Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

würdern, vb.

würdern, vb.,
'taxieren, einschätzen', älter wirdern, dies als hd. entsprechung zu älterem mnd. werd(e)ren, afries. wertheria, as. werthirian, diese nach v. Helten zs. f. dt. wortforschg. 7, 278 denominativa von *wertheri 'taxator' (mnd. werd[e]ren ist zu trennen von den mit roman. suffix gebildeten mnd. werdêren, mnl. waerde[e]ren, hd. wardiren, s. d.); zu mnd. werdern vgl. noch die nachweise bei Schiller-Lübben 5, 675; (Köln 1507) Diefenbach gl. 327ᶜ; 452ᵃ; 574ᵇ. seiner bedeutung nach zu würde C 2 stimmend, aber vom 16. bis ins frühe 19. jh. nur gelegentlichen gebrauchs und anscheinend nicht im obd., wie das auch von der gleichen anwendung des vb. würden (s. d. 3) gilt. meist auf sachwerte bezogen, deren taxwert festgestellt wird: (genommenes gut soll man) gelden na der werdunge, dat it jene werderet (varr. werdighet, wirdiget), die it vorloren hevet; jene ne minnere die werderunge mit sinem eide, die it dar gelden sal Sachsenspiegel 3, 47 Homeyer; vnde dat buw scholen werderen twe bedderue man (1394) bei Schiller-Lübben 5, 675 mit weiteren belegen; so wir sulchen schaden achten vnde wirdern uff X tusent rinische gulden (1450) klage d. bischofs Petrus v. Naumburg 4 Bech; wie thewer der herre Jesus gewirdert vnd verkaufft (worden) Mathesius Sarepta (1571) 172ᵇ; possessionem alicuius aestimare einem seine güter wirdern oder schätzen B. Faber thes. (1587) 22ᵇ; vgl. 156ᵃ; 838ᵃ; Corvinus fons lat. (1646) 20; on dit einen ring würdern ... geldsorten würdern Schwan nouv. dict. 2 (1784) 1077ᵃ; noch bei Krünitz 240 (1857) 122; mundartlich Bruns volksw. d. prov. Sachsen 75ᵇ. in diesem zusammenhang gelegentlich in die bedeutung 'hochschätzen, auszeichnen' übergehend: welches (eine kostbare glasart) hernach nicht allein dem golde gleich, sondern auch weit drüber geacht, vnd von grossen herrn gewirdert ist Mathesius ausgew. w. 4, 230 Loesche; derselbe, Sarepta (1571) 78ᵇ. schon früh und in jüngerem gebrauch vorwiegend auf die wertung und einschätzung von moralischen, geistigen und persönlichen werten bezogen: do led he (der herzog) wol ver hundert buntgenoten ... hengen in bome: was dit vorsten dad (fürstliche tat) edder nycht, dat werdere en ander (z. j. 1476) Lüb. chron. 2, 375 Grautoff; die rechten alt vetter haben ein vordriesz, das yhr bücher, der heyligen schrifft gleych gewirdert werden Carlstadt v. vormugen d. ablas (1520) A 4ᵃ; ob man gleich in diesen fernen zeiten die geschlechtsgliederung ... (nicht) nach stammbaum und pergamenthaut würderte Musäus volksmärchen d. Deutschen 4, 91 H. Göthe in diesem sinne noch ganz geläufig, entspr. würdigen 3 b γ: sollte daher der gärtner Diezel, ohne weigerung, seiner pflicht, in wartung des gartens bis auf künftige ostern genüge leisten; so wird man alsdann seine bemühungen zu würdern, sein verhältnisz zu bestimmen und zu verbessern gelegenheit nehmen IV 10, 292 W.; in griechischer und lateinischer literatur dergestalt gegründet, dasz er nicht allein die producte derselben zu würdern, sondern auch selbst in diesen sprachen zu arbeiten weisz (var. schätzen) ebda I 7, 218; vgl. 41, 2, 363; IV 25, 216; 41, 144.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2092, Z. 66.

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Zitationshilfe
„würdern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrdern>, abgerufen am 10.08.2020.

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