Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

würdenträger, m.

würdenträger, m.,
eine zeitlang gelegentlich auch würdeträger: Arnim s. w. (1852) 2, 355; Görres ges. schr. (1854) 4, 47; H. Heine s. w. 2, 352 E.; Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 36. im ersten drittel des 19. jhs. aufkommende bezeichnung für den inhaber einer würde im sinne von würde A 1; nach Kluge-Mitzka ¹⁷872ᵃ lehnübersetzung des kirchenlat. dignitarius, fr. dignitaire, wofür bei Campe 5 (1811) 791ᵇ würdner. das wort betont die höhe des rangs, daher oft durch hoch, höher, höchst bestimmt, während entsprechendes mittel, niedrig bezeichnenderweise fehlen.
1)
prägnant und ohne konkrete zuordnung für die durch geburt, rang oder amt höchstgestellten innerhalb einer gröszeren gesellschaftlichen ordnung; etwa würde A 1 a entsprechend: wahre fürsten, volksvorsteher, die ersten unter ihresgleichen: echte barone und würdenträger, freiherren von willkür (1814) Fr. L. Jahn w. 1, 413 Euler;
ihr spottet unser, stolze würdenträger?
baut nicht zu viel auf euer ahnenschild!
Herwegh ged. e. lebendigen (1843) 2, 1;
schon zu pferde, wenn in civil und ohne reitknecht, lief man gefahr, von den durch ihr costüm kenntlichen kutschern der höhern würdenträger wörtlich und thätlich angefahren zu werden Bismarck ged. u. erinn. 1, 247 volksausg.; es wimmelte von würdenträgern und generalität Th. Mann Lotte (1946) 210.
2)
in ausdrücklicher beziehung auf bestimmte gesellschaftliche ordnungen und höhere institutionen, entsprechend würde A 1 b. für die inhaber der höchsten staatsämter: endlich ist der erste würdeträger des reichs (der kanzler) zu uns herübergekommen (1818) Görres ges. schr. (1854) 4, 47; so treten unter ihm zuerst die eigentlichen amt- und würdenträger des reichs ... auf Nitzsch dt. stud. (1879) 133; ziehet hin mit allem pomp der herrlichkeit ..., ihr würdenträger des thrones Laube ges. schr. (1875) 2, 153; vor den höchsten würdeträgern des landes Arnim s. w. (1853) 2, 355; der unter umständen auch die höchsten würdenträger des staats nicht schonende friderizianische krückstock Fontane ges. w. (1920) II 1, 146. innerhalb hierarchischer ordnung: in den weltlichen geschäften trat die opposition angesehener würdenträger der kirche von zeit zu zeit offen hervor Ranke s. w. (1867) 40/41, 111; das interesse, welches die fremdartige erscheinung eines katholiken und, am hofe, eines würdenträgers der katholischen kirche, damals einflöszte Bismarck ged. u. erinn. 2, 198 volksausg.; die geistlichen würdenträger der Buddhahierarchie Ritter erdk. teil 4, 279; die grabsteine der adeligen geschlechter, der patrizier, der geistlichen würdenträger W. Raabe s. w. I 2, 6 Klemm; viele auswärtige, hohe geistliche würdenträger sah man O. M. Graf unruhe (1948) 298; die geheimen worte ..., an denen die priester und würdenträger von der regel Benedikts einander erkannten G. Freytag ges. w. 9 (1887) 6; vgl. 18 (1888) 196; groszmeister, höchster würdenträger eines ... ritterordens Alten hdb. f. heer u. flotte (1909) 4, 471. von hier aus auf die himmlische hierarchie übertragen: daher wird hier ein engel, und zwar ... der schon ... als einer der höchsten würdenträger im göttlichen hofstaate bekannte Gabriel an Maria abgeschickt D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 4, 40; Christus (wird) wie ein weltbeherrscher dargestellt, thront in der mitte seiner würdenträger Dvorak kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 36. im bereich akademischer würden: den nachmaligen würdenträger der universität, der bis an sein lebensende in zierlicher französischer tracht, den hut unterm arm, durch die straszen ging Hebbel w. 12, 101 Werner; von alten zeiten her war ... das rangverhältnis der professoren unter einander, wie das zu andern würdenträgern und beamten, gesetzlich geordnet Tholuck vorgesch. d. rationalism. (1853) 1, 45.
3)
weniger geläufig für die inhaber von ehrenstellen oder funktionen gesellschaftlicher ordnungen, vgl.würde A 1 c β: der hagere Tede Haien sah den alten würdenträger (den deichgrafen) mit etwas boshaften augen an Storm s. w. (1898) 7, 170; die bürger eilten neugierig zum trunk, um den jungen feind zu betrachten, der sich so ungezwungen unter den würdenträgern der stadt niederliesz G. Freytag ges. w. 13 (1887) 49. hier eher als übertreibende benennung empfunden und daher meist in leicht scherzender oder ironischer anwendung: die wackern kämpen für licht und wahrheit ... gehen unterdessen im vaterlande sehr sicher umher, als wohlbestallte staatsdiener, oder als würdeträger einer gilde H. Heine s. w. 2, 352 E.;
da wir's jedem würdenträger
gönnen, sei er zollinspektor,
oder sei er armenpfleger,
oder polizeidirektor
Platen w. 1, 521 H.;
der buchhalter ... thronte als geheimer minister des hauses an einem fenster ... in besonderem verschlage der zweite würdenträger, der cassirer Purzel G. Freytag ges. w. 4 (1887) 85; vgl. 87. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2091, Z. 26.

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Zitationshilfe
„würdenträger“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrdentr%C3%A4ger>, abgerufen am 04.08.2020.

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