Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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allerwünscht

allerwünscht
(all - er), ab omnibus expetitus:
wer empfängt nun der gewänder
allerwünschtes?
Göthe 2, 109;
Fortuna, die weltbekannte, die allgesuchte, allerwünschte. Tieck 3, 6.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 229, Z. 37.

gewünscht, gewunschen, participiales adjectiv

gewünscht, gewunschen, participiales adjectiv
mit theils vorübergehenden, theils heute noch lebenskräftigen verwendungen, die über den bereich des verbums hinausgreifen.
1)
dieses bezeugt sich der litterarischen überlieferung gegenüber zunächst spröde: gotische, altsächs. belege fehlen ganz, angels. fallen spät, und althochdeutsche sind dürftig.
a)
im besondern gilt das für das particip, dem aber mit dem übergang zur mittelhochdeutschen zeit um so reichlichere belege zuwachsen, in denen sich namentlich ursprünglichere verhältnisse und auffassungen erschlieszen, die der heutige gebrauch verdunkelt hat; vgl. Graff 1, 905; mhd. wb. 3, 821ᵃ; Lexer 3, 999.
α)
die willensrichtung auf ein bestimmtes ziel, die den heutigen gebrauch des verbums beherrscht, kommt zwar in dem ersten zeugnisz für selbständige verwendung des particips zum ausdruck: taz ist sâlig tôd, ter in lustsamên zîten nechumet unde in leitsamên gewunstêr netuelet (vocata venit mestis) Notker Boethius s. 3, 16ᵃ Hattemer; vgl. auch: adeptio gewunischit Münchener handschr. d. 12. jahrh. zu den glossen Salom. s. Steinmeyer-Sievers 4, 166 (vgl. dagegen giwnst, gunst in andern handschr, s. 1, 29); sonst nimmt aber gerade das ältere particip hieran weniger theil, es ist im grunde nur in anlehnung an die lateinischen formen adoptare, adoptatus, adoptativus also mit aufgezwungener bedeutung bezeugt; vgl. adoptivus zogewnscit, zwgewünscht, zuͦgewnster u. a. glossen zum summarium Heinrici s. Steinmeyer-Sievers 3, 66; vgl. auch Diefenbach 13ᵃ; vgl. Jacob Grimm rechtsalterthümer 1⁴, 638, der die anscheinend 'steife nachahmung' doch auch im angels. belegt und an bildungen wie wunschkind, wunschmutter erinnert; vgl.
diu frouwe handelte diu kindelîn
sam si ir sune solten sîn ...
si wunscte ir ze kinden,
ir erbes hieʒ si sich underwinden,
als noch der sit ze Chriechen ist.
kaiserchronik 1462 E. Schroeder;
vgl.do nam er Maximianum, der ouch Hercelos hies, ze einem gewunsten sun machet in ouch keiser Züricher chronik 8 Dierauer (quellen z. schweiz. gesch. 18, 8); erwunschet, adoptivus Graff 1, 106.
β)
eine andere bedeutung erschlieszt sich in festen verbindungen der mittelhochd. dichtung:
vil zarte suͤsse un̄ iemer wol gewünschet wib.
könig Wenzel s. Heidelberger liederhandschr. 13 Pfaff;
vgl. dazu:
wan so gar des wunsches gunst
lag an in mit grosser kunst,
doch was ir alles schoͤne ain wint
unʒ an Wilhelmes kint ...
als es gewunschet solte sin.
Rud. v. Ems Willehalm 3163 Junk;
ein gewunschet kindelîn.
Berthold v. Holle Crane 3719 (s. mhd. wb. a. a. o.);
waʒ freuden richer freuden jar
hant die do mit gote sint.
ei, sie gewünschten gotes kint.
Heinr. v. Neustadt gottes zukunft 7693 Singer.
seltener sind verbindungen mit unpersönlichen substantiven, die dagegen bei erwünscht (s. theil 3 sp. 1072) reichlich belegt sind:
liht ob mich got noch sehen lat
ir gewunschtes antluͤtz.
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Oesterreich 11913;
ein gewünschet leben.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 22940;
vgl. auch: ein vogel der zuht ... ein gewünschteʒ vaʒ der saelde Hermann Damen minnes. 3, 169ᵇ v. d. Hagen; in solchen verbindungen tritt die beziehung auf den einzelfall, auf einen geäuszerten oder angedeuteten wunsch zurück. dagegen eröffnen sich andere beziehungen und anlehnungen an fremdes und einheimisches: einerseits wird der allgemeinere hinweis auf mögliche fälle, den das part. prät. in engerer anlehnung an lat. gebrauch zum ausdruck bringen kann, von manchen wendungen auch hier nahe gelegt, in denen gewünscht im sinne von wunschlich (s. Lexer 3, 999) auftritt, vgl. auch die entsprechende entwicklung von erwünscht. von hier aus liesze sich die eigenartige negationspartikel im folgenden als steigerungsmittel auffassen (ungewünscht, unwünschbar, was man sich in dieser vollendung gar nicht erwünschen kann);
ain schone wib
dü hatte so gar ungewünschten lib
das ir clar wiplich bilde
was ein wunder uber wilde
das nieman möchte schowen
ain so schone frowen.
(von der weiber leichtsinn) Laszbergs liedersaal 2, 627;
vgl. dagegen:
si heten gar gewünschten lîp.
Ulrich v. Eschenbach Alexander 22131;
vgl. Jelinek a. a. o. anderseits ist aber auch auf das übernatürliche gewicht zu legen, das im subst. wunsch deutlicher zum ausdruck kommt und das in einer andern participialform mit präfix (verwunschen) sicher zu fassen ist. unter diesem gesichtspunkt fällt auch auf bestimmte voraussetzungen licht, an die der ältere gebrauch des verbums gebunden ist, auf die ausrufform, wie sie in der parallele mit vocata bei Notker erkenntlich ist, auf das anrufen höherer mächte; vgl.:
sin was man allo worolti   zi gote wunsgenti.
Otfrid 1, 11, 33;
deutlicher wird diesz im folgenden sô wegoe mannolîch sînen fienden sus wola wunsce in Notker psalm 69, 3 (s. Hattemer 2, 241ᵇ), wo das anwünschen und die beschwörungsformel durchklingt. und auch der blick in die zukunft, der dem gemeingebrauch des verbums innewohnt, erhellt in zusammenhängen wie wunschendo dero chumftigôn dingo diû er fore sach.
b)
auch im übergang zur neuhochdeutschen periode läszt
α)
die bibelübersetzung Luthers beide richtungen belegen, vgl.: ah mein ausserwelter, ah du son meins leibs, mein gewündschter son Luther sprüche Salom. 31, 2; gegen: also meine lieben und gewündschte brüder Philipper 4, 1 (cod. Tepl. allerliebsten bruder und begerlichsten).
β)
aus den wörterbüchern ist einiges zu gewinnen:
1))
anfänglich wird dem particip wenig beachtung geschenkt Cholinus-Frisius (1541) führt es nur unter expectatus (lang gewartet und gewünscht 342ᶜ) und optatus (gewünscht 615ᵇ) an; dagegen vgl. adoptivus, erwelter sun 52ᵈ; optabilis, wünschlich, wünschenswerth 616ᶜ; opportunus ... komlich, nach wunsch, gschickt, füglich 614ᵈ; dazu stimmen: gewünscht, begärt, optatus, desideratus Maaler 180ᵇ; gewünscht, exoptatus, desideratus Henisch 1610; dazu vgl.gewünscht bei König (gazophyl. lat. 1668) unter optatus (s. 800), exspectatus (gew. gehofft 425), cupitus (299) und adoptatus 34.
2))
anfangs vereinzelt, häufiger in neusprachlichen buchungen erscheint die sonderbedeutung, die oben mit lat. gebrauch zusammengestellt wurde, und mit der sich auch verdunkelte heimische verwendungen kreuzen, vgl. schon: gewünscht, optato ... das gewünscht wird, optabilis Dasypodius deutschlat. S 6ᶜ; vgl. gewünscht souhaité desiré, qui vient à souhait, optatus, desideratus, exoptatus, peroptatus — gewünscht, das ihm einer wünscht oder wünschen möchte, souhaitable, desirable, optabilis, exoptabilis Duez dict. germ. gall. (1664) 200ᵃ; gewünscht, desiderabile, desiderable, souhaitable, desirable Rädlein 385ᵃ; gewünscht. souhaité, souhaitable, désirable, agréable, avantageux, favorable Schwan 1 (1783) 750ᵇ; vgl. auch gewünscht ... opportunus (neben optatus, exspectatus u. a.) erwünscht G. Matthias (1749) 182ᵇ.
3))
die vereinzelten hinweise auf verbindungen werden doch mehreren richtungen gerecht: optato advenis, du kömpst mir als ein gewündschter gast B. Faber thes. erud. (1622) 323; eine gewünschte sach und gelegenheit, une chose souhaitée, souhaitable, occasion a souhait, res optata Duez; gewünschte tage haben, gewenschte dagen hebben, na zyns harten lust leeven Kramer 2, 97ᶜ. erst spät wird der adoptivsohn angezogen: adoptivus, angewünschtes kind, erkohrnes kind, wahlkind Sperander a la mode sprach (1727) 16ᵃ.
c)
unter den formen ist
α)
bei wünschen, wie bei winken, die starke flexion des part. prät. aus mundarten bezeugt: gewunschen, gewünscht (Bayern) A. v. Klein deutsches provinzialwörterbuch (1792) 175; vgl. Schmeller 2², 961; der kommt grad wie gewunschen Martin u. Lienhart 2, 961; de chunsch wie g'wuntsche Seiler Basler mda. 319; gewunschen Kehrein volksspr. in Nassau 1, 163; gewunsche für gewünscht Askenasy Frankfurter mda. 106. auch in die schriftsprache greift die mundartliche form über: dem ohngeachtet konnte ich doch nicht ruhen, mit eben derselben, dieses 1745. jahr einen neuen versuch anzustellen, und da erhielte ich endlich, was ich so lange schon gewunschen A. J. Rösel insectenbelustigung (Nürnberg 1746) 1. nachtvögel 3. classe s. 37. angenommen von der schriftsprache ist diese form nur bei dem isolierten verwunschen s. d. (zu erwunschen s. den ältesten beleg bei Schmeller a. a. o.).
β)
in der stammsilbe
1))
gehen vom spiranten bemerkenswerthe schreibungen aus:
a))
auf die vorstufe einer lautverbindung weisen hier die ältesten schreibungen: gewunsget, gewunscit (s. sp. 6792); doch vgl. ebenda auch schon giwunischit. die schreibung s für sk, die in formen des prät.vor allem des part.auftritt, giebt noch keinen sicheren anhaltspunht für die einheitlichkeit des neuen lautes, da sie auch als verkürzung beim zusammenstosz dreier consonanten (vgl. Braune ahochd. gramm. § 99. anm. 3) sich rechtfertigt; vgl. gewunstêr bei Notker, giwunst Steinmeyer-Sievers 4, 166; aus späterer zeit kommen schwäbisch-alemannische zeugnisse in betracht: gewunsten sun Züricher chronik 8; gewinst (optato) Straszburger Terenz (1499) 4ᵃ; vgl.haben die ... gewainet ... und gewinst, dasz das hellisch feur darein schlag Sender s. dtsch. städtechron. 23, 342; ir gewünsten Eberlin v. Günzburg 2, 44.
b))
ein übergangslaut zwischen dem nasal und dem spiranten wird erst vom 16. jahrh. ab in der schrift gekennzeichnet und ist in den wörterbüchern meist gemieden, vgl.gewünscht bei Cholinus-Frisius, Maaler, König, Duez u. a. gegen: gewündscht Basil. Faber thesaur. erud. (1662) 325. reichlich dagegen ist die litteratur hieran betheiligt: gewündscht Luther spr. Sal. 31, 1; Philipper 4, 1. vgl. auch die predigtnachschr. v. Rörer s. 34, II, 544 gegen gewunscht in beiden fassungen 104; desgl. gewündscht Opitz 2, 7. 12. 50. 53. 59. 60. 87; 3, 261; 4, 283 u. a. (gegen gewünscht 2, 81. 3, 264; 1, 92); desgl. Fleming (s. 89. 232. 237. 253. 363. 386. 606); seltener Gryphius s. 362. 371 (gegen gewünscht 20. 380. 384. 409. 465 u. a.) Palm. dagegen durchgängig bei Zesen, Paul Gerhardt, Reichel, Butschky.
2))
die umlautbezeichung ist noch mittelhochdeutsch vereinzelt; vgl. auch gewunsten Züricher chr. 8 Dierauer, ein gewunscht mensch Kantzow 314; vgl. Luther 34, II, 104 (gegen 544).
γ)
unter den steigerungsmitteln sind beide formen, die verbindung mit partikeln, wie die flexivische steigerung reichlich vertreten.
1))
mit dermassen ungedultigen verlangen ... weil wir eines so gewünschten anschawens musten beraubt sein Opitz Sidneys Arkadia (2) 392; desgl. (so gewünscht) Rachel sat. ged. 32; Simon Dach 563 Österley; Abrah. a S. Clara Judas 1, 4; C. C. Lucius an Gellert s. 224 (s. u.);
ach komm, ach komm du sehr gewünschter tag.
Opitz teutsche poem. 145 neudr.;
dass er ... sich selbst mit einer art von bitterm trotz diesz ihm so naheliegende und so sehr gewünschte glück versagte K. Ph. Moritz Anton Reiser 261 Geiger; vgl. (s. u.) gar gewünscht Tat. Alpinus 25ᵃ; diser fund ging mehr als gewündscht von statten Zesen adriat. Rosemund 80 neudr.;
er schwimmt in einer see mehr denn gewünschter wonne.
Gryphius (Stuardus 1, 4) trauersp. 30 Palm;
o höchst gewünschtes glück.
(3) 404;
vgl. auch 370.
2))
ist nichts gewünschters jhm gewesen,
weder die reuter auszerlesen
und die artzneikunst zu ergründen.
Joh. Spreng Aeneis (12 b.) 252ᵇ;
wesshalben einem reisenden nichts gewünschteres, als ein gutes wirthshaus, worinn er den hunger und durst stillen ... kan Abraham a S. Clara etwas für alle 1 (1699) 617; gleich als ob ... die verdrossene ungedult gewünschtern erfolg zu hoffen hette, als die freimütige fürsichtigkeit Erasmus Francisci der höllische Proteus (1695) 307; vgl. auch (s. u.) S. Dach 897; Fleming 363;
nicht der gewünschteste both allvaters.
Denis lieder Sineds 200;
desgl. (s. u.) schausp. engl. comöd. 248;
das kreuz
schafft mir die gewünschteste ruhe.
F. D. Schubart (d. bild d. religion) 2, 325;
er (Mephistopheles) reitet kein lebendiges pferd ... auch hat er es nicht vonnöthen; denn schon sein wollen bewegt ihn in der gewünschtesten schnelle Göthe (zu Eckermann) gespr. 5, 322 Biedermann; vgl. auch (s. u.) Stifter 1, 5 Sauer.
2)
für den neuhochdeutschen gebrauch kommen im wesentlichen attributive verbindungen in betracht, von denen einzelne formen der substantivierung abzweigen. vorübergehend war auch eine adverbiale verwendung beliebt, die in ihren ersten belegen an lat. vorbild (optato s. o) anknüpft: red gwinst, nach wunsch (optato loquere) verdeutschung des Terenz (Heautont. 3, 3) 77ᵃ (Straszburg 1499); dazu vgl. ebendort die anmerkung: red gwinst ... das ist bisz mir nit mit dinen worten wider red waʒ ich geren hoͤr. es mag ouch also ston ... was du wilt. darnach scheint das particip in dieser verbindung dem sprachgefühl des Deutschen nicht so leicht einzugehen als in der verbreiteten und auch oben gebuchten formel: gewinst herzuͦ kumpst (optato advenis Andria 3, 3, 1—3) 24ᵃ; (bei Val. Boltz: du bekompst mir so erwünscht 27ᵃ); vgl. auch: da komt mir eben einer gewünscht schausp. engl. comöd. (unzeitiger vorwitz 4, 4) 299; kennzeichnend ist die auflösung der verbindung bei Lessing: gewünscht! da kömt er! (Philotas 7) 2³. die einbürgerung des part. neben kommen mag dadurch erleichtert sein, dasz es sich hier ebenso gut als freier zusatz zum subject auffassen läszt, nicht also adverbial genommen werden musz. das gleiche gilt für: ich find euch höchst gewünscht Gryphius (Karolus Stuardus 3) trauersp. 404 Palm;
so wird unfall, angst und leiden
sich von deinem hause scheiden,
alles wird gewünschet stehn.
Simon Dach (hochzeitsschertz) 815 Österley;
den heiligen sabbat,
welcher gewünscht erschien den arbeitseligen menschen.
Kosegarten (Jucunda 2) 2, 68.
der heutige gebrauch würde für gewünscht in solchen verbindungen, je mehr sie sich der apposition zuneigen, erwünscht einsetzen, ebenso wie in der verbindung mit dem verbum subst.:
der gehofften sonnen schein
kan zur see nach rauhen wehen
leuten so gewünscht nicht sein,
als ... mich deine gegenwart erfreut.
Simon Dach 563 Österley;
anders: der tag ist wie gewünscht Göthe br. 5, 111; die ausgesprochen adverbiale verwendung würde jetzt durch nach wunsch oder andere ausdrucksmittel gedeckt; vgl. aber:
und sich gewündscht entzieh der rasenden gewalt.
Gryphius (Karl. Stuardus 1) trauersp. 371;
das wetter, so uns sehr erschreckt,
hast du gewünscht vertrieben.
Simon Dach 215 Österley;
vgl. auch (s. o.) Zesen adriat. Rosem. 86;
was bessers ist zu finden,
als dasz zwei hertzen sich
gewünscht und inniglich
auff glück und fall verbinden?
Simon Dach in H. Alberts arien neudruck s. 289.
a)
auch innerhalb der attributiven verbindungen verengt das particip seinen verwendungskreis mit dem fortschreiten neuerer sprachentwicklung; mehr und mehr werden die verbindungen abgestoszen, die in das gebiet des ausgesprochenen adjectivs übergreifen, dafür breiten sich in immer neuer lebenskraft die formen aus, die den zusammenhang mit dem verbum festhalten. die grenzlinie zeigt sich am besten im verhalten einzelner pronominalbestimmungen, deren rection wechselt, je nachdem sie enger an ein adjectiv oder an eine verbalform angelehnt sind. zum zweiten gehören: und in zwischen des allerhöchsten gewaltigen schutz zu allem fürstl. selbst gewünschten wolergehen, in dero beharrliche fürstl. gnade aber mich in aller demuth empfehlen Wilh. Micrander an Ludwig v. Anhalt (1648) s. Krause (fruchtbring. gesellsch. ertzschrein) 637; Mohammed ... wolle diese trückene abwenden mit einem allgewünschten regen Abraham a S. Clara (auf auf) 3, 260 Strigl; so waren die vom kurfürsten gewünschten herstellungen an den festungswerken auf dem plane mit rothen linien bald umrissen H. König die clubisten in Mainz 1, 368; ich gebe diese von dem herrn vorredner gewünschte erklärung Bismarck (reichstag des nordd. bundes 2. 4. 1868) 4, 11 Kohl; wenn der kaiser damals den von mir zur herstellung der übereinstimmung mit der reichstagsmajorität gewünschten eintritt Bennigsens genehmigt ... hätte ged. u. er. (26. cap.) 2, 85; kam immer erst in die richtige, von seiner umgebung gewünschte stimmung, wenn man aus dem gefühlvollen offen und ehrlich in die direkten heiterkeiten übergieng Fontane (quitt) I, 6, 216. zur ersten gruppe gehören: das war nun ein gewünschter handel für mich Aeg. Albertinus landstörtzer Gusman (cap. 52) 443; ganz ähnlich (s. u.) 76; dan er hätte schohn einen gewünschten auf-enthalt fohr si angetroffen Zesen adriat. Rosemund 40 neudr.; ists nicht ein gewünschtes thun für einen hoffmann ... wann er mit so guten ehren eine barucke, seinen blöden kopff zu beschirmen ... auffsetzen ... darff wiedererst. Simpl. 3, 93; ich will wissen: ob die hand meiner schwester ein gewünschtes glück für sie wäre S. v. La Roche frl. v. Sternheim 22 Ridderhoff;
sie lesen überall die besten blumen ein,
dass mein gewünschtes grab kan desto schöner sein.
Opitz poet. wälder (4) 153;
also nahm dieser erste tag des königlichen festes sein gewünschtes ende Zesen Assenat (1672) 160; dem Brandano schien es nunmehro zeit zu sein, seine längstgewünschte rache auszuüben Happel academ. roman (1741) 113; weniger sicher führen partikeln und ähnliche bestimmungen, weil sie nicht alle mit dem adjectiv so unvereinbar sind wie:
o nie gewünschte post! o nie verlangtes schreiben!
davon die nachricht mir so hertz als seele drückt.
Günther ged.² 666;
gegenüber von: der advocat hatte ... mit dieser post ungewünschte eröffnungen verbunden Immermann (epigonen 2, 3) 5, 90 (anders: ungewünscht sp. 6793). immerhin tragen solche bestimmungen dazu bei, den verbalcharakter des particips auch in solchen verbindungen zu heben und aufzufrischen, in denen gewünscht sonst mehr und mehr zum adjectiv geworden ist (s. u.): die schrifften zu rechter zeit einbringen ... damit sie nur dieses jetzo gewüntschte end und auszgang dieser sachen und rechtfertigung bald erlangen Ayrer processus juris (2, 10) 776 (1680);
noch hab' ich den tag erlebet,
den so oft gewünschten tag,
an dem der, der oben schwebet,
der die welt umfassen mag,
hat ... seinen werthen eid bedacht.
Gryphius (dominus respexit) lyr. ged. 224 Palm;
ganz ähnlich (s. u.) J. C. Günther nachl. 160;
dieweil uns aber ist erschienen
die langgewünschte gnadenzeit,
so lasset uns dem herren dienen
in demuth und gerechtigkeit.
Rist (lobges. d. pr. Zacharias) himl. lieder 133 (1652);
desgl. (s. u.) Fleming 606; (lang gew. tag) Zesen adriat. Rosemund 214; (nacht) Happel academ. rom. 89; (stund) wieder erst. Simpl. 383; (zusammenkunft) Opitz Sidneys Arkadia (1) 87; (genuss) Matthisson 5, 89; (spiel s. sp. 6797) Gryphius trauersp. 20; und dann vom abendessen an, bis zum schlafengehen, war es der gedanke an die bald bevorstehende sehnlich-gewünschte ruhe, der nun über das ... mühsame der arbeit, wieder seinen tröstlichen schimmer verbreitete K. Ph. Moritz Anton Reiser 49 Geiger; (desgl. tag) 121; endlich, kam auch der so heftig gewünschte und ersehnte tag heran, wo er ... die räuber in ... Mannheim darstellen sah A. Streicher Schillers flucht 29 neudr.
α)
die beziehung auf einen ausgesprochenen oder doch leicht zu ergänzenden wunsch beherrscht die attributiven verbindungen, die bis in die neueste sprache lebendig sind und die sich immer wiederunmittelbar vom verbum herneu bilden können.
1))
persönliche träger des attributs sind hier naturgemäsz wenig begünstigt. ausnahmen ergeben sich aus besonderen voraussetzungen wie sie oben besprochen wurden, vgl.: der alt kuͦnig in Ungarn, als er sterben solt, beruͦfft seinen gewuͦnschten und angenomen sun Albanum Albrecht v. Eyb dtsch. schr. 1 (ehebüchlein) 92 Herrmann; (s. o.) anders: bedeut es dem vatter, der kinder begeret, dass sein gewünschter sohn zu rechtem alter solle erzogen werden Ryff traumbuch Artemidori 35ᵇ; der lang vorher geweissagte und gewünschte helt aus norden (Gustav Adolph) Frankfurt 1633;
wir singen dir in deinem heer
aus aller krafft lob, preis und ehr,
dass du, o langgewündschter gast
dich nunmehr eingestellet hast.
Paul Gerhardt wir singen dir, Immanuel s. Fischer u. Tümpel 3, 326.
die neuere sprache meidet solche verbindungen im allgemeinen, kehrt aber in besonderen fällen doch wieder zu ihnen zurück: da man bei dem gewünschten lehrer vor allen andern dingen ein mathematisches fundament voraussetzt, weil seine zöglinge zum militär bestimmt sind Göthe br. 24, 266; wenn der gewünschte teilnehmer an dieselbe vermittelungsanstalt angeschlossen ist, nennt der rufende teilnehmer ... die nummer der verlangten sprechstelle anweisung zur benutzung der fernsprechanschlüsse (Berlin 1912) und so oft.
2))
um so näher liegen concreta, unter denen begreiflicherweise die naturgebilde als gegenstand eines wunsches hinter den gebrauchserzeugnissen zurücktreten, vgl.: wenn der treffliche freund Banks ihm unverhofft einen lange gewünschten menschenschädel zusendet Matthisson (umrisse von Italien) 5, 89;
ein freier, ach! zuletzt erscheint,
der's redlicher, als jener, meint,
der reicht' ihr die gewünschte hand
und zog ihr an das brautgewand.
Platen (heimkehr) 1, 341 Redlich;
der gewünschte schimmel oder Hans und Grete auf der thier- und producten-schau zu Dresden, vgl. das quellenverzeichnisz bei Müller-Fraureuth einl. s.X. gegen: ein fassnachtspiel von Fritz Dölla mit seiner gewünschten geigen (der geige, die sich F. D. gewünscht hatte) Ayrer 2829 Keller;
das reutzeug, die gewünschte zierde,
wird diesem füllen aufgelegt.
Gellert (das füllen) 1, 13;
drang er hinein und raubte ohne widerstand das gewünschte kleinod A. J. F. Köhler das leben Fausts (1791) 147; ich würde nicht einen augenblick anstehen, die gewünschte summe von 500 römischen thalern ... zu offerieren Gaudy (tageb. eines schneidergesellen 15. juni) 1, 212; 'das is was für sie, herr Stappenbeck; ein groschen, aber ich nehm' auch zwei' ... Stappenbeck gab dem krüppel die gewünschte doppelte löhnung Th. Fontane (vor dem sturm cap. 38) I, 1, 381; weil keine der gewünschten gläser sich vorfinden Göthe br. 42, 281 u. oft; man wird mich im verlauf dieser reise schiffbrüchig, in groszen filzschuhen, den mantel statt des gewünschten schlafrocks umschlagend, auf einem sandigen eilande liegen sehen Laube neue reisenovellen 1, 93; als der junge vikar ihr die gewünschten kissen in den rücken schob, dankte sie ihm mit ihrem zärtlichsten lächeln Viebig schlafende heer 42; die gewünschte figur wird mit spiritus auf das gewebe gezeichnet S. G. v. Vogel 14; der ... tochter Käthe werde ich die gewünschte photographie gelegentlich zuschicken Gottfr. Keller 3, 543 Bächtold; desgl. 3, 89.
3))
einen gegensatz zwischen älterem und neuerem sprachempfindengelegentlich auch wohl zwischen individuellem und allgemeinerem gebraucherschlieszen raum und zeitbegriff als träger attributiver verbindungen.
a))
eine örtlichkeit läszt sich nur selten als näheres object zum verbum wünschen stellen, eine solche kann man gelegentlich wohl herbeiwünschen, meist aber wünscht man sich selbst in einen raum hinein. attributive verbindungen des particips mit einem raumbegriff erwachsen also nicht so sehr einer verbalen fügung als der analogie mit andern substantiven, wie vielleicht in:
du ostnordost nur schicke dich
ihn an gewünschten port zu führen.
Simon Dach (abschiedslied) 721 Österley.
doch braucht das particip hier nicht in der einseitigen richtung auf einen bestimmten ort, dem der abreisende zustrebt, eingeschränkt zu sein, es kann auch einen gröszeren kreis erschlieszen, dessen beliebige punkte wunschgemäsz, günstig sich zeigen sollen (s. u.). dagegen richten sich die folgenden wendungen deutlich auf ein bestimmtes erstrebtes ziel:
so setzten beide nun nach dem gewünschten port
den ritterlichen zug, so gut sie konnten, fort.
Wieland Oberon 4, 31 (Hempel);
zuweilen gelanget einer eher mit sturm, an den gewünschten ohrt, als durch gut wetter Butschky Pathmos (nr. 340) 456;
das bringet ihn mit treuer hand
in sein gewünschtes vaterland.
Simon Dach 919 Österley;
wie wohl und sicher ists dem wandrer in der kleinen herberge, dem seefahrer in dem gewünschten hafen C. Ph. Moritz reisen eines Deutschen in England 8 zur Linde;
da stösset kein nachen vom sichern strand,
der ihn setze an das gewünschte land.
Schiller (bürgschaft) 11, 286.
näher liegen unserem sprachgefühl dagegen allgemeinere begriffe, in denen die räumliche vorstellung zurücktritt, vgl.: wie er nach solcher gestalte das gewünschet ziel erreichet Ryff traumbuch Artemidori 9ᵇ; dass sie das gewünschte ziel mit ihren eignen füssen oder lauffe ... erreichen 55;
drumb will sie, dasz auch eben
der, welcher lieben will,
im finsteren soll streben,
nach dem gewünschten ziel.
Opitz teutsche poemata 97 neudr.;
insonderheit die procreationskraft bis zu dem gewünschten ziel zu erhöhen Hufeland kunst das menschl. leben zu verlängern 1², 40; in dem er der gäntzlichen hoffnung lebte, es hätte alles sein gewünschte endschafft erreicht theatrum Europäi 6 her. v. J. G. Schleder (1663) 212ᵇ; vgl. dagegen: auff was weise und durch was mittel man zu einem gewündschten end gelangen möchte 213ᵃ (mit was erwünschtem ende 214) u. a. s. u. sp. 6804.
b))
bei zeitbegriffen, deren inhalt man ja herbeiwünschen kann, ist die verbindung mit erwünschen ganz geläufig, vgl.: endlich kam der erwünschte zeitpunkt, wo es hiesz: allons ins feld Bräker der arme mann im Tockenburg 137 Bülow; dagegen fällt auf: der 25 may war endlich derjenige gewünschte tag, an welchem (wir) abfuhren J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 100 neudr.; seine begierde wuchs nur, da er wohl fühlte, dass er vor sonnabend keinen theil dran nehmen durfte. endlich erschien der gewünschte samstag Göthe Wilhelm Meisters theatral. sendung 15 Maync; die freude, die er sich an diesem sehnlich gewünschten tage versprochen hatte K. Ph. Moritz Anton Reiser 121 Geiger. während unserem sprachgefühl hier nicht einmal erwünscht kräftig genug schiene, um den grad und die art der willensrichtung zu kennzeichnen (vgl.ersehnt), hält die ältere dichtungnamentlich des 17. jahrh.gerade neben solchen zeitbegriffen an unserem particip fest; freilich nicht ohne weitere bestimmungen nach art der oben (sp. 6797) besprochenen zur steigerung der bedeutungskraft heranzuziehen: der langgewündschte tahg wahr kaum angebrochchen, als Markhold seine libe Rosemund zu besuchen anlangte. die tohr-wärterin kahm eilend gelauffen, solche erfräuliche zeitung unserer krancken an zu kündigen Zesen adriat. Rosemund (6) 214 neudr.; endlich erschien die längstgewünschte nacht, auf welche Troll mit sehnlichem verlangen gehofft hatte Happel academ. roman 89; merckte, dasz sich die lang gewünschte stund bald naͤhen würde, in deren seine gottliebende seele den leib quittiren wieder erst. Simpl. 383; lang gewündschte zeit Fleming 606; sehr gew. tag Opitz teutsche poem. 145 neudr.; so gew. tag Gryphius lyr. ged. 224; heftig gew. tag Streicher 29; noch häufiger begegnen hier wendungen, die bestimmte einzelbeziehungen zurückdrängen; ja die eine andere bedeutungsrichtung des particips, die von begnadet, glückbringend, nahe legen s. sp. 6804.
4))
um so ungezwungener lassen sich verbalhandlungen als zielpunkt eines ausgesprochenen oder angedeuteten wunsches fassen; dieser wunsch kann sich auf die thätigkeit selbst oder auf deren abschlusz und ergebnisz richten:
a))
thätigkeit steht im vordergrund:
α))
ha! längst gewünschtes spiel!
Gryphius (Leo 1, 1) trauersp. 20 Palm;
wegen der guten hülffe, die sie bei vollziehung ihrer gewündschten heirat geleistet hette Opitz übers. v. Barclays Argenis (2, 4) 2, 245; den weg zu ihrer lang gewünschten zusammenkunft so glücklich gebahnt hatte Sidneys Arkadia (1) 87; in Mainz angelangt, lieszen wir die dortigen civil- und militärbehör den zu einer besprechung einladen ... der herr vicegouverneur ... liesz sich durch krankheit entschuldigen und uns ersuchen, die gewünschte conferenz in seiner wohnung abzuhalten stenograph. berichte der Frankfurter nationalvers. (1) 93ᵃ; wenn die giganten sich in dem wildesten meer der gewünschten farth nach dem seegensreichen lande widersetzen F. Schlegel (z. romant. dichtkunst) 10, 55; oder man hat ihm solches bitt-libell nicht eingehändigt, sonst hätt er ungezweifflet das gewünschte fiat darauff gezeichnet Abrah. a S. Clara (auff, auff) s. Wiener neudr. 1, 61; wenn man die revolution als die naturgemässe entwicklung der menschheit betrachtet, warum opponirt man so sehr dagegen eine verfassung zu schaffen, die gerade nach den ansichten jener mitglieder nothwendig die gewünschte revolution zur folge haben muss v. Vincke s. stenogr. berichte der Frankfurter nationalvers. (7) sp. 4990ᵇ; wie selten findet man bei den geschäften und handlungen des gemeinen lebens die gewünschte theilnahme Göthe an Schiller 7. 7. 1796; den gewünschten gehofften glanz (an Carus 1. 1. 1826); viele der blätter tragen kein datum ... so ... dass ich die gewünschte einordnung nach der zeitfolge nicht recht zustande bringe Gottfr. Keller (grüner Heinrich 4, 10) 3, 158; zu der gewünschten orientierung wegen des romans (an Rodenberg) 3, 546 Bächtold; mit welcher aufmerksamkeit er (Göthe) alle meine bemerkungen anhörte, mit welchem kindlichen gemüthe er meine gewünschten abänderungen auf der stelle niederschrieb B. A. Weber (der componist des Epimenides) an Iffland (26. 6. 1814) s. Hempelsche Götheausgabe 11, 1, 116; 'ich sahe niemals ein schiff in die luft fliegen'. 'gut ... sie sollen es sehen'. ein ... abgedientes kriegsschiff, mit überfüllter pulverkammer, gab man der gewünschten versprechung auf der stelle preis Matthisson (umrisse aus Italien) 5, 84; ist dieses (das volk) ... dahin gebracht, dass es jene nützlichkeit anerkennt, so führt der menschliche eigennutz schon einen jeden, der sich dazu berufen fühlt ... von selbst auf die gewünschten gewerbe hin J. F. E. Lotz handbuch der staatswirtschaftslehre 2, 151; von der unmöglichkeit der zolleinigung überzeugt, hatte ich kein bedenken, dem grafen Rechberg den gewünschten dienst zu erweisen Bismarck ged. u. er. (17. cap.) 1, 343; die nummer des gewünschten anschlusses anweisung zur benutzung der fernsprechanschlüsse (1912).
β))
vor andern wird hier eine verbindung wiederholt, die sich zur festen formel verdichtet: müssen wir dann nicht auf triebfedern denken, welche, für jede zu bewegende maschine gleich gut eingerichtet, die gewünschte wirkung hervorbringen Th. Abbt verm. werke 2, 67; dieses mittel that die gewünschte wirkung Wieland (Don Sylvio 5, 2) 12, 15; das stück (die Piccolomini) ist nun gespielt, es hat allgemeinen beifall erhalten, alles spricht davon und ich kann mich der gewünschten wirkung erfreuen Schiller (an Cotta) br. 6, 9 Jonas; alle erwägung und argumente ... waren ohne die gewünschte wirkung Bismarck ged. u. er. (29. cap,) 2, 247; dazu vgl.: dies wird den gewünschten und besten effekt thun Göthe br. 2, 283 Stein; erzählt von einer entdeckungsreise welche zu einem gewünschten resultat zu führen scheint Hackländer Stillfried 41. cap.;
b))
ausschlieszlich auf das endergebnisz der verbalhandlung zielen: und wenn man auch ohne den gewünschten fund von dannen geht, so hat man doch tausend merkwürdige entdeckungen in sich selbst gemacht Novalis (Heinrich v. Ofterdingen 4. cap.) 1⁵, 75; da die mährischen stände ... zur parthey ihrer oesterreichischen glaubensbrüder übertraten, ... und die furcht vor repressalien des kaisers den Matthias in die enge trieb, so liesz er sich endlich die gewünschte erklärung zum vortheil der Evangelischen entreissen Schiller (gesch. d. 30 jähr. kriegs 1. buch) 8, 62; der herzog mochte das freilich nur so hingesagt haben ... aber um so mehr war man erstaunt, als herr Schröpfer sich erbot, die gewünschte nachricht zu schaffen W. v. Kügelgen jugenderinnerungen (4, 3) 261; ich habe ... an sie nach Bonn ... geschrieben und ihnen theils die gewünschte nachricht über die holländ. handschr. gegeben, theils um auskunft über den Blankenhain. Wilhelm von Oranse ... gebeten C. Lachmann an Hoffmann von Fallersleben s. Wendeler briefw. Meusebachs m. d. br. Grimm s. 808; der 'junge mann' gab willig in der kürze die gewünschte auskunft W. Raabe alte nester s. 167; als sie eine kunsthistorische frage an das alte weibchen tat, die dieses nicht zu beantworten wusste, als ich ganz trocken den gewünschten bescheid gab P. Heyse (Fedja) II, 11, 142; wir ertheilen die gewünschte vollmacht, und sind uns der schweren verantwortlichkeit bewusst, die wir dadurch übernehmen schreiben des reichsministeriums s. stenogr. berichte d. dtsch. nationalvers. (3) 2103ᵇ; dem abgeordneten Harkort musz ich ... die andeutungen ... unter vier augen mit den gewünschten belegen ... nach ... weisen Bismarck (mai 1852) reden 1, 414; indessen sende ich ihnen das mir übermittelte exemplar mit der gewünschten inschrift versehen endlich zurück Gottfr. Keller 3, 550 Bächtold; eine andere frage aber bleibt, ob wir bei einem grösseren, gemischten auditorium mit unserem stück überhaupt die gewünschte ehre einlegen Mörike (maler Nolten 1) 3, 137; mögen sie den beiden durch Conta genannten männern die gewünschten ehrenbenennungen zutheilen Göthe br. 28, 89; zu einem ... hofmanne, welcher um einen grafentitel für seinen sohn anhielt, sagte er (Louis Philippe) ... ich sehe nicht recht ein, warum er sich nicht selbst den gewünschten titel beilegt Th. Mundt Paris 2, 177; er hatte ihr eigentlich etwas ganz besonders liebreiches zugedacht, etwas das ihrem kranken herzen balsam wäre ... allein er fand das gewünschte wort nicht, und je länger er suchte, desto weiter floh es ihn C. Spitteler Conrad der leutenant s. 175 (1898).
c))
weniger häufig wird ein zustand oder eine eigenschaft als zielpunkt getroffen: ein gantz goldenes hertz, so ihr durchl. ertzhertzog Ferd. Carl in ... todsgefahr ... verlobet, und darauf alsbald die gewünschte gesundheit ... erlanget hat Fr. Caccia lebensthat des heil. Antonii 174; desgl. 215; 108;
bis der gewünschte tod euch wird das leben enden.
Opitz (frühlings klaggedichte) poet. wälder 4, 148. desgl. 163;
die endlich aufgeweckten sinnen,
die nach der länge starker noth
vor den so oft gewünschten tod
den himmel auf der welt gewinnen.
J. C. Günther (anhang v. unvollst. ged. 1, 1) nachlese (1742) 160;
vgl.(s. o.) gewünschteste ruhe Schubart 2, 325; (schnelle) Göthe gespr. 5, 322; ich bedaure, wenn diese ihre gewünschte zufriedenheit nicht befördert worden Bollmann an Bürger 8. 5. 1790; er schloss verdrieszlich das buch, das ihm die gewünschte freudigkeit nicht geben wollte Th. Fontane (vor dem sturm 48) I, 1, 525; Faust ... trat in das schlafzimmer, und fand da die bürgermeisterin in der gewünschten verwirrung Klinger (Fausts leben) 3, 78; minuten vergingen und da kissen und plaid nicht recht helfen und die gewünschte wärme nicht geben wollten, so zog Käthe die klingel Fontane (irrungen, wirr.) I, 5, 309.
5))
bei andern abstracten lassen nur einzelne verbindungen die beziehung auf einen einzelfall deutlicher hervortreten, während andere gleicher art die allgemeinere bedeutung von erwünscht, günstig, gesegnet näher legen: wie ein hertzliches verlangen den allerersten schein des gewünschten guten mit lust annimmt Opitz Sidneys Arkadia (2) 279 (the first shew of comfort);
ihr sollt schon sehn, wie ich es machen will,
die sache zum gewünschten schluss zu bringen.
A. W. v. Schlegel Shakespeares Heinrich VI. 1 (3, 3 to bring this matter to the wisched end);
gegen Opitz Sidneys Arkadia (2) 239. (1) 64. auch in folgender viel belegter verbindung lassen sich unterschiede gleicher art feststellen, vgl.: gott wolle ... mir die gewündschte gelegenheit verleihen, das ich mich im werke erweisen möge Butschky hochdeutsche kanzelley (1666) 4, 9, desgl. Göthe 48, 122; bemerkenswerth ist hier Schiller, der in der gleichen wendung erst erwünscht gebraucht und dieses später durch gewünscht ersetzt: die ... gab den gevollmächtigten Richelieus eine erwünschte gelegenheit den kaiser ... mit ... intriguen zu umspinnen (dreiszigjähriger krieg 2; im histor. kalender von 1791) 8, 140 (in der sonderausgabe von 1802: gewünscht); auch in anderen belegen für die formel scheint doch immer ein thatsächlich gehegter wunsch durchzuklingen: das gedunckte nun mich ein gewünscht gelegenheit sein, mein vatterland und meine freunde zu besuchen Aeg. Albertinus landstörtzer Gusman (11. cap.) 76 (1615); (eine sehr gew. gel.) 71; hierauff wäre ihm das glück so günstig gewesen, dasz er gewünschte gelegenheit erhalten, nach Franckreich zu kommen curieuse nachricht von Joh. Carl von Eckenberg (1726) 5. ebenso vgl.: dass er, gewünschten falls, die stelle mit einem gitter versehen oder mit einem buchsbaum umziehen wolle Fontane (unterm birnbaum) I, 6, 382. deutlich hebt sich die anknüpfung an einen einzelwunsch von dem allgemeineren hinweis auf wünschenswerthes ab in: noch ist zwar nicht abzusehen, ob der fall, für den sie dies anerbieten (eintritt in das heer) machen, wirklich eintreten wird, sollte solches aber geschehen, dann werde ich auch gern ihrer in der gewünschten art eingedenk sein Friedrich Wilhelm III. an H. v. Kleist (1811) s. Steig 655; gegen:
o der gewünschten ahrt,
wen sich ein kluger mann mit seines gleichen paart (i. e. verehlicht).
Rist Parn. 119.
β)
für den allgemeineren begriff des wünschenswerten im gegensatz zu einer bestimmten wunschäuszerung spricht wohl schon die gegenüberstellung von gewünscht und unerwartet: eine gewünschte gabe, die uns unerwartet zu theil wird ... macht doppelte freude Göthe br. 24, 211. verblaszt erscheint auch eine äuszerung, als deren träger unbestimmte gruppen an stelle der einzelpersonen eintreten: endlich kam der erwünschte zeitpunkt ... und ... spät abends kam die gewünschte ordre, uns auf morgen marschfertig zu halten Bräker der arme mann im Tockenburg 137 Bülow. gelegentlich ist das nächst betheiligte subject gar nicht in der lage, einen entsprechenden wunsch zu entwickeln: ein zerrütteter mann erlangt in währender predig die gewünschte vernunfft in küssung seiner gürtel Caccia lebensthat des heil. Antonii 360 (cap. 10 nr. 80). auf solchen erweiterungen oder verschiebungen des participialen gebrauches beruht zum groszen theil die ungewöhnliche verbreitung von gewünscht im 17./18. jahrh., wo es bei einzelnen dichtern den formelschatz stark beherrscht. wie weit andererseits nachklänge älterer übernatürlicher beziehungen in solchem gebrauch des participialen adjectivs zu fassen sind, wie weit ähnliche züge secundär sich entwickeln können, bleibt am besten der würdigung innerhalb einzelner gruppen oder typen vorbehalten.
1))
schon die verbindungen des attributiven adjectivs mit einem persönlichen träger legen diese frage nahe, ohne immer die abgrenzung so zu sichern, wie dies bei den oben (sp. 6797) angeführten wendungen möglich war.
a))
zu gewünscht = erwünscht, ersehnt lassen sich stellen: sciunt, quod adiuvari nos possunt sua sapientia, operibus, meritis, da ist Christus ein gewündschter man nachschrift von Luthers predigten (Rörer) s. 34 II, 544 Weimar; das ist ein gewunschter man (Solger) 104; ein feiner man ... ein gewunschter (Rörer) ebenda;
komm, erlöser brich doch ein!
komm gewünschter! lass mich küssen
dein liebreiches angesicht!
Gryphius (oden 2, 2 nach der aus gabe v. 1650) lyr. ged. 235 Palm;
ist denn Friedrich auszuschliessen,
Friedrich das gewünschte pfand.
Simon Dach (freude bey dem höchst erwünschten gebuhrtstage Friedr. Wilhelms) 693 Österley;
schenck mir die blum der liebe,
durch einen süssen schmatz,
mit mir kein feindschafft ube
du mein gewünschter schatz.
tragikomoedie 5, 4 s. schausp. engl. comöd. 250 Creizenach;
Phyllis, mein gewünschtes gut,
meine zier und krohne,
du, in derer milch und blut
ich am meisten wohne.
Simon Dach in H. Alberts arien, neudr. s. 129;
der gewünscheste both Denis 200 (s. o.); der tüchtige mann war seiner stelle lebenslänglich gewisz und ein gewünschter nachfolger wahrscheinlich Göthe (Meisters wanderjahre 1, 8) 21, 129.
b))
andere verbindungen weisen auf die bedeutung wunschgemäss, nach wunsch gestaltet, begnadet (vgl. si ist gewünschet überal an form und an gelesse Schmeller 2², 961; do wir sie gewünscht wenn sie s'als furt so hätt Martin-Lienhart 2, 841): ein sehr hupscher, wolgewachssener fürst von angesichte und leibe und von einem schonen, langen, gelben har, wie do die gewonheit was, also das die alten sagen, das er ein gewunscht mensch sey gewest und viel besserer eintracht und lieb in seiner ehe were wirdig gewest Kantzow chronik v. Pommern 314 hochdeutsche fassung; o holdseligste und gewünschteste creatur desz gantzen erdkreises schausp. engl. comöd. (tragikomoedie 5, 4) 248 Creizenach;
dasz er (Amor) sag' ob eine zeit
ein gewünschters paar gefreit,
das an herzen, stand und treu
so einander ähnlich sei.
Simon Dach (freuden-liedchen) 897 Österley;
die scribenten loben diesen fürsten mechtig sehr ... Albertus Crancius sagt, er sei gewesen ein gewünschter, ausbündiger und gottesfürchtiger herr Bünting Braunschweiger chronik (1620) 268.
c))
diese bedeutung von begnadet trifft in wendungen geistlicher literatur zusammen mit der anlehnung an den begriff des adoptatus: das wir zuͦ gewünscht kind weren durch Jesum (Ephes. 1) Joh. Eberlin von Günzburg (bericht des glaubens, an die Ulmer) 2, 182 Ender; deszhalb ir lieben und gewünsten in dem herren, wir sollen uns gegen einander demütigen (histori bruder Jacobs) 2, 114; liebe und gewünschte seelen, treue gefährten zur ewigkeit Zinzendorf kl. schr. (1740) 715.
2))
in solcher allgemeineren fassung kommt bei der beziehung auf gebrauchsgegenstände, wie auch bei der richtung auf naturerscheinungen weniger die bedeutung von erwünscht als die von begnadet, gesegnet in betracht, welch letztere auch actives gepräge annimmt: segen spendend:
a))
ihr solt wie volle reben
im kühlen herbste thun,
gewünschte früchte geben.
Opitz (poet. wälder 2) 2, 81;
wie der erfreulichen und gewünschten dinge anbringer, angenehm und dank verdienet; so sein im gegenteile die unglüklichen und traurigen zeitungen verhasst Butschky Pathmos (no: 513) 737; wenn der verabredete tag anbricht, wie eilt alsdenn nicht der erste blick der schönen, für welche er ein fest ist, dem strahl der morgensonne entgegen, und forscht nach der gewünschten witterung? C. C. L. Hirschfeld winter (1769) 91.
b))
wie ... keine so grosse ... kranckheit sein kan, die nit jhre gute und gewünschte remedia und artznei habe Joh. Decumanus dialogus (1521) vorred.;
o der gewünschten kost,
herr vater, welcher ihr hernach in steter lust
mit ruh genieszen könnt! es muszt gewisz für allen
die gottesfurcht an euch dem himmel selbst gefallen.
Opitz (poet. wälder 2) 2, 81;
das gebet ... ist eine erd, die mir überflüssige früchten und vorderst die gewünschte seelenspeis spendiert Abraham a. S. Clara (gemischmasch) 4, 285 Strigl;
denn das gewünschte himmelgut
ererben alle frommen,
die Christum angenommen.
Simon Dach 107 Österley;
schöne nacht, gewünschte sternen,
eillt doch, eillt doch zu uns her
und verkürtzt der brunst beschwer.
Georg Mylius in H. Alberts arien, neudruck s. 135;
nach meeres brausen
und windessausen
leuchtet der sonnen gewünschtes gesicht.
P. Gerhardt vgl. unten theil 10, 1, sp. 1607;
wir scheiden aus der trüben nacht des zagens
zu dem gewünschten licht der schönsten sonne.
Gryphius (Karolus Stuardus 5) Palm s. 465;
brich an gewünschtes licht! wir sind des lebens satt.
(2) 384; anders Menantes ged. 1, 49;
gott der geb' auch besser glücke
und gewündschtern sonnenschein!
Fleming 363 Lappenberg (oden 4, 22).
3))
weniger bedeutung gewinnen hier die sp. 6798 so reich belegten raumvorstellungen.
a))
das vor einen ieden der studieren und sein sinn brauchen woͤll, Meintz ein gewünschte wonung sei (studiosis convenire eam habitationem in primis) Hutten (Vadiscus) 4, 151;
das ich die ungeheuren klippen
behutsam meid und, ob ich etwa segel streich,
iedoch ... gewünschtes land erreich.
Gryphius (Stuardus 1) 362 Palm;
ist deine liebste reich?   sie machet dich zum graven.
ausz einem kalten sturm in so gewuͤndschten haven
so ploͤtzlich angeschifft, in einem augenblikk
so wol gesegnet sein, ist ein setzam geluͤkk.
Rachel satyr. gedichte 32 Drescher.
b))
o Sion du gewündschte statt
du bist nicht auszzugründen.
Rist (lobgesang d. himml. Jerus.) himml. lieder 317 (1652);
drum komm, gewünschter auffenthalt.
Simon Dach 174 Österley;
die ewer liecht zu morgen
zu abend ewrer sorgen
gewuͤndschte ruhstatt war.
Opitz poet. wälder 3, 158 (Frankf. 1644).
4))
bei zeitbestimmungen drängt sich der gedanke an das vorwalten höherer mächte, die das geschick des menschen lenken und die vor allem die zukunft bestimmen, besonders nahe, und so könnte in der ungewöhnlichen zahl einschlägiger bestimmungen auch das anrufen und beschwören der gottheit und die begnadung von oben durchgefühlt werden:
a))
gott, der euch die ziehr gegeben,
lasse den gewündschten tag
euch mit freuden bald erleben,
dasz ein band euch binden mag.
Opitz (poet. wälder 1: bindebrieff) 2, 50;
o dasz der schöne tag,
dasz doch die güldne zeit mit freuden kommen mag
... o edle halb-göttin, komt der gewündtschte tag
da unser' erde dich nun wieder sehen mag.
2, 7;
o den gewünschten tag! der herr hat so gethan
als wie er längst gewollt:
(geistl. poem: klaglieder Jerem. 2) 3, 36;
heran gewündschter tag!
Fleming s. 386 Lappenberg (und so stets bei den gedichten auf namenstage);
dieser so gewünschte tag,
als die sonn ihn tragen mag,
wird uns manche freude geben.
Simon Dach (auf den geburtstag sr. churfürst. durchl.) 648 Österley;
brich an gewünschter tag, den so viel tausend thränen,
so mancher seuffzer macht, so viel betrübte sehnen
herfordern.
Gryphius (Leo 1, 1) 21 Palm;
melde dich gewünschter tag,
da die keuscheit schertzen mag.
Günther (an seine braut) ged.² 271.
b))
o der gewünschten nacht,
die disz panket, und was drauff folget, macht.
Opitz (geistl. poem.: Judith 2, 3) 3, 78; desgl. (poet. wälder 2) 2, 59;
sei, gewündschte nacht (weihnacht) gegrüsset!
Fleming s. 232.
c))
Hymen und Dione lacht
ob der nacht gewünschten stunden.
Simon Dach 823 Österley;
und wünschen, dass auch er der pein
des kummers dieser erden
durch ein gewünschtes stündelein
bald mag befreiet werden.
Simon Dach 120 Österley;
gewünschte stunde! schlag!
Stoppe Parnasz (1735) s. 89;
vgl. dagegen:
willkommen höchst erwünschte stunden,
o welch vergnügen bringet ihr! ...
Menantes (willkommslied) ged. 1, 49.
d))
glückseliger freundt, bringet mir die gewünschte zeit mitte, in der ich mich vor einen glückseligen menschen schetzen kan schausp. engl. comöd. (tragikomoedie 1, 2) 195 Creizenach;
lachen und gewünschte zeit
sollen frölich umb mich schweben.
Simon Dach (auf d. höchst erwünschten geburtstag Friedr. Wilhelms) 612 Österley;
ach eile doch!   gewünschte zeit!
Günther nachlese 162;
Echo ruffet in den wäldern.
die gewündschte frühlingszeit
lässt sich sehen auff den feldern.
Opitz (poet. wälder 2) 2, 60;
dieweil auch anjetzt der gewündschte frühling, die gantze welt gleichsam verjünget (über d. leiden u. sterben Jesu) 3, 261; desgl. (der gewündschte lenz poet. wälder 2) 2, 87;
es ist, gewünschter frühling, war,
dein reichthum krönt das gantze jahr.
Simon Dach 901 Österley;
vgl.(gewünschte frühlingszier) 603.
5))
mit zeit und raumbegriffen berühren sich auf das engste die folgenden verbindungen, bei denen das particip ebenfalls auf höhere gewalten zielt: denen gott endlich aus erbarmung, einen guten, gewünschten und gnädigen ausgang verleihen wolt Schickfus chronik v. Schlesien 4. buch 275; ich freue mich über einen so gewünschten ausgang Chr. Weise Masaniello (5, 25) 140 Petsch; (vgl.erwündschten ausgang Opitz Sidneys Arkadia 64);
er wird zu diesen reisen
gewündschten fortgang weisen.
Fleming s. 237;
damit sie ihr vorhaben möchte zu gewündschtem ende bringen Opitz Sidneys Arkadia (2) 239; desgl. (sein gew. ende) Zesen Assenat 160 s. o.; trägst du das kreuze gern, so trägt es dich wider, und führet dich zu einem gewündschten ende Butschky hoch-deutsche kanzelley (1666) 3, 199; vgl.(gew. erfolg s. o.) Erasm. Francisci Proteus 307; gegen: dass sie zu dem gewünschten zweck oder end ... komen mögen 56ᵃ Ryff traumbuch Artem. dazu vgl.: dann si (die zauberei) ... mit gar gewünschten verhaissungen kräfft der gaistligkeit, darzuͦ gewunnen hatt, zuͦ wölcher der menschen hertzen, seer verbunden werden Tatius Alpinus verdeutsch. des Polydor Vergilius (1, 22) 25ᵃ (1544); vgl. auch:
o höchst gewünschtes glück!
Gryphius (Stuardus 3) 404 Palm; vgl. 370.
6))
bei verbalhandlungen kommt der zug ins übernatürliche nicht so leicht auf.
a))
im gegensatz zu den obigen belegen für eine bestimmte zielrichtung (sp. 6799) macht sich dagegen die verallgemeinerung im sinne von erwünscht geltend: gewünschtes leben treuget oft registernotiz bei Sam. v. Butschky Pathmos für nr. 58 (menschlicher wandel ... es misgönne keiner dem andern seinen höheren stand);
sie macht, dass jedermann nach einem freien willen
gewündschtes leben führt.
Opitz poet. wälder (4: 1. buch d. verliebt. Diana) 159;
vgl. aber (s. u.) S. Dach 174;
er trifft uns zwar, jedoch mit süssen wunden,
durch ein gewünschtes spiel.
Simon Dach (o Venus! 105 Österley (nat. litt.) u. a.;
dasz aus vermählung so ähnlicher gemüter eine gewündschte ehe ersprieszen wird Fleming 89 Lappenberg;
das fuhrwerck der gewünschten eh
wird doch im dr ... stecken beiben,
disʒ wünscht ein frommer christ: adieu!
Joh. Chr. Günther (an ein mägdgen von B.) ged.² (1739) 945;
dann solches bedeutet jhm ringfährige, wolgeschickte und gewünschte verbringung seiner handlunge oder arbeit Ryff traumbuch Artemidori (1570) 129ᵃ;
hat der vatter nicht sein hausz
mit gewünschter zucht besetzet.
Simon Dach 827 Österley;
auf dasz eine gewünschte sukzession eines erben erwartet werde, ist angebetet werden ... gott Priapus Abraham a. S. Clara (prophetischer willkomm) 1, 128 Strigl; unsere allerseitige freude über die gewünschte wiederkunfft der meinigen war gantz unvergleichlich J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 317.
b))
in einzelnen solcher wendungen, die die erfüllung des wunsches einem höheren wesen anheimstellen, legt der zusammenhang für gewünscht bald die bedeutung von begnadet, gesegnet, bald die von gnädig nahe. vgl.:
aber eh wir es verstehen
wird auffgehen
des gewünschten lebens licht
Simon Dach 145 Österley;
so viel heil- und glückwündsche ... erwuchern und gewinnen würden. o seliger und gewündschter wucher! o heiliger und seliger gewinst Arnoldus Mengering Tobias conscientiosus (1638) 94;
nun wird die beruffne schaar,
erbe sein nach dieser zeit,
der gewünschten seligkeit.
Opitz geistl. poemata (auff den 146. psalm) 114;
ist euch nun von dem himmel eine noch fernere gewünschte glückseligkeit zugedacht J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 197; gegen:
herr, nun wir in friede sein
nimmstu auch der andern flehen
in gewünschten augenschein.
Simon Dach 603;
der himmel müsse dir gewünschten beistand schicken.
Gryphius (Stuardus 2) 380 Palm;
dass er ihro majestät umb gewünschte beihülff bitte in einer gerechten sach Abraham a S. Clara lauber - hütt 1 (1721) 177.
c))
eine ähnliche ablenkung vom gegebenen vorstellungsinhalt erfuhr das particip auch in anderen zusammenhängen, wo der zug ins übernatürliche nicht mitspielt. so bei freudenäuszerungen, bei denen mehr die stimmungen der gegenwart als die empfindungen der vergangenheit den ausschlag gaben; in der mitte hält sich:
du werthes vaterland ...
dasz du noch werdest nur zu deiner ruh gebracht.
wir möchten kurtz hernach schild, harnisch, spiesz und wehren,
mit freuden in den pflug der besser ist, verkehren.
wir würden bald die spinn' (ei der gewünschten lust)
ihr netze weben sehn umb einen helm voll rost.
Opitz (poet. wälder 1) 2, 12;
drumb begeht nur diese zeit
ohne meiner harffen seiten
in gewünschter fröligkeit.
Simon Dach 847;
desgl. 571; vgl. auch (quell gewünschter freuden) 176; dagegen vgl.:
jetzt lass gnädigst dir gefallen
wenn das schloss wird wiederschallen
von gewünschtem lustgeschrei.
(auf den geburtstag Friedrich Wilhelms) 615;
wer auff übrig reichthum tracht,
der wird sonsten nichts erstreben,
als dasz er noch bei dem leben
ihme selbst im täglich sterben
und hernachmals seinen erben
ein gewünscht gelächter macht.
Logau (1245. sinnged.) 43 Eitner;
'ich kan wohl das haus meiden' antwortete der saubere landmann. 'bleibt dabei' (war meine gewünschte erklärung) 'ihr habt bei mir in dem haus nichts verlohren' Abele vivat unordnung 1 (1669) 43.
7))
weniger anhaltspunkte in solchen richtungen giebt die verbindung mit abstracten, in denen eine verbalthätigkeit zum stillstand kommt. immerhin ist die verblassung der beziehung auf einzelwünsche auch hier bei einzelnen gruppen von verbindungen häufiger zu beobachten.
a))
bitte ich den höchsten von hertzen, dasz er ... die stadt ... auch ferner segenen, und mit allem gewünschten zustande beschenken wolle Opitz (vorrede zu der übersetzung des Grotius) 4, 283;
ich steh im gewündschtem (var: en) stande
mein feind ist voll scham und schande;
der mein unglück hat gesucht,
leidet, was er mir geflucht.
Paul Gerhardt 71. psalm (14) Fischer u. Tümpel 3, 411;
es stunde, mit einem wort, der Esau in mitte des glücks, und alles gewünschten wohlstands Abraham a S. Clara Judas d. ertzschelm 2, 228; so ertheilet er (gott) uns reichflüssig einen guldenen friden; einen gewünschten wohlstand, und alersättlichen seegen auff auff (Wiener neudr. 1) 28; brachte mir heute herr Zeis zween briefe, die ... ihn auch ihres so gewünschten wohlbefindens versichern C. C. Lucius an Gellert br. s. 224.
b))
gott der trost und hoffnung giebet,
und die menschen hertzlich liebet,
schick euch mit gewünschter ruh,
freud' und fried im glauben zu.
Opitz geistliche poemata (auff d. 77. psalm) 92;
desgl. (in gew. ruh) Simon Dach 929; 234;
er hemmet streit und krieg
und giebt gewünschte ruh.
844;
ganz ähnlich Opitz (trostged. 1) 3, 264; vgl. auch (s. o.) 3, 158 (1644); dasz sie nicht ... lieber werden under E. K. M. in einem beharrlichen frieden unnd gewündschter sicherheit (wie bisz daher) leben wollen Sidneys Arkadia (1635) 43 (1); damit alles ausz dem weg werde, das der kirchen zuwider, unnd dem gewünschten friden unnd ainigkeit widerumb auff die beinn geholffen werde Fickler übers. von Putherbeys tract. v. verbot. büchern 164ᵃ; dass dem eusserst geplagten Teutschlande noch nicht so balde der vollenkommener gewünschter lieber friede, sondern nur die hoffnung desselben würde gegeben werden J. Rist friedewünschende Teutschland 15;
da wir mit höchster frölichkeit
die guhte mähr vernommen,
dass friede, der gewünschte schatz
sol wiedrum treten auff den platz.
geistl. poet. schr. (1658) 2, 114;
ist die so gleichheit findet,
gewünschte freundschafft macht, die welt mit heirath bindet
und hilfft zur einigkeit.
Opitz (lob des kriegesgottes v. 158) 1, 92 (1690);
dass dieser traum, auf welchen so gewünschte warheit gefolgt, solle sein von gott kommen Abraham a S. Clara Judas der ertzschelm 1, 4.
8))
kaum sind hier eigenschaftsbegriffe angezogen:
und der wehrte ritterstand
wohnen in gewünschter treu
diesem schönen einzug bei.
Simon Dach 885 Österley.
b)
die formen der substantivierung gehen wesentlich von attributiven verbindungen aus und führen sich mit dem demonstrativpronomen ein; doch vgl.danken ist wahrhaftig eine ordentliche leidenschaft an mir, nb! wenn mir etwas gutes und gewünschtes geschenkt wird Meusebach an br. Grimm (5. 2. 1828) 79 Wendeler; desgl. (s. o.) nichts gewünschteres Joh. Spreng Aeneis 252ᵇ; Abraham a S. Clara etwas f. alle 1, 617; ferner wünsche jederzeit diese bogen, worauf gesendetes und gewünschtes verzeichnet ist Göthe br. 28, 71. durchaus herrscht die beziehung auf bestimmte einzelwünsche vor, die bis in die heutige sprache lebendig bleibt und namentlich im geschäftsverkehr gern aufgefrischt wird. andere bedeutungsrichtungen sind vereinzelt aus der älteren sprache belegt: aber siehe, da kompt eben der gewünschte meines hertzens schausp. engl. comöd. (unzeitiger vorwitz 1, 1) 262; die zeit am schreibtische ward endlich die liebste und gewünschteste, und wie jede heimliche liebe zuletzt eine offene wird, wird es auch die schriftstellerei Stifter 1, 5 Sauer.
α)
wir sind nie entfernter von unsern wünschen, als wenn wir uns einbilden, das gewünschte zu besitzen Göthe 17, 261;
denn die wünsche verhüllen uns selbst das gewünschte;
40, 280;
was beunruhigt die menschen, als dasz ... der genusz sich ihnen unter den händen wegstiehlt, dasz das gewünschte zu spät kommt, und dasz alles erreichte ... auf ihr herz nicht die wirkung thut (Meisters lehrjahre 2, 2) 18, 128; da es keineswegs verbürgt sei, dass ich meinen zweck erreichen und das gewünschte wirklich erlernen werde G. Keller (grüner Heinrich 3, 9) 2, 97; mit der bitte 'ihm diesen schritt erlassen zu wollen, ... weil doch schlieszlich nur das gegentheil von dem gewünschten dabei herauskommen würde' Fontane (l'adultera) II, 3, 24.
β)
ihr seid recht liebe kinder, aber ich bitte, wenn ihr schreibt, so seht die letzten briefe an und meldet das gewünschte Göthe (an Christiane) br. 23, 396; die frau gräfin wünsche die und die neuen sachen ... zu sehen, und da sie leidend sei und nicht aussteigen könne, möchte ihr das gewünschte an den wagen hinausgebracht werden P. Heyse (frauenbilder: märtyrerin d. phant.) 2, 17, 191; Ziebold ... bat hier um ein glas wasser und nahm erst, als frau Hulen das gewünschte gebracht hatte, seinen faden wieder auf Th. Fontane (vor dem sturm cap. 40) I, 1, 419; dann bat er, sie möchte papier und bleifeder nehmen und aufschreiben, was er ihr sage ... sie brachte rasch das gewünschte herbei und setzte sich dicht neben ihn Georg Reicke das grüne huhn 434; zu etwaiger bestellung auf eins ... der ... angezeigten bücher ... bitte ich sich des umstehenden bestell-zettels bedienen ... zu wollen. jede sortimentsbuchhandlung wird das gewünschte entweder sofort vorlegen oder in kürzester zeit beschaffen können rundschreiben von B. G. Teubner.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1913), Bd. IV,I,IV (1949), Sp. 6792, Z. 46.

winschet, m.?

winschet, m.?,
eine art schacht Junghans auszgeklaubte gräublein ertz (1680) f 3ᵇ, etwa entstellung von windschacht 'luftschacht'?
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1936), Bd. XIV,II (1960), Sp. 410, Z. 44.

wunsch, m.

wunsch, m.

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zur idg. wurzel *u̯en- 'streben, wünschen, lieben'. da das idg. inchoativsuffix -sk(e/o)- praesentia bildet, bestehen für die herleitung der germ. substantiva anord. ōsk, f., ags. wȳsc, ahd. wunsc, m. zwei möglichkeiten. es wäre einmal vom verbum *wunskjan (s.wünschen) auszugehen, das dann gegenüber aind. vāñchati 'wünscht' eine ähnliche j-erweiterung zeigte wie got. wahsjan (gegenüber ahd. wahsan, vgl. gr. ἀέξω) oder lat. misceo (vgl. gr. μίσγω, falls aus *migskō). wunsch (mit seinen germ. entsprechungen) wäre dann als postverbale anzusehen. andernfalls wäre das substantiv zu einem verlorenen praesens, das aind. vāñchati entspräche, gebildet, und wunskjan wäre ein denominativum. für die erste möglichkeit könnte zweierlei sprechen, erstens die verschiedenheit der bildung von anord. ōsk ˂ *wunskō-, f. und ags. wȳsc, ahd. wunsc ˂ *wunski-, m. (ags. nur einmal für filioli belegtes wūscbearn [Lind. G., Joh. 13, 33] nach anord. ōskbarn gebildet?), zweitens der umstand, dasz wȳsc im ags. nur einmal und anord. ōsk und ahd. wunsc sehr viel seltener als die verben belegt sind. jüngere neubildungen zum verb sind die substantive dän. ønske, norw. ynskje, schwed. önskan, mnl. wensc, nnl. wens(ch), engl. wish. durch zugehörigkeit zur gleichen idg. wurzel sind verwandt wahn, wohnen, gewöhnen, wonne, winnen, gewinnen, winster (s. überall dort), ahd. wini 'freund' und ihre germ. entsprechungen, ferner die auszergerm. bildungen aind. vánati, vanṓti 'wünscht, liebt, erlangt, gewinnt, siegt', vanas, n. 'lust', vaní-ḥ, f. 'verlangen, wunsch'; lat. venus 'liebe, liebesgenusz, anmut, liebreiz', venerari 'mit religiöser scheu verehren, huldigen, demütig bitten' usw.; air. fine (*venjā) 'verwandtschaft, stamm, familie'. vgl. Walde-Pokorny 1, 258 ff., Pokorny 1147 f., Kluge-Mitzka et. wb. d. dt. spr. ¹⁷871ᵇ, Hellquist svensk et. ordb. ³2, 1461ᵇ, Falk-Torp norw.-dän. et. wb. 2, 1420, Skeat et. dict. of the engl. lang. ⁴718ᵇ. wunsch hat im dt. die normale flexion eines i-stammes.besonderheiten im vokalismus: uuinsc (gl. K., schreibfehler für uunsc Ra.; R.) ahd. gl. 1, 221, 38 St.-S.; wnischis (gen. sg.) entechrist in: fundgruben 2, 107 Hoffmann. im konsonantismus: einschub eines d, wundsch, seltener eines t, wuntsch, im 15. und sehr häufig im 16./17. jh., wundsch noch Olearius pers. reisebeschr. (1696) 60. wunsch ist ein gewichtiges wort der schriftsprache, aber es ist auch den mundarten nicht unbekannt, wenngleich hier in seinem gebrauch eingeschränkter als das zugehörige verb wünschen. zu herkommen und bedeutung des wortes in den germ. sprachen vgl. Hans Joachim Thiele d. wortstamm wunsch im ahd., aengl. u. anord. (masch.) diss. Berlin (1955).
I.
der mittelalterliche gebrauch des wortes wunsch ist durch die vorrangstellung der objektiven bedeutung A gekennzeichnet, unter deren einflusz auch die abgeleitete, ein subjektives verhalten betreffende bedeutung B steht.
A.
wunsch bezeichnet den inbegriff alles vollkommenen und auszerordentlichen als eine objektive gegebenheit, die dadurch an den irdischen dingen wirksam wird, dasz sie den charakter einer objektiven form im sinne des mittelalterlichen ordo-gedankens hat. kaum im plural gebräuchlich.
1)
in den meisten der wenigen ahd. belege ist (abgesehen von den Notker-belegen unter 2) die wortbedeutung nicht mit sicherheit zu bestimmen.
a)
das gilt besonders für die glossenbelege. aus dem abrogans: obtio uuinsc (gl. K.), optio uunsc (Ra.; R.) ahd. gl. 1, 221, 38 St.-S. ferner mehrere Arator-glossen des 10./11. jhs., von denen einige, vor allem die erste, vielleicht im sinne von 2 zu deuten sind: uoto vunske (Arator 1, 783; 10./11. jh.) ahd. gl. 2, 772, 15 St.-S.; vota uuunsca (Arator 2, 103; 11. jh.) ebda 2, 36, 46; uotum uunsc (Arator 2, 1113; 11. jh.) ebda 2, 33, 12; (uotum) optionem uunsc (Arator 1, 965; 11. jh.) ebda 2, 29, 53.
b)
die schon früh bezeugte lehnübersetzung zu 'adoptio' ze uunske bezieht sich der sache nach auf die aufnahme in das kindschaftsverhältnis zu gott: entfiangut atum ze uunske chindo in demo haremees faterlih fater (accepistis spiritum adoptionis filiorum in quo clamamus abba pater Röm. 8, 15) Benediktinerregel in: kl. ahd. sprachdenkm. 198, 7 Steinmeyer. später prägnant ohne präposition: ioh uuir selben aller erist keist inphangin habinte siuftogen tiefo ininhalb muotis uuunscis peitonte. ih meino irlosedo des lichamen fone selo (in nobismet ipsis ingemiscimvs adoptionem expectantes redemptionem corporis nostri; zu ps. 31, 7, nach Röm. 8, 23) Notker 2, 104, 27 P.; do div uolle des zîtis chom, do sante got sinen sun, geborn uon einem wibe untir der ê, daz er die erlôste, die untir der ê wârn, daz ǒch wir den wnsch siner kinde enphiengin (adoptionem filiorum) (Gal. 4, 5) speculum eccl. 15, 11 Mellbourn.
2)
die objektive form des wunsches wird dadurch gewährleistet und seine wirksamkeit somit erhofft, dasz jemand den wunsch derjenigen person, der er gilt, zuspricht oder ihn sonst im hinblick auf sie ausspricht oder nennt, bis ins frühmhd. hinein dabei hinsichtlich zukünftigen geschehens mit dem nebensinn des vorhersehens. meist positiv und dann oft etwa im sinne von 'fürbitte, segen', nur gelegentlich als 'fluch': (die gottlosen) dimiserunt reliquias suas paruulis suis vnde liêzen iro chinden, daz siê lêibton. vuaz ist daz? âne der fluôh unde der uunsch (ps. 16, 14) Notker 2, 46, 19 P.; vuieo sie des sulin ingeltin des chumet nu prophetia (gloss. foresaga) nals optatio (gloss. uuunsc) (zu ps. 108, 5) Notker 2, 469, 20 P.;
dô nam er urloup von in dâ ...
vil manic guot wunsch âne zal
wart im gegeben an der stat
Wirnt von Gravenberc Wigalois 6209 K.;
wand in (Abraham) hat an solhe stat
des hohsten gotis gwalt gesat
das man mit wunsche im zallir zit
alle gloubigen selen irgit
Rudolf v. Ems weltchron. 5340 Ehrismann;
dô er schiet von dan,
guotlich wart im nâch getân
manic wunsch unde segen,
daz in got ûf den wegen
vor allem übel behuote
Ottokar österr. reimchron. 21 286 S.;
din (Esaus) bruder (Jakob) ist dieplich komen und hett den segen von mir empfangen und het mynen wúnsch bestetiget dt. historienbibeln 664 Merzdorf. so schon früh in der später recht häufigen verbindung wunsches gewalt (vgl. 3 b β; 4; B 3 b):
mit wnischis gewalte
segniti sie (die söhne) der alte (Jakob):
er chunt in zware
was in chumftic were
entechrist in: fundgruben 2, 107 Hoffmann.
im spätmittelalter bahnt sich in diesem anwendungsbereich von B her eine umdeutung in eine persönliche wunschäuszerung an, die für einen andern gutes erhofft. so vor allem, wenn auch nicht ausschlieszlich, in der nd. schriftsprache und besonders in der salutatio-formel: vnsen vrundliken denst mit wunsche alles guden (1429) urkundenb. d. st. Lübeck 7, 298; ebda 439; und danck euch eurs glücklichen wunschs zum neuen jare (Braunschweig 1474) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 116. sonst seltener:
so sey mein wüntsch wo er hin pfleg des wanders
das im glückh nachuolge
Püterich v. Reicherzhausen ehrenbrief 88 in: zeitschr. f. dt. altert. 6, 48.
3)
der wunsch ist, unabhängig von einer persönlichen wunschäuszerung, objektive form etwa im sinne des inbegriffs und urbildes alles vollkommenen mit der kraft, eine gestaltende mächtigkeit über personen und dinge auszuüben und vollkommenes und auszerordentliches an ihnen zu wirken. vorwiegend in der sprache der höfischen dichtung.
a)
in allgemeinem gebrauch, manchmal nahezu im sinne des schöpferischen wortes gottes:
vor hetet ir ein swachez leben,
nû hat iu got den wunsch gegeben
Hartmann v. Aue Erec 6487 L.;
diech mit gesange hie prîse unde krône,
an die hât got sînen wunsch wol geleit
Heinrich v. Morungen in: minnesangs frühling 141, 9;
wen moht dâ (am hof der königin Larie) erlangen
dâ der wunsch geordent was?
Wirnt v. Gravenberc Wigalois 10 612 K.;
sus wart vür Artûsen brâht
an dem (Parzival) got wunsches hete erdâht
Wolfram v. Eschenbach Parzival 148, 30;
da stunt vor geordent mit gewalt
sin (gottes) wunsch an allen sachen,
als her sie wolde machen,
unde stuent in der gesichte gotes
sines gewaldigen gebotes
ein ieslich dinc an siner art
geschaffen als iz doch sider wart
Heinrich v. Hesler apokalypse 535 Helm.
b)
im hinblick auf die gestaltende, vollkommenes wirkende kraft des wunsches.
α)
personifiziert:
der wunsch het in gemeistert so ...
daz nie man sô vollekomen
ans künec Artûses hof bekam
Hartmann v. Aue Erec 2741 L.;
Ênîte was des wunsches kint,
der an ir nihtes vergaz
ebda 8935;
der wunsch der hete an si geleit
mê flîzes denne ûf alliu wîp
Konrad v. Würzburg troj. krieg 19 739 K.;
der wunsch und diu natur
gewuͤrket hant so meisterlich
sin werdes bilde
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 602 R.
β)
wunsches gewalt, mächtigkeit und wirksamkeit des wunsches bezeichnend; vgl. schon unter 2 und anders unter 4 und B 3 b:
wand sî nie gesâhen ...
zwêne rîter gestalt
sô gar in wunsches gewalt
an dem lîbe und an den siten
Hartmann v. Aue Iwein 6916;
wer möht ein alsô wol getâne
mit lobe volle krœnen,
die man niht künde baz beschœnen
mit wunsches gewalte?
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 6927 Sommer;
do kam ein edel junger man,
dem was sin schoͤner lib gestalt
nach dez wunsches gewalt
liedersaal 1, 539 Laszberg.
γ)
als genitivattribut neben andern substantiven, das durch diese bezeichnete auszeichnend und in dem sinne charakterisierend, dasz es nur durch die wirksamkeit des wunsches seine vollkommenheit erreichen konnte:
swaz einem manne mac gegeben
ze der werlte ein wunneclîchez leben,
des hât er gar des wunsches wal
Hartmann v. Aue Gregorius 2261 Paul;
daz was ein dinc, daz hiez der grâl.
erden wunsches überwal
Wolfram v. Eschenbach Parzival 235, 24;
ire ors, nâch wunsches siten,
wol nâch lust sie beriten
vor Akers uf der plânje da
d. kreuzfahrt d. landgr. Ludwig 2671 Naumann;
vnnd khaufft den wunsches füessen
zway zogkhln (schuhe) fein ich main die in geleichen
Püterich v. Reicherzhausen ehrenbrief 89 in: zeitschr. f. dt. altertum 6, 48.
c)
mehr im hinblick auf den inbegriff des vollkommenen.
α)
etwa im sinne des idealen modells, des besten und vollkommensten:
man saget daz nie kint gewan
einen lîp sô gar dem wunsche gelîch (wie Enite)
Hartmann v. Aue Erec 332 L.;
ditz ist ir erbe und ir lant:
daz stuont ê in mîner hant,
daz mir des wunsches niht gebrast:
des bin ich alles worden gast
ders., Iwein 3391;
der wunsch der lac dar under (im schatz), von golde ein rüetelîn.
der daz het erkunnet, der möhte meister sîn
wol in aller werlde über ietslîchen man
der Nibelunge nót 1124, 1 B. (wohl hierher und nicht prägnant gegenständlich im sinne von 'zauberstab, wünschelrute', wie Lexer 3, 996 sagt);
owe, min (Marias) wunsch, mins herszen gir (Christus),
alles liep het ich von dir
Schweizer Wernher Marienleben 10 441 P.-H.;
darnach kam ein fraw dem wunsch vast wol geleich von gestalt, reicheit, kleinat, vnd kleider mit namen Laneyt Wigoleys (1493) c 6ᵃ.
β)
in verbindung mit substantivischem attribut kennzeichnet wunsch das höchste ausmasz, die beste qualität, das exemplarische dessen, was das attribut bezeichnet:
er (Siegfried) het den wunsch der êren
der Nibelunge nôt 723, 1 B.;
daz sô stæte und sô ganz
der tugende wunsch an im lac
Heinrich v. d. Türlin diu crône 20 971 Scholl;
im hæte got den wunsch gegeben ûz erwelter dinge
Konrad v. Würzburg Alexius 142 Gereke.
entsprechend:
hie (in der kemenate) sâhen si inne sitzen
den wunsch von den wîben
Hartmann v. Aue Erec 8222 L.;
ûf einem grüenen achmardî
truoc si den wunsch von pardîs, ...
daz was ein dinc, daz hiez der grâl
Wolfram v. Eschenbach Parzival 235, 21.
archaisierend: da sach er vil liecht und ain wunder schönes pett, dar an sach er ligen den wunsch von diser wellt. er chust si zu hant Ulrich Füetrer Lanzelot 81 Peter.
4)
im ausgehenden mittelalter wird die herrschende bedeutung dahingehend versachlicht, dasz wunsch nun unmittelbar die vollkommenheit einer sache, die fülle des auszerordentlichen bezeichnet: also bleib Nestor in der kamern bisz im der herre urlob gab, und hett darinn recht den wuͦnsch an allen dem das er bedorfft Lancelot 1, 399 Kluge; so hatt doch Jörgen den bris und das lob alein; wan er ist komen uff daz glückrad und hatt den wunsch an im und gebrist im nütt dan guecz dt. volksbücher 262, 11 Bachmann-S. so gern in der 3 d gegenüber umgedeuteten verbindung wunsches gewalt: hie (im himmel) wunsches gewalt, hie lieb ane leid in iemer werender sicherheit Seuse dt. schr. 242, 14 Bihlm. der komposition nahe:
sie ist alles wandels fri,
alle seld wont ir bi,
sie hat an ir wunsch gewalt
mit grozer tugent ungezalt
meister Altswert 98 Holland-Keller.
5)
speziell der einem menschen von einem überirdischen wesen übertragene wirklichkeitsmächtige wunsch:
des (des zweiten zauberhandschuhs) wil iu (Artus) wol gunnen
sælde, diu in iu bî mir
dâ her ûf sante, daz ir
in mit disem behieltet
und dâ mit wunsches wieltet
Heinrich v. d. Türlin diu crône 24 817 Scholl;
habe drîer wunsche gewalt:
swie dîn wunsche sîn gestalt,
die ersten drî die werdent wâr
der Stricker mären 3 Rosenhagen;
up dat he lete lopen bolde
den (gefangenen) dwerch, he (der zwerg) gaf em wünsche wolde
drier hande, wo dat he
jümmer wolde nömen de
Gerhard v. Minden fabeln 162 Leitzmann.
6)
präpositionale verbindungen kennzeichnen die voll kommenheit einer person, einer sache oder eines vorgangs ze wunsche ist zunächst am häufigsten:
zu wunsche stênt dir diniu dinc
Hartmann v. Aue Gregorius 1286;
si (Medea) kunde wol gebâren
und was ze wunsche wol gestalt
Konrad v. Würzburg troj. krieg 7555 K.;
die burc stûnt zû wunsche wol
livländ. reimchron. 10 141 Meyer.
im spätmittelalter nur noch selten:
wart wip uff erden yͤ wandels blosz,
dez muͦz ich sie bezihen,
daz an ir konde gedihen
zu wuͦnsche waz wiplich hiez
mhd. minnereden 1, 92 Matthaei;
Hestor prufet das die burg zu wunsche gelegen was in alle wise Lancelot 1, 373 Kluge. zunächst seltener, im spätmittelalter fast ausschlieszlich, nâch wunsche, nâch allem wunsche:
sîn (Flores) nase was im alsam
nâch wunsche eben unde sleht
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 6833 Sommer;
wie gar nâch wunsche ritterlich
sie zusamme trâten
d. kreuzfahrt d. landgr. Ludwig 5170 Naumann;
were ein geweltiger keiser, des alle die schetze, herschaft, richeit, schoͤnheit, kunst und alle genuͤge aller menschen und aller creaturen were, nach allem wunsche und in aller wisen daz kein hertze erdencken mag Tauler pred. 124, 17 Vetter;
als wer es (die gegend) das irdisch paradisz,
so was es näch wunsch wol geschickt
mhd. minnereden 1, 12 Matthaei;
mit köstlichem gemäle gezirt nach allem wunsche (ragguardevole) Arigo decameron 13 Keller. vereinzelt von wunsch: (Pontus) was grosz vnnd wolgeschickt von brust vnnd rucken, klein von bauch, sein arm vnd beyn waren von wunsch wol gemachet Pontus u. Sidonia (1498) b 2ᵇ; von wundsch noch im wiederabdruck im buch d. liebe (1587) 318ᵃ.
B.
von verschiedenen weisen des persönlichen strebens und begehrens, das als blasse nachahmung des objektiven, die wirklichkeit formenden wunsches unter A erscheint und diesem gegenüber durch formlosigkeit und unmächtigkeit gekennzeichnet ist. auch im plural gebraucht.
1)
allgemein begierde, begehren, verlangen: ich bin sculdig ... in girigkeite in sunthaften meitôn, in sunthaften sôrgon, in sunthaften wûnscen Bamberger glauben u. beichte in: kl. ahd. sprachdenkmäler 146, 4 Steinmeyer;
dâ (auf das feld) vielen ûf die werden man (im kampfe),
den diu êre en teil was getân.
mîn gir kan sölher wünsche doln,
daz et ich besæze ûf dem voln
Wolfram v. Eschenbach Parzival 75, 21;
daz fúnfte gevengnisse ist des eigenen willen ... wer daz got in dez menschen willen sesse und in sinem wunsche, das er aller siner gebresten lidig werden moͤchte und alle tugende und vollekommenheit gewinnen moͤchte, das schine ein torheit obe ich des nút enwolte oder enneme. aber ich han mich bas beroten obe ich den willen und den wunsch mit gotte moͤhte haben, so wolte ich sprechen: nein, herre, nút mine gnoden oder goben oder wille, sunder, herre, wie du wilt, herre, so nim ich es Tauler pred. 78, 32 Vetter;
das freulin dacht in lieber acht: ...
ich traut deins (der sonne) scheines wol empern,
mir wär vil lieb, der uns kündet den abentstern,
den säch ich gern; möcht mir der wunsch geraten
Oswald v. Wolkenstein ged. 7, 47 Schatz.
2)
speziell das minnebegehren:
dô was ouch sô gezieret der küneginne lîp,
daz dâ hôher wünsce vil maneger wart verlorn
der Nibelunge nôt 300, 3 B.;
hei waz lieber dinge
bringent mir von ir die wünsche min! sol iemen vrô
von wunsche sîn, sô stât ouch von wunsche mîn gemüete hô
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 400, 2 L.;
so mir dein heubtlin naiget, saiget,
zaiget willikliches grüessen,
süessen wunsch ich da empfach;
nach meines herzen lust beschech es dicke
Oswald v. Wolkenstein ged. 28, 49 Schatz.
3)
die bedeutung des persönlichen begehrens greift, besonders in der sprache der mystik, auf feste verbindungen über, die in der bedeutung A ausgebildet wurden und die in dieser gleichzeitig noch weiter bestehen.
a)
nâch wunsche, zuerst mit personalpronomen:
die (heiligen drei) kunige urlǒp namen (von Herodes);
do sie do wider kamen
an ir wech uz der stete,
nah ir wnske vnd ir bete
ruchete sie got gewerne
sins geleites an dem sterne
priester Wernher Maria D 4604 Wesle;
und chomen da bi in ein tal,
da nach ir wunsch und nach ir wal
in daz beste wart erkant
da si wrden in gesant
(hs. P., erste hälfte d. 14. jhs.) Rudolf v. Ems weltchron. 13 573 Ehrismann.
dann in der gleichen form wie unter A 6: ligent got vor sinen fuͤssen, untze daz sine guͤte úberwunden werde ... lant úch nút wundern, ob es úch alles sament nút eines tages nach wúnsche zuͦ handen gat Seuse dt. schr. 424, 12 Bihlm.; so lobent mich (gott) etlich wol, so es in nach wunsch gat, aber wenne es inen úbel beginnet gan, so verget daz lob ebda 306, 23.
b)
wunsches gewalt: swer dich (gott) hât der hât aller wünsche gewalt. sie vreunt sich des, daz sie dich nâch allem ir willen haben suln, daz sie wider dînen willen nimmer mêr getuon mugen David v. Augsburg in: dt. mystiker 1, 373, 13 Pfeiffer; drie sunder gaben wil ich in geben, die sind als wirdig, daz sú nieman kan geschezzen. einú ist: ich wil in geben wúnsches gewalt in himeln und in ertrich, daz alles, daz sú iemer gewúnschent, daz daz geschiht Seuse dt. schr. 93, 15 Bihlm.
II.
der nhd. wortgebrauch ist durch die vorrangstellung der subjektiven, psychische aktionen und vorstellungen betreffenden bedeutung A gekennzeichnet, die im gegensatz zu der sachlich in etwa entsprechenden älteren bedeutung I B selbständig ist und frei vom einflusz der in vornhd. zeit herrschenden objektiven bedeutung I A. die nhd. subjektive bedeutung entwickelt von anfang an eine neue objektive bedeutung B, die das ziel und den gegenstand des wunsches betrifft. im zuge der ausbildung dieser unter dem ständigen einflusz von A stehenden bedeutung werden die am ende des 15. jhs. noch vorhandenen reste der älteren objektiven bedeutung I A dem neuen sinn gemäsz umgedeutet.
A.
wunsch bezeichnet in subjektiver bedeutung das begehren, verlangen, die vorstellung des begehrten, und zwar in dem sinne, dasz die befriedigung des verlangens nicht von dem bemühen dessen abhängt, der es empfindet oder äuszert. zu vergleichen sind zahlreiche ältere lexikographische buchungen wie: optatio wahl, wunsch, auszerkiesung Dasypodius dict. (1537) Z 8ᵃ; optio ein wünsch Er. Alberus dict. (1540) Tt 3ᵃ; appetitio ein begird oder wunsch Frisius dict. (1556) 106ᵇ; desyderium lust, wunsch, begird, verlangen ebda 401ᵇ; desyderatio begird, verlangen, wunsch ebda 402ᵃ; wunsch, begaͤr, auszerlaͤsung optatio, appetitio, desyderium, desyderatio, votum Maaler teutsch spraach (1561) 508ᵃ; wunsch (neben wünschung und wünschen, n.) optio, optatio, optatum, votum, desiderium Stieler stammb. (1691) 2498.
1)
das begehren oder verlangen ist auf die erfüllung persönlicher hoffnungen, die befriedigung persönlicher interessen gerichtet in dem sinne, dasz der besitz einer sache oder die verwirklichung einer durch den wunsch bezeichneten situation, eines solchen zustandes u. dgl. begehrt oder gern gesehen wird.
a)
das auf erfüllung hoffende und wartende begehren, meist in einer dem gebet oder der bitte angenäherten form und in dieser hinsicht von 2 a kaum geschieden: wolt gott, das alle mönch und nonnen diesen verstand hetten und lieffen alle aus den klöstern ..., das were mein wundsch und mein hertzlichs begeren (1522) Luther 10, 3, 23 W.; darumb werd mein wunsch, das die hausmuͤtter, reichthuͤmer nit so genaw suchten vnd samleten J. Barth weiberspiegel (1565) g 3ᵇ; nun ist endtlich einmal die helffte meines hertzlichen wuͤndsch erhoͤret, weiln ich dich, meine hertzliebe tochter gefunden theatrum amoris (1626) 61;
nun, herr und vater aller güt,
hör unsern wundsch: geusz ins gemüt
vns allen diese gabe
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 346ᵇ.
später seltener und schon b genähert:
ein heiliges gebet, das nach dem geitz nicht schmekket,
sticht hundert ochsen ausz: du traͤgest unverdekket
den wundsch des hertzen an: bringst alles deutlich vor
Rachel satyr. ged. 55 ndr.;
so schuͤtt ich wunsch und flehen,
mein schoͤpfer! vor dir aus
Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 264;
Selinde sieht ihn gehn, und sieht ihm weinend nach,
und schickt voll todesangst viel wünsche zu den sternen
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 116.
b)
das affektbestimmte und deutlich zielgerichtete verlangen, meist mit dem aspekt der erwartung, ohne rücksicht auf eine bestimmte form der wunschäuszerung. im 16. jh. nur erst vereinzelt: wann der dieb vnd vbel thaͤter wunsch war wurd, so kündt kain richter, oder jre diener platz haben Joh. Nas antipap. eins vnd hundert (1567) 2, G 1ᵃ. mit dem zweiten drittel des 17. jhs. voll einsetzend:
weil er begierig war die böse that zu rechen,
so zielt er, wie er mög jhm seine brust durchbrechen,
das werck sich seinem wundsch auch ungleich nicht erwiesz
Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 47;
(man beschuldigte die Deutschen,) dasz ihre versammlungen allzu langsam geschehen, und ihre rathschlaͤge allzu zwistig waͤren, das verhaͤngnuͤsz haͤtte ihnen einen groͤssern sieg verliehen, als iemahls ihr wuntsch gewest waͤre; bey ihnen stuͤnde es nun sich desselbten zu ihrem vortheil zu gebrauchen Lohenstein Arminius (1689) 1, 194ᵇ;
so bald der völker wunsch und wohlfahrt dich (den fürsten) begehren,
musz eine stadt dich froh, ein andre traurig sehn
Heräus ged. (1721) 58;
die wunder deiner tapfferkeit,
die wunsch und glauben uͤbersteigen
Pietsch geb. schr. (1740) 47.
geradezu 'befürchtung':
wenn nun ein solcher fall (dasz gott den wunsch betrüge!)
durch deine todes-post mir hertz und ohren schlüge
J. Chr. Günther ged. (1735) 1045.
c)
nach der mitte des 18. jhs. wird der affektgehalt des wortes abgeschwächt. wunsch bezeichnet seither die blosze vorstellung von etwas ersehntem oder erhofftem, der die möglichkeit oder unmöglichkeit einer verwirklichung des nur vorgestellten gleichgültig ist. auch im plural gebräuchlich.
α)
gewöhnlich sind vorstellungsakt und -inhalt nicht geschieden: da ich glücklich war ..., wenn mein befriedigtes herz in den armen der liebe, aller bedürfnisse, aller wünsche vergasz Wieland Agathon (1766) 1, 33;
alles, was
von dir mir kömmt, — sey was es will — das lag
als wunsch in meiner seele
Lessing 3, 123 L.-M.;
nimmer ruht der wünsche streit
Schiller 11, 33 G.;
zwischen zween ungewissen wegen denjenigen zu wählen, der den wünschen und bedürfnissen des rechtschaffenen die meiste befriedigung verspricht Pfeffel pros. versuche (1810) 5, 27; das viehsterben fing in den hundstagen an, ohne jedoch den hunden zu schaden, was gerade im allgemeinen wunsch gelegen hätte Gutzkow ges. w. (1872) 5, 127; schon nach einigen jahren vermochte ich dies landhaus zu erstehen und unsern einfachen wünschen gemäsz einzurichten Th. Storm s. w. (1899) 1, 45;
leid zu lindern, leid zu tragen
und der wünsche gier zu dämpfen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 60;
trotz ihrer siebzehn, verstand sie es, seine wünsche im zügel zu halten Polenz Büttnerbauer (1895) 312.
β)
bei schärferer profilierung des vorstellungsaktes und in verbindung mit irgendeiner form der kundgabe nahezu in der bedeutung 'bitte, forderung, befehl', aber anders als unter a und dieses keinesfalls direkt fortsetzend:
das kürzste wird wohl seyn, dasz ich dem herrn
ganz grade zu des patriarchen wunsch
eröffne ... er hätte durch den herrn
ein briefchen gern bestellt
Lessing 3, 30 L.-M.;
ich erwarte von e. e. eine beschleunigte antwort, und werde, im fall sie meinen wünschen gemäsz ist, auf der stelle meine maszregeln nehmen Schiller 3, 535 G.; nach kurzer zeit, mein guter, tret ich wieder vor und zwar dieszmal mit wunsch und ansinnen Göthe IV 38, 73 W.; man sieht, wie wenig die lage der dinge den wünschen der Deutschen entgegenkam Ranke s. w. (1867) 1, 329; nun aber bildete er die kunst, dem riesen alles an den augen abzusehen und seinen wünschen lautlos zuvorzukommen, vollends aus Ina Seidel labyrinth (1922) 32; doch werden wir (die angestellten des hotels) keine anstrengung scheuen, den wünschen der damen aufs beste zu genügen Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 11. so in der präpositionalen verbindung auf jemandes wunsch:
auf euren wunsch wird der dechant des orts —
Schiller 12, 407 G.;
dasz man auf wunsch des im heldenhaften kampf gefallenen darauf verzichtet habe, trauerkleidung anzulegen Klemperer l. t. i. (1949) 130. auch nach, gegen jemandes wunsch (anders unter d α): eigentlich bekannte er sich nach dem wunsche seiner angehörigen zum theologen Göthe I 46, 87 W.; dasz das wollen der seele gott veranlasse, den körper jedesmal nach wunsch der seele zu bewegen du Bois-Reymond üb. d. grenzen d. naturerk. 3 (1873) 22; kaiser Heinrich II. erzwang hier gegen den wunsch des Würzburger bischofs eine neue diözese Pinder d. Bamberger dom (1927) 14.
γ)
in jüngster sprache meint das wort mehr den vorstellungsinhalt, der in gewissem sinne materialisiert wird: oh, der einfache ist reich mit seinen wünschen, denn erfüllung macht ärmer Steguweit d. tör. jungfrau (1937) 28; ich glaube an die illusion. auch das, was nirgends vorkommt auf der welt ..., auch das, was nur als wunsch vorkommt, als sehnsucht, als ziel über alles vorhandene hinaus: auch das hat seine macht über die völker Max Frisch nun singen sie wieder (1946) 30.
d)
sehr häufig in der präpositionalen verbindung nach (jemandes) wunsch. die gleiche verbindung im mhd. unter I A 6; I B 3 a.
α)
der zunächst überwiegende gebrauch dieser verbindung mit possessivpronomen nimmt bis zur gegenwart hin ständig ab. das zielgerichtete begehren, verlangen, wobei eine äuszerungsform als bitte oder forderung im gegensatz zu dem gleichzeitigen gebrauch unter a und 2 a nur selten mitgegeben zu sein scheint: vnd sie (die schiffer auf dem stürmischen meer) fro worden, das stille worden war, vnd er (gott) sie zu land brachte nach jrem wundsch psalm 107, 30; als sich nun die zwey liebhabenden menschen nach irem wunsch und willen erspracht hatten Wickram w. 1, 47 lit. ver.; gefragt, wann einer sich am meisten der wanckelbarlichkeit desz glücks zu befoͤrchten? hat er geantwortet: wann es einem am allermeisten nach seinem wunsch gehe Zinkgref apophthegmata (1628) 81; wie man dann ... weisz, dasz viele ... sich ... an statt des wünschhütleins, der böck oder vielmehr des teufels selbst gebrauchen, der einen und anderen ihrem wunsch nach von einem ort zum andern trägt Grimmelshausen 2, 329 Keller. das moment der erwartung betonend; vgl. b:
soll ich denn alle tag
immer lauter plag,
die welt im gegentheil
nur immer lauter heyl
nach jhrem wundsche haben?
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 378ᵇ;
erkiese dir ... eine andere gemahlin, welche, wenn sie nach meinem wuntsche waͤre, dich so sehr als mich diese einsamkeit (in einem abgelegenen tempel) vergnuͤgen werde Lohenstein Arminius (1689) 2, 58ᵇ;
kaum sah man, dasz dein ehestand;
nach eurer beyder wunsch gelungen
Gottsched ged. (1751) 1, 166.
in der c entsprechenden bedeutung 'wunschvorstellung'; auch im plural: es geht ja alles nach seinem wunsche; er findet ja in ihnen den gefälligen mann, dessen er so sehr bedarf Klinger w. 9 (1809) 185; hofrath Hirt ist hier, der in Berlin eine existenz ganz nach seinen wünschen hat Göthe IV 12, 189 W.; durch fortgesetzte aufmerksamkeit ... gelang es ihm nach und nach, eine ... anzahl von bisthümern nach seinem wunsche besetzt zu sehen Ranke s. w. (1867) 1, 102; und auszerdem rührte sich's jetzt wieder politisch sehr nach seinem wunsch O. M. Graf unruhe (1948) 275.
β)
nach wunsch, mit den gleichen bedeutungsverschiebungen wie unter α. diese verbindung ohne possessivpronomen ist im 16. jh. noch selten bezeugt und für diese zeit in der zuordnung zur subjektiven bedeutung nicht gesichert, vgl. unter B 1: wöllen wir nun ... euch fürstellen ein feldgut, an solchem ort gelegen, wie es vngefaͤr anzutreffen, vnd nicht nach wunsch wol zu woͤlen were, vnd daselbs on überflüssigen vnkosten, ein solchen meyerhof ... aufrichten Sebiz feldbau (1579) 2; wie jhm dann auch der anschlag (gegen den feind) nach wundsch geriethe Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 2, 54. seit dem zweiten drittel des 17. jhs. im gegensatz zu α in ständig zunehmendem gebrauch:
wann wir nur fromm sind, wird sich gott
schon wieder zu uns wenden,
den krieg und alle andre noth
nach wundsch und also enden
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 380ᵃ;
wann uns ... alles nach wunsch ergehet; so ist es hohe zeit, sich in acht zu nehmen Butschky Pathmos (1677) 45; allwo wir ... von einem favorablen winde nach wunsche fort getrieben wurden Schnabel insel Felsenburg 21 Ullr.;
wenn nur nicht jede, die mir wohl gefällt,
hier oben (auf der erde) mich nach wunsch regierte
Göthe I 5, 1, 43 W.;
sie wollte die ungewiszheit oder vielmehr die furcht nicht länger ertragen, dasz es nicht nach wunsch und hoffnung mit mir stehe G. Keller ges. w. (1889) 3, 46; gewisse beamte des gouverneurs ... hatten bereits nach wunsch gestanden Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 205. vereinzelt wohl auch so nach allem wunsch, anders als unter B 1:
was ist den nun dein todt? nichts anders als gesprungen
ausz dieser suͤnden bahn hinauff in gottes reich,
dir ist's, o theurer fuͤrst, nach allem wunsch gelungen,
du stundest, warest tod und lebendig zugleich
Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 452;
solche gnaden ... hast du hinfüran ... von dem neuerwählten schutzherren Josef nach allem wunsch zu gewarten Abraham a s. Clara w. 1, 89 Strigl.
2)
als wunsch für eine andere person. in bestimmten formen der wunschäuszerung, ausgehend von formen, die dem gebet und der fürbitte nahestehen, dann vor allem im sinne des zuwunsches und des glückwunsches.
a)
das auf erfüllung hoffende begehren in einer dem gebet oder der bitte für andere genäherten form. hinsichtlich der äuszerungsform kaum von 1 a geschieden: lieben bruͤder, meines hertzen wundsch ist, vnd flehe auch gott fur Israel, das sie selig werden Römer 10, 1; ach gott hosiana, ach gott gib gluck ... diszen versz haben sie auff Christum tzogen, und ist ein wundsch, gleych wie man auff deutsch eynem newen herrn wundscht gluck und heyl (1522) Luther 10, 1, 2, 61 W.; hab ich alle dieselben bergkherrn ... mit dieser meiner Sarepta ... zu diesem seligen newen jare verehren woͤllen, mit hertzlichem wunsch vnd flehen, vnser lieber gott vnd vatter ... der woͤlle vnsern aller gnedigsten herrn ... gnedigklich segnen Mathesius Sarepta (1571) vorr. 4ᵃ;
nun ist mein wunsch von hertzen grund,
das euch ein gott zu diser stund
genaͤdigklich thu wohnen bey
Spreng Ilias (1610) 168ᵇ.
hierher wohl: zu Coͤln ist gut handelen, da kan man vmb ein wundsch so viel kauffen, als zu Nuͤrnberg vmb drey last Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Uuu 8ᵃ; es gehen viel red vnd anschleg, auch viel bitte vnd wuͤndsch in einen wollsack ebda Z 6ᵇ. als segen: eer deinen vatter ... das dir ein guͦter wunsch von jm werde (Jes. Sir. 3, 9f.) Zürcher bibel (1531) 271ᵃ. sprichwörtlich: der jungen that, der mitlen rath, vnnd der alten wunsch (vota senum) seind selten vmbsonst ... die drei stuck seind vorteyl guͦt, der jung in thaten, der mittel in raͤthen, vnd die alten im gebet Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 87ᵃ; der eltern gebet, wuͤnsch vnd weissagen, kleben gern vnd werden gemeiniglich war Petri d. Teutschen weiszh. (1605) N 6ᵃ.
b)
der einem andern zugesprochene glück- oder segenswunsch, auch in gruszformeln.
α)
unter betonung der wunschäuszerung, die einer säkularisierten fürbitte entspricht: viel frommer hertzen insonderheit, solche jhre innerliche frewde (über die gesundung eines predigers) mit worten vnd wuͤndschen etwas mehr herfuͤr gethan vnd erklaͤret Moscherosch insomnis cura par. 4 ndr.; diesen unterthaͤnigen wunsch wolle der grosze gott an euer fuͤrstl. gn. in gnaden erfuͤllen und bekleiben lassen! Neumark neuspr. teutscher palmb. (1668) 301; sie befuͤrchten, ... ich duͤrfte ... die zeit, so bestimmet ist, den hn. prof. Philippi zu loben, mit blossen wuͤnschen fuͤr das wohlseyn eines so vortrefflichen mannes zubringen Liscow slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 137;
auch deines dieners treue brust
ergoͤtzet sich bey solcher lust,
und will dich, groszer mann, durch diesen wunsch bedienen
Gottsched ged. (1751) 173.
β)
nach der mitte des 18. jhs., 1 c entsprechend, das vorgestellte und einem andern zugewünschte gut: die guten wünsche, ... die sie einander deswegen thaten Wieland w. 15, 36 Hempel; ich trat ins melancholische zimmer, wo sie kränkelnd beim nähpulte sasz, und wünsche für meine wohlfahrt träumte Schubart leben 2 (1793) 70; ew. königliche hoheit halten sich überzeugt, dasz in jeder entfernung höchstdenenselben ich mit treustem wunsch und antheil nahe bleibe Göthe IV 29, 33 W.; das jahr 98 fängt selig an für sie, und ich habe diesen treuen wunsch: seine tage möchten ihre holde einsamkeit achten und auf den zehen, reiche geschenke an die schwelle legend, an ihrem hause vorübergehen (1898) Rilke br. (1950) 1, 4; möge euch gott alle die guten wünsche vergelten, die ihr für mich hegt! Sperl söhne d. herrn Budiwoj (1927) 480. formelhaft: mit den aufrichtigsten wünschen mich unterzeichnend Göthe IV 41, 8 W.; nun leb wohl ... empfange die besten wünsche für ein gutes gelingen von deinem Ernst (1891) Ernst Barlach leben u. werk in s. br. 29 Drosz; mit allen guten wünschen und grüszen, herzlichst ihr ergebener H. B. (1950) H. Broch br. (1957) 401.
c)
verwünschung, nur im älteren nhd. und überhaupt selten. im 16. jh. prägnant, dann nur noch mit kennzeichnendem attribut oder ironisch von a oder b her: teglich schmehen mich meyne feynde ... und die mich spotten, ... schweren bey myr. das ist, sie machen mich zum exempel, schwur, fluch, und wunsch, wie man spricht: es muͦsse dir gott thun wie dissem und ihenem (zu ps. 102, 9) Luther 18, 511 W.; da er nun den schwur vnnd wuͤnsch offt widerholte, sich dem teuffel zu verwuͤndschen Nigrinus von zäuberern (1592) 7; ein vbeler wundsch, das dich der haan hack auff eim strosack Moscherosch gesichte (1650) 2, 24; wie viel ... mit unzehlichen fluchen und argen wuͤnschen hinein gehen Hartmann fluchspiegel (1672) 6; dasz dich der hagel erschlag! wie? sprach Simplicius ..., schämestu du dich nicht, ... deinen alten cammerathen mit einem solchen wunsch zu bewillkommen? Grimmelshausen Springinsfeld 14 Scholte;
(wärterin:) zu schanden werde Romeo!
(Julia:) die zunge
erkranke dir für einen solchen wunsch!
Shakespeare 1 (1797) 98.
3)
speziell bitte, wunschäuszerung, deren erfüllung von einem höheren wesen vor der äuszerung zugesichert wird; vgl. einen sachlich entsprechenden gebrauch unter andern voraussetzungen unter I A 5: ein fabel von eim landsknecht, dem sanct Peter drey wünsch erlaubet (1559) Schumann nachtbüchlein 280 Bolte;
vnd wel dich dreyer wündsch geweren,
vnd was du darzu thust begehren,
dasz sol dir endlich werden wahr
Albr. Dietrich bawrenknecht (1618) A 5ᵇ;
verpsrachen die götter dem fürsten noch die gewährung der drei ersten wünsche, die er zu ihnen emporsenden werde M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 125.
4)
in syntaktischen verbindungen und fügungen, die für das wort in seiner subjektiven bedeutung charakteristisch sind.
a)
mit kennzeichnendem adjektivischem attribut:
α)
recht häufig guter wunsch: wer einen guten wunsch thun will, wünsche sich dass er bey gott sey Prätorius d. abentheuerl. glückstopf (1669) 43. besonders bei wunsch in der bedeutung 'glückwunsch, segenswunsch', s. ε.
β)
mit gefühlsbetonten attributen oder solchen, die auf die intensität des wunsches deuten: ein solches system ist ... unsern innersten wünschen und wesentlichsten trieben zu angemessen Wieland Agathon (1766) 1, 264; sie ist der glückliche hafen aller meiner stürmischen wünsche Heinse s. w. 4, 368 Sch.; (ich) wage den kühnen wunsch einen abgusz davon zu besitzen (von der maske der Medusa) Göthe IV 40, 256 W.; er ... machte sich abhängig von ihren leisesten wünschen Holtei erz. schr. (1861) 5, 46; jeder heisze wunsch zur hilfsbereitschaft Friedr. Wolf zwei a. d. grenze (1948) 98.
γ)
im hinblick auf die unwirklichkeit, verschwiegenheit und nichtigkeit des wunsches. geheim, still u. ä.: dasz geheime wünsche in ihrem herzen verborgen lagen Musäus volksmärchen 1, 11 Hempel; lockte ihre verborgenen wünsche aus ihnen heraus Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 13; des herzens stiller wunsch Denis lieder Sineds (1772) 87;
und die stillen wünsche sollen
die scheidewand zu überspringen meiden
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 307.
eitel, leer u. ä.: dasz man ... eitele wünsche thut anmuth. gelehrsamk. 1, 360 Gottsched; schwere vorsätze glücklich und unermüdet durchzusetzen ist ein nur wenigen beschiedenes theil ... es fehlen ... die genugsam brauchbare und redliche männer, ohne welche es todte wünsche bleiben Moser d. herr u. d. diener (1759) 84; so zeichnet die zeit mit leeren wünschen und mit eitlen klagen brandmarkend schmerzlich ihre sklaven Schleiermacher s. w. (1834) III 1, 354; jener übergangszeit ..., in welcher die zerfallende tradition des alten und die schwachen wünsche eines neuen sich durchkreuzten Justi Winckelmann (1866) 1, 351. ähnlich frommer wunsch unter ζ.
δ)
letzter wunsch eines zum tode verurteilten, wohl nach letzter wille (s. wille II B 11):
ihr geister, die die rach ihr hat zu dienst erkiest,
wofern durch letzten wundsch was zu erhalten ist,
wo einer, der itzt stirbt, so fern euch kan bewegen
Gryphius trauersp. 69 lit. ver.;
als man den jüngsten der verurteilten nach seinem letzten wunsch fragte Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 305.
ε)
spezielle attribute kommen wunsch in der bedeutung 'glück- und segenswunsch' (2 a, b) zu. gelegentlich schon im mhd. in der vergleichbaren anwendung unter I A 2, z. b. guot wunsch Wirnt von Gravenberc Wigalois 6209 K.: das da durch alle christen ... ein härtzlichen wunsch zuͦ got thuͦnd vmb hylff disem todten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 70 ndr.; viel tausend guter wuͤndsch die sollen dir verbleiben Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 71; unter den eifrigen wünschen für hochderselben hohes wohlergehen Lichtenberg br. (1901) 1, 4; meine besten wünsche Tieck schr. (1828) 1, 417; alle die guten wünsche ..., die ihr für mich hegt Sperl d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 480.
ζ)
frommer wunsch. im gewichtigen sinne:
treuer zärtlichkeit voll ...
that ich schweigend den frommen wunsch:
wäret ihr auch bey uns, die ihr mich ferne liebt
Klopstock oden (1889) 1, 85;
mit königlichen gütern segne dich
die göttin! sie gewähre sieg und ruhm ...
und jedes frommen wunsches fülle dir!
Göthe I 10, 12 W.;
die neueren philosophen und theologen wollen es abstreiten, dasz fromme wünsche und gebete etwas mehr bewirken können, wie das heil der eignen seele (1814) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 13 Schulte-K. 'bloszer, leerer, unerfüllbarer wunsch', vgl.γ; im ersten beleg im spiel mit der gewichtigen bedeutung: wie es ... in der welt, die wir die moralische nennen, hergehen sollte, habe ich nicht unterlassen anzuzeigen, und meine frommen wünsche darüber liegen so klar zu tage, wie die jedes andern gutmeinenden; auch werden sie wohl das schicksal aller frommen wünsche haben Klinger w. 3 (1815) VI; und auf dem höchsten gebiete der kunst ... sinken vollends die bestrebungen eines provinzial-kunstvereines zum frommen wunsche herab, wenn er aus sich selbst die mittel beschaffen soll Stifter s. w. 14 (1901) 197.
b)
in syntaktischen fügungen zur kennzeichnung von richtung, inhalt oder gegenstand des wunsches. in diesen fügungen steht wunsch im mhd. noch nicht, aber vgl. unt. γ zum mnd.
α)
die richtung des wunsches wird durch entsprechende verben und angabe des zieles (meist als präpositionalen ausdrucks) gekennzeichnet: (ärzte, die ihren eigenen vorteil suchen, sind) nichts bessers als jhne juristen, deren sinn, muht, begierd vnd wunsch, nur nach krummen haͤndlen steht Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 109;
sie richtet ihren wunsch stets nach dem alten ziel
Gryphius trauersp. 292 Palm;
die wolken, maus! sind weit über mich. erhebe deine wünsche zu ihnen; so wirst du glücklicher seyn Lessing 8, 55 L.-M.; an das gold hing sich also zuerst der wunsch der Germanen G. Freytag ges. w. 17 (1888) 184.
β)
ziel oder gegenstand des wunsches stehen in einem präpositionalen ausdruck attributiv bei wunsch: das ... alle christen ... ein härtzlichen wunsch zuͦ got thuͦnd vmb hylff disem todten Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 70 ndr.; Edelred ... liesz das reich in einem solchen zustande, der alle wuͤnsche zum throne niederschlagen muste Haller Alfred (1773) 14; (der psalmist,) der wegen hohen alters die erfüllung seiner wünsche über Jerusalem ... nicht zu erleben glaubet Herder 12, 79 S. meist wunsch nach:
der du so viel wünsche thust
nach der eitlen lebenslust
Königsberger dichterkreis 44 ndr.;
schon bald nach beginn des 19. jahrhunderts war der sehnliche wunsch nach einer einheitlichen bundespost aufgetreten A. Wolcke postrecht (1909) 8. wunsch für nur im sinne von 2 b: mit blossen wünschen für das wohlseyn eines so vortrefflichen mannes zubringen Liscow slg. satir. u. ernsth. schr. (1739) 137;
mögen wünsche für dein glück
tausendfach erscheinen
Göthe I 2, 163 W.
γ)
inhalt oder gegenstand des wunsches stehen in der form eines genitivattributes. so schon im nd. des 15. jhs.: mit wunsche alles guden unter I A 2. sonst im nhd. nicht zu häufig: neben hertzlichem wunsch aller ersprieszlichen wohlfahrt Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 1, 424; weil er selber den wunsch einer möglichst feierlichen einführung hätte Fontane ges. w. (1905) I 2, 8.
δ)
ein nebensatz bringt inhalt oder gegenstand des wunsches zum ausdruck. ein konjunktionalsatz: lieben bruͤder, meines hertzen wundsch ist, vnd flehe auch gott fur Israel, das sie selig werden Römer 10, 1; schon längst war mein wunsch, dasz du zu irgend einer wanderung möchtest aufgefordert werden Göthe IV 38, 277 W.; die regierung sr. majestät begrüszt sie mit dem lebhaften wunsche, dasz es in dieser sitzungsperiode des landtages gelingen möge, über die im vorigen jahre ungelöst gebliebenen fragen eine dauernde verständigung herbeizuführen Bismarck polit. reden 2, 64 Kohl. ein infinitivsatz oder, seltener, bloszer infinitiv mit zu. im älteren nhd. nur spärlich bezeugt; seit der mitte des 18. jhs. die am häufigsten genutzte möglichkeit, den inhalt des wunsches zu kennzeichnen: ihr einiger wunsch wahr seine wohlfahrt zu wuͤssen Zesen adriat. Rosemund 14 ndr.; dem göttlichen Diagoras gleich zu werden, war der höchste wunsch der jugend Winckelmann s. w. (1825) 1, 11; ihr wohlgefallen an ihm steigerte sich zum leidenschaftlichen wunsch, ihn zu erobern M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 126; glühend sei sein ... wunsch, seinen römischen freunden dienlich zu sein Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 90. ein konjunktivischer begehrssatz: mit hertzlichem wunsch vnd flehen, vnser lieber gott vnd vatter, der woͤlle vnsern aller gnedigsten herrn ... segnen Mathesius Sarepta (1571) vorr. 4ᵃ; als ich den wunsch äuszerte, er möge zu haus anfragen Bismarck ged. u. erinn. 2, 73 volksausg.
c)
in verbalen verbindungen, die die seinsweise des wunsches umschreiben.
α)
als gegenstand eines geistigen vorgangs bzw. des verhaltens oder tuns einer person. seit dem 16. jh. durchgehend in unpersönlichen wendungen wie es ist mein wunsch: meines hertzen wundsch ist ..., das ... Römer 10, 1. entsprechende, aber nur vereinzelt bezeugte ältere fügungen: er hat ... iederzeit diesen andächtigen wunsch in seinem hertzen geführet Lohenstein Arminius (1689) 1, d 2ᵇ;
ists wunder, wann das hertz in heisse wünsche bricht?
Neukirch anfangsgründe (1724) 467.
seit dem ende des 18. jhs. in wendungen, denen die vorstellung zugrunde liegt, dasz jemand einen wunsch hat: wer hat sich je an den strahlen der sonne erwärmt, ... ohne den wunsch zu fühlen, dieses räthselhafte wesen näher kennen zu lernen Schubert verm. schr. (1823) 3, 3; dasz ich den feurigen, stolzen wunsch häge ... Bürger s. w. 183ᵇ Bohtz. den wunsch haben (anders schon in der mystik, s. oben unter I B 1): so hab ich denn auch noch den wunsch, dasz ... Göthe IV 27, 222 W. einen wunsch äuszern u. ä.:
der du so viel wünsche thust
nach der eitlen lebenslust
Königsberger dichterkreis 44 ndr.;
(Mäcenas) äuszerte einen wunsch, den jeder vernünftige mensch beynahe für rasend halten musz M. Mendelssohn philos. schr. 1 (1777) 183; dasz der könig den wunsch bezeigte, mich kennen zu lernen Göthe I 43, 127 W.; dasz der könig ... bestimmten beamten ... den wunsch der priester nach einem opfer kundgab Ratzel völkerkunde (1885) 2, 124; hierzu gehört, dasz ich mir erlaube den wunsch auszusprechen, ihnen einen besuch zu machen (1949) G. Benn ausgew. br. 151 Rychner. einen wunsch erregen u. ä.: unsere ... erziehung ... erregt wünsche statt triebe zu beleben Göthe I 23, 167 W.; damals haben sie selbst nicht so bescheidene wünsche in ihm angeregt Hirschfeld die mütter (1896) 14. einen wunsch ersticken u. ä.: unsere besten wünsche sind wir für ihn (den freund) aufzuopfern schuldig Göthe I 23, 33 W.; allmählich aber war dieser wunsch erstickt in grimmiger resignation Feuchtwanger Simone (1950) 111.
β)
der wunsch wird selbst als sich verhaltende, sich bewegende oder handelnde psychische gegebenheit vorgestellt. in umschreibungen für das vorhandensein oder entstehen des wunsches:
und hörst du (das bett der geliebten) keinen wunsch aus ihrem hertzen steigen?
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 21 Neukirch;
wie pfeile fliegen unsere wünsche, jetzt
voran, vorüber, wieder im rücken uns
Herder 27, 49 S.;
in deinem herzen musz eben der wunsch keimen Göthe I 21, 97 W.; dasz sich in gar manchem unfreiwilligen klosterbruder ... der wunsch regte, sich seiner fesseln zu entledigen Ranke s. w. (1867) 1, 308; aber ich preszte diesen wunsch in die tiefe zurück, daraus er gestiegen war Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 44. für das vergehen des wunsches:
und könnten auch wünsche verstummen
Mastalier ged. (1774) 63;
augenblicke ..., in denen alle meine wünsche schwiegen vor dem einen, ihrer würdig ... zu bleiben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 91.
d)
in wendungen und verbindungen, die befriedigung und erfüllung des wunsches umschreiben.
α)
älter ein wunsch wird wahr, gerät, gelingt, geschieht u. ä.; gelegentlich so schon im ausgehenden mittelalter in der bedeutung von I B 1 (s. d. Oswald v. Wolkenstein): der gerechten wundsch mus doch wol geraten, vnd der gottlosen hoffen wird vngluͤck sprüche 11, 23;
wil der wunsch mir nicht gelingen,
nimmermehr verliebt zu sein?
Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 649;
wenn sie (die erzählungen) darin dem publikum wohlgefallen, so ist ihm (dem verfasser) ein schöner wunsch gelungen Hebel w. 2, VII Behaghel; wann der dieb vnd vbel thäter wunsch war wurd, so kündt kain richter, oder jre diener platz haben J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, G 1ᵃ;
drei wünsche nenn ich euch (den sternen):
macht mir sie wahr
Körner s. w. 136 Streckfusz;
spare keinen fleisz, noch müh,
biss mein will und wunsch gescheh
Gryphius lustsp. 221 Palm;
doch leichter wird der Rhein verbrennen,
als ihr (der poeten) verwünschter wunsch geschehn
Triller poet. betracht. (1750) 2, 26.
β)
in wendungen aus dem bereich des biologischen und vitalen; vor allem im 18./19. jh.:
ach! schaffe, dass sein wunsch gedeihe,
und bring bald einen held herfür
Neukirch ged. (1744) 9;
ein hertz von wünschen heisz, die nicht gesättigt sind
Wieland ges. schr. I 1, 298 akad.;
des frommen vaters wunsch ward bald darauf gestillet
Gottsched neueste ged. (1750) 2;
die arbeit seiner hände war gesegnet und jeder wunsch seines herzens gestillt Aurbacher volksbüchlein (1835) 48. ähnlich, bis an die gegenwart heranreichend: wodurch zugleich euer wunsch befriedigt würde Göthe I 43, 17 W.; so schien es mir geboten, von der befriedigung solcher wünsche abzusehen Nic. Hartmann ethik (1935) VIII.
γ)
am häufigsten einen wunsch erfüllen, älter dafür erstatten: deszhalben, ... dasz disz gut glück, das vnser beider (zweier liebender) beger und wundsch erstattet, mir jetzunder grosse traurigkeit vnd angst dräuwet, so durch e. l. abwesen ich empfahen würde Amadis 1, 24 lit. ver.;
ach dasz zum heyl der frommen
du meinen wundsch und willen
noch möchtest heut erfüllen!
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 404ᵇ;
ihr wunsch soll erfüllt werden Schiller 4, 212 G.; so einem erzherzog wird doch von kindheit auf jeder wunsch erfüllt Renn adel im untergang (1947) 17.
δ)
verschiedenes: deine freunde ... wünschen dich um sich und wagen es doch nicht, diesen wunsch zu vollenden Abbt verm. w. (1768) 2, 44; mit wonne sah ich dem tag entgegen, der alle meine wünsche krönen sollte Klinger neues theater (1790) 1, 56; es ist mir um so unangenehmer ihren wünschen nicht entsprechen zu können Göthe IV 28, 2 W.; hier haben sie meine hand darauf; an mir solls nicht liegen, wenn sie ihres herzens wunsch nicht durchsetzen W. Raabe s. w. I 6, 281; ich sagte dem pfarrer, dasz ich mit freuden in seinen wunsch eingehe Stifter s. w. 5, 1 (1908) 128; sie wuszte genau, dasz das nicht madames wünschen entsprach Feuchtwanger Simone (1950) 180.
ε)
ziel der wünsche, das ziel der wünsche erreichen u. ä.: sie haben das ziel ihrer wünschen erreichet discourse d. mahlern 1, A 2ᵇ; ruhe (war) das einzige ziel seiner wünsche Schiller 8, 255 G.; jetzt schien sie am ziele ihrer wünsche Treitschke dt. gesch. ³1, 130.
e)
unter den verbindungen mit andern substantiven wie begehr, begierde, flehen, bitte, seit dem 17. jh. hoffen, hoffnung, verlangen, seit dem späten 18. jh. traum, sehnen, forderung erlangt allein wunsch und willen eine gewisse festigkeit und dauer (gelegentlich schon mhd. in der sprache der mystik, s. oben unter I B 1): als sich nun die zwey liebhabenden menschen nach irem wunsch und willen erspracht hatten Wickram w. 1, 47 lit. ver.; damit ich ... wunsch und willen beweise, eurer freundlichen einladung genug zu thun Göthe I 24, 8 W.; die groszen kämpfe der neueren zeit sind gegen wunsch und willen der regierenden entbrannt Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 3, 1.
B.
in objektiver bedeutung, inhalt, ziel, gegenstand des wunsches.
1)
zunächst am häufigsten in präpositionalen verbindungen. vereinzelt: ubi habet gloriam deus, crescit pax, ... omnes sunt amici et obedientes, do gehets myt wunsch zw Luther 32, 283 W. sonst vor allem nach allem wunsch, formal die gleiche wendung unter I A 6 fortsetzend, jetzt umgedeutet zu 'ganz und gar dem entsprechend, was jemand begehrt oder erbittet':
die vögel die in demselben land fliegen,
die sind geleych nach allem wunsch gepraten
d. lied v. d. Schlaraffenland abs. 3 Clemen;
darnach kam eine frauw, nach allem wundsch, an gestalt, reichthum̄, kleinot vnd kleydern, Lameyt genannt Wigalois in: buch d. liebe (1587) 391ᵈ (druck von 1493, c 6ᵃ: dem wunsch fast wol geleich, in der objektiven bedeutung von I A 3 c α); ein kind, dasz geboren wird oder empfangen in den besten planeten vnnd sternen, vnd in den tugendtreichsten, nach allem wunsch Paracelsus opera 1, 6 Huser. wohl ebenfalls in diesem sinne gelegentlich nach wunsch:
o muͤsame muse ...!
die taͤglich schawen, dasz si di kuͤnstlichait bawen.
die kein muͤh nimmermeh schewen zufoͤrderen diese.
sonderen die muͤhlichait rechenen fuͤr muͤsigang suͤse,
wann jhr dieselwige nach wunsch nur fruchtwarlich endet;
drumb bitt ich jnniglich dasz jr mir foͤrdernusz sendet
Fischart Garg. 55 ndr.
anders unter A 1 d β.
2)
in prägnanter anwendung auszerhalb fester fügungen, im 19. jh. ungebräuchlich werdend: sihe, ich wil mein heiligthum, ewrn hoͤchsten trost, die lust ewr augen, vnd ewrs hertzen wuͤndsch, entheiligen Hes. 24, 21; was ist diesz vor ein gluͤckseliger tag, sagte er, da sein (eines bisher betrübten) angesicht unserm wunsche aͤhnlich wird Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 21; wie ihm ein groszer haufe nach neuen wohnsitzen, vieler Phryger wunsch, folge Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 128. so vielleicht noch: kauf dir, was du an wünschen hast (1915) Ernst Barlach leben u. werk in s. br. 81 Drosz. von personen vor allem im 17./18. jh.:
mein lieb gedenket weg (will verreisen), was wündsch ich ihr vor glücke?
sie meines glückes wundsch, mein glücke selbst zeucht hin
Fleming dt. ged. 489 lit. ver.;
da koͤmt der eltern wundsch und freude (die tochter)
Zesen rosenmând (1651) 2;
in diesen mauern (war) der einzige wunsch seines herzens (die geliebte) eingeschlossen Göthe I 24, 155 W.;
du, o freundin, nur allein,
sollst mein wunsch und alles sein
A. v. Arnim s. w. (1853) 21, 124.
3)
bis in die gegenwart hält sich die fügung etwas, seltener jemand ist jemandes wunsch: (im alter gibt es) so vil kranckheyten, angst, sorg, das man den todt so offt anruͤfft, das schyer kein gemeyner wunsch ist, dann der selbig Eppendorff Plinius (1543) 31; deine wolfart ist mein hoͤchster wunsch Stieler stammb. (1691) 2498;
Sophie dich nie geliebt! Alcest, das darfst du sagen?
du warst mein einzger wunsch, du warst mein höchstes glück
Göthe I 9, 54 W.;
ich gestand aber offen, dasz ein modernes grabgebäude einst auch der wunsch meiner mutter für sich und den vater gewesen sei Carossa d. tag d. jungen arztes (1955) 234.
4)
in verbalen wendungen.
a)
die gewährung des gewünschten umschreibend; vgl. einen seines wunsches gewähren aliquem voti compotem facere Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1049; du gibst jm seines hertzen wundsch, vnd wegerst nicht was sein mund bittet psalm 21, 3. vor allem:
seins hærtzen wunsch uͦnt willekur ...
willig hast ym gewæret
(ps. 21, 3) Schede psalmen 74 ndr.;
ich freute mich in vermuthung, dasz mir mein alter wunsch gespenster zu sehen, dürfte gewährt werden Abbt verm. w. (1768) 1, 54; jetzt da sie ihres bescheidenen menschlichen wunsches gewährt war C. F. Meyer nov. (1900) 1, 265.
b)
die erreichung des gewünschten umschreibend; vgl. votum ... ein erlangter wunsch Frisius dict. (1556) 1407ᵇ; seinen wunsch erlangt, seiner bitt gewaͤrt compos uoti Maaler teutsch spr. (1561) 508ᵇ; seines wunsches theilhaftig werden, seinen wunsch erlangen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1404ᵇ; den wunsch erhalten optatum impetrare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1049: so weisz er (Midas) nichts anders zu wuͤnschen, denn das alles zu gold werde, was er angriffe. er bekompt den wunsch, vnnd Bacchus geweret jm die bitt Mathesius Sarepta (1571) 14ᵃ;
hast spat und früh
viel sorg und müh,
an deinen wunsch zu kommen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 315;
(ich) mich dergestalt thumlen werde, deinen (Luzifers) willen und wunsch zu erlangen Grimmelshausen continuatio 12 Scholte; so will ich meine wünsche ertrotzen mit herrischer gewalt Schiller 2, 216 G.; er sah sich plötzlich in einer äuszern lage, welche seine früheren wünsche in dieser beziehung bei weitem übertraf Th. Storm s. w. (1900) 1, 306.
c)
verzicht auf das gewünschte umschreibend:
und hätte gleich ein lächelnd glück
mir keinen wunsch versagt
Becker mildh. liederbuch (1799) 70;
dies wäre nun mein einziges verlangen:
warum musz ich des wunsches mich entschlagen?
Göthe I 16, 176 W.;
in welcher sie ... gezwungen sind, ihren besten wünschen zu entsagen ebda I 21, 12.
III.
wunsch-zusammensetzungen kennt das mhd. nur in geringem umfang. die bildungen knüpfen ausnahmslos an wunsch I A an; vgl. an alphabetischer stelle wunschgewalt, wunschkind, wunschreich, adj.; ferner wunschamîe, wunschmuoter (pflegemutter), wunschspil, wunschwint bei Lexer mhd. handwb. 3, 997 ff.; wunsche gerte minnesinger 3, 354ᵇ v. d. Hagen. im nhd. nimmt die zahl der neubildungen, vor allem seit dem 17. jh., stetig zu, während das 16. jh. fast nur zum kompositionstyp 1 d neue zusammensetzungen liefert. ausgangspunkt der nhd. komposition ist wunsch II A. — der form nach überwiegt die stammkomposition bei weitem. sie ist in der regel fugenvokallos, wunsch-; fugenvokal begegnet nur vereinzelt in älteren belegen wie wunscherîch (s. wunschreich), wunschevoll (s. wunschvoll). genitivkomposition findet sich, wohl nur sprachästhetisch oder rhythmisch bedingt, in gelegentlichen bildungen wie wunschesbecher, -eile, -fülle, -heisz, -mädchen, -pfeil, -ziel (s. unter wunsch-kompositionstypen), wunschesvoll (s. wunschvoll), z. t. neben gleichen bildungen in fugenvokalloser form. komposition mit dem plural wünsche- zeigen einige bildungen wie wünschebuch (unter wunsch-kompositionstypen), wünschelos (s. wunschlos), wünschevoll (s. wunschvoll), ebenfalls z. t. neben gleichen bildungen in fugenvokalloser stammkomposition.mit den wunsch-zusammensetzungen konkurrieren gelegentlich gleichbedeutende zusammensetzungen mit wünschen, vb., vgl. wunschbar unter wünschbar 1, vor allem aber wünsch-bildungen im kompositionstyp 1 d unter wunschbeutel, -ding, -mantel, -ring u. a., ferner an alphabetischer stelle unter wunschhorn, -hut, -hütchen, -hütlein.
kompositionstypen.
1)
zu wunsch II A 1 gebildete zusammensetzungen, vorwiegend substantivischer, seltener (s.e) adjektivischer art.
a)
bezeichnungen für gegebenheiten, die wünsche enthalten oder zum ausdruck bringen oder die selbst die funktion von wünschen erfüllen:
wunschauge
Liller kriegszeitung, 4. ausl. (1916) 262,
wunschäuszerung
Rosegger schr. II 10, 23,
wunschbegier
Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 350,
wunschblick
W. v. Scholz erz. (1924) 84,
wunschbuch
wünschebuch Frankl erinnerungen (1910) 279,
wunschdenken
die welt (1959) nr. 82, s. 4,
wunschgespenst
Dehmel ges. w. (1906) 1, 79,
wunschgewimmel
(17. jh.) bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 5, 153ᵃ,
wunschgier
Schottel haubtspr. (1663) 138,
wunschopfer
wuntsch-opfer Lohenstein Arminius (1689) 2, 363ᵇ,
wunschpfeil
wunsches-pfeil Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 685,
wunschseele
Bernoulli Overbeck u. Nietzsche (1908) 1, 247,
wunschwort
wundschwort Dannhawer catechism. milch (1657) 1, ):( 2ᵃ (anders unter 2),
wunschzettel
G. Freytag ges. w. 7 (1897) 310,
wunschzuwort
Schottel haubtspr. (1663) 659.
b)
eine geringere zahl von zusammensetzungen bezieht sich auf die wunscherfüllung:
wunschbefriedigung
Herder 5, 509 S.,
wunscherfüllung
Trenck s. ged. u. schr. (1786) 5, 295; Weigand d. löffelstelze (1919) 119,
wunschgewähr
Rückert ges. poet. w. (1867) 7, 383,
wunschseligkeit
wunschseeligkeit Sandrart iconologia deorum (1680) b 1ᵇ,
wunschvollzug
Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 467.
c)
bezeichnungen für gegebenheiten, auf die sich ein wunsch richtet oder die ihre existenz lediglich einem wunschdenken verdanken. die neubildungen dieser gruppe liegen vor allem im 19. und 20. jh.:
wunschattribut
D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 90,
wunschbraut
(übertragen) Agnes Miegel herbstgesang (1933) 64,
wunscheile
wunscheseile M. Greif ges. w. (1895) 1, 234,
wunschform
Pinder d. Naumburger dom (1925) 26,
wunschgebilde
Dwinger Deutschland (1932) 200,
wunschgeschosz
Herder 29, 520 S.,
wunschgestalt
Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 461; Werfel Bernadette (1948) 227,
wunschheimat
Waggerl Wagrainer tageb. (1936) 24,
wunschland
Reinerth haus u. hof d. Germanen (1937) 84,
wunschsohn
Uhland schr. (1865) 4, 16,
wunschvorstellung
Ponten im Wolgaland (1933) 255,
wunschwelt
Leibl zelt unterm stern (1931) 53,
wunschziel
Greiffenberg andächtige betrachtungen (1678) 473; wunschesziel Rahden wanderungen (1846) 2, 148.
d)
bezeichnungen für wunschdinge, denen die kraft eignet, wünsche zu verwirklichen. dieser typ ist im 16. jh. produktiv; vgl. an alphabetischer stelle wunschhorn, -hut, hütchen, -hütlein, -rute. er wird in wissenschaftlicher und mythologisierender sprache des 19. und 20. jhs. neu belebt:
wunschbaum
Jac. Grimm mythol. ⁴2, 726,
wunschbeutel
wünschbeutel (übertragen) B. Goltz typen d. gesellsch. (o. j.) 2, 8,
wunschding
wünschding br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 188; wunschding Laistner nebelsagen (1879) 327,
wunschei
Flex ges. w. (1927) 1, 242,
wunschkuh
Bucher bilder aus d. fremde (1862) 1, 364,
wunschmantel
Jac. Grimm mythol. ⁴2, 725; wünschmantel Kohl Alpenreisen (1849) 3, 232,
wunschring
wünschring br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 48; wunschring Köhler kl. schr. (1898) 1, 311,
wunschsack
ebda 111,
wunschsäckel
wunschseckel H. Sachs 12, 187 lit. ver.,
wunschtuch
Jac. Grimm mythol. ⁴2, 726,
wunschwürfel
wünsch-würffel H. Sachs 9, 482 lit. ver. entsprechend
wunschvogel
Flex ges. w. (1927) 1, 244.
ähnlich in persönlicher beziehung, von walküren, anord. ôskmeyjar nachgebildet:
wunschmädchen
Jac. Grimm dt. mythologie (1875) 1, 347 (nach Jac. Grimm a. a. o., weil die walküren in Odins dienst stehen und Odin Oski 'wunsch' heiszt); von da her R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 2, 184; wunschesmädchen ebda 6, 51,
wunschmaid
ebda 6, 73.
e)
adjektivische und partizipiale bildungen verschiedener bedeutungen:
wunschgeduldig
Zillich zw. grenzen u. zeiten (1936) 16,
wunschgemäsz
Ina Seidel Lennacker (1938) 258,
wunschgetäuscht
M. Waldau Cordula (1855) 40,
wunschheimlich
R. H. Bartsch bittersüsze liebesgesch. (1910) 155,
wunschheisz
wunschesheisz Watzlik Phönix (o. j.) 8,
wunschmäszig
Sintenis Theodors glückl. morgen 2 (1789) 88,
wunschschwanger
J. Fr. Tiede kasualreden (1777) 292,
wunschwürdig
wunschwirdig d. verteutschten text aus d. bebstl. rechten (1521) D 1ᵃ; wunschwürdig Basedow agathokrator (1771) 96.
seit dem 17. jh. bezeichnen adjektivische und partizipiale bildungen zustände verschiedener art, die die erfüllung und befriedigung von wünschen zur voraussetzung haben:
wunschbeseligt
wunsch-beseeliget Valvasor d. ehre d. herzogth. Crain (1689) 3, 2, 4ᵃ,
wunscherfüllend
G. Keller ges. w. (1889) 7, 287,
wunscherfüllt
Boethius kriegshelm (1686) 1, 117,
wunschgestillt
Rückert ges. poet. w. (1867) 6, 237.
wunschselig
wuͤnsch selig Apherdianus methodus discendi (1601) 136; wunschseelig Birken ostländ. lorbeerhayn. (1657) 409,
wunschvergnügt
Valvasor d. ehre d. hertzogth. Crain (1689) 3, 2, 363ᵇ.
2)
zu wunsch II A 2 stellen sich bildungen zur bezeichnung von formen und gegebenheiten, die einen glück- oder zuwunsch zum ausdruck bringen. substantivische bildungen überwiegen weitaus:
wunschbecher
wunschesbecher Fr. L. Jahn w. 2, 992 Euler,
wunschbrief
Roon denkwürdigkeiten (1892) 2, 643,
wunschformel
d. vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 238 Gottsched,
wunschformular
Lavater geh. tageb. (1771) 1, 19,
wunschfügung
Harsdörffer d. teutsche secretarius (1656) 1, 1, 51,
wunschgabe
Dannhawer catechism. milch (1657) 2, 342,
wunschgedanke
Carossa d. arzt Gion (1931) 187.
wunschgedicht
wunsch-getichte Morhof unterricht v. d. dt. sprache (1682) 2, 326; wunschgedicht Gottsched ged. (1751) 1, 373,
wunschgeflissen
poesie d. Niedersachsen (1721) 4, 235 Weichmann,
wunschschild
Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 204,
wunschschwur
wundschschwur Dannhawer catechism. milch (1657) 1, 472,
wunschwort
Pritius proben d. beredtsamkeit (1701) 606 (anders unter 1 a).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2014, Z. 57.

wünschen, vb.

wünschen, vb.
nord- und westgerm. bezeugtes jan-verb; zur herkunft s.wunsch, m. ahd. wunscen, mnd. wunschen, mhd. nhd. wünschen; mnl. wenscen, nnl. wens(ch)en neben ostmnl. wonscen, wunscen; ags. wȳscan, engl. wish; anord. ȳskja und (analogisch nach ōsk) øskja; unter nd. einflusz schwed. önska, dän. ønske, norw. ynskja (literatur s. unterwunsch). — wünschen gehört zur ersten schwachen verbalklasse. abweichend von der normalen flexion zeigt das part. prät., bes. obd., gelegentlich die starke form gewunschen, z. b. Abraham a s. Clara Judas 2 (1690) 96; Brunner erz. u. schr. (1864) 2, 109; vgl. Fischer schwäb. 6, 980; Martin-Lienhart elsäss. 2, 841ᵇ; Schmeller-Fr. bair. 2, 961. — lautliche besonderheiten: im ahd. und mhd. fällt im prät. und im flektierten part. prät. -k- bzw. -ch- vor folgendem konsonanten gelegentlich aus: wunste, gewunster. einschub eines d, wundschen, seltener eines t, wüntschen, seit dem 15., häufiger im 16./17. jh.in den mundarten scheint das vb. gebräuchlicher zu sein als das subst., die bedeutung II A 2 herrscht hier vor.
I.
in mittelalterlicher sprache bezeichnet wünschen vorwiegend eine in objektivierender form sich vollziehende geistige tätigkeit (A). einer zweiten, von dieser abgeleiteten bedeutung (B) fehlt das charakteristikum der form, sie zielt auf das blosz subjektive begehren.
A.
wünschen bezeichnet diejenige geistige tätigkeit, die etwas (noch) nicht wirkliches, aber zu erwartendes oder zu erstrebendes, voraussehen oder realisieren soll und die sich, als voraussetzung der wirklichkeitsmächtigen wirkung, in einer objektivierenden form vollzieht, etwa als ein bitten, verkünden, aussprechen oder auch lautloses formulieren; in anderer weise unter 5.
1)
der gebrauch im älteren ahd. ist nur in diesem allgemeinen sinn zu bestimmen, der wahrscheinlich auch für ältere glossen in anspruch zu nehmen ist: optat uuunskit, uunskit, uunscit (8.—10. jh.) ahd. gl. 1, 162, 35f. St.-S.; obtantis (uox optantis) est uunkentes ist (8. jh.) ebda 1, 269, 7; optare keuuellan kiuunscan (9. jh.) ebda 4, 10, 22 (die lat. vorlage glossiert: obtare elegere, corp. gloss. lat. 4, 543, 21). bei den einzigen literarischen belegen des älteren ahd. scheint vor allem die form des gebets eine rolle zu spielen:
sun bar si tho zeizan, ther uuas uns io giheizan;
sin uuas man allo uuorolti zi gote uuunsgenti
Otfrid I 11, 32;
ist sin (Christi) guati ubar al, so in kinde zeizemo scal,
then fater einigan in not drutlicho minnot;
follan gotes ensti selb so iz man giwunsgti,
wares inti guates joh druhtines gimuotes
ebda II 2, 37.
2)
das wünschen soll sich an einer andern person in dem sinne verwirklichen, dasz dieser etwas gutes, seltener etwas böses zufällt. so wohl schon in einer älteren glosse: extudio obtande (non ex studio optandae ejusdem salutis, Gregor homil. 1, 17, zu Luk. 10, 4) fona zilu za uuunscanne (8./9. jh.) ahd. gl. 2, 312, 22 St.-S. sonst seit Notker.
a)
gegenstand des wünschens ist gewöhnlich etwas positives, gutes, der betroffenen person angenehmes.
α)
mit dem dativ der person, der etwas zugesprochen wird. der gegenstand des wünschens steht zunächst im gen.: sô gebe in got târmite taz sie diu uuâren bechennên, tes uuunsco ih in, tes bito ih in Notker 1, 168, 15 P.;
niene phlach er (Bileam) fluͦches,
er begunde in wnschen guͦtes
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 85, 3 Diemer;
doch solten nu getriuwiu wîp
heiles wünschen disem knaben
Wolfram v. Eschenbach Parzival 129, 3;
ich enkan noch enmag nút anders, ich muͤsse mime nehesten himelriches me wúnschen und wellen in begerender wisen danne mir selber: dis hies ich minne Tauler pred. 410, 30 Vetter. mit dem akk. der sache vor allem im späteren mittelalter:
dem wolt ich gern wúnschen heil
schweizer Wernher Marienleben 67 P.-H.;
ik Engelbrecht van Tyzenhusen, ritter, wunsche allen cristenlouighen luden, to den desse breff komende werd ..., ewyghen heyl in gode (1423) urkundenb. d. st. Lübeck 6, 512; die gancz geselschafft ir gelücke wünschet Arigo decameron 52 lit. ver. mit abhängigem satz:
Êrecke wunschte ze lône
diu vrouwe mit der krône,
diu vil edel künegîn,
daz er sælic müeste sîn
Hartmann v. Aue Erec 5706 L.;
ich wunsch der rainen, das sy vf erd
an allem dem gefrät werd,
das ir ye gefüget laid,
liederbuch d. Hätzlerin 248ᵃ Haltaus.
mit dem reflexiven dativ der person:
ich wolte gern wunschen mir
das ich doch nie were geborn
Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 62 Singer.
objektlos, im sinne von 'segnen': daz Ysaak zuͦ beden siten wúnschete sinen kinden dt. historienbibeln 664 Merzdorf.
β)
ohne persönliches dativobjekt:
got gesegen iuch alle:
wünschet noch daz mir ein heil gevalle
Walther v. d. Vogelweide 115, 5 Kraus;
nicht mê dâ von ich sagen mac,
wen got der gebe in allen gût,
die dâ guzzen ir blût
durch in und ouch die mûter sîn.
ir tôt stê vor ir helle pîn,
des wunschet in gotes namen
und sprechet alle âmen!
livländ. reimchron. 8509 Meyer;
da sie yn gesahen, da wúnschten alle die in der stat waren das er die burg múst gewinnen Lancelot 1, 160 Kluge.
γ)
substantiviert:
vriunt, an dînes kampfes zît
dâ neme ein wîp vür dich den strît ...
mîn wünschen sus an dir geschehe
Wolfram v. Eschenbach Parzival 332, 16; ebda 742, 15 var.
b)
der gegenstand des wünschens ist etwas negatives, unangenehmes, böses:
manic wunschit siner ammen
'muste si eine sucht ligen
daz ich dir doch so muse wisen
di sucht wolde ich vmmer prisen'
(illi enim amice sue optant ... morbum ut assideant)
Wernher v. Elmendorf 445 in: zeitschr. f. dt. altert. 4, 296;
dâ von müeze er unsælic sîn
des wünschet im der wille mîn
swer den wîben leide tuot
Hartmann v. Aue Erec 5771 L.;
wan daz er übel gedîhe,
des wünsch ich im von herzen
Ottokar österr. reimchron. 1149 Seemüller;
du solt dynen fynden wünschen laid und ungemach Steinhöwel Äsop 69 lit. ver.
3)
spätahd. und frühmhd. vollzieht sich das wünschen im hinblick auf zukünftiges, kommendes, das vorausgesehen wird, in der form des verkündens: in finem psalmus David. finis ist Christus ze demo sprichet der propheta, unde sament imo ze sînero e̜cclesia, uuunschendo dero chumftigon dingo. diû er foresah (zu ps. 19, 1) Notker 2, 61, 4 P.; wir habin virnomin von deme heilige geiste, wie er kôsete durch den wîsin Salomônem, dâ er wunste einis starkin wîbis (Maria). darnâch begund er singin cantica canticorum d. St. Trudperter hohe lied 6, 3 Menhardt;
die alten vater din (Marias) e
wunscten vnd die wissagen
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 384, 12 Diemer.
4)
in höfischer und nachhöfischer zeit richtet sich das wünschen vor allem auf erstrebenswertes, auszerordentliches, dessen verwirklichung durch eine objektivierende sprachliche oder nur vorstellende form erreicht werden soll.
a)
der gegenstand des wünschens ist eine sache, ein zustand, ein ereignis o. ä.; er steht im gen., im akk. oder in einem abhängigen satz:
sî wunschten vlîzeclîchen
daz sî des beidiu zæme
daz in (Iwein) ir vrouwe næme
Hartmann v. Aue Iwein 3756;
ez wær ein vil hovelîcher muot,
des ich iemer gerne wünschen sol:
frowen unde hêrren zæme ez wol:
owê daz ez nieman tuot!
Walther v. d. Vogelweide 65, 6 Kraus;
und (der vom tode erweckte St. Maternus) bleif buschof veirzich jair
na sime dode, dat is wair,
want sins levens wunschden gemeine
de van Colne grois und cleine
(Köln, ende d. 13. jhs.) städtechron. 12, 26;
se sprak: nu wünsche ik, leve man,
dat du krigest enen snavel
Gerhard v. Minden fabeln 163 Leitzmann;
sô wil ich wünschen zehant
vol goldes einen grôzen berc
altdt. lesebuch ²571, 14 Wackernagel.
in absolutem gebrauch:
du west wal, dat ik wünschen kan
vele bat dan jümmer du:
twier wünsche günne mi nu
Gerhard v. Minden fabeln 163 Leitzmann.
b)
objekt des wünschens ist eine person. die anwesenheit der person soll erreicht werden:
an den des landes êre stât,
die wünschent iuwer (Flores) ...
ir hânt getwelt ze lange hie
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 7667 Sommer;
wir haben (in der hölle) dîn lange gebiten und nâh dir gesûftet vil manich zît. sô wir di hende muosten winten von criscrammen, sô gedâhten wir, herre, an dich und wunschten dîn. nu ist unser gedinge an dir ervollet (hs. d. 13./14. jhs.) altdt. pred. 76, 28 Jeitteles. mit adverbialer ortsbestimmung, jemanden an einen ort wünschen:
Liupolt ûz Ôsterrîche, lâ mich bî den liuten,
wünsche mîn ze selde, niht ze walde: ichn kan niht riuten ...
wünsches dû mir von in, sô tuost dû mir leide
Walther v. d. Vogelweide 35, 20 Kraus;
swie verre ich sî, ich wünsche ir dar
dt. liederdichter d. 12.—14. jhs. ⁴261 Bartsch.
c)
mit präpositionatem ausdruck:
sus wil ich immer wünschende sîn nâch dem gewinne
der uns beiden hôhe fröude erwerbe
Wolfram v. Eschenbach Titurel 77, 2;
swenn du einest wünschest nâch mir (einer fee),
sô bin ich endelich bî dir
und leiste swes dîn herze gert
ritter v. Staufenberg 473 Jaenicke;
min vrowe wunschet vmb din leben
dv bist ir genesen unde ir trôst,
mit dir wirt sorgen sî erlôst
die heidin 1292 Henschel-Pretzel.
d)
zur kennzeichnung von ausgezeichnetem, gutem oder vollkommenen.
α)
in umschreibender formelhafter wendung:
sô wâren diz die ræte (des fischers, der Gregorius an den felsen schmiedet)
rehte als er (Gregorius) wünschen wolde,
ob er wünschen solde
Hartmann v. Aue Gregorius 3017 Paul;
ich het ie gedâht wie ein wîp wesen solde,
ob ich müese wünschen ir lîp und ir site,
daz ich si danne mir selbeme wolde
daz ich mîne wunne het iemer dâ mite
dt. liederdichter d. 12.—14. jhs. ⁴91 Bartsch.
archaisierend: die schultern und die brust stunden im als wol als ob man sie wunschen solt Lancelot 1, 26 Kluge.
β)
als attributives part. prät., ausgezeichnet, vollkommen (anders unter 6 und B 2):
ein gewunschet kleine kindelîn
Berthold v. Holle Crane 3719 Bartsch;
vil zarte sueze und ie mer wol gewünschet wip
Wenzel v. Beheim in: minnesinger 1, 9ᵇ v. d. Hagen.
5)
in einem seltenen spätmittelhochdeutschen gebrauch mehr konkretisiert, wunsch I A 4 entsprechend, als objektiver vorgang schlechthin, zur vollkommenheit gestalten:
zwen gesellen wolten gan
in ain stat, dw waz getan,
sam sew waͤr gewunschet vier
mit so maniger slaht zier
Heinrich d. Teichner ged. nr. 319, 91 Niewöhner;
ez (das minnekind) waz schon gewunscht nach lobe.
sin sin waz clug und nindert grob.
die sterke waz sin gemahel
d. minneburg 315 Pyritz.
6)
eine besondere anwendung findet wünschen als lehnübersetzung von adoptare 'an kindes statt annehmen'; vgl. adoptare wünschen (md. 1440) u. ä. Diefenbach gl. 13ᶜ; adoptatus gewonschet (15. jh.) ebda; adoptiuus gewonschte (md. 15. jh.) ebda:
sie wunscte ir (die aufgefundenen kinder) ze kinden,
ir erbes hiez si si sih underwinden,
als noh der sit ze Chriechen ist
kaiserchronik 1462 Schröder;
wan nu sölich nôt Dioclecianum den kaiser angieng, dô nam er Maximianum, der zuo nauchnamen hiez Hercules, zuo ainem gewünsten son und machte in ouch ze kaiser (13./14. jh.) die beiden ält. dt. jahrbb. d. st. Zürich 42 Ettmüller. im hinblick auf die gotteskindschaft: da sunt he (gott) uns und gebirt uns, daz wir sine kint sin van genaden, sine liebe gewünschte kint (anf. d. 14. jhs.) bei Preger gesch. d. dt. mystik (1874) 2, 438.
B.
subjektiver und formloser, begehren, ersehnen.
1)
begehren, erstreben, ersehnen; wie unter A mit gen., akk., abhängigem satz oder auch absolut: dû hiezze dîniu gebot kenôto behuoten, kenôto uuerên ... (vtinam dirigantur uie̜ mee̜ ad custodiendes iustificationes tuas) sid du siû hiêzzist kenôto uuerên, so uuunsco ih daz mîna uuega rehto gechêret uuerden iro zehûotenne (ps. 118, 5) Notker 2, 500, 28 P.;
nim die gerten in die hant wrche zeichen manichualt,
ze allen dingen ist si guͦt swes wnschet din muͦt:
du tuͦst zeichen uil, wndirs alles daz du wil (gott zu Moses).
genesis und exodus 135, 23 Diemer;
vnz ich (Christus) vleischlichen mit iv (den jüngern) bin, sone wnschit ir niht wâr mine gesprâche vnde wanit des niht, daz ir iht bedurfit ân der geistlicher gêbe, der iv durft wâre speculum eccl. 68, 4 Mellbourn;
swer dâ werder minne pflac,
der wunschet der naht vür den tac
Wolfram v. Eschenbach Parzival 731, 12;
daz in (törichten mädchen) mit werken verseit ist, daz niessent sú mit worten, und daz unmuglich ist ze geschenne, daz habent sú mit gedenken. sú versendent sich mit wúnschene und einredent mit den inren bilden reht als ein túrstiger mensche, dem von kalten wasser trǒmet Seuse dt. schr. 411, 24 Bihlm.; so hette er sy lieb gewunnen vnd tete sy eeren, nützit schantlichs von ir begerende oder ützit wunschende, daz jren lümden in dhain weg sölt oder möcht verletzen Niclas v. Wyle translat. 36 Keller. im spätmhd. auch förmlicher, erbitten, verlangen: ewigú wisheit, und hetti ich wunsches gewalt, ich enwiste nit, daz ich in zit icht anders von lere wúnschen soͤlte, denn daz ich mir und allen dingen koͤnde sterben und dir alleine leben Seuse dt. schr. 279, 17 Bihlm.; Plinius spricht, daz man der rehten hant wünsch in angsten und in nœten und daz man si raich in trewen Konrad v. Megenberg buch. d. natur 21, 1 Pf.;
wiszheyt ist besser dann all welt
vnd alles das man wünschen mag
Seb. Brant narrenschiff 24 Zarncke.
reflexiv:
mein kurzweil die ist mangerlai,
neur eselgsang und pfawengschrai
wunscht ich mir nicht mer umb ain ai
Oswald v. Wolkenstein ged. 107, 63 Schatz;
de weren in nod;
se wunscheden syk suluen vaken den dod
Reinke de vos 2776 Prien.
2)
als attributives part. prät., anders als unter A 4 d β u. 6, ersehnt, begehrt:
daz ym (dem menschen) kum der gewunschte tac,
des er hy beitet durch diz lon
daz er hat irarnet schon
md. Hiob 5380 Karsten;
up disse twistinge und irrunge einen guden und wunscheden ende van beiden sieden tho erlangen (exoptatus finis) (mitte d. 15. jhs.) bei Westphalen mon. ined. rer. Germ. (1739) 3, 153.
II.
in neuhochdeutscher sprache bedeutet wünschen vorwiegend das subjektive begehren, verlangen, ersehnen einer sache (A); dies zwar im anschlusz an die im ahd. und mhd. zunächst nur spärlich bezeugte und sich erst im spätmhd. stärker entwickelnde bedeutung I B, aber im gegensatz zu dieser jetzt selbständig und frei von dem einflusz der im mhd. vorherrschenden objektiven bedeutung I A. von der bedeutung A wird im nhd. eine objektive bedeutung neu abgeleitet (B).
A.
der akt des verlangens nach etwas im eigenen oder fremden interesse oder das vorstellen einer sache als einer erstrebenswerten, und zwar stets in dem sinne, dasz die befriedigung des verlangens nicht vom eigenen bemühen abhängt. im gegensatz zum mhd. gebrauch steht der gegenstand des wünschens meist im akk.; die aus dem mhd. überlieferten konstruktionen mit abhängigem satz (vor allem dasz-satz) werden im laufe der zeit immer seltener, konstruktion mit infinitiv oder infinitivsatz dagegen wird zunehmend häufiger; konstruktion mit dem gen. der sache ist für das 16. jh. noch mehrmals bezeugt, später begegnet sie nur noch vereinzelt in poetischem gebrauch.
1)
etwas im eigenen interesse erhoffen, begehren, verlangen, ersehnen. lexikalisch: optare wunczen u. ä. (md. 15. jh.) Diefenbach gloss. 398ᵇ (wenn nicht noch zu I); optare, affectare, desiderare wünschen oder begeren gemma gemm. (1508) r 6ᵈ; wuͤndsch opto Er. Alberus dict. (1540) p 4ᵇ; aueo begaͤren, wünschen Frisius dict. (1556) 138ᵇ; ebenso unter appeto ebda 106ᵃ; cupio 353ᵃ; desydero 401ᵇ.
a)
in der form eines beschwörenden vorstellens oder aussprechens dessen, was erhofft wird. nur im älteren nhd. und noch an die mhd. objektive bedeutung I A anklingend: du spricht was sol ich abber wünschen, das wunsch das Iuuenal sagt, das ein gesunt gemüt sy in einem gesunden leib Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 68ᵃ; und wenn wuͤndschen hulffe, wer keyn bessers tzu wundschen, denn das schlecht alle bucher abthan weren unnd nichts bliebe bey aller welt, zuuor bey den christen, denn die blosse lautter schrifft oder biblie (1522) Luther 10, 1, 1, 627 W.; wann ich wünschen solt, und das es war würde, so wolt ich wünschen, das ich ein pfebe oder ein melon were Jac. Frey gartenges. 95 lit. ver.; die fraw wuͤnscht jr ein lang gelbes har, vnd newe puͤrsten, der mann wuͤnscht im zorn, das sie jr, ich weisz nich wohin fuͤre Mathesius Sarepta (1571) 14ᵃ;
ehe aber ich disz hoͤren solt,
desz todts ich lieber sterben wolt,
vnd wuͤnschen dasz mich in den tagen,
hett der erdboden nie getragen
Spreng Ilias (1610) 43ᵃ.
b)
affektbetont, verlangen, ersehnen:
wer viel gibt, erlanget viel:
was sein hertze wündscht und wil,
das wird gott mit gutem willen
schon zu rechter zeit erfüllen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 367ᵇ;
ein weib, das nicht regi ert rath, kirchen und gemein,
das lieber koch zuhaus als kantzler wundscht zu seyn
Rachel satyr. ged. 39 ndr.;
o liebliche stunden, o suͤsses ergetzen,
euch wuͤnsch ich allein
B. Neukirch ged. (1744) 283.
entsprechend: wünschende (zwischenwörter), wollte gott, hilf lieber gott Gottsched dt. sprachkunst (1748) 329.
c)
etwas vorstellen in dem sinne, dasz man das blosz vorgestellte gern verwirklicht sehen möchte.
α)
als vorwiegend seelischer vorgang, wobei es gleichgültig ist, ob und in welcher form dem auf verwirklichung des vorgestellten gerichteten verlangen ausdruck gegeben wird: er hat mir darauf geantwortet, dass ihn dieser entschluss sehr befremde, und dass er im stande zu sein wünsche, ihn hintertreiben zu können Lessing 18, 160 L.-M.; schon lange habe ich gewünscht, ihnen einen vorschlag näher legen zu können, dem zeit und umstände allein bisher nicht haben zulächeln wollen Lenz ges. schr. 2, 318 Tieck; wer, der Winckelmann und das alterthum liebt, wünschte nicht etwas der art von dessen eigener hand geschrieben? Göthe I 46, 84 W.; bleiben sie ruhig, ich wünsche, ich hoffe nichts mehr, es ist der letzte athemzug einer liebe, die für sie künftig todt ist Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 453; es ist glaube ich das erste mal dasz ich frostwetter wünsche Bismarck br. an s. braut u. gattin 6 H. v. Bism.; heisz wünschte sie, es möge endlich einer der ihren sein Feuchtwanger Simone (1950) 213. so auch im hinblick auf personen, deren anwesenheit man gern sehen würde: ich (Adam) habe lange geseufzet darnach, ich habe sie (Eva) lange gewünscht, diese, diese lange getragen unter schmerzen an meinem herzen maler Müller w. (1811) 1, 89; diesen mittag gehe ich nach Tiefurt, heute abend wünscht mich Herder sehr Göthe IV 9, 1 W.
β)
das auf verwirklichung des vorgestellten gerichtete verlangen wird deutlicher zum ausdruck gebracht, manchmal nahezu im sinne von 'fordern': vielleicht wünscht mancher auch den boden zu sehen, der den baum trug, d. i. einige umstände bemerkt zu finden, unter denen die sprache solcher bilder und empfindungen fähig ward Herder 12, 27 S.; hier liegt auch ein brief von meiner mutter bey den du wünschtest Göthe IV 38, 12 W.; Pompeius gab sehr deutlich zu verstehen, dasz er diesen auftrag wünsche Mommsen röm. gesch. ⁴3, 26; der herr wünscht zu speisen? hiesz es, gleich wird serviert werden, es ist eben gekocht G. Keller ges. w. (1889) 5, 13; herr von Vieth, bitte, machen sie es so, wie es seine majestät wünscht Renn adel i. untergang (1947) 20. schärfer im hinblick auf eine person: man verlangt nach ihnen, monsieur Xavier, ... und sie werden auch gewünscht, mademoiselle Feuchtwanger Simone (1950) 292. die schärfe einer forderung bzw. einer ablehnung kann in verbindung mit einer negation besonders deutlich werden: seine hochgräflichen gnaden ... wünsche sich das nicht wieder zu erleben Brentano ges. schr. (1852) 5, 107; mein sohn wünscht nicht, dasz du dich in den nächsten tagen im ort zeigst Feuchtwanger Simone (1950) 189.
d)
in der verbindung mit präpositionalem ausdruck, wünschen nach etwas, bis zum ende des 17. jhs. bezeugt (ein entsprechender mhd. gebrauch unter I A 4 c).
α)
im 16. und frühen 17. jh. im sinne eines beschwörenden vorstellens oder rufens, a entsprechend: solch wellt (der begierde) macht denn disz leben enge und vordrieszlich, das der mensch wunscht, schreyet und rufft nach dem tod unnd iungsten tag (1522) Luther 10, 1, 1, 41 W.;
wir wundschten nach dir viel und offt:
itzt kombstu, auff den wir gehofft
dt. lieder auf d. winterkönig 3 Wolkan.
β)
dann mehr im sinne von b, ersehnen, verlangen:
ein guter fuͤrst ist was nach dem wir wuͤnschen sollen
Opitz poemata (1646) 1, 366;
man wuͤnscht lang nach ostern, wenn sie kommen so vergehen sie in einem tag Lehman floril. polit. (1662) 1, 234; inmaszen mir ... kund geworden, dasz hochgelehrte leute anderer nationen sehr darnach (nach einem deutschen wörterbuch) wündschen, und wohl erkennen, was ihnen selbst zu erleuchtung ihrer alterthümer daran gelegen Leibniz dt. schr. (1838) 1, 466.
2)
für eine andere person etwas erhoffen, erbitten, ihr etwas zuwünschen.
a)
zu jemandes segen und wohl etwas gutes beschwören, wollen oder es erbitten, 1 a sehr nahe stehend: nun das die stat gotes des herren, nyenen anderst ist, dann in dem frid, mögen wir darausz mercken, das der herr Cristus Jesus seinen iungern, alltzeit friden gewünscht hatt Keisersberg pred. teütsch (1508) 99ᶜ; allein sehet zu, dasz ihr gottes segen auch suchet, dasz nicht eitel liebesbrunst, sondern auch seiner gnaden gunst dabei sei, den ich euch wünsch gnädig zu sein mit eurem lieben buhlen (1523) Luther br. 3, 204 W.; mein arm pater noster wünsche ich und alles guts meinem gnädigen herrn (1537) ebda 8, 110;
ein gute nacht wünscht euch Hans Sachs
Hans Sachs 21, 48 lit. ver.;
vnd wünsche euch beyde ein friedsames ... leben schausp. engl. comöd. 20, 27 Creizenach.
b)
einem andern etwas gutes zuwünschen; manchmal verblaszt und nahezu formelhaft.
α)
das verlangen äuszern, dasz einem andern etwas gutes zukommen möge: durch die liebe woͤllen vnd wuͤnschen wir jhme alles guts Spee güld. tugendbuch (1649) 5ᵃ; ieder fuͤrst streuete eine handvoll blumen auf die leiche, wuͤntschte ihr eine sanfte ruhe Lohenstein Arminius (1689) 1, 17ᵃ;
vormals pflegte, wie bewuszt,
kaisern diesz gewünscht zu werden:
herrsche weiter, als August
B. Neukirch ged. (1744) 5.
β)
mehr in dem sinne, dasz dem andern das vorgestellte gut direkt zugewünscht wird: er gieng mit mir hart bis ans haus des kranken und wünschte mir gute verrichtung Lavater verm. schr. (1774) 2, 25;
schöne zofe! — einen guten morgen wünscht euch Konrad, der knappe
Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 217;
so nahm er alsbald seinen urlaub, der dame angenehme kurzweil wünschend Th. Storm s. w. (1900) 3, 233; ich wünsche dir ein gutes jahresende (1947) Gottfr. Benn ausgew. br. (1957) 120.
c)
sehr häufig in der verbindung jemandem glück wünschen; vgl. unter glück II D 1 a teil 4, 1, 5, sp. 255. nur selten und meist älter im wortsinn des beschwörenden zuwünschens und des erhoffens eines glücklichen geschicks für die angesprochene person: wuͤndschet Jerusalem gluͤck, es muͤsse wolgehen denen, die dich lieben ps. 122, 6; dem auffrichtigen leser wuͤndschet gluͤck vnd heyl d. Joannes Georg Godelman Nigrinus von zäuberern (1592) 140; womit ihme glück auf die reise gewündschet wird (1649) d. fruchtbring. ges. ältester ertzschrein 425 Krause; junge, du bist der beste von allen lebenden Halderns ... ich wünsche dir jedes erdenkliche glück Fontane ges. w. (1905) I 5, 76. häufiger in dem sinne, dasz man jemanden zu einem bestimmten ereignis beglückwünscht, ihm seine befriedigung und mitfreude zum ausdruck bringt: und Achior und Nabath, Tobie vettern kamen zu jm, und wuͤndscheten jm gluͤck, freweten sich mit jm alles des gluͤcks, das jm gott gegeben hatte Tob. 11, 19; gleich wie man einem gluͤck und heil wuͤndscht, wenn er was newes anfehet odder etwas guts uberkomen hat (1530) Luther 31, 1, 177 W.;
vnd wuͤnschet jhm geluͤck gar fein,
zu dem gewunnen kleinot fein
Spreng Ilias (1610) 328ᵃ;
auch Denis übersetzung verräth so viel fleisz und geschmack ..., dasz ich ... Deutschland zu einem barden glück gewünscht, den der schottische barde (Ossian) nur gewecket Herder 5, 159 S.; ich wünsche dir zu einem sohne glück Göthe I 21, 66 W.; sie sandten also eine gesandtschaft nach Afrika, wünschten glück zur eroberung G. Freytag ges. w. 17 (1910) 66.
d)
mit ersparung des dativs der person, besonders in formelhafter verwendung: er wolt das seine iunger friden wunstent, wa sie in die hüsser giengen, da er von inen gieng Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 98ᵇ;
das sein güt über uns erwachs
hie und dort ewig, wünscht Hans Sachs
Hans Sachs 1, 51 lit. ver.;
ich wuͤndsche gluͤk, ich wuͤndsche seegen,
zu dieser ehrenzier!
Zesen helikon. rosentahl (1669) 115;
ich wünsche, meine herren, dasz das souper nach ihrem geschmacke war Klinger w. (1809) 1, 145; aufrichtigst wünschend verehrend unterthänigst Goethe Göthe IV 29, 93 W.; ich wünsche guten morgen, werte damen Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 7.
e)
jemandem etwas böses zuwünschen, ihm fluchen; verwünschen; vgl. glossierungen von imprecari (15./16. jh.) Diefenbach gl. 289ᶜ; gemma gemm. (1508) m 3ᶜ; Calepinus undec. ling. (1598) 691ᵃ: ich möcht eim kein grösser vnlück wünschen, dann dz er emtper vberkem Keisersberg brösamlin (1512) 1, 14ᵃ; sie muͤssen zu ruͤck keren vnd gehoͤnet werden, die mir vbels wuͤndschen psalm 70, 3; wenn mir schon ein wuͤndschet, dass mein pferdt hincket werde. derhalben wirdt es nicht also Nigrinus von zäuberern (1592) 73; dann mir so viel teuffel von einem jeden in den leib gewuͤnscht Zinkgref-Weidner teutscher nation weish. 3 (1653) 45; sie klagt, sie heult, sie donnert, sie wünscht jhm vier und zwantzig tausend teuffel Abr. a s. Clara Judas 2 (1690) 99; dasz deine ungeduld wohl gereitzt werden dürfte, mir hagel und frost auf den hals zu wünschen Thümmel reise (1794) 3, 72; übles wollen wir ihr auch nicht wünschen A. v. Droste-Hülshoff an Levin Schücking (1893) 140; wenn die frau da, die jetzt so fühllos schnarchte, während sie sich in pein verzehrte, ihr auch den tod wünschte Clara Viebig die vor d. toren (1949) 118. in objektlosem gebrauch 'fluchen, verwünschen', meist substantiviert und mit kennzeichnendem attribut. nur bis ins frühe 18. jh. hinein bezeugt: da erhebt sich als denn ein solches erschrecklich fluchen vnd wuͤnschen, dass sich die sonn dafuͤr entferben moͤchte theatrum diab. (1569) 318ᵇ; unter solchem zoͤrnen ist das verfluchte und boͤse wuͤnschen begriffen Hartmann fluchspiegel (1672) 167; es lehret auch die erfahrung, dasz auff das erschreckliche wuͤndschen und abscheuliche fluchen die leibliche besitzung erfolget J. D. Ernst fastnachtswoche (1703) 112.
3)
konjunktivischer modus, umschreibungen und feste wendungen akzentuieren die bedeutungen 1 und 2 in bestimmtem sinne.
a)
wünschen im konjunktiv oder mit konjunktivischer umschreibung. schon hier und da im späteren mhd. in den bedeutungen I A oder B: Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 62 Singer; Oswald v. Wolkenstein 68, 23 Schatz; ebda 107, 63; Niclas v. Wyle translat. 292, 19 Keller. die konjunktivformen unterstreichen den optativischen sinn des wortes. im älteren nhd. selten: Paulus aber sprach, ich wuͤndschet fur gott, es feilet an viel oder an wenig, das nicht alleine du, sondern alle, die mich heute hoͤren, solche wuͤrden, wie ich bin apostelgesch. 26, 29; inzwischen wolte ich wuͤnschen, euren nahmen zu wissen Ziegler asiat. Banise (1689) 17;
wer wuͤnschte nicht Damoet zu sein?
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 12.
nach der mitte des 18. jhs. in diesen formen, bes. im einfachen konjunktiv, häufiger, nicht selten mit resignierendem unterton: verläszt man denn die, die man liebt? so musz ich sie wohl nicht lieben, denn ich wünschte, sie nie zu verlassen Lessing 2, 289 L.-M.;
wie hätt ich nicht gewünscht, so schönem leben
die minder würdge hälfte zu ersparen
Schiller 15, 1, 20 G.;
ich wünschte, er (Mozart) wäre nicht so verschwenderisch (mit seinen melodien) bei O. Jahn Mozart (1856) 14, 25; sie lachen. ich wünschte, ich könnte es auch A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 31. mehr die bedeutung 'fordern' (1 c β) abschwächend und höflich umschreibend: es ist vornehmlich der charakter des Richards, worüber ich mir die erklärung des dichters wünschte Lessing 10, 97 L.-M.;
ich wünschte recht gelehrt zu werden,
und möchte gern was auf der erden
und in dem himmel ist erfassen
Göthe I 14, 90 W.;
besitzen sie nicht die Seckendorfischen lieder? ... ich wünschte mir sie auf kurze zeit ders. IV 23, 230; in solcher stimmung sind deine überfeurigen briefe, närrische Bettina, grade recht, nur wünschte ich, du begnügtest dich mir dergleichen blosz zu schreiben, und erzähltest nicht so viel an andere davon (1832) Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 100.
b)
in der unpersönlichen wendung etwas ist oder wäre zu wünschen kommt nicht so sehr das bewusztsein der unwirksamkeit und irrealität des wunsches, als vielmehr die betonung seiner dringlichkeit zum ausdruck: darumb zu wunschen, das frome teutsche fursten nichts mit seinen (des kaisers) vntrewen practiken zu thun haben (1539) bei Luther br. 8, 643 W.; es wer auch gut vnd zu wuͤnschen, dasz diese ordination verbessert vnd etwas geendert wuͤrdt Schweigger reyszbeschr. (1619) 303; derentwegen sehr zu wünschen wäre, dasz eine rechte physic und metaphysic an den tag käme J. J. Becher psychosophie (³1707) 81; es ist also zu wünschen, dasz seine schriften von einem sachkundigen manne gesammelt werden Schubart leben 1 (1791) 19; dürfte ... dein guter verstand eingesehen haben, dasz auf erwiderung niemals zu hoffen, ja, dasz eine solche niemals zu wünschen war M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 86.
c)
nichts oder etwas zu wünschen (übrig) lassen, die vollkommenheit bzw. unvollkommenheit einer sache umschreibend: weil wir bereits journale besitzen, welche dem liebhaber und selbst dem kenner wenig zu wünschen übrig lassen d. dt. Merkur (1773) 1, 7; wir wollen hingegen auch nicht bergen, dasz ... uns diese copien manches zu wünschen übrig lassen Göthe I 47, 293 W.; die betten aber seien ausgezeichnet und lieszen nichts zu wünschen übrig Raabe s. w. I 6, 269; und sagte: sie gehen mit mir, George! in einem ton, der an selbstverständlichkeit nichts zu wünschen übrig liesz Ina Seidel labyrinth (1922) 139; die beziehungen des rektors zu oberlehrer Vogelsang lieszen zu wünschen übrig Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 124.
4)
der reflexive gebrauch, der im mhd. nur sehr schwach ausgebildet ist (vgl. unter I A 2 a α und I B 1), nimmt im verhältnis zum gesamtgebrauch des wortes seit dem 16. jh. langsam zu. er entspricht in seiner syntaktischen struktur dem allmählich seltener werdenden gebrauch von 2 mit der bedeutung 'jemandem etwas wünschen'.
a)
der ältere nhd. gebrauch deckt sich in der bedeutung mit dem von 1 a und 2 a. er beschränkt die fügungsweise mit dem dativ der person, die dem gebrauch von 2 a eignet, auf eine solche mit dem reflexiven dativ: ich wolt mir wundschen, das ich nur drei tag ein engelchen were, da wolt ich allen bawren ihre schetze stelen (1531) Luther tischr. 2, 410 W.; die historien lernen vns, das wir vns des lands Palestina nit wündschen solten, ... wann wir nit alle land bisz dahin vnderwegen gewinnen Seb. Franck Germ. chron. (1538) 137ᵇ; (Leonhardus:) ach unglückseeliger Leonhardus! du hast in kurzer zeit einen vater und schwester verlohren! wohin will doch das unglück dich leiten! ich wünsche mir selbsten vor betrübnisz den tod schausp. engl. comöd. 184, 13 Creizenach.
b)
seit dem 17. jh. selbständiger und deutlich reflexiv in dem sinne, dasz jemand etwas für sich, in seinem eigenen interesse oder zu seinem eigenen besitz ersehnt oder verlangt:
der sechste wuͤnschet ihme bald disz und das,
er strebet nach, und suchet, ich weisz nicht was
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 158;
liebe seele, gleichwie du dir aus ungeduld nicht selber solt den tod anthun, also solt du auch aus ungedult den tod nicht selber dir wünschen Qvirsfeld geistl. myrrhengarten (1717) 888; im sechzigsten jahre wünscht sich alle welt ein landgut Hippel über d. ehe (1774) 21;
(ich) wünsche mir, dasz ich dem mächtigen,
was ihm gefällt, mit wahrheit sagen möge
Göthe I 10, 12 W.;
und die menschen, die mich dann nach meines lieben vaters tode zu sich nahmen — bessere konnte kein kind sich wünschen Th. Storm s. w. (1900) 5, 164; ich wünschte mir, ihn eines tages von angesicht zu angesicht zu sehen Carossa d. tag d. jungen arztes (1955) 44.
5)
als part. perf. im sinne von 'erhofft, erwartet, begehrt, verlangt'. anders unter B 2.
a)
sehr häufig attributiv: bisher, da noch ymer sunde ist blieben, hat yderman friede gesucht, aber die sunde hats nicht leiden woͤllen, es ist mehr gewuͤndschter friede denn gehabter friede gewesen Luther 23, 557 W.; damit ... die bergkleut ... frölich vnd seligklich sterben, vnnd des gewuͤnschten juͤngsten tages in jren grebern erwarten Mathesius Sarepta (1571) )( 4ᵇ; gleichwohl aber der gewuͤnschte bescheid dermal eins nicht kommen wollte Grimmelshausen Springinsfeld 6 Scholte; eben jetzt ist ihr lieber, sehnlich gewünschter vater wieder gekommen Lessing 2, 168 L.-M.; und im nächsten augenblick trat der musikant aus dem gebüsch hervor und spielte unter lautem zuruf die gewünschte melodie W. Raabe s. w. I 6, 182; ohne säumen verbürgte Diederich sich für alle gewünschten reparaturen H. Mann d. untertan (1949) 390.
b)
substantiviert, etwas gewünschtes, das gewünschte:
ist nichts gewuͤnschters jhm gewesen,
weder die reuter ausz erlesen,
vnd die artzneykunst zu ergruͤnden
Spreng Äneis (1610) 252ᵇ;
die hagere frau brachte das gewünschte und verschwand wieder O. M. Graf unruhe (1948) 138.
6)
im substantivierten infinitiv; anders unter B 3: vnd ist das wunschen, begeren, klagen vnd bitten dem menschen angeporen Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 238 ndr.; vnnd ein grosse torheit were es, wann einer sitzendt oder mit dem blossen wuͤnschen, vermeinte den feindt zuschlagen Albertinus der kriegsleut weckuhr (1601) 2, 37ᵃ;
sollt wollen und wünschen wirklich werden,
es ritten die narren wohl all auf pferden
maler Müller w. (1811) 1, 281;
die nebel, welche fühlen, wünschen, wollen um die dinge gelegt hatten, waren fort Feuchtwanger Simone (1950) 303. so nur selten im sinne des zuwunsches (s. unter 2):
ich stell es, lieber freund, nun deiner meinung frei,
was doch auf solchen trost mein gröstes wuͤnschen sei
Grob dichter. versuchgabe (1678) 28;
sie nieste abermals, er wünschte von neuem; das niesen und wünschen hörte auch nicht auf Brentano ges. schr. (1852) 5, 415.
7)
redensartlich, in die (eine) hand wünschen, zur umschreibung der nichtigkeit des wünschens: aber ich tröst mich dessen, ist es nicht hie, so ist es dort, vnnd villeicht mehr als ich mir inn ein hand wuͤnschen solt. auff solche oder auch ein bessere weisz solt jhr allzeyt ewerm vnglück mit trost wissen zubegegnen, dasz noch morgen taler könten regnen Fischart Garg. 37 ndr.; meine groszmutter pflegte zu sagen: wer in die eine hand wünscht und in die andere pfeift, der hat in einer so viel als in der andern Platen w. 2, 187 Redlich. entsprechend:
o sterblicher, was sorgest du, und wünschest in den wind?
R. Z. Becker mildh. liederbuch (1799) 70.
B.
in seiner von A abgeleiteten objektiven bedeutung richtet sich wünschen in der weise auf einen gegenstand, der auch eine person sein kann, dasz der eindruck entsteht, als könne sich an diesem gegenstand ein dem wünschen entsprechender und durch dieses bewirkter tatsächlicher vorgang vollziehen oder als habe er sich vollzogen, während die wirklichkeit sich dem wünschen gegenüber tatsächlich und auch für das bewusztsein des sprechers gleichgültig verhält.
1)
sich, jemanden oder etwas an einen ort oder in einen zustand wünschen; lediglich den eindruck erweckend, als eigne dem wünschen eine wirksamkeit und eine mächtigkeit über die wirklichkeit. auch dort, wo der zusammenhang die erfüllung des wünschens wahrscheinlich macht (z. b. Fortunatus und Gryphius unter a), ist diese erfüllung in erster linie durch die an das wünschen gebundenen besonderen umstände bedingt. konjunktivischer modus oder umschreibungen sind, wie unter A 3, möglich. ein ähnlicher gebrauch unter anderen voraussetzungen unter I A 4 b.
a)
allgemein: wenn ich meine diener auff das geiaͤg send vnd mich verlangt, das ich geren bey yn wolt sein, so setz ich mein huͤtlin auff vnd wünsch mich zu jn, so bin ich bey jn (1509) Fortunatus 87 ndr.; mein herr Käte grüsset euch und wünscht euch bald gesund und bei uns (1534) Luther br. 7, 118 W.;
entweiche! ruffe du die sänger vor die thür!
wir wünschen uns allein
Gryphius trauersp. 72 lit. ver.;
ich ... wolte lieber in die stelle jener hirten, die da vor uns weiden, mich wuͤnschen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 157; auch deines vaters wegen wünsch ich dich (in der todesstunde) standhaft Gerstenberg Ugolino 259 H.; wenn wir geneigt sind, etwas zu tadeln und besser zu wünschen, so sinds meistens die zeiten und umstände unsrer erziehung Herder 31, 309 S.; talentreiche leute, die der könig in seinen dienst wünschte Göthe I 43, 301 W.; ich wünschte den privatsekretär Pinnemann trotz aller seiner liebenswürdigkeit an irgendeinen angenehmen, aber fernen ort der erde W. Raabe s. w. I 6, 55; der mann, ... der nichts ungetan wünschte, was er getan, und nichts getan wünschte, was er gelassen hatte, bereute nun in kurzer frist zum zweitenmal Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 274.
b)
erst jünger bezeugt ist der typus jemanden zum teufel wünschen: machen musz er, dasz das mädel lieber vater und mutter zum teufel wünscht Schiller 3, 365 G.; er wäre zum henker gegangen, wohin ich euch wünsche Göthe I 43, 248 W.; Reichmeyer stimmte ... bei und wünschte die kritik zu allen tausend teufeln Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 297; der handwerker wünscht die fabriken dahin, wo der pfeffer wächst Riehl die dt. arbeit (1861) 70; und dabei verklagte sie Dörr, ... der immer zu hause sei, wenn sie ihn zum kuckuk wünsche Fontane ges. w. (1905) I 5, 262.
c)
wendungen nach dem typus wie man etwas nur wünschen kann bewerten eine sache positiv: da ward es jhm so wol erbotten vnd auch gedienet, dass er es ihm nicht besser hette wuͤndschen moͤgen buch d. liebe (1587) 387ᵇ;
zumahlen den gemähten weizen, den man nicht besser wünschen kann
Brockes ird. vergnügen 7 (1743) 243;
sie betrug sich gegen mich, wie ich es nicht besser wünschen konnte Göthe I 23, 35 W.; sein name ist für zwei von ihnen (den kreuzigungsgruppen) urkundlich gesichert, für die beiden anderen spricht die stilistische übereinstimmung so deutlich als irgend gewünscht werden kann Dehio kunsthist. aufs. (1914) 133.
d)
das ziel des wünschens ist ein bestimmter persönlicher status, jemanden zum freund wünschen u. ä.: das yn landfrembden ... mann die künigkliche tochter Nausikaa zuͦ einem gesponsz, der künig Alcinous sampt der künigin zuͦ ainem ayden vnd mitregenten jres künigreichs samentlich wünschten vnd begerten Schaidenreisser Odyssea 3 Weidling; ein armer der reich ist worden, vnd ein bawer der edel worden, sol man nicht zu freunden wuͤnschen Lehman floril. polit. (1662) 2, 705;
viel ritten der freier nach Taubenhain,
und wünschten Rosetten zum weibchen
Bürger s. w. 60ᵇ Bohtz;
dasz man die Römer wohl zu freunden aber nicht zu herren wünsche Mommsen röm. gesch. ⁴2, 46.
2)
als part. perf. im sinne von 'wunschgemäsz, trefflich, richtig, passend' nicht über das 18. jh. hinaus nachzuweisen. anders unter A 5: ein sehr hüpscher, wolgewachsener fürst ..., also das die alten sagen, das er ein gewunscht mensch sey gewest und viel besserer eintracht ... in seiner ehe were wirdig gewest Kantzow chron. v. Pommern 314 Gaebel;
du komst jetzt zu gewünschter zeit
Spangenberg bei Dähnhardt griech. dramen 2, 57 lit. ver.;
Phyllis, mein gewünschtes gut,
meine zier und krone,
du, in derer milch und blut
ich am meisten wohne
Simon Dach ged. 417 lit. ver.;
die gewuͤnschte hauszmutter (überschrift) Rachel satyr. ged. 36 ndr.; den abend umb 9 uhr, als der wind aus suͤd-west uns gewuͤnschet kam, giengen wir ... zu seegel Olearius pers. reisebeschr. (1696) 3ᵇ;
und da ihn so gewünscht das glück hieher geführt
König ged. (1745) 542;
so lagen sie ihm (ihrem gastgeber) doch beständig an, für sie posten zu finden, in denen sie ihren unterhalt erwerben könnten. kurz darauf fand sich eine gewünschte stelle für Marianen Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 74.
3)
nur spärlich bezeugt in einem von A 6 verschiedenen substantivierten gebrauch zur kennzeichnung dessen, was begehrt wird oder werden könnte. im ersten beleg im anschlusz an wunsch II B 1: disz sollent jhr billig dem groszmechtigsten künig Dario, von vns rümen vnnd anzeigen, das jhr von vnns zu peht vnnd tisch nach allem wünschen, so wol gehalten seyt Boner Herodot (1535) 65ᵇ;
du guͤldne freiheit du, mein wuͤnschen vnd begehren
Opitz buch v. d. dt. poeterei 16 ndr.;
und warum schämst du dich, bist du einmal gefangen,
durch deine bande selbst dein wünschen zu erlangen?
J. E. Schlegel w. (1761) 1, 52;
besorgen sie nur erst einen liebsten nach dero verlangen, vor das andere wünschen will ich sorgen Holston u. Augusta (1780) 53.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2038, Z. 31.

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Zitationshilfe
„wünschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCnschen>, abgerufen am 22.06.2021.

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