae et cono ... galli vocant bourlet ... vocamus wulst Spener opera herald. (1680) 320.
2)
in der frauentracht ein dickes um die hüften gelegtes und unter den röcken getragenes polster; bourlet eine wulste als die weiber vnder die röcke tragen Duez nomencl. (1664) 90ᵇ: dieweil die cölnische frauen jres ausschweifens halben kein preit gesäsz ersitzen können, darumb müsen sie mit dem gewand jm helfen vnd es vmb den hindern mit wülsten ausfütern Fischart w. 3, 184 Hauffen; deszgleichen sollen sie sich ... insonderheit der grossen eisen und wülste unter den röcken ... gäntzlich enthalten sächs. policei- u. kleiderordn. (1612) 15; eine dicke von friess gemachte wulst ..., so die mägde auf den hindern binden, welche nicht viel röcke haben jungfer Robinsone (um 1730) 26;
nicht mit der gaukelnden mod' unförmigem wulst' um die hüften
J. H. Voss ged. (1802) 1, 194.
3)
ein gegen stosz, druck und belastung schützendes polster, eine weiche umhüllung oder unterlage; bei pferden: bourlet de collier de cheval die wulste eines pferds, kommet Duez nomencl. (1664) 90ᵇ; der kummet-stock ist die art von ausgestopftem wulst, der das ganze vordertheil des kummetes umgiebt Krünitz öcon. encycl. 55 (1791) 49. speziell im turnierwesen: in dem jar an sant Barbara tag da wolt der Pawmgartner ... stechen und berent sein pferd und rait zu der purkslahpruken herausz onangelegt, das pferd verpunden mit dem wulst oder vorpug (Nürnberg 1487) städtechron. 10, 385; 'das rennen mit dem wulst' bei Schmeller-Frommann bair. 2, 908; das rennen mit den wulst und die tartzen fest angezogen Fleming d. vollk. soldat (1726) 24; als polster, um kopflasten zu tragen: ein wulst für weiber die etwas schweres auf dem kopf zu tragen haben Ludwig t.-engl. (1716) 2539; vgl.tragwulst Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399ᵃ; wulst Frisch nouv. dict. (1730) 678; Krünitz öcon. encycl. 240 (1857) 165; dass er (Herkules) ... zur täuschung des Atlas einen weichen wulst sich unterzulegen begehrt, ist auf den bildwerken nicht angedeutet Gerhard akad. abhandl. (1866) 1, 80. ferner: ein wulst auf einem nachtstuhl Ludwig t.-engl. (1716) 2539; vgl.gemachstul-wulst Kramer t.-ital. 2 (1702) 1399ᵃ; wulst Popowitsch versuch (1780) 272; wülste ..., welche sie (die boxkämpfer) vor den leidigen zufällen blauer augen, zerschellerter kinnbacken und blutiger nasen hinlänglich schützen und sichern werden Bode Thomas Jones (1786) 5, 64; auf der andern (seite lag) eine wulst von schwarzem sammet, die ihrem hochaufgestreiften arme zur unterlage diente Thümmel s. w. (1853) 6, 22. bildlich: (er) würde sie (seine worte) darum alle mit weichem wulst umgeben Börne ges. schr. (1829) 1, XXI.
4)
allg. ein dicker, rundlicher, wurstförmiger gegenstand: (er) band demnach eine paar würste oder wülst (mit geld), die er auff blossem leib trug, herunder, warff sie auff den tisch Grimmelshausen Simpl. 361 Scholte; dann nahm ich mein mäntelein ab, und rollte es zusammen in einen langen wulst Brentano ges. schr. (1852) 4, 9; der arbeiter ... nimmt einen kleinen thonkloss, rollt ihn zu einer langen dünnen wulst (weller) aus Karmarsch-Heeren techn. wb. 8 (1885) 747; als 'wisp' bezeichnet man eine aus heu oder werg gedrehte wulst Alten hdb. f. heer u. fl. 4 (1912) 672; regungslos hängen die braunen wülste, die fesselballons, am kobaltblauen himmel Liller kr. ztg., 4. auslese (1916) 57; wulst an der dachrinne: die kurze röhre, durch welche das wasser in die längs am hause hinabgeführte ableitungsröhre kommt Schiffner dt. sachwb. 10 (1831) 448ᵇ. auch von einem dicken menschen; scherzhaft-spöttisch: wie gehts, dicker Hans? wie gehts, wulst? Shakespeare 6 (1800) 140.
C.
eine zusammengeballte, gedrängte, oft unübersichtliche und wirre menge: die aus dieser wulst (der Laokoongruppe) ins freye hinausragende spitze schlangenköpfe Lessing 9, 41 L.-M.; sein ganzer wulst von heldengedichten Abbt verm. w. (1768) 3, 325; eine solche selbständigkeit, wie sie bei uns ... das publikum (als wulst von einzelnen gedacht) dem autor gegenüberstellt, kennt man in Frankreich nicht Gutzkow ges. w. (1872) 7, 381; (er) zog hierauf einen wulst noch ungedruckter gedichte aus der tasche Langbein s. schr. (1836) 12, 78; bis einer — ein einziger — aus dem wulst der gaffenden seine hilfe brachte (bei einer prügelei zwischen schülern) qu. a. d. j. 1937; auch: ich werd' ihn ihm mit einem hübschen wulst von beobachtungen und anfragen zuschicken Grabbe w. 4, 539 Bl. mundartlich: eine wulst menschen Hertel Thür. 260; wulst, f. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 681ᵃ; beim umgraben hamm'r ene wulst wörmer umgedeppert Albrecht Leipzig 238ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1958), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1754, Z. 53.

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Zitationshilfe
„wülste“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BClste>, abgerufen am 08.08.2020.

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