Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

würdigkeit, f.

würdigkeit, f.
ahd. unbezeugt; mhd. ist wërdecheit, auch im obd., häufiger als wirdecheit. da ein ähnliches nebeneinander in mhd. wërdecliche — wirdecliche vorliegt (s. würdiglich), nicht aber für zweisilbiges wirde, wirden und wirdic gilt, dürften hier akzentverhältnisse maszgebend sein. vielfalt der formen und schreibungen wie wirdekeit, wirdikeit, wyrdikeit, wirdikchait ([obd. 1502] Diefenbach nov. gl. 191ᵇ), werdicheit, weerdicheit ([nd. 1420] Diefenbach gl. 459ᵇ), würdikeit, wurdikeit, wurdekeit u. a. kennt noch das älternhd. zum nebeneinander der spätmhd. und frühnhd. -heit und -keit-formen s. Henzen dt. wortb. 191. isoliert bleibt wirdenkeit (um 1290) in: hess. urk.-buch 3, 509 Wyss-Reimer. -ü-formen sind alt: wúrdekeit (neben sonstigem wirdekeit) (hs. oberrhein. um 1300) Mechthild von Magdeburg d. fliesz. licht d. gotth. 60 Morel; Tauler pred. 123, 6 V. (hs. v. 1359); würdekeit (Straszburg 14. jh.) städtechron. 8, 30, 7; würdikeit ebda 275, 24. aber erst im 17. jh. wiegen sie vor, und wirdigkeit noch Harsdörffer Heraklit (1661) 196; Bucholtz Herkuliskus (1665) 18. — um die mitte des 12. jhs. neben gleichbedeutendem würde aufkommend und mhd. weit gebräuchlicher als dieses. im nhd. verlagert sich das gewicht von den auf äuszere ehre (1—3) zielenden anwendungen stärker als bei würde auf solche, die ein würdig sein zu etwas (4) oder ein wert sein (5) meinen, während der junge vertiefte gebrauch des wortes würde sich bei würdigkeit (6) nur am rande auswirkt.
1)
wie würde A 1 zur bezeichnung von rang, stand und amt, der mit ihnen verbundenen ehre und der durch sie bedingten ehrerweisung; vom 13. bis ins frühe 17. jh. sehr gebräuchlich, jünger nur gelegentlich nachklingend oder archaisierend. in glossierungen namentlich für dignitas, primatus, nobilitas, auctoritas.
a)
von sozialer stellung oder gesellschaftlicher funktion, ohne beziehung auf bestimmte ränge oder ämter. vorwiegend prägnant für hohe stellung:
wie sol ich nâch ir (der königin) werdekeit
ir dinc gefüegen danne alsô
daz sî niht immer wese unvrô?
Rudolf von Ems d. gute Gerhard 3056 Haupt; vgl. 6292;
die sterck vnd daz gebot vnd die wirdikeit vnd die höch mit der er erhöcht Mardocheus erste dt. bibel 7, 116 Kurr.; so solt jhr doch euwern hohen adel vnnd würdigkeit gegen seiner nidern geburt vnnd armut betrachten vnd bedencken buch d. liebe (1587) 18ᶜ; es ist kein ding, welches eher die natur, die sitten, die gedanken ... ändern mache, als die würdigkeit. es ist unmöglich, das die freundschafft, ohne gleichheit der stände, erhalten werde Butschky Pathmos (1677) 419. wohl noch auf dieser linie, die atmosphäre hoher, herrscherlicher gesellschaftsschicht kennzeichnend: dasz vornehmlich der lack oder purpur ... den begriff von pracht und würdigkeit zu erregen ... geschickt ist Göthe II 3, 361 W. erst von diesem prägnanten gebrauch her auch soviel wie stand, gesellschaftliche stellung überhaupt: do (bei der hochzeit) wart ein itlicher ausz gericht nach seiner wirdigkeit, als dann das fursehen was von den pflegeren des fursten Albrecht von Eyb in: zs. f. dt. altert. 29, 411; dasz das recht unabhängig und selbständig sich verwirklichen soll, dasz also z. b. ... die würdigkeit der person, die stellung im leben niemandem schaden oder nützen ... solle usw., das fühlt jedermann Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 23. so auch in den unter würde A 1 a β geläufigeren formeln: sy syen gaistlich oder weltlich, edel oder unedel, in was wirdikeit und wesen die sind Richental chron. d. Constanzer concils 68 lit. ver.
b)
sehr viel öfter in der benennung konkreter ämter, ehrenstellungen und funktionen oder in ausdrücklicher beziehung auf sie.
α)
betonter als unter würde A 1 b von geistlichen ämtern und kirchlichen würden:
Laurencius sîn strîtgenôz
kam an sîn alden werdekeit,
daz bistuom wart darwider geleit
und wart gesazt ein bischof
Ebernand von Erfurt Heinrich u. Kunegunde 687 Bechst.;
sazte er so daz er were
in wirdikeit der priesterschaft
(et ... constituit in sacerdotium)
b. d. Maccab. 3533 Helm; vgl. 7521; 10 715; 14 047;
dasz er so fürnem ward, daz er kam zuͦ bäbstlicher würdikait Keisersberg pred. teütsch (1508) 59ᵃ;
kein mensch ein höchren stande treit
dan priesterliche wirdikeit
Murner badenfahrt 59 Michels.
β)
innerhalb staatlicher oder ständischer rangordnung:
künc Philippe wart geleit (bestattet)
nâch küneclîcher werdekeit
Rudolf von Ems Alexander 3302 u. ö.;
durch in (Karl d. gr.) ist das rich und keyserliche würdikeit kumen an die Dütschen (Straszb. um 1400) städtechron. 8, 402; die vrteyler vnd die herzogen vnd die schaffer der gegenten, vnd ein ieglich wirdikeit die do vor was allen den steten erste dt. bibel 7, 111 Kurr.; dignitas et officium decemuirorum die wirdigkeit, staat oder ampt der zehen männeren Frisius dict. (1556) 366ᵃ; als sie zuvor könig Rudolphum zum römischen keyser confirmirt hatten, der dann diese würdigkeit ... zu handen genommen Megiser annales Carinthiae (1612) 1600; nach dreien jahren ritterliche würdigkeit, wie in diser zeit bräuchlich gewesen, erlangt Conrad Dietz annales (1621) 6. in einer auch unter würde A 1 b α ende erscheinenden beteuerungsformel: vnde gelouen in krafft desses breues bij vnsen furstliken werdicheiden vnde truwen (1451) urk.-buch d. st. Lübeck 9, 2 Grautoff. im blick auf die mit einem amt oder rang verbundene ehre und geltung: non ad Christum vadit auff sein eige wirdickeit (der hauptmann von Kapernaum) Luther 29, 23 W.; vgl. 50, 553; der magistrat, befelhaber vnd oberkeit ... sollen nit allein jhrer oberkeit vnnd magistrats, sondern auch jhrer wirdigkeit, haabe vnd güter entsetzt (sein) J. Göbler novellae instit. (1564) 11ᵃ. archaisierend: herr graf und vogt ... führet der stadt macht treulich und gut im felde, wie es eurem amt und eurer würdigkeit zukommt W. Raabe s. w. I 6, 188 Klemm.
γ)
metonymisch für den träger eines amtes, in der anrede oder benennung:
ob uͤwer werdekeit (ein könig) vernimt
mit zühten und mit senftekeit,
swas man vor uͤch guotes seit
Kunrat v. Ammenhausen schachzabelbuch 1280 Vetter;
uwern furstlichen wirdekeiden (um 1400) Frankfurts reichskorresp. 1, 192 Janssen; vmb des willen ich zuͦ eüer heilikeit komen pin damit ich zuͦ einem man durch eüer wirdickeit versehen wirt Arigo decameron 71 Keller; ich mag aber die königliche würdigkeit (Salomon) hierüber lassen erkennen, ob du (Belial) nicht der sachen zuviel vnd vnrecht gethan habest Ayrer hist. processus jur. (1600) 240.
δ)
im religiösen bezirk. für die hoheit göttlicher personen: der erst (engel) etwaz wirdekeit hate vor den andren, als ob er weri fúrstengel Seuse dt. schr. 21 Bihlm.; dann so er von götlicher natur (Christi) redt, gebrucht er sich falscher vrsachen, macht etlich grad vnd staflen der würdikeit (im sinne des Arianismus) Hedio chron. germ. (1530) 219ᵃ; sein fleisch heisset θεωθεῖσα das ist, mit göttlicher mayestät und würdigkeit begabet Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 685. auch für die funktion der von gott beauftragten menschen, so schon im frühesten zeugnis des wortes:
her (Johannes) was thog so grozer wirdichet
thaz wir inen mit rehte sulen eren
want her was doufere unses herren
mfr. reimbibel A 370 in: Kraus mhd. übungsbuch (²1926) 19ᵃ;
was sie (die apostel) nicht erfult und auszgerichtt haben, das richten heut zcu tage ausz die jhenigen, die in ihren digniteten und wirdigkeiten sein (1522) Egranus ungedr. pred. 127 Buchwald; von der höchsten würdigkeit der kindschafft gottes Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 316.
ε)
erweitert zur bedeutung 'privileg, vorrecht', älter gelegentlich:
da mit (mit seiner tapferkeit) ez (d. geschlecht Juda) alda gewan
die werdekeit zerselbin zit
daz uz dem geslehte sit
die kúnige wrden erwelt
Rudolf von Ems weltchron. 10 905 Ehr.; vgl. 5553;
um etliche löffel voll linsen eine solche würdigkeit (das erstgeburtrecht) zu verkauffen, scheint die gröste thorheit Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 275. so im gebrauch der rechtssprache, die berechtigung zur ausübung gewisser funktionen umschreibend, z. t. wohl als lehnbedeutung von lat. dignitas: auch hat der probst den (richterlichen) gewalt von den genaden und wirdigkait des gotzhauses (14. jh.) österr. weist. 2, 91 (s. dazu du Cange 3, 117ᶜ s. v. dignitas); in bürgerlichen rechten geben die männer jren weibern ein würdigkeit, und nit die väter Chr. Bruno de instit. christ. foeminae (1566) 62ᵇ; dero zit verstiess keiser Heinrich den bischoff von Wirtzburg von titel und würdigkeit des hertzogthumbs ze Francken (vor 1572) Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 57. in formeln des 14. jhs. zur umschreibung von besitzrechten, s.würde A 2 c ζ: darum vorzeihen wir vns vnd versagen alle der rechten, freyheit vnd würdigkeit, die wir an den güthern gehabt etc. ... mit allen nutzen, wúrdigkeiten, freyheiten, vnd eren etc. (1343) bei Haltaus gloss. 2139 mit weiteren nachweisen; ferner acta imperii selecta 2, 565 ff. Böhmer.
2)
'(äuszere) ehre, ansehen, ruf, geltung' als von auszen zugesprochenes prädikat, in persönlicher und sachlicher beziehung, entspr. würde A 2.
a)
mhd. gebräuchlicher als würde. ungemein häufig in hoch- und späthöfischer sprache, für ruf und ansehen des an gesellschaftlichen maszstäben gewerteten höfischen menschen:
mich enwil ein wîp niht an gesehen:
die brâht ich in die werdekeit,
daz ir muot sô hôhe stât.
jon weiz si niht, swenn ich mîn singen lâze, daz ir lop zergât
Walther v. d. Vogelweide 73, 2 Kraus;
ich var durch mîne werdekeit
nâh ritterschaft in fremdiu lant
Wolfram von Eschenbach Parzival 11, 6 L.; vgl. 335, 8; 428, 5; 626, 6 u. ö.;
iuwer ere wehset alle wis,
iuwer werdekeit und iuwer pris,
iuwer vröude und iuwer wunne
Gottfried von Straszburg Tristan 1614 R.; vgl. 1763; 4411 u. ö.;
mit ritterlîcher arbeit (beim turnier)
si wurben umbe werdikeit,
als noch der êre gernde tuot
Ulrich von Lichtenstein 77, 6 Lachmann;
den dûhte des, im wære verseit
rîterlîchiu werdekeit,
solt er die hôchzît niht sehen
Rudolf von Ems d. gute Gerhard 5842 Haupt.
mit werdekeit 'mit ritterlichem anstand' (anders s. unten 3 b):
mîn wirt, ein vil getriuwer man,
geselleclîchen mit mir reit
mit hovelîcher werdekeit
ze hove für den palas
Rudolf von Ems d. gute Gerhard 5348 Haupt; vgl. 740; 3459.
als blosze floskel elativer bedeutung:
do Ninus mit werdeckeit
gewaltes vil mit kraft irstreit
Rudolf von Ems weltchronik 3538 Ehrism.; vgl. 28 569.
seltener auszerhalb des höfischen:
vert er ze Curnewale wider,
so leit er Parmenie nider (Ruals land)
an aller siner werdekeit
Gottfried von Straszburg Tristan 5659 R.;
von der súntlichin gir
verlos er grozir selden vil
sinim kúnne sinú zil
und vil hohir wirdekeit
Rudolf von Ems weltchronik 6872; vgl. 6416; 2248 u. ö.
b)
nhd. im 15. und 16. jh. noch sehr verbreitet, dann nachlassend und im 19. jh. auslaufend: (des frauenklosters namen) wir nit nennen, damit ir wirdikeit und guͦter leymet nitt mindert noch geswecht werde Arigo decameron 165 lit. ver.; die wirdigkeit des kunigs ist in der menig des volcks: vnd daz laster des fursten ist in der lutzelkeit des volcks erste dt. bibel 8, 39 Kurr.; die jungkfrawschafft war vor zeiten in schlechter würdigkeit, yetzt aber ist sie aller ehren werdt J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 3, 113ᵃ; wieder ihre eyde vnd pflichte, womit sie der hocheit, majestet vnd würdigkeit des römischen reichs verbunden Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 24; das war eben das unglück, dasz kein führer zugegen war, dessen würdigkeit und ansehn ihrer wuth einhalt gethan hätte Göthe I 13, 1, 326 W.; Deutschland verliert sonst an rang, recht und würdigkeit in Europa Jac. Grimm in: briefe an Savigny 164 Schoof. geläufig in der verbindung ehre und würdigkeit: (mit einer verdächtigung) se uns unrechte don ... unde na unsen eren unde werdicheyt gestan hebben (Braunschweig 1418) städtechron. 16, 45; hohe würdigkeit eer vnnd glori Schaidenreisser Odyssea (1537) 27ᶜ. archaisierend: ihre stifter und fürstenthümer ... in ehre und würdigkeit zu behaupten Ranke s. w. (1867) 1, 37. selten in einer der unter würde A 2 c sehr geläufigen wendungen: damit ... der guldene religion vnd prophan friede erhalten vnd von allermänniglichen vnverruckt vnd vnzertrümmert in seinem bestendigen flor vnd wirdigkeit verbleiben acta publica 2, 228 Palm.
3)
in der aktivischen bedeutung 'ehrung, ehrerweisung, auszeichnung' namentlich vornhd., aber im älternhd. noch kräftig nachlebend und jünger nachklingend; meist im sinne religiöser verehrung oder einer den hochgestellten auszeichnenden behandlung, bes. im letzteren fall den dafür aufgebrachten pomp und aufwand einschlieszend, vgl. würde A 3.
a)
meist in festen verbalverbindungen:
ez wart ouch grœzer werdekeit
noch volleclîcher êre
nie manne erboten mêre
danne im dâ ze hove geschach
Hartmann v. Aue Erec 5085;
gedenke an manege wirdikeit,
die er hât an uns geleit
Ulrich von Eschenbach Alexander 18 079 Toischer;
wanaf kümt mir dis werdicheit,
dat mins heren muͦder zuͦ mir geit? (sagt Elisabeth)
rhein. Marienlob 2731 Bach;
soliechen fursten, an den wir sunderliche liebe trewe und dienste erfunden und erkant haben, unser gnade nucz und wirdikeyt mitzuteilen (1438) lehns- u. besitzurk. Schles. 1, 391 Grünh.-M.; an diesem tag sal deinem hawss ere und wirdikeyt erpoten werden darumb das der herre in im wil wonen Albrecht von Eyb in: zs. f. dt. altert. 29, 402; wann nun ... ihr majestät durch diese pfort zweymal ... gezogen, so wird sie darnach ... nimmermehr aufgethan: dieses bedeutet eine grosze würdigkeit; sintemal niemand würdig genug geachtet wird, durch diese pfort mehr aus- oder einzugehen Chr. Arnold wahrh. beschr. (1672) 89.
b)
zählebig in der verbindung etwas mit würdigkeit tun, die im mhd. von der gleichlautenden, aber anders zu verstehenden formel ob. unter 2 a nicht immer sicher zu trennen ist:
nû reit der künec Artûs
gegen in von sînem hûs
mit sîner massenîe gar
und enphienc die hêrlîchen schar
mit vil grôzer werdekeit
Hartmann von Aue Erec 2068;
sî hiez der künec schône
mit einer liehten krône
krœnen keiserlîche,
der edele tugentrîche
leite sî mit werdekeit (die tote frau des Darius)
Rudolf von Ems Alexander 11 231 Junk; vgl. weltchron. 8402; 5211; 5366 Ehr.
anno domini 1337 do woirden de hilge dri coninge om den doim gedragen mit groisser werdicheit (Köln 14. jh.) städtechron. 13, 130; vgl. 141; der kunig warde aber auf den pfingstag im 33. jar mit groszer wirdigkeit, zier und ehre zu Rome zum kaiser gekrönnt chron. d. st. Bamberg 1, 97 Chroust;
der kunig mit grosser würdigkeit
der liesz ihm bringen sammet und seiden
bei Erlach volkslieder d. Deutschen (1834) 1, 190;
vgl. noch: du sollst bei mir dein wochenlager halten; und wären die verhältnisse so, dasz ich einen jungen fürsten von dir erwartete, mit gröszerer zärtlichkeit nicht und würdigkeit könnt ich dein pflegen H. v. Kleist w. 3, 285 E. Schmidt. speziell in mnd. briefformeln: unsen willigen denst myt hoger werdicheyt tovoren (eingang des briefes, ca. 1400) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 21; den ... heren borgemesteren vnd radmannen der stät Luͦbeke kome duͦsse breff mit themeliker werdicheit (1422) urk.-buch d. st. Lübeck 6, 457 Grautoff; (1447) ebda 8, 538 u. ö.
4)
das würdig sein (zu etwas). im vorstellungsbereich von verdienst und angemessenheit und in sehr viel engerem anschlusz an würdig (s. d. A; B) als an würde (s. d. B), wo dieser gebrauch relativ schwach entwickelt ist. vornehmlich nhd. und noch junger sprache geläufig, vgl. auch die bedeutungsangaben bei Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1077ᵇ; Campe 5 (1811) 791ᵇ.
a)
in deutlicher, an feste syntaktische formen gebundener relationsbeziehung.
α)
nach (der, seiner) würdigkeit 'wie jmd. oder etwas es verdient', als adverbiale bestimmung neben verben, entsprechend geläufigerem nach würden (s.würde B 2 b) und würdig A 6, würdiglich 2 b:
ein igelichen sal er (gott) geleiden
nach sinen wirdekeiden (secundum opus suum et meritum)
Tundalus 351 bei Kraus dt. ged. d. 12. jhs.;
nie wart so wol sprechender man ...
ze sprechen uon der reinen
uollekliche nah ir werdicheit,
an die got sinen fliz leite
priester Wernher Maria D 1407 Wesle (wenn nicht zu unten 5 a);
der abte Primaso schuffe nach seiner wirdigkeit herlich kleiden (einem als bettler verkannten berühmten gelehrten) Arigo decameron 47 Keller;
wer ist der meister, der allhier
nach würdigkeit auszstreichet (schildert)
die händlein, so das kindlein (Christus) mir
anlachende zureichet?
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 332ᵃ;
gern würd ich dieses holde wesen (das pasquill)
zu abend auf dem nachtstuhl lesen,
grobe worte, gelind papier
nach würdigkeit bedienen hier
Göthe I 5, 176 W.
entsprechend, aber seltener: es ist auch dieses spiel ... von den meisten aber weit über seine würdigkeit gelobet und erhoben worden Rist d. friedewünsch. Teutschland (1648) 16. mit welcher würdigkeit 'mit welchem recht':
er prahlt, er schneidet auf, bezeuget und beweist,
mit welcher würdigkeit man ihn herr doctor heisst
Hagedorn versuch einiger ged. 50 lit.-denkm.
β)
mit abhängigem infinitiv mit zu, der ausdrückt, was zu empfangen jmd. würdig ist, s. würdig A 5 b α; hier schlieszen zahlreiche komposita an wie glaub-, lob-, preiswürdigkeit u. a.: so hat der engel ... Marie die würdigkait verkünnt, ein muͦtter Christi zuͦ werden Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 3, 50ᵇ; des graeff Tertzka bericht hatt mihr so viel an die handt gegeben, dasz ich die sache der würdigkeit befunden, solches (eine unterredung) auch nicht ausz zuschlagen (1633) bei Gaedeke Wallensteins verhandl. m. d. Schweden u. Sachsen 160; die würdigkeit eines jeden vernünftigen subjects, ein gesetzgebendes glied im reiche der zwecke zu sein Kant w. (1838) 4, 64 Hart.; was erstens die würdigkeit der kunst betrifft, wissenschaftlich betrachtet zu werden Hegel w. (1832) 10, 1, 10.
γ)
gleiche funktion hat die präposition zu: die würdigkeit Alexanders zur herrschaft Fessler Alexander (1797) 129; würdigkeit zur freiheit kann nur von unten herauf kommen Fichte bei Treitschke dt. gesch. (1879) 1, 116.
b)
charakteristisch für das wort und für seine enge beziehung zu würdig (s. d. B) ist ein nur scheinbar absoluter gebrauch, in dem würdigkeit den status, die beschaffenheit einer person oder sache ausdrückt, kraft deren sie etwas bestimmtes verdienen. die beziehung ist dem zusammenhang zu entnehmen.
α)
in religiöser, die rechtfertigung durch gott betreffender anwendung nahe an die wertbedeutung (s. 5 b) heranführend; meist älter, aber nicht ohne nachwirkung auf jüngere sprache: die natur ... wolde gern bey sich eyne wyrdikeyt fynden, ut possit gloriari: hoc et hoc feci et merui ... myt dem laster mussen wyr kempffen, das wyr gerne wolden wyrdig syn Luther 34, 2, 413 W.; vgl. 10, 1, 1, 420; 46, 80; 47, 679 u. ö.; nicht, dasz glauben helfe um seiner würdigkeit willen, sondern darum, dasz er auf gottes verheiszung und barmherzigkeit vertrauet J. Jonas bei J. T. Müller d. symb. bücher d. ev.-luth. kirche (1912) 145; seine gnadenwahl kommt ursprünglich aus seiner vorgesehenen würdigkeit der menschen Leibniz dt. schr. (1838) 1, 412; dasz er (Michelangelo) eher für einen schüler Platos als einen christen gelten würde, wenn nicht die nagende unruhe, die ihn über seine eigene würdigkeit erfüllt, zeigte, wie sehr er es dennoch sei H. Grimm Michelangelo (1890) 2, 233. auf der gleichen linie: dasz wir gar keine ansprüche auf seine (des zufalls) gaben haben, dasz wir solche durchaus nicht unserer würdigkeit, sondern allein seiner güte ... zu danken haben Schopenhauer w. 4, 522 Gr.
β)
in α wurzelt die von Luther geprägte, auch variiert fortlebende wendung (ohn) (mein) verdienst und würdigkeit: das alles aus lauter veterlicher, göttlicher güte und barmhertzigkeit on alle mein verdienst und wirdigkeit (sine ullis meis meritis aut ulla dignitate) Luther 30, 1, 295 W. (kl. katech.; erkl. z. 2. artikel); vgl. tischr. 1, 614; 6, 141 W.;
zwar mein verdienst vnd wirdigkeit
drewt mir den tod vnd alles leid
J. Heermann in: Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 1, 276;
dasz gott alles, ohne unser mitwirken oder unser verdienst und würdigkeit, bey unsrer seligkeit gethan, und uns dieselbe als ein gnadengeschenk gebe Chr. Starke synopsis 3 (1737) 1058. jünger in säkularisierter anwendung: (mein buch ist) über verhoffen und würdigkeit fast allgemeiner begünstigung gewürdiget worden Harsdörffer teut. secretar. (1656) 2, ):( ):( 2ᵃ; das übergewicht der sache, über welche uns ohne alle mein verdienst und würdigkeit ein licht aufging Fichte s. w. (1845) 2, 534; man hatte nicht nur alt zu werden. das war ein vorgang der natur, ohne 'verdienst und würdigkeit' E. Wiechert missa sine nomine (1950) 256. nur vereinzelt analog der wendung nach würden (s.würde B 2 b): e. g. wollt yhr meyn arme erbietung nit nach wirdickeyt, szondern nach gunst gefallen lassen Luther 10, 1, 1, 8 W.
γ)
als würdig sein zu irgend etwas, in verschiedenster beziehung, meist jungen gebrauchs: derhalb wer wol thuͦn wil, muͦsz nit auff die wirdigkeyt vnd güte der menschen sehn, sonder blosz auff gott vnd der menschen not S. Franck sprüchw. (1541) 2, 125ᵇ; ach frau, was habt ihr gethan? nun wird mein kind seine würdigkeit (etwas groszes zu empfangen) verlieren br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 162; die wirtschaftliche und sittliche würdigkeit der mitglieder (ein darlehen zu empfangen) hdwb. d. staatswiss. (1898) 3, 120; so gibt es z. b. ein sittliches gefühl der würdigkeit und unwürdigkeit — etwa ein glück zu genieszen, etwas bedeutendes zu erleben N. Hartmann ethik (1935) 678; vgl. 474. sehr oft als das würdig sein für ein amt: der könig konnte auch vermöge dieser verordnung, wenn ihm ein erwählter nicht anständig war, ihm leicht eine exception in ansehung der tüchtigkeit und würdigkeit machen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 251; war er (der papst) nicht von den Deutschen selbst aufgefordert worden, über die würdigkeit ihres königs zu urtheilen? ... die krone nicht auf dem haupte eines unwürdigen zu lassen? Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 69; man verpflichtete sich in zukunft bei der anstellung der geistlichen zu sorgfältigerer berücksichtigung persönlicher würdigkeit Ranke s. w. (1867) 2, 111; vgl. 9, 212; 37, 199. im wortspiel:
gelang zum vorrecht durch das recht,
zur würde nur durch würdigkeit!
Hoffmann v. Fallersleben ges. w. (1890) 5, 87.
5)
das wert sein; vorwiegend in der beziehung auf persönliche, innere und geistige werte, und darin vergleichsweise gebräuchlicher als würde (s. d. C 1 a).
a)
mhd. vor allem in höfischer sprache. als inbegriff ritterlicher vollkommenheit:
hêrre, ich hân von iu vernomn
vil rîterlîcher werdekeit.
durch iwer zuht lât iu niht leit,
ob i'u mînen kumber klage
Wolfram v. Eschenbach Parzival 24, 17; vgl. 101, 21; 109, 22.
dabei können die äuszeren vorzüge betont sein:
die wirdikeit er gar dâ sach,
die man von ritterschaft ie sprach.
tanzen, reigen, springen,
videln, lîren, singen
Ulrich von Eschenbach Alexander 19 065 Toischer.
häufiger sind, ohne spezifische bestimmung, die den vollkommenen ritter charakterisierenden inneren, sittlichen werte gemeint:
er was der werdekeit genôz.
swie kleine ich des die volge hân,
getriwe und ellenthaft ein man
was Keie: des giht mîn munt
Wolfram von Eschenbach Parzival 296, 20; vgl. 122, 19; 316, 14; 476, 4;
diu zuht der hœhsten werdekeit
in sînem reinem muote lac.
vil hôher tugent sîn herze phlac, ...
milte kiusche wol gezogen
küene werhaft hôchgemuot,
gewære getriuwe unde guot
Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 4512 Haupt.
in der minnesprache zusammenfassend für die äuszeren und inneren vorzüge der dame, ihre vollkommenheit schlechthin:
diech mit gesange hie prîse unde krône,
an die hât gôt sînen wunsch wol geleit ...
mich fröit ir werdekeit
Heinrich v. Morungen in: minnes. frühling 141, 12 Kraus.
aber auch mit einschränkung auf die innere vortrefflichkeit:
von den wîben die mit werdekeit
lebent ...
und die schœne sint dâ zuo
Walther v. d. Vogelweide 53, 19 Kraus.
andererseits für den durch die minne gesteigerten selbstwert des mannes:
diu liebe stêt der schœne bî
baz danne gesteine dem golde tuot:
nû jehet waz danne bezzer sî,
hânt dise beide rehten muot.
si hœhent mannes werdekeit
Walther v. d. Vogelweide 92, 29 Kraus; vgl. 91, 21; 97, 16.
gelegentlich geradezu für hohes lebensgefühl, hochgemutheit:
ob aller siner werdekeit
so swebete Tristand ie daz leit
und daz verborgen ungemach (dasz der lebte, der seinen vater erschlug)
Gottfried v. Straszburg Tristan 5103 R.; vgl. Wolfram v. Eschenbach Parzival 5, 13.
gebräuchlicher als wirde auch auszerhalb des ständischritterlichen, in der kennzeichnung religiöser und sittlicher vollkommenheit überhaupt:
nû bitte ich dich, hêrre got,
wande ich in den sunden bin tôt,
erledige mich durch dîne werdecheit
von der sunde unwerdecheit
Klagenfurter gebete in: zs. f. dt. altert. 48, 96;
welh ir (Maria) werdikeit ane ende (ist)
priester Wernher Maria D 2611 Wesle; vgl. 2773;
swes lebn sich sô verendet,
daz got niht wirt gepfendet
der sêle durch des lîbes schulde,
und der doch der werlde hulde
behalten kan mit werdekeit,
daz ist ein nütziu arbeit
Wolfram v. Eschenbach Parzival 827, 23; vgl. 2, 19; 658, 6;
daz in allen steten dez hailigen romischen richs da zunft sind er und wirdikait, frwntschaft, frid und guͦt gemach zuͦ aller zit ... wechst (Augsburg 14. jh.) städtechron. 4, 142.
b)
nhd. noch stark auf dieser linie. von personen und persönlichen eigenschaften im sinne unspezifischer, meist religiöser und sittlicher qualifizierung: zu denselben zeiten was allein ein aufsehen auff fruͦmkeit wirdigkeit vnd tugendt Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 37 H.; vgl. derselbe, spiegel d. sitten (1511) B 1ᵇ;
ach was mag der liebste reden,
hier von meiner würdigkeit? ...
ja ich musz es jhm bekennen,
dasz ich bin nur schlecht zu nennen,
dieses alles jhm gebührt,
was er mir zu lobe führt
Venusgärtlein 80 ndr.;
nur dem nebenbuhler können die menschen, wenn er gleich unendlich über sie an würdigkeit hervorragt, diesen tribut (den ruhm) nicht zugestehen Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 331; manche erzählung von des vaters werth und würdigkeit W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 22. im sinne körperlicher schönheit wohl nur als vereinzelte ältere lehnbedeutung aus lat. dignitas: von disem geschlecht ist Commodus erporn, dem dann auch on sein plüende jugend, zuͦ statten kame, die wyrdigkait seiner formen unnd gestalt, die glydmässig vnd wolgeschicklicheit seines leibs, die schöne (formae dignitas) Boner Herodian (1532) 4ᵇ.
c)
auf den menschen als gattungswesen bezogen, s. entsprechendes unter würde C 1 b, würdig C 3 c:
dirre grozin ere,
mit der got alse sere
das mensche hate geret
und mit wirde gemeret
sine werdekeit uber alle geschaft
Rudolf von Ems weltchronik 343 Ehr.;
auff das er (der mensch) got frey lob zu preisz
unnd ihm sey danckbar alle zeyt
für solche grosse wirdigkeit
die ihm gott hat, sein schöpffer, geben
Hans Sachs 1, 22 lit. ver.
von da her: wan vil menschen die also leiplich leben, die krencken nit allain iren leib vnd myndern ir leben. besonder sy verliessen die würdikait der sel Keisersberg granatapfel (1510) B 4ᶜ. in jüngerer anwendung wohl nicht ohne einflusz von 6:
mit welcher würdigkeit und majestät,
hat, seele, dich, dein gott zum seyn erhöht
Zachariä poet. schr. (1763) 5, 192;
beseelt von dem glauben an mich, an meines herzens kraft und würdigkeit Ina Seidel d. labyrinth (1922) 276.
d)
sachliche beziehung bevorzugt offensichtlich geistige, religiöse und sittliche werte, lebensgüter und daseinsmächte: nu wär von diser hoher wirdikait (im blick auf die fähigkeit des abendmahls, ewiges leben zu schaffen) drey puncktlein zuͦ sagen Tauler sermones (1508) L 3ᵈ; weitter ist das auch ein sunderliche hohe würdigkeyt der leber, das sy ein statt vnnd ort ist, daher alle bluͦt adern des leibs jhren vrsprung vnd anfang haben Ryff anatomi (1541) E 6ᵇ;
der fasten grosse wirdigkeit,
wirdt vns gezeigt vom himmel weit
dan Christus vnser herr vnd gott,
das fasten selbst gehalten hat
(clarum decus jeiunij)
bei Bäumker kathol. kirchenlied (1886) 1, 4192
o desz köstlichen vnnd edelen schatzes der zeit! wie wenig wird jhre würdigkeit in obacht genommen Moscherosch gesichte (1650) 1, 55; dasz sie nicht können das helle licht der sonnen von den sternen unterscheiden, nemlich die höchste würdigkeit und wunderkraft der teutschen sprache von den andern sprachen Schottel haubtspr. (1663) 20; die bey einen vollen süssen bache sitzen, kennen die würdigkeit des wassers nicht; die müde, matte ... menschen, kennen es umb so viel besser persian. baumgarten (1696) 88ᵇ Olearius; von der hohen würdigkeit der dicht- und redekunst Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 12; die gegenwärtige erklärung hat keine andere würdigkeit, als diejenige, welche muthmaszungen zukommt Kant w. (1838) 8, 314 Hart.;
ihm nahm es fort sein lieb,
mir meines lebens heil, auch fürderhin
des lebens würdigkeit
Fouqué held d. nordens (1810) 1, 184.
vereinzelt der bedeutung 'schönheit' sich nähernd, wohl, wie unter b, als lehnbedeutung von lat. dignitas her: von wirdikeit der wort. wirdikeit, oder hüpscheit, gibt die red wolgeziert Riederer rhetoric (1493) h 5ᵇ.
e)
im unterschied zu würde (s. d. C 2) bleibt eine anwendung auf materielle werte auf das mhd. beschränkt, soviel wie 'glanz, pracht, kostbarkeit':
noch ze harte (uns) niht uerleitte
der werlt wirdicheite
Vorauer Barlaam bei Diemer dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 84, 8;
sîn hôchmuot wart verkêret
in ein leben gar geneiget.
an ime wart erzeiget ...
daz diu üppige krône
werltlîcher süeze
vellet under füeze
ab ir besten werdekeit
Hartmann von Aue d. arme Heinrich 89 Gierach: vgl. Rudolf von Ems d. gute Gerhard 6719 Haupt:
daz vingerl (der ring, in den man den edelstein einsetzt) sol guldein sein durch des stains wirdikait Konrad v. Megenberg buch d. natur 433, 15 Pf.
f)
hierher wohl noch als bezeichnung der älteren astrologie für einen aus der stellung der planeten abgeleiteten wertmaszstab: weil du nun hast die tafel der wesenlichen würdigkeiten deren planeten, darausz da (l. du) eines jetlichen planeten stercke vnnd schwachheit klauben magst Pegius geburtsstundenbuch (1570) r 6ᵃ; vgl.r 4ᵇ; Tt 2ᵃ; und wie das nun eine würdigkeit genennet wird, wenn ein planet in seinem hause ist: also nennet man es hingegen eine verweisung, wenn sich derselbe in dem gegenüberstehenden zeichen befindet Knorr v. Rosenroth pseudodoxia (1680) 166.
6)
die junge, heute herrschende bedeutung würde D zeigt nur wenig neigung, auf würdigkeit überzugreifen.
a)
als bezeichnung spezifischen inneren wertes. in der kennzeichnung sittlicher und seelischer autonomie; vgl. schon ob. 5 c: daher wird das herz, wie mit strömen von blut, durchgossen, es kann leben und das auge weinen. die seele fühlt auf die reinste art ihre würdigkeit, und in diesem enthusiasmus erhebt sie sich (1750) br. von und an Klopstock 40 Lappenberg; einen mann, der in allen seinen handlungen so viel edle einfalt und ungesuchte würdigkeit zeigte Cramer d. nord. aufseher (1758) 1, 218; die innere würde und würdigkeit bildet einen kreis um sich her, der ihr entspricht Lavater nachgel. schr. (1801) 2, 57. bedeutsamkeit und gewicht geistiger erscheinungen bezeichnend: das symbolische nicht an sich, sondern nur dergestalt mitwirken zu lassen, dasz das bild eine reichere bedeutung und eine höhere würdigkeit erhält W. v. Humboldt br. an Welcker 68 Haym.
b)
für eine in erscheinung, haltung und verhalten sichtbar werdende äuszere würde, der nicht immer eine innere zu entsprechen braucht: die ganze würdigkeit und anmuth ihres betragens H. v. Kleist w. 3, 176 E. Schmidt;
im traum sah ich ein männchen klein und putzig, ...
inwendig war es jämmerlich, nichtsnutzig.
jedoch von auszen voller würdigkeit
H. Heine s. w. 1, 17 Elster;
die älteren frauen aber saszen in groszer würdigkeit um den schwarzen ofen Alexis Roland (1840) 1, 319; es ist merkwürdig, dasz im selben moment, wo die kunst von sich aus eine erhöhte schönheit fand, auch die kirche für die hauptgestalten des christlichen glaubens eine gesteigerte würdigkeit verlangte Wölfflin d. klass. kunst (1901) 209.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2122, Z. 30.

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Zitationshilfe
„würdigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrdigkeit>, abgerufen am 11.08.2020.

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