Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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wurstl, wurstel, m.

wurst(e)l, m.,
jüngere verkürzte diminutivform von Hanswurst, in obd. und md. volkssprache und mundart verbreitet, s. auchwurst B 1 a. für einen tölpischen menschen: für blödsichtige gemüther und dunkle köpfe, wie unsers Wurstels seiner ist polit. Hanswurst (1759) 4. von da aus für einen lächerlichen oder spaszhaften menschen überhaupt, s. Schmeller-Frommann bair. 2, 1004; Castelli Österreich 268; Schranka Wien 189. für den narren der komödie:
hab ihn gelehrt nach pflichtgrundsäzzen
ein paar stunden hintereinander schwäzzen,
indess er sich am a- reibt
und Wurstel immer Wurstel bleibt
Göthe I 38, 47 W. ('Hanswursts hochzeit'); vgl. 50; 16, 54;
geh'n wir heut abend (aufs theater weisend) zum Wurstl? Schnitzler freiwild (1898) 12. gelegentlich auch für den kasper des puppenspiels oder eine puppe überhaupt: den wurstl meinst? sagte Lisei (die tochter des puppenspielers) Th. Storm s. w. (1900) 4, 52; wie der weggeworfene 'wurstel', mit dem ein riesenkind gespielt hat A. v. Berger ges. schr. (1913) 1, 272. schlieszlich auch von der pritschenartigen lederwurst des fastnachtsnarren, wurst B 2 c ende entsprechend, s. Schmeller-Frommann a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2312, Z. 31.

würstl, würstel, n.

würst(e)l, n.,
diminutiv zu wurst, f., im obd. undhier aber neben würstchen (s. d.) — im md. sprachgebiet, vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 684ᵃ; 814ᵇ Gerbet Vogtland § 256 C 2. auch in ital. dialekte entlehnt: trent. vírstel, milan. vǘrstel salsicciotto tedesco archivio glott. ital. 18, 400. 1) 'kleine wurst': aber höre und überlege wohl: du darfst die würstel nur bei kaltem wetter senden (1858) Stifter briefw. 3 (1929) 89; wie er den fleisz durch ein paar würstel belohnte daheim (1865) 31, 267ᵇ. in verbindung mit bier die sphäre des österreichischen spieszbürgers kennzeichnend: so lange der Österreicher noch braun's bier und würstel hat, revoltiert er nicht (1794) Beethoven s. br. 1, 16 Kal.;
mei Florian, mei herze,
ach du gehst jetzt von mir,
und du stärkst dich im schmerze
mit würstel und mit bier
F. Raimund bei Erlach volkslieder d. Deutschen (1834) 5, 555.
redensartlich: du meinsᵗ, fur dich wurd e bᵉsunders ... würstᵉl gebroteⁿ? Martin-Lienhart elsäss. 2, 855ᵇ. 2) in den übertragenen bedeutungen von wurst. für menschliche exkremente, s.wurst B 2 b: dasz ich in zeit von länger als vier bis fünf tagen nichts als ein winzigs würstel gemacht hab Regis Rabelais (1832) 1, 736; Bernd Posen 356. gelegentlich von wurst B 3 a her für einen kleinen wurstwagen (s. d.): will ein kleins chaisl oder würstl kauffen (1778) L. Mozart in: br. W. A. Mozarts 4, 87 Schied. vom blütenstand der eichen, s. dazuwurst B 4, würstchen 2, würstlein 2 'kätzchen': zorkeln, die würsteln oder zäpfchen der eichen Nicolai österr. id. 145 in: reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1781) 5. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2312, Z. 56.

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Zitationshilfe
„würstel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/w%C3%BCrstel>, abgerufen am 08.08.2020.

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