Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

wünschung, f.

wünschung, f.,
abstraktbildung zu wünschen, vb., vom 13. bis 18. jh. bezeugt.
1)
mhd. zuerst und wohl ohne unmittelbaren einflusz auf den späteren gebrauch speziell für adoptio im zusammenhang mit umschreibungen für die gotteskindschaft; vgl. unter wunsch I A 1 b, wünschen I A 6: alse der apostolus dâ sprichit 'ir habet phannen den geist kint wunschunge in dem wire dâ ruofin: abbit, vater' (zu Römer 8, 15) (hs. 13. jh.) Hohenfurter Benedictinerregel in: zeitschr. f. dt. altert. 16, 288; sunder do chom di uollhait der zeit, sant got seinen sun geparn vom weib warden vnder der ê, das er lœsæt di vnder der e warn, das wir di wuͤnschung der suͤn enphingen (zu Gal. 4, 5) (13. jh.) zeitschr. f. dt. philol. 12, 10. dazu auch wohl adoptio wontsunge, adoptatio vel adoptio wunschung (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 13ᶜ.
2)
vereinzelt schon im 15., gehäuft seit dem 16. jh. zu wünschen I B bzw. II A.
a)
überwiegend im sinne des zuwünschens: und ich schick uwer liebe hiemit ein häfftlin mit wúnschung eins seligen nuwen jaurs (1454) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 56; die gnad gottes unsers himmlischen vaters und herren Jesu Christi mit wünschung ewiger und zeitlicher gesundheit, glücklichen zustands und seliger wohlfahrt, sambt günstigem grusz zuvor (1538) bei Luther briefw. 8, 254 W.; ein weib sol jhren man ... mit einem freundtlichen kus vnd wuͤntschung aller wolfart von sich lassen J. Barth weiberspiegel (1565) K 2ᵇ; nach wuͤnschung eines gluͤkseligen morgens Buchholtz Herkules (1666) 1, 497;
nebst wünschung langem leben,
glück, heil und aller wohlfahrt,
das woll ihm Jupiter geben
Holberg dän. schaubühne (1743) 3, 23.
b)
das persönliche begehren, verlangen im eigenen interesse; vgl. optatio wunszunge (md. 15. jh.), optio vel optium wonschunge (md. 15. jh.), wunschunge (obd. 15. jh.) Diefenbach gl. 398ᵇ: etliche vil kaufleut stunden bey einander zuͦ Nürnberg uff dem herrenmarckt, hetten maniger hand anschleg und wünschungen. einer wolt, er wer ein keyser; der ander wünscht, das er ein bapst wer Jac. Frey gartenges. 95 Bolte; in den elegien hat man ... klagen der verliebten, wuͤndschung des todes ... geschrieben Opitz buch v. d. dt. poeterei 24 ndr.
c)
von b her auch das ziel, der inhalt und gegenstand des begehrens, erwartens: optatus ghewuschet vel wuschinge (nd. 15. jh.) Diefenbach gl. 398ᵇ; dorumb scheid dich ein lútzel von im das er ruͦe: bis das die wúnschung kum vnd als dem mietling sein tag (Hiob 14, 6: donec optata veniat) erste dt. bibel 7, 176 Kurr.; es begab sich aber, dass die zeit jhres gebaͤrens kam, vnd sie gebar einen schoͤnen son, nach wuͤndschung aller seiner gestalt, dess sich alles volck in dem gantzen lande erfreuwete Wigalois in: buch d. liebe (1587) 383ᶜ (Wigoleys [1493] a 4ᵈ hat entsprechend: einen sun nach wunsch gestalte, also ebenfalls objektiv im sinne von wunsch I A 6).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2056, Z. 67.

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Zitationshilfe
„wünschung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCnschung>, abgerufen am 11.08.2020.

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