Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wurmen, vb.

wurmen, vb.,
in wechselnden bedeutungen seit ahd. zeit nachweisbar. engl. to worm; mnl. wormen, nnl. wurmen; dän. orme; schwed. orma (sig), vurma.
1)
ahd. kiuuurumot, geuuormot, nachbildung von lat. vermiculatus 'more vermium decoratus' (das es im ahd. glossiert), s. du Cange 8, 283: (cant. 1, 10: murenulas aureas faciemus tibi,) vermiculatas (argento) kiuuurᵘmotiu (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 552, 9 St.-S. (vgl. dazu die auf einem miszverständnis beruhende glossierung der gleichen hs.: quasi tenerrimus ligni uermiculus sama so maraᵘuistin paumes kiuuurammuatemo [2. reg. 23, 8] [8./9. jh.] ahd. gl. 1, 427, 33); vermiculata(s) giuuormot (11. jh.), gewormot (10. jh.) ahd. gl. 1, 552, 1 (s. auch ahd. gl. 1, 549, 2; 1, 549, 18—22 sowie Williram 18, 4: goltketenon ... in uuurme uuîs geblahmâlot mit silbere). später nur ganz vereinzelt, s. auch gewürmelt unter würmeln 1:
an der tassel orte
lag auch ain reycher porte,
der was gar wol beriertt,
mit gold wol gepurierett
(la.: mit rotem gold gewürmet wol)
Heinrich v. Neustadt Apollonius 574 Singer;
die grewlich gewürmte, mit doppelten spitzen besetzte hembder ...; schiffershosen, so ... mit so grewlichen allerhandfärbigen gewürmten bändlein besetzt Hüppert schädlicher wurm (1648) nach zs. f. dt. wortf., beih. zu bd. 15, 19; 20. noch Sanders erg.-wb. (1885) 660 erwähnt (ohne beleg) gewurmte verzierungen; vgl. auch frz. vermiculé 'mit verzierungen versehen' (fachausdruck der architektur). — abseits steht ahd. geuuormot 'scharlachrot' (sîn lachen geuuormot pallium coccinum i. rubeum Notker 1, 755, 12 P.); vgl. dazu ahd. uuormo uermiculus ('color purpureus'), uurmottaz, uuormohtaz uermiculum, uurmo(t)taz coccinum; ferner Jelinek mhd. wb. 973 (mit belegen für gleichbedeutendes gewürmelt).
2)
unabhängig von dem seit ahd. zeit hervortretenden partizipialgebrauch (1) entfalten sich seit dem 15. jh. mehrere (schwach entwickelte) verwendungsweisen, die nur in jüngster zeit gelegentlich (s. unten f, g) zusammenhang zeigen mit den im 17. und 18. jh. aufkommenden übertragungen auf das gebiet des psychisch-emotionalen (wurmen 3 u. 4).
a)
'wurmstichig, madig werden; von würmern (maden) befallen werden, wimmeln'; s. gleichbedeutendes verwurmen teil 12, 1, sp. 2391; Sanders erg.-wb. 659; ferner erwürmen Schmeller-Frommann bayer. 2, 1001 sowie würmeln 2: gereucht fleisch mit nesseln dz leit und wurmet nicht über jar Heidelberger kochen meysterey (ende 15. jh.) in: Alemannia 18, 264; so es (das öl) in die würmenden schäden getraufft wirdt, sterben die wurm alsbald Thurneisser beschr. influent. wirkungen aller erdgewächse (1578) 124; wie dann auch das tannenholtz, wenns zur rechten balsamischen zeit ... gehauen ist, wider wuͤrmet noch faulet Lehmann hist. schaupl. (1699) 489; (allegorie:) so sahe ich, dass die beine und füsse anfiengen zu wurmen und durch einander zu wippeln, als ob sie zu einem wurmigten käse worden wären Lindenborn Diogenes (1742) 1, 492. noch mundartl.: dat holt wurmt gans weg Doornkaat Koolman ostfries. 3, 583; dat holt wormt lichte Damköhler Nordharz 229; der kās wūrmp Hintner tirol. dialektf. 241; s. auch Fischer schwäb. 6, 3445. übertragen: es stinckt, würmt und wimmelt alles bey ihm von irrthumb Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 295. hierher vielleicht auch: in Dänemark herrscht religion und herzensgüte und doch wurmts allenthalben Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 703.
b)
'an (eingeweide)würmern leiden': verminare wurmen (15. jh. anfg.) anz. f. kde d. teutschen vorzeit 8, 253; (15. jh. md.) Diefenbach gl. 613ᵇ; wurmen würme bekommen; verminare, das kind wurmet lumbrici occupant pueri alvum Stieler stammb. (1691) 2584; das kind wurmet questo fanciullo patisce di vermini Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408ᵇ.
c)
'eingeweidewürmer erzeugen, ihre erzeugung fördern': die milch wurmet bei den kindern sehr le laict engendre force verms es enfans Hulsius t.-frz.-ital. (1616) 422; Stieler stammb. (1691) 2584; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408ᵇ; Campe 5 (1811) 795.
d)
'(bäume) von raupen befreien, abraupen', s. gleichbedeutendes raupen teil 8, sp. 299 und engl. to worm 'to rid (plants, esp. tobacco) of worms' (bezeugt seit d. 17. jh.). häufig im elsäss. des 15./16. jhs., s. Schmidt elsäss. 433: doch so süllent sü davon (ihrem gras) geben und lonen die böme zuͦ würmen und zuͦ bereiten (15. jh.) Straszb. zunftordn. 52 Brucker; wenn man eynen boum wurmt vnd die würm in dem füer nit verbrinnen ..., das ist arbeit on nutz Keisersberg bilgersch. (1512) 191ᵈ. bei ihm auch übertragen: wenn du dich also vol wurmnester, spinnweppen, sündenlaster vnd boszheit findest, daz du vol würm krüchest, also solt du dich lossen wurmen vnd dir die wurmnester ... ablesen mit dem wurmysen a. a. o. 191ᶜ; er soll ein wenig wurmen, der kirschbaum ... geht uns sonst noch ganz zu grund J. Rank weiszdornblüten (1848) bei Sanders erg.-wb. 659.
e)
'würmer suchen, mit dem schnabel ausgraben' (von vögeln); vgl. engl. to worm 'to hunt for or catch worms' (seit dem 16. jh.): der vogel würmet vor seine jungen l'oiseau cerche des vers pour ses petis Hulsius t.-frz.-ital. (1616) 422; der vogel wurmet, die hüner wurmen l'uccello cerca, pasce, le galline cercano ò ruspano vermi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408ᵇ; Steinbach dt. wb. 2 (1734) 1054; Campe 5 (1811) 795; wurmen würmer suchen, also auch würmer annehmen, auf würmer als lockspeise eingehen Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 492; Kehrein weidmannsspr. 331; den ganzen tag blieb sie (die schnepfe) so liegen und humpelte erst abends ein biszchen hin und her, um zu wurmen H. Löns Mümmelmann (1921) 20; mit ihrem langen schnabel ... vermag sie (die schnepfe) geschickt die nahrung aus ziemlicher tiefe hervorzuholen, zu 'wurmen' Sellheim tiere d. waldes (o. j.) 5; diesmal bemerkt ihn (den fuchs) die schnepfe nicht. sie wurmt eifrig weiter natur u. heimat 3 (1956) 64. — auch von schweinen, enten Woeste-Nörrenberg westf. 328ᵇ (vgl. frz. vermiller, vermillonner 'nach würmern wühlen' [vom wildschwein, dachs] sowie mnl. wormen [vom schwein] Verwijs-Verdam 9, 2813). ähnlich: wurmen gehen würmer sammeln zum fischen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408ᵇ; s. auch Fischer schwäb. 6, 994.
f)
sich in der art eines wurmes bewegen, s. Fischer schwäb. 6, 993 ('wie ein wurm herumkriechen') und das folgende, stark von wurmen 3 beeinfluszte zeugnis: es wäre nur des herrn von Leibnitz eigenes wesen schuld daran, indem er so gar alleine darinnen (in d. kurf. bibliothek in Hannover) wurmen wollte Uffenbach merkw. reisen 1 (1753) 410; würmer und insekten ..., die immer unter einander kriechen und wurmen müssen, wie ameisen und bienen (1813) E. M. Arndt schr. (1845) 1, 455. in der sprache der kohlenbrenner vom feuer, das im meiler sich gleichsam kriechend ausbreitet Adelung 5 (1786) 310; wurmen to penetrate into every part of the coal-kiln Beil technol. wb. (1853) 662. vgl. auch engl. to worm 'to move or progress sinuously like a worm'. — anders: sich ... kruͤmmen und wirmen (von kranken) (1719) bei Fischer schwäb. 6, 3445.
g)
noch in neuester zeit als literarische gelegenheitsbildung; 'nagen, beiszen; schmerzen' (bildlich, s. u. 4): machten sie immer dem staatskörper einiges knurren und wurmen im leibe Droysen bei Sanders wb. d. dt. spr. 2, 1682; (erkennen,) was eigentlich den modernen staat wurme und an ihm zehre Gutzkow ritter v. geiste (1850) 9, 255. vgl. dazu: 't wurmt aal aan (fortwährend) (vom schmerz gesagt) ter Laan Groningen 1216. — 'dem wurme gleich, triebhaft-animalisch leben': kusz ist glück, zeugung wollust, gott gab sie dem wurme. nun, du würmtest nicht faul zuzeiten, aber deine sache ist eher doch das glück und der kusz (Goethe im selbstgespräch) Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 358; s. dazu PBB (Halle) 79, 487.
h)
wurmen gaunersprachlich '(durch)bohren', seit 1820, s. Wolf wb. d. rotwelschen (1956) 346.
3)
'sich unsinnig, unverträglich gebärden (wie ein toller oder betrunkener), zanken, streiten', s. wurm V 4; wurmen etiam metaphorice exponitur desipere, coecô et inconsideratô impetu ferri, imprudentiâ duci, delirare, de potestate mentis exire Stieler stammb. (1691) 2584; der kerl wurmet costui vermina cioè ha un ramo di pazzia Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408ᵇ; 'von zanckenden, halbbesoffenen leuten sagt man: sie wurmen cerebri aestuantis verminationes sentiunt' Frisch t.-lat. (1741) 2, 461ᵃ (vgl. Faber thes. [1587] 923ᵃ): einer habe ... ohne alle ursache zu wurmen angefangen, mit dem degen in drei tische gehaut ... und der wirtin ... einen entehrenden namen gegeben (1658—61) zs. f. dt. wortf. 7, 163; (im wortspiel:) (die ausleger) haben sich über diesem wurm (Jes. 66, 24) dermassen gewürmet, dasz sie darüber zu würmen (narren) worden Dannhawer catech.-milch 6 (1678) 701; als David selbst wurmbte gegen den Uriam, muste Nathan den wurm subtil herausz graben Callenbach Wurmatia (1714) 93. hierher vielleicht: so wurmt das theaterliebende publikum, je nachdem es ihm einfällt, je nachdem es laune, geschmack, gefühl, nachsinnen, empfindung hat Ulrich bem. e. reisenden (1779) 2, 5. — wie wurmisieren (s. d.) 'miszlaunig grübeln, mürrisch, in gedanken vertieft vor sich hin sprechen, brummen' (vgl. Fischer schwäb. 6, 994 'halblaut, mit unterdrückter stimme schelten, brummen; händel suchen'): sie sollen mir mit gründen ... antworten und wurmen und grämeln Gutzkow ges. w. (1872) 12, 437; ihr moderne poeten seyd gute brasilianische goldwäscher ...; allein ihr versteht den stoff nicht zu benutzen ... in dieser art wurmte Blasedow fort (im selbstgespräch) Gutzkow Blasedow 1 (1838) 323.
4)
wurmen 'quälend beunruhigen; ärgern' (mit nichtpersönlichem subjekt). in diesem sinne seit den siebziger jahren des 18. jhs. durchgehend bezeugt. vielleicht durch frühschriften Goethes (Werther, Stella) in die literatursprache eingeführt, jedenfalls erst durch sie allgemein verbreitet. der gebrauch schwillt noch in den letzten jahrzehnten des 18. jhs. stark (zunächst geradezu modewortartig) an und wahrt bis in die jüngste zeit hinein volle lebenskraft.die ausgangsvorstellung ist 'wie ein wurm nagen, bohren' (s. wurm V 2 und wurmen 2 g). dem entspricht intransitive konstruktion, wie sie sich in der verbindung des verbs mit lokalen präpositionen (es wurmt in, bei mir, im herzen) und mit dem dativ der betroffenen person (es wurmt mir) namentlich in der frühzeit des wortgebrauchs zeigt (s. dazu Müller-Graupa verbale tiermetaphern in: PBB [Halle] 79 [1957] 487; Carl tiernamen bilden verben in: wirk. wort 8 [1958] 356). allerdings ist die akkusativkonstruktion es wurmt mich (wohl analog nach es ärgert mich; s. auch unten e sich wurmen nach sich ärgern) gleich alt (bereits bei Göthe nebeneinander: wie's ihnen wurmte I 11, 412 [Stella] — mich wurmte das; da fing mich das ding erst an zu wurmen I 19, 44; 103 [Werther; beide stellen 1806 geändert in mir 19, 345f.]). Adelung kennt im wb. 5 (1786) 310 nur die dativverbindung, während Campe 5 (1811) 795 diese konstruktion zwar als die 'natürlichste' bezeichnet, zugleich aber feststellt: 'gewöhnlich ... fügt man es (das wort) mit dem vierten falle, indem man das, was die unruhe, den kummer verursacht, sich mehr handelnd denkt'. zahlenmäszig haben die akkusativbelege von vornherein das übergewicht (verhältnis zu den dativbelegen bis in die zeit um 1840 etwa gleichbleibend 2 : 1). nach der mitte des 19. jhs. kommen die fügungen mit dem dativ und mit lokalen präpositionen weitgehend auszer gebrauch.das wort gehört, wie schon Adelung bemerkt, der 'vertraulichen schreibart' an (häufig in briefen, weit verbreitet in den mundarten); höherer literarischer stillage ist es fremd.
a)
den ursprünglichen sinn 'bohren, nagen (wie ein wurm)' wahrt das wort am festesten als glied präpositionaler fügungen: (diese überlegung) wurmte beim alten Karl. er unterschrieb meinen anschlag (1783) Schiller 3, 68 G.; sie kommen daher, scheinen gekränkt, reden einsylbig ... was wurmt in ihnen, weszhalb sie hier klagen, trost suchen wollten? Iffland dram. w. 5 (1799) 91; Rumanns unbegreiflich massloser und gemeiner ausfall wurmt noch immer bei mir (1838) J. Grimm in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 1, 182. — so wurmte es vier oder fünf tage in den köpfen der (unzufriedenen) bauern. am sechsten fluchten sie (1797) Pestalozzi s. w. 11, 239 D.-K.; es ist keine kleine aufgabe, immer freundlich zu sein und zu lächeln, wenn es auch im innern wurmt, gährt und tobt S. Jordan wanderungen aus m. gefängnisse (1847) 184. vielfach tritt ein persönliches pronomen (im dativ oder akkusativ) ergänzend hinzu (die fügung kann auch als adverbielle erweiterung des nichtpräpositionalen gebrauchs c verstanden werden): (Otto:) das wurmt mir am herzen! sie liebten sich? (1775) Klinger Otto 44 ndr.; je länger die sache ihm im herzen wurmte, desto ärgerlicher wurde er J. Gotthelf ges. schr. (1855) 2, 225; den wird's noch lange im herzen wurmen, dasz er so schändlich gewesen ist E. Lemke volksth. in Ostpr. 1 (1884) 189. mit richtungspräposition: bruder! es wurmt mir durch den kopf, an jenen auftritt im wagen ... zurück zu denken J. T. Hermes f. eltern u. ehelustige (1789) 2, 275; wurmen ins herz (1846) Mörike w. 1, 367 Maync. auch auszerhalb präpositionaler fügungen: das ding mit den seelen (der ertrunkenen, die der wassermann in umgekehrten töpfen aufbewahrt) wurmte ihm (beunruhigte ihn) aber lange zeit (1816) br. Grimm dt. sagen ⁴37 Steig. mundartl.: es wurmt mir 'treibt mich unablässig um, geht mir im kopf herum, ich grüble ärgerlich darüber nach' (auch: des wurmt mir im kopf rum, 's wurmt in mir) Fischer schwäb. 6, 993.
b)
als subjekt können bezeichnungen für seelische vorgänge (namentlich quälende oder unmutbestimmte) eintreten: der entschlusz hatte lange in mir gewurmt, ich bin aber doch froh, dasz es zum durchbruch gekommen ist (1811) Schleiermacher briefw. mit J. Chr. Gasz (1852) 94; in meinem vater ... wurmt und arbeitet seit einigen tagen etwas ganz besonderes, er versäumt seine apotheke und sein laboratorium ... er wurmisirt gern Tieck novellenkranz 4 (1835) 47; aller zorn, der in euch wurmte Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 231; gleichzeitig aber wurmte in ihm der alte schmerz Feuchtwanger füchse im weinberg (1954) 487. transitiv gewendet: (es) wurmte mich doch der gedanke Zimmermann einsamkeit 3 (1785) 87; wenn hasz dich wurmt Lenau neuere ged. (1838) 81. daneben begegnet absoluter gebrauch: am andern morgen fängt das bangen schon wieder an zu wurmen Gotthelf Uli der pächter (²1850) 223; nein, nein, ... ich liebe dich nicht mehr ... nur noch ein bischen eitelkeit wurmt da noch! Sudermann Sodoms ende (1891) 87; grimmiger wurmte der verhaltene groll Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 3, 433.
c)
wurmen auszerhalb der verbindung mit präpositionen (s. auch die nachweise bei Sanders wb. d. dt. sprache 2, 1683); 'ärgern, verdrieszen, unmut erregen' (bes. von unterdrücktem, heimlichem ärger), überwiegend mit unpersönlichem subjekt: gut, sagte er, dasz du es (die gesellschaftliche zurücksetzung) auf die leichte achsel nimmst. nur verdrieszt mich's, es ist schon überall herum. — da fing mich das ding erst an zu wurmen (1774) Göthe I 19, 103 W.; 19, 44; ich weisz ... wie's ihnen wurmte, ihnen alles nicht recht war (1776) Göthe I 11, 412 (Stella) W.; lasz das ding dich nicht wurmen Lavater verm. schr. (1774) 2, 256; er wolte mir durch mancherlei händel durchaus die stelle verleiden ... wann mir so etwas wurmte, gnädiger herr, so grif ich mich doppelt bei der arbeit an, und sah nicht rechts noch links Sturz schr. (1779) 1, 248; indessen sahen seine excellenz doch, dasz ihn das ding wurmte, wie unsre schönen geister es nennen J. G. Müller die herren v. Waldheim (1787) 1, 77;
gerne dien ich den freunden, doch thu ich es leider mit neigung,
und so wurmt es mir oft, dasz ich nicht tugendhaft bin
Schiller 11, 148; vgl. 1, 345 G.;
's ist der zerbrochne krug nicht, der sie wurmt,
die hochzeit ist es, die ein loch bekommen
H. v. Kleist w. 1, 349 E. Schmidt;
dem herzog wurmt es ewig um Burgund
(1817) Uhland dram. dicht. (1863) 23;
es wurmt mir, ... dasz ich von deinem frühern leben so ganz und gar nichts weisz (1819) E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 81 Gr.; und doch wurmte ihn das gerede, er konnte sichs nicht aus dem sinn schlagen, er wollte endlich gewiszheit haben (1839) Eichendorff s. w. (1864) 3, 296; der Herwegh hat ihm (Freiligrath) im magen gelegen, ... seit alle zeitungen von diesem und nur von diesem voll waren. ich kann's mir denken, gewurmt hätte es mich auch (1843) Schücking in: br. 179 Muschler; (sie) sprach: 'nehme er sich in acht, bei so groszen herren zu sein, ist gefährlich'; das wurmte mich mehr, als ich mir merken liesz (1859) W. Raabe s. w. I 4, 465; tief muszte es ihn (Cornelius) wurmen, dasz die monumentale malerei ... in allen diesen jahren nur noch einen hochbegabten jünger fand: den Rheinländer Alfred Rethel Treitschke dt. gesch. 5 (1899) 399; ich denke mir so, dasz es sie (anrede) wurmt, dasz sie seither nichts ebenbürtiges mehr zu stande gebracht haben Sudermann Sodoms ende (1891) 127; Piccolomini wurmte die niederlage Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 3, 410; da begann es mich zu wurmen, dasz er mir etwas voraushaben sollte Werfel abituriententag (1928) 204; so wurmte es ihn doch, dasz die feinen herren ihn aus ihrem kreis ausschlossen Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 157.
d)
mundartlich frühzeitig nachweisbar (zeugnisse seit dem ausgang des 18. jhs.), heute über weite teile des sprachgebietes verbreitet: dat wurmde hum Doornkaat Koolman ostfries. 3, 583; dat wormt meck wb. d. Elberf. ma. 177; Leithäuser Barmen 173; Block Eilsdorf 102; dat wormt êne (von verbissenem ärger) Damköhler Nordharz 229; Fischer Samland 160; Blumer Nordwestböhmen 94; das kann dich wohl wurmen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683; Weise Altenburg 124; 's wormt mich Jecht Mansfeld 125; Hofmann Niederhessen 267; 'ärgern', bes. wenn man ein ärgernis verbeiszt, zurückhält: ett wormt mer Schmidt Westerwald (1800) 333; Hönig Köln 204ᵇ; Rovenhagen Aachen 165; es wurmt ihm (Pfalz) Klein dt. provinzialwb. 2 (1792) 238; das dut mich wurme Follmann Lothr. 550; dis wurmt mi Martin-Lienhart elsäss. 2, 855; es wurmt mi Hunziker Aargau 304; des hat'n gewormt Ruckert unterfränk. 197; desz wurmt mi 'diesz ärgert mich, friszt an meinem herzen wie ein wurm' Sartorius Würzburg 135; daͦs wuaʳmt mi Castelli Österr. 268; Jakob Wien 222; Schatz Tirol 715.
e)
reflexiv sich wurmen (nach sich ärgern) 'se chagriner, se fâcher' Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1657:
da wurmte sich Achilles,
er rast wie ein bandit
unbändigen gebrülles,
da spielt er wieder mit
L. Eichrodt lyr. kehraus (1869) 1, 26.
vereinzelt mundartl.: man wurmt sich vergebens Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683; Kleemann Nordthür. 25; Lexer Kärnten 260.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2262, Z. 23.

würmt, würmte, m.

würmt(e), m.,
an wurm angelehnte nebenform von wermut, s. d. sowie Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 422. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2292, Z. 23.

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Zitationshilfe
„würmte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrmte>, abgerufen am 25.07.2021.

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