Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

würdelos, adj.

würdelos, adj.
vor der mitte des 18. jhs. und auszerhalb von 2 nur in spontanem gelegenheitsgebrauch.
1)
'ruhmlos, ohne ehre', zu würde A 2: lastermeiliger, schandengiriger, wirdenloser vnd grisgramiger (der ackermann zum tod) ackermann a. Böhmen 4 Hübner (var. wirdeloser); würdelos inglorius Stieler stammb. (1691) 1179;
fromm, und kahl, und feist, und kind
sollen deine (Karls d. Gr.) söhne (sein)! sind
alle würdelos! — ihr thron
taumelt!
(1770) Herder 29, 337 S.
2)
sonst durchaus zum jungen gebrauch würde D, bei Campe 5 (1811) 791ᵃ noch unbelegt verzeichnet und erst in der zweiten hälfte des jhs. sprachläufig.
a)
vornehmlich menschliche gesinnung oder lebensführung kennzeichnend, sofern ihr selbstachtung oder sittlicher anspruch und sittliche selbstprüfung mangeln: war der adel einst begeistert in den kampf gezogen für die erhabenen pläne kaiserlicher staatskunst, so irrt jetzt der deutsche ritter planlos, würdelos umher Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 2, 29; noch charakterloser und würdeloser trieb Schweitzer die buhlerei in einer versammlung am 17. märz Bebel a. m. leben (1946) 2, 44; der demütige aber wird, wenn er nicht würdelos werden will, immer noch etwas in sich tragen müssen, worauf er etwas hält N. Hartmann ethik (1935) 406; vgl. 244. auf eine geistige äuszerung bezogen: eine ... ländlich rauhe, übrigens nicht würdelose sprache in: volksschausp. 182 Hartmann.
b)
ein sinnlich wahrnehmbares äuszeres verhalten, gebaren oder zuständliches charakterisierend: aber der (Rudolf von Habsburg) an seinem hofe so würdelos tändelte und zu Erfurt mit dem bierkruge auf der gasse lief, blieb zu rosse ein feldherr G. Freytag ges. w. 18 (1888) 92; die leidenschaftliche und würdelose haltung der Sarmaten und wieder die geschlossene, ruhige, würdevolle der Germanen ... dort das knien der gnadesuchenden vor dem sieger, während der Germane in gleichem falle stets aufrecht steht Heyne hausaltert. (1899) 3, 3;
wir brachen mit dem zarten frührot auf
am sommerend durch rauchendes gefild
zu seiner (Goethes) stadt. noch standen plumpe mauer
und würdelos gerüst (festgerüste zur feier des jubiläums) von menschen frei
Stefan George d. siebente ring (o. j.) 10.
3)
ungewöhnlich in der bedeutung 'entehrend' von der einem anderen erwiesenen behandlung: (legationsrat:) ist der despot ... so weit gegangen, euch an seinem feste würdelos zu begegnen? (kanzler:) im gegentheil, er gab sich auf seine weise alle ersinnliche mühe, mich auszuzeichnen Immermann w. 16, 520 H.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2089, Z. 4.

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Zitationshilfe
„würdelos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrdelos>, abgerufen am 11.08.2020.

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