Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

würstchen, n.

würstchen, n.,
diminutiv zu wurst, f.
1)
für eine kleine wurst: batellus ein würstken Orsäus nomencl. meth. (1623) 86; er hat mir ... Nürnberger geräucherte würstchen vorgesetzt Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 60; als ... die würstchen ankamen, davon denn sogleich ein theil zum nachtisch aufgebraten wurde (1817) Göthe IV 27, 338 W. seit der zweiten hälfte des 19. jhs. für brühwürste (Halberstädter, Frankfurter, Wiener würstchen): ein büffet ..., wo man bier ausschenkte und warme würstchen verkaufte Kahlenberg Eva Sehring (1901) 56; die finger, die die wurst hielten und selbst rosigen würstchen glichen H. Mann ausgew. w. 4, 97 Kantor. (vgl.wurst-komp.-typen 5). redensartlich wie unter wurst A 5 a α: ich danke ihnen ... für den schönen schinken (Eberts übersetzg. von Glovers 'Leonidas'), den sie mich mit meinem würstchen (einer broschüre Lessings) haben abwerffen lassen Lessing 18, 299 L.-M. vergleichend (s. ob. wurst A 4 und komp.-typen 5): sie hat fingergen und beingen so kurtz, so kurtz, und so ausgestopfft, wie ein baar würstgen Schoch com v. studentenleben (1657) H 3ᵃ. als glied eines vergleichs: das publicum ... machte mir als Aristophanischer, würstegefütterter demos nur noch spasz und in den nächsten tagen reichte ich meinem demos ... ein leckeres würstchen (ein neues theaterstück) Immermann w. 19, 137 Hempel.
2)
in verschiedenen, z. t. an wurst B angelehnten übertragungen. entspr. wurst B 2 b für exkremente:
immer bleibt das (schwalben-)nest sauber.
liegt drin ein weiszes würstchen
mit schwarzem geringelten schwänzchen,
wirds von den eltern gepackt
und hinausgetragen
Ernst Toller d. schwalbenbuch (1924) 37.
für den blütenstand (amentum, julus) von birke, fichte, weide und haselbusch (vgl.wurst B 4, würstel 2, würstlein 2): eine sonderliche frucht von den birckenbäumen, in gestalt des langen pfeffers, (das seynd freylich die würstgen, so auch an den haselstauden) J. Prätorius winterfl. d. sommervögel (1678) 320; es rühret aber solches (pulver) von den fichten her, welches sich im frühjahre in dessen würstgen erzeugt Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 4, 9; (es) führen auch die sogenannten kätzchen oder blützäpfchen der haseln, weiden etc. den namen würstchen Campe wb. d. dt. spr. 5 (1811) 797ᵃ. fachsprachlich auch enger, nur für die (glatten) kätzchen von birke und haselnusz, nicht für die (wolligen) der weide, vgl. Röhling flora (1823) 1, 47; Popowitsch versuch (1780) 629. umgangssprachlich (armes) würstchen, gutmütig spottend von einem schwächlichen, hilflosen oder auch vom unglück verfolgten menschen, wohl jung und kaum in zusammenhang mit den appellativischen gebrauchsweisen wurst B 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2311, Z. 53.

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Zitationshilfe
„würstchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrstchen>, abgerufen am 11.08.2020.

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