Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wurgel, m.

wurgel, m.,
'wulger' Hertel Thür. 260; vgl. wargel teil 13, sp. 2017 neben walger teil 13, sp. 1234; ferner wulger sp. 1753: sodann (beim kachelformen) wird rings um den rumpf eine massewulst (wurgel) ... herumgelegt und mit der hand fest- und flachgedrückt Kerl thonwaaren (1907) 1072.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2191, Z. 55.

würgel1, m.

¹würgel, m.,
mehrere selbständige ableitungen zu der in würgen erhaltenen wurzel mit dem germ. -ila-suffix, das nomina agentis und (ursprünglich personifizierende) nomina instrumenti bildet.
1)
'strick, riemen (am halse)'; aisl. virgill, virgull 'strick'; nisl. svirgull, svörgull 'dickes tau'; as. wur(i)gil 'strick'; noch in nd. ma.: wörgel 'riemen, welcher das käppchen am schlägel des dreschflegels mit der handhabe verbindet' Woeste westfäl. 328; auch 'würgeseil' Schmoeckel-Blesken Soester Börde 338. vgl. ferner haalswörgel (am halsband der schafe) 'eisenring mit durchgestecktem eisenstab an einer kette' ter Laan Groningen 1211.
2)
als bezeichnung des henkers, nur mhd.:
soͤllend ir
mich des niht geniezzen lan
daz ich iur kuͤnd ie gewan,
o we des wuͤrgels strangen!
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 13 151 Regel.
als schelte für einen kuppler (hierher oder wie strick in übertragenem sinne als schimpfwort zu 1?):
noch soll sy dem wurgel
funfftzig march. desz ward purgel
der richter von desz fursten wegen
Heinrich v. Neustadt Apollonius 15 999 Singer.
3)
jemand der sich quälen, hart arbeiten musz, um sich durch das leben zu bringen; zu würgen, refl. 'sich abquälen, sich anstrengen, sich mühen'; s. würger 7: heut ein armer würgel oder haspelzieher, auff ein ander quartal ein gewaltiger vnd grosser fundgrubner Mathesius Sarepta (1562) 279ᵇ; die weiber bleiben nicht allein unfruchtbar, sondern die männer bleiben auch arme würgel, können nichts in der narung für sich bringen Edelman hochzeitpred. (1580) C 8ᵃ; es ist trawn ein armes ding vmb eine arme verlassene witfraw vnd waiszlein, ... vmb einen armen haspelzieher, vmb einen armen würgel, tagelöhner, holtztregerin, viehe magd Mathesius Jesus Syrach (1586) 2, 88ᵃ.
4)
zu intrans. worgen ist gebildet ahd. worgal (Prudentius, cathemer. VII 127 [monstri vomentis pellitur] singultibus vuorgalun [11. jh.] ahd. gl. 2, 421, 10) und mnd. worgel(inge) 'zusammenziehen, herbheit der kehle' (vgl. stipticius worghel id est sapor acetosus [nd. 1417] Diefenbach nov. gl. 349ᵃ und stip[t]icus worghelic smaeck noc. gemma [Köln 1495] X 3ᵃ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2191, Z. 8.

würgel2, m.

²würgel, m.,
nebenform zu wärgel, m., teil 13, sp. 2017, das sich im md. teilweise an würgen anlehnt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2191, Z. 53.

würgeln1, vb.

¹würgeln, vb.,
intensivum zu würgen, s. worgeln sp. 1460; mdal. für weite teile des sprachgebietes bezeugt, schriftsprachlich bis in die reformationszeit zurückreichend.
1)
zu würgen I; nur vereinzelt gleich würgen I A 2 '(er)drosseln': getreden, gewürgelt, gesleifft, gestoissen schatzboechlin der gotlicher lieffden (Köln um 1500) in: altdt. neujahrsblätter für 1874 146 B.-C.; hör auf, du würgelst mich Hertel Thür. 261. in der regel '(etwas festsitzendes) heftig hin und her zerren (um es zu lösen)', zu würgen I A 1 e; vgl. die zss. los-, heraus-würgeln, -wirgeln: diese taffel hebet ab, und wirglet etlich stein aus der maur heraus frantzös. Simplic. (1683) 1, 378; ick würgle den raus Glaszbrenner bei Gebhardt Glaszbrenners Berlinisch 87; los-, auswirgeln Frischbier pr. 2, 474. als simplex: würgeln hin und her drehen Loritza Wien 144; wirgeln Frischbier a. a. o.; mit dem schlüssel im schlüsselloch, mit der zange am kranken zahn wurgeln Betcke Königsberg 66; hierher wohl auch: wurjele wurgeln Fischer Samland 159. refl.: je mehr man sich würgelt, je tieffer man hineinsincket (in den triebsand) Roth catech. predigt (1573) 1, 211ᵇ. — zu refl. würgen II G 1 'sich abmühen' das folgende abgewürgelt: gleichwie der wind gar sanffte anwehet die müden und abgewürgelten menschen und hertzen, also ist der heilige geist auch ein dulce refrigerium Roth catech. predigt (1573) 1, 207ᵇ (vgl. den Albinus-beleg unter worgeln sp. 1460).
2)
zu würgen II; vgl. ahd. vuorgalun singultibus (vomentis monstri) (11. jh.) ahd. gl. 2, 421, 10 St.-S.als bezeichnung für artikulationsvorgänge (würgen II D): dein stimm wirdt von der erd kommen, gleych als die zauberstimm: vnd dein red wirt vom kaat här würgelen (Jesaias 29, 4 de humo eloquium tuum mussitabit) Zürcher bibel (1531) (erste dt. bibel murmeln; Luther wispeln); sibilare zisschen, pfeisen, würgeln Schöpper synonyma (1550) c 6ᵇ (vgl.: sibilirn, pfeiffen, pfysen, heimlich wisplen vnd vispern S. Roth dict. [1571] P 3ᵃ). von dem quälenden, in atemnot versetzenden einengen der luftwege (würgen II B): es wird einem (in der bräune) die zunge schwarz wie eine kohle, es würgelt einem im halse und will immer ersticken Coler hausapoth. 128. zu würgen II C: wörgeln erbrechen Woeste-Nörrenberg westfäl. 328; worgluⁿ würgende bewegungen machen, brechreiz bekommen (Lötschental/Wallis) Henzen in: PBB 64, 285.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2192, Z. 20.

würgeln2, vb.

²würgeln, vb.,
nebenform von wargeln, wärgeln 'mit einer walze breitdrücken' teil 13, sp. 2017 f., das sich mundartl. an würgen anlehnt; vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 639: würgelwalzen (welche) ... die wollbänder rollen (würgeln) Karmarsch-Heeren techn. wb. 3 (1857) 640.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2192, Z. 64.

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Zitationshilfe
„würgeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrgeln>, abgerufen am 26.07.2021.

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