Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wirbel, m.

wirbel, m.,
deverbativbildung zu germ. *hwerƀan aus der wz. idg. ku̯erp- 'sich drehen', vgl. got. ƕairban 'umhergehen', hveilaƕairbs 'wetterwendisch', anord. huerfa 'sich drehen, kehren, verschwinden', ags. hwerfan 'sich kehren, wenden, reisen, sich ändern', ahd. (h)werban, (h)werfan 'sich wenden, zurückkehren, tätig sein, betreiben', mhd. nhd. werben; gleichartiger bildung ist anord. huirfill, dän. hvirvel, schwed. hvirfvel, engl. whirl (aus d. skandin. entlehnt). neben ahd. (h)wirbil steht (h)wirvil und mit anderem ablaut (h)werbil (˂ *hwarbil), vgl. got. ƕarbōn 'umhergehen, wandeln', as. hwarf 'kreis, menschenmenge', ahd. (h)warb 'wendung, umdrehung', ags. hwearf 'austausch, wechsel', anord. huarf 'verschwinden', und ohne l-suffix ahd. (h)wërbo (m.) Graff 4, 1237, (h)wërba (f.) ebda; wirbe (f.) bei Joh. Rothe Dür. chron. 160 Liliencron; ahd. swirbil Graff 6, 897 ist kaum aus wirbil mit 'beweglichem s' erweitert, sondern selbständige herleitung aus der wurzel *su̯erp- in swerban; wirbel ist als girlo 'strudel, wollstaub' in das lombard. eingedrungen, vgl. Meyer-Lübke roman. etym. wb. (1935) 2, 798; auszergerm. verwandte sind nicht völlig gesichert, wahrscheinlich gehören gr. καρπός 'handwurzel, drehpunkt der hand', κύρβις 'drehbarer pfeiler', mir. corr 'wasserloch', corrach 'unbeständig', vielleicht auch (falls wz. k̆u̯erp-) aind. cú̄rpa- 'getreideschwinge' hierher, vgl. zum ganzen Walde-Pokorny 1, 472 f.; ob gelegentliches werbel ahd. (h)werbil fortsetzt oder dialektische form von wirbel ist, bleibt oft unsicher, vgl.:
darinn das wasser macht ein werbel
Hans Sachs 7, 203 K.;
wen durch den stromb und werbel zwar
ihr durch passiert mit jammer
Theobald Höck schönes blumenfeld 7 ndr.;
vgl. werbel vertibulum Diefenbach gl. 614ᶜ, werbel pliroma 442ᵇ, werbel occipium nov. gl. 269ᵇ; wervel, werfel vortex 386ᵃ, s. auch mnl. nl. werwel; formen mit f bleiben selten: besorg ich, wir werden in den werfel der trübselikaiten ertrincken Jos. Grünbeck ein spiegel (1508) b 1ᵇ, vgl. bair. werfel, warfel Schmeller-Fr. 2, 994; häufiger als würbel belegt, was zumeist gerundetes wirbil darstellt, doch auch tiefstufige bildung sein könnte, vgl. anord. horfa (˂ *hwurƀōn) 'kehren': aber die sandigen würbel fuͦrand nit übel die ebnen, aber das die merischen visch H. Österreicher Columella 2, 158; über den würbel des kopffs Paracelsus opera 1, 355ᶜ Huser; ich versuchte offt ans ufer zu gelangen, so mir aber die würbel nicht zulieszen Grimmelshausen Simpl. 320 Kögel; im plural vereinzelt mit -n gebildet, vgl. die wirbeln ... einer lauten Duez nomencl. (1652) 160.
A.
die kreisförmige oder spiralige bewegung einer körpermasse und die so bewegte masse selbst.
1)
der hauptakzent liegt auf der bewegung einer bestimmten körpermasse.
a)
die stelle im wasser, wo sich die strömung infolge von unebenheiten des grundes drehend abwärts bewegt, strudel, vgl. ahd. (h)werbo vorago, gurges, vortex Graff 4, 1237, wirbel im wasser vortex Diefenbach gl. 629ᵇ, charybdis 101ᵇ, werwel gurges 271ᵇ:
so fielen die hund allesander
in die Thonaw; ein theil ertruncken,
in dem wirbel zu grunde suncken
Hans Sachs 9, 265 K.;
(man darf) nicht schewen hiz, schweis, gfärligkeit,
noch der wasser ungstümmigkeit,
nicht erschrecken ab wirbeln, wällen
Fischart glückh. schiff 4 ndr.;
und wird (das schiff) dann unversehns vom würbel hingenommen
... da wird die freud und lust zur traurigkeit gemacht
morgenländ. reisebeschreib. 173 Olearius;
seht hin,
wies (das wasser) brandet, wie es wogt und wirbel zieht
Schiller 14, 277 G.;
denn des wassers heilige welle
scheint zu fliehen, sich zu entfernen,
sie erblickt nur hohler wirbel
grause tiefen unter sich
Göthe 3, 11 W.;
alles läuft darin herum wie tausend wirbel im strudel Bode Tristram Shandy (1774) 7, 9; wer von Regensburg her auf der Donau hinabgefahren ist, der kennt die herrliche stelle, welche der wirbel genannt wird Eichendorff 2, 10 Dietze; etwas anders:
und kam an einen fels, allwo von allen ecken
das wasser in ein marmorbecken
mit silberhellen wirbeln sprang
Lichtwer äsop. fabeln (1748) 58.
b)
drehende bewegung der luft, wirbelwind, heftiger sturmwind, vgl. anord. hvirfilvindr; ein winds wurbel vertex, typhon nomencl. lat.-germ. in us. schol. (1634) 29, (die winde) varnt in ainer snellen werbeln weise Konrad v. Megenberg buch d. natur 80, 22 Pf.; in neuerer sprache meist durch wirbelwind ersetzt: hie sehet (säet) sie wind und samlet wyrbel Luther 10, 1, 1, 531 W.; dise windsbraut oder wirbel ... sind am selbigen ort sehr gebreuchlich und gantz gefehrlich Nicolas Nicolai raisz in die Turckhei (1572) 9ᵇ; der weg war ziemlich von dem anhaltenden nordwind verwehet, dannenhero hatte mein knecht genug zu thun, mich aus denen wirbeln heraus zu bringen Zendorius a Zendoriis winternächte (1682) 558;
wie blätter, stoppeln, spreu und sand
vor keinem wirbel bleiben
J. Chr. Günther ged. (1735) 48;
blasser:
kommt er in wirbeln der windsbraut geflogen
Körner w. 2, 153 Hempel;
da erwachen wieder die finstern mächte (des sturmes), aus den unsichtbaren tiefen brechen ihre wirbel hervor H. v. Barth Kalkalpen 178; modern meteorologisch wieder aufgenommen für den kern eines tiefdruckgebiets.
c)
die durch eine luftströmung hervorgerufene bewegung leichter teilchen wie staub, sand, schnee, rauch, dampf, flamme:
allein ist einer, den man findt,
da die hellischen wyrbel (des feuers) sindt,
einer wird für sie alle gehen,
die andern sollen sicher stehen
Murner Äneis (1543) 125ᵃ;
schon vor des leuchtenden schlosses thor
schnell durch des feuers wirbel zur burg
kommt er, der kecke
Fouqué held d. nordens (1810) 1, 62;
die wirbel (d. tabakrauches) drehen sich auf wunderbare weise,
wie in Cartesens luft die länglicht runden kreise
Zachariä poet. schr. (1763) 1, 24;
und wie empor aus hohem schlot des dampfes schwarzer wirbel zieht
Geibel w. (1888) 1, 208;
das fenster zeigt mir gleich den wirbel in dem schnee
J. Chr. Günther ged. (1735) 413;
vom pole her stürmend bedeckt er die wälder mit reif, die flüsse mit eis, ein stöbernder wirbel (des schnees) treibt um den hohen giebel Göthe 40, 264 W.;
ein wind,
der hebt den staub in wirbeln auf
IV 1, 46 W.;
in neuerer sprache in fester verbindung in wirbeln emporsteigen, vgl. ähnlich:
es zieht der dicke staub im würbel schon empor
v. König ged. (1745) 158.
d)
terminologisch; (cartesianische) wirbel, die elliptischen ätherströmungen, die Descartes als ursache des planetenumlaufs annahm:
durch diese wirbel, die so verschiedlich seyn,
theilt die materie sich ein
Brockes ird. vergnüg. (1721) 3, 163;
so jagte Newtons einfaches gesetz Descartes wirbel aus dem leeren äther Herder 23, 511 S.; bildlich: aus dem alten schlosz konnt er leichter in die kartesianischen wirbel des neuen, der visiten und freuden springen und sich von ihnen drehen lassen Jean Paul w. 1, 173 Hempel; technisch magnetische, elektromagnetische wirbel: diese versuche zeigten ihm nun die bisher sehr unbekannten magnetischen wirbel Gottsched d. neueste 4, 727; elektromagnetische wirbel Blaschke elektrotechnik 141.
e)
übertragen auf eine ungleichmäszige, rasche bewegung, das durcheinanderwogen von menschenmassen, getümmel, gewühl:
Hermann eilt im dicksten wirbel (der schlacht) als ein wahrer held voran
v. Schönaich Hermann (1751) 171;
ohnmächtig weich ich vor dem tollen wirbel (einer bauernprügelei) zurück Watzlik pfarrer von Dornloh (1930) 60; verdinglicht 'eine gruppe durcheinander wogender menschen': der keyser muszt noch, mit einem kleinen wirbel umbgeben, sein leben mit seiner eigen hand retten Seb. Franck chron. Germ. (1538) 162ᵇ; übertragen sich aus dem wirbel schwingen 'sich aus der affaire ziehen, sich zu retten wissen': ein mann einer sehr arglistigen arth ... könte sich meisterlich nach allen winden wenden, drähen und aus dem würbel schwingen Laurentius v. Schnüffis wald u. schallweg 210.
f)
besonders aus a entwickelt sich vielfach bildliche verwendung; für den tiefsten punkt: (der geist) dringe für baz in den wirbel und in den ursprunc, dâ der geist sînen ursprunc inne nimt meister Eckhart in: mystiker 2, 232 Pfeiffer; vergleichbar:
denke dir einmal das nichts; du denkst es dir neben den etwas!
aber, da denkst dus dir nicht! hier ist der wirbel des seins
Hebbel w. 6, 334 Werner;
meist mit dem beisinn des gefahrvollen oder leid bringenden zustands: ich bin in ein tieffen wyrbbel kommen Zürcher bibel (1531) ps. 68ᵃ; si seie ja glücklich oder unglücklich, in waszerlei würbel der laster einfüret oder an den schrofen der schadhaften ding gantz zerschmettert C. Hedio christl. leer (1532) 31ᵃ; gar leicht ein wirbel des unglücks hervor quillen kan Reinicke fuchs (1650) 416; die gesetzte frau, die froh sei, endlich aus den tollen wirbeln eines heiszen blutes herausgekommen zu sein P. Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 85; anders als die kraft, die unwiderstehlich mitreiszt oder an sich zieht: man fühlt sich in den wirbel des auszerordentlichen hingezogen Europa (1803) 2, 157 Schlegel; die wirbel der gesellschaftlichkeit hatten ihn verschlungen Göthe IV 2, 33 W.; dasz in einem solchen zeitpunkte die jüngeren köpfe in dem wirbel des stärksten unter ihnen mit fortgerissen werden, ist natürlich Schreyvogel ges. schr. 2, 1, 174.
2)
der bewegungsvorgang selbst beherrscht die vorstellung.
a)
allgemein die rasche kreisförmige oder spiralige drehung: dar umb, wer ain gar klainez vögell praet an der rüetl aime, so kêrt sich daz spizzel selber umb ain weil von dem wirbel der geist und des dunstes in dem holz von der hitz Konrad v. Megenberg buch d. natur 334, 23 Pf.; eine feurige kugel herauff steigen sehen, welche mit ihren wunderlichen würbel, drehen und schrecklichen flammen die zuseher mit erstarten hertzen und augen angeschauet Joh. Prätorius reform. astrol. (1665) 236;
der kleine stein macht so viel grosze schweiffe,
so cirkelrecht sich in den würbel winden
Harsdörffer gesprächspiele 6, E e 7ᵇ;
diese (scheibe) schwang er (Odysseus) im wirbel
J. H. Voss Odüssee 135 Bernays;
während er seinen flintenlauf im wirbel schwang Spielhagen s. w. 2, 503; da die ganze masse des materials sich in einem wirbel dreht, steigt der ... staub empor Muspratt chemie (1905) 8, 394; von der kosmischen bewegung: sie sind der junge herr, der ... als ein weltweiser von der figur der erde und von den wirbeln der himmelskörper reden musz Schwabe belustig. (1741) 2, 348;
den der sterne wirbel loben,
den des seraphs hymne preist,
dieses glas dem guten geist
Schiller 4, 4 G.;
'kreislauf':
wie wenn bey hellgestirnter nacht
Diana ihren glanz verlieret,
so oft ihn ihres wirbels macht
in unsers erdballs schatten führet
Gottsched ged. (1751) 84;
die erde vollendet in 24 stunden ihren wirbel um sich selbst J. P. Hebel w. 2, 211 Behaghel; rotation eines rades, einer scheibe, einer kugel u. s. w. um die eigene achse: so einer ainen zwölfbotten erwehlen wolt, müst er sine ogen beschlieszen und also in siner liblichen und gaistlichen blindhait den raif umbtriben und in dem wirbel einen zedel ergrifen Joh. Keszler sabbata 58;
noch schlimmer handelt der, bey welchem ehr und wind
wie räder in der uhr in stetem wirbel sind
J. Chr. Günther ged. (1735) 445;
wie ein kugel im wirbel kommt W. v. Humboldt ges. schr. 4, 73; 'kreisbewegung':
sie lieffen durch einander umb,
geleich in einem wirbel krumb
Spreng Ilias (1610) 141ᵃ;
gern von der schnellen drehbewegung des tanzes:
und wenn sie (die mädchen) in reizendem wirbel sich drehn,
so rühren sie herzen von stein
Böhme volksthüml. lieder 320;
bald wurde unsere blumenleuchte vom wirbel der tanzenden hin und herbewegt Storm s. w. (1899) 1, 86;
einst als du noch das nymfenvolk bekriegtest,
ein fürst des karnevals den teutschen wirbel flogst
Schiller 1, 248 G.;
poetisch 'die drehende umwindung des schlangenleibes':
gählings schnürt dich der tödtliche wirbel
3, 136.
b)
auf eine unregelmäszige, in verschiedenen bewegungsrichtungen sich vollziehende zusammengesetzte form der kreisenden bewegung einer gröszeren menge von körpern angewendet:
die schwalben schäumen ihn (den teich) in tausend wirbeln begierig ab
v. Gentzkow ged. (1771) 29;
in taumelndem wirbel erhebt sich die geflügelte schar (der ameisen) Laistner nebelsagen 238; ähnlich: im wirbel flirrte der blanke stahl G. Freytag ges. w. 8, 33; bildlich: wo der trachtenwechsel kreiset, sind herkommen, sitte und brauch im ewigen wirbel Fr. L. Jahn w. 2, 703 E.; geradezu 'durcheinander': gleich dem beständigen wechsel des äuszeren wird auch unsere innere regsamkeit nur noch ein wirbel von bewegungen sein Lotze mikrokosmus 1, 26.
c)
vielfach bildlich für den unruhigen wechsel, das regellose durcheinander, wirrwarr: der pöfel (ist) als ein thier, das den wirbel des unbestandes zu seinem angelsterne braucht Lohenstein Arminius (1689) 1, 236ᵇ; oben wurde schon des ruhigen bewusztseyns erwähnt, das diesem sich in sich auflösenden und wieder erzeugenden wirbel gegenüber steht Hegel w. 2, 406; es war mir in dem bisherigen wirbel beständiger aufregungen nicht möglich, zu einem klaren gedanken zu gelangen Hebbel br. 2, 164 Werner; besonders häufig vom ruhelosen getriebe des lebens, der geschäfte und zerstreuungen, oft nahe an A 1 f angrenzend: verlassen sie sich inzwischen darauf, dasz Göthe in allem dem wirbel, worin er sich dreht, sie und die physiognomik nicht vergiszt Wieland in: schr. d. Göthegesellsch. 16, 347; in dem gewaltigen wirbel der weltgeschichte Mommsen röm. gesch.⁴ 3, 284; wie floh er aus dem wirbel der geschäfte und zerstreuungen wieder zu mir Göthe 11, 166 W.; vor vierzehn tagen war ich einige tage lang in einem wirbel von mahlzeiten und gesellschaften J. v. Müller s. w. 5, 10; etwas anders 'sich überstürzende, drangvolle arbeit': wir fanden keine zeit dazu im wirbel des nationalökonomischen umschwunges W. H. Riehl d. deutsche arbeit 11; ich war zu sehr vom wirbel des fünften acts umstrickt Hebbel br. 4, 343 Werner; früh mit pejorativem klang 'unordnung, verwirrung': also sind disse jar daher ausz der maszen viel ... tzeychen yn vielen landen am hymel gesehen, denn es ist gewiszlich vorhanden eyn groszer wyrbel Luther 10, 1, 1, 571 W.; als herr Ammon sich sehnt nach landgütlicher ruhe vor den wirbeln der hohlen zeitphilosophie Schleiermacher s. w. I 5, 417; in seltsamen wirbeln ging sein schwankendes urtheil Gutzkow zauberer von Rom 3, 155; wie 'verirrung':
und immer kehrt Horaz den täglich schärfern blick
von wirbeln eiteln wahns auf sich ...
Hagedorn poet. w. 1, 46;
verdinglicht 'verwirrte lehre, irrlehre': wir sagen, das yhre warheit eitel trebesand und ungewisser wirbel sey Luther 23, 234 W.; wo göttliche gnad ist, da fleiszt er (der teufel) sich auch hinzu, damit er da ein wyrbel macht, der dem gemeinen mann fürzulegen sey Paracelsus opera 2, 219ᵇ Huser.
d)
übertragen auf eine nur subjektiv empfundene oder scheinbare innere bewegung, besonders im bereich des fühlens und denkens, der vorstellungswelt u. ä.
α)
das ungeregelte wogen von gedanken, gefühlen, vorstellungen, empfindungen; vgl. noch ganz im bilde: vom wirbel der liebe verschluckt Frisius dict. 1367ᵇ: die rauschenden freuden, welche die sinnen in einem wirbel von wollust dahinreiszen Wieland Agathon (1766) 1, 247;
denn was wär unsre lebenszeit ...
ein wirbel süszer leiden
Herder 25, 390 S.;
(der) wirbel der empfindungen, die mir hier vorschwebten Hebbel br. 6, 224 Werner; ein wirbel von gefühlen erfaszte die marquise W. v. Scholz erzähl. (1924) 88; alle fühlten sich von einem wirbel zweiflerischer gedanken fortgerissen Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 122; absolut:
meine Laura! nenne mir den wirbel
der an körper körper mächtig reiszt
Schiller 1, 209 G.
β)
in pejorativer wendung verdichtet zur bezeichnung des zustandes mangelnder bewusztseinsklarheit, bei dem sich alles zu drehen scheint; noch im bilde der schwindel verursachenden bewegung:
in schwarzen wirbeln dreht sichs um mich,
aber ich will hindurch, empor aus dunkel und nacht
Grillparzer s. w. 5, 97 Sauer;
wo sich köpf im wirbel drehen
flüchten lieb und zärtlichkeit,
furchtsam, gleich verfolgten rehen,
in den arm der nüchternheit
Langbein schr. (1841) 1, 157;
'schwindelgefühl': einem schwindelnden gleich, der, um nur dem entsetzlichen, nicht mehr erträglichen wirbel zu entgehen, sich vom thurme herunterstürzt Nietzsche w. 1, 86; 'wutanfall': ein wirbel war ... in des invaliden kopfe aufgestiegen L. v. François Reckenburgerin (1871) 1, 62; vgl. er hat den wirbel ist übel gelaunt (Solothurn) Wander 5, 277; 'aufregung': der sonst gesetzte und ruhige sergeant rief in seinem wirbel und alle bedenklichkeiten seines ... gewissens hinunterspülend: so commandirt ein general Gutzkow ritter vom geiste 4, 363; 'taumel': was sie sprach, hörte Bonaventura, er verstand es nicht ..., wie im wirbel stand er Gutzkow zauberer von Rom 5, 193; 'rausch':
schlürft ein, und süszer wirbel
durchdröhn uns bis zur zirbel
J. H. Voss ged. (1802) 4, 119;
vgl. einen wirbel haben Adelung 5, 250; weinwirbel, ein reuschlein ebriola Stieler 2518; 'brunftkoller der tiere': alsdann kriegen sie (die hirsche) den wirbel oder lust zur brunft in kopf Döbel jägerpractica (1754) 1, 13; früh für den krankhaften zustand der bewusztseinstrübung 'wahnsinn, verrücktheit', vgl. wirbel phrenesis, insania, er hat den wirbel im kopfe dementia captus est Stieler 2518, hirnwirbel girandola di testa cioè pezzia Kramer t.-ital. 2, 1357ᵇ: es kann ihme leicht ein würbel in sinn kommen, das er blutt vergüssen nichts achtet Butschky Pathmos (1677) 109; Moyses nachdem er von dem berg Sinai herabgestiegen, fand ... dasz seinem volk der würbel in den kopff gerathen Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 56; 'drehkrankheit' der tiere:
ihr schäfer da pfuscht doch gewöhnlich
halb in das hexengewerb, herzspann zu vertreiben und zahnweh,
koller und wirbel sogar
J. H. Voss s. ged. 2, 177;
deminutiv wirblein verdinglicht für ein tier, das die drehkrankheit hat, vgl. Fischer schwäb. 6, 1, 869: es soll kein metzger kein würbell ... auszuhauen kaufen quelle v. j. 1620 ebda; übertragen wirbel verwirrter mensch ebda.
3)
zu besonderer bedeutungsgruppe entwickelt in akustischer beziehung; zunächst von der durch die drehende bewegung der trommelstöcke auf dem schlaginstrument erzeugten raschen, pausenlosen, ineinander übergehenden folge von tönen; der vorgang der wirbelnden schlagart überträgt seine bezeichnung auf das akustische ergebnis; deutlich noch mit überwiegen der aktionsvorstellung: die reveille wird mit drey einfachen schlägen, hernach mit drey halben gedoppelten, nachgehends mit drey einfachen und wiederum drey gantz gedoppelten und so fort, wie auch mit einem schlage und wirbel abgeschlagen v. Fleming soldat (1726) 143;
der tambur die trummel im wirbel schon rührt
v. Erlach volkslieder d. Deutschen 2, 420;
bildlich: (als ob) die erde ... unter dem wüsten wirbel des eisens hinwegrutsche W. Beumelburg sperrfeuer (1929) 314; zumeist von der tonfolge selbst gebraucht: bey dem commando 'schultert' (wird) ein doppelter würbel geschlagen v. Fleming soldat (1726) 226; abends beim zapfenstreich ging ich neben der menge trommeln her, deren wirbel und schläge das herz im busen hätten zersprengen mögen Göthe 27, 257 W.; 'glück auf, Hanne', rief die alte drauszen, ungeduldig einen kurzen wirbel an den scheiben trommelnd W. Raabe schüdderump 1, 124; die donner schlagen ihre wirbel Bettine Brentanos frühlingskranz 269; die peitsche knallte lustige wirbel in die lüfte W. Alexis Isegrimm 26; durch die diele stiesz ein wirbel von gelächter P. Dörfler d. lampe d. töricht. jungfrau (1930) 388; auf trillernde tonfolgen übertragen:
weswegen gab er (gott) wohl der muntern nachtigall
der wirbel schnelle kunst?
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 148;
mit lauten wirbeln steiget
die lerche ...
Eschenburg beispielsammlung (1788) 6, 106;
die harmonische wirbel ihrer bezaubernden stimme Wieland ges. schr. I 1, 161 akad.
B.
ein ding, das eine spiralige oder kreisartige form hat oder mit einer schneckenartigen figur oder linie versehen ist.
1)
zufrühest, ebenso wie lat. vertex zu vertere, für eine stelle des haares oder felles, wo das haar die richtung ändert und wie kreisradien auseinanderstrebt.
a)
die höchste stelle am menschlichen hinterkopf, der 'scheitelpunkt', vgl. wirbil vertex, est ea pars capitis qua capelli colliguntur Konrad v. Heinrichau vocab. 358 Gusinde, wirbel sinciput Diefenbach nov. gl. 339ᵇ, wirbel aqualium gl. 43ᶜ; seit dem 12. jh. bezeugt, besonders in formeln wie vom fusze bis zum wirbel, vom wirbel bis zur sohle u. ähnl.:
und der heilige atem
entswebete ir den lichnamen
von den vuozen unze an den wirbel
frau Ava leben Jesu 73 bei Diemer dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 231, 2;
der mann betrachtete mich zweimal vom fusz bis zum wirbel Schiller 4, 74 G.; von dem wirbel bisz auff die solen oder ferszen Seb. Franck sprüchw. (1645) 1, 1ᵃ; der graf ... schaut das mädchen ... vom wirbel zur sohle gedankenvoll an H. v. Kleist 2, 186 Schmidt; denn er ist Pole vom wirbel bis zum zeh Fontane ges. w. I 2, 27; so allgemein: ein teil bilger rüeret der mantel numen hinden an das houpt, die andern hont in wol halber doruff oben uff den wirbel gezogen Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 45ᵈ; des wirbels hinden auff dem haupt höhe ist mitten zwischen scheitel und stirn A. Dürer menschl. proportion (1520) a 3ᵇ; auch hastu hierbey einen balsam, damit schmiere die schläffe, den würbel Grimmelshausen Simpl. 103 Kögel; (man läszt) einen einigen tropffen (talgöl) auff den wirbel des haupts fallen v. Ettner u. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 153; spärliches haar vom wirbel über das ohr weg gekämmt W. v. Polenz Grabenhäger 1, 217.
b)
beim tierfell, besonders bei den einhufern, die schneckenförmig gedrehten stellen der behaarung, vgl. pferdwirbel, haarwirbel an pferden Kramer t.-ital. 2, 1357ᵇ: so ein rosz ein wirbel hat, er stehe allein oder hab ein federschwantz ... am hals nahent bei der möni, dasselbe ist beklügt oder glückhafft J. Fayser hippokomike (1623) 14; es hat auch ein jedes pferd seine natürliche wirbel, nemlich zwei an der stirn, 2 am hals, 3 an der brust, 4 am nabel Winter v. Adlersflügel stuterei (1687) 80; auf der brust und zwischen den schenkeln bildet es (das antilopenhaar) nähte, in der horngegend ... wirbel Brehm tierleben 3, 337 P.-L.; deminutiv: die jungen füllen (sollen haben) ... das horn am huf schwartz ... mit eynem kleynen krönlin oder würblin darüber Sebiz feldbau (1579) 151; etwas anders in mischung mit a, ein büschel federn auf der höchsten stelle des kopfes: (der phönix ist) auf dem haupt mit federichem wirbel geziert Seb. Franck chron. (1531) 126ᵇ.
c)
von a aus übertragen auf den ganzen haarschopf des menschen:
diu kraft lac niur an siben hâren
diu mitten ûf sînem wirbel wâren
Hugo v. Trimberg renner 6870 Ehrismann;
man bracht ihm noch darzu ein ungrisch wasserglas,
mit beyden macht er ihr den schlaf und wirbel nas
Rost verm. ged. (1769) 44;
sie spann von Simsons wirbel sich ein fischernetz, das sie wie eine geldtasche nachher am gürtel trug maler Müller situation aus Fausts leben 111 ndr.; besonders für das haupt ganz allgemein:
(die richter legten)
ir beider hende schirbel
hin uf Susannen wirbel
Daniel 7637 Hübner;
ir unglück fellet auff iren kopff und ir frevel auff iren wirbel Luther bibel 7, 362 Bindseil-N.;
was hilft es auch, nach weisheit schnappen
die oft dem wirbel wehe tut?
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 58,
vgl.warwe (˂ wërbe) 'kopf' Dellit Kleinschmalkalden 238; redensartlich im ostpreusz. das jückt mir auf dem wirbel ist mir unangenehm Frischbier preusz. sprichw. 2, 197.
2)
als höchster punkt des scheitels am menschlichen kopf vielfach bildlich und übertragen für die oberste stelle eines gegenstandes: von dem wirbel der alden perge Wenzelbibel Deuter. 33, 15; den berg messen (31⁄2 lehen nach jeder seite) anczuheben mitten in dem wirbel (vertibuli) des rumpaumes übers. d. constitut. juris metall. Wenceslai II. 2, 2, 3 nach Jelinek mhd. wb. 961; (der) palmbaum, deszen wirbel und wurtzel alles zum nutzen bedachtsam spriesze Paulliscus erbaul. lust. (1695) )( 2ᵇ; vgl. wirbel baumgipfel Fischer schwäb. 6, 1, 869; oben ohngefehr 3 oder 31⁄2 daumen von dem wirbel der pfäle, bohret man ein loch A. Freitag architect. milit. (1631) 187; die Bojaren hatten auff den häuptern jeglicher ein bonnet ... mit groszen perlen über und über gesticket, auff dem wirbel ein kleinoth Olearius verm. reisebeschr. (1696) 21;
... schon sah er des rauhen
Atlas wirbel und sah die felsenrippigen seiten
Bürger w. 248 Bohtz;
rasch jagen dahin die flüchtigen räder
mit dem wassergott über die obersten wirbel der wogen
Schiller 1, 124 G.;
vom zenith, dem höchsten punkte des himmelsgewölbes, vgl. die sonne war hiermit schon über den mittags wirbel gelauffen Lohenstein Arminius (1689) 1, 103ᵇ.
3)
als oberster 'drehpunkt, angelpunkt', auch 'mittelpunkt' aufgefaszt; so im älteren nhd. terminologisch von den polen des himmelsgewölbes, vgl. der klein bär ist ein gestirn in mitternacht bey des himmels wirbel Calepinus XI ling. (1598) onom. 107ᵃ; wenn nun die sonne ferner den obersten himmelswirbel erreicht übers. von Ruysbroecks schriften (1701) 4, 56 G. Arnold: man pflegt sie (die pole) angeln und wirbel, auch wol bisweilen wendungen zu nennen E. Francisci eröffn. lusthaus (1676) 178; die zwey angelsterne, welche doch die unbeweglichen wirbel der welt seyn sollen, sind so wenig ohne bewegung als die erde Lohenstein Arminius (1689) 2, 746ᵇ; etwas anders im sinne 'mittelpunkt, zentrum': je stumpffer nun die hohle fläche ist, je näher wird auch der gehörpunkt ... dem wirbel oder centro der brennlinie sein A. Cario neue hall- und thonkunst (1684) 61; mein hirn ist der wirbel, um den alle götter tänzeln müssen Watzlik der alp (1923) 189.
4)
ein spiralig geformtes ding oder ein spiraliges linienbündel; in älterer sprache terminologisch für volute: läuberwerk, wirbel, schnorckel voluta Pomey indic. univ. (1720) 384; von den voluten oder wirbel, so etliche schneckenlinie, etliche schnirckel nennen G. Rivius Vitruv (1575) 252; (man hat) ihre (der säulen) capitäler mit wirbeln geschmückt Kästner verm. schr. (1755) 1, 120; auf spiralförmige gegenstände übertragen: der kopf ware mit so artig krausen lokken behangen, dasz man sie billich wirbel nennen kunte Bohse d. liebe irrgarten (1684) e 5ᵃ;
der augen glanz, der wangen rosenfarbe,
der lippen scherz, der locken braune wirbel
Wieland I 1, 422 akad.;
die straubschnäcken werdend genannt, die so in lange wirbel oder spitz sich endend gleych einer strauben Forer fischbuch (1598) 141ᵃ;
grüne weinreben
mit kleynem wirbel überal
Wickram w. 7, 184 Bolte;
die weisze blumen (des andorns) stehen in stachlichten häuszlein rings um den stengel wie ein wirbel v. Hohberg georg. cur. 3, 421ᵇ;
wenn sie (die rose) sich öffnet, sieht in ihr die frohe seele
ein angenehme kleine höle,
in welche, nebst dem blick, den geist
ein lieblich rohter wirbel reiszt,
den tausend blätterchen, die wir daselbst verspüren
wie sie sich inwärts drehn, formiren
Brockes ird. vergnüg. (1721) 1, 81;
wirbel kreis, den die blätter der maszliebe (bellis perennis) bilden Schmeller-Fr. 2, 982, Fischer schwäb. 6, 1, 869; mathematisch: ein unendlich dünnes bündel von wirbellinien heiszt ein wirbel Lueger 5, 264; ringförmige linien: in diesem fall ist auch zumercken, dasz die bösen farben, so mit andern guten und bessern farben oder zaichen und wirblen gemerckt, ... auch nit geschenckt werden Hörwart v. Hohenburg kunst d. reiterei (1581) 1ᵇ; so stellt im erwachsenen menschen die linsenoberfläche einen zehn bis dreizehnstrahligen stern mit ebenso viel wirbeln dar, der einen prächtigen anblick gewährt v. Sömmerring menschl. körper 5, 763; bildlich 'gedankliche kreise': bin ich darum gegen alle instinkte der menschheit rebellisch worden, dasz mir zulezt dieser unstete landstreicher durch meine künstlichsten wirbel tölple Schiller 2, 133 G.
C.
seit dem ahd. für ein ding, das sich drehen kann oder zu bestimmtem zwecke gedreht wird, vgl. (h)wirvil turbo 'kreisel' Graff 4, 1238.
1)
für den drehbaren stab oder stift an saiteninstrumenten, um den das obere ende der saite gewickelt ist, vgl. ahd. (h)werbil sistrum, plectrum Graff 4, 1238, wirbil plectrum sumerlaten 14, 16 Hoffmann v. Fall., würbel oder staffele am seitenspiel Diefenbach nov. gl. 283ᵇ:
(sie wurden gespannt)
als man die schafseiten tuet,
die man an der harfe zuet
mit wirbelen uf und wider,
dise ho, jene nider
Heinrich Hesler apokal. 9737 Helm;
usz dem (spinnelbaum) werden gemacht gute spinneln und gute fidelbogen, auch gute wirbel oder negel in seitenspiele Petrus de Crescentiis opus rur. comm. (1493) 96ᵃ; 'herr, ich stimmte meine beste geige'. 'und ich verkeilte nur einen wirbel in der zitter' Chr. Weise Jacobs doppelte heyrath (1699) 167; eine stimmschraube ... um damit die wirbel der saiten zu fassen und sie besser anziehen zu können K. Gutzkow ritter v. geiste 7, 8.
2)
technisch für verschiedene drehbare instrumente und maschinenteile, vgl. haspel, wirte, wirbel vertilabrum Diefenbach gl. 615ᵃ, werbel als an fenstern vertibulum 614ᶜ.
a)
drehbarer zapfen z. b. am hahn von bierfässern und wasserkrähnen: und (hat) die zapfen oder würbel an den bierhanen gantz los oder wacklend hinterlassen E. Francisci lufftkreis (1680) 1345; würbel, bey einem wasserhahn Jacobsson 4, 673ᵇ; 'kurbel', z. b. am schleifstein:
dörfft er sein zung nit so schleiffen,
sthetts auch nach dem würbel greiffen
Murner schelmenzunft (1514) 32ᵃ;
vgl. werfel drehkurbel Schmeller-Fr. 2, 994, wirbel kurbel Fischer schwäb. 6, 1, 869; wärwl kurbel Danneil 243, vgl. Verwijs-Verdam 9, 2, 2328; oft der als achse dienende stift, um den sich ein ding dreht: solch bücherschrank ruhet auf einem würbel und wird mit leichter mühe umgedrehet Arnold wahrh. berichte (1672) 583; deminutiv: man musz nur nicht das hohe statt des niedrigen (visiers) in die nähe gebrauchen, welches in der eil leicht geschehen kan, wann das wirbelein zu gangbar ist Stahl gewehrgerecht. jäger (1762) 137; 'wirbel des schlosses, der dorn, ... um den die falle des schlosses gewunden wird' Jacobsson 4, 664ᵇ; für schraube und schraubvorrichtung: ein deutscher edelmann ... war es, der zuerst den einfall hatte, ... buchstaben ... in wörter zusammenzusetzen, mit wirbeln festzuschrauben Becker weltgesch. 5, 227; vgl. schrauben und würbel des tellereisens Döbel jägerpract. (1754) 2, 150ᵃ, wirbel schräubchen am spinnrad Martin-Lienhart 2, 846, werbel zapfen, walze zum umdrehen Schmeller-Fr. 2, 982.
b)
drehscheibe, rolle; besonders solche, über die ein seil, eine kette, ein riemen läuft, vgl. das seil in den wirbel thun incarrucolare la fune Kramer t.-ital. 2, 1357ᶜ: dar en scal ock neman van baste seelrepe slaan uppe wervelen Hamburg. zunftrollen 202 Rüdiger; dieser (abschnitt) handelt von den wirbeln oder rollen allg. dtsche bibl. 12, 41: begert einem wirbel oder ratth gleich zu werden, von welchem das eine jetzt unden, darnach oben ist Seb. Brant v. d. losen füchsen (1546) k 4ᵃ; beim seiler dasselbe wie läufer: welche seiler durch die zwei wirbeln gehen, die da, wie man sagt, an dem balcken angemacht seind theatr. machin. (1614) 4, 39; er macht sie wie ein wirbel deus ponit senatores sicut rotam Lehman floril. polit. (1662) 2, 644; 'wirbel die runde scheibe auf der spille der drehbank' Bobrik naut. wb. 742ᵇ; dann das verbindungsstück zwischen seil oder kette und gestänge, vgl. die seile (des tiefbohrers) müssen an ihrem ... ende mit einer vorrichtung versehen sein, um sie mit dem gestänge in verbindung bringen zu können, wozu die wirbel ... dienen Karmarsch-Heeren 9, 470: so der silberbrenner den treibhuͦt mit dem kranich will auffheben, alsdann so schleuszt der helfferknecht in den mitlesten wirbel das under eysern welchin, das von der seulen ... herauszgeht Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 390; 'wirbel, kloben für die zügelringe der kandare' Hoyer-Kreuter 1, 855; 'wervel, das ding am kettenstrange, welches den strang mit den halftern verbindet' Schambach Gött. 295ᵇ; ebenso: item 8 wirbel czu halfftirn Marienburger ämterbuch 9 Ziesemer; 'wirbel an einem steigbügel, wodurch ... der steigbügelriemen geschnallt wird' Jacobsson 4, 664ᵇ.
c)
für einen drehbaren riegel, mit dem türen und fenster u. s. w. zugeklemmt werden, vgl. werbel als an fenstern vertibulum Diefenbach gl. 614ᶜ, wirbel, fenstervorreiber oder drücker Mothes baulex. 4, 484; pressulum (= pessulum) vulgo wirwel (v. j. 1556) quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 3, 572; auch mnl. geläufig, s. Verwijs-Verdam 9, 2, 2327: der alte Stilling ... (hatte) die thür mit dem hölzernen wirbel zugeklemmt Jung-Stilling s. schr. 1, 31; (an) dem rechtwinkligen stande der wirbel an der fenstersäule O. Ludwig ges. schr. 1, 250; (die) vorsatzbretter (der siedepfanne werden) durch hölzerne wirbel gehalten Muspratt 6, 704; vgl.wärwl riegel Danneil altmärk. 243, warwel kleiner hölzerner drehriegel Stürenburg 325ᵇ, wirbel vorreiber am fensterverschlusz Hönig Kölner ma. 202ᵇ; wirbəl türklinke (altlux. wirvel v. j. 1575) Kisch vergl. wb. 247; vgl. warfel drehhandhabe Schmeller-Fr. 2, 994.
d)
für das kurze querholz am riemen, an einer kette, einem pfosten oder einer stange: auch musz man einen wirbel an den riemen machen, dasz er sich nicht verdrehe falconaria (1617) 120; man machet ihnen (den falken) einen zwergriemen von einem fusz zu dem andern an, ... an den riemen ist ein wirbel Harsdörfer poet. trichter (1653) 3, 191; andere legen gegen die wände (des gewächshauses) lange balcken, ... in welchen sie zu oberst werbeln mit seilen und stricken machen und daran ... decken binden, ... und damit das gewächse bedecken v. Hohberg georgica cur. (1682) 1, 623; anders, im boden befestigte querstange:
ketten und würbel liesz man bald
unter den thoren machen
M. Kleinlawel Straszb. chron. (1625) 90;
da bestellt man die wachten und machte vor die kleinen gäszlein ketten und würbel, dasz jederman muste die grosze strasz brauchen A. Goldmeier Straszb. chron. (1636) 24; wirbel, querholz am sensenstiel Fischer schwäb. 6, 1, 869.
e)
für den kreisel, vgl. ahd. wirvil turbo Graff 4, 1238, ein schnurrender topf oder wirbel (zum spiel) turbo Zehner nomencl. (1622) 359: welches auch Boetius mit einem kindertopf oder wirbel erkläret, wenn man daran einen rothen strich nach der läng ziehet, so scheinet der gantz schnell umlauffende würbel oder topff roth zu sein A. Cario hall- und thonkunst (1684) 126; sie dreht sich auf einem fusz, wie ein wirbel Petrasch s. lustsp. (1765) 2, 342; alles dreht sich in meinem kopf wie ein wirbel E. Th. A. Hoffmann s. w. 10, 336 Grisebach; vgl. wirbel(e) kreisel Martin-Lienhart 2, 846; 'wetterfahne': die spitz, der han, banier, wirbel uff dem hausz vertex Alberus nov. dict. (1540) kk 4ᵃ; der hinter der spule auf der spindel des spinnrades befindliche teil, vgl. wärwl Danneil altmärk. 243, vgl.een wervel aen die spille verticulus Diefenbach nov. gl. 380:
he moeste my halen beyde wocken und spillen,
den wervel sochte he my under der bank
fastnachtspiele 972, 28 Keller;
weitere mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 622ᵇ.
f)
vereinzelt auftretende sonderbedeutungen; 'wendeltreppe':
in die (umgänge in Salomons tempel) gieng ain würbel uff
durch den mencklich uffhin luff
Konrad v. Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 185 Lindqvist;
glied eines rosenkranzes: item 4 m. vor 4 wirbil zu den paternoster dem meister Marienburg. treszlerbuch 19, 32 Joachim; ein käsequirl (Allgäu), vgl. Martiny wb. d. milchwirtsch. 139; lederschlinge am ruder, in der sich das ruder um den dorn dreht:
(die freier) hängten die ruder in ihre ledernen wirbel
J. H. Voss Odüssee 782 Bernays;
handgriff einer sichel:
ich sah zuerst die form der sichel an,
... ihr recht halb cirkelrundes eisen
... ist künstlich in den schafft gefügt,
den sie gemeiniglich den wirbel nennen
Brockes ird. vergnüg. (1721) 7, 230;
drehbarer griff an gefäszen, vgl. wervel junctura voc. Engelh. bei Schiller-Lübben 5, 622: de hantgrepele unde wervele (der kannen) livl. urkund. v. 1380 ebda., vgl. Verwijs-Verdam 9, 2, 2328.
3)
anatomisch gilt wirbel für die ineinander drehbaren runden knochen des skeletts, die gelenke, besonders die des rückgrats, vgl. wirbelsäule, s. auch engl. whirlbone 'kniescheibe'; seit dem 16. jh. für älteres gewerbe 'gelenk' (vgl. teil 4, 1, 3, 5488ff.), geleich (ebda 2978f.); gewerbbein, auch werfbein, wirfbein Diefenbach nov. gl. 379 belegt, vgl. wirbel am rückgrat vertebrae Stieler 2518; zunächst für alle gelenke, so der beine, vgl. gelenkwirbel Stieler a. a. o.: mitten an dem vordersten teyl seint höly, die genannt werden büchsen, usz denen genomen werden die werbel der dyecheren (schenkelbeine) Joh. v. Gersdorff wundtartzney (1526) 13ᵇ; hüftgelenk: dieser safft (werde) durch die weiche oder den wirbel ... zwischen der haut und fleisch in den gantzen ... cörper ausgegossen v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 155; der anfang der hüfften ist mit dem würbel an der dicke an einander gehefftet v. Fleming jäger (1719) 209; jünger in engerer bedeutung für die einzelnen glieder des rückgrates, der wirbelsäule: schädel und dessen bildung aus sechs wirbeln Göthe III 8, 80 W.; vor dem vorderen keilbeine ... liegen noch drey wirbel IV 35, 26; wurm, — krame vor mir deine gräszliche knoten aus, bäume deine wirbel zum himmel Schiller 3, 499 G.; es hatte sich gezeigt, ... dasz er sich hierbei die wirbel des genickes verletzt haben müsse Stifter s. w. 5, 1, 179 Sauer; man unterscheidet wahre wirbel, hals- und rückenwirbel, und falsche wirbel, bauchwirbel, vgl. Campe 5, 738; in zusammensetzung als hals-, nacken-, rücken-, brust-, lenden-, bauch-, kreuz-, schwanz-, endwirbel u. s. w.; spezifisch für einen teil am kamm der auster, vgl. Adelung 5, 251; auf die abzweigungsstelle des pflanzenstengels übertragen: umb Johannes bricht man ... ein tauglichen schosz oder zweig ab, spaltet denselben bei dem wirbel, glied ... oder gelenck in der mitten über sich E. Francisci alleredelste rache (1668) 38.
4)
als pflanzenname vereinzelt statt des häufigeren sonnenwirbel (s. teil 10, 1, 1704) belegt für die sonnen wende (heliotropium), vgl. wirbel eliotropium Diefenbach nov. gl. 147ᵇ, weil sie sich der sonnenbahn folgend um den stengel dreht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1937), Bd. XIV,II (1960), Sp. 526, Z. 1.

würbel, m.

würbel, m.,
s. wirbel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2060, Z. 28.

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Zitationshilfe
„würbel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrbel>, abgerufen am 26.07.2021.

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